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Sonntag, 29. Mai 2011

Adolf Hitler: "Mein Kampf"

 Adolf Hitler: "Mein Kampf"
Bitte beachten: DIE UNIVERSALITÄT DER MENSCHENRECHTE , Bundeszentrale für politische
Bildung.
Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Band 256, 19. Dezember 1966 (Seite
308)
Artikel 19 der Menschenrechte: Jedermann hat das Recht auf Freiheit der Meinung und der
Meinungsäußerung; dieses Recht umfaßt die unbehinderte Meinungsfreiheit und die Freiheit, ohne
Rücksicht auf Staatsgrenzen Informationen und Gedankengut durch Mittel jeder Art sich zu beschaffen, zu
empfangen und weiterzugeben.
Zuwiderhandlung ist ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".
Entschuldigungen man habe ja nur Verordnungen und Befehle ausgeführt,
gelten seit den Nürnberger IMT-Verfahren 1945/46 nicht mehr.
Komplette Ausgabe
"Wer die geschichtliche Entwicklung der letzten hundert Jahre von den
Gesichtspunkten dieses Buches aus überprüft, dem wird auch das Geschrei der
jüdischen Presse sofort verständlich werden. Denn wenn dieses Buch erst einmal
Gemeingut eines Volkes geworden sein wird, darf die jüdische Gefahr auch schon als
gebrochen gelten." (Seite 337)
Mein Kampf

Zwei Bände in einem Band
Vorwort
Am 1. April 1924 hatte ich, auf Grund des Urteilsspruches des Münchner Volksgerichts
von diesem Tage, meine Festungshaft zu Landsberg am Lech anzutreten. Damit bot sich mir
nach Jahren ununterbrochener Arbeit zum ersten Male die Möglichkeit, an ein Werk
heranzugehen, das von vielen gefordert und von mir selbst als zweckmäßig für die
Bewegung empfunden wurde. So habe ich mich entschlossen, in zwei Bänden nicht nur die
Ziele unserer Bewegung klarzulegen, sondern auch ein Bild der Entwicklung derselben zu
zeichnen. Aus ihr wird mehr zu lernen sein als aus jeder rein doktrinären Abhandlung. Ich
hatte dabei auch die Gelegenheit, eine Darstellung meines eigenen Werdens zu geben,
soweit dies zum Verständnis sowohl des ersten als auch des zweiten Bandes nötig ist und
zur Zerstörung der von der jüdischen Presse betriebenen üblen Legendenbildung über meine
Person dienen kann. Ich wende mich dabei mit diesemWerk nicht an Fremde, sondern an diejenigen
Adolf Hitler: "Mein Kampf"
Anhänger der Bewegung, die mit dem Herzen ihr angehören und deren Verstand nun nach innigerer
Aufklärung strebt. Ich weiß, daß man Menschen weniger durch das geschriebene Wort als vielmehr durch das
gesprochene zu gewinnen vermag, daß jede große Bewegung auf dieser Erde ihr Wachsen den großen
Rednern und nicht den großen Schreibern verdankt. Dennoch muß zur gleichmäßigen und einheitlichen
Vertretung einer Lehre das Grundsätzliche derselben niedergelegt werden für immer. Hierbei sollen diese
beiden Bände als Bausteine gelten, die ich dem gemeinsamen Werke beifüge.
Landsberg am Lech, Festungshaftanstalt.
Der Verfasser
Am 9. November 1923, 12 Uhr 30 Minuten nachmittags, fielen vor der Feldherrnhalle sowie im Hofe
des ehemaligen Kriegsministeriums zu München folgende Männer im treuen Glauben an die
Wiederauferstehung ihres Volkes.
Alfarth, Felix, Kaufmann, geb. 5. Juli 1901
Bauriedl , Andreas, Hutmacher, geb. 4. Mai 1879
Casella , Theodor, Bankbeamter, geb. 8. Aug. 1900
Ehrlich, Wilhelm, Bankbeamter, geb. 19. Aug. 1894
Faust, Martin, Bankbeamter, geb. 21. Januar 1901
Hechenberger, Anton, Schlosser, geb. 28. Sept. 1902
Körner, Oskar, Kaufmann, geb. 4. Januar 1875
Kuhn, Karl, Oberkellner, geb. 26. Juli 1897
Laforce , Karl, stud. ing., geb. 28; Oktober 1904
Neubauer, Kurt, Diener, geb. 27. März 1899
Pape, Claus von, Kaufmann, geb. 16. August 1904
Pfordten, Theodor von der, Rat am obersten Landesgericht , geb. 14. Mai 1873
Rickmers, Joh., Rittmeister a. D., geb. 7. Mai 1881
Scheubner-Richter, Max Erwin von, Dr. ing., geb. 9. Januar 1884
Wolf, Wilhelm, Kaufmann, geb. 19. Oktober 1898
Sogenannte nationale Behörden verweigerten den toten Helden ein
gemeinsames Grab.
So widme ich Ihnen zur gemeinsamen Erinnerung den ersten Band dieses Werkes, als dessen Blutzeugen sie den Anhängern
unserer Bewegung dauernd voranleuchten mögen.
.
Landsberg a. L., Festungshaftanstalt ,
16. Oktober 1924
Adolf Hitler
Personen- und Sachverzeichnis VII
Vorwort XXVII
Widmung XXIX
.
Erster Band:
Eine Abrechnung
1. Kapitel: Im Elternhaus 1
2. Kapitel: Wiener Lehr- undLeidensjahre 18
3. Kapitel: Allgemeine politischeBetrachtungen aus meiner Wiener Zeit 71
4. Kapitel: München 138
5. Kapitel: Der Weltkrieg 172
Adolf Hitler: "Mein Kampf"
6. Kapitel: Kriegspropaganda 193
7. Kapitel: Die Revolution 205
8. Kapitel: Beginn meiner politischenTätigkeit 226
9. Kapitel: „Die Deutsche Arbeiterpartei“ 236
10. Kapitel: Ursachen des Zusammenbruchs 245
11. Kapitel: Volk und Rasse 311
12. Kapitel: Die erste Entwicklungszeit der NationalsozialistischenDeutschen Arbeiterpartei 363
Zweiter Band:
Die nationalsozialistischeBewegung
1. Kapitel: Weltanschauung und Partei 409
2. Kapitel: Der Staat 425
3. Kapitel: Staatsangehöriger und Staatsbürger 488
4. Kapitel: Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke . 492
5. Kapitel: Weltanschauung und Organisation 504
6. Kapitel: Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede 518
7. Kapitel: Das Ringen mit der roten Front 538
8. Kapitel: Der Starke ist am mächtigstenallein 568
9. Kapitel: Grundgedanken über Sinn und Organisation der SA 579
10. Kapitel: Der Föderalismus als Maske 621
11. Kapitel: Propaganda und Organisation 649
12. Kapitel: Die Gewerkschaftsfrage 670
13. Kapitel: Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege .. 684
14. Kapitel: Ostorientierungoder Ostpolitik 726
15. Kapitel: Notwehr als Recht 759
Schlußwort 782
Inhaltsverzeichnis :
Adel: Entartung 270
Ägypten, englische Herrschaft in Ä. 747
Aktiengesellschaften: eine schwere Verfallserscheinung 256. = Mittel zum jüdischen Eindringen 344. = Internationalisierung der
deutschen Wirtschaft durch die A. 257 =
Alldeutsche Bewegung: in Österreich 102. = Verdienst 104, 106. = Ursache des Zusammenbruchs 110, 127. = Fehler 133. = im
Parlament 112. = Vgl. Schönerer
Axmann, Max, Generalgeschäftsführer der NSDAP., 665 =
Amerika s. Vereinigte Staaten = Anhänger einer Bewegung im Gegensatz zu Mitglied 651. = Vgl. Organisation = Antike im
Geschichtsunterricht 470 = Antisemitismus : falscher (auf religiöser Grundlage) 130. = Schutz - und Trutzbund 628. = Jüdische
Gegenwehr 629, 632 =
Arbeit: Wertung im völkischen Staat 482. = Doppelter Wert jeder A. 483 =
Arbeiter: Fabrikarbeiter 347. = Arbeiterschicksal 2
Es ist das Charakteristische dieser Naturen, daß sie von altgermanischem Heldentum, von grauer
Vorzeit, Steinäxten, Ger und Schild schwärmen, in Wirklichkeit aber die größten Feiglinge sind, die
man sich vorstellen kann. Denn die gleichen Leute, die mit altdeutschen, vorsorglich nachgemachten
Blechschwertern in den Lüften herumfuchteln, ein präpariertes Bärenfell mit Stierhörnern aber dem
bärtigen Haupte, predigen für die Gegenwart immer nur den Kampf mit geistigen Waffen und fliehen
vor jedem kommunistischen Gummiknüppel eiligst von dannen. Die Nachwelt wird einmal wenig
Veranlassung besitzen, das Heldendasein dieser Rauschebärte in einem neuen Epos zu verherrlichen.
Ich habe diese Leute zu gut kennengelernt, um nicht vor ihrer elenden Schauspielerei den tiefsten Ekel
zu empfinden. Auf die breite Masse aber wirken sie lächerlich, und
{397 Ablehnung des Wortes "völkisch"}
der Jude hat allen Grund, diese völkischen Komödianten zu schonen, sie sogar den wirklichen
Verfechtern eines kommenden deutschen Staates vorzuziehen. Dabei sind diese Menschen noch maßlos
eingebildet, wollen, trotz aller Beweise ihrer vollkommenen Unfähigkeit, alles besser verstehen und
werden zu einer wahren Plage für die geradlinigen und ehrlichen Kampfer, denen Heldentum nicht nur
in der Vergangenheit verehrungswürdig erscheint, sondern die sich auch bemühen, der Nachwelt durch
eigenes Handeln ein gleiches Bild zu geben.
Auch läßt es sich oft nur schwer unterscheiden, wer von diesen Leuten aus innerer Dummheit oder
Unfähigkeit handelt, oder wer aus bestimmten Gründen nur so tut. Besonders bei den sogenannten
religiösen Reformatoren auf altgermanischer Grundlage habe ich immer die Empfindung, als seien sie
von jenen Mächten geschickt, die den Wiederaufstieg unseres Volkes nicht wünschen. Führt doch ihre
ganze Tätigkeit das Volk vom gemeinsamen Kampf gegen den gemeinsamen Feind, den Juden, weg, um
es statt dessen seine Kräfte in ebenso unsinnigen wie unseligen inneren Religionsstreitigkeiten verzehren
zu lassen. Gerade aus diesen Gründen aber ist die Aufrichtung einer starken Zentralgewalt im Sinne der
unbedingten Autorität der Führung in der Bewegung nötig. Nur durch sie allein kann solchen
verderblichen Elementen das Handwerk gelegt werden. Allerdings sind aus diesem Grunde die größten
Feinde einer einheitlichen, stramm geführten und geleiteten Bewegung auch in den Kreisen dieser
völkischen Ahasvere zu finden. Sie hassen in der Bewegung die Macht, die ihren Unfug steuert.
Nicht umsonst hat die junge Bewegung sich einst auf ein bestimmtes Programm festgelegt und das Wort
"völkisch" dabei nicht verwendet. Der Begriff völkisch ist infolge seiner begrifflichen Unbegrenztheit
keine mögliche Grundlage für eine Bewegung und bietet keinen Maßstab für die Zugehörigkeit zu einer
solchen. Je undefinierbarer dieser Begriff praktisch ist, je mehr und umfangreichere Deutungen er
zuläßt, um so mehr steigt aber auch die Möglichkeit sich
{398 Ablehnung des Wortes "völkisch"}
auf ihn zu berufen. Die Einschiebung eines derart unbestimmbaren und so vielseitig auslegbaren
Begriffes in den politischen Kampf führt zur Aufhebung jeder strammen Kampfgemeinschaft, da diese
es nicht verträgt, dem einzelnen die Bestimmung seines Glaubens und Wollens selbst zu überlassen.
Es ist auch schandbar, was sich heute alles mit dem Wort "völkisch" auf der Kappe herumtreibt, wieviel
Leute ihre eigene Auffassung aber diesen Begriff haben. Ein bekannter Professor in Bayern, ein
berühmter Kampfer mit geistigen Waffen und reich an ebenso geistigen Marschleistungen nach Berlin,
setzt den Begriff völkisch monarchischer Einstellung gleich. Das gelahrte Haupt hat freilich bisher
vergessen, die Identität unserer deutschen Monarchen der Vergangenheit mit einer völkischen
Auffassung von heute näher zu erklären. Ich fürchte auch, daß dies dem Herrn schwer gelingen würde.
Denn etwas Unvölkischeres als die meisten deutschen monarchischen Staatsgebilde kann man sich gar
nicht vorstellen. Wäre es anders, sie waren nie verschwunden, oder aber ihr Verschwinden böte den
Beweis für die Unrichtigkeit der völkischen Weltanschauung.
So legt jeder diesen Begriff aus, wie er es eben versteht. Als Grundlage aber für eine politische
Kampfbewegung kann eine solche Vielfältigkeit der Meinungen nicht in Frage kommen.
Von der Weltfremdheit und besonders der Unkenntnis der Volksseele dieser völkischen Johannesse des
zwanzigsten Jahrhunderts will ich dabei ganz absehen. Sie wird genügend illustriert durch die
Lächerlichkeit, mit der sie von links behandelt werden. Man läßt sie schwätzen und lacht sie aus.
Wer es aber auf dieser Welt nicht fertigbringt, von seinen Gegnern gehaßt zu werden, scheint mir als
Freund nicht viel wert zu sein. Und so war auch die Freundschaft dieser Menschen für unsere junge
Bewegung nicht nur wertlos, sondern immer nur schädlich, und es war auch der Hauptgrund, warum wir
erstens den Namen "Partei" wählten — wir durften hoffen, daß dadurch allein schon ein
{399 "Geistige Waffen" — "Stille Arbeiter"}
ganzer Schwarm dieser völkischen Schlafwandler von uns zurückgescheucht würde, und warum wir uns
zweitens als Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei bezeichneten.
Der erste Ausdruck brachte uns die Altertumsschwärmer vom Leibe, die Wortmenschen und äußerlichen
Sprücheklopfer der sogenannten "völkischen Idee", der zweite aber befreite uns von dem ganzen Troß
der Ritter mit dem "geistigen Schwert", all der Jammerlappen, die die "geistige Waffe" als Schutzschild
vor ihre tatsächliche Feigheit halten.
Es versteht sich von selbst, daß wir in der Folgezeit besonders von diesen letzteren am schwersten
angegriffen wurden, natürlich nicht tätlich, sondern nur mit der Feder, wie dies von einem solchen
völkischen Gänsekiel ja nicht anders zu erwarten ist. Für sie hatte freilich unser Grundsatz "Wer uns mit
Gewalt entgegentritt, dessen erwehren wir uns mit Gewalt" etwas Unheimliches an sich. Sie warfen uns
nicht nur die rohe Anbetung des Gummiknüppels, sondern den mangelnden Geist an sich auf das
eindringlichste vor. Daß in einer Volksversammlung ein Demosthenes zum Schweigen gebracht werden
kann, wenn nur fünfzig Idioten, gestützt auf ihr Mundwerk und ihre Fäuste, ihn nicht sprechen lassen
wollen, berührt einen solchen Quacksalber allerdings nicht im geringsten. Die angeborene Feigheit läßt
ihn nie in eine solche Gefahr geraten. Denn er arbeitet nicht "lärmend" und "aufdringlich", sondern im
"stillen".
Ich kann auch heute unsere junge Bewegung nicht genug davor warnen, in das Netz dieser sogenannten
"stillen Arbeiter" zu kommen. Sie sind nicht nur Feiglinge, sondern auch immer Nichtskönner und
Nichtstuer. Ein Mensch, der eine Sache weiß, eine gegebene Gefahr kennt, die Möglichkeit einer
Abhilfe mit seinen Augen sieht, hat die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, nicht im "stillen" zu
arbeiten, sondern vor der Öffentlichkeit gegen das Übel auf- und für seine Heilung einzutreten. Tut er
das nicht, dann ist er ein pflichtvergessener, elender Schwächling, der entweder aus Feigheit versagt
oder aus Faulheit und Un-
{400 Die erste große Massenversammlung}
vermögen. Der Großteil dieser "stillen Arbeiter" aber tut meistens nur so, als ob er weiß Gott was wüßte.
Sie alle können nichts, versuchen aber die ganze Welt mit ihren Kunststücken zu bemogeln; sie sind
faul, erwecken aber mit ihrer behaupteten "Stillen" Arbeit den Eindruck einer ebenso enormen wie
emsigen Tätigkeit, kurz und gut, sie sind Schwindler, politische Schiebernaturen, denen die ehrliche
Arbeit der anderen verhaßt ist. Sobald solch ein völkischer Nachtfalter sich auf den Wert der "Stille"
beruft, kann man tausend gegen eins wetten, daß er in ihr nicht produziert, sondern stiehlt, stiehlt von
den Früchten der Arbeit anderer.
Dazu kommt noch die Arroganz, Einbildung und Frechheit, mit der dieses praktisch faulenzende,
lichtscheue Gesindel aber die Arbeit anderer herfällt, von oben herunter zu bekritteln versucht und so in
Wahrheit den Todfeinden unseres Volkes hilft.
Jeder letzte Agitator, der den Mut besitzt, auf dem Wirtstisch unter seinen Gegnern stehend, männlich
und offen seine Anschauung zu vertreten, leistet mehr als tausend dieser verlogenen, heimtückischen
Duckmäuser. Er wird sicherlich den einen oder den anderen bekehren und für die Bewegung gewinnen
können. Man wird seine Leistung überprüfen und am Erfolg die Wirkung seines Tuns festzustellen
vermögen. Nur die feigen Schwindler, die ihre Arbeit in der "Stille" preisen und sich mithin in den
Schutzmantel einer zu verachtenden Anonymität hüllen, taugen zu gar nichts und dürfen im wahrsten
Sinne des Wortes als Drohnen bei der Wiedererhebung unseres Volkes gelten.
×
Anfang des Jahres 1920 trieb ich zur Abhaltung der ersten ganz großen Massenversammlung. Darüber
kam es zu Meinungsverschiedenheiten. Einige führende Parteimitglieder hielten die Sache für viel zu
verfrüht und damit in der Wirkung für verhängnisvoll. Die rote Presse hatte sich mit uns zu beschäftigen
angefangen, und wir waren glücklich genug, allmählich ihren Haß zu erringen. Wir
{401 Die erste große Massenversammlung}
hatten begonnen, als Diskussionsredner in anderen Versammlungen aufzutreten. Natürlich wurde jeder
von uns sofort niedergeschrien. Allein ein Erfolg war doch vorhanden. Man lernte uns kennen, und in
eben dem Maße, in dem sich diese Kenntnis vertiefte, stiegen die Abneigung und Wut gegen uns. So
durften wir also wohl darauf hoffen, bei unserer ersten großen Massenversammlung den Besuch unserer
Freunde aus dem roten Lager in größtem Umfange zu erhalten.
Auch ich war mir klar darüber, daß die Wahrscheinlichkeit einer Sprengung groß war. Allein der Kampf
mußte eben ausgetragen werden, wenn nicht jetzt, dann einige Monate später. Es lag ganz bei uns, schon
am ersten Tage die Bewegung durch blindes, rücksichtsloses Einstehen für sie zu verewigen. Ich kannte
vor allem die Mentalität der Anhänger der roten Seiten nur zu gut, um nicht zu wissen, daß ein
Widerstand bis zum äußersten am ehesten nicht nur Eindruck erweckt, sondern auch Anhänger gewinnt.
Zu diesem Widerstand mußte man eben entschlossen sein.
Der damalige erste Vorsitzende der Partei, Herr Harrer, glaubte, meinen Ansichten in bezug auf den
gewählten Zeitpunkt nicht beipflichten zu können und trat in der Folge als ehrlicher, aufrechter Mann
von der Führung der Bewegung zurück. An seine Stelle rückte Herr Anton Drexler vor. Ich selber hatte
mir die Organisation der Propaganda vorbehalten und führte diese nun auch rücksichtslos durch.
So wurde als Termin für die Abhaltung dieser ersten großen Volksversammlung der noch unbekannten
Bewegung der 24. Februar 1920 bestimmt.
Die Vorbereitungen leitete ich persönlich, Sie waren sehr kurz. Überhaupt wurde der ganze Apparat
darauf eingestellt, blitzschnelle Entscheidungen treffen zu können. Zu Tagesfragen sollte in Form von
Massenversammlungen innerhalb vierundzwanzig Stunden Stellung genommen werden. Die
Ankündigung derselben sollte durch Plakate und Flugblätter stattfinden, deren Tendenz nach jenen
Gesichtspunkten bestimmt wurde, die ich in meiner Ab-
{402 Verbrüderung zwischen Marxismus und Zentrum}
handlung über Propaganda in großen Umrissen schon niedergelegt habe. Wirkung auf die breite Masse,
Konzentration auf wenige Punkte, immerwährende Wiederholung derselben, selbstsichere und
selbstbewußte Fassung des Textes in den Formen einer apodiktischen Behauptung, größte Beharrlichkeit
in der Verbreitung und Geduld im Erwarten der Wirkung.
Als Farbe wurde grundsätzlich Rot gewählt, sie ist die aufpeitschendste und mußte unsere Gegner am
meisten empören und aufreizen und uns ihnen dadurch so oder so zur Kenntnis und in Erinnerung
bringen.
In der Folgezeit zeigte sich auch in Bayern die innere Verbrüderung zwischen Marxismus und Zentrum
als politische Partei am klarsten in der Sorge, mit der die hier regierende Bayerische Volkspartei die
Wirkung unserer Plakate auf die roten Arbeitermassen abzuschwächen und später zu unterbinden
versuchte. Fand die Polizei kein anderes Mittel, dagegen einzuschreiten, dann mußten zum Schluß
"Verkehrsrücksichten" herhalten, bis man endlich dem inneren, stillen, roten Bundesgenossen zuliebe
unter fördernder Beihilfe einer sogenannten Deutschnationalen Volkspartei diese Plakate, die
Hunderttausenden von internationalen, verhetzten und verführten Arbeitern dem deutschen Volkstum
wiedergegeben hatten, gänzlich verbot. Diese Plakate — der ersten und zweiten Auflage dieses Buches
als Anhang beigefügt — können am besten das gewaltige Ringen belegen, das die junge Bewegung in
dieser Zeit ausfocht. Sie werden aber auch vor der Nachwelt Zeugnis ablegen für das Wollen und die
Aufrichtigkeit unserer Gesinnung und die Willkür sogenannter nationaler Behörden in der Unterbindung
einer ihnen unbequemen Nationalisierung und damit Wiedergewinnung breiter Massen unseres
Volkstums.
Sie werden auch die Meinung zerstören helfen, als ob sich in Bayern eine nationale Regierung an sich
befinde, und vor der Nachwelt noch dokumentieren, daß das nationale Bayern der Jahre 1919, 1920,
1921, 1922 und 1923 nicht etwa das Ergebnis einer nationalen Regierung war,
{403 Pöhner und Frick}
sondern diese nur gezwungenerweise Rücksicht nehmen mußte auf ein allmählich national fühlendes
Volk.
Die Regierungen selber taten alles, um diesen Gesundungsprozeß zu unterbinden und unmöglich zu
machen.
Zwei Männer nur muß man dabei ausnehmen:Der damalige Polizeipräsident Ernst Pöhner und sein
treuer Berater, Oberamtsmann Frick, waren die einzigen höheren Staatsbeamten, die schon damals den
Mut besaßen, erst Deutsche und dann Beamte zu sein. An verantwortlicher Stelle war Ernst Pöhner der
einzige, der nicht um die Gunst der Massen buhlte, sondern sich seinem Volkstum verantwortlich fühlte
und bereit war, für die Wiederauferstehung des von ihm über alles geliebten deutschen Volkes alles,
auch, wenn nötig, seine persönliche Existenz auf das Spiel zu setzen und zu opfern. Er war denn auch
immer der lästige Dorn in den Augen jener käuflichen Beamtenkreaturen, denen nicht das Interesse ihres
Volkes und die notwendige Freiheitserhebung desselben, sondern der Befehl des Brotgebers das Gesetz
des Handelns vorschreibt, ohne Rücksicht auf das Wohl des ihnen anvertrauten nationalen Gutes.
Vor allem aber gehörte er zu jenen Naturen, die im unterschied zu den meisten Hütern unserer
sogenannten Staatsautorität die Feindschaft der Volks- und Landesverräter nicht fürchten, sondern sie
als selbstverständliches Gut des anständigen Mannes ersehnen. Der Haß von Juden und Marxisten, ihr
ganzer Kampf voll Lüge und Verleumdung waren für ihn das einzige Glück inmitten des Elends unseres
Volkes.
Ein Mann von granitener Redlichkeit, von antiker Schlichtheit und deutscher Geradlinigkeit, bei dem
das Wort "lieber tot als Sklave" keine Phrase, sondern den Inbegriff seines ganzen Wesens bildete.
Er und sein Mitarbeiter Dr. Frick sind in meinen Augen die einzigen, die von Männern in staatlicher
Stellung das Recht besitzen, als Mithersteller eines nationalen Bayerns zu gelten. —Ehe wir nun zur
Abhaltung unserer ersten Massen-
{404 Die Abfassung des Programms}
versammlung schritten, mußte nicht nur das notwendige Propagandamaterial bereitgestellt, sondern
mußten auch die Leitsätze des Programms im Druck niedergelegt werden.
Ich werde die Richtlinien, die uns besonders bei der Abfassung des Programms vor Augen schwebten,
im zweiten Bande auf das gründlichste entwickeln. Ich will hier nur feststellen, daß es geschaffen
wurde, nicht nur um der jungen Bewegung Form und Inhalt zu geben, sondern um deren Ziele der
breiten Masse verständlich zu machen.
Aus sogenannten Intelligenzkreisen hat man darüber gewitzelt und gespöttelt und versucht, daran Kritik
zu üben. Die Richtigkeit unserer damaligen Auffassung aber hat die Wirksamkeit dieses Programms
ergeben.
Ich habe in diesen Jahren Dutzende von neuen Bewegungen erstehen sehen, und sie alle sind wieder
spurlos verschwunden und verweht. Eine einzige blieb: die Nationalsozialistische Deutsche
Arbeiterpartei. Und heute hege ich mehr denn je die Überzeugung, daß man sie bekämpfen kann, daß
man versuchen mag, sie zu lahmen, daß kleine Parteiminister uns die Rede und das Wort verbieten
können, den Sieg unserer Gedanken werden sie nimmermehr verhindern.
Wenn von der gesamten heutigen Staatsauffassung und ihren Vertretern nicht einmal die Erinnerung
mehr die Namen künden wird, werden die Grundlagen des nationalsozialistischen Programms die
Fundamente eines kommenden Staates sein.
Die viermonatige Versammlungstätigkeit vor dem Januar 1920 hatte uns langsam die kleinen Mittel
erübrigen lassen, die wir zur Drucklegung unserer ersten Flugschrift, unseres ersten Plakates und
unseres Programms benötigten.
Wenn ich als Abschluß dieses Bandes diese erste große Massenversammlung der Bewegung nehme, so
geschieht es deshalb, weil mit ihr die Partei den engen Rahmen eines kleinen Vereins sprengte und an
Stelle dessen zum ersten Male bestimmend auf den gewaltigen Faktor unserer Zeit, die öffentliche
Meinung, einwirkte.
{405 Erstmalige Erläuterung des Programms}
Ich selbst besaß damals nur eine einzige Sorge: Wird der Saal gefüllt sein, oder werden wir vor
gähnender Leere sprechen? Ich hatte die felsenfeste innere Überzeugung, daß, wenn die Menschen
kommen würden, der Tag ein großer Erfolg für die junge Bewegung werden müsse. So bangte ich dem
damaligen Abend entgegen.
Um 7.30 Uhr sollte die Eröffnung stattfinden. 7.15 Uhr betrat ich den Festsaal des Hofbräuhauses am
Platz in München, und das Herz wollte mir fast vor Freude zerspringen. Der gewaltige Raum, denn
gewaltig kam er mir damals noch vor, war mit Menschen überfüllt, Kopf an Kopf, eine fast zweitausend
Menschen zählende Masse. Und vor allem — es waren die gekommen, an die wir uns wenden wollten.
Weit über die Hälfte des Saales schien von Kommunisten und Unabhängigen besetzt. Unsere erste große
Kundgebung war von ihnen zu einem schnellen Ende bestimmt worden.
Allein es kam anders. Nachdem der erste Redner geendet, ergriff ich das Wort. Wenige Minuten später
hagelte es Zwischenrufe, im Saal kam es zu heftigen Zusammenstößen. Eine Handvoll treuester
Kriegskameraden und sonstige Anhänger schlugen sich mit den Störenfrieden und vermochten erst nach
und nach einige Ruhe herzustellen. Ich konnte wieder weitersprechen. Nach einer halben Stunde begann
der Beifall das Schreien und Brüllen langsam zu übertönen.
Und nun ergriff ich das Programm und begann es zum ersten Male zu erläutern.
Von Viertelstunde zu Viertelstunde wurden die Zwischenrufe mehr und mehr zurückgedrängt von
beifälligen Zurufen. Und als ich endlich die fünfundzwanzig Thesen Punkt für Punkt der Masse vorlegte
und sie bat, selber das Urteil über sie zu sprechen, da wurden sie nun eine nach der anderen unter immer
mehr sich erhebendem Jubel angenommen, einstimmig und immer wieder einstimmig, und als die letzte
These so den Weg zum Herzen der Masse gefunden hatte, stand ein Saal voll Menschen vor mir,
zusammengeschlossen von einer neuen Überzeugung, einem neuen Glauben, von einem neuen Willen.
{406 Die Bewegung nimmt ihren Lauf}
Als sich nach fast vier Stunden der Raum zu leeren begann und die Masse sich Kopf an Kopf wie ein
langsamer Strom dem Ausgang zuwälzte, zuschob und zudrängte, da wußte ich, daß nun die Grundsätze
einer Bewegung in das deutsche Volk hinauswanderten, die nicht mehr zum Vergessen zu bringen
waren.
Ein Feuer war entzündet, aus dessen Glut dereinst das Schwert kommen muß, das dem germanischen
Siegfried die Freiheit, der deutschen Nation das Leben wiedergewinnen soll.
Und neben der kommenden Erhebung fühlte ich die Göttin der unerbittlichen Rache schreiten für die
Meineidstat des 9. November 1918.
So leerte sich langsam der Saal.
Die Bewegung nahm ihren Lauf.
ADOLF HITLER
Mein Kampf
Zweiter Band
Die nationalsozialistische Bewegung
{409}
1. Kapitel:
Weltanschauung und Partei
Am 24. Februar 1920 fand die erste große öffentliche Massenkundgebung unserer jungen Bewegung
statt. Im Festsaale des Münchener Hofbräuhauses wurden die fünfundzwanzig Thesen des Programms
der neuen Partei einer fast zweitausendköpfigen Menschenmenge unterbreitet und jeder einzelne Punkt
unter jubelnder Zustimmung angenommen.
Damit waren die ersten Leitsätze und Richtlinien für einen Kampf ausgegeben, der mit einem wahren
Wust althergebrachter Vorstellungen und Ansichten und mit unklaren, ja schädlichen Zielen aufräumen
sollte. In die faule und feige bürgerliche Welt sowohl wie in den Siegeszug der marxistischen
Eroberungswelle sollte eine neue Machterscheinung treten, um den Wagen des Verhängnisses in letzter
Stunde zum Stehen zu bringen.
Es war selbstverständlich, daß die neue Bewegung nur dann hoffen durfte, die nötige Bedeutung und die
erforderliche Stärke für diesen Riesenkampf zu erhalten, wenn es ihr vom ersten Tage an gelang, in den
Herzen ihrer Anhänger die heilige Überzeugung zu erwecken, daß mit ihr dem politischen Leben nicht
eine neue Wahlparole oktroyiert, sondern eine neue Weltanschauung von prinzipieller Bedeutung
vorangestellt werden solle.
Man muß bedenken, aus welch jämmerlichen Gesichtspunkten heraus sogenannte "Parteiprogramme"
normal zusammengeschustert und von Zeit zu Zeit aufgepumpt oder umgemodelt werden. Man muß die
treibenden Motive besonders dieser bürgerlichen "Programm-Kommissionen" unter die Lupe nehmen,
um das nötige Verständnis für die Be-
{410 Die bürgerlichen "Programm-Kommissionen"}
wertung dieser programmatischen Ausgeburten zu gewinnen.
Es ist immer eine einzige Sorge, die entweder zur Neuaufstellung von Programmen oder zur
Abänderung der vorhandenen antreibt: die Sorge um den nächsten Wahlausgang. Sowie in den Köpfen
dieser parlamentarischen Staatskünstler die Ahnung aufzudämmern pflegt, daß das liebe Volk wieder
einmal revoltiert und aus dem Geschirr des alten Parteiwagens entschlüpfen will, pflegen sie die
Deichseln neu anzustreichen. Dann kommen die Sterngucker und Parteiastrologen, die sogenannten
"erfahrenen" und "gewiegten", meistens alten Parlamentarier, die in ihrer "reichen politischen Lehrzeit"
sich analoger Fälle zu erinnern vermögen, da auch der Masse endlich die Stränge ihrer Geduld gerissen,
und die ähnliches wieder bedrohlich nahe fühlen. So greifen sie zu den alten Rezepten, bilden eine
"Kommission", horchen im lieben Volk herum, beschnüffeln die Presseerzeugnisse und riechen so
langsam heraus, was das liebe breite Volk gerne haben möchte, was es verabscheut und was es sich
erhofft. Jede Berufsgruppe, ja jede Angestelltenklasse wird genauestens studiert und in ihren geheimsten
Wünschen erforscht. Auch die "üblen Schlagworte" der gefährlichen Opposition pflegen dann plötzlich
reif für eine Überprüfung zu sein und tauchen nicht selten, zum größten Erstaunen ihrer ursprünglichen
Erfinder und Verbreiter, ganz harmlos, wie selbstverständlich im Wissensschatz der alten Parteien auf.
So treten die Kommissionen zusammen und "revidieren" das alte Programm und verfassen ein neues
(die Herrschaften wechseln dabei ihre Überzeugungen wie der Soldat im Felde das Hemd, nämlich
immer dann, wenn das alte verlaust ist!), in dem jedem das Seine gegeben wird. Der Bauer erhält den
Schutz seiner Landwirtschaft, der Industrielle den Schutz seiner Ware, der Konsument den Schutz seines
Einkaufs, den Lehrern werden die Gehälter erhöht, den Beamten die Pensionen aufgebessert, Witwen
und Waisen soll in reichlichstem Umfang der Staat versorgen, der Verkehr wird gefördert, die Tarife
{411 Aus dem Leben der "Volksvertreter"}
sollen erniedrigt und gar die Steuern, wenn auch nicht ganz, aber doch so ziemlich abgeschafft werden.
Manches Mal passiert es, daß man doch einen Stand vergessen oder von einer im Volk umlaufenden
Forderung nichts gehört hat. Dann wird in letzter Eile noch hineingeflickt, was Platz hat, so lange, bis
man mit gutem Gewissen hoffen darf, das Heer der normalen Spießer samt ihren Weibern wieder
beruhigt zu haben und hochbefriedigt zu sehen. So kann man innerlich also gerüstet im Vertrauen auf
den lieben Gott und die unerschütterliche Dummheit der wahlberechtigten Bürger den Kampf um die
"neue Gestaltung" des Reiches, wie man sagt, beginnen.
Wenn dann der Wahltag vorbei ist, die Parlamentarier für fünf Jahre ihre legte Volksversammlung
abgehalten haben, um sich von der Dressur des Plebs hinweg zur Erfüllung ihrer höheren und
angenehmeren Aufgaben zu begeben, löst sich die Programm-Kommission wieder auf, und der Kampf
um die Neugestaltung der Dinge erhält wieder die Formen des Ringens um das liebe tägliche Brot:
Dieses heißt aber beim Parlamentarier Diäten.
Jeden Morgen begibt sich der Herr Volksvertreter in das Hohe Haus, und wenn schon nicht ganz hinein,
so doch wenigstens bis in den Vorraum, in dem die Anwesenheitslisten auf liegen. Im angreifenden
Dienste für das Volk trägt er dort seinen Namen ein und nimmt als wohlverdienten Lohn eine kleine
Entschädigung für diese fortgesetzten zermürbenden Anstrengungen entgegen.
Nach vier Jahren oder in sonstigen kritischen Wochen, wenn die Auflösung der parlamentarischen
Körperschaften wieder näher und näher zu rücken beginnt, beschleicht die Herren plötzlich ein
unbezähmbarer Drang. So wie der Engerling nicht anders kann, als sich zum Maikäfer zu verwandeln,
so verlassen diese parlamentarischen Raupen das große gemeinsame Puppenhaus und flattern
flügelbegabt hinaus zum lieben Volk. Sie reden wieder zu ihren Wählern, erzählen von der eigenen
enormen Arbeit und der böswilligen Verstocktheit der anderen, bekommen aber von der unverständigen
Masse statt dankbaren Bei-
{412 Marxismus und demokratisches Prinzip}
falls manches Mal rohe, ja gehässige Ausdrücke an den Kopf geworfen. Wenn sich diese Undankbarkeit
des Volkes bis zu einem gewissen Grade steigert, kann nur ein einziges Mittel helfen: der Glanz der
Partei muß wieder aufgebügelt werden, das Programm ist verbesserungsbedürftig, die Kommission tritt
erneut ins Leben, und der Schwindel beginnt von vorne. Bei der granitenen Dummheit unserer
Menschheit wundere man sich nicht über den Erfolg. Geleitet durch seine Presse und geblendet vom
neuen verlockenden Programm, kehrt das "bürgerliche" wie das "proletarische" Stimmvieh wieder in
den gemeinsamen Stall zurück und wählt seine alten Betrüger.
Damit verwandelt sich der Volksmann und Kandidat der schaffenden Stände wieder in die
parlamentarische Raupe und frißt sich am Gezweig des staatlichen Lebens weiter dick und fett, um sich
nach vier Jahren wieder in den schillernden Schmetterling zu verwandeln.
Es gibt kaum etwas Deprimierenderes, als diesen ganzen Vorgang in der nüchternen Wirklichkeit zu
beobachten, diesem sich immer wiederholenden Betrug zusehen zu müssen.
Aus solchem geistigen Nährboden schöpft man im bürgerlichen Lager freilich nicht die Kraft, den
Kampf mit der organisierten Macht des Marxismus auszufechten.
Ernstlich denken die Herrschaften auch nie daran. Bei aller zugegebenen Beschränktheit und geistigen
Inferiorität dieser parlamentarischen Medizinmänner der weißen Rasse können sie selber sich nicht im
Ernste einbilden, auf dem Wege einer westlichen Demokratie gegen eine Lehre anzukämpfen, für
welche die Demokratie samt allem, was drum und dran hängt, im besten Falle ein Mittel zum Zweck ist,
das man anwendet, um den Gegner zu lähmen und dem eigenen Handeln freie Bahn zu schaffen. Wenn
nämlich ein Teil des Marxismus zur Zeit auch in äußerst kluger Weise die unzertrennliche Verbindung
mit den Grundsätzen der Demokratie vorzutäuschen versucht, dann möge man doch gefälligst nicht
vergessen, daß in der kritischen Stunde diese Herrschaften sich um eine Majoritätsentscheidung nach
westlich-demokratischer Auffassung einen
{413 Marxismus und demokratisches Prinzip}
Pfifferling kümmerten! Es war dies in den Tagen, als die bürgerlichen Parlamentarier die Sicherheit des
Reiches in der monumentalen Borniertheit einer überragenden Zahl garantiert sahen, während der
Marxismus mit einem Haufen von Straßenstrolchen, Deserteuren, Parteibonzen und jüdischen Literaten
kurzerhand die Macht an sich riß, der Demokratie solcher Art eine schallende Maulschelle versengend.
Daher gehört dann schon das gläubige Gemüt eines solchen parlamentarischen Zauberpriesters
bürgerlicher Demokratie dazu, um zu wähnen, daß jetzt oder in der Zukunft die brutale Entschlossenheit
der Interessenten und Träger jener Weltpest einfach durch die Beschwörungsformeln eines westlichen
Parlamentarismus gebannt werden könnte.
Der Marxismus wird so lange mit der Demokratie marschieren, bis es ihm gelingt, auf indirektem Wege
für seine verbrecherischen Ziele sogar noch die Unterstützung der von ihm zur Ausrottung bestimmten
nationalen geistigen Welt zu erhalten. Käme er aber heute zur Überzeugung, daß sich aus dem
Hexenkessel unserer parlamentarischen Demokratie plötzlich eine Majorität zusammenbrauen ließe, die
— und wäre es nur auf Grund ihrer zur Gesetzgebung berechtigten Mehrzahl — dem Marxismus
ernstlich auf den Leib rückte, so wäre das parlamentarische Gaukelspiel gleich zu Ende. Die
Bannerträger der roten Internationale würden dann, statt einen Appell an das demokratische Gewissen
zu richten, einen brandigen Aufruf an die proletarischen Massen erlassen, und ihr Kampf würde sich mit
einem Schlage aus der muffigen Luft der Sitzungssäle unserer Parlamente in die Fabriken und auf die
Straße verpflanzen. Die Demokratie wäre damit sofort erledigt; und was der geistigen Gelenkigkeit jener
Völkerapostel in den Parlamenten mißlungen war, würde dem Brecheisen und Schmiedehammer
aufgehetzter Proletariermassen genau wie im Herbst 1918 blitzschnell gelingen: sie würden der
bürgerlichen Welt schlagend beibringen, wie verrückt es ist, sich einzubilden, mit dem Mittel westlicher
Demokratie der jüdischen Welteroberung entgegentreten zu können.
{414 Weltanschauung gegen Weltanschauung}
Wie gesagt, es gehört schon ein gläubiges Gemüt dazu, sich einem solchen Spieler gegenüber an Regeln
zu binden, die für diesen immer nur zum Bluff oder zum eigenen Nutzen vorhanden sind, die über Bord
geschleudert werden, sobald sie seinen Vorteilen nicht mehr entsprechen.
Da bei allen Parteien sogenannter bürgerlicher Einstellung in Wirklichkeit der ganze politische Kampf
tatsächlich nur im Raufen um einzelne Parlamentsstühle besteht, wobei Einstellungen und Grundsätze je
nach Zweckmäßigkeit wie Sandballast über Bord geworfen werden, so sind natürlich auch ihre
Programme demgemäß abgestimmt und — umgekehrt allerdings — auch ihre Kräfte danach bemessen.
Es fehlt ihnen jene große magnetische Anziehung, der die breite Masse immer nur folgt unter dem
zwingenden Eindruck großer überragender Gesichtspunkte, der Überzeugungskraft bedingungslosen
Glaubens an dieselben, gepaart mit dem fanatischen Kampfesmut, für sie einzustehen.
In einer Zeit aber, in welcher die eine Seite, ausgerüstet mit allen Waffen einer, wenn auch tausendmal
verbrecherischen Weltanschauung, zum Sturm gegen eine bestehende Ordnung antritt, kann die andere
ewig nur Widerstand leisten, wenn sich dieser selber in die Formen eines neuen, in unserem Falle
politischen Glaubens kleidet und die Parole einer schwächlichen und feigen Verteidigung mit dem
Schlachtruf mutigen und brutalen Angriffs vertauscht. Wenn daher heute unserer Bewegung, besonders
von seiten sogenannter nationaler bürgerlicher Minister, etwa des bayerischen Zentrums, der geistreiche
Vorwurf gemacht wird, daß sie auf eine "Umwälzung" hinarbeite, kann man einem solchen
politisierenden Dreikäsehoch nur eines zur Antwort geben: Jawohl, wir versuchen nachzuholen, was ihr
in eurer verbrecherischen Dummheit versäumt habt. Ihr habt durch die Grundsätze eures
parlamentarischen Kuhhandels mitgeholfen, die Nation in den Abgrund
{415 Der Begriff "völkisch"}
zu zerren; wir aber werden, und zwar in den Formen des Angriffs, durch die Aufstellung einer neuen
Weltanschauung und der fanatischen unerschütterlichen Verteidigung ihrer Grundsätze unserem Volke
die Stufen bauen, auf denen es dereinst in den Tempel der Freiheit wieder emporzusteigen vermag.
So mußte in der Gründungszeit unserer Bewegung unsere erste Sorge immer darauf gerichtet sein, zu
verhüten, daß aus der Heerschar von Kämpfern für eine neue hehre Überzeugung bloß ein Verein zur
Förderung parlamentarischer Interessen werde.
Die erste vorbeugende Maßnahme war die Schaffung eines Programms, das zielmäßig zu einer
Entwicklung drängte, die schon in ihrer inneren Größe geeignet erschien, die kleinen und schwächlichen
Geister unserer heutigen Parteipolitiker zu verscheuchen.
Wie richtig aber unsere Auffassung von der Notwendigkeit programmatischer Zielpunkte schärfster
Prägung gewesen ist, ging am klarsten aus jenen verhängnisvollen Gebrechen hervor, die endlich zum
Zusammenbruche Deutschlands geführt haben.
Aus ihrer Erkenntnis heraus mußte sich eine neue Staatsauffassung formen, die selber wieder ein
wesentlicher Bestandteil einer neuen Weltauffassung ist.
×
Ich habe mich schon im ersten Bande mit dem Worte "völkisch" insofern auseinandergesetzt, als ich
feststellen mußte, daß diese Bezeichnung begrifflich zu wenig begrenzt erscheint, um die Bildung einer
geschlossenen Kampfgemeinschaft zu gestatten. Alles Mögliche, das in allem Wesentlichen seiner
Ansichten himmelweit auseinanderklafft, treibt sich zur Zeit unter dem Deckwort "völkisch" herum. Ehe
ich daher nun zu den Aufgaben und Zielen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei
übergehe, möchte ich eine Klarstellung des Begriffes "völkisch" sowie seines Verhältnisses zur
Parteibewegung geben.
{416 Der Begriff "völkisch"}
Der Begriff "völkisch" erscheint so wenig klar abgesteckt, so vielseitig auslegbar und so unbeschränkt in
der praktischen Anwendung wie etwa das Wort "religiös". Man kann sich sehr schwer auch unter dieser
Bezeichnung etwas ganz Präzises vorstellen, weder im Sinne gedanklichen Erfassens noch in dem
praktischen Auswirkens. Faßlich vorstellbar wird die Bezeichnung "religiös" erst in dem Augenblick, in
dem sie sich mit einer bestimmt umrissenen Form dieses ihres Auswirkens verbindet. Es ist eine sehr
schöne, meist aber auch billige Erklärung, wenn man das Wesen eines Menschen als "tiefinnerlich
religiös" bezeichnet. Es wird vielleicht auch einige wenige geben, die durch eine solche ganz allgemeine
Bezeichnung sich selbst befriedigt fühlen, ja, denen sie sogar ein bestimmtes, mehr oder minder scharfes
Bild jenes Seelenzustandes zu vermitteln vermag. Da aber die große Masse weder aus Philosophen noch
aus Heiligen besteht, wird eine solche ganz allgemeine religiöse Idee dem einzelnen meist nur die
Freigabe seines individuellen Denkens und Handelns bedeuten, ohne indes zu jener Wirksamkeit zu
führen, welche der religiösen inneren Sehnsucht in dem Augenblicke erwächst, da sich aus der rein
metaphysischen unbegrenzten Gedankenwelt ein klar umgrenzter Glaube formt. Sicherlich ist dieser
nicht der Zweck an sich, sondern nur ein Mittel zum Zweck; doch ist er das unumgänglich notwendige
Mittel, um den Zweck überhaupt erreichen zu können. Dieser Zweck aber ist nicht nur ein ideeller,
sondern im letzten Grunde genommen auch ein eminent praktischer. Wie man sich überhaupt darüber
klar werden muß, daß die höchsten Ideale immer einer tiefsten Lebensnotwendigkeit entsprechen, genau
so wie der Adel der erhabensten Schönheit im letzten Grunde auch nur im logisch Zweckmäßigsten
liegt.
Indem der Glaube mithilft, den Menschen über das Niveau eines tierischen Dahinlebens zu erheben,
trägt er in Wahrheit zur Festigung und Sicherung seiner Existenz bei. Man nehme der heutigen
Menschheit die durch ihre Erziehung gestützten, religiös-glaubensmäßigen. in ihrer praktischen
Bedeutung aber sittlich-moralischen Grundsätze
{417 Vom religiösen Fühlen zum apodiktischen Glauben}
durch Ausscheidung dieser religiösen Erziehung und ohne dieselbe durch Gleichwertiges zu ersehen,
und man wird das Ergebnis in einer schweren Erschütterung der Fundamente ihres Daseins vor sich
haben. Man darf also wohl feststellen, daß nicht nur der Mensch lebt, um höheren Idealen zu dienen,
sondern daß diese höheren Ideale umgekehrt auch die Voraussetzung zu seinem Dasein als Mensch
geben. So schließt sich der Kreis.
Natürlich liegen auch schon in der allgemeinen Bezeichnung "religiös" einzelne grundsätzliche
Gedanken oder Überzeugungen, zum Beispiel die der Unzerstörbarkeit der Seele, der Ewigkeit ihres
Daseins, der Existenz eines höheren Wesens usw. Allein alle diese Gedanken, und mögen sie für den
einzelnen noch so überzeugend sein, unterliegen so lange der kritischen Prüfung dieses einzelnen und
damit so lange einer schwankenden Bejahung oder Verneinung, bis eben nicht die gefühlsmäßige
Ahnung oder Erkenntnis die gesetzmäßige Kraft apodiktischen Glaubens annimmt. Dieser vor allem ist
der Kampffaktor, der der Anerkennung religiöser Grundanschauungen Bresche schlägt und die Bahn frei
macht.
Ohne den klar begrenzten Glauben würde die Religiosität in ihrer unklaren Vielgestaltigkeit für das
menschliche Leben nicht nur wertlos sein, sondern wahrscheinlich zur allgemeinen Zerrüttung
beitragen.
Ähnlich wie mit dem Begriff "religiös" verhält es sich mit der Bezeichnung "völkisch". Auch in ihr
liegen schon einzelne grundsätzliche Erkenntnisse. Sie sind jedoch, wenn auch von eminentester
Bedeutung, ihrer Form nach so wenig klar bestimmt, daß sie sich über den Wert einer mehr oder minder
anzuerkennenden Meinung erst dann erheben, wenn sie als Grundelemente in den Rahmen einer
politischen Partei gefaßt werden. Denn die Verwirklichung weltanschauungsmäßiger Ideale und der aus
ihnen abgeleiteten Forderungen erfolgt ebensowenig durch das reine Gefühl oder das innere Wollen der
Menschen an sich als etwa die Erringung der
{418 Vom völkischen Fühlen zum politischen Bekenntnis}
Freiheit durch die allgemeine Sehnsucht nach ihr. Nein, erst wenn der ideale Drang nach
Unabhängigkeit in den Formen militärischer Machtmittel die kampfesmäßige Organisation erhält, kann
der drängende Wunsch eines Volkes in herrliche Wirklichkeit umgesetzt werden.
Jede Weltanschauung, sie mag tausendmal richtig und von höchstem Nutzen für die Menschheit sein,
wird solange für die praktische Ausgestaltung eines Völkerlebens ohne Bedeutung bleiben, als ihre
Grundsätze nicht zum Panier einer Kampfbewegung geworden sind, die ihrerseits wieder so lange Partei
sein wird, als sich ihr Wirken nicht im Siege ihrer Ideen vollendet hat und ihre Parteidogmen die neuen
Staatsgrundsätze der Gemeinschaft eines Volkes bilden.
Wenn aber eine geistige Vorstellung allgemeiner Art einer kommenden Entwicklung als Fundament
dienen will, dann ist die erste Voraussetzung die Schaffung unbedingter Klarheit über Wesen, Art und
Umfang dieser Vorstellung, da sich nur auf solcher Basis eine Bewegung bilden läßt, die in der inneren
Homogenität ihrer Überzeugungen die nötige Kraft zum Kampfe zu entwickeln vermag. Aus
allgemeinen Vorstellungen muß ein politisches Programm, aus einer allgemeinen Weltanschauung ein
bestimmter politischer Glaube, geprägt werden. Dieser wird, da sein Ziel ein praktisch erreichbares sein
soll, nicht nur der Idee an sich zu dienen haben, sondern auch Rücksicht nehmen müssen auf die
Kampfmittel, die zur Erringung des Sieges dieser Idee vorhanden sind und Verwendung finden müssen.
Zu einer abstrakt richtigen geistigen Vorstellung, die der Programmatiker zu verkünden hat, muß sich
die praktische Erkenntnis des Politikers gesellen. So muß sich ein ewiges Ideal als Leitstern einer
Menschheit leider damit abfinden, die Schwächen dieser Menschheit zu berücksichtigen, um nicht
{419 Vom politischen Bekenntnis zur Kampfgemeinschaft}
an der allgemeinen menschlichen Unzulänglichkeit von vornherein zu scheitern. Zum Erforscher der
Wahrheit hat sich der Kenner der Volkspsychose zu gesellen, um aus dem Reiche des Ewig-Wahren und
Idealen das menschlich Mögliche für kleine Sterbliche herauszuholen und Gestalt werden zu lassen.
Diese Umsetzung einer allgemeinen weltanschauungsmäßigen idealen Vorstellung von höchster
Wahrhaftigkeit in eine bestimmt begrenzte, straff organisierte, geistig und willensmäßig einheitliche
politische Glaubens- und Kampfgemeinschaft ist die bedeutungsvollste Leistung, da von ihrer
glücklichen Lösung allein die Möglichkeit eines Sieges der Idee abhängt. Hier muß aus dem Heer von
oft Millionen Menschen, die im einzelnen mehr oder weniger klar und bestimmt diese Wahrheiten
ahnen, zum Teil vielleicht begreifen, einer hervortreten, um mit apodiktischer Kraft aus der
schwankenden Vorstellungswelt der breiten Masse granitene Grundsätze zu formen und so lange den
Kampf für ihre alleinige Richtigkeit aufzunehmen, bis sich aus dem Wellenspiel einer freien
Gedankenwelt ein eherner Fels einheitlicher glaubens- und willensmäßiger Verbundenheit erhebt.
Das allgemeine Recht zu einer solchen Handlung liegt begründet in ihrer Notwendigkeit, das
persönliche Recht im Erfolg.
×
Wenn wir versuchen, aus dem Worte "völkisch" den sinngemäßen innersten Kern herauszuschälen,
kommen wir zu folgender Feststellung: Unsere heutige landläufige politische Weltauffassung beruht im
allgemeinen auf der Vorstellung, daß dem Staate zwar an sich schöpferische, kulturbildende Kraft
zuzusprechen sei, daß er aber mit rassischen Voraussetzungen nichts zu tun habe, sondern eher noch ein
Produkt wirtschaftlicher Notwendigkeiten, bestenfalls aber das natürliche Ergebnis politischen
Machtdranges sei. Diese Grundanschauung führt in ihrer logisch-konsequenten Weiterbildung nicht nur
zu
{420 Marxismus gegen Rasse und Persönlichkeit}
einer Verkennung rassischer Urkräfte, sondern auch zu einer Minderbewertung der Person. Denn die
Ableugnung der Verschiedenheit der einzelnen Rassen in bezug auf ihre allgemeinen kulturbildenden
Kräfte muß zwangsläufig diesen größten Irrtum auch auf die Beurteilung der Einzelperson übertragen.
Die Annahme von der Gleichartigkeit der Rassen wird dann zur Grundlage einer gleichen
Betrachtungsweise für die Völker und weiterhin für die einzelnen Menschen. Daher ist auch der
internationale Marxismus selbst nur die durch den Juden Karl Marx vorgenommene Übertragung einer
tatsächlich schon längst vorhandenen weltanschauungsmäßigen Einstellung und Auffassung in die Form
eines bestimmten politischen Glaubensbekenntnisses. Ohne den Untergrund einer derartigen, allgemein
bereits vorhandenen Vergiftung wäre der staunenswerte politische Erfolg dieser Lehre auch niemals
möglich gewesen. Karl Marx war wirklich nur der eine unter den Millionen, der in dem Sumpfe einer
langsam verkommenden Welt mit dem sicheren Blick des Propheten die wesentlichsten Giftstoffe
erkannte, sie herausgriff, um sie, einem Schwarzkünstler gleich, in eine konzentrierte Lösung zur
schnelleren Vernichtung des unabhängigen Daseins freier Nationen auf dieser Erde zu bringen. Dieses
alles aber im Dienste seiner Rasse.
So ist die marxistische Lehre der kurzgefaßte geistige Extrakt der heute allgemein gültigen
Weltanschauung. Schon aus diesem Grunde ist auch jeder Kampf unserer sogenannten bürgerlichen
Welt gegen sie unmöglich, ja lächerlich, da auch diese bürgerliche Welt im wesentlichen von all diesen
Giftstoffen durchseht ist und einer Weltanschauung huldigt, die sich von der marxistischen im
allgemeinen nur mehr durch Grade und Personen unterscheidet. Die bürgerliche Welt ist marxistisch,
glaubt aber an die Möglichkeit der Herrschaft bestimmter Menschengruppen (Bürgertum), während der
Marxismus selbst die Welt planmäßig in die Hand des Judentums überzuführen trachtet.
Demgegenüber erkennt die völkische Weltanschauung die Bedeutung der Menschheit in deren
rassischen Urelementen.
{421 Völkische Einstellung auf Rasse und Persönlichkeit}
Sie sieht im Staat prinzipiell nur ein Mittel zum Zweck und faßt als seinen Zweck die Erhaltung des
rassischen Daseins der Menschen auf. Sie glaubt somit keineswegs an eine Gleichheit der Rassen,
sondern erkennt mit ihrer Verschiedenheit auch ihren höheren oder minderen Wert und fühlt sich durch
diese Erkenntnis verpflichtet, gemäß dem ewigen Wollen, das dieses Universum beherrscht, den Sieg
des Besseren, Stärkeren zu fördern, die Unterordnung des Schlechteren und Schwächeren zu verlangen.
Sie huldigt damit prinzipiell dem aristokratischen Grundgedanken der Natur und glaubt an die Geltung
dieses Gesetzes bis herab zum legten Einzelwesen. Sie sieht nicht nur den verschiedenen Wert der
Rassen, sondern auch den verschiedenen Wert der Einzelmenschen. Aus der Masse schält sich für sie
die Bedeutung der Person heraus, dadurch aber wirkt sie gegenüber dem desorganisierenden Marxismus
organisatorisch. Sie glaubt an die Notwendigkeit einer Idealisierung des Menschentums, da sie
wiederum nur in dieser die Voraussetzung für das Dasein der Menschheit erblickt. Allein sie kann auch
einer ethischen Idee das Existenzrecht nicht zubilligen, sofern diese Idee eine Gefahr für das rassische
Leben der Träger einer höheren Ethik darstellt; denn in einer verbastardierten und verengerten Welt
wären auch alle Begriffe des menschlich Schönen und Erhabenen sowie alle Vorstellungen einer
idealisierten Zukunft unseres Menschentums für immer verloren.
Menschliche Kultur und Zivilisation sind auf diesem Erdteil unzertrennlich gebunden an das
Vorhandensein des Ariers. Sein Aussterben oder Untergehen wird auf diesen Erdball wieder die dunklen
Schleier einer kulturlosen Zeit senken.
Das Untergraben des Bestandes der menschlichen Kultur durch Vernichtung ihres Trägers aber erscheint
in den Augen einer völkischen Weltanschauung als das fluchwürdigste Verbrechen. Wer die Hand an
das höchste Ebenbild des Herrn zu legen wagt, frevelt am gütigen Schöpfer dieses Wunders und hilft mit
an der Vertreibung aus dem Paradies.
{422 Forderung des freien Kräftespiels}
Damit entspricht die völkische Weltanschauung dem innersten Wollen der Natur, da sie jenes freie Spiel
der Kräfte wiederherstellt, das zu einer dauernden gegenseitigen Höherzüchtung führen muß, bis endlich
dem besten Menschentum, durch den erworbenen Besitz dieser Erde, freie Bahn gegeben wird zur
Betätigung auf Gebieten, die teile über, teils außer ihr liegen werden.
Wir alle ahnen, daß in ferner Zukunft Probleme an den Menschen herantreten können, zu deren
Bewältigung nur eine höchste Rasse als Herrenvolk, gestützt auf die Mittel und Möglichkeiten eines
ganzen Erdballs, berufen sein wird.
×
Es ist selbstverständlich, daß eine so allgemeine Feststellung des sinngemäßen Inhalts einer völkischen
Weltanschauung zu tausendfältiger Auslegung führen kann. Tatsächlich finden wir ja auch kaum eine
unserer jüngeren politischen Neugründungen, die sich nicht irgendwie auf diese Weltauffassung beruft.
Sie beweist jedoch gerade durch ihre eigene Existenz gegenüber den vielen anderen die
Unterschiedlichkeit ihrer Auffassungen. So tritt der von einer einheitlichen Spitzenorganisation
geführten marxistischen Weltanschauung ein Gemengsel von Anschauungen entgegen, das schon
ideenmäßig gegenüber der geschlossenen feindlichen Front wenig eindrucksvoll ist. Siege werden durch
so schwächliche Waffen nicht erfochten! Erst wenn der — politisch durch den organisierten Marxismus
geführten — internationalen Weltanschauung eine ebenso einheitlich organisierte und geleitete
völkische gegenübertritt, wird sich bei gleicher Kampfesenergie der Erfolg auf die Seite der ewigen
Wahrheit schlagen.
Die organisatorische Erfassung einer Weltanschauung kann aber ewig nur auf Grund einer bestimmten
Formulierung derselben stattfinden, und was für den Glauben die Dogmen darstellen, sind für
{423 Zusammenfassung der Partei}
die sich bildende politische Partei die Parteigrundsätze.
Damit muß also der völkischen Weltanschauung ein Instrument geschaffen werden, das ihr die
Möglichkeit einer kampfesmäßigen Vertretung gewährt, ähnlich wie die marxistische Parteiorganisation
für den Internationalismus freie Bahn schafft.
Dieses Ziel verfolgt die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.
Daß eine solche parteimäßige Festlegung des völkischen Begriffes die Voraussetzung zum Siege der
völkischen Weltanschauung ist, wird am schärfsten bewiesen durch eine Tatsache, die selbst von den
Gegnern einer solchen parteimäßigen Bindung, wenigstens indirekt, zugegeben wird. Gerade diejenigen,
die nicht müde werden zu betonen, daß die völkische Weltanschauung keineswegs "Erbpacht" eines
einzelnen sei, sondern im Herzen von weiß Gott wie vielen Millionen schlummert oder "lebt",
dokumentieren doch damit, daß die Tatsache des allgemeinen Vorhandenseins solcher Vorstellungen
den Sieg der feindlichen Weltanschauung, die allerdings parteipolitisch klassisch vertreten wird, eben
nicht im geringsten zu hindern vermochte. Wäre es anders, so müßte das deutsche Volk heute schon
einen gigantischen Sieg errungen haben und nicht am Rande eines Abgrundes stehen. Was der
internationalen Weltauffassung den Erfolg gab, war ihre Vertretung durch eine sturmabteilungsmäßig
organisierte politische Partei; was die gegenteilige Weltanschauung unterliegen ließ, war der bisherige
Mangel einer einheitlich geformten Vertretung derselben. Nicht in einer unbegrenzten Freigabe der
Auslegung einer allgemeinen Anschauung, sondern nur in der begrenzten und damit
zusammenfassenden Form einer politischen Organisation kann eine Weltanschauung kämpfen und
siegen.
Deshalb sah ich meine eigene Aufgabe besonders darin, aus dem umfangreichen und ungestalteten Stoff
einer
{424 Bildung des politischen Glaubensbekenntnisses}
allgemeinen Weltanschauung diejenigen Kernideen herauszuschälen und in mehr oder minder
dogmatische Formen umzugießen, die in ihrer klaren Begrenztheit sich dazu eignen, jene Menschen, die
sich darauf verpflichten, einheitlich zusammenzufassen. Mit anderen Worten: Die Nationalsozialistische
Deutsche Arbeiterpartei übernimmt aus dem Grundgedankengang einer allgemeinen völkischen
Weltvorstellung die wesentlichen Grundzüge, bildet aus denselben, unter Berücksichtigung der
praktischen Wirklichkeit, der Zeit und des vorhandenen Menschenmaterials sowie seiner Schwächen,
ein politisches Glaubensbekenntnis, das nun seinerseits in der so ermöglichten straffen organisatorischen
Erfassung großer Menschenmassen die Voraussetzung für die siegreiche Durchfechtung dieser
Weltanschauung selber schafft.
{425}
2. Kapitel:
Der Staat
Schon in den Jahren 1920/21 wurde unserer jungen Bewegung aus den Kreisen der heutigen überlebten
bürgerlichen Welt immer wieder vorgehalten, daß unsere Stellung zum heutigen Staat eine ablehnende
sei, woraus das parteipolitische Strauchrittertum aller Richtungen die Berechtigung ableitete, den
Unterdrückungskampf gegen die junge, unbequeme Verkünderin einer neuen Weltanschauung mit allen
Mitteln aufnehmen zu dürfen. Man hat dabei freilich mit Absicht vergessen, daß sich die heutige
bürgerliche Welt selber unter dem Begriff Staat gar nichts Einheitliches mehr vorzustellen vermag, daß
es eine einheitliche Definition dafür nicht gibt und auch nicht geben kann. Pflegen doch die Erklärer auf
unseren staatlichen Hochschulen oft in Gestalt von Staatsrechtslehrern zu sitzen, deren höchste Aufgabe
es sein muß, für die jeweilige mehr oder minder glückliche Existenz ihres brotspendenden Nährquells
Erklärungen und Deutungen zu finden. Je unmöglicher ein Staat beschaffen ist, um so undurchsichtiger,
gekünstelter und unverständlicher sind die Definitionen über seinen Daseinszweck. Was sollte z. B. ein
kaiserlich-königlicher Universitätsprofessor über Sinn und Zweck des Staates schreiben in einem Lande,
dessen staatliches Dasein wohl die größte Mißgeburt aller Zeiten verkörperte? Eine schwere Aufgabe,
wenn man bedenkt, daß es für den heutigen Lehrer in staatsrechtlichen Dingen weniger eine
Verpflichtung zur Wahrheit, als vielmehr eine Bindung an einen bestimmten Zweck gibt. Der Zweck
aber lautet: Erhaltung um jeden Preis des jeweils in Frage kommenden Monstrums von
{426 Drei herrschende Auffassungen vom Staat}
menschlichem Mechanismus, jetzt Staat genannt. Da wundere man sich dann nicht, wenn man bei der
Erörterung dieses Problems reale Gesichtspunkte möglichst vermeidet, um sich statt dessen in ein
Gemengsel von "ethischen", "sittlichen", "moralischen" und sonstigen ideellen Werten, Aufgaben
und Zielen einzugraben.
Ganz allgemein kann man drei Auffassungen unterscheiden: a) Die Gruppe derjenigen, die im Staat
einfach eine mehr oder weniger freiwillige Zusammenfassung von Menschen unter einer
Regierungsgewalt erblicken.
Diese Gruppe ist die zahlreichste. In ihren Reihen befinden sich besonders die Anbeter unseres heutigen
Legitimitätsprinzips, in deren Augen der Wille der Menschen bei dieser ganzen Angelegenheit
überhaupt keine Rolle spielt. In der Tatsache des Bestehens eines Staates liegt für sie allein schon eine
geweihte Unverletzlichkeit begründet. Um diesen Wahnsinn menschlicher Gehirne zu schützen, braucht
man eine geradezu hündische Verehrung der sogenannten Staatsautorität. In den Köpfen solcher Leute
wird im Handumdrehen aus einem Mittel der endgültige Zweck gemacht. Der Staat ist nicht mehr da,
um den Menschen zu dienen, sondern die Menschen sind da, um eine Staatsautorität, die noch den
legten, irgendwie beamteten Geist umschließt, anzubeten. Damit der Zustand dieser stillen, verzückten
Verehrung sich nicht in einen solchen der Unruhe verwandle, ist die Staatsautorität ihrerseits nur dazu
da, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Auch sie ist jetzt kein Zweck und kein Mittel mehr. Die
Staatsautorität hat für Ruhe und Ordnung zu sorgen, und die Ruhe und Ordnung hat der Staatsautorität
umgekehrt wieder das Dasein zu ermöglichen. Innerhalb dieser beiden Pole hat das ganze Leben zu
kreisen.
In Bayern wird eine solche Auffassung in erster Linie von den Staatskünstlern des bayerischen
Zentrums, genannt "Bayerische Volkspartei", vertreten; in Österreich
{427 Drei herrschende Auffassungen vom Staat}
waren es die schwarz-gelben Legitimisten, im Reiche selber sind es leider häufig sogenannte
konservative Elemente, deren Vorstellung über den Staat sich in diesen Bahnen bewegt.
B) Die zweite Gruppe von Menschen ist der Zahl nach schon etwas kleiner, da zu ihr diejenigen
gerechnet werden müssen, die an das Vorhandensein eines Staates wenigstens einige Bedingungen
knüpfen. Sie wünschen nicht nur gleiche Verwaltung, sondern auch, wenn möglich, gleiche Sprache —
wenn auch nur aus allgemein verwaltungstechnischen Gesichtspunkten heraus. Die Staatsautorität ist
nicht mehr der alleinige und ausschließliche Zweck des Staates, sondern die Förderung des Wohles der
Untertanen kommt hinzu. Gedanken von "Freiheit", und zwar meist mißverstandener Art, schieben sich
in die Staatsauffassung dieser Kreise ein. Die Regierungsform erscheint nicht mehr unantastbar durch
die Tatsache ihres Bestehens an sich, sondern wird auf ihre Zweckmäßigkeit hin geprüft. Die Heiligkeit
des Alters schützt nicht vor der Kritik der Gegenwart. Im übrigen ist es eine Auffassung, die vom Staate
vor allem die günstige Gestaltung des wirtschaftlichen Lebens des einzelnen erwartet, die mithin von
praktischen Gesichtspunkten aus und nach allgemein wirtschaftlichen Rentabilitätsanschauungen urteilt.
Die hauptsächlichsten Vertreter dieser Ansichten treffen wir in den Kreisen unseres normalen deutschen
Bürgertums, besonders in denen unserer liberalen Demokratie.c) Die dritte Gruppe ist ziffernmäßig die
schwächste.
Sie erblickt im Staat bereits ein Mittel zur Verwirklichung von meist sehr unklar vorgestellten
machtpolitischen Tendenzen eines sprachlich ausgeprägten und geeinten Staatsvolkes. Der Wille nach
einer einheitlichen Staatssprache äußert sich dabei nicht nur in der Hoffnung, diesem Staat damit ein
tragfähiges Fundament für äußeren Machtzuwachs zu schaffen, sondern nicht minder in der — übrigens
grundfalschen — Meinung, dadurch in einer bestimmten Richtung eine Nationalisierung durchführen zu
können.
{428 Falsche Vorstellungen von "Germanisation"}
Es war in den letzten hundert Jahren ein wahrer Jammer, sehen zu müssen, wie in diesen Kreisen,
manchmal im besten Glauben, mit dem Worte "Germanisieren" gespielt wurde. Ich selbst erinnere mich
noch daran, wie in meiner Jugend gerade diese Bezeichnung zu ganz unglaublich falschen Vorstellungen
verleitete. Selbst in alldeutschen Kreisen konnte man damals die Meinung hören, daß dem
österreichischen Deutschtum unter fördernder Mithilfe der Regierung sehr wohl eine Germanisation des
österreichischen Slawentums gelingen könnte, wobei man sich nicht im geringsten darüber klar wurde,
daß Germanisation nur am Boden vorgenommen werden kann und niemals an Menschen. Denn was
man im allgemeinen unter diesem Wort verstand, war nur die erzwungene äußerliche Annahme der
deutschen Sprache. Es ist aber ein kaum faßlicher Denkfehler, zu glauben, daß, sagen wir, aus einem
Neger oder einem Chinesen ein Germane wird, weil er Deutsch lernt und bereit ist, künftighin die
deutsche Sprache zu sprechen und etwa einer deutschen politischen Partei seine Stimme zu geben. Daß
jede solche Germanisation in Wirklichkeit eine Entgermanisation ist, wurde unserer bürgerlichen
nationalen Welt niemals klar. Denn wenn heute durch das Oktroyieren einer allgemeinen Sprache bisher
sichtbar in die Augen springende Unterschiede zwischen verschiedenen Völkern überbrückt und endlich
verwischt werden, so bedeutet dies den Beginn einer Bastardierung und damit in unserem Fall nicht eine
Germanisierung, sondern eine Vernichtung germanischen Elementes. Es kommt in der Geschichte nur
zu häufig vor, daß es den äußeren Machtmitteln eines Eroberervolkes zwar gelingt, den Unterdrückten
ihre Sprache aufzuzwingen, daß aber nach tausend Jahren ihre Sprache von einem anderen Volk geredet
wird und die Sieger dadurch zu den eigentlich Besiegten werden.
Da das Volkstum, besser die Rasse, eben nicht in der Sprache liegt, sondern im Blute, würde man von
einer Germanisation erst dann sprechen dürfen, wenn es gelänge, durch einen solchen Prozeß das Blut
der Unterlegenen umzuwandeln. Das aber ist unmöglich. Es sei denn, es er-
{429 Falsche Vorstellungen von "Germanisation"}
folge durch eine Blutvermischung eine Änderung, welche aber die Niedersenkung des Niveaus der
höheren Rasse bedeutet. Das Endergebnis eines solchen Vorganges wäre also die Vernichtung gerade
der Eigenschaften, welche das Eroberervolk einst zum Siege befähigt hatten. Besonders die kulturellen
Kräfte würden bei einer Paarung mit einer minderen Rasse verschwinden, wenn auch das entstandene
Mischprodukt tausendmal die Sprache der früher höheren Rasse spräche. Es wird eine Zeitlang noch ein
gewisser Ringkampf der verschiedenen Geister stattfinden, und es kann sein, daß das immer tiefer
sinkende Volk, gewissermaßen in einem letzten Aufbäumen, überraschende kulturelle Werte zutage
fördert. Doch sind es nur die der höheren Rasse zugehörigen Einzelelemente oder auch Bastarde, bei
denen in erster Kreuzung das bessere Blut noch überwiegt und sich durchzuringen versucht; niemals
aber Schlußprodukte der Mischung. In diesen wird sich immer eine kulturell rückläufige Bewegung
zeigen.
Es muß heute als ein Glück betrachtet werden, daß eine Germanisation im Sinne Josephs II. in
Österreich unterblieb. Ihr Erfolg wäre wahrscheinlich die Erhaltung des österreichischen Staates
gewesen, allein auch eine durch sprachliche Gemeinschaft herbeigeführte Niedersenkung des rassischen
Niveaus der deutschen Nation. Im Laufe der Jahrhunderte hätte sich wohl ein gewisser Herdentrieb
herauskristallisiert, allein die Herde selbst wäre minderwertig geworden. Es wäre vielleicht ein
Staatsvolk geboren worden, aber ein Kulturvolk verlorengegangen.
Für die deutsche Nation war es besser, daß dieser Vermischungsprozeß unterblieb, wenn auch nicht
infolge einer edlen Einsicht, sondern durch die kurzsichtige Beschränktheit der Habsburger. Wäre es
anders gekommen, würde das deutsche Volk heute kaum mehr als Kulturfaktor angesprochen werden
können.
Aber nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland selbst waren und sind die sogenannten
nationalen Kreise von ähnlich falschen Gedankengängen bewegt. Die von so vielen geforderte
Polenpolitik im Sinne einer Ger-
{430 Nur Boden ist zu germanisieren}
manisation des Ostens fußte leider fast immer auf dem gleichen Trugschluß. Auch hier glaubte man eine
Germanisation des polnischen Elements durch eine rein sprachliche Eindeutschung desselben
herbeiführen zu können. Auch hier wäre das Ergebnis ein unseliges geworden: ein fremdrassiges Volk
in deutscher Sprache seine fremden Gedanken ausdrückend, die Höhe und Würde unseres eigenen
Volkstums durch seine eigene Minderwertigkeit kompromittierend.
Wie entsetzlich ist doch heute schon der Schaden, der auf indirektem Wege unserem Deutschtum
zugefügt wird, dadurch, daß das deutsch mauschelnde Judentum bei Betreten des amerikanischen
Bodens infolge der Unkenntnis vieler Amerikaner auf unser deutsches Konto geschrieben wird! Es wird
aber doch niemand einfallen, in der rein äußerlichen Tatsache, daß diese verlauste Völkerwanderung aus
dem Osten meistens deutsch spricht, den Beweis für ihre deutsche Abstammung und Volkszugehörigkeit
zu erblicken.
Was in der Geschichte nutzbringend germanisiert wurde, war der Boden, den unsere Vorfahren mit dem
Schwert erwarben und mit deutschen Bauern besiedelten. Soweit sie dabei unserem Volkskörper
fremdes Blut zuführten, wirkten sie mit an jener unseligen Zersplitterung unseres inneren Wesens, die
sich in dem — leider vielfach sogar noch gepriesenen — deutschen Überindividualismus auswirkt.
Auch in dieser dritten Gruppe gilt der Staat in gewissem Sinne noch immer als Selbstzweck, die
Staatserhaltung mithin als die höchste Aufgabe des menschlichen Daseins.
Zusammenfassend kann festgestellt werden: Alle diese Anschauungen haben ihre tiefste Wurzel nicht in
der Erkenntnis, daß die kultur- und wertbildenden Kräfte wesentlich auf rassischen Elementen beruhen,
und daß der Staat also sinngemäß als seine höchste Aufgabe die Erhaltung und Steigerung der Rasse zu
betrachten hat, diese Grundbedingung aller menschlichen Kulturentwicklung.
{431 Der Staat nicht Selbstzweck}
Die äußerste Schlußfolgerung jener falschen Auffassungen und Ansichten über Wesen und Zweck eines
Staates konnte dann durch den Juden Marx gezogen werden: indem die bürgerliche Welt den
Staatsbegriff von rassischen Verpflichtungen loslöste, ohne zu irgendeiner anderen, gleichmäßig
anerkannten Formulierung gelangen zu können, ebnete sie selbst einer Lehre den Weg, die den Staat an
sich negiert.
Schon auf diesem Gebiet muß deshalb der Kampf der bürgerlichen Welt gegenüber der marxistischen
Internationale glatt versagen. Sie hat die Fundamente selbst schon längst geopfert, die zur Stützung ihrer
eigenen Ideenwelt unumgänglich notwendig wären. Ihr gerissener Gegner hat die Schwächen ihres
eigenen Baues erkannt und stürmt nun mit den von ihnen selbst, wenn auch ungewollt, gelieferten
Waffen dagegen an.
Es ist deshalb die erste Verpflichtung für eine auf dem Boden einer völkischen Weltanschauung
beruhende neue Bewegung, dafür zu sorgen, daß die Auffassung über das Wesen und den Daseinszweck
des Staates eine einheitliche klare Form erhält.
Die grundsätzliche Erkenntnis ist dann die, daß der Staat keinen Zweck, sondern ein Mittel darstellt. Er
ist wohl die Voraussetzung zur Bildung einer höheren menschlichen Kultur, allein nicht die Ursache
derselben. Diese liegt vielmehr ausschließlich im Vorhandensein einer zur Kultur befähigten Rasse. Es
könnten sich auf der Erde Hunderte von mustergültigen Staaten befinden, im Falle des Aussterbens des
arischen Kulturträgers würde doch keine Kultur vorhanden sein, die der geistigen Höhe der höchsten
Völker von heute entspräche. Man kann noch weitergehen und sagen, daß die Tatsache menschlicher
Staatenbildung nicht im geringsten die Möglichkeit der Vernichtung des menschlichen Geschlechtes
ausschließen würde, sofern überlegene geistige Fähigkeit und Elastizität, infolge des Fehlens des
rassischen Trägers derselben, verlorengingen.
{432 Kulturelle Höhe durch Rasse bedingt}
Würde z. B. heute die Oberfläche der Erde durch irgendein tektonisches Ereignis in Unruhe kommen
und aus den Fluten des Ozeans sich ein neuer Himalaja erheben, so wäre in einer einzigen grausamen
Katastrophe der Menschheit Kultur vernichtet. Kein Staat würde mehr bestehen, aufgelöst die Bande
aller Ordnung, zertrümmert die Dokumente einer tausendjährigen Entwicklung, ein einziges großes,
wasser- und schlammüberflutetes Leichenfeld. Allein wenn sich aus diesem Chaos des Grauens auch nur
wenige Menschen einer bestimmten kulturfähigen Rasse erhalten hätten, würde, und wenn auch nach
tausendjähriger Dauer, die Erde nach ihrer Beruhigung wieder Zeugnisse menschlicher, schöpferischer
Kraft erhalten. Nur die Vernichtung der letzten kulturfähigen Rasse und ihrer einzelnen Träger würde
die Erde endgültig veröden. Umgekehrt sehen wir selbst an Beispielen der Gegenwart, daß
Staatsbildungen in ihren stammesmäßigen Anfängen bei mangelnder Genialität ihrer rassischen Träger
diese nicht vor dem Untergang zu bewahren vermögen. So wie große Tierarten der Vorzeit anderen
weichen mußten und restlos vergingen, so muß auch der Mensch weichen, wenn ihm eine bestimmte
geistige Kraft fehlt, die ihn allein die nötigen Waffen zu seiner Selbsterhaltung finden läßt.
Nicht der Staat an sich schafft eine bestimmte kulturelle Höhe, sondern er kann nur die Rasse erhalten,
welche diese bedingt. Im anderen Falle mag der Staat als solcher jahrhundertelang gleichmäßig
weiterbestehen, während in der Folge einer von ihm nicht verhinderten Rassenvermengung die
kulturelle Fähigkeit und das dadurch bedingte allgemeine Lebensbild eines Volkes schon längst
tiefgehende Veränderung erlitten haben. Der heutige Staat beispielsweise kann als formaler
Mechanismus sehr wohl noch soundso lange Zeit sein Dasein vortäuschen, die rassenmäßige Vergiftung
unseres Volkskörpers schafft jedoch einen kulturellen Niedergang, der schon jetzt erschreckend in
Erscheinung tritt.
So ist die Voraussetzung zum Bestehen eines höheren Menschentums nicht der
{433 Nationalsozialistische Auffassung vom Staat}
Staat, sondern das Volkstum, das hierzu befähigt ist.
Diese Fähigkeit wird grundsätzlich immer vorhanden sein und muß nur durch bestimmte äußere
Bedingungen zur praktischen Auswirkung aufgeweckt werden. Kulturell und schöpferisch begabte
Nationen oder besser Rassen tragen die Möglichkeiten latent in sich, auch wenn im Augenblick
ungünstige äußere Umstände eine Verwirklichung dieser Anlagen nicht zulassen. Daher ist es auch ein
unglaublicher Unfug, die Germanen der vorchristlichen Zeit als "kulturlos", als Barbaren hinzustellen.
Sie sind es nie gewesen. Nur zwang sie die Herbheit ihrer nordischen Heimat unter Verhältnisse, die
eine Entwicklung ihrer schöpferischen Kräfte behinderten. Wären sie, ohne irgendeine antike Welt, in
die günstigeren Gefilde des Südens gekommen, und hätten sie in dem Material niederer Völker die
ersten technischen Hilfsmittel erhalten, so würde die in ihnen schlummernde kulturbildende Fähigkeit
genau so zur leuchtendsten Blüte erwachsen sein, wie dies zum Beispiel bei den Hellenen der Fall war.
Allein diese kulturschaffende Urkraft selbst entspringt wieder nicht einzig ihrem nordischen Klima. Der
Lappländer, nach dem Süden gebracht, würde so wenig kulturbildend wirken wie etwa der Eskimo.
Nein, diese herrliche, schöpferisch gestaltende Fähigkeit ist eben gerade dem Arier verliehen, ob er sie
schlummernd noch in sich trägt oder sie dem erwachenden Leben schenkt, je nachdem günstige
Umstände dies gestatten oder eine unwirtliche Natur verhindert.
Daraus ergibt sich folgende Erkenntnis: Der Staat ist ein Mittel zum Zweck. Sein Zweck liegt in der
Erhaltung und Förderung einer Gemeinschaft physisch und seelisch gleichartiger Lebewesen. Diese
Erhaltung selber umfaßt erstlich den rassenmäßigen Bestand und gestattet dadurch die freie Entwicklung
aller in dieser Rasse schlummernden Kräfte. Von ihnen wird immer wieder ein Teil in erster Linie der
{434 Nationalsozialistische Auffassung vom Staat}
Erhaltung des physischen Lebens dienen und nur der andere der Förderung einer geistigen
Weiterentwicklung. Tatsächlich schafft aber immer der eine die Voraussetzung für das andere.
Staaten, die nicht diesem Zwecke dienen, sind Fehlerscheinungen, ja Mißgeburten. Die Tatsache ihres
Bestehens ändert so wenig daran, als etwa der Erfolg einer Flibustiergemeinschaft die Räuberei zu
rechtfertigen vermag.
Wir Nationalsozialisten dürfen als Verfechter einer neuen Weltanschauung uns niemals auf jenen
berühmten "Boden der — noch dazu falschen — Tatsachen" stellen. Wir wären in diesem Falle nicht
mehr die Verfechter einer neuen großen Idee, sondern die Kulis der heutigen Lüge. Wir haben
schärfstens zu unterscheiden zwischen dem Staat als einem Gefäß und der Rasse als dem Inhalt. Dieses
Gefäß hat nur dann einen Sinn, wenn es den Inhalt zu erhalten und zu schützen vermag; im anderen
Falle ist es wertlos.
Somit ist der höchste Zweck des völkischen Staates die Sorge um die Erhaltung derjenigen rassischen
Urelemente, die, als kulturspendend, die Schönheit und Würde eines höheren Menschentums schaffen.
Wir, als Arier, vermögen uns unter einem Staat also nur den lebendigen Organismus eines Volkstums
vorzustellen, der die Erhaltung dieses Volkstums nicht nur sichert, sondern es auch durch Weiterbildung
seiner geistigen und ideellen Fähigkeiten zur höchsten Freiheit führt.
Was man uns heute jedoch als Staat aufzudrängen versucht, ist meistens nur die Ausgeburt tiefster
menschlicher Verirrung mit unsäglichem Leid als Folgeerscheinung.
Wir Nationalsozialisten wissen, daß wir mit dieser Auffassung als Revolutionäre in der heutigen Welt
stehen
{435 Gesichtspunkte für Bewertung eines Staates}
und auch als solche gebrandmarkt werden. Allein unser Denken und Handeln soll keineswegs von
Beifall oder Ablehnung unserer Zeit bestimmt werden, sondern von der bindenden Verpflichtung an eine
Wahrheit, die wir erkannten. Dann dürfen wir überzeugt sein, daß die höhere Einsicht einer Nachwelt
unser heutiges Vorgehen nicht nur verstehen, sondern auch als richtig bestätigen und adeln wird.
×
Daraus ergibt sich für uns Nationalsozialisten auch der Maßstab für die Bewertung eines Staates. Dieser
Wert wird ein relativer sein vom Gesichtspunkt des einzelnen Volkstums aus, ein absoluter von dem der
Menschheit an sich. Das heißt mit anderen Worten: Die Güte eines Staates kann nicht bewertet werden
nach der kulturellen Höhe oder der Machtbedeutung dieses Staates im Rahmen der übrigen Welt,
sondern ausschließlich nur nach dem Grade der Güte dieser Einrichtung für das jeweils in Frage
kommende Volkstum.
Ein Staat kann als mustergültig bezeichnet werden, wenn er den Lebensbedingungen eines durch ihn zu
vertretenden Volkstums nicht nur entspricht, sondern dieses Volkstum gerade durch seine eigene
Existenz praktisch am Leben erhält — ganz gleich, welche allgemein kulturelle Bedeutung diesem
staatlichen Gebilde im Rahmen der übrigen Welt zukommt. Denn die Aufgabe des Staates ist es eben
nicht, Fähigkeiten zu erzeugen, sondern nur die, vorhandenen Kräften freie Bahn zu schaffen. Also kann
umgekehrt ein Staat als schlecht bezeichnet werden, wenn er, bei aller kulturellen Höhe, den Träger
dieser Kultur in seiner rassischen Zusammensetzung dem Untergange weiht. Denn er zerstört damit
praktisch die Voraussetzung für das Fortbestehen dieser Kultur, die ja nicht er geschaffen, son-
{436 Gesichtspunkte für Bewertung eines Staates}
dern welche die Frucht eines durch die lebendige staatliche Zusammenfassung gesicherten
kulturschöpferischen Volkstums ist. Der Staat stellt eben nicht einen Inhalt dar, sondern eine Form. Es
gibt also die jeweilige Kulturhöhe eines Volkes nicht den Wertmesser für die Güte des Staates ab, in
welchem es lebt. Es ist sehr begreiflich, daß ein kulturell hochbegnadetes Volk ein höherwertiges Bild
abgibt als ein Negerstamm; trotzdem kann der staatliche Organismus des ersteren, seiner
Zweckerfüllung nach betrachtet, schlechter sein als der des Negers. Wenngleich der beste Staat und die
beste Staatsform nicht in der Lage sind, aus einem Volke Fähigkeiten herauszuholen, die einfach fehlen
und nie vorhanden waren, so ist ein schlechter Staat sicherlich in der Lage, durch eine von ihm
zugelassene oder gar geförderte Vernichtung des rassischen Kulturträgers ursprünglich vorhandene
Fähigkeiten in der Folgezeit zum Absterben zu bringen.
Mithin kann das Urteil über die Güte eines Staates in erster Linie nur bestimmt werden von dem
relativen Nutzen, den er für ein bestimmtes Volkstum besitzt, und keineswegs von der Bedeutung, die
ihm an sich in der Welt zukommt.
Dieses relative Urteil kann rasch und gut gefällt werden, das Urteil über den absoluten Wert nur sehr
schwer, da dieses absolute Urteil eigentlich schon nicht mehr bloß durch den Staat, sondern vielmehr
durch die Güte und Höhe des jeweiligen Volkstums bestimmt wird.
Wenn man daher von einer höheren Mission des Staates spricht, darf man nie vergessen, daß die höhere
Mission wesentlich im Volkstum liegt, dem der Staat durch die organische Kraft seines Daseins nur die
freie Entwicklung zu ermöglichen hat.
Wenn wir daher die Frage stellen, wie der Staat beschaffen sein soll, den wir Deutsche brauchen, dann
müssen wir uns erst Klarheit darüber schaffen, was für Menschen er erfassen und welchem Zweck er
dienen soll.
Unser deutsches Volkstum beruht leider nicht mehr auf
{437 Folgen unserer rassischen Zerrissenheit}
einem einheitlichen rassischen Kern. Der Prozeß der Verschmelzung der verschiedenen Urbestandteile
ist auch noch nicht so weit fortgeschritten, daß man von einer dadurch neugebildeten Rasse sprechen
könnte. Im Gegenteil: die blutsmäßigen Vergiftungen, die unseren Volkskörper, besonders seit dem
Dreißigjährigen Kriege, trafen, führten nicht nur zu einer Zersetzung unseres Blutes, sondern auch zu
einer solchen unserer Seele. Die offenen Grenzen unseres Vaterlandes, das Anlehnen an ungermanische
Fremdkörper längs dieser Grenzgebiete, vor allem aber der starke laufende Zufluß fremden Blutes ins
Innere des Reiches selbst, lassen infolge seiner dauernden Erneuerung keine Zeit übrig für eine absolute
Verschmelzung. Es wird keine neue Rasse mehr herausgekocht, sondern die Rassebestandteile bleiben
nebeneinander, mit dem Ergebnis, daß besonders in kritischen Augenblicken, in denen sich sonst eine
Herde zu sammeln pflegt, das deutsche Volk nach allen Windrichtungen auseinanderläuft. Nicht nur
gebietsmäßig sind die rassischen Grundelemente verschieden gelagert, sondern auch im einzelnen,
innerhalb des gleichen Gebietes. Neben nordischen Menschen ostische, neben ostischen dinarische,
neben beiden westische und dazwischen Mischungen. Dies ist auf der einen Seite von großem Nachteil:
Es fehlt dem deutschen Volk jener sichere Herdeninstinkt, der in der Einheit des Blutes begründet liegt
und besonders in gefahrdrohenden Momenten Nationen vor dem Untergang bewahrt, insofern bei
solchen Völkern dann alle kleineren inneren Unterschiede sofort zu verschwinden pflegen und dem
gemeinsamen Feinde die geschlossene Front einer einheitlichen Herde gegenübertritt. In dem
Nebeneinander unserer unvermischt gebliebenen rassischen Grundelemente verschiedenster Art liegt das
begründet, was man bei uns mit dem Wort Überindividualismus bezeichnet. In friedlichen Zeitläuften> mag er manchmal gute Dienste leisten, alles in allem genommen aber hat er uns um die Weltherrschaft
gebracht. Würde das deutsche Volk in seiner geschichtlichen Entwicklung jene herdenmäßige Einheit
besessen haben, wie sie anderen Völkern zugute kam, dann würde das Deutsche Reich heute
{438 Folgen unserer rassischen Zerrissenheit}
wohl die Herrin des Erdballs sein. Die Weltgeschichte hätte einen anderen Lauf genommen, und kein
Mensch vermag zu entscheiden, ob dann nicht auf diesem Wege eingetroffen wäre, was so viele
verblendete Pazifisten heute durch Winseln und Flennen zu erbetteln hoffen: ein Friede, gestützt nicht
durch die Palmwedel tränenreicher pazifistischer Klageweiber, sondern begründet durch das siegreiche
Schwert eines die Welt in den Dienst einer höheren Kultur nehmenden Herrenvolkes.
Die Tatsache des Nichtvorhandenseins eines blutsmäßig einheitlichen Volkstums hat uns unsägliches
Leid gebracht. Sie hat vielen kleinen deutschen Potentaten Residenzen geschenkt, dem deutschen Volk
aber das Herrenrecht entzogen.
Auch heute noch leidet unser Volk unter dieser inneren Zerrissenheit; allein, was uns in Vergangenheit
und Gegenwart Unglück brachte, kann für die Zukunft unser Segen sein. Denn so schädlich es auf der
einen Seite auch war, daß eine restlose Vermischung unserer ursprünglichen Rassenbestandteile
unterblieb und dadurch die Bildung eines einheitlichen Volkskörpers verhindert wurde, so glücklich war
es auf der anderen, als hierdurch wenigstens ein Teil unseres besten Blutes rein erhalten blieb und der
rassischen Senkung entging.
Sicher würde bei einer restlosen Vermengung unserer rassischen Urelemente ein geschlossener
Volkskörper entstanden sein, allein er wäre, wie jede Rassenkreuzung beweist, von einer geringeren
Kulturfähigkeit erfüllt, als sie der höchststehende der Urbestandteile ursprünglich besaß. Dies ist der
Segen des Unterbleibens restloser Vermischung: daß wir auch heute noch in unserem deutschen
Volkskörper große unvermischt gebliebene Bestände an nordisch-germanischen Menschen besitzen, in
denen wir den wertvollsten Schatz für unsere Zukunft erblicken dürfen. In der trüben Zeit der
Unkenntnis aller rassischen Gesetze, da in völliger Gleichwertung Mensch eben als Mensch erschien,
mochte die Klarheit über den verschiedenen Wert der einzelnen Ur
{439 Mission des deutschen Volkes}
elemente fehlen. Heute wissen wir, daß eine restlose Durcheinandermischung der Bestandteile unseres
Volkskörpers uns infolge der dadurch entstandenen Einheit vielleicht zwar die äußere Macht geschenkt
hätte, daß jedoch das höchste Ziel der Menschheit unerreichbar gewesen wäre, da der einzige Träger,
den das Schicksal ersichtlich zu dieser Vollendung ausersehen hat, im allgemeinen Rassenbrei des
Einheitsvolkes untergegangen wäre.
Was aber ohne unser Zutun durch ein gütiges Schicksal verhindert wurde, haben wir heute, vom
Gesichtspunkt unserer nun gewonnenen Erkenntnis, zu überprüfen und zu verwerten.
Wer von einer Mission des deutschen Volkes auf der Erde redet, muß wissen, daß sie nur in der Bildung
eines Staates bestehen kann, der seine höchste Aufgabe in der Erhaltung und Förderung der unverletzt
gebliebenen edelsten Bestandteile unseres Volkstums, ja der ganzen Menschheit sieht.
Damit erhält der Staat zum ersten Male ein inneres hohes Ziel. Gegenüber der lächerlichen Parole einer
Sicherung von Ruhe und Ordnung zur friedlichen Ermöglichung gegenseitiger Begaunerei erscheint die
Aufgabe der Erhaltung und Förderung eines durch die Güte des Allmächtigen dieser Erde geschenkten
höchsten Menschentums als eine wahrhaft hohe Mission.
Aus einem toten Mechanismus, der nur um seiner selbst willen da zu sein beansprucht, soll ein
lebendiger Organismus geformt werden mit dem ausschließlichen Zwecke: einer höheren Idee zu
dienen.
Das Deutsche Reich soll als Staat alle Deutschen umschließen mit der Aufgabe, aus diesem Volke die
wertvollsten Bestände an rassischen Urelementen nicht nur zu sammeln und zu erhalten, sondern
langsam und sicher zur beherrschenden Stellung emporzuführen.
×
{440 Der Staat — eine Waffe im Lebenskampf}
Damit tritt an die Stelle eines, im Grunde genommen erstarrten Zustandes eine Periode des Kampfes.
Doch wie immer und in allem auf dieser Welt wird auch hier das Wort seine Geltung behalten, daß "wer
rastet — rostet", und weiter, daß der Sieg ewig nur im Angriff liegt. Je größer dabei das Kampfziel, das
uns vor Augen schwebt, und je geringer das Verständnis der breiten Masse im Augenblick dafür sein
mag, um so ungeheurer sind aber, den Erfahrungen der Weltgeschichte nach, die Erfolge — und die
Bedeutung dieser Erfolge dann, wenn das Ziel richtig erfaßt und der Kampf mit unerschütterlicher
Beharrlichkeit durchgeführt wird.
Es mag freilich für viele unserer heutigen beamteten Staatslenker beruhigender sein, für die Erhaltung
eines gegebenen Zustandes zu wirken, als für einen kommenden kämpfen zu müssen. Sie werden es als
viel leichter empfinden, im Staate einen Mechanismus zu sehen, der einfach dazu da ist, sich selbst am
Leben zu erhalten, so wie wiederum ihr Leben "der Staate gehört" — wie sie sich auszudrücken pflegen.
Als ob dem Volkstum Entsprossenes logisch anderem dienen könnte als eben dem Volkstum, oder der
Mensch für anderes wirken könnte als eben wieder für den Menschen. Es ist, wie gesagt, natürlich
leichter, in der Staatsautorität nur den formalen Mechanismus einer Organisation zu erblicken als die
souveräne Verkörperung des Selbsterhaltungstriebes eines Volkstums auf der Erde. Denn in dem einen
Fall ist für diese schwachen Geister der Staat sowohl als die Staatsautorität schon der Zweck an sich, im
anderen aber nur die gewaltige Waffe im Dienste des großen ewigen Lebenskampfes um das Dasein,
eine Waffe, der sich jeder zu fügen hat, weil sie nicht formal mechanisch ist, sondern Ausdruck eines
gemeinsamen Willens zur Lebenserhaltung.
Daher werden wir auch im Kampfe für unsere neue Auffassung, die ganz dem Ursinn der Dinge
entspricht, nur wenige Kampfgefährten aus einer Gesellschaft finden, die nicht nur körperlich, sondern
leider nur zu oft auch
{441 Weltgeschichte wird durch Minoritäten gemacht}
geistig veraltet ist. Nur Ausnahmen, Greise, mit jungen Herzen und frisch gebliebenem Sinn, werden aus
jenen Schichten zu uns kommen, niemals die, welche in der Erhaltung eines gegebenen Zustandes den
letzten Sinn ihrer Lebensaufgabe erblicken.
Uns gegenüber steht das unendliche Heer weniger der böswillig Schlechten als der denkfaul
Gleichgültigen und gar der an der Erhaltung des heutigen Zustandes Interessierten. Allein gerade in
dieser scheinbaren Aussichtslosigkeit unseres gewaltigen Ringens liegt die Größe unserer Aufgabe und
auch die Möglichkeit des Erfolges begründet. Der Schlachtruf, der die kleinen Geister entweder von
vornherein verscheucht oder bald verzagen läßt, er wird zum Signal des Zusammenfindens wirklicher
Kampfnaturen. Und darüber muß man sich klar sein: Wenn aus einem Volke eine bestimmte Summe
höchster Energie und Tatkraft auf ein Ziel vereint erscheint und mithin der Trägheit der breiten Massen
endgültig entzogen ist, sind diese wenigen Prozente zu Herren der gesamten Zahl emporgestiegen.
Weltgeschichte wird durch Minoritäten gemacht dann, wenn sich in dieser Minorität der Zahl die
Majorität des Willens und der Entschlußkraft verkörpert.
Was deshalb heute vielen als erschwerend gelten mag, ist in Wirklichkeit die Voraussetzung für unseren
Sieg. Gerade in der Größe und den Schwierigkeiten unserer Aufgabe liegt die Wahrscheinlichkeit, daß
sich zu ihrem Kampfe nur die besten Kämpfer finden werden. In dieser Auslese aber liegt die
Bürgschaft für den Erfolg.
×
Im allgemeinen pflegt schon die Natur in der Frage der rassischen Reinheit irdischer Lebewesen
bestimmte korrigierende Entscheidungen zu treffen. Sie liebt die Bastarde
{442 Unterlegenheit des Bastards}
nur wenig. Besonders die ersten Produkte solcher Kreuzungen, etwa im dritten, vierten, fünften Glied,
haben bitter zu leiden. Es wird ihnen nicht nur die Bedeutung des ursprünglich höchsten Bestandteils der
Kreuzung genommen, sondern es fehlt ihnen in der mangelnden Blutseinheit auch die Einheit der
Willens- und Entschlußkraft zum Leben überhaupt. In allen kritischen Augenblicken, in denen das
rassisch einheitliche Wesen richtige, und zwar einheitliche Entschlüsse trifft, wird das rassisch
zerrissene unsicher werden bzw. zu halben Maßnahmen gelangen. Zusammen bedeutet das nicht nur
eine gewisse Unterlegenheit des rassisch Zerrissenen gegenüber dem rassisch Einheitlichen, sondern in
der Praxis auch die Möglichkeit eines schnelleren Unterganges. In zahllosen Fällen, in denen die Rasse
standhält, bricht der Bastard zusammen. Darin ist die Korrektur der Natur zu sehen. Sie geht aber häufig
noch weiter. Sie schränkt die Möglichkeit einer Fortpflanzung ein. Dadurch verhindert sie die
Fruchtbarkeit weitgehender Kreuzungen überhaupt und bringt sie so zum Aussterben.
Würde also beispielsweise in einer bestimmten Rasse von einem einzelnen Subjekt eine Verbindung mit
einem rassisch niederstehenden eingegangen, so wäre das Ergebnis zunächst eine Niedersenkung des
Niveaus an sich, weiter aber eine Schwächung der Nachkommenschaft gegenüber der rassisch
unvermischt gebliebenen Umgebung. Bei der vollständigen Verhinderung eines weiteren Blutzusatzes
von seiten der höchsten Rasse würden bei dauernder gegenseitiger Kreuzung die Bastarde entweder
infolge ihrer durch die Natur weise verminderten Widerstandskraft aussterben oder im Laufe von vielen
Jahrtausenden eine neue Mischung bilden, bei welcher die ursprünglichen Einzelelemente durch
tausendfältige Kreuzung restlos vermischt, mithin nicht mehr erkennbar sind. Es hatte sich damit ein
neues Volkstum gebildet von einer bestimmten herdenmäßigen Widerstandsfähigkeit, jedoch gegenüber
der bei der ersten Kreuzung mitwirkenden höchsten Rasse in seiner geistig-kulturellen Bedeutung
wesentlich vermindert. Aber
{443 Natürlicher Regenerationsprozeß der Rassen}
auch in diesem letzten Falle würde im gegenseitigen Kampf um das Dasein das Mischprodukt
unterliegen, solange eine höherstehende, unvermischt gebliebene Rasseneinheit als Gegner noch
vorhanden ist. Alle herdenmäßige, im Laufe der tausend Jahre gebildete innere Geschlossenheit dieses
neuen Volkskörpers würde infolge der allgemeinen Senkung des Rassenniveaus und der dadurch
bedingten Minderung der geistigen Elastizität und schöpferischen Fähigkeit dennoch nicht genügen, um
den Kampf mit einer ebenso einheitlichen, geistig und kulturell jedoch überlegenen Rasse siegreich zu
bestehen.
Somit kann man folgenden gültigen Satz aufstellen: Jegliche Rassenkreuzung führt zwangsläufig früher
oder später zum Untergang des Mischproduktes, solange der höherstehende Teil dieser Kreuzung selbst
noch in einer reinen irgendwie rassenmäßigen Einheit vorhanden ist. Die Gefahr für das Mischprodukt
ist erst beseitigt im Augenblick der Bastardierung des letzten höherstehenden Rassereinen.
Darin liegt ein, wenn auch langsamer natürlicher Regenerationsprozeß begründet, der rassische
Vergiftungen allmählich wieder ausscheidet, solange noch ein Grundstock rassisch reiner Elemente
vorhanden ist und eine weitere Bastardierung nicht mehr stattfindet.
Ein solcher Vorgang kann von selbst eintreten bei Lebewesen mit starkem Rasseninstinkt, die nur durch
besondere Umstände oder irgendeinen besonderen Zwang aus der Bahn der normalen rassereinen
Vermehrung geworfen wurden. Sowie diese Zwangslage beendet ist, wird der noch rein gebliebene Teil
sofort wieder nach Paarung unter Gleichen streben, der weiteren Vermischung dadurch Einhalt
gebietend. Die Bastardierungsergebnisse treten damit von selbst wieder in den Hintergrund, es wäre
denn, daß ihre Zahl sich schon so unendlich vermehrt hätte, daß ein ernstlicher Widerstand der
reinrassig Übriggebliebenen nicht mehr in Frage käme.
Der Mensch, der einmal instinktlos geworden ist und seine
{444 Gefahren der Rassenmischung}
ihm von der Not auferlegte Verpflichtung verkennt, darf im allgemeinen jedoch auf solche Korrektur
von seiten der Natur so lange nicht hoffen, als er seinen verlorenen Instinkt nicht durch sehende
Erkenntnis ersetzt hat; an ihr ist es dann, die erforderliche Wiedergutmachungsarbeit zu leisten. Doch ist
die Gefahr sehr groß, daß der einmal blind gewordene Mensch die Rassenschranken immer mehr
einreißt, bis endlich auch der letzte Rest seines besten Teiles verloren ist. Dann bleibt wirklich nur mehr
ein Einheitsbrei übrig, wie er den famosen Weltverbesserern unserer Tage als Ideal vorschwebt; er
würde aber aus dieser Welt in kurzer Zeit die Ideale verjagen. Freilich: eine große Herde könnte so
gebildet werden, ein Herdentier kann man zusammenbrauen, einen Menschen als Kulturträger aber und
besser noch als Kulturbegründer und Kulturschöpfer ergibt eine solche Mischung niemals. Die Mission
der Menschheit könnte damit als beendigt angesehen werden.
Wer nicht will, daß die Erde diesem Zustand entgegengeht, muß sich zur Auffassung bekehren, daß es
die Aufgabe vor allem der germanischen Staaten ist, in erster Linie dafür zu sorgen, daß einer weiteren
Bastardierung grundsätzlich Einhalt geboten wird.
Die Generation unserer heutigen notorischen Schwächlinge wird selbstverständlich sofort dagegen
aufschreien und über Eingriffe in die heiligsten Menschenrechte jammern und klagen. Nein, es gibt nur
ein heiligstes Menschenrecht, und dieses Recht ist zugleich die heiligste Verpflichtung, nämlich: dafür
zu sorgen, daß das Blut rein erhalten bleibt, um durch die Bewahrung des besten Menschentums die
Möglichkeit einer edleren Entwicklung dieser Wesen zu geben.
Ein völkischer Staat wird damit in erster Linie die Ehe aus dem Niveau einer dauernden Rassenschande
herauszuheben
{445 Gefahren der Rassenmischung}
haben, um ihr die Weihe jener Institution zu geben, die berufen ist, Ebenbilder des Herrn zu zeugen und
nicht Mißgeburten zwischen Mensch und Affe.
Der Protest dagegen aus sogenannten humanen Gründen steht besonders der Zeit verflucht schlecht an,
die auf der einen Seite jedem verkommenen Degeneraten die Möglichkeit seiner Fortvermehrung gibt,
den Produkten selber als auch den Zeitgenossen unsägliches Leid aufbürdend, während andererseits in
jeder Drogerie und sogar bei Straßenhändlern die Hilfsmittel zur Verhinderung der Geburten bei selbst
gesündesten Eltern feilgeboten werden. In diesem heutigen Staate der Ruhe und Ordnung, in den Augen
seiner Vertreter, dieser tapferen bürgerlich-nationalen Welt, ist also die Verhinderung der
Zeugungsfähigkeit bei Syphilitikern, Tuberkulosen, erblich Belasteten, Krüppeln und Kretins ein
Verbrechen, dagegen wird die praktische Unterbindung der Zeugungsfähigkeit bei Millionen der
Allerbesten nicht als etwas Schlechtes angesehen und verstößt nicht gegen die guten Sitten dieser
scheinheiligen Gesellschaft, nützt vielmehr der kurzsichtigen Denkfaulheit. Denn andernfalls müßte man
sich immerhin den Kopf wenigstens darüber zerbrechen, wie die Voraussetzungen zu schaffen seien für
die Ernährung und Erhaltung derjenigen Wesen, die als gesunde Träger unseres Volkstums dereinst der
gleichen Aufgabe bezüglich des kommenden Geschlechtes dienen sollen.
Wie grenzenlos unideal und unedel ist doch dieses ganze System! Man bemüht sich nicht mehr, das
Beste für die Nachwelt heranzuzüchten, sondern läßt die Dinge laufen, wie sie eben laufen. Daß sich
dabei auch unsere Kirchen am Ebenbilde des Herrn versündigen, dessen Bedeutung von ihnen noch am
allermeisten betont wird, liegt ganz in der Linie ihres heutigen Wirkens, das immer vom Geiste redet
und den Träger desselben, den Menschen, zum verkommenen Proleten degenerieren läßt. Dann
allerdings staunt man mit blöden Gesichtern über die geringe Wirkung des christlichen Glaubens im
eigenen Lande, über die entsetz-
{446 Völkischer Staat und Rassenhygiene}
liche "Gottlosigkeit" dieses körperlich verhunzten und damit natürlich auch geistig verlumpten
Jammerpacks und sucht sich dafür mit Erfolg bei Hottentotten und Zulukaffern mit dem Segen der
Kirche zu entschädigen. Während unsere europäischen Völker, Gott sei Lob und Dank, in den Zustand
eines körperlichen und moralischen Aussatzes verfallen, wandert der fromme Missionar nach
Zentralafrika und errichtet Negermissionen, bis unsere "höhere Kultur" aus gesunden, wenn auch
primitiven und tiefstehenden Menschenkindern auch dort eine faulige Bastardbrut gemacht haben wird.
Es würde dem Sinne des Edelsten auf dieser Welt mehr entsprechen, wenn unsere beiden christlichen
Kirchen, statt die Neger mit Missionen zu belästigen, die jene weder wünschen noch verstehen, unsere
europäische Menschheit gütig, aber allen Ernstes belehren würden, daß es bei nicht gesunden Eltern ein
Gott wohlgefälligeres Werk ist, sich eines gesunden armen kleinen Waisenkindes zu erbarmen, um
diesem Vater und Mutter zu schenken, als selber ein krankes, sich und der anderen Welt nur Unglück
und Leid bringendes Kind ins Leben zu setzen.
Was auf diesem Gebiete heute von allen Seiten versäumt wird, hat der völkische Staat nachzuholen. Er
hat die Rasse in den Mittelpunkt des allgemeinen Lebens zu setzen. Er hat für ihre Reinerhaltung zu
sorgen. Er hat das Kind zum kostbarsten Gut eines Volkes zu erklären. Er muß dafür Sorge tragen, daß
nur, wer gesund ist, Kinder zeugt; daß es nur eine Schande gibt: bei eigener Krankheit und eigenen
Mängeln dennoch Kinder in die Welt zu setzen; doch eine höchste Ehre: darauf zu verzichten.
Umgekehrt aber muß es als verwerflich gelten: gesunde Kinder der Nation vorzuenthalten. Der Staat
muß dabei als Wahrer einer tausendjährigen Zukunft auftreten, der gegenüber der Wunsch und die
Eigensucht des einzelnen
{447 Völkischer Staat und Rassenhygiene}
als nichts erscheinen und sich zu beugen haben. Er hat die modernsten ärztlichen Hilfsmittel in den
Dienst dieser Erkenntnis zu stellen. Er hat, was irgendwie ersichtlich krank und erblich belastet und
damit weiter belastend ist, zeugungsunfähig zu erklären und dies praktisch auch durchzusetzen. Er hat
umgekehrt dafür zu sorgen, daß die Fruchtbarkeit des gesunden Weibes nicht beschränkt wird durch die
finanzielle Luderwirtschaft eines Staatsregiments, das den Kindersegen zu einem Fluch für die Eltern
gestaltet. Er hat mit jener faulen, ja verbrecherischen Gleichgültigkeit, mit der man heute die sozialen
Voraussetzungen einer kinderreichen Familie behandelt, aufzuräumen und muß sich an Stelle dessen als
oberster Schirmherr dieses köstlichsten Segens eines Volkes fühlen. Seine Sorge gehört mehr dem
Kinde als dem Erwachsenen.
Wer körperlich und geistig nicht gesund und würdig ist, darf sein Leid nicht im Körper seines Kindes
verewigen. Der völkische Staat hat hier die ungeheuerste Erziehungsarbeit zu leisten. Sie wird aber
dereinst auch als eine größere Tat erscheinen als es die siegreichsten Kriege unseres heutigen
bürgerlichen Zeitalters sind. Er hat durch Eiziehung den einzelnen zu belehren, daß es keine Schande,
sondern nur ein bedauernswertes Unglück ist, krank und schwächlich zu sein, daß es aber ein
Verbrechen und daher zugleich eine Schande ist, dieses Unglück durch eigenen Egoismus zu entehren,
indem man es unschuldigen Wesen wieder aufbürdet; daß es demgegenüber von einem Adel höch-
{448 Völkischer Staat und Rassenhygiene}
ster Gesinnung und bewundernswertester Menschlichkeit zeugt, wenn der unschuldige Kranke, unter
Verzicht auf ein eigenes Kind, seine Liebe und Zärtlichkeit einem unbekannten armen, jungen Sprossen
seines Volkstums schenkt, der in seiner Gesundheit verspricht, dereinst ein kraftvolles Glied einer
kraftvollen Gemeinschaft zu werden. Und der Staat hat in dieser Erziehungsarbeit die rein geistige
Ergänzung seiner praktischen Tätigkeit zu leisten. Er muß ohne Rücksicht auf Verständnis oder
Unverständnis, Billigung oder Mißbilligung in diesem Sinne handeln.
Eine nur sechshundertjährige Verhinderung der Zeugungsfähigkeit und Zeugungsmöglichkeit seitens
körperlich Degenerierter und geistig Erkrankter würde die Menschheit nicht nur von einem
unermeßlichen Unglück befreien, sondern zu einer Gesundung beitragen, die heute kaum faßbar
erscheint. Wenn so die bewußte planmäßige Förderung der Fruchtbarkeit der gesündesten Träger des
Volkstums verwirklicht wird, so wird das Ergebnis eine Rasse sein, die, zunächst wenigstens, die Keime
unseres heutigen körperlichen und damit auch geistigen Verfalls wieder ausgeschieden haben wird.
Denn hat erst ein Volk und ein Staat diesen Weg einmal beschritten, dann wird sich auch von selbst das
Augenmerk darauf richten, gerade den rassisch wertvollsten Kern des Volkes und gerade seine
Fruchtbarkeit zu steigern, um endlich das gesamte Volkstum des Segens eines hochgezüchteten
Rassengutes teilhaftig werden zu lassen.
Der Weg hierzu ist vor allem der, daß ein Staat die Besiedelung gewonnener Neuländer nicht dem Zufall
überläßt, sondern besonderen Normen unterwirft. Eigens gebildete Rassekommissionen haben den
einzelnen das Siedlungsattest auszustellen; dieses aber ist gebunden an eine festzulegende bestimmte
rassische Reinheit. So können all-
{449 Rassereine Randkolonien}
mählich Randkolonien begründet werden, deren Bewohner ausschließlich Träger höchster
Rassenreinheit und damit höchster Rassentüchtigkeit sind. Sie sind damit ein kostbarer nationaler Schag
des Volksganzen; ihr Wachsen muß jeden einzelnen Volksgenossen mit Stolz und freudiger Zuversicht
erfüllen, liegt doch in ihnen der Keim zu einer letzten großen Zukunftsentwicklung des eigenen Volkes,
ja der Menschheit geborgen.
Der völkischen Weltanschauung muß es im völkischen Staat endlich gelingen, jenes edlere Zeitalter
herbeizuführen, in dem die Menschen ihre Sorge nicht mehr in der Höherzüchtung von Hunden, Pferden
und Katzen erblicken, sondern im Emporheben des Menschen selbst, ein Zeitalter, in dem der eine
erkennend schweigend verzichet, der andere freudig opfert und gibt.
Daß dies möglich ist, darf man in einer Welt nicht verneinen, in der sich hunderttausend und aber
hunderttausend Menschen freiwillig das Zölibat auferlegen, durch nichts verpflichtet und gebunden als
durch ein kirchliches Gebot.
Soll der gleiche Verzicht nicht möglich sein, wenn an seine Stelle die Mahnung tritt, der dauernd
fortwirkenden Erbsünde einer Rassenvergiftung endlich Einhalt zu tun und dem allmächtigen Schöpfer
Wesen zu geben, wie er sie selbst erschuf?Freilich, das jammervolle Heer unserer heutigen Spießbürger
wird dies niemals verstehen. Sie werden darüber lachen oder ihre schiefen Achseln zucken und ihre
ewige Ausrede herausstöhnen: "Das wäre an sich ja ganz schön, aber das läßt sich ja doch nicht
machen!" Mit euch läßt sich das freilich nicht mehr machen, eure Welt ist dafür nicht geeignet! Ihr
kennt nur eine Sorge: euer persönliches Leben, und einen Gott: euer Geld! Allein, wir wenden uns auch
nicht an euch, sondern wenden uns an die große Armee derjenigen, die zu arm sind, als daß ihr
persönliches Leben höchstes Glück der Welt bedeuten könnte, an diejenigen, die den Regenten ihres
Daseins nicht im
{450 Appell an die deutsche Jugend}
Golde sehen, sondern an andere Götter glauben. Vor allem wenden wir uns an das gewaltige Heer
unserer deutschen Jugend. Sie wächst in eine große Zeitwende hinein, und was die Trägheit und
Gleichgültigkeit ihrer Väter verschuldete, wird sie selbst zum Kampfe zwingen. Die deutsche Jugend
wird dereinst entweder der Bauherr eines neuen völkischen Staates sein, oder sie wird als letzter Zeuge
den völligen Zusammenbruch, das Ende der bürgerlichen Welt erleben.
Denn wenn eine Generation unter Fehlern leidet, die sie erkennt, ja sogar zugibt, um sich dann trotzdem,
wie dies heute von seiten unserer bürgerlichen Welt geschieht, mit der billigen Erklärung zu begnügen,
daß dagegen doch nichts zu machen sei, dann ist eine solche Gesellschaft dem Untergang verfallen. Das
Charakteristische an unserer bürgerlichen Welt ist es aber gerade, daß sie die Gebrechen an sich gar
nicht mehr zu leugnen vermag. Sie muß zugehen, daß vieles faul und schlecht ist, aber sie findet den
Entschluß nicht mehr, sich gegen das Übel aufzubäumen, die Kraft eines Sechzig- oder
Siebzigmillionenvolkes mit verbissener Energie zusammenzuraffen und so der Gefahr
entgegenzustemmen. Im Gegenteil: wenn es anderswo geschieht, dann werden noch blöde Glossen
darüber gerissen, und man versucht wenigstens aus der Ferne die theoretische Unmöglichkeit des
Verfahrens nachzuweisen und den Erfolg als undenkbar zu erklären. Kein Grund ist dabei einfältig
genug, um nicht als Stütze für die eigene Zwerghaftigkeit und ihre geistige Einstellung zu dienen. Wenn
zum Beispiel ein ganzer Kontinent der Alkoholvergiftung endlich den Kampf ansagt, um ein Volk aus
den Klammern dieses verheerenden Lasters herauszulösen, dann hat unsere europäische bürgerliche
Welt dafür nichts übrig als ein nichtssagendes Glotzen und Kopfschütteln, ein überlegenes
Lächerlichfinden — das sich bei dieser lächerlichsten Gesellschaft besonders gut ausnimmt. Wenn aber
alles nichts nützt und dem erhabenen, unantastbaren Schlendrian an irgendeiner Stelle der Welt dennoch
entgegengetreten wird, und gar mit Erfolg, dann muß, wie gesagt, wenigstens dieser angezweifelt und
herunter
{451 Energielosigkeit des Bürgertums}
gesetzt werden, wobei man sich nicht einmal scheut, bürgerlich-moralische Gesichtspunkte gegen einen
Kampf ins Treffen zu bringen, der mit der größten Unmoral aufzuräumen sucht.
Nein, darüber sollen wir uns alle gar keiner Täuschung hingeben: Unser derzeitiges Bürgertum ist für
jede erhabene Aufgabe der Menschheit bereits wertlos geworden, einfach, weil es qualitätslos, zu
schlecht ist; und es ist zu schlecht, weniger aus — meinetwegen — gewollter Schlechtigkeit heraus, als
vielmehr infolge der unglaublichen Indolenz und allem, was aus ihr entspringt. Daher sind auch jene
politischen Klubs, die unter dem Sammelbegriff "bürgerliche Parteien" sich herumtreiben, schon längst
nichts anderes mehr als Interessengemeinschaften bestimmter Berufsgruppen und Standesklassen, und
ihre erhabenste Aufgabe ist nur mehr die bestmögliche egoistische Interessenvertretung. Daß eine solche
politisierende "Bourgeois"-Gilde zu allem eher taugt als zum Kampf, liegt auf der Hand; besonders aber,
wenn die Gegenseite nicht aus vorsichtigen Pfeffersäcken, sondern aus Proletariermassen besteht, die
zum äußersten aufgehetzt und zum letzten entschlossen sind.
×
Wenn wir als erste Aufgabe des Staates im Dienste und zum Wohle seines Volkstums die Erhaltung,
Pflege und Entwicklung der besten rassischen Elemente erkennen, so ist es natürlich, daß sich diese
Sorgfalt nicht nur bis zur Geburt des jeweiligen kleinen jungen Volks- und Rassegenossen zu erstrecken
hat, sondern daß sie aus dem jungen Sprößling auch ein wertvolles Glied für eine spätere
Weitervermehrung erziehen muß.
Und so wie im allgemeinen die Voraussetzung geistiger Leistungsfähigkeit in der rassischen Qualität
des gegebenen Menschenmaterials liegt, so muß auch im einzelnen die Erziehung zuallererst die
körperliche Gesundheit ins Auge fassen und fördern; denn in der Masse genommen wird
{452 Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates}
sich ein gesunder, kraftvoller Geist auch nur in einem gesunden und kraftvollen Körper finden. Die
Tatsache, daß Genies manches Mal körperlich wenig gutgebildete, ja sogar kranke Wesen sind, hat
nichts dagegen zu sagen. Hier handelt es sich um Ausnahmen, die — wie überall — die Regel nur
bestätigen. Wenn ein Volk aber in seiner Masse aus körperlichen Degeneraten besteht, so wird sich aus
diesem Sumpf nur höchst selten ein wirklich großer Geist erheben. Seinem Wirken aber wird wohl auf
keinen Fall mehr ein großer Erfolg beschieden sein. Das heruntergekommene Pack wird ihn entweder
überhaupt nicht verstehen, oder es wird willensmäßig so geschwächt sein, daß es dem Höhenflug eines
solchen Adlers nicht mehr zu folgen vermag.
Der völkische Staat hat in dieser Erkenntnis seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das
Einpumpen bloßen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in
zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten. Hier aber wieder an der Spitze die
Entwicklung des Charakters, besonders die Förderung der Willens- und Entschlußkraft, verbunden mit
der Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit, und erst als letztes die wissenschaftliche Schulung.
Der völkische Staat muß dabei von der Voraussetzung ausgehen, daß ein zwar wissenschaftlich wenig
gebildeter, aber körperlich gesunder Mensch mit gutem, festem Charakter, erfüllt von
Entschlußfreudigkeit und Willenskraft, für die Volksgemeinschaft wertvoller ist als ein geistreicher
Schwächling. Ein Volk von Gelehrten wird, wenn diese dabei körperlich degenerierte, willensschwache
und feige Pazifisten sind, den Himmel nicht erobern, ja nicht einmal auf dieser Erde sich das Dasein zu
sichern vermögen. Im schweren Schicksals-
{453 Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates}
kampf unterliegt selten der, der am wenigsten weiß, sondern immer derjenige, der aus seinem Wissen
die schwächsten Konsequenzen zieht und sie am kläglichsten in die Tat umsetzt. Endlich muß auch hier
eine bestimmte Harmonie vorhanden sein. Ein verfaulter Körper wird durch einen strahlenden Geist
nicht im geringsten ästhetischer gemacht, ja, es ließe sich höchste Geistesbildung gar nicht rechtfertigen,
wenn ihre Träger gleichzeitig körperlich verkommene und verkrüppelte, im Charakter willensschwache,
schwankende und feige Subjekte wären. Was das griechische Schönheitsideal unsterblich sein läßt, ist
die wundervolle Verbindung herrlichster körperlicher Schönheit mit strahlendem Geist und edelster
Seele.
Wenn der Moltkesche Ausspruch: "Glück hat auf die Dauer doch nur der Tüchtige" Geltung besitzt, so
sicherlich für das Verhältnis von Körper und Geist: Auch der Geist wird, wenn er gesund ist, in der
Regel und auf die Dauer nur in gesundem Körper wohnen.
Die körperliche Ertüchtigung ist daher im völkischen Staat nicht eine Sache des einzelnen, auch nicht
eine Angelegenheit, die in erster Linie die Eltern angeht, und die erst in zweiter oder dritter die
Allgemeinheit interessiert, sondern eine Forderung der Selbsterhaltung des durch den Staat vertretenen
und geschürten Volkstums. So wie der Staat, was die rein wissenschaftliche Ausbildung betrifft, schon
heute in das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen eingreift und ihm gegenüber das Recht der
Gesamtheit wahrnimmt, indem er, ohne Befragung des Wollens oder Nichtwollens der Eltern, das Kind
dem Schulzwang unterwirft, so muß in noch viel höherem Maße der völkische Staat dereinst seine
Autorität durchsetzen gegenüber der Unkenntnis oder dem Unverständnis des einzelnen in den Fragen
der Erhaltung des Volkstums. Er hat seine Erziehungsarbeit so einzuteilen, daß die jungen Körper schon
in ihrer frühesten Kindheit zweckentsprechend behandelt werden und die notwendige Stählung für das
spätere Leben erhalten. Er muß vor allem dafür sorgen, daß nicht eine Generation von Stubenhockern
herangebildet wird.
{454 Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates}
Diese Pflege- und Erziehungsarbeit hat schon einzusetzen bei der jungen Mutter. So wie es möglich
wurde, im Laufe einer jahrzehntelangen sorgfältigen Arbeit infektionsfreie Reinlichkeit bei der Geburt
zu erzielen und das Kindbettfieber auf wenige Fälle zu beschränken, so muß es und wird es möglich
sein, durch gründliche Ausbildung von Schwestern und der Mütter selber schon in den ersten Jahren des
Kindes eine Behandlung herbeizuführen, die als vorzügliche Grundlage für die spätere Entwicklung
dient.
Die Schule als solche muß in einem völkischen Staat unendlich mehr Zeit frei machen für die
körperliche Ertüchtigung. Es geht nicht an, die jungen Gehirne mit einem Ballast zu beladen, den sie
erfahrungsgemäß nur zu einem Bruchteil behalten, wobei zudem meist anstatt des Wesentlichen die
unnötigen Nebensächlichkeiten hängenbleiben, da das junge Menschenkind eine vernünftige Siebung
des ihm eingetrichterten Stoffes gar nicht vorzunehmen vermag. Wenn heute, selbst im Lehrplan der
Mittelschulen, Turnen in einer Woche mit knappen zwei Stunden bedacht und die Teilnahme daran
sogar als nicht obligatorisch dem einzelnen freigegeben wird, so ist dies, verglichen zur rein geistigen
Ausbildung, ein krasses Mißverhältnis. Es dürfte kein Tag vergeben, an dem der junge Mensch nicht
mindestens vormittags und abends je eine Stunde lang körperlich geschult wird, und zwar in jeder Art
von Sport und Turnen. Hierbei darf besonders ein Sport nicht vergessen werden, der in den Augen von
gerade sehr vielen "Völkischen" als roh und unwürdig gilt: das Boxen. Es ist unglaublich, was für
falsche Meinungen darüber in den "Gebildeten"-kreisen verbreitet sind. Daß der junge Mensch fechten
lernt und sich dann herumpaukt, gilt als selbstverständlich und ehrenwert, daß er aber boxt, das soll roh
sein! Warum. Es gibt keinen Sport, der wie dieser den Angriffsgeist in gleichem Maße fördert,
blitzschnelle Entschlußkraft verlangt, den Körper zu stählerner Geschmeidigkeit erzieht. Es ist nicht
roher, wenn zwei junge Menschen eine Meinungsverschiedenheit mit den Fäusten ausfechten als mit
einem geschliffenen Stück Eisen. Es ist auch nicht unedler, wenn ein
{455 Wert des Sportes}
Angegriffener sich seines Angreifers mit der Faust erwehrt, statt davonzulaufen und nach einem
Schutzmann zu schreien. Vor allem aber, der junge, gesunde Knabe soll auch Schläge ertragen lernen.
Das mag in den Augen unserer heutigen Geisteskämpfer natürlich als wild erscheinen. Doch hat der
völkische Staat eben nicht die Aufgabe, eine Kolonie friedsamer Ästheten und körperlicher Degeneraten
aufzuzüchten. Nicht im ehrbaren Spießbürger oder der tugendsamen alten Jungfer sieht er sein
Menschheitsideal, sondern in der trotzigen Verkörperung männlicher Kraft und in Weibern, die wieder
Männer zur Welt zu bringen vermögen.
So ist überhaupt der Sport nicht nur dazu da, den einzelnen stark, gewandt und kühn zu machen, sondern
er soll auch abhärten und lehren, Unbilden zu ertragen.
Würde unsere gesamte geistige Oberschicht einst nicht so ausschließlich in vornehmen Anstandslehren
erzogen worden sein, hätte sie an Stelle dessen durchgehends Boxen gelernt, so wäre eine deutsche
Revolution von Zuhältern, Deserteuren und ähnlichem Gesindel niemals möglich gewesen; denn was
dieser den Erfolg schenkte, war nicht die kühne, mutige Tatkraft der Revolutionsmacher, sondern die
feige, jämmerliche Entschlußlosigkeit derjenigen, die den Staat leiteten und für ihn verantwortlich
waren. Allein unsere gesamte geistige Führung war nur mehr "geistig" erzogen worden und mußte damit
in dem Augenblick wehrlos sein., in dem von der gegnerischen Seite statt geistiger Waffen eben das
Brecheisen in Aktion trat. Das war aber alles nur möglich, weil besonders unsere höhere Schulbildung
grundsätzlich nicht Männer heranzog, sondern vielmehr Beamte, Ingenieure, Techniker, Chemiker,
Juristen, Literaten und, damit diese Geistigkeit nicht ausstirbt, Professoren.
Unsere geistige Führung hat immer Blendendes geleistet, während unsere willensmäßige meist unter
aller Kritik blieb.
Sicherlich wird man durch Erziehung aus einem grundsätzlich feig veranlagten Menschen keinen
mutigen zu machen vermögen, allein ebenso sicher wird auch ein an sich nicht mutloser Mensch in der
Entfaltung seiner Eigenschaften ge-
{456 Suggestive Kraft des Selbstvertrauens}
lähmt, wenn er durch Mangel seiner Erziehung in seiner körperlichen Kraft und Gewandtheit dem
anderen von vornherein unterlegen ist. Wie sehr die Überzeugung körperlicher Tüchtigkeit das eigene
Mutgefühl fördert, ja den Angriffsgeist erweckt, kann man am besten am Heer ermessen. Auch hier sind
grundsätzlich nicht lauter Helden vorhanden gewesen, sondern breiter Durchschnitt. Allein die
überlegene Ausbildung des deutschen Soldaten in der Friedenszeit impfte dem ganzen
Riesenorganismus jenen suggestiven Glauben an die eigene Überlegenheit in einem Umfange ein, den
selbst unsere Gegner nicht für möglich gehalten hatten. Denn was in den ganzen Monaten des
Hochsommers und Herbstes 1914 von den vorwärtsfegenden deutschen Armeen an unsterblichem
Angriffsgeist und Angriffsmut geleistet wurde, war das Ergebnis jener unermüdlichen Erziehung, die in
den langen, langen Friedensjahren aus den oft schwächlichen Körpern die unglaublichsten Leistungen
herausholte, und so jenes Selbstvertrauen erzog, das auch im Schrecken der größten Schlachten nicht
verlorenging.
Gerade unser deutsches Volk, das heute zusammengebrochen den Fußtritten der anderen Welt
preisgegeben daliegt, braucht jene suggestive Kraft, die im Selbstvertrauen liegt. Dieses Selbstvertrauen
aber muß schon von Kindheit auf dem jungen Volksgenossen anerzogen werden. Seine gesamte
Erziehung und Ausbildung muß darauf angelegt werden, ihm die Überzeugung zu geben, anderen
unbedingt überlegen zu sein. Er muß in seiner körperlichen Kraft und Gewandtheit den Glauben an die
Unbesiegbarkeit seines ganzen Volkstums wiedergewinnen. Denn was die deutsche Armee einst zum
Siege führte, war die Summe des Vertrauens, das jeder einzelne zu sich und alle gemeinsam zu ihrer
Führung besaßen. Was das
{457 Eitelkeit im Dienst der Erziehung}
deutsche Volk wieder emporrichten wird, ist die Überzeugung von der Möglichkeit der Wiedererringung
der Freiheit. Diese Überzeugung aber kann nur das Schlußprodukt der gleichen Empfindung von
Millionen einzelner darstellen.
Auch hier gebe man sich keiner Täuschung hin: Ungeheuerlich war der Zusammenbruch unseres
Volkes, ebenso ungeheuerlich aber wird die Anstrengung sein müssen, um eines Tages diese Not zu
beenden. Wer glaubt, daß unser Volk aus unserer jetzigen bürgerlichen Erziehungsarbeit zur Ruhe und
Ordnung die Kraft erhält, eines Tages die heutige Weltordnung, die unseren Untergang bedeutet, zu
zerbrechen und die Kettenglieder unserer Sklaverei den Gegnern ins Gesicht zu schlagen, der irrt bitter.
Nur durch ein Übermaß an nationaler Willenskraft, an Freiheitsdurst und höchster Leidenschaft wird
wieder ausgeglichen werden, was uns einst fehlte.
×
Auch die Kleidung der Jugend soll diesem Zwecke angepaßt werden. Es ist ein wahrer Jammer, sehen
zu müssen, wie auch unsere Jugend bereits einem Modewahnsinn unterworfen ist, der so recht mithilft,
den Sinn des alten Spruches: "Kleider machen Leute" in einen verderblichen umzukehren.
Gerade bei der Jugend muß auch die Kleidung in den Dienst der Erziehung gestellt werden. Der Junge,
der im Sommer mit langen Röhrenhosen herumläuft, eingehüllt bis an den Hals, verliert schon in seiner
Bekleidung ein Antriebsmittel für seine körperliche Ertüchtigung. Denn auch der Ehrgeiz und, sagen wir
es ruhig, die Eitelkeit muß herangezogen werden. Nicht die Eitelkeit auf schöne Kleider, die sich nicht
jeder kaufen kann, sondern die Eitelkeit auf einen schönen, wohlgeformten Körper, den jeder mithelfen
kann zu bilden.
{458 Beaufsichtigung zwischen Schul- und Militärzeit}
Auch für später ist dies zweckmäßig. Das Mädchen soll seinen Ritter kennenlernen. Würde nicht die
körperliche Schönheit heute vollkommen in den Hintergrund gedrängt durch unser laffiges Modewesen,
wäre die Verführung von Hunderttausenden von Mädchen durch krummbeinige, widerwärtige
Judenbankerte gar nicht möglich. Auch dies ist im Interesse der Nation, daß sich die schönsten Körper
finden und so mithelfen, dem Volkstum neue Schönheit zu schenken.
Heute wäre dies alles freilich am allernötigsten, weil die militärische Erziehung fehlt und damit die
einzige Einrichtung ausgeschieden ist, die im Frieden wenigstens teilweise einholte, was durch unsere
sonstige Erziehung versäumt wurde. Und auch dort war der Erfolg nicht nur in der Ausbildung des
einzelnen an sich zu suchen, sondern in dem Einfluß, den er auf das Verhältnis der beiden Geschlechter
untereinander ausübte. Das junge Mädchen zog den Soldaten dem Nichtsoldaten vor.
Der völkische Staat hat die körperliche Ertüchtigung nicht nur in den offiziellen Schuljahren
durchzuführen und zu überwachen, er muß auch in der Nachschulzeit dafür Sorge tragen, daß, solange
ein Junge in der körperlichen Entwicklung begriffen ist, diese Entwicklung zu seinem Segen ausschlägt.
Es ist ein Unsinn, zu glauben, daß mit dem Ende der Schulzeit das Recht des Staates auf die
Beaufsichtigung seiner jungen Bürger plötzlich aussetzt, um mit der Militärzeit wiederzukommen.
Dieses Recht ist eine Pflicht und als solche immer gleichmäßig vorhanden. Der heutige Staat, der kein
Interesse an gesunden Menschen besitzt, bat nur diese Pflicht in verbrecherischer Weise außer acht
gelassen. Er läßt die heutige Jugend auf Straßen und in Bordells verkommen, statt sie an die Zügel zu
nehmen und körperlich so lange weiterzubilden, bis eines Tages ein gesunder Mann und ein gesundes
Weib daraus erwachsen sind.
In welcher Form der Staat diese Erziehung weiterführt, kann heute gleichgültig sein, das Wesentliche
ist, daß er’s tut und die Wege sucht, die dem nützen. Der völkische Staat wird genau so wie die geistige
Erziehung auch die
{459 Das Heer als letzte und höchste Schule}
körperliche Ausbildung der Nachschulzeit als staatliche Aufgabe betrachten müssen und durch staatliche
Einrichtungen durchzuführen haben. Dabei kann diese Erziehung in großen Zügen schon die Vorbildung
für den späteren Heeresdienst sein. Das Heer soll dann dem jungen Mann nicht mehr wie bisher die
Grundbegriffe des einfachsten Exerzierreglements beizubringen haben, es wird auch nicht Rekruten im
heutigen Sinne zugeführt erhalten, es soll vielmehr dem körperlich bereits tadellos vorgebildeten jungen
Menschen nur mehr in den Soldaten verwandeln.
Im völkischen Staat soll also das Heer nicht mehr dem einzelnen Gehen und Stehen beibringen,
sondern es hat als die letzte und höchste Schule vaterländischer Erziehung zu gelten. Der junge Rekrut
soll im Heere die nötige Waffenausbildung erhalten, er soll aber zugleich auch weitergeformt werden für
sein sonstiges späteres Leben. An der Spitze der militärischen Erziehung aber hat das zu stehen, was
schon dem alten Heer als höchstes Verdienst angerechnet werden mußte: In dieser Schule soll der Knabe
zum Mann gewandelt werden; und in dieser Schule soll er nicht nur gehorchen lernen, sondern dadurch
auch die Voraussetzung zum späteren Befehlen erwerben. Er soll lernen zu schweigen, nicht nur, wenn
er mit Recht getadelt wird, sondern soll auch lernen, wenn nötig, Unrecht schweigend zu ertragen.
Er soll weiter, gefestigt durch den Glauben an seine eigene Kraft, erfaßt von der Stärke des gemeinsam
empfundenen Korpsgeistes, die Überzeugung von der Unüberwindlichkeit seines Volkstums gewinnen.
Nach Beendigung der Heeresdienstleistung sind ihm zwei Dokumente auszustellen: sein
Staatsbürgerdiplom als Rechtsurkunde, die ihm nunmehr öffentliche Betätigung gestattet, und sein
Gesundheitsattest als Bestätigung körperlicher Gesundheit für die Ehe.
Analog der Erziehung des Knaben kann der völkische Staat auch die Erziehung des Mädchens von den
gleichen Gesichtspunkten aus leiten. Auch dort ist das Hauptgewicht vor allem auf die körperliche
Ausbildung zu legen, erst dann auf die Förderung der seelischen und zuletzt der gei-
{460 Bildung des Charakters}
stigen Werte. Das Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein.
Erst in zweiter Linie hat der völkische Staat die Bildung des Charakters in jeder Weise zu fördern.
Sicherlich sind die wesentlichen Charaktereigenschaften im einzelnen Menschen grundsätzlich
vorgebildet: der egoistisch Veranlagte ist und bleibt dies einmal für immer, genau so wie der Idealist im
Grunde seines Wesens stets Idealist sein wird. Allein zwischen den restlos ausgeprägten Charakteren
stehen doch Millionen von verschwommen und unklar erscheinenden. Der geborene Verbrecher wird
Verbrecher sein und bleiben; aber zahlreiche Menschen, bei denen bloß eine gewisse Hinneigung zum
Verbrecherischen vorhanden ist, können durch richtige Erziehung noch zu wertvollen Gliedern der
Volksgemeinschaft werden; während umgekehrt durch schlechte Erziehung aus schwankenden
Charakteren wirklich schlechte Elemente erwachsen können.
Wie oft wurde im Kriege Klage darüber geführt, dafür unser Volk so wenig schweigen könne! Wie
schwer war es dadurch, selbst wichtige Geheimnisse der Kenntnis der Feinde zu entziehen! Allein man
stelle sich doch die Frage: Was hat vor dem Kriege die deutsche Erziehung dafür getan, den einzelnen
zur Verschwiegenheit zu bilden? Wurde nicht leider schon in der Schule der kleine Angeber manches
Mal seinen verschwiegeneren Mitgefährten gegenüber vorgezogen? Wurde und wird nicht Angeberei als
rühmliche "Offenheit" und Verschwiegenheit als schmähliche Verstocktheit angesehen? Hat man
sich überhaupt bemüht, Verschwiegenheit als männlich wertvolle Tugend hinzustellen? Nein, denn in
den Augen unserer heutigen Schulerziehung sind das Lappalien. Allein diese Lappalien kosten dem
Staat ungezählte Millionen Gerichtskosten, denn 90 Prozent aller Beleidigungs- und ähnlichen Prozesse
entstanden nur aus Mangel an Verschwiegenheit. Verantwortungslos getane Äußerungen werden ebenso
leichtsinnig weiter-
{461 Erziehung zur Verschwiegenheit}
getratscht, unsere Volkswirtschaft wird ständig durch leichtfertige Preisgabe wichtiger
Fabrikationsmethoden usw. geschädigt, ja sogar alle stillen Vorbereitungen einer Landesverteidigung
werden illusorisch gemacht, da das Volk eben nicht schweigen gelernt hat, sondern alles weiterredet. Im
Kriege aber kann diese Schwatzsucht bis zum Verlust von Schlachten führen und so wesentlich
beitragen zum unglücklichen Ausgang des Kampfes. Man soll auch hier überzeugt sein, daß, was in der
Jugend nicht geübt wurde, im Alter nicht gekonnt wird. Hierher gehört es auch, daß der Lehrer z. B. sich
grundsätzlich nicht von dummen Jungenstreichen Kenntnis zu verschaffen sucht durch das
Heranzüchten übler Angeberei. Die Jugend hat ihren Staat für sich, sie steht dem Erwachsenen in einer
gewissen geschlossenen Solidarität gegenüber, und dies ist selbstverständlich. Die Bindung des
Zehnjährigen zu seinem gleich alten Gefährten ist eine natürlichere und größere als die zu dem
Erwachsenen. Ein Junge, der seinen Kameraden angibt, übt Verrat und betätigt damit eine Gesinnung,
die, schroff ausgedrückt und ins Große übertragen, der des Landesverräters genau entspricht. So ein
Knabe kann keineswegs als "braves, anständiges" Kind angesehen werden, sondern als ein Knabe von
wenig wertvollen Charaktereigenschaften. Für den Lehrer mag es bequem sein, zur Erhöhung seiner
Autorität sich derartiger Untugenden zu bedienen, allein in das jugendliche Herz wird damit der Keim
einer Gesinnung gelegt, die sich später verhängnisvoll auswirken kann. Schon mehr als einmal ist aus
einem kleinen Angeber ein großer Schuft geworden! Dies soll nur ein Beispiel für viele sein. Heute ist
die bewußte Entwicklung guter, edler Charaktereigenschaften in der Schule gleich Null. Dereinst muß
darauf ganz anderes Gewicht gelegt werden. Treue, Opferwilligkeit, Verschwiegenheit sind Tugenden,
die ein großes Volk nötig braucht, und deren Anerziehung und Ausbildung in der Schule wichtiger ist
als manches von dem, was zur Zeit unsere Lehrpläne ausfüllt. Auch das Anerziehen von weinerlichem
Klagen, von wehleidigem Heu-
{462 Ausbildung der Willens- und Entschlußkraft}
len usw. gehört in dieses Gebiet. Wenn eine Erziehung vergißt, schon beim Kinde darauf hinzuwirken,
daß auch Leiden und Unbill einmal schweigend ertragen werden müssen, darf sie sich nicht
wundern, wenn später in kritischer Stunde, z. B. wenn einst der Mann an der Front steht, der ganze
Postverkehr einzig der Beförderung von gegenseitigen Jammer- und Winselbriefen dient. Wenn unserer
Jugend in den Volksschulen etwas weniger Wissen eingetrichtert worden wäre und dafür mehr
Selbstbeherrschung, so hätte sich dies in den Jahren 1915/18 reich gelohnt.
So hat der völkische Staat in seiner Erziehungsarbeit neben der körperlichen gerade auf die
charakterliche Ausbildung höchsten Wert zu legen. Zahlreiche moralische Gebrechen, die unser heutiger
Volkskörper in sich trägt, können durch eine so eingestellte Erziehung wenn schon nicht ganz beseitigt,
so doch sehr gemildert werden.
×
Von höchster Wichtigkeit ist die Ausbildung der Willens- und Entschlußkraft sowie die Pflege der
Verantwortungsfreudigkeit.
Wenn beim Heer einst der Grundsatz galt, daß ein Befehl immer besser ist als keiner, so muß dies bei
der Jugend zunächst heißen: Eine Antwort ist immer besser als keine. Die Furcht, aus Angst Falsches zu
sagen, keine Antwort zu geben, muß beschämender sein als eine unrichtig gegebene Antwort. Von
dieser primitivsten Grundlage aus ist die Jugend dahingehend zu erziehen, daß sie den Mut zur Tat
erhält.
Man hat sich oft beklagt, daß in den Zeiten des Novembers und Dezembers 1918 aber auch alle Stellen
versagten, daß von den Monarchen angefangen bis herunter zum letzten Divisionär niemand mehr die
Kraft zu einem selbständigen Entschluß aufzubringen vermochte. Diese furchtbare Tatsache ist ein
Menetekel unserer Erziehung, denn in dieser grausamen Katastrophe hat sich nur in einem ins
Riesengroße verzerrten Maßstab geäußert, was im Kleinen all-
{463 Pflege zur Verantwortungsfreudigkeit}
gemein vorhanden war. Dieser Mangel an Wille ist es, und nicht der Mangel an Waffen, der uns heute
zu jedem ernstlichen Widerstand unfähig macht. Er sitzt in unserem ganzen Volk drinnen, verhindert
jeden Entschluß, mit dem ein Risiko verbunden ist, als ob die Größe einer Tat nicht gerade im Wagnis
bestünde. Ohne es zu ahnen, hat ein deutscher General es fertiggebracht, für diese jammervolle
Willenslosigkeit die klassische Formel zu finden: "Ich handle nur, wenn ich mit einundfünfzig Prozent
Wahrscheinlichkeit des Erfolges zu rechnen vermag". In diesen "einundfünfzig Prozent" liegt die Tragik
des deutschen Zusammenbruches begründet: wer vom Schicksal erst die Bürgschaft für den Erfolg
fordert, verzichtet damit von selbst auf die Bedeutung einer heroischen Tat. Denn diese liegt darin, daß
man in der Überzeugung von der Todesgefährlichkeit eines Zustandes den Schritt unternimmt, der
vielleicht zum Erfolg führen kann. Ein Krebskranker, dessen Tod andernfalls gewiß ist, braucht nicht
erst einundfünfzig Prozent auszurechnen, um eine Operation zu wagen. Und wenn diese auch nur mit
einem halben Prozent Wahrscheinlichkeit Heilung verspricht, wird ein mutiger Mann sie wagen, im
anderen Falle mag er nicht ums Leben wimmern.
Die Seuche der heutigen feigen Willens- und Entschlußlosigkeit ist aber, alles in allem genommen,
hauptsächlich das Ergebnis unserer grundsätzlich verfehlten Jugenderziehung, deren verheerende
Wirkung sich ins spätere Leben hinein fortpflanzt und in der mangelnden Zivilcourage der leitenden
Staatsmänner ihren letzten Abschluß und ihre letzte Krönung findet.
In die gleiche Linie fällt auch die heute grassierende Feigheit vor Verantwortung. Auch hier liegt der
Fehler schon in der Jugenderziehung, durchsetzt dann das ganze öffentliche Leben und findet in der
parlamentarischen Regierungsinstitution seine unsterbliche Vollendung.
Schon in der Schule legt man leider mehr Wert auf das "reumütige" Geständnis und das "zerknirschte
Abschwören" des kleinen Sünders als auf ein freimütiges Bekenntnis. Letzteres erscheint manchem
Volksbildner von heute sogar
{464 Grundsätze für die wissenschaftliche Schulung}
als sichtbarstes Mittel einer unverbesserlichen Verworfenheit, und so manchem Jungen wird
unglaublicherweise der Galgen wegen Eigenschaften prophezeit, die von unschätzbarem Werte wären,
bildeten sie das Gemeingut eines ganzen Volkes.
Wie der völkische Staat dereinst der Erziehung des Willens und der Entschlußkraft höchste
Aufmerksamkeit zu widmen hat, so muß er schon von klein an Verantwortungsfreudigkeit und
Bekenntnismut in die Herzen der Jugend senken. Nur wenn er diese Notwendigkeit in ihrer vollen
Bedeutung erkennt, wird er endlich nach jahrhundertelanger Bildungsarbeit als Ergebnis einen
Volkskörper erhalten, der nicht mehr jenen Schwächen unterliegen wird, die heute so verhängnisvoll zu
unserem Untergange beigetragen haben.
×
Die wissenschaftliche Schulbildung, die heutzutage ja eigentlich das Um und Auf der gesamten
staatlichen Erziehungsarbeit ist, wird mit nur geringen Veränderungen vom völkischen Staat
übernommen werden können. Biese Änderungen liegen auf drei Gebieten.
Erstens soll das jugendliche Gehirn im allgemeinen nicht mit Dingen belastet werden, die es zu
fünfundneunzig Prozent nicht braucht und daher auch wieder vergißt. Besonders der Lehrplan von
Volks- und Mittelschulen stellt heute ein Zwitterding dar; in vielen Fällen der einzelnen
Lehrgegenstände ist der Stoff des zu Lernenden so angeschwollen, daß nur ein Bruchteil davon im
Kopfe des einzelnen erhalten bleibt und auch nur ein Bruchteil dieser Fülle Verwendung finden kann,
während er andererseits doch wieder nicht für den Bedarf eines in einem bestimmten Fach
Arbeitenden und sein Brot Verdienenden ausreicht. Man nehme zum Beispiel den normalen
Staatsbeamten mit absolviertem Gymnasium oder absol-
{465 Keine Überlastung des Gehirns}
vierter Oberrealschule in seinem fünfunddreißigsten oder vierzigsten Lebensjahr vor und prüfe dessen
einst mühsam eingepauktes Schulwissen nach. Wie wenig ist von all dem damals eingetrichterten Zeug
noch vorhanden! Man wird freilich zur Antwort bekommen: "Ja, die Menge des damals eingelernten
Stoffes hatte eben nicht nur den Zweck späteren Besitzes vielfacher Kenntnisse, sondern auch den einer
Schulung der geistigen Aufnahmefähigkeit, des Denkvermögens und besonders der Merkkraft des
Gehirns." Dies ist zum Teil richtig. Dennoch liegt eine Gefahr darin, daß das jugendliche Gehirn mit
einer Flut von Eindrücken überschwemmt wird, die es in den seltensten Fällen zu bewältigen und deren
einzelne Elemente es nach ihrer größeren oder geringeren Wichtigkeit weder zu sichten noch zu werten
versteht; wobei zudem meist nicht das Unwesentliche, sondern das Wesentliche vergessen und geopfert
wird. So geht der hauptsächliche Zweck dieses Viel-Lernens schon wieder verloren; denn er kann doch
nicht darin bestehen, durch ungemessene Häufung von Lehrstoff das Gehirn an sich lernfähig zu
machen, sondern darin, dem späteren Leben jenen Schatz an Wissen mitzugehen, den der einzelne nötig
hat und der durch ihn dann wieder der Allgemeinheit zugute kommt. Dies wird aber illusorisch, wenn
der Mensch infolge der Überfülle des in der Jugend ihm aufgedrängten Stoffes diesen später entweder
überhaupt nicht mehr oder gerade das Wesentliche davon längst nicht mehr besitzt. Es ist zum Beispiel
nicht einzusehen, warum Millionen von Menschen im Laufe der Jahre zwei oder drei fremde Sprachen
lernen müssen, die sie dann nur zu einem Bruchteil verwerten können und deshalb auch in der Mehrzahl
wieder vollkommen vergessen; denn von hunderttausend Schülern, die zum Beispiel Französisch lernen,
werden kaum zweitausend für diese Kenntnisse später eine ernstliche Verwendung haben, während
achtundneunzigtausend in ihrem ganzen weiteren Lebenslauf nicht mehr in die Lage kommen, das einst
Gelernte praktisch zu verwenden. Sie haben in ihrer Jugend mithin Tausende von Stunden einer Sache
hingegeben, die für
{466 Grundsätze für den Sprachunterricht}
sie später ohne Wert und Bedeutung ist. Auch der Einwand, daß dieser Stoff zur allgemeinen Bildung
gehört, ist unrichtig, nachdem man das nur vertreten könnte, wenn die Menschen ihr ganzes Leben
hindurch über das Gelernte verfügten. So müssen wirklich wegen der zweitausend Menschen, für
welche die Kenntnis dieser Sprache von Nutzen ist, achtundneunzigtausend umsonst gequält werden und
wertvolle Zeit opfern.
Dabei handelt es sich in diesem Fall um eine Sprache, von der man nicht einmal sagen kann, daß sie
eine Schulung des scharfen logischen Denkens bedeute, wie es etwa auf das Lateinische zutrifft. Daher
würde es wesentlich zweckmäßiger sein, wenn man dem jungen Studierenden eine solche Sprache nur in
ihren allgemeinen Umrissen oder, besser gesagt, in ihrem inneren Aufriß vermittelte, ihm also Kenntnis
des hervorstechenden Wesens dieser Sprache gäbe, ihn vielleicht einführte in das Grundsätzliche ihrer
Grammatik und Aussprache, Satzbildung usw. an Musterbeispielen erörterte. Dies genügte für den
allgemeinen Bedarf und wäre, weil leichter zu überblicken und zu merken, wertvoller als das heutige
Einpauken der gesamten Sprache, die doch nicht wirklich beherrscht und später wieder vergessen wird.
Dabei würde auch die Gefahr vermieden, daß aus der überwältigenden Fülle des Stoffes nur einzelne
zufällige, unzusammenhängende Brocken im Gedächtnis blieben, da der junge Mensch eben nur das
Bemerkenswerteste zu lernen erhielte, mithin die Siebung nach Wert oder Unwert bereits
vorweggenommen wäre.
Die hierdurch vermittelte allgemeine Grundlage dürfte den meisten überhaupt genügen, auch fürs
weitere Leben, während sie jenem anderen, der diese Sprache später wirklich braucht, die Möglichkeit
gibt, auf ihr weiterzubauen und in freier Wahl sich ihrem Erlernen gründlichst zu widmen.
Dadurch wird im Lehrplan die nötige Zeit gewonnen für körperliche Ertüchtigung sowie für die
gesteigerten Forderungen auf den vorher bereits erwähnten Gebieten.
Besonders muß eine Änderung der bisherigen Unter-
{467 Grundsätze für den Geschichtsunterricht}
richtsmethode im Geschichtsunterricht vorgenommen werden. Es dürfte wohl kaum ein Volk mehr an
Geschichte lernen als das deutsche; es wird aber kaum ein Volk geben, das sie schlechter anwendet als
das unsere. Wenn Politik werdende Geschichte ist, dann ist unsere geschichtliche Erziehung durch die
Art unserer politischen Betätigung gerichtet. Auch hier geht es nicht an, über die jämmerlichen
Ergebnisse unserer politischen Leistungen zu maulen, wenn man nicht entschlossen ist, für eine bessere
Erziehung zur Politik zu sorgen. Das Ergebnis unseres heutigen Geschichtsunterrichtes ist in
neunundneunzig von hundert Fällen ein klägliches. Wenige Daten, Geburtsziffern und Namen pflegen
da übrigzubleiben, während es an einer großen, klaren Linie gänzlich fehlt. Alles Wesentliche, auf das
es eigentlich ankäme, wird überhaupt nicht gelehrt, sondern es bleibt der mehr oder minder genialen
Veranlagung des einzelnen überlassen, aus der Flut von Daten, aus der Reihenfolge von Vorgängen die
inneren Beweggründe herauszufinden. Man kann sich gegen diese bittere Feststellung sträuben soviel
man will; man lese nur die während einer einzigen Sitzungsperiode von unseren Herren Parlamentariern
zu politischen Problemen, etwa außenpolitischen Fragen, gehaltenen Reden aufmerksam durch; man
bedenke dabei, daß es sich hier — wenigstens behauptungsweise — um die Auslese der deutschen
Nation handelt, und daß jedenfalls ein großer Teil dieser Leute die Bänke unserer Mittelschulen drückte,
teilweise sogar auf Hochschulen war, und man wird daraus so recht ersehen können, wie gänzlich
ungenügend die geschichtliche Bildung dieser Menschen ist. Wenn sie gar nicht Geschichte studiert
hätten, sondern nur gesunden Instinkt besäßen, würde es wesentlich besser und für die Nation von
größerem Nutzen sein.
Gerade im Geschichtsunterricht muß eine Kürzung des Stoffes vorgenommen werden. Der Hauptwert
liegt im Erkennen der großen Entwicklungslinien. Je mehr der Unterricht darauf beschränkt wird, um so
mehr ist zu hoffen, daß dem einzelnen aus seinem Wissen später ein Vorteil erwächst, der summiert
auch der Allgemeinheit zugute
{468 Allgemeine Bildung — Fachbildung}
kommt. Denn man lernt eben nicht Geschichte, um nur zu wissen, was gewesen ist, sondern man lernt
Geschichte, um in ihr eine Lehrmeisterin für die Zukunft und für den Fortbestand des eigenen
Volkstums zu erhalten. Das ist der Zweck, und der geschichtliche Unterricht ist nur ein Mittel zu ihm.
Heute ist aber auch hier das Mittel zum Zweck geworden, der Zweck scheidet vollkommen aus. Man
sage nicht, daß gründliches Geschichtsstudium die Beschäftigung mit all diesen einzelnen Daten eben
erfordere, da ja nur aus ihnen heraus eine Festlegung der großen Linie stattfinden könne. Diese
Festlegung ist Aufgabe der Fachwissenschaft. Der normale Durchschnittsmensch ist aber kein
Geschichtsprofessor. Für ihn ist die Geschichte in erster Linie dazu da, ihm jenes Maß geschichtlichen
Einblicks zu vermitteln, das nötig ist für eine eigene Stellungnahme in den politischen Angelegenheiten
seines Volkstums. Wer Geschichtsprofessor werden will, der mag sich diesem Studium später auf das
gründlichste widmen. Er wird sich selbstverständlich auch mit allen und selbst den kleinsten Details zu
beschäftigen haben. Dazu kann aber auch unser heutiger Geschichtsunterricht nicht genügen; denn er ist
für den normalen Durchschnittsmenschen zu umfangreich, für den Fachgelehrten aber dennoch viel zu
beschränkt.
Es ist im übrigen die Aufgabe eines völkischen Staates, dafür zu sorgen, daß endlich eine
Weltgeschichte geschrieben wird, in der die Rassenfrage zur dominierenden Stellung erhoben wird.
×
Zusammenfassend: Der völkische Staat wird den allgemeinen wissenschaftlichen Unterricht auf eine
gekürzte, das Wesentliche umschließende Form zu bringen haben. Darüber hinaus soll die Möglichkeit
einer gründlichsten fachwissenschaftlichen Ausbildung geboten werden. Es genügt, wenn der einzelne
Mensch ein allgemeines, in großen Zügen gehaltenes Wiesen als Grundlage erhält, und nur
{469 Wert der humanistischen Bildung}
auf dem Gebiet, welches dasjenige seines späteren Lebens wird, gründlichste Fach- und
Einzelausbildung genießt. Die allgemeine Bildung müßte hierbei in allen Fächern obligatorisch sein, die
besondere Wahl dem einzelnen überlassen bleiben.
Die hierdurch erreichte Kürzung des Lehrplanes und der Stundenzahl kommt der Ausbildung des
Körpers, des Charakters, der Willens- und Entschlußkraft zugute.
Wie belanglos unser heutiger Schulunterricht, besonders der Mittelschulen, für den Beruf des späteren
Lebens ist, wird am besten durch die Tatsache bewiesen, daß heute in eine gleiche Stellung Menschen
aus drei ganz verschieden gearteten Schulen kommen können. Ausschlaggebend ist eben wirklich nur
die allgemeine Bildung und nicht das eingetrichterte Spezialwissen. Dort aber, wo — wie schon gesagt
— wirklich ein Spezialwissen notwendig ist, kann es innerhalb der Lehrpläne unserer heutigen
Mittelschulen selbstverständlich nicht erworben werden.
Mit solchen Halbheiten muß deshalb der völkische Staat einst aufräumen.
×
Die zweite Änderung im wissenschaftlichen Lehrplan muß für den völkischen Staat folgende sein:Es
liegt im Zuge unserer heutigen materialisierten Zeit, daß unsere wissenschaftliche Ausbildung sich
immer mehr den nur realen Fächern zuwendet, also der Mathematik, Physik, Chemie usw. So nötig dies
für eine Zeit auch ist, in welcher Technik und Chemie regieren und deren wenigstens äußerlich
sichtbarste Merkmale im täglichen Leben sie darstellen, so gefährlich ist es aber auch, wenn die
allgemeine Bildung einer Nation immer ausschließlich darauf eingestellt wird. Diese muß im Gegenteil
stets eine ideale sein. Sie soll mehr den humanistischen Fächern entsprechen und nur die Grundlagen für
eine spätere fachwissenschaftliche Weiterbildung bieten. Im anderen Fall verzichtet man auf Kräfte,
welche für die Erhaltung der Nation immer noch wichtiger sind als alles technische und sonstige
Können. Insbesondere
{470 Wert der humanistischen Bildung}
soll man im Geschichtsunterricht sich nicht vom Studium der Antike abbringen lassen. Römische
Geschichte, in ganz großen Linien richtig aufgefaßt, ist und bleibt die beste Lehrmeisterin nicht nur für
heute, sondern wohl für alle Zeiten. Auch das hellenische Kulturideal soll uns in seiner vorbildlichen
Schönheit erhalten bleiben. Man darf sich nicht durch Verschiedenheiten der einzelnen Völker die
größere Rassegemeinschaft zerreißen lassen. Der Kampf, der heute tobt, geht um ganz große Ziele: eine
Kultur kämpft um ihr Dasein, die Jahrtausende in sich verbindet und Griechen- und Germanentum
gemeinsam umschließt.
Es soll ein scharfer Unterschied zwischen allgemeiner Bildung und besonderem Fachwissen bestehen.
Da letzteres gerade beute immer mehr in den Dienst des reinen Mammons zu sinken droht, muß die
allgemeine Bildung, wenigstens in ihrer mehr idealen Einstellung, als Gegengewicht erhalten bleiben.
Auch hier muß man unentwegt den Grundsatz einprägen, daß Industrie und Technik, Handel und
Gewerbe immer nur zu blühen vermögen, solange eine idealistisch veranlagte Volksgemeinschaft die
notwendigen Voraussetzungen bietet. Diese aber liegen nicht in materiellem Egoismus, sondern in
verzichtfreudiger Opferbereitschaft.
×
Die heutige Ausbildung der Jugend hat sich im großen und ganzen als erstes Ziel gesetzt, dem jungen
Menschen jenes Wissen einzupumpen, das er auf seinem späteren Lebenswege zu eigenem Fortkommen
braucht. Man drückt dies so aus: "Der Junge muß dereinst ein nützliches Glied der menschlichen
Gesellschaft werden." Darunter aber versteht man seine Fähigkeit, sich einmal auf ordentliche Weise
sein tägliches Brot zu verdienen. Die oberflächliche staatsbürgerliche Ausbildung, die noch
nebenherläuft, steht von vornherein auf schwachen Füßen. Da der Staat an sich nur eine
{471 Landläufige "patriotische" Erziehung}
Form darstellt, ist es auch sehr schwer, Menschen auf diese hin zu erziehen oder gar zu verpflichten.
Eine Form kann zu leicht zerbrechen. Einen klaren Inhalt aber besitzt — wie wir sahen — der Begriff
"Staat" heute nicht. So bleibt nichts übrig als die landläufige "patriotische" Erziehung. Im alten
Deutschland lag ihr Hauptgewicht in einer oft wenig klugen, aber meist sehr faden Verhimmelung
kleiner und kleinster Potentaten, deren Menge von vornherein zum Verzicht auf eine umfassende
Würdigung der wirklich Großen unseres Volkes zwang. Das Ergebnis war daher bei unseren breiten
Massen eine nur sehr ungenügende Kenntnis der deutschen Geschichte. Es fehlte auch hier die große
Linie.
Daß man auf solche Weise nicht zu einer wahrhaftigen Nationalbegeisterung zu kommen vermochte,
liegt auf der Hand. Es fehlte unserer Erziehung die Kunst, aus dem geschichtlichen Werden unseres
Volkes einige wenige Namen herauszuheben und sie zum Allgemeingut des gesamten deutschen Volkes
zu machen, um so durch gleiches Wissen und gleiche Begeisterung auch ein gleichmäßig verbindendes
Band um die ganze Nation zu schlingen. Man hat es nicht verstanden, die wirklich bedeutsamen Männer
unseres Volkes in den Augen der Gegenwart als überragende Heroen erscheinen zu lassen, die
allgemeine Aufmerksamkeit auf sie zu konzentrieren und dadurch eine geschlossene Stimmung zu
erzeugen. Man vermochte nicht, aus den verschiedenen Unterrichtsstoffen das für die Nation Ruhmvolle
über das Niveau einer sachlichen Darstellung zu erheben und an solchen leuchtenden Beispielen den
Nationalstolz zu entflammen. Es würde dies der damaligen Zeit als übler Chauvinismus erschienen sein,
den man in dieser Form wenig geliebt hätte. Der biedere dynastische Patriotismus schien angenehmer
und leichter erträglich als die brausende Leidenschaft höchsten nationalen Stolzes. Jener war immer
bereit, zu dienen, diese konnte eines Tages zur Herrin werden. Der monarchistische Patriotismus endete
in Veteranenvereinen, die nationale Leidenschaft wäre in ihrem Wege schwer zu bestimmen gewesen.
Sie ist wie ein edles Pferd,
{472 Landläufige "patriotische" Erziehung}
das nicht jeden im Sattel trägt. Was Wunder, wenn man sich von einer solchen Gefahr lieber
zurückhielt! Daß eines Tages ein Krieg kommen könnte, der in Trommelfeuer und Gasschwaden eine
gründliche Prüfung der inneren Haltbarkeit patriotischer Gesinnung vornehmen würde, schien niemand
für möglich zu halten. Als er dann aber da war, rächte sich der Mangel an höchster nationaler
Leidenschaft in furchtbarster Weise. Für ihre kaiserlichen und königlichen Herren zu sterben, hatten die
Menschen nur mehr wenig Lust, die "Nation" aber war den meisten unbekannt.
Seit die Revolution in Deutschland ihren Einzug gehalten hat und der monarchistische Patriotismus
damit von selbst erlosch, ist der Zweck des Geschichtsunterrichts wirklich nur mehr der bloßer
Wissensaneignung. Nationalbegeisterung kann dieser Staat nicht brauchen, was er aber gerne möchte,
wird er nie erhalten. Denn so wenig es einen dynastischen Patriotismus von letzter Widerstandsfähigkeit
in einem Zeitalter geben konnte, da das Nationalitätenprinzip regiert, so noch viel weniger eine
republikanische Begeisterung. Denn darüber dürfte wohl kein Zweifel herrschen, daß unter dem Motto
"Für die Republik" das deutsche Volk keine viereinhalb Jahre auf dem Schlachtfeld bleiben würde; am
allerwenigsten blieben die, welche dieses Wundergebilde erschaffen haben.
Tatsächlich verdankt diese Republik ihren ungeschorenen Bestand nur der allseits versicherten
Bereitwilligkeit zur freiwilligen Übernahme jeder Tributleistung und Unterzeichnung jedes
Landesverzichts. Sie ist der anderen Welt sympathisch; wie jeder Schwächling angenehmer empfunden
wird von denen, die ihn brauchen, als ein knorriger Mann. Freilich liegt in dieser Sympathie der Feinde
für gerade diese bestimmte Staatsform auch die vernichtendste Kritik derselben. Man liebt die deutsche
Republik und läßt sie leben, weil man einen besseren Verbündeten für die Versklavungs-
{473 Weckung des Nationalstolzes}
arbeit an unserem Volke gar nicht finden könnte. Nur dieser Tatsache allein verdankt dieses herrliche
Gebilde sein heutiges Bestehen. Daher kann es Verzicht leisten auf jede wirklich nationale Erziehung
und sich mit dem "Hoch"-geschrei von Reichsbannerhelden begnügen, die übrigens, wenn sie dieses
Banner mit ihrem Blut schirmen müßten, ausreißen würden wie Hasen.
Der völkische Staat wird für sein Dasein kämpfen müssen. Er wird es durch Dawesunterschriften weder
erhalten, noch seinen Bestand durch sie verteidigen können. Er wird aber zu seiner Existenz und zu
seinem Schutz gerade das brauchen, auf was man jetzt glaubt verzichten zu können. Je unvergleichlicher
und wertvoller Form und Inhalt sein werden, um so größer auch der Neid und Widerstand der Gegner.
Der beste Schutz wird dann nicht in seinen Waffen liegen, sondern in seinen Bürgern; nicht
Festungswälle werden ihn beschirmen, sondern die lebendige Mauer von Männern und Frauen, erfüllt
von höchster Vaterlandsliebe und fanatischer Nationalbegeisterung.
Als Drittes muß daher bei der wissenschaftlichen Erziehung berücksichtigt werden: Auch in der
Wissenschaft hat der völkische Staat ein Hilfsmittel zu erblicken zur Förderung des Nationalstolzes.
Nicht nur die Weltgeschichte, sondern die gesamte Kulturgeschichte muß von diesem Gesichtspunkte
aus gelehrt werden. Es darf ein Erfinder nicht nur groß erscheinen als Erfinder, sondern muß größer
noch erscheinen als Volksgenosse. Die Bewunderung jeder großen Tat muß umgegossen werden in
Stolz auf den glücklichen Vollbringer derselben als Angehörigen des eigenen Volkes. Aus der Unzahl
all der großen Namen der deutschen Geschichte aber sind die größten herauszugreifen und der Jugend in
so eindringlicher Weise vorzuführen, daß sie zu
{474 Weckung des Nationalstolzes}
Säulen eines unerschütterlichen Nationalgefühles werden.
Planmäßig ist der Lehrstoff nach diesen Gesichtspunkten aufzubauen, planmäßig die Erziehung so zu
gestalten, daß der junge Mensch heim Verlassen seiner Schule nicht ein halber Pazifist, Demokrat oder
sonst was ist, sondern ein ganzer Deutscher.
Damit dieses Nationalgefühl von Anfang an echt sei und nicht bloß in hohlem Schein bestehe, muß
schon in der Jugend ein eiserner Grundsatz in die noch bildungsfähigen Köpfe hineingehämmert
werden: Wer sein Volk liebt, beweist es einzig durch die Opfer, die er für dieses zu bringen bereit ist.
Nationalgefühl, das nur auf Gewinn ausgeht, gibt es nicht. Nationalismus, der nur Klassen umschließt,
gibt es ebensowenig. Hurraschreien bezeugt nichts und gibt kein Recht, sich national zu nennen, wenn
dahinter nicht die große liebende Sorge für die Erhaltung eines allgemeinen, gesunden Volkstums steht.
Ein Grund zum Stolz auf sein Volk ist erst dann vorhanden, wenn man sich keines Standes mehr zu
schämen braucht. Ein Volk aber, von dem die eine Hälfte elend und abgehärmt oder gar verkommen ist,
gibt ein so schlechtes Bild, daß niemand Stolz darüber empfinden soll. Erst wenn ein Volkstum in allen
seinen Gliedern, an Leib und Seele gesund ist, kann sich die Freude, ihm anzugehören, bei allen mit
Recht zu jenem hohen Gefühl steigern, das wir mit Nationalstolz bezeichnen. Diesen höchsten Stolz
aber wird auch nur der empfinden, der eben die Größe seines Volkstums kennt.
Die innige Vermählung von Nationalismus und sozialem Gerechtigkeitssinn ist
{475 Angst vor Chauvinismus ist Impotenz}
schon in das junge Herz hineinzupflanzen. Dann wird dereinst ein Volk von Staatsbürgern erstehen,
miteinander verbunden und zusammengeschmiedet durch eine gemeinsame Liebe und einen
gemeinsamen Stolz, unerschütterlich und unbesiegbar für immer.
Die Angst unserer Zeit vor Chauvinismus ist das Zeichen ihrer Impotenz. Da ihr jede überschäumende
Kraft nicht nur fehlt, sondern sogar unangenehm erscheint, ist sie auch für eine große Tat vom Schicksal
nicht mehr ausersehen. Denn die größten Umwälzungen auf dieser Erde wären nicht denkbar gewesen,
wenn ihre Triebkraft statt fanatischer, ja hysterischer Leidenschaften nur die bürgerlichen Tugenden der
Ruhe und Ordnung gewesen wären.
Sicher aber geht diese Welt einer großen Umwälzung entgegen. Und es kann nur die eine Frage sein, ob
sie zum Heil der arischen Menschheit oder zum Nutzen des ewigen Juden ausschlägt.
Der völkische Staat wird dafür sorgen müssen, durch eine passende Erziehung der Jugend dereinst das
für die letzten und größten Entscheidungen auf diesem Erdball reife Geschlecht zu erhalten.
Das Volk aber, das diesen Weg zuerst betritt, wird siegen.
×
Die gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit des völkischen Staates muß ihre Krönung darin finden, daß
sie den Rassesinn und das Rassegefühl instinkt- und verstandesmäßig in Herz und Gehirn der ihr
anvertrauten Jugend hineinbrennt. Es
{476 Anerziehung von Rassesinn}
soll kein Knabe und kein Mädchen die Schule verlassen, ohne zur letzten Erkenntnis über die
Notwendigkeit und das Wesen der Blutreinheit geführt worden zu sein. Damit wird die Voraussetzung
geschaffen für die Erhaltung der rassenmäßigen Grundlagen unseres Volkstums und durch sie wiederum
die Sicherung der Vorbedingungen für die spätere kulturelle Weiterentwicklung.
Denn alle körperliche und alle geistige Ausbildung würde im letzten Grunde dennoch wertlos bleiben,
wenn sie nicht einem Wesen zugute käme, das grundsätzlich bereit und entschlossen ist, sich selbst und
seine Eigenart zu erhalten.
Im anderen Falle würde das eintreten, was wir Deutschen schon jetzt im großen beklagen müssen, ohne
daß vielleicht der ganze Umfang dieses tragischen Unglücks bisher begriffen worden wäre: daß wir auch
in Zukunft nur Kulturdünger bleiben, nicht nur im Sinne der begrenzten Auffassung unserer heutigen
bürgerlichen Anschauung, die im einzelnen verlorenen Volksgenossen nur den verlorenen Staatsbürger
sieht, sondern im Sinne der schmerzlichsten Erkenntnis, daß dann, trog all unserm Wissen und Können,
unser Blut doch zur Niedersenkung bestimmt ist. Indem wir uns immer wieder mit anderen Rassen
paaren, erheben wir wohl diese aus ihrem bisherigen Kulturniveau auf eine höhere Stufe, sinken aber
von unserer eigenen Höhe für ewig herab.
Übrigens hat auch diese Erziehung unter dem Gesichtspunkte der Rasse ihre letzte Vollendung im
Heeresdienste zu erhalten. Wie denn überhaupt die Militärdienstzeit als Abschluß der normalen
Erziehung des durchschnittlichen Deutschen gelten soll.
×
{477 Staatliche Auslese der Tüchtigen}
So große Bedeutung im völkischen Staat die Art der körperlichen und geistigen Erziehung haben wird,
ebenso wichtig wird auch die Menschenauslese an sich für ihn sein. Heute tut man sich hierin leicht. Im
allgemeinen sind es die Kinder höherstehender, zur Zeit gut situierter Eltern, die wieder einer höheren
Ausbildung für würdig erachtet werden. Fragen des Talents spielen dabei eine untergeordnete Rolle. An
sich kann das Talent immer nur relativ bewertet werden. Ein Bauernjunge kann weit mehr Talente
hesitzen als das Kind von Eltern aus einer seit vielen Generationen gehobenen Lebensstellung, wenn er
auch im allgemeinen Wissen dem Bürgerkind nachsteht. Dessen größeres Wissen hat aber an sich mit
größerem oder geringerem Talent gar nichts zu tun, sondern wurzelt in der wesentlich größeren Fülle
von Eindrücken, die das Kind infolge seiner vielseitigeren Erziehung und reichen Lebensumgehung
ununterbrochen erhält. Würde der talentierte Bauernknabe von klein auf ebenfalls in solcher Umgebung
herangewachsen sein, so wäre seine geistige Leistungsfähigkeit eine ganz andere. Es gibt heute
vielleicht ein einziges Gebiet, auf dem wirklich weniger die Herkunft als vielmehr die eigene
angeborene Begabung entscheidet: das Gebiet der Kunst. Hier, wo man eben nicht bloß "lernen" kann,
sondern alles schon ursprünglich angeboren sein muß und nur später einer mehr oder weniger günstigen
Entwicklung im Sinne weiser Förderung der vorhandenen Anlagen unterliegt, kommt Geld und Gut der
Eltern fast nicht in Betracht. Daher erweist sich hier auch am besten, daß Genialität nicht an höhere
Lebensschichten oder gar an Reichtum gebunden ist. Die größten Künstler stammen nicht selten aus den
ärmsten Häusern. Und mancher kleine Dorfjunge ward später ein vielseitiger Meister.
Es spricht nicht gerade für große Gedankentiefe der Zeit, daß man solche Erkenntnis nicht für das
gesamte geistige Leben nützt. Man meint, das, was bei der Kunst nicht geleugnet werden kann, treffe für
die sogenannten realen Wissenschaften nicht zu. Ohne Zweifel kann man bestimmte
{478 Staatliche Auslese der Tüchtigen}
mechanische Fertigkeiten dem Menschen anerziehen, so wie es einer geschickten Dressur möglich ist,
einem gelehrigen Pudel die unglaublichsten Kunststücke beizubringen. Allein, wie bei dieser
Tierdressur nicht das Verständnis des Tieres aus sich selbst heraus zu solchen Übungen führt, so auch
heim Menschen. Man kann ohne Rücksicht auf ein anderes Talent auch dem Menschen bestimmte
wissenschaftliche Kunststücke beibringen, aber der Vorgang ist dann genau der gleich leblose, innerlich
unbeseelte wie beim Tier. Man kann auf Grund eines bestimmten geistigen Drills einem
Durchschnittsmenschen sogar Über-Durchschnittswissen einbleuen; allein das bleibt eben totes und, im
letzten Grund, unfruchtbares Wissen. Es ergibt dann jenen Menschen, der zwar ein lebendiges Lexikon
sein mag, aber trotzdem in allen besonderen Lagen und entscheidenden Augenblicken des Lebens
jämmerlich versagt; er wird zu jeder, auch der bescheidensten Anforderung immer erst wieder
abgerichtet werden müssen, dagegen aus sich heraus nicht imstande sein, den geringsten Beitrag zur
Weiterbildung der Menschheit zu geben. Solch ein mechanisch eingedrilltes Wissen genügt höchstens
zur Übernahme von Staatsämtern in unserer heutigen Zeit.
Es ist selbstverständlich, daß sich in der Gesamtsumme der Volkszahl einer Nation für alle möglichen
Gebiete des täglichen Lebens Talente finden werden. Es ist weiter selbstverständlich, daß der Wert des
Wissens um so größer sein wird, je mehr das tote Wissen vom entsprechenden Talent des einzelnen
beseelt wird. Schöpferische Leistungen selbst können überhaupt nur entstehen, wenn Fähigkeit und
Wissen eine Ehe bilden.
Wie grenzenlos die heutige Menschheit in dieser Richtung sündigt, mag noch ein Beispiel zeigen. Von
Zeit zu Zeit wird in illustrierten Blättern dem deutschen Spießer vor Augen geführt, daß da und dort zum
erstenmal ein Neger Advokat, Lehrer, gar Pastor, ja Heldentenor oder dergleichen geworden ist.
Während das blödselige Bürgertum eine solche Wunderdressur staunend zur Kenntnis nimmt, voll von
Respekt für dieses fabelhafte Resultat heutiger Erziehungskunst, versteht der Jude sehr schlau, daraus
einen
{479 Staatliche Auslese der Tüchtigen}
neuen Beweis vom der Richtigkeit seiner den Völkern einzutrichternden Theorie von der Gleichheit der
Menschen zu konstruieren. Es dämmert dieser verkommenen bürgerlichen Welt nicht auf, daß es sich
hier wahrhaftig um eine Sünde an jeder Vernunft handelt; daß es ein verbrecherischer Wahnwitz ist,
einen geborenen Halbaffen so lange zu dressieren, bis man glaubt, aus ihm einen Advokaten gemacht zu
haben, während Millionen Angehörige der höchsten Kulturrasse in vollkommen unwürdigen Stellungen
verbleiben müssen; daß es eine Versündigung am Willen des ewigen Schöpfers ist, wenn man
Hunderttausende und Hunderttausende seiner begabtesten Wesen im heutigen proletarischen Sumpf
verkommen läßt, während man Hottentotten und Zulukaffern zu geistigen Berufen hinaufdressiert. Denn
um eine Dressur handelt es sich dabei, genau so wie bei der des Pudels, und nicht um eine
wissenschaftliche "Ausbildung". Die gleiche Mühe und Sorgfalt auf Intelligenzrassen angewendet,
würde jeden einzelnen tausendmal eher zu gleichen Leistungen befähigen.
So unerträglich aber dieser Zustand wäre, wenn es sich dabei jemals um mehr als um Ausnahmen
handeln würde, so unerträglich ist er schon heute da, wo nicht Talent und Veranlagung für die höhere
Ausbildung entscheiden. Jawohl, unerträglich ist der Gedanke, daß alljährlich Hunderttausende
vollständig talentloser Menschen einer höheren Ausbildung gewürdigt werden, während andere
Hunderttausende von großer Begabung ohne jede höhere Ausbildung bleiben. Der Verlust, den die
Nation dadurch erleidet, ist nicht abzuschätzen. Wenn in den letzten Jahrzehnten der Reichtum an
bedeutenden Erfindungen besonders in Nordamerika außerordentlich zunahm, dann nicht zuletzt
deshalb, weil dort wesentlich mehr Talente aus untersten Schichten die Möglichkeit einer höheren
Ausbildung finden, als dies in Europa der Fall ist.
Zum Erfinden genügt eben nicht eingetrichtertes Wissen, sondern nur das vom Talent beseelte. Darauf
aber legt man bei uns heute keinen Wert; die gute Note allein soll es ausmachen.
{480 Staatliche Auslese der Tüchtigen}
Auch hier wird der völkische Staat einst erziehend einzugreifen haben. Er hat nicht die Aufgabe, einer
bestehenden Gesellschaftsklasse den maßgebenden Einfluß zu wahren, sondern die Aufgabe, aus der
Summe aller Volksgenossen die fähigsten Köpfe herauszuholen und zu Amt und Würden zu bringen. Er
hat nicht nur die Verpflichtung, dem Durchschnittskind in der Volksschule eine bestimmte Erziehung zu
geben, sondern auch die Pflicht, das Talent auf die Bahn zu bringen, auf die es gehört. Er hat es vor
allem als seine höchste Aufgabe zu betrachten, die Tore der staatlichen höheren Unterrichtsanstalten
jeder Begabung zu öffnen, ganz gleich, aus welchen Kreisen sie stammen möge. Er muß diese Aufgabe
erfüllen, da nur so aus der Schicht von Repräsentanten eines toten Wissens die geniale Führung der
Nation erwachsen kann.
Auch aus einem weiteren Grunde muß der Staat in dieser Richtung Vorsorge treffen: Unsere geistigen
Schichten sind besonders in Deutschland so in sich abgeschlossen und verkalkt, daß ihnen die lebendige
Verbindung nach unten fehlt. Dies rächt sich nach zwei Seiten hin: Erstens fehlt ihnen dadurch das
Verständnis und die Empfindung für die breite Masse. Sie sind zu lange schon aus diesem
Zusammenhang herausgerissen, als daß sie noch das nötige psychologische Verständnis für das Volk
besitzen könnten. Sie sind volksfremd geworden. Es fehlt diesen oberen Schichten aber zweitens auch
die nötige Willenskraft. Denn diese ist in abgekasteten Intelligenzkreisen immer schwächer als in der
Masse des primitiven Volkes. An wissenschaftlicher Bildung aber hat es uns Deutschen wahrhaftiger
Gott nie gefehlt, desto mehr jedoch an Willens- und Entschlußkraft. Je "geistvoller" zum Beispiel unsere
Staatsmänner waren, um so schwächlicher war meistens ihre wirkliche Leistung. Die politische
Vorbereitung sowohl als die technische Rüstung für den Weltkrieg war nicht deswegen ungenügend,
weil etwa zu wenig gebildete Köpfe unser Volk regierten, sondern vielmehr, weil die Regierenden
überbildete Menschen waren, vollgepfropft von Wissen und
{481 Volksverbundenheit der katholischen Kirche}
Geist, aber bar jedes gesunden Instinkts und ledig jeder Energie und Kühnheit. Es war ein Verhängnis,
daß unser Volk seinen Daseinskampf ausfechten mußte unter der Reichskanzlerschaft eines
philosophierenden Schwächlings. Hätten wir an Stelle eines Bethmann Hollweg einen robusteren
Volksmann als Führer besessen, würde das Heldenblut des gemeinen Grenadiers nicht umsonst
geflossen sein. Ebenso war die übertrieben reingeistige Hochzüchtung unseres Führermaterials der beste
Bundesgenosse für die revolutionierenden Novemberlumpen. Indem diese Geistigkeit das ihr
anvertraute nationale Gut in der schmählichsten Weise zurückhielt, statt es voll und ganz einzusehen,
schuf sie selber die Voraussetzung zum Erfolge der anderen.
Hier kann die katholische Kirche als vorbildliches Lehrbeispiel gelten. In der Ehelosigkeit ihrer Priester
liegt der Zwang begründet, den Nachwuchs für die Geistlichkeit statt aus den eigenen Reihen immer
wieder aus der Masse des breiten Volkes holen zu müssen. Gerade diese Bedeutung des Zölibats wird
aber von den meisten gar nicht erkannt. Sie ist die Ursache der unglaublich rüstigen Kraft, die in dieser
uralten Institution wohnt. Denn dadurch, daß dieses Riesenheer geistlicher Würdenträger sich
ununterbrochen aus den untersten Schichten der Völker heraus ergänzt, erhält sich die Kirche nicht nur
die Instinkt-Verbundenheit mit der Gefühlswelt des Volkes, sondern sichert sich auch eine Summe von
Energie und Tatkraft, die in solcher Form ewig nur in der breiten Masse des Volkes vorhanden sein
wird. Daher stammt die staunenswerte Jugendlichkeit dieses Riesenorganismus, die geistige
Schmiegsamkeit und stählerne Willenskraft.
Es wird die Aufgabe eines völkischen Staates sein, in seinem Unterrichtswesen dafür Sorge zu tragen,
daß eine dauernde Erneuerung der bestehenden geistigen Schichten durch frische Blutzufuhr von unten
stattfindet. Der Staat hat die Verpflichtung mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit aus der Gesamtzahl
der Volksgenossen das von Natur aus ersichtlich befähigte
{482 Wertung der Arbeit}
Menschenmaterial herauszusieben und im Dienste der Allgemeinheit zu verwenden. Denn Staat und
Staatsmänner sind nicht dazu da, einzelnen Klassen ein Unterkommen zu ermöglichen, sondern den
ihnen zukommenden Aufgaben zu genügen. Das aber wird nur möglich sein, wenn zu ihren Trägern
grundsätzlich nur fähige und willensstarke Persönlichkeiten herangebildet werden. Dies gilt nicht nur für
alle Beamtenstellen, sondern für die geistige Führung der Nation überhaupt auf allen Gebieten. Auch
darin liegt ein Faktor für die Größe eines Volkes, daß es gelingt, die fähigsten Köpfe für die ihnen
liegenden Gebiete auszubilden und in den Dienst der Volksgemeinschaft zu stellen. Wenn zwei Völker
miteinander konkurrieren, die an sich gleich gut veranlagt sind, so wird dasjenige den Sieg erringen, das
in seiner gesamten geistigen Führung seine besten Talente vertreten hat, und dasjenige unterliegen,
dessen Führung nur eine große gemeinsame Futterkrippe für bestimmte Stände oder Klassen darstellt,
ohne Rücksicht auf die angeborenen Fähigkeiten der einzelnen Träger.
Freilich erscheint dies in unserer heutigen Welt zunächst unmöglich. Man wird sofort einwerfen. daß
man dem Söhnchen, zum Beispiel eines höheren Staatsbeamten, doch nicht zumuten dürfe, sagen wir,
Handwerker zu werden, weil irgendein anderer, dessen Eltern Handwerker waren, befähigter erscheint.
Das mag bei der heutigen Einschätzung der Handarbeit zutreffen. Daher wird auch der völkische Staat
zu einer prinzipiell anderen Einstellung dem Begriff Arbeit gegenüber gelangen müssen. Er wird, wenn
notwendig selbst durch jahrhundertelange Erziehung, mit dem Unfug, körperliche Tätigkeit zu
mißachten, brechen müssen. Er wird grundsätzlich den einzelnen Menschen nicht nach der Art seiner
Arbeit, sondern nach Form und Güte der Leistung zu bewerten haben. Dies mag einer Zeit ganz
ungeheuerlich
{483 Wertung der Arbeit}
erscheinen, welcher der geistloseste Kolonnenschreiber nur deshalb, weil er mit der Feder arbeitet, mehr
gilt als der intelligenteste Feinmechaniker. Diese falsche Einschätzung liegt aber, wie gesagt, nicht in
der Natur der Dinge, sondern ist künstlich anerzogen und war früher nicht vorhanden. Der jetzige
unnatürliche Zustand beruht eben auf den allgemeinen Krankheitserscheinungen unserer
vermaterialisierten Zeit.
Grundsätzlich ist der Wert jeder Arbeit ein doppelter: ein rein materieller und ein ideeller. Der materielle
Wert beruht in der Bedeutung, und zwar der materiellen Bedeutung einer Arbeit für das Leben der
Gesamtheit. Je mehr Volksgenossen aus einer bestimmten vollbrachten Leistung Nutzen ziehen, und
zwar direkten und indirekten, um so größer ist der materielle Wert einzuschätzen. Diese Einschätzung
findet ihrerseits den plastischen Ausdruck im materiellen Lohn, welchen der einzelne für seine Arbeit
erhält. Diesem rein materiellen Wert steht nun gegenüber der ideelle. Er beruht nicht auf der Bedeutung
der geleisteten Arbeit materiell gemessen, sondern auf ihrer Notwendigkeit an sich. So sicher der
materielle Nutzen einer Erfindung größer sein kann als der eines alltäglichen Handlangerdienstes, so
sicher ist die Gesamtheit doch auf diesen kleinsten Dienst genau so angewiesen wie auf jenen größten.
Sie mag materiell einen Unterschied treffen in der Bewertung des Nutzens der einzelnen Arbeit für die
Gesamtheit und kann dem durch die jeweilige Entlohnung Ausdruck verleihen; sie muß aber ideell die
Gleichheit aller feststellen in dem Augenblick, in dem jeder einzelne sich bemüht, auf seinem Gebiete
— welches immer es auch sein mag — sein Bestes zu tun. Darauf aber hat die Wertschätzung eines
Menschen zu beruhen, und nicht auf der Entlohnung.
Da in einem vernünftigen Staat die Sorge dahin gehen soll, dem einzelnen die Tätigkeit zuzuweisen, die
seiner Fähigkeit entspricht, oder, anders ausgedrückt, die fähigen Köpfe für die ihnen liegende Arbeit
auszubilden, die Fähigkeit aber prinzipiell nicht anerzogen, sondern angeboren sein muß, mithin ein
Geschenk der Natur und nicht
{484 Wertung der Arbeit}
ein Verdienst des Menschen ist, so kann sich die allgemeine bürgerliche Einschätzung auch nicht nach
der dem einzelnen gewissermaßen überwiesenen Arbeit richten. Denn diese Arbeit fällt auf das Konto
seiner Geburt sowie auf die dadurch veranlaßte Ausbildung, die er durch die Allgemeinheit erhielt. Die
Wertschätzung des Menschen muß begründet werden auf der Art und Weise, in der er seiner ihm von
der Allgemeinheit überantworteten Aufgabe gerecht wird. Denn die Tätigkeit, welche der einzelne
verrichtet, ist nicht der Zweck seines Daseins, sondern nur das Mittel dazu. Vielmehr soll er sich als
Mensch weiterbilden und weiterveredeln, kann dies aber nur im Rahmen seiner Kulturgemeinschaft, die
immer auf dem Fundament eines Staates beruhen muß. Zur Erhaltung dieses Fundamentes hat er seinen
Beitrag zu leisten. Die Form dieses Beitrags bestimmt die Natur; an ihm liegt es nur, mit Fleiß und
Redlichkeit der Volksgemeinschaft zurückzuerstatten, was sie ihm selbst gegeben hat. Wer dieses tut,
verdient höchste Wertschätzung und höchste Achtung. Der materielle Lohn mag dem zugebilligt
werden, dessen Leistung für die Gesamtheit entsprechenden Nutzen trägt; der ideelle jedoch muß in der
Wertschätzung liegen, die jeder beanspruchen kann, der die Kräfte, welche die Natur ihm gab und die
Volksgemeinschaft zur Ausbildung brachte, dem Dienste seines Volkstums widmet. Dann aber ist es
keine Schande mehr, ein ordentlicher Handwerker zu sein, aber wohl eine, als unfähiger Beamter dem
lieben Gott den Tag und dem guten Volk das tägliche Brot zu stehlen. Dann wird man es auch für
selbstverständlich halten, daß ein Mensch nicht Aufgaben zugewiesen erhält, denen er von vornherein
nicht gewachsen ist.
Im übrigen gibt solche Tätigkeit auch den einzigen Maßstab für das Recht bei der allgemeinen gleichen
rechtlichen bürgerlichen Betätigung.
Die heutige Zeit baut sich ja selber ab; sie führt ein allgemeines Wahlrecht ein, schwätzt von gleichen
Rechten, fin-
{485 Wertung der Arbeit}
det aber doch keine Begründung für dieselben. Sie sieht im materiellen Lohn den Ausdruck des Wertes
eines Menschen und zertrümmert sich dadurch die Grundlage für die edelste Gleichheit, die es
überhaupt geben kann. Denn Gleichheit beruht nicht und kann niemals beruhen auf den Leistungen der
einzelnen an sich, aber sie ist möglich in der Form, in der jeder seine besonderen Verpflichtungen
erfüllt. Nur dadurch wird der Zufall der Natur bei der Beurteilung des Wertes des Menschen
ausgeschaltet und der einzelne selbst zum Schmied seiner Bedeutung gemacht.
In der heutigen Zeit, da sich ganze Menschengruppen gegenseitig nur mehr nach Gehaltsgruppen zu
würdigen wissen, hat man dafür — wie schon gesagt — kein Verständnis. Allein für uns darf dies kein
Grund sein, auf die Vertretung unserer Gedanken zu verzichten. Im Gegenteil: Wer diese Zeit, die
innerlich krank und faul ist, heilen will, muß zunächst den Mut aufbringen, die Ursachen dieses Leides
klarzulegen. Das aber soll die Sorge der nationalsozialistischen Bewegung sein: über alle Spießbürgerei
hinweg, aus unserem Volkstum heraus, diejenigen Kräfte zu sammeln und zu ordnen, die als
Vorkämpfer einer neuen Weltanschauung befähigt sind.
×
Allerdings wird man den Einwand bringen, daß sich im allgemeinen die ideelle Einschätzung von der
materiellen schwer trennen lasse, ja, daß die sinkende Wertschätzung der körperlichen Arbeit gerade
durch ihre mindere Entlohnung hervorgerufen würde. Diese mindere Entlohnung sei selber wieder die
Ursache für eine Beschränkung der Teilnahme des einzelnen Menschen an den Kulturgütern seiner
Nation. Dadurch aber werde gerade die ideelle Kultur des Menschen beeinträchtigt, die mit seiner
Tätigkeit an sich nichts zu tun haben brauche. Die Scheu vor körperlicher Arbeit sei erst recht darin
begründet, daß, infolge der
{486 Staffelung des Verdienstes}
schlechteren Entlohnung, das Kulturniveau des Handarbeiters zwangsläufig heruntergedrückt werde und
dadurch die Rechtfertigung einer allgemeinen minderen Einschätzung gegeben sei.
Darin liegt sehr viel Wahrheit. Gerade deshalb wird man aber in der Zukunft sich vor einer zu großen
Differenzierung der Lohnverhältnisse hüten müssen. Man sage nicht, daß damit die Leistungen
ausbleiben würden. Das wäre das traurigste Zeichen des Verfalls einer Zeit, wenn der Antrieb zu einer
höheren geistigen Leistung nur mehr im höheren Lohn läge. Wenn dieser Gesichtspunkt bisher auf
dieser Welt der einzig maßgebende gewesen wäre, würde die Menschheit ihre größten
wissenschaftlichen und kulturellen Güter niemals empfangen haben. Denn die größten Erfindungen, die
größten Entdeckungen, die umwälzendsten wissenschaftlichen Arbeiten, die herrlichsten Denkmäler
menschlicher Kultur sind nicht aus dem Drange nach Geld der Welt gegeben worden. Im Gegenteil, ihre
Geburt bedeutete nicht selten geradezu den Verzicht auf das irdische Glück des Reichtums.
Es mag sein, daß heute das Gold der ausschließliche Regent des Lebens geworden ist, doch wird
dereinst der Mensch sich wieder vor höheren Göttern beugen. Vieles mag heute nur dem Sehnen nach
Geld und Vermögen sein Dasein verdanken, aber es ist wohl nur wenig darunter, dessen
Nichtvorhandensein die Menschheit ärmer sein ließe.
Auch dies ist eine Aufgabe unserer Bewegung, daß sie schon heute von einer Zeit künde, die dem
einzelnen das geben wird, was er zum Leben braucht, aber dabei den Grundsatz hochhält, daß der
Mensch nicht ausschließlich um materieller Genüsse willen lebt. Dies soll dereinst seinen Ausdruck in
einer weise beschränkten Staffelung der Verdienste finden, die auch dem letzten redlich Arbeitenden auf
alle Fälle ein ehrliches, ordentliches Dasein als Volksgenosse und Mensch ermöglicht.
Man sage ja nicht, daß dies ein Idealzustand sei, wie ihn diese Welt praktisch nicht vertrüge und
tatsächlich nie erreichen werde.
{487 Ideal und Wirklichkeit}
Auch wir sind nicht so einfältig, zu glauben, daß es gelingen könnte, jemals ein fehlerloses Zeitalter
herbeizuführen. Allein dies entbindet nicht von der Verpflichtung, erkannte Fehler zu bekämpfen,
Schwächen zu überwinden und dem Ideal zuzustreben. Die herbe Wirklichkeit wird von sich aus nur zu
viele Einschränkungen herbeiführen. Gerade deshalb aber muß der Mensch erst recht versuchen, dem
letzten Ziel zu dienen, und Fehlschläge dürfen ihn von seiner Absicht so wenig abbringen, als er auf eine
Justiz verzichten kann, nur weil ihr auch Irrtümer unterlaufen, und so wenig man die Arznei verwirft,
weil es dennoch. immer Krankheit geben wird.
Man hüte sich, die Kraft eines Ideals zu niedrig einzuschätzen. Wer in dieser Hinsicht heute kleinmütig
wird, den möchte ich, falls er einst Soldat war, zurückerinnern an eine Zeit, deren Heldentum das
überwältigendste Bekenntnis zur Kraft idealer Motive darstellte. Denn, was die Menschen damals
sterben ließ, war nicht die Sorge um das tägliche Brot, sondern die Liebe zum Vaterland, der Glaube an
die Größe desselben, das allgemeine Gefühl für die Ehre der Nation. Und erst als das deutsche Volk sich
von diesen Idealen entfernte, um den realen Versprechungen der Revolution zu folgen, und die Waffe
mit dem Rucksack vertauschte, kam es, statt in einen irdischen Himmel, ins Fegfeuer der allgemeinen
Verachtung und nicht minder der allgemeinen Not.
Deshalb ist es aber erst recht notwendig, den Rechenmeistern der derzeitigen realen Republik den
Glauben an ein ideales Reich gegenüberzustellen.
{488}
3. Kapitel:
Staatsangehöriger und Staatsbürger
Im allgemeinen kennt das Gebilde, das heute fälschlicherweise als Staat bezeichnet wird, nur zwei Arten
von Menschen: Staatsbürger und Ausländer. Staatsbürger sind alle diejenigen, die entweder durch ihre
Geburt oder durch spätere Einbürgerung das Staatsbürgerrecht besitzen; Ausländer sind alle diejenigen,
die dieses gleiche Recht in einem anderen Staate genießen. Dazwischen gibt es dann noch
kometenähnliche Erscheinungen, die sogenannten Staatenlosen. Das sind Menschen, die die Ehre haben,
keinem der heutigen Staaten anzugehören, also nirgends ein Staatsbürgerrecht besitzen.
Das Staatsbürgerrecht wird heute, wie schon oben erwähnt, in erster Linie durch die Geburt innerhalb
der Grenzen eines Staates erworben. Rasse oder Volkszugehörigkeit spielen dabei überhaupt keine
Rolle. Ein Neger, der früher in den deutschen Schutzgebieten lebte, nun in Deutschland seinen Wohnsitz
hat, setzt damit in seinem Kind einen "deutschen Staatsbürger" in die Welt. Ebenso kann jedes Judenoder
Polen-, Afrikaner- oder Asiatenkind ohne weiteres zum deutschen Staatsbürger deklariert werden.
Außer der Einbürgerung durch Geburt besteht noch die Möglichkeit der späteren Einbürgerung. Sie ist
an verschiedene Vorbedingungen gebunden, zum Beispiel daran, daß der in Aussicht genommene
Kandidat wenn möglich kein Einbrecher oder Zuhälter ist, daß er weiter politisch unbedenklich, d. h.
also ein harmloser politischer Trottel ist, daß er endlich nicht seiner neuen staatsbürgerlichen Heimat zur
Last fällt. Gemeint ist damit in diesem realen Zeitalter natürlich nur die finanzielle Belastung. Ja, es gilt
so-
{489 Wie man heute Staatsbürger wird}
gar als förderliche Empfehlung, einen vermutlich guten künftigen Steuerzahler vorzustellen, um die
Erwerbung einer heutigen Staatsbürgerschaft zu beschleunigen.
Rassische Bedenken spielen dabei überhaupt keine Rolle.
Der ganze Vorgang der Erwerbung des Staatsbürgertums vollzieht sich nicht viel anders als der der
Aufnahme zum Beispiel in einen Automobilklub. Der Mann macht seine Angaben, diese werden geprüft
und begutachtet, und eines Tages wird ihm dann auf einem Handzettel zur Kenntnis gebracht, daß er
Staatsbürger geworden sei, wobei man dies noch in eine witzig-ulkige Form kleidet. Man teilt dem in
Frage kommenden bisherigen Zulukaffer nämlich mit: "Sie sind hiermit Deutscher geworden!"Dieses
Zauberstück bringt ein Staatspräsident fertig. Was kein Himmel schaffen könnte, das verwandelt solch
ein beamteter Theophrastus Paracelsus im Handumdrehen. Ein einfacher Federwisch, und aus einem
mongolischen Wenzel ist plötzlich ein richtiger "Deutscher" geworden.
Aber nicht nur, daß man sich um die Rasse eines solchen neuen Staatsbürgers nicht kümmert, man
beachtet nicht einmal seine körperliche Gesundheit. Es mag so ein Kerl syphilitisch zerfressen sein wie
er will, für den heutigen Staat ist er dennoch als Bürger hochwillkommen, sofern er, wie schon gesagt,
finanziell keine Belastung und politisch keine Gefahr bedeutet.
So nehmen alljährlich diese Gebilde, Staat genannt, Giftstoffe in sich auf, die sie kaum mehr zu
überwinden vermögen.
Der Staatsbürger selber unterscheidet sich dann vom Ausländer noch dadurch, daß ihm der Weg zu allen
öffentlichen Ämtern freigegeben ist, daß er eventuell der Heeresdienstpflicht genügen muß und sich
weiter dafür aktiv und passiv an Wahlen beteiligen kann. Im großen und ganzen ist dies alles. Denn den
Schutz der persönlichen Rechte und der persönlichen Freiheit genießt der Ausländer ebenso, nicht selten
sogar mehr; jedenfalls trifft dies in unserer heutigen deutschen Republik zu.
Ich weiß, daß man dieses alles ungern hört; allein
{490 Bürger — Staatsangehöriger — Ausländer}
etwas Gedankenloseres, ja Hirnverbrannteres als unser heutiges Staatsbürgerrecht ist schwerlich
vorhanden. Es gibt zur Zeit einen Staat, in dem wenigstens schwache Ansätze für eine bessere
Auffassung bemerkbar sind. Natürlich ist dies nicht unsere vorbildliche deutsche Republik, sondern die
amerikanische Union, in der man sich bemüht, wenigstens teilweise wieder die Vernunft zu Rate zu
ziehen. Indem die amerikanische Union gesundheitlich schlechten Elementen die Einwanderung
grundsätzlich verweigert, von der Einbürgerung aber bestimmte Rassen einfach ausschließt, bekennt sie
sich in leisen Anfängen bereits zu einer Auffassung, die dem völkischen Staatsbegriff zu eigen ist.
Der völkische Staat teilt seine Bewohner in drei Klassen: in Staatsbürger, Staatsangehörige und
Ausländer.
Durch die Geburt wird grundsätzlich nur die Staatsangehörigkeit erworben. Die Staatsangehörigkeit als
solche berechtigt noch nicht zur Führung öffentlicher Ämter, auch nicht zur politischen Betätigung im
Sinne einer Teilnahme an Wahlen, in aktiver sowohl als in passiver Hinsicht. Grundsätzlich ist bei
jedem Staatsangehörigen Rasse und Nationalität festzustellen. Es steht dem Staatsangehörigen jederzeit
frei, auf seine Staatsangehörigkeit zu verzichten und Staatsbürger in dem Lande zu werden, dessen
Nationalität der seinen entspricht. Der Ausländer unterscheidet sich vom Staatsangehörigen nur dadurch,
daß er eine Staatsangehörigkeit in einem fremden Staate besitzt.
Der junge Staatsangehörige deutscher Nationalität ist verpflichtet, die jedem Deutschen vorgeschriebene
Schulbildung durchzumachen. Er unterwirft sich damit der Erziehung zum rassen- und
nationalbewußten Volksgenossen. Er hat später den vom Staate vorgeschriebenen weiteren körperlichen
Übungen zu genügen und tritt endlich in das Heer ein. Die Ausbildung im Heere ist eine allgemeine; sie
hat jeden einzelnen Deutschen zu erfassen und, für den seiner körperlichen und geistigen Fähigkeit nach
möglichen militärischen Verwendungsbereich zu erziehen. Dem unbescholte-
{491 Der Staatsbürger Herr des Reiches}
nen gesunden jungen Mann wird daraufhin nach Vollendung seiner Heerespflicht in feierlichster Weise
das Staatsbürgerrecht verliehen. Es ist die wertvollste Urkunde für sein ganzes irdisches Leben. Er tritt
damit ein in alle Rechte des Staatsbürgers und nimmt teil an allen Vorzügen desselben. Denn der Staat
muß einen scharfen Unterschied zwischen denen machen, die als Volksgenossen Ursache und Träger
seines Daseins und seiner Größe sind, und solchen, die nur als "verdienende" Elemente innerhalb eines
Staates ihren Aufenthalt nehmen.
Die Verleihung der Staatsbürgerurkunde ist zu verbinden mit einer weihevollen Vereidigung auf die
Volksgemeinschaft und auf den Staat. In dieser Urkunde muß ein alle sonstigen Klüfte überbrückendes
gemeinsam umschlingendes Band liegen. Es muß eine größere Ehre sein, als Straßenfeger Bürger dieses
Reiches zu sein, als König in einem fremden Staate.
Der Staatsbürger ist gegenüber dem Ausländer bevorrechtigt. Er ist der Herr des Reiches. Diese höhere
Würde verpflichtet aber auch. Der Ehr- und Charakterlose, der gemeine Verbrecher, der
Vaterlandsverräter usw. kann dieser Ehre jederzeit entkleidet werden. Er wird damit wieder
Staatsangehöriger.
Das deutsche Mädchen ist Staatsangehörige und wird mit ihrer Verheiratung erst Bürgerin. Doch kann
auch den im Erwerbsleben stehenden weiblichen deutschen Staatsangehörigen das Bürgerrecht verliehen
werden.
{492}
4. Kapitel:
Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke
Wenn der völkisch-nationalsozialistische Staat seine Hauptaufgabe in der Heranbildung und Erhaltung
des Trägers des Staates sieht, dann genügt es nicht allein, die rassischen Elemente als solche zu fördern,
dann zu erziehen und endlich für das praktische Leben auszubilden, sondern es ist notwendig, daß er
seine eigene Organisation mit dieser Aufgabe in Einklang bringt.
Es wäre ein Wahnwitz, den Wert des Menschen nach seiner Rassenzugehörigkeit abschätzen zu wollen,
mithin dem marxistischen Standpunkt: Mensch ist gleich Mensch den Krieg zu erklären, wenn man dann
doch nicht entschlossen ist, auch die letzten Konsequenzen zu ziehen. Die letzte Konsequenz der
Anerkennung der Bedeutung des Blutes, also der rassenmäßigen Grundlage im allgemeinen, ist aber die
Übertragung dieser Einschätzung auf die einzelne Person. So wie ich im allgemeinen die Völker auf
Grund ihrer rassischen Zugehörigkeit verschieden bewerten muß, so auch die einzelnen Menschen
innerhalb einer Volksgemeinschaft. Die Feststellung, daß Volk nicht gleich Volk ist, überträgt sich dann
auf den einzelnen Menschen innerhalb einer Volksgemeinschaft etwa in dem Sinne, daß Kopf nicht
gleich Kopf sein kann, weil auch hier die blutsmäßigen Bestandteile wohl in großen Linien die gleichen
sind, allein im einzelnen doch tausendfältigen feinsten Differenzierungen unterliegen.
Die erste Konsequenz dieser Erkenntnis ist zugleich die, ich möchte sagen, gröbere, nämlich der
Versuch, die inner-
{493 Aufbau nach aristokratischem Prinzip}
halb der Volksgemeinschaft als rassisch besonders wertvoll erkannten Elemente maßgeblichst zu
fördern und für ihre besondere Vermehrung Sorge zu tragen.
Gröber ist diese Aufgabe deshalb, weil sie fast mechanisch erkannt und gelöst zu werden vermag.
Schwieriger ist es, aus der Gesamtheit aller die geistig und ideell wirklich wertvollsten Köpfe zu
erkennen und ihnen jenen Einfluß einzuräumen, der nicht nur diesen überlegenen Geistern an sich
zukommt, sondern der vor allem der Nation von Nutzen ist. Diese Siebung nach Fähigkeit und
Tüchtigkeit kann nicht mechanisch vorgenommen werden, sondern ist eine Arbeit, die der Kampf des
täglichen Lebens ununterbrochen besorgt.
Eine Weltanschauung, die sich bestrebt, unter Ablehnung des demokratischen Massengedankens, dem
besten Volk, also den höchsten Menschen, diese Erde zu geben, muß logischerweise auch innerhalb
dieses Volkes wieder dem gleichen aristokratischen Prinzip gehorchen und den besten Köpfen die
Führung und den höchsten Einfluß im betreffenden Volk sichern. Damit baut sie nicht auf dem
Gedanken der Majorität, sondern auf dem der Persönlichkeit auf.
Wer heute glaubt, daß sich ein völkischer, nationalsozialistischer Staat etwa nur rein mechanisch durch
eine bessere Konstruktion seines Wirtschaftslebens von anderen Staaten zu unterscheiden hätte, also
durch einen besseren Ausgleich von Reichtum und Armut oder durch mehr Mitbestimmungsrecht breiter
Schichten am Wirtschaftsprozeß oder durch gerechtere Entlohnung, durch Beseitigung von zu großen
Lohndifferenzen, der ist im Alleräußerlichsten steckengeblieben und hat keine blasse Ahnung von dem,
was wir als Weltanschauung zu bezeichnen haben. All das eben Geschilderte bietet nicht die geringste
Sicherheit für dauernden Bestand und noch viel weniger den Anspruch auf Größe. Ein Volk, das nur in
diesen wirklich äußeren Reformen haften bliebe, würde damit nicht im geringsten eine Garantie für den
Sieg dieses Volkes im allgemeinen Völkerringen erhalten.
{494 Aufbau nach aristokratischem Prinzip}
Eine Bewegung, die nur in einer derartigen allgemein ausgleichenden und sicherlich gerechten
Entwicklung den Inhalt ihrer Mission empfindet, wird in Wahrheit keine gewaltige und keine wirkliche,
weil nicht tiefe Reform der bestehenden Zustände herbeiführen, da ihr ganzes Handeln am Ende nur in
Äußerlichkeiten steckenbleibt, ohne dem Volk jenes innere Gerüstetsein zu verschaffen, das es, ich
möchte fast sagen, mit zwangsläufiger Sicherheit endgültig jene Schwächen überwinden läßt, unter
denen wir heute zu leiden haben.
Um dies leichter zu verstehen, ist es vielleicht zweckmäßig, noch einmal einen Blick auf die wirklichen
Ursprünge und Ursachen der menschlichen Kulturentwicklung zu werfen.
Der erste Schritt, der den Menschen äußerlich sichtbar vom Tiere entfernte, war der zur Erfindung. Die
Erfindung selbst beruht ursprünglich auf dem Finden von Listen und Finten, deren Anwendung den
Kampf um das Leben mit anderen Wesen erleichtert und manches Mal überhaupt erst günstig verlaufen
läßt. Diese allerprimitivsten Erfindungen lassen die Person deshalb noch nicht genügend klar in
Erscheinung treten, weil sie dem nachträglichen oder besser dem heutigen menschlichen Beobachter
natürlich erst als Massenerscheinung zum Bewußtsein kommen. Gewisse Schliche und schlaue
Maßregeln, die der Mensch zum Beispiel am Tier beobachten kann, fallen ihm erst summarisch als
Tatsache ins Auge, und er ist nicht mehr in der Lage, ihren Ursprung festzustellen oder zu erforschen,
sondern behilft sich einfach damit, daß er solche Vorgänge als "instinktive" bezeichnet.
Dieses letztere Wort besagt nun in unserem Falle gar nichts. Denn wer an eine höhere Entwicklung der
Lebewesen glaubt, der muß zugeben, daß jede Äußerung ihres Lebensdranges und -kampfes einmal
einen Beginn gehabt haben muß; daß ein Subjekt damit angefangen haben wird, und daß sich dann ein
solcher Vorgang immer öfter wiederholte und immer mehr ausbreitete, bis er endlich fast in das
Unterbewußtsein aller Angehörigen einer be-
{495 Persönlichkeit und Kulturfortschritt}
stimmten Art überging, um dann als Instinkt in Erscheinung zu treten.
Leichter wird man dies beim Menschen selbst verstehen und glauben. Seine ersten klugen Maßnahmen
im Kampfe mit anderen Tieren — sie sind sicher ihrem Ursprunge nach Handlungen einzelner
besonders fähiger Subjekte gewesen. Die Persönlichkeit war einst auch hier unbedingt das
Veranlassende zu Entschlüssen und Ausführungen, die später als ganz selbstverständlich von der ganzen
Menschheit übernommen wurden. Genau so wie irgendeine militärische Selbstverständlichkeit, die
heute meinetwegen die Grundlage jedweder Strategie geworden ist, ursprünglich dennoch einem ganz
bestimmten Kopf ihre Entstehung verdankte und nur im Laufe von vielen, vielleicht sogar Tausenden
von Jahren einfach als vollkommen selbstverständlich allgemein geltend wurde.
Dieses erste Empfinden ergänzt der Mensch durch ein zweites: er lernt andere Dinge und auch
Lebewesen in den Dienst seines eigenen Lebenserhaltungskampfes einstellen; und damit beginnt die
eigentliche Erfindertätigkeit der Menschen, die wir heute allgemein sichtbar vor Augen haben. Diese
materiellen Erfindungen, die von der Verwendung des Steines als Waffe ausgehen, die zur Zähmung
von Tieren führen, das Feuer durch künstliche Erzeugung dem Menschen geben und so fort bis zu den
vielfältigen und staunenswerten Erfindungen unserer Tage, lassen um so klarer die Person als Träger
solchen Schaffens erkennen, je näher die einzelnen Erfindungen unserer heutigen Zeit liegen oder je
bedeutender und einschneidender sie sind. Wir wissen also jedenfalls: Was wir an materiellen
Erfindungen um uns sehen, ist alles das Ergebnis der schöpferischen Kraft und Fähigkeit der einzelnen
Person. Und alle diese Erfindungen, sie helfen im letzten Grunde mit, den Menschen über das Niveau
der Tierwelt mehr und mehr zu erheben, ja ihn endgültig davon zu entfernen. Sie dienen somit ihm
tiefsten Grunde der sich dauernd vollziehenden höheren Menschwerdung. Aber selbst das, was einst als
einfachste Finte den im Urwald jagenden
{496 Wert der Persönlichkeit}
Menschen den Kampf um das Dasein erleichterte, hilft in Gestalt geistvoller wissenschaftlicher
Erkenntnisse der Jetztzeit wieder mit, den Kampf der Menschheit um ihr heutiges Dasein zu erleichtern
und die Waffen zu schmieden für die Kämpfe der Zukunft. Alles menschliche Denken und Erfinden
dient in seinen letzten Auswirkungen zunächst dem Lebenskampf des Menschen auf diesem Planeten,
auch wenn der sogenannte reale Nutzen einer Erfindung oder einer Entdeckung oder einer tiefen
wissenschaftlichen Einsicht in das Wesen der Dinge im Augenblicke nicht sichtbar ist. Indem alles
zusammen mithilft, den Menschen mehr und mehr aus dem Rahmen der ihn umgebenden Lebewesen zu
erheben, stärkt es und festigt es seine Stellung so, daß er in jeglicher Hinsicht zum dominierenden
Wesen auf dieser Erde sich auswächst.
Alle Erfindungen sind also das Ergebnis des Schaffens einer Person. Alle diese Personen selbst sind, ob
gewollt oder ungewollt, mehr oder minder große Wohltäter aller Menschen. Ihr Wirken gibt Millionen,
ja Milliarden von menschlichen Lebewesen später Hilfsmittel zur Erleichterung der Durchführung ihres
Lebenskampfes in die Hand.
Wenn wir im Ursprung der heutigen materiellen Kultur immer einzelne Personen als Erfinder sehen, die
sich dann gegenseitig ergänzen und einer auf dem anderen wieder weiterbauen, dann aber genau so in
der Ausübung und Durchführung der von den Erfindern erdachten und entdeckten Dinge. Denn auch
sämtliche Produktionsprozesse sind in ihrem Ursprung selbst wieder Erfindungen gleichzusetzen und
damit abhängig von der Person. Auch die rein theoretische gedankliche Arbeit, die, im einzelnen gar
nicht meßbar, dennoch die Voraussetzung für alle weiteren materiellen Erfindungen ist, erscheint wieder
als das ausschließliche Produkt der Einzelperson. Nicht die Masse erfindet und nicht die Majorität
organisiert oder denkt, sondern in allem immer nur der einzelne Mensch, die Person.
Eine menschliche Gemeinschaft erscheint nur dann als gut organisiert, wenn sie diesen schöpferischen
Kräften in möglichst entgegenkommender Weise ihre Arbeiten erleichtert
{497 Wert der Persönlichkeit}
und nutzbringend für die Gesamtheit anwendet. Das Wertvollste an der Erfindung selbst, mag sie nun im
Materiellen oder in der Welt der Gedanken liegen, ist zunächst der Erfinder als Person. Ihn also für die
Gesamtheit nutzbringend anzusetzen, ist erste und höchste Aufgabe der Organisation einer
Volksgemeinschaft. Ja, die Organisation selbst hat nur eine Vollstreckung dieses Grundsatzes zu sein.
Damit wird sie auch erst vom Fluche des Mechanismus erlöst und wird selbst zu etwas Lebendigem. Sie
muß in sich selbst eine Verkörperung des Strebens sein, die Köpfe über die Masse zu stellen und diese
mithin den Köpfen unterzuordnen.
Die Organisation darf also demnach das Heraustreten der Köpfe aus der Masse nicht nur nicht
verhindern, sondern sie muß im Gegenteil durch die Art ihres eigenen Wesens dies im höchsten Grade
ermöglichen und erleichtern. Sie hat dabei von dem Grundsatze auszugehen, daß für die Menschheit der
Segen nie in der Masse lag, sondern in ihren schöpferischen Köpfen ruhte, die daher in Wirklichkeit als
die Wohltäter des Menschengeschlechts anzusprechen sind. Ihnen den maßgebendsten Einfluß zu
sichern und ihr Wirken zu erleichtern, liegt im Interesse der Gesamtheit. Sicher wird dieses Interesse
nicht befriedigt, und es wird ihm nicht gedient durch die Herrschaft der nicht denkfähigen oder nicht
tüchtigen, auf keinen Fall aber begnadeten Masse, sondern einzig durch die Führung der von Natur aus
mit besonderen Gaben dazu Befähigten.
Das Aussuchen dieser Köpfe besorgt, wie schon gesagt, vor allem der harte Lebenskampf selbst. Vieles
bricht und geht zugrunde, erweist sich also doch nicht als zum Letzten bestimmt, und wenige nur
erscheinen zuletzt als auserwählt. Auf den Gebieten des Denkens, des künstlerischen Schaffens, ja selbst
denen der Wirtschaft findet dieser Ausleseprozeß auch heute noch statt, obwohl er besonders auf dem
letzteren schon einer schweren Belastung ausgesetzt ist. Die Verwaltung des Staates und ebenso die
durch die organisierte Wehrkraft der Nation verkörperte Macht sind gleich-
{498 Das Majoritätsprinzip}
falls von diesem Gedanken beherrscht. Überall dominiert hier noch die Idee der Persönlichkeit, der
Autorität derselben nach unten und der Verantwortlichkeit gegenüber der höheren Person nach oben.
Nur das politische Leben hat sich heute bereits restlos von diesem natürlichsten Prinzip abgewendet.
Während die gesamte menschliche Kultur nur das Ergebnis der schöpferischen Tätigkeit der Person ist,
tritt in der gesamten, vor allem aber in der obersten Leitung der Volksgemeinschaft das Prinzip des
Wertes der Majorität ausschlaggebend in Erscheinung und beginnt von dort herunter allmählich das
ganze Leben zu vergiften, d. h. in Wirklichkeit: aufzulösen. Auch die destruktive Wirkung der Tätigkeit
des Judentums in anderen Volkskörpern ist im Grunde nur seinen ewigen Versuchen zuzuschreiben, die
Bedeutung der Person bei seinen Gastvölkern zu unterhöhlen und die der Masse an ihre Stelle zu setzen.
Damit aber tritt an Stelle des organisatorischen Prinzips der arischen Menschheit das destruktive des
Juden. Er wird dadurch "zum Ferment der Dekomposition" von Völkern und Rassen und im weiteren
Sinne zum Auflöser der menschlichen Kultur.
Der Marxismus aber stellt sich als den in Reinkultur gebrachten Versuch des Juden dar, auf allen
Gebieten des menschlichen Lebens die überragende Bedeutung der Persönlichkeit auszuschalten und
durch die Zahl der Masse zu ersetzen. Dem entspricht politisch die parlamentarische Regierungsform,
die wir, von den kleinsten Keimzellen der Gemeinde angefangen bis zur obersten Leitung des gesamten
Reiches, so unheilvoll wirken sehen, und wirtschaftlich das System einer Gewerkschaftsbewegung, die
nicht den wirklichen Interessen des Arbeitnehmers dient, sondern ausschließlich den zerstörenden
Absichten des internationalen Weltjuden. In eben dem Maße, in welchem die Wirtschaft der Wirkung
des Persönlichkeitsprinzips entzogen und an Stelle dessen nur den Einflüssen und Einwirkungen der
Masse ausgeliefert wird, muß sie die im Dienste aller stehende und für alle wertvolle Leistungsfähigkeit
verlieren und allmählich einer sicheren Rückentwicklung ver-
{499 Der Marxismus verneint den Persönlichkeitswert}
fallen. Sämtliche Betriebsratsorganisationen, die, statt die Interessen der Arbeiter und Angestellten
wahrzunehmen, Einfluß auf die Produktion selbst zu gewinnen versuchen, dienen dem gleichen
zerstörenden Zwecke. Sie schädigen die Gesamtleistung, dadurch in Wirklichkeit aber den einzelnen.
Denn die Befriedigung der Angehörigen eines Volkskörpers erfolgt auf die Dauer nicht ausschließlich
durch bloße theoretische Phrasen, sondern vielmehr durch die auf den einzelnen entfallenden Güter des
täglichen Lebens und die daraus endgültig resultierende Überzeugung, daß eine Volksgemeinschaft in
ihren gesamten Leistungen die Interessen der einzelnen wahrt.
Es spielt auch keine Rolle, ob der Marxismus auf Grund seiner Massentheorie etwa fähig erscheint, die
zur Zeit bestehende Wirtschaft zu übernehmen und weiterzuführen. Die Kritik über die Richtigkeit oder
Unrichtigkeit dieses Prinzips wird nicht entschieden durch den Nachweis seiner Befähigung, das
Bestehende für die Zukunft zu verwalten, sondern ausschließlich nur durch den Beweis, selbst eine
solche Kultur schaffen zu können. Der Marxismus könnte tausendmal die heutige Wirtschaft
übernehmen und unter seiner Führung weiterarbeiten lassen, so würde sogar ein Erfolg dieser Tätigkeit
doch gar nichts beweisen gegenüber der Tatsache, daß er nicht in der Lage wäre, unter Anwendung
seines Prinzips das selbst zu schaffen, was er als fertig heute übernimmt.
Und dafür hat der Marxismus den praktischen Beweis erbracht. Nicht nur, daß er nirgends eine Kultur
oder auch nur eine Wirtschaft selbst schöpferisch zu begründen vermochte, er war ja tatsächlich nicht
einmal in der Lage, die bestehende nach seinen Prinzipien weiter fortzuführen, sondern mußte schon
nach kürzester Zeit auf dem Wege von Konzessionen zu den Gedankengängen des
Persönlichkeitsprinzips zurückgreifen, genau so wie er auch in seiner eigenen Organisation dieser
Grundsätze nicht entraten kann.
Das hat aber die völkische Weltanschauung von der marxistischen grundsätzlich zu unterscheiden, daß
sie nicht nur den Wert
{500 Die beste Staatsverfassung}
der Rasse, sondern damit auch die Bedeutung der Person erkennt und mithin zu den Grundpfeilern ihres
ganzen Gebäudes bestimmt. Das sind die tragenden Faktoren ihrer Weltauffassung.
Würde besonders die nationalsozialistische Bewegung die fundamentale Bedeutung dieser
grundsätzlichen Erkenntnis nicht verstehen, sondern statt dessen am heutigen Staate äußerlich
herumflicken oder gar den Massenstandpunkt als den ihren ansehen, dann würde sie in Wirklichkeit nur
eine Konkurrenzpartei zum Marxismus darstellen; das Recht, sich eine Weltanschauung zu nennen,
besäße sie damit nicht. Wenn das soziale Programm der Bewegung nur darin bestände, die
Persönlichkeit zu verdrängen und an ihre Stelle die Masse zu setzen, dann wäre der Nationalsozialismus
selbst bereits vom Gift des Marxismus angefressen, wie unsere bürgerliche Parteiwelt dies ist.
Der völkische Staat hat für die Wohlfahrt seiner Bürger zu sorgen, indem er in allem und jedem die
Bedeutung des Wertes der Person anerkennt und so auf allen Gebieten jenes Höchstmaß produktiver
Leistungsfähigkeit einleitet, die dem einzelnen auch ein Höchstmaß an Anteil gewährt.
Und der völkische Staat hat demgemäß die gesamte, besonders aber die oberste, also die politische
Leitung restlos vom parlamentarischen Prinzip der Majoritäts-, also Massenbestimmung zu befreien, um
an Stelle dessen das Recht der Person einwandfrei sicherzustellen.
Daraus ergibt sich folgende Erkenntnis: Die beste Staatsverfassung und Staatsform ist diejenige, die mit
natürlichster Sicherheit die besten Köpfe der Volksgemeinschaft zu führender Bedeutung und zu
leitendem Einfluß bringt.
Wie aber im Wirtschaftsleben die fähigen Menschen nicht von oben zu bestimmen sind, sondern sich
selbst durchzuringen haben und so wie hier die unendliche Schulung vom kleinsten Geschäft bis zum
größten Unternehmen selbst gegeben ist und nur das Leben dann die jeweiligen Prü-
{501 Die beste Staatsverfassung}
fungen vornimmt, so können natürlich auch die politischen Köpfe nicht plötzlich "entdeckt" werden.
Genies außerordentlicher Art lassen keine Rücksicht auf die normale Menschheit zu.
Der Staat muß in seiner Organisation, bei der kleinsten Zelle, der Gemeinde, angefangen bis zur
obersten Leitung des gesamten Reiches, das Persönlichkeitsprinzip verankert haben.
Es gibt keine Majoritätsentscheidungen, sondern nur verantwortliche Personen, und das Wort "Rat" wird
wieder zurückgeführt auf seine ursprüngliche Bedeutung. Jedem Manne stehen wohl Berater zur Seite,
allein die Entscheidung trifft ein Mann.
Der Grundsatz, der das preußische Heer seinerzeit zum wundervollsten Instrument des deutschen Volkes
machte, hat in übertragenem Sinne dereinst der Grundsatz des Aufbaues unserer ganzen
Staatsauffassung zu sein: Autorität jedes Führers nach unten und Verantwortung nach oben.
Auch dann wird man nicht jener Korporationen entbehren können, die wir heute als Parlamente
bezeichnen. Allein ihre Räte werden dann wirklich beraten, aber die Verantwortung kann und darf
immer nur ein Träger besitzen und mithin auch nur dieser allein die Autorität und das Recht des Befehls.
Die Parlamente an sich sind notwendig, weil ja vor allem in ihnen die Köpfe die Möglichkeit haben, sich
langsam emporzuheben, denen man später besondere verantwortliche Aufgaben überweisen kann.
Damit ergibt sich folgendes Bild: Der völkische Staat hat, angefangen bei der Gemeinde bis hinauf zur
Leitung des Reiches, keinen Vertretungskörper, der etwas durch Majorität beschließt, sondern nur
Beratungskörper, die dem jeweilig gewählten Führer zur Seite stehen und von ihm in die Arbeit
eingeteilt werden, um nach Bedarf selber auf gewissen Gebieten wieder unbedingte Verantwortung zu
übernehmen, genau
{502 Beratende Kammern — verantwortliche Führer}
so, wie sie im größeren der Führer oder Vorsitzende der jeweiligen Korporation selbst besitzt.
Der völkische Staat duldet grundsätzlich nicht, daß über Belange besonderer, zum Beispiel
wirtschaftlicher Art Menschen um Rat oder Urteil befragt werden, die auf Grund ihrer Erziehung und
Tätigkeit nichts von der Sache verstehen können. Er gliedert deshalb seine Vertretungskörper von
vornherein in politische und berufliche ständische Kammern.
Um ein ersprießliches Zusammenwirken beider zu gewährleisten, steht über ihnen als Auslese stets ein
besonderer Senat.
In keiner Kammer und in keinem Senate findet jemals eine Abstimmung statt. Sie sind
Arbeitseinrichtungen und keine Abstimmungsmaschinen. Das einzelne Mitglied hat beratende Stimme,
aber niemals beschließende. Diese kommt ausschließlich nur dem jeweils dafür verantwortlichen
Vorsitzenden zu.
Dieser Grundsatz unbedingter Verbindung von absoluter Verantwortlichkeit mit absoluter Autorität wird
allmählich eine Führerauslese heranzüchten, wie dies heute im Zeitalter des verantwortungslosen
Parlamentarismus gar nicht denkbar ist.
Damit wird die staatliche Verfassung der Nation in Übereinstimmung gebracht mit jenem Gesetz, dem
sie schon auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete ihre Größe verdankt.
×
Was nun die Durchführbarkeit dieser Erkenntnisse betrifft, so bitte ich, nicht zu vergessen, daß das
parlamentarische Prinzip der demokratischen Majoritätsbestimmung keineswegs seit jeher die
Menschheit beherrscht hat, sondern im Gegenteil nur in ganz kleinen Perioden der Geschichte zu finden
ist, die aber immer Zeiträume des Verfalls von Völkern und Staaten sind.
Allerdings soll man nicht glauben, daß man durch rein theoretische Maßnahmen von oben herunter
einen solchen
{503 Nat.-Soz. Bewegung und kommender Staat}
Wandel herbeiführen könne, da er logischerweise nicht einmal bei der Verfassung des Staates
haltmachen darf, sondern auch die gesamte übrige Gesetzgebung, ja das allgemeine bürgerliche Leben
durchdringen muß. Solch eine Umwälzung kann und wird nur stattfinden durch eine Bewegung, die
selbst bereits im Geiste dieser Gedanken aufgebaut ist und somit in sich selbst schon den kommenden
Staat trägt.
Daher mag sich die nationalsozialistische Bewegung schon heute restlos in diese Gedanken einleben und
sie zur praktischen Auswirkung innerhalb ihrer eigenen Organisation bringen, auf daß sie dereinst dem
Staate nicht nur dieselben Richtlinien weisen mag, sondern ihm auch bereits den vollendeten Körper
ihres eigenen Staates zur Verfügung stellen kann.
5. Kapitel:
Weltanschauung und Organisation
Der völkische Staat, dessen allgemeines Bild ich in großen Linien aufzuzeichnen versuchte, wird durch
die bloße Erkenntnis dessen, was diesem Staat notwendig ist, an sich noch nicht verwirklicht. Es genügt
nicht, zu wissen, wie ein völkischer Staat aussehen soll. Viel wichtiger ist das Problem seiner
Entstehung. Man darf nicht erwarten, daß die heutigen Parteien, die doch in erster Linie Nutznießer des
derzeitigen Staates sind, von sich aus zu einer Umstellung gelangen und aus freien Stücken eine
Änderung ihrer derzeitigen Haltung durchführen. Dies ist um so weniger möglich, als ihre tatsächlich
leitenden Elemente ja immer nur Juden und wieder Juden sind. Die Entwicklung, die wir zur Zeit
durchmachen, würde aber, ungehemmt weitergeführt, eines Tages bei der alljüdischen Prophezeiung
landen — der Jude fräße tatsächlich die Völker der Erde, würde ihr Herr.
So verfolgt er gegenüber den Millionen deutscher "Bourgeois" und "Proleten", die größtenteils aus mit
Feigheit gepaarter Indolenz und Dummheit in ihr Verderben trotten, im höchsten Bewußtsein seines
Zukunftszieles, unweigerlich seinen Weg. Eine Partei, die von ihm geleitet wird, kann also keine
anderen als seine Interessen verfechten, mit den Belangen arischer Völker aber haben diese nichts
gemein.
Wenn man also versuchen will, das ideale Bild eines völkischen Staates in die reale Wirklichkeit zu
überführen, dann muß man, unabhängig von den bisherigen Mächten des öffentlichen Lebens, nach
einer neuen Kraft suchen, die gewillt und fähig ist, den Kampf für ein solches Ideal
{505 Kampf und Kritik}
aufzunehmen. Denn um einen Kampf handelt es sich hierbei, insofern die erste Aufgabe nicht heißt:
Schaffung einer völkischen Staatsauffassung, sondern vor allem: Beseitigung der vorhandenen
jüdischen. Wie so oft in der Geschichte liegt die Hauptschwierigkeit nicht im Formen des neuen
Zustandes, sondern im Platzmachen für denselben. Vorurteile und Interessen verbünden sich zu einer
geschlossenen Phalanx und versuchen, den Sieg einer ihnen unangenehmen oder sie bedrohenden Idee
mit allen Mitteln zu verhindern.
Dadurch ist der Kämpfer für ein solches neues Ideal leider Gottes gezwungen, bei aller positiven
Betonung desselben, in erster Linie den negativen Teil des Kampfes durchzufechten, den, der zur
Beseitigung des gegenwärtigen Zustandes führen soll.
Eine junge Lehre von großer und neuer prinzipieller Bedeutung wird, so unangenehm dies dem
einzelnen auch sein mag, als erste Waffe die Sonde der Kritik in aller Schärfe ansetzen müssen.
Es zeugt von wenig tiefem Einblick in die geschichtlichen Entwicklungen, wenn heute von den
sogenannten Völkischen immer wieder Wert darauf gelegt wird, zu versichern, daß sie sich keineswegs
in negativer Kritik zu betätigen gedenken, sondern nur in aufbauender Arbeit; ein ebenso kindlichblödsinniges
als echt "völkisches" Gestammel und ein Beweis, wie spurlos an diesen Köpfen sogar die
Geschichte der eigenen Zeit vorübergegangen ist. Auch der Marxismus hatte ein Ziel, und auch er kennt
eine aufbauende Tätigkeit (wenn es sich dabei auch nur um die Errichtung einer Despotie des
internationalen Weltfinanzjudentums handelt!); allein er hat vorher nichtsdestoweniger siebzig Jahre
lang Kritik geübt, und zwar vernichtende, zersetzende Kritik und immer wieder Kritik, so lange, bis
durch diese ewig fressende Säure der alte Staat zermürbt und zum Einsturz gebracht war. Dann erst
begann sein sogenannter "Aufbau". Und das war selbstverständlich, richtig und logisch. Ein bestehender
Zustand wird durch die bloße Betonung und Vertretung eines künftigen noch nicht beseitigt. Denn es
{506 Weltanschauungen sind unduldsam}
ist nicht anzunehmen, daß die Anhänger oder gar die Interessenten des zur Zeit bereits bestehenden
Zustandes allein durch die Festlegung einer Notwendigkeit restlos bekehrt und für den neuen gewonnen
werden könnten. Es kann im Gegenteil nur zu leicht der Fall eintreten, daß dann eben zwei Zustände
nebeneinander bestehen bleiben und damit die sogenannte Weltanschauung zur Partei wird, aus deren
Rahmen sie sich nicht wieder zu erheben vermag. Denn die Weltanschauung ist unduldsam und kann
sich mit der Rolle einer "Partei neben anderen" nicht begnügen, sondern fordert gebieterisch ihre eigene,
ausschließliche und restlose Anerkennung sowie die vollkommene Umstellung des gesamten
öffentlichen Lebens nach ihren Anschauungen. Sie kann also das gleichzeitige Weiterbestehen einer
Vertretung des früheren Zustandes nicht dulden.
Das gilt genau so für Religionen.
Auch das Christentum konnte sich nicht damit begnügen, seinen eigenen Altar aufzubauen, sondern
mußte zwangsläufig zur Zerstörung der heidnischen Altäre schreiten. Nur aus dieser fanatischen
Unduldsamkeit heraus konnte sich der apodiktische Glauben bilden; diese Unduldsamkeit ist sogar die
unbedingte Voraussetzung für ihn.
Man kann sehr wohl den Einwand bringen, daß es sich bei derartigen Erscheinungen in der
Weltgeschichte meist um solche spezifisch jüdischer Denkart handelt; ja, daß diese Art von
Unduldsamkeit und Fanatismus geradezu jüdische Wesensart verkörpere. Dies mag tausendmal richtig
sein, und man kann diese Tatsache wohl tief bedauern und mit nur allzu berechtigtem Unbehagen ihr
Erscheinen in der Geschichte der Menschheit als etwas feststellen, was dieser bis dahin fremd gewesen
war — doch ändert dies nichts daran, daß dieser Zustand heute eben da ist. Die Männer, die unser
deutsches Volk aus seinem jetzigen Zustand erlösen wollen, haben sich nicht den Kopf darüber zu
zerbrechen, wie schön es wäre, wenn dieses und jenes nicht wäre, sondern müssen versuchen,
festzustellen, wie man das Gegebene beseitigt. Eine von infernalischer Unduldsamkeit
{507 Parteien neigen zu Kompromissen}
erfüllte Weltanschauung wird aber nur zerbrochen werden durch eine vom gleichen Geist
vorwärtsgetriebene, vom gleichen stärksten Willen verfochtene, dabei aber in sich reine und durchaus
wahrhafte neue Idee.
Der einzelne mag heute schmerzlich feststellen, daß in die viel freiere antike Welt mit dem Erscheinen
des Christentums der erste geistige Terror gekommen ist, er wird die Tatsache aber nicht bestreiten
können, daß die Welt seitdem von diesem Zwange bedrängt und beherrscht wird, und daß man Zwang
nur wieder durch Zwang bricht und Terror nur mit Terror. Erst dann kann aufbauend ein neuer Zustand
geschaffen werden.
Politische Parteien sind zu Kompromissen geneigt, Weltanschauungen niemals. politische Parteien
rechnen selbst mit Gegenspielern, Weltanschauungen proklamieren ihre Unfehlbarkeit.
Auch politische Parteien haben ursprünglich fast immer die Absicht, zu alleiniger despotischer
Herrschaft zu kommen; ein kleiner Trieb zu einer Weltanschauung steckt fast immer in ihnen. Jedoch
schon die Engigkeit ihres Programms raubt ihnen den Heroismus, den eine Weltanschauung fordert. Die
Konzilianz ihres Wollens führt ihnen die kleinen und schwächlichen Geister zu, mit denen man keine
Kreuzzüge zu führen imstande ist. So bleiben sie meist schon frühzeitig in ihrer eigenen erbärmlichen
Kleinheit stecken. Damit geben sie aber den Kampf für eine Weltanschauung auf und versuchen, statt
dessen durch sogenannte "positive Mitarbeit" möglichst eilig ein Plätzchen am Futtertrog bestehender
Einrichtungen zu erobern und möglichst lange daran zu bleiben. Das ist ihr ganzes Streben. Und sollten
sie je durch einen etwas brutal veranlagten konkurrierenden Kostgänger von dieser allgemeinen
Futterkrippe weggedrängt werden, dann ist ihr Sinnen und Trachten nur darauf eingestellt, sich, sei es
durch Gewalt oder List, in dem Rudel der Auch-Hungrigen wieder nach vorne zu bringen, um endlich,
koste es auch ihre heiligste
{508 Gemeinschaft auf Grund neuer Weltanschauung}
Überzeugung, sich an der geliebten Nährquelle laben zu können. Schakale der Politik!
Da eine Weltanschauung niemals bereit ist, mit einer zweiten zu teilen, so kann sie auch nicht bereit
sein, an einem bestehenden Zustand, den sie verurteilt, mitzuarbeiten, sondern fühlt die Verpflichtung,
diesen Zustand und die gesamte gegnerische Ideenwelt mit allen Mitteln zu bekämpfen, d. h. deren
Einsturz vorzubereiten.
Sowohl dieser rein zersetzende Kampf, der von allen anderen sofort in seiner Gefahr erkannt wird und
mithin auf gemeinsame Abwehr stößt, als auch der positive, der zur Durchsetzung der eigenen neuen
Gedankenwelt angreift, erfordert entschlossene Kämpfer. So wird eine Weltanschauung ihre Idee nur
dann zum Siege führen, wenn sie die mutigsten und tatkräftigsten Elemente ihres Zeitalters und ihres
Volkes in ihren Reihen vereinigt und in die festen Formen einer kampfkräftigen Organisation bringt.
Dazu ist es jedoch erforderlich, daß sie, unter Berücksichtigung dieser Elemente, aus ihrem allgemeinen
Weltbild bestimmte Gedanken herausgreift und sie in eine Form kleidet, die in ihrer präzisen,
schlagwortähnlichen Kürze geeignet erscheint, einer neuen Gemeinschaft von Menschen als
Glaubensbekenntnis zu dienen. Während das Programm einer nur politischen Partei das Rezept für einen
gesunden nächsten Wahlausgang ist, bedeutet das Programm einer Weltanschauung die Formulierung
einer Kriegserklärung gegen eine bestehende Ordnung, gegen einen bestehenden Zustand, kurz gegen
eine bestehende Weltauffassung überhaupt.
Es ist dabei nicht nötig, daß jeder einzelne, der für diese Weltanschauung kämpft, vollen Einblick und
genaue Kenntnis in die letzten Ideen und Gedankengänge der Führer der Bewegung erhält. Notwendig
ist vielmehr, daß ihm einige wenige, ganz große Gesichtspunkte klargemacht werden und die
wesentlichen Grundlinien sich ihm unauslöschlich einbrennen, so daß er von der Notwendigkeit des
Sieges seiner Bewegung und ihrer Lehre restlos durchdrungen ist.
{509 Führung und Gefolgschaft}
Es wird auch der einzelne Soldat nicht in die Gedankengänge höherer Strategie eingeweiht. So wie er
vielmehr zu straffer Disziplin und zur fanatischen Überzeugung von dem Recht und der Kraft seiner
Sache und zu restloser Einstellung auf sie erzogen wird., so muß dies auch beim einzelnen Anhänger
einer Bewegung von großem Ausmaß und großer Zukunft und größtem Wollen geschehen.
So wenig eine Armee taugen würde, deren einzelne Soldaten durchgehend Generale wären, und sei es
auch nur ihrer Bildung und ihrer Einsicht nach, so wenig taugt eine politische Bewegung als Vertretung
einer Weltanschauung, wenn sie nur ein Sammelbecken "geistreicher" Menschen sein möchte. Nein, sie
braucht auch den primitiven Soldaten, da sonst eine innere Disziplin nicht zu erzielen ist.
Es liegt im Wesen einer Organisation, daß sie nur bestehen kann, wenn einer höchsten geistigen
Führung eine breite, mehr gefühlsmäßig eingestellte Masse dient. Eine Kompanie von zweihundert
geistig ganz gleich fähigen Menschen wäre auf die Dauer schwerer zu disziplinieren als eine solche von
hundertneunzig geistig weniger fähigen und zehn höhergebildeten.
Aus dieser Tatsache hat einst die Sozialdemokratie den größten Nutzen gezogen. Sie hat die aus dem
Heeresdienst entlassenen und dort schon zur Disziplin erzogenen Angehörigen der breiten Schichten
unseres Volkes erfaßt und in ihre ebenso stramme Parteidisziplin genommen. Auch ihre Organisation
stellte eine Armee von Offizieren und Soldaten dar. Der aus dem Heeresdienst entlassene deutsche
Handarbeiter wurde der Soldat, der jüdische Intellektuelle der Offizier; die deutschen
Gewerkschaftsbeamten kann man dabei als das Unteroffizierkorps ansehen. Was unser Bürgertum
immer mit Kopfschütteln betrachtete, die Tatsache, daß dem Marxismus nur die sogenannten
ungebildeten Massen angehörten, war in Wahrheit die Voraussetzung für den Erfolg desselben. Denn
während die bürgerlichen Parteien in ihrer einseitigen Geistigkeit eine untaugliche, disziplinlose Bande
darstellten, hatte der Marxismus in seinem weniggeistigen
{510 Führung und Gefolgschaft}
Menschenmaterial eine Armee von Parteisoldaten gebildet, die dem jüdischen Dirigenten nun genau so
blind gehorchten wie einst ihrem deutschen Offizier. Das deutsche Bürgertum, das sich um
psychologische Probleme, weil darüber hoch erhaben, grundsätzlich nie gekümmert hat, fand es auch
hier nicht notwendig, nachzudenken, um den tieferen Sinn sowie die heimliche Gefahr dieser Tatsache
zu erkennen. Man glaubte im Gegenteil, daß eine politische Bewegung, die nur aus Kreisen der
"Intelligenz" gebildet wird, schon aus diesem Grunde wertvoller sei und mehr Anspruch, ja selbst mehr
Wahrscheinlichkeit besitze, an die Regierung zu gelangen, als eine ungebildete Masse. Man begriff nie,
daß die Stärke einer politischen Partei keineswegs in einer möglichst großen und selbständigen
Geistigkeit der einzelnen Mitglieder liegt, als vielmehr im disziplinierten Gehorsam, mit dem ihre
Mitglieder der geistigen Führung Gefolgschaft leisten. Das Entscheidende ist die Führung selbst. Wenn
zwei Truppenkörper miteinander kämpfen, wird nicht derjenige siegen, bei dem jeder einzelne die
höchste strategische Ausbildung erhielt, sondern derjenige, der die überlegenste Führung und zugleich
die disziplinierteste, blindgehorsamste, bestgedrillte Truppe hat.
Das ist eine grundsätzliche Einsicht, die wir bei der Überprüfung der Möglichkeit, eine Weltanschauung
in die Tat umzusehen, uns stets vor Augen halten müssen.
Wenn wir also, um eine Weltanschauung zum Sieg zu führen, sie zu einer Kampfbewegung umzustellen
haben, so muß logischerweise das Programm der Bewegung auf das Menschenmaterial Rücksicht
nehmen, das ihr zur Verfügung steht. So unverrückbar die Schlußziele und die leitenden Ideen sein
müssen, so genial und psychologisch richtig muß das Werbeprogramm auf die Seele derjenigen
eingestellt sein, ohne deren Hilfe die schönste Idee ewig nur Idee bleiben würde.
Wenn die völkische Idee aus dem unklaren Wollen von heute zu einem klaren
{511 Die Leitsätze der Bewegung}
Erfolg kommen will, dann muß sie aus ihrer weiten Gedankenwelt bestimmte Leitsätze herausgreifen,
die ihrem Wesen und Inhalt nach geeignet sind, eine breitere Menschenmasse auf sich zu verpflichten,
und zwar diejenige, die allein den weltanschauungsmäßigen Kampf dieser Idee gewährleistet. Dies ist
die deutsche Arbeiterschaft.
Deshalb wurde das Programm der neuen Bewegung in wenigen, insgesamt fünfundzwanzig Leitsätzen
zusammengefaßt. Sie sind bestimmt, in erster Linie dem Mann aus dem Volk ein grobes Bild des
Wollens der Bewegung zu geben. Sie sind gewissermaßen ein politisches Glaubensbekenntnis, das
einerseits für die Bewegung wirbt und andererseits sich eignet, die Geworbenen zu verbinden und
zusammenzuschweißen durch eine gemeinsam anerkannte Verpflichtung.
Dabei darf uns folgende Einsicht nie verlassen: Da das sogenannte Programm der Bewegung in seinen
Schlußzielen wohl unbedingt richtig ist, in der Formulierung jedoch Rücksicht auf psychologische
Momente nehmen mußte, kann im Laufe der Zeit sehr wohl die Überzeugung aufkommen, daß im
einzelnen vielleicht bestimmte Leitsätze anders gefaßt werden, eine bessere Formulierung erhalten
müßten. Jeder Versuch dazu wirkt sich aber meist verhängnisvoll aus. Denn damit wird etwas, das
unerschütterlich fest sein sollte, der Diskussion anheimgegeben, die, sowie einmal ein einzelner Punkt
der glaubensmäßig dogmatischen Festlegung entzogen ist, nicht ohne weiteres eine neue, bessere und
vor allem einheitliche Festlegung ergibt, sondern viel eher zu endlosen Debatten und zu einer
allgemeinen Wirrnis führen wird. Es bleibt in einem solchen Fall immer abzuwägen, was besser ist: eine
neue, glücklichere Formulierung, die eine Auseinandersetzung innerhalb der Bewegung veranlaßt, oder
eine im Augenblick vielleicht nicht allerbeste Form, die aber einen in sich geschlossenen,
unerschütterlichen, innerlich ganz einheit-
{512 Die Leitsätze der Bewegung}
lichen Organismus darstellt. Und jede Prüfung wird ergeben, daß letzteres vorzuziehen ist. Denn da es
sich bei Abänderungen immer nur um die äußere Formgebung handelt, werden solche Korrekturen
immer wieder als möglich oder wünschenswert erscheinen. Endlich besteht aber bei der
Oberflächlichkeit der Menschen die große Gefahr, daß sie in dieser rein äußeren Formulierung eines
Programms die wesentliche Aufgabe einer Bewegung sehen. Damit tritt dann der Wille und die Kraft
zur Verfechtung der Idee selbst zurück, und die Aktivität, die sich nach außen wenden sollte, wird sich
in inneren programmatischen Kämpfen aufreiben.
Bei einer in großen Zügen tatsächlich richtigen Lehre ist es weniger schädlich, eine Fassung, selbst
wenn sie der Wirklichkeit nicht mehr ganz entsprechen sollte, beizubehalten, als durch eine
Verbesserung derselben ein bisher als graniten geltendes Grundgesetz der Bewegung der allgemeinen
Diskussion mit ihren übelsten Folgeerscheinungen auszuliefern. Unmöglich ist es vor allem so lange, als
eine Bewegung selbst erst um den Sieg kämpft. Denn wie will man Menschen mit blindem Glauben an
die Richtigkeit einer Lehre erfüllen, wenn man durch dauernde Veränderungen am äußeren Bau
derselben selbst Unsicherheit und Zweifel verbreitet?
Das Wesentliche darf eben nie in der äußeren Fassung, sondern stets nur im inneren Sinn gesucht
werden. Und dieser ist unveränderlich; und in seinem Interesse kann man zuletzt nur wünschen, daß sich
die Bewegung durch Fernhalten aller zersplitternden und Unsicherheit erzeugenden Vorgänge die nötige
Kraft zu seiner Verfechtung erhalte.
Auch hier hat man an der katholischen Kirche zu lernen. Obwohl ihr Lehrgebäude in manchen Punkten,
und zum Teil ganz überflüssigerweise, mit der exakten Wissenschaft und der Forschung in Kollision
gerät, ist sie dennoch nicht bereit, auch nur eine kleine Silbe von ihren Lehrsätzen zu opfern. Sie hat
sehr richtig erkannt, daß ihre Widerstandskraft nicht in einer mehr oder minder großen Anpassung an die
jeweiligen wissenschaftlichen Ergebnisse liegt, die in
{513 Die Leitsätze der Bewegung}
Wirklichkeit doch ewig schwanken, sondern vielmehr im starren Festhalten an einmal niedergelegten
Dogmen, die dem Ganzen erst den Glaubenscharakter verleihen. So steht sie heute fester da als je. Man
kann prophezeien, daß in eben dem Maße, in dem die Erscheinungen fliehen, sie selbst als ruhender Pol
in der Erscheinungen Flucht immer mehr blinde Anhänglichkeit erringen wird.
Wer also den Sieg einer völkischen Weltanschauung wirklich und ernstlich wünscht, der muß nicht nur
erkennen, daß zur Erringung eines solchen Erfolges erstens nur eine kampffähige Bewegung geeignet
ist, sondern daß zweitens eine solche Bewegung selbst nur standhalten wird unter Zugrundelegung einer
unerschütterlichen Sicherheit und Festigkeit ihres Programms. Sie darf sich nicht unterstehen, in der
Formulierung desselben dem jeweiligen Zeitgeist Konzessionen zu machen, sondern muß eine einmal
als günstig befundene Form für immer beibehalten, auf alle Fälle aber so lange, bis sie der Sieg gekrönt
hat. Vorher zersplittert jeder Versuch, Auseinandersetzungen über die Zweckmäßigkeit des einen oder
anderen Programmpunktes herbeizuführen, die Geschlossenheit und die Kampfkraft der Bewegung in
dem Maße, in dem ihre Anhänger sich an einer solchen inneren Diskussion beteiligen. Damit ist nicht
gesagt, daß eine heute durchgeführte "Verbesserung" nicht schon morgen erneut kritischen Prüfungen
unterworfen werden könnte, um übermorgen abermals einen besseren Ersatz zu finden. Wer hier einmal
Schranken einreißt, gibt eine Bahn frei, deren Anfang man kennt, deren Ende jedoch sich im Uferlosen
verliert.
Diese wichtige Erkenntnis mußte in der jungen nationalsozialistischen Bewegung ihre Verwertung
finden. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei erhielt mit ihrem Programm der
{514 Die Leitsätze der Bewegung}
fünfundzwanzig Thesen eine Grundlage, die unerschütterlich sein muß. Die Aufgabe der heutigen und
der kommenden Mitglieder unserer Bewegung darf nicht in einer kritischen Umarbeitung dieser
Leitsätze, sondern vielmehr in ihrer Verpflichtung auf sie bestehen. Denn sonst könnte die nächste
Generation mit demselben Recht ihrerseits wieder ihre Kraft für eine solche rein formale Arbeit
innerhalb der Partei verschwenden, anstatt der Bewegung neue Anhänger und dadurch neue Kräfte
zuzuführen. Für die große Zahl der Anhänger wird das Wesen unserer Bewegung weniger im
Buchstaben unserer Leitsätze liegen als vielmehr in dem Sinne, den wir ihnen zu geben imstande sind.
Diesen Erkenntnissen verdankte die junge Bewegung einst ihren Namen, nach ihnen wurde später das
Programm verfaßt, und in ihnen liegt weiter die Art ihrer Verbreitung begründet. Um den völkischen
Ideen zum Siege zu verhelfen, mußte eine Volkspartei geschaffen werden, eine Partei, die nicht nur aus
intellektuellen Führern, sondern auch aus Handarbeitern besteht!
Jeder Versuch, ohne eine solche schlagkräftige Organisation an die Verwirklichung völkischer
Gedankengänge zu schreiten, würde genau so wie in der Vergangenheit, heute und auch in aller Zukunft
erfolglos sein. Damit hat aber die Bewegung nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, sich als
Vorkämpferin und damit als Repräsentantin dieser Ideen zu fühlen. So sehr die Grundgedanken der
nationalsozialistischen Bewegung völkische sind, so sehr sind zugleich die völkischen Gedanken
nationalsozialistisch. Wenn aber der Nationalsozialismus siegen will, so muß er sich zu dieser
Feststellung unbedingt und ausschließlich bekennen. Er hat hier ebenfalls nicht nur das Recht, sondern
auch die Pflicht, die Tatsache schärfstens zu betonen, daß
{515 Nationalsozialismus und völkische Idee}
jeder Versuch, außerhalb des Rahmens der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei die
völkische Idee zu vertreten, unmöglich ist, in den meisten Fällen aber geradezu auf Schwindel beruht.
Wenn jemand heute der Bewegung den Vorwurf macht, sie tue, als ob sie die völkische Idee "gepachtet"
hätte, so gibt es darauf nur eine einzige Antwort: Nicht nur gepachtet, sondern für die Praxis geschaffen.
Denn was bisher unter diesem Begriff vorhanden war, war nicht geeignet, das Schicksal unseres Volkes
auch nur im geringsten zu beeinflussen, da allen diesen Ideen die klare einheitliche Formulierung gefehlt
hat. Es handelte sich meistens nur um einzelne zusammenhanglose Erkenntnisse von mehr oder minder
großer Richtigkeit, die sich nicht selten gegenseitig widersprachen, auf keinen Fall aber eine innere
Bindung untereinander hatten. Und selbst wenn diese vorhanden gewesen wäre, so würde sie doch in
ihrer Schwäche niemals genügt haben, eine Bewegung darauf einzustellen und aufzubauen.
Allein die nationalsozialistische Bewegung vollbrachte dies.
×
Wenn heute alle möglichen Verbände und Verbändchen, Gruppen und Grüppchen und meinetwegen
auch "große Parteien" das Wort "völkisch" für sich in Anspruch nehmen, so ist dies selbst schon eine
Folge des Wirkens der nationalsozialistischen Bewegung. Ohne ihre Arbeit wäre es allen diesen
Organisationen nie eingefallen, das Wort "völkisch" auch nur auszusprechen, sie hätten sich unter
diesem Worte überhaupt nichts vorgestellt, und besonders ihre leitenden Köpfe würden in keinerlei
Beziehung irgendwelcher Art zu diesem Begriffe gestanden sein. Erst die Arbeit der NSDAP. hat diesen
Begriff zu einem inhaltschweren Wort gemacht, das nun von allen möglichen Leuten in den Mund
genommen wird; vor allem hat sie in
{516 Nationalsozialismus und völkische Idee}
ihrer eigenen erfolgreichen Werbetätigkeit die Kraft dieser völkischen Gedanken gezeigt und bewiesen,
so daß schon die eigene Gewinnsucht die anderen zwingt, wenigstens behauptungsweise Ähnliches zu
wollen.
So wie sie bisher alles in den Dienst ihrer kleinlichen Wahlspekulation gestellt haben, so ist für diese
Parteien der Begriff völkisch heute auch nur ein ganz äußerliches, hohles Schlagwort geblieben, mit dem
sie versuchen, die werbende Kraft der nationalsozialistischen Bewegung bei ihren eigenen Mitgliedern
auszugleichen. Denn nur die Sorge um ihren eigenen Bestand sowie die Angst vor dem Emporkommen
unserer von einer neuen Weltanschauung getragenen Bewegung, deren universale Bedeutung sie ebenso
ahnen wie ihre gefährliche Ausschließlichkeit, legt ihnen Worte in den Mund, die sie vor acht Jahren
nicht kannten, vor sieben Jahren verlachten, vor sechs als Blödsinn bezeichneten, vor fünf bekämpften,
vor vier haßten, vor drei verfolgten, um sie nun endlich vor zwei Jahren selbst zu annektieren und,
vereint mit ihrem sonstigen Wortschatz, als Kriegsgeschrei im Kampf zu verwenden.
Und selbst heute muß man immer wieder darauf hinweisen, daß allen diesen Parteien jede Ahnung fehlt,
was dem deutschen Volke nottut. Der schlagendste Beweis dafür ist die Oberflächlichkeit, mit der sie
das Wort "völkisch" in ihre Mäuler nehmen!
Nicht minder gefährlich sind dabei alle diejenigen, die als Scheinvölkische sich herumtollen,
phantastische Pläne schmieden, meist auf nichts weiter gestützt als auf irgendeine fixe Idee, die an sich
richtig sein könnte, allein in ihrer Isoliertheit dennoch ohne jede Bedeutung für die Bildung einer großen
einheitlichen Kampfgemeinschaft und auf keinen Fall geeignet ist, eine solche aufzubauen. Diese Leute,
die teils aus eigenem Denken, teils aus Gelesenem ein Programm zusammenbrauen, sind häufig
gefährlicher als die offenen Feinde der völkischen Idee. Sie sind im günstigsten Falle unfruchtbare
Theoretiker, meistens aber verheerende Schwadroneure und glauben nicht selten, durch wallenden
{517 Nationalsozialismus und völkische Idee}
Vollbart und urgermanisches Getue die geistige und gedankliche Hohlheit ihres Handelns und Könnens
maskieren zu können.
Im Gegensatz zu all diesen untauglichen Versuchen ist es deshalb gut, wenn man sich die Zeit in das
Gedächtnis zurückruft, in der die junge nationalsozialistische Bewegung mit ihrem Kampf begann.
{518}
6. Kapitel:
Der Kampf der ersten Zeit — Die Bedeutung der Rede
Die erste große Versammlung am 24. Februar 1920 im Hofbräuhausfestsaal war noch nicht in uns
verklungen, als schon die Vorbereitungen für die nächste getroffen wurden. Während es bis dahin als
bedenklich galt, in einer Stadt wie München alle Monate oder gar alle vierzehn Tage eine kleine
Versammlung abhalten zu wollen, sollte nun alle acht Tage, also wöchentlich einmal, eine große
Massenversammlung stattfinden. Ich brauche nicht zu versichern, daß uns dabei immer und immer nur
eine einzige Angst quälte: Würden die Menschen kommen, und würden sie uns zuhören? — wenn ich
auch persönlich schon damals die unerschütterliche Überzeugung hatte, daß, wenn sie erst einmal da
sind, die Leute auch bleiben und der Rede folgen.
In dieser Zeit erhielt der Münchener Hofbräuhausfestsaal für uns Nationalsozialisten eine fast
weihevolle Bedeutung. Jede Woche eine Versammlung, fast immer in diesem Raum, und jedesmal der
Saal besser gefüllt und die Menschen andächtiger! Ausgehend von der "Schuld am Krieg", um die sich
damals kein Mensch kümmerte, über die Friedensverträge hinweg, wurde fast alles behandelt, was
irgendwie agitatorisch zweckmäßig oder ideenmäßig notwendig war. Besonders den Friedensverträgen
selbst wurde größte Aufmerksamkeit geschenkt. Was hat die junge Bewegung damals den großen
Menschenmassen immer und immer prophezeit, und wie ist fast alles davon bis jetzt eingetroffen! Heute
kann man über diese Dinge leicht reden
{519 Kampf gegen Vergiftungspropaganda}
oder schreiben. Damals aber bedeutete eine öffentliche Massenversammlung, in der sich nicht
bürgerliche Spießer, sondern verhetzte Proletarier befanden, mit dem Thema "Der Friedensvertrag von
Versailles" einen Angriff gegen die Republik und ein Zeichen reaktionärer, wenn nicht monarchistischer
Gesinnung. Schon beim ersten Sag, der eine Kritik von Versailles enthielt, konnte man den stereotypen
Zwischenruf entgegengeschleudert erhalten: "Und Brest-Litowsk?" "Brest-Litowsk?" So brüllte die
Masse immer wieder und wieder, so lange, bis sie allmählich heiser wurde oder der Referent schließlich
den Versuch, zu überzeugen, aufgab. Man hätte seinen Kopf gegen die Wand stoßen mögen vor
Verzweiflung über solch ein Volk! Es wollte nicht hören, nicht verstehen, daß Versailles eine Schande
und Schmach sei, ja nicht einmal, daß dieses Diktat eine unerhörte Ausplünderung unseres Volkes
bedeute. Die marxistische Zerstörungsarbeit und die feindliche Vergiftungspropaganda hatten diese
Menschen außer jeder Vernunft gebracht. Und dabei durfte man nicht einmal klagen. Denn wie
unermeßlich groß war die Schuld auf anderer Seite! Was hatte das Bürgertum getan, um dieser
furchtbaren Zersetzung Einhalt zu gebieten, ihr entgegenzutreten und durch eine bessere und
gründlichere Aufklärung der Wahrheit die Bahn freizumachen? Nichts und wieder nichts! Ich habe sie
damals nirgends gesehen, alle die großen völkischen Apostel von heute. Vielleicht sprachen sie in
Kränzchen, an Teetischen oder in Zirkeln Gleichgesinnter, aber da, wo sie hätten sein müssen, unter den
Wölfen, dorthin wagten sie sich nicht; außer es fand sich eine Gelegenheit, mit ihnen heulen zu können.
Mir selbst war aber damals klar, daß für den kleinen Grundstock, der zunächst die Bewegung bildete,
die Frage der Schuld am Kriege bereinigt werden mußte, und zwar bereinigt im Sinne der historischen
Wahrheit. Daß unsere Bewegung breitesten Massen die Kenntnis des Friedensvertrags vermittelte, war
eine Voraussetzung zu dem Erfolge der Bewegung in der Zukunft. Damals, als sie in diesem Frieden alle
noch einen Erfolg der Demokratie sahen,
{520 Gegen den Strom}
mußte man dagegen Front machen und sich den Gehirnen der Menschen für immer als Feind dieses
Vertrages eingraben, auf daß später, wenn einst die herbe Wirklichkeit dieses trügerische Flitterwerk
ungeschminkt in seinem nackten Hasse enthüllen würde, die Erinnerung an unsere damalige Einstellung
uns ihr Vertrauen erwürbe.
Schon in jener Zeit habe ich immer dafür Stellung genommen, in wichtigen prinzipiellen Fragen, in
denen die gesamte öffentliche Meinung eine falsche Haltung einnahm, ohne Rücksicht auf Popularität,
Haß oder Kampf gegen sie Front zu machen. Die NSDAP. durfte nicht ein Büttel der öffentlichen
Meinung, sondern mußte ein Gebieter der selben werden. Nicht Knecht soll sie der Masse sein, sondern
Herr!
Es besteht natürlich, und besonders für jede noch schwache Bewegung, die große Versuchung, in
Augenblicken, in denen es einem übermächtigen Gegner gelungen ist, das Volk durch seine
Verführungskünste zu einem wahnsinnigen Entschluß oder zu falscher Haltung zu treiben, auch
mitzutun und mitzuschreien, zumal dann, wenn ein paar Gründe — und wäre es auch nur scheinbar —
vom Gesichtspunkte der jungen Bewegung selbst angesehen, dafür sprechen könnten. Die menschliche
Feigheit wird dabei so eifrig nach solchen Gründen suchen, daß sie fast stets irgend etwas findet, das
einen Schein von Recht geben würde, auch vom "eigenen Gesichtspunkt" aus solch ein Verbrechen
mitzumachen.
Ich habe einige Male solche Fälle erlebt, in denen höchste Energie notwendig war, um das Schiff der
Bewegung nicht in den künstlich erregten allgemeinen Strom hineinschwimmen oder besser, mit ihm
treiben zu lassen, Das letztemal, als es unserer infernalischen Presse, der ja die Existenz des deutschen
Volkes Hekuba ist, gelang, die Südtiroler Frage zu einer Bedeutung emporzutreiben, die dem deutschen
Volk verhängnisvoll werden mußte. Ohne zu bedenken, wessen Dienste sie damit besorgten, haben sich
viele sogenannte "nationale" Männer und Parteien und Verbände lediglich aus Feigheit vor der von den
Juden aufgeführten öffentlichen Meinung dem allgemeinen Geschrei angeschlossen und
{521 Politik auf weite Sicht}
sinnlos mitgeholfen, den Kampf gegen ein System zu unterstützen, das wir Deutsche gerade in dieser
heutigen Lage als den einzigen Lichtblick in dieser verkommenden Welt empfinden müßten. Während
uns der internationale Weltjude langsam, aber sicher die Gurgel abdrückt, brüllen unsere sogenannten
Patrioten gegen den Mann und ein System, die es gewagt haben, sich wenigstens an einer Stelle der Erde
der jüdisch-freimaurerischen Umklammerung zu entziehen und dieser internationalen Weltvergiftung
einen nationalistischen Widerstand entgegenzusetzen. Es war aber zu verlockend für schwache
Charaktere, einfach die Segel nach dem Wind zu stellen und vor dem Geschrei der öffentlichen Meinung
zu kapitulieren. Und um eine Kapitulation hat es sich gehandelt! Mögen die Menschen in ihrer inneren
Verlogenheit und Schlechtigkeit es auch nicht zugeben, vielleicht nicht einmal sich selbst gegenüber, so
bleibt es doch Wahrheit, daß nur Feigheit und Angst vor der durch den Juden in Aufruhr gebrachten
Volksstimmung es war, die sie zum Mittun veranlaßte. Alle anderen Begründungen sind jämmerliche
Ausflüchte des schuldbewußten kleinen Sünders.
Da war es notwendig, mit eiserner Faust die Bewegung herumzureißen, um sie vor dem Verderben
durch diese Richtung zu heimfahren. Eine solche Umstellung in dem Augenblick zu versuchen, da die
öffentliche Meinung durch alle treibenden Kräfte angefacht wie eine große Flamme nur nach einer
Richtung hin brennt, ist allerdings im Augenblick nicht sehr populär, ja für den Wagemutigen manches
Mal fast todgefährlich. Aber nicht wenige Männer der Geschichte sind in solchen Augenblicken für ein
Handeln gesteinigt worden, für das die Nachwelt später alle Veranlassung hatte, ihnen auf den Knien zu
danken.
Damit aber muß eine Bewegung rechnen und nicht mit dem augenblicklichen Beifall der Gegenwart. Es
mag dann schon so sein, daß in solchen Stunden dem einzelnen ängstlich zumute wird; allein er soll nie
vergessen, daß nach jeder solchen Stunde einmal auch die Erlösung kommt, und daß eine Bewegung,
eine Welt erneuern will, nicht dem Augenblick, sondern der Zukunft zu dienen hat.
{522 Rednerische Erfahrungen}
Man kann dabei feststellen, daß die größten und nachhaltigsten Erfolge in der Geschichte meistens die
zu sein pflegen, die bei ihrem Beginne am wenigsten Verständnis fanden, weil sie zur allgemeinen
öffentlichen Meinung, zu ihrer Einsicht und zu ihrem Willen im schärfsten Gegensatz standen.
Das konnten wir damals schon, am ersten Tage unseres öffentlichen Auftretens, erfahren. Wir haben
wahrlich nicht um die "Gunst der Massen gebuhlt", sondern sind dem Wahnsinn dieses Volkes
entgegengetreten, überall. Fast immer war es so, daß ich in diesen Jahren vor eine Versammlung von
Menschen trat, die an das Gegenteilige von dem glaubten, was ich sagen wollte, und das Gegenteil von
dem wollten, was ich glaubte. Dann war es die Aufgabe von zwei Stunden, zwei- bis dreitausend
Menschen aus ihrer bisherigen Überzeugung herauszuheben, Schlag um Schlag das Fundament ihrer
bisherigen Einsichten zu zertrümmern und sie schließlich hinüberzuleiten auf den Boden unserer
Überzeugung und unserer Weltanschauung.
Ich habe damals in kurzer Zeit etwas Wichtiges gelernt, nämlich dem Feinde die Waffe seiner
Entgegnung gleich selber aus der Hand zu schlagen. Man merkte bald, daß unsere Gegner, besonders in
Gestalt ihrer Diskussionsredner, mit einem ganz bestimmten "Repertoire" auftraten, in welchem immer
wiederkehrende Einwände gegen unsere Behauptungen erhoben wurden, 80 daß die Gleichartigkeit
dieses Vorgangs auf eine zielbewußte einheitliche Schulung hinwies. Und so war es ja auch. Wir
konnten hier die unglaubliche Diszipliniertheit der Propaganda unserer Gegner kennenlernen, und es ist
heute noch mein Stolz, das Mittel gefunden zu haben, diese Propaganda nicht nur unwirksam zu
machen, sondern ihre Macher endlich selbst damit zu schlagen. Zwei Jahre später war ich Herr in dieser
Kunst.
Es war wichtig, sich in jeder einzelnen Rede vorher schon klar zu werden über den vermutlichen Inhalt
und die Form der in der Diskussion zu erwartenden Gegeneinwände und diese dann in der eigenen Rede
bereits restlos zu zer-
{523 Aufklärung über die Friedensverträge}
pflücken. Es war dabei zweckmäßig, die möglichen Einwände selbst immer sofort anzuführen und ihre
Haltlosigkeit zu beweisen; so wurde der Zuhörer, der, wenn auch vollgepfropft mit den ihm angelernten
Einwänden, aber sonst ehrlichen Herzens gekommen war, durch die vorweggenommene Erledigung der
in seinem Gedächtnis eingeprägten Bedenken leichter gewonnen. Das ihm eingelernte Zeug wurde von
selbst widerlegt und seine Aufmerksamkeit immer mehr vom Vortrag angezogen.
Das war der Grund, weshalb ich schon nach meinem ersten Vortrag über den "Friedensvertrag von
Versailles", den ich noch als sogenannter "Bildungsmensch" vor der Truppe gehalten hatte, den Vortrag
insofern änderte, als ich nunmehr über die "Friedensverträge von Brest-Litowsk und Versailles" sprach.
Denn ich konnte schon nach kürzester Zeit, ja schon im Verlauf der Aussprache über diesen meinen
ersten Vortrag, feststellen, daß die Leute über den Friedensvertrag von Brest-Litowsk in Wirklichkeit
gar nichts wußten, daß es aber der geschickten Propaganda ihrer Parteien gelungen war, gerade diesen
Vertrag als einen der schändlichsten Vergewaltigungsakte der Welt hinzustellen. Der Beharrlichkeit, mit
welcher der breiten Masse diese Lüge immer wieder vorgetragen wurde, war es zuzuschreiben, daß
Millionen von Deutschen im Friedensvertrag von Versailles nur mehr eine gerechte Vergeltung für das
zu Brest-Litowsk von uns begangene Verbrechen sahen, somit jeden wirklichen Kampf gegen Versailles
als Unrecht empfanden und in manches Mal ehrlichster, sittlicher Entrüstung verblieben. Und dies war
auch mit die Ursache, weshalb sich das ebenso unverschämte wie ungeheuerliche Wort
"Wiedergutmachung" in Deutschland einzubürgern vermochte. Diese verlogenste Heuchelei erschien
Millionen unserer verhetzten Volksgenossen wirklich als Vollzug einer höheren Gerechtigkeit.
Entsetzlich, aber es war so. Den besten Beweis dafür lieferte der Erfolg der nun von mir eingeleiteten
Propaganda gegen den Friedensvertrag von Versailles, der ich eine Aufklärung über den Vertrag von
Brest-Litowsk vorausschickte. Ich stellte die beiden Friedensverträge gegen-
{524 Aufklärung über die Friedensverträge}
einander, verglich sie Punkt für Punkt, zeigte die in Wirklichkeit geradezu grenzenlose Humanität des
einen Vertrages im Gegensatz zur unmenschlichen Grausamkeit des zweiten, und das Ergebnis war ein
durchschlagendes. Ich habe über dieses Thema damals in Versammlungen von zweitausend Menschen
gesprochen, in denen mich oft die Blicke aus dreitausendsechshuudert feindlichen Augen trafen. Und
drei Stunden später hatte ich vor mir eine wogende Masse voll heiligster Empörung und maßlosestem
Grimm. Wieder war aus Herzen und Gehirnen einer nach Tausenden zählenden Menge eine große Lüge
herausgerissen und dafür eine Wahrheit eingepflanzt worden.
Die beiden Vorträge, nämlich über "Die wahren Ursachen des Weltkrieges" und über "Die
Friedensverträge von Brest-Litowsk und Versailles", hielt ich damals für die allerwichtigsten, so daß ich
sie Dutzende Male in immer neuer Fassung wiederholte und wiederholte, bis wenigstens über diesen
Punkt eine bestimmte, klare und einheitliche Auffassung unter den Menschen verbreitet war, aus denen
sich die Bewegung ihre ersten Mitglieder holte.
Diese Versammlungen hatten für mich selbst noch das Gute, daß ich mich langsam zum
Massenversammlungsredner umstellte, daß mir das Pathos geläufig wurde und die Geste, die der große,
tausende Menschen fassende Raum erfordert.
Ich habe zu jener Zeit, außer, wie schon betont, in kleinen Zirkeln, keine Aufklärung in dieser Richtung
von den Parteien gesehen, die heute den Mund voll nehmen und tun, als ob sie einen Wandel in der
öffentlichen Meinung herbeigeführt hätten. Wenn aber ein sogenannter nationaler Politiker irgendwo
einen Vortrag in dieser Richtung hielt, dann nur vor Kreisen, die selbst schon meist seiner Überzeugung
waren, und bei denen das Vorgebrachte höchstens eine Bestärkung der eigenen Gesinnung darstellte.
Darauf aber kam es damals nicht an, sondern ausschließlich darauf, diejenigen Menschen durch
Aufklärung und Propaganda zu gewinnen, die bisher ihrer Erziehung und Einsicht nach auf
gegnerischem Boden standen.
{525 Rede wirkungsvoller als Schrift}
Auch das Flugblatt wurde von uns in den Dienst dieser Aufklärung gestellt. Schon in der Truppe hatte
ich ein Flugblatt mit einer Gegenüberstellung der Friedensverträge von Brest-Litowsk und Versailles
verfaßt, das in ganz großen Auflagen zur Verbreitung gelangte. Ich habe dann später für die Partei
Bestände davon übernommen, und auch hier war die Wirkung wieder eine gute. Die ersten
Versammlungen zeichneten sich überhaupt dadurch aus, daß die Tische bedeckt waren von allen
möglichen Flugblättern, Zeitungen, Broschüren usw. Doch wurde das Hauptgewicht auf das
gesprochene Wort gelegt. Und tatsächlich ist auch nur dieses allein in der Lage, wirklich große
Umwälzungen herbeizuführen, und zwar aus allgemeinen psychologischen Gründen.
Ich habe schon im ersten Bande ausgeführt, daß alle gewaltigen, weltumwälzenden Ereignisse nicht
durch Geschriebenes, sondern durch das gesprochene Wort herbeigeführt worden sind. Daran knüpfte
sich in einem Teil der Presse eine längere Diskussion, in der natürlich besonders von unseren
bürgerlichen Schlauköpfen sehr scharf gegen eine solche Behauptung Stellung genommen wurde. Allein
schon der Grund, weshalb dies geschah, widerlegt die Zweifler. Denn die bürgerliche Intelligenz
protestiert gegen eine solche Auffassung ja nur, weil ihr selbst die Kraft und Fähigkeit der
Massenbeeinflussung durch das gesprochene Wort ersichtlich fehlt, da man sich immer mehr auf die
rein schriftstellerische Tätigkeit geworfen hatte und auf die wirklich agitatorische der Rede verzichtete.
Eine solche Gepflogenheit führt aber mit der Zeit zwangsläufig zu dem, was unser Bürgertum heute
auszeichnet, nämlich zum Verlust des psychologischen Instinktes für Massenwirkung und
Massenbeeinflussung.
Während der Redner aus der Menge heraus, vor welcher er spricht, eine dauernde Korrektur seines
Vortrages erhält, insofern er unausgesetzt an den Gesichtern seiner Zuhörer ermessen kann, inwieweit
sie seinen Ausführungen mit Verständnis zu folgen vermögen und ob der Eindruck und die Wirkung
seiner Worte zum gewünschten Ziele
{526 Rede wirkungsvoller als Schrift}
führen, kennt der Schriftsteller seine Leser überhaupt nicht. Deshalb wird er schon von vornherein nicht
auf eine bestimmte ihm vor Augen befindliche Menschenmenge abzielen, sondern seine Ausführungen
ganz allgemein halten. Er verliert dadurch aber bis zu einem gewissen Grad an psychologischer Feinheit
und in der Folge an Geschmeidigkeit. So wird im allgemeinen ein glänzender Redner immer noch besser
zu schreiben vermögen, als ein glänzender Schriftsteller zu reden, außer er übt sich dauernd in dieser
Kunst. Dazu kommt, daß die Masse der Menschen an sich faul ist, träge im Gleise alter Gewohnheiten
bleibt und von sich selbst aus nur ungern zu etwas Geschriebenem greift, wenn es nicht dem entspricht,
was man selber glaubt, und nicht das bringt, was man sich erhofft. Daher wird eine Schrift mit einer
bestimmten Tendenz meistens nur von Menschen gelesen werden, die selbst dieser Richtung schon
zuzurechnen sind. Höchstens ein Flugblatt oder ein Plakat können durch ihre Kürze damit rechnen, auch
bei einem Andersdenkenden einen Augenblick lang Beachtung zu finden. Größere Aussicht besitzt
schon das Bild in allen seinen Formen, bis hinauf zum Film. Hier braucht der Mensch noch weniger
verstandesmäßig zu arbeiten; es genügt, zu schauen, höchstens noch ganz kurze Texte zu lesen, und so
werden viele eher bereit sein, eine bildliche Darstellung aufzunehmen, als ein längeres Schriftstück zu
lesen. Das Bild bringt in viel kürzerer Zeit, fast möchte ich sagen auf einen Schlag, dem Menschen eine
Aufklärung, die er aus Geschriebenem erst durch langwieriges Lesen empfängt.
Das wesentlichste aber ist, daß ein Schriftstück nie weiß, in welche Hände es kommt, und doch seine
bestimmte Fassung beibehalten muß. Die Wirkung wird im allgemeinen um so größer sein, je mehr
diese Fassung dem geistigen Niveau und der Wesensart gerade derjenigen entspricht, die seine Leser
sein werden. Ein Buch, das für breite Massen bestimmt ist, muß darum von vornherein versuchen, in Stil
und Höhe anders zu wirken als ein für höhere intellektuelle Schichten bestimmtes Werk.
Nur in dieser Art der Anpassungsfähigkeit nähert das
{527 Rede wirkungsvoller als Schrift}
Geschriebene sich dem gesprochenen Wort. Der Redner kann meinetwegen das gleiche Thema
behandeln wie das Buch, er wird doch, wenn er ein großer und genialer Volksredner ist, denselben
Vorwurf und denselben Stoff kaum zweimal in gleicher Form wiederholen. Er wird sich von der breiten
Masse immer so tragen lassen, daß ihm daraus gefühlsmäßig gerade die Worte flüssig werden, die er
braucht, um seinen jeweiligen Zuhörern zu Herzen zu sprechen. Irrt er sich aber noch so leise, so hat er
die lebendige Korrektur stets vor sich. Wie schon oben gesagt, vermag er dem Mienenspiel seiner
Zuhörer abzulesen, ob sie erstens verstehen, was er spricht, ob sie zweitens dem Gesamten zu folgen
vermögen, und inwieweit er sie drittens von der Richtigkeit des Vorgebrachten überzeugt hat. Sieht er
— erstens —, daß sie ihn nicht verstehen, so wird er in seiner Erklärung so primitiv und deutlich
werden, daß selbst der letzte ihn begreifen muß; fühlt er — zweitens —, daß sie ihm nicht zu folgen
vermögen, so wird er so vorsichtig und langsam seine Gedanken aufbauen, bis selbst der Schwächste
unter allen nicht mehr zurückbleibt, und er wird — drittens —, sowie er ahnt, daß sie von der
Richtigkeit des Vorgebrachten nicht überzeugt zu sein scheinen, dieses so oft und in immer wieder
neuen Beispielen wiederholen, ihre Einwände, die er unausgesprochen spürt, selbst vorbringen und so
lange widerlegen und zersplittern, bis endlich die legte Gruppe einer Opposition schon durch ihre
Haltung und ihr Mienenspiel ihn die Kapitulation vor seiner Beweisführung erkennen läßt.
Dabei handelt es sich nicht selten bei den Menschen um die Überwindung von Voreingenommenheiten,
die nicht in ihrem Verstand begründet, sondern meist unbewußt, nur durch das Gefühl gestützt sind.
Diese Schranke instinktiver Abneigung, gefühlsmäßigen Hasses, voreingenommener Ablehnung zu
überwinden, ist tausendmal schwieriger als die Richtigstellung einer fehlerhaften und irrigen
wissenschaftlichen Meinung. Falsche Begriffe und schlechtes Wissen können durch Belehrung beseitigt
werden. Widerstände des Gefühls niemals. Einzig ein Appell an diese geheimnis-
{528 Erfolge des Marxismus durch Rede}
vollen Kräfte selbst kann hier wirken; und das kann kaum je der Schriftsteller, sondern fast einzig nur
der Redner.
Den schlagendsten Beweis dafür liefert die Tatsache, daß trotz einer oft sehr geschickt aufgemachten
bürgerlichen Presse, die in unerhörten Millionenauflagen unser Volk überschwemmt, diese Presse die
breite Masse nicht hindern konnte, der schärfste Feind gerade dieser bürgerlichen Welt zu werden. Die
ganze Zeitungsflut und alle Bücher, die vom Intellektualismus Jahr für Jahr produziert werden, gleiten
an den Millionen der unteren Schichten ab wie Wasser vom geölten Leder. Dies kann nur zweierlei
beweisen: entweder die Unrichtigkeit des Inhalts dieser gesamten Schreiberleistung unserer bürgerlichen
Welt oder die Unmöglichkeit, nur durch Schrifttum an das Herz der breiten Masse zu gelangen.
Allerdings besonders dann, wenn dieses Schrifttum selbst so wenig psychologisch eingestellt ist, wie
dies hier der Fall ist.
Man erwidere nur nicht (wie dies eine große deutsch-nationale Zeitung in Berlin versuchte), daß doch
der Marxismus selbst gerade durch sein Schrifttum, insbesondere durch die Wirkung des grundlegenden
Werkes von Karl Marx, den Gegenbeweis für diese Behauptung liefere. Oberflächlicher hat man noch
selten eine irrige Anschauung zu stützen vermocht. Was dem Marxismus die staunenswerte Macht über
die breiten Massen gegeben hat, ist keineswegs das formale, schriftlich niedergelegte Werk jüdischer
Gedankenarbeit, als vielmehr die ungeheuerliche rednerische Propagandawelle, die im Laufe der Jahre
sich der breiten Masse bemächtigte. Von hunderttausend deutschen Arbeitern kennen im Durchschnitt
noch nicht hundert dieses Werk, das seit jeher von tausendmal mehr Intellektuellen und besonders Juden
studiert wurde als von wirklichen Anhängern dieser Bewegung aus den großen unteren Schichten.
Dieses Werk ist auch gar nicht für die breiten Massen geschrieben worden, sondern ausschließlich für
die intellektuelle Führung seiner jüdischen Welteroberungsmaschine; geheizt hat man sie dann mit ganz
anderem Stoff: der Presse. Denn das ist es, was die marxistische
{529 Erfolge des Marxismus durch Rede}
Presse von unserer bürgerlichen unterscheidet. Die marxistische Presse ist geschrieben von Agitatoren,
und die bürgerliche möchte gern Agitation treiben durch Schreiber. Der sozialdemokratische
Winkelredakteur, der fast stets aus dem Versammlungslokal in die Redaktion kommt, kennt seine
Pappenheimer wie kein zweiter. Der bürgerliche Skribent aber, der aus seiner Schreibstube heraus vor
die breite Masse tritt, wird schon von ihren bloßen Dünsten krank und steht ihnen deshalb auch mit dem
geschriebenen Wort hilflos gegenüber.
Was dem Marxismus die Millionen von Arbeitern gewonnen hat, das ist weniger die Schreibart
marxistischer Kirchenväter als vielmehr die unermüdliche und wahrhaft gewaltige Propagandaarbeit von
Zehntausenden unermüdlicher Agitatoren, angefangen vom großen Hetzapostel bis herunter zum kleinen
Gewerkschaftsbeamten und zum Vertrauensmann und Diskussionsredner; das sind die Hunderttausende
von Versammlungen, bei denen, in qualmender Wirtsstube auf dem Tische stehend, diese Volksredner
auf die Massen einhämmerten und so eine fabelhafte Kenntnis dieses Menschenmaterials zu gewinnen
wußten, was sie erst recht in die Lage versetzte, die richtigsten Angriffswaffen auf die Burg der
öffentlichen Meinung zu wählen. Und das waren weiter die gigantischen Massendemonstrationen, diese
Hunderttausend-Mann-Aufzüge, die dem kleinen, armseligen Menschen die stolze Überzeugung
einbrannten, als kleiner Wurm dennoch Glied eines großen Drachens zu sein, unter dessen glühendem
Atem die verhaßte bürgerliche Welt dereinst in Feuer und Flammen aufgehen und die proletarische
Diktatur den letzten Endsieg feiern werde.
Von solcher Propaganda her kamen dann die Menschen, die bereit und vorbereitet waren, eine
sozialdemokratische Presse zu lesen, jedoch eine Presse, die selber wieder nicht geschrieben, sondern
die geredet ist. Denn während im bürgerlichen Lager Professoren und Schriftgelehrte, Theoretiker und
Schreiber aller Art zuweilen auch zu reden ver{
530 Psychologische Bedingungen der Redewirkung}
suchen, versuchen im Marxismus die Redner manches Mal auch zu schreiben. Und gerade der Jude, der
hier noch besonders in Betracht kommt, wird im allgemeinen, kraft seiner verlogenen dialektischen
Gewandtheit und Geschmeidigkeit, auch noch als Schriftsteller mehr agitierender Redner als
schreibender Gestalter sein.
Das ist der Grund, warum die bürgerliche Zeitungswelt (ganz abgesehen davon, daß sie selbst zum
größten Teile verjudet ist und deshalb kein Interesse hat, die breite Masse wirklich zu belehren) nicht
den geringsten Einfluß auf die Einstellung der breitesten Schichten unseres Volkes auszuüben vermag.
Wie schwer es ist, gefühlsmäßige Vorurteile, Stimmungen, Empfindungen usw. umzustoßen und durch
andere zu ersetzen, von wie vielen kaum ermeßbaren Einflüssen und Bedingungen der Erfolg abhängt,
das kann der feinfühlige Redner daran ermessen, daß selbst die Tageszeit, in welcher der Vortrag
stattfindet, von ausschlaggebendem Einfluß auf dessen Wirkung sein kann. Der gleiche Vortrag, der
gleiche Redner, das gleiche Thema wirken ganz verschieden um zehn Uhr vormittags, um drei Uhr
nachmittags oder am Abend. Ich selbst hatte als Anfänger noch Versammlungen für den Vormittag
angesetzt und erinnere mich im besonderen an eine Kundgebung, die wir als Protest "gegen die
Unterdrückung deutscher Gebiete" im Münchner-Kindl-Keller abhielten. Dies war damals Münchens
größter Saal, und das Wagnis schien sehr groß zu sein. Um den Anhängern der Bewegung und allen, die
sonst kamen, den Besuch besonders zu erleichtern, setzte ich die Versammlung auf einen
Sonntagvormittag, zehn Uhr, an. Das Ergebnis war niederdrückend, doch zugleich außerordentlich
belehrend: der Saal voll, der Eindruck ein wahrhaft überwältigender, die Stimmung aber eisig kalt;
niemand wurde warm, und ich selbst als Redner fühlte mich tief unglücklich, keine Verbindung, nicht
den leisesten Kontakt mit meinen Zuhörern herstellen zu können. Ich glaubte nicht schlechter
gesprochen zu haben als sonst; allein die Wirkung schien gleich Null zu sein. Völlig unbefriedigt, wenn
auch um eine Erfahrung reicher
{531 Psychologische Bedingungen der Redewirkung}
geworden, verließ ich die Versammlung. Proben, die ich später in gleicher Art unternahm, führten zu
demselben Ergebnis.
Dies darf einen nicht wundernehmen. Man gehe in eine Theatervorstellung und besehe sich ein Stück
nachmittags drei Uhr und das gleiche Stück in gleicher Besetzung abends acht Uhr, und man wird
erstaunt sein über die Verschiedenartigkeit der Wirkung und des Eindrucks. Ein Mensch mit feinem
Gefühl und der Fähigkeit, sich selbst über diese Stimmung Klarheit zu verschaffen, wird ohne weiteres
feststellen können, daß der Eindruck der Vorführung nachmittags kein so großer ist wie der abends.
Selbst für ein Kinostück gilt die gleiche Feststellung. Wichtig ist dies deshalb, weil man beim Theater
sagen könnte, daß vielleicht der Schauspieler nachmittags sich nicht so müht wie abends. Der Film
jedoch ist nachmittags kein anderer als um neun Uhr abends. Nein, die Zeit selbst übt hier eine
bestimmte Wirkung aus, genau so wie auf mich der Raum. Es gibt Räume, die auch kalt lassen aus
Gründen, die man nur schwer erkennt, die jeder Erzeugung von Stimmung irgendwie heftigsten
Widerstand entgegensehen. Auch traditionelle Erinnerungen und Vorstellungen, die im Menschen
vorhanden sind, vermögen einen Eindruck maßgebend zu bestimmen. So wird eine "Parsifal"-
Aufführung in Bayreuth stets anders wirken als an irgendeiner anderen Stelle der Welt. Der
geheimnisvolle Zauber des Hauses auf dem Festspielhügel der alten Markgrafenstadt kann nicht durch
Äußeres ersetzt oder auch nur eingeholt werden.
In allen diesen Fällen handelt es sich um Beeinträchtigungen der Willensfreiheit des Menschen. Am
meisten gilt dies natürlich für Versammlungen, in die an sich Menschen von gegenteiliger
Willenseinstellung kommen, und die nunmehr einem neuen Wollen gewonnen werden müssen. Morgens
und selbst tagsüber scheinen die willensmäßigen Kräfte des Menschen sich noch in höchster Energie
gegen den Versuch der Aufzwingung eines fremden Willens und einer fremden Meinung zu sträuben.
Abends dagegen unterliegen sie leichter der beherrschenden Kraft eines stär-
{532 Redner und Revolution}
keren Wollens. Denn wahrlich stellt jede solche Versammlung einen Ringkampf zweier
entgegengesetzter Kräfte dar. Der überragenden Redekunst einer beherrschenden Apostelnatur wird es
nun leichter gelingen, Menschen dem neuen Wollen zu gewinnen, die selbst bereits eine Schwächung
ihrer Widerstandskraft in natürlichster Weise erfahren haben, als solche, die noch im Vollbesitz ihrer
geistigen und willensmäßigen Spannkraft sind.
Dem gleichen Zweck dient ja auch der künstlich gemachte und doch geheimnisvolle Dämmerschein
katholischer Kirchen, die brennenden Lichter, Weihrauch, Räucherpfannen usw.
In diesem Ringkampf des Redners mit dem zu bekehrenden Gegnern wird dieser allmählich jene
wundervolle Feinfühligkeit für die psychologischen Bedingungen der Propaganda bekommen, die dem
Schreibenden fast stets fehlen. Daher wird das Geschriebene in seiner begrenzten Wirkung im
allgemeinen mehr der Erhaltung, Festigung und Vertiefung einer bereits vorhandenen Gesinnung oder
Ansicht dienen. Alle wirklich großen historischen Umwälzungen sind nicht durch das geschriebene
Wort herbeigeführt, sondern höchstens von ihm begleitet worden.
Man glaube nicht, daß die Französische Revolution je durch philosophische Theorien zustande
gekommen wäre, hätte sie nicht eine durch Demagogen größten Stils geführte Armee von Hetzern
gefunden, die die Leidenschaften des an sich gequälten Volkes aufpeitschten, bis endlich jener
furchtbare Vulkanausbruch erfolgte, der ganz Europa in Schrecken erstarren ließ. Und ebenso ist die
größte revolutionäre Umwälzung der neuesten Zeit, die bolschewistische Revolution in Rußland, nicht
durch das Schrifttum Lenins erfolgt, sondern durch die haßaufwühlende rednerische Betätigung
zahlloser größter und kleinster Hetzapostel.
Das Volk der Analphabeten ist wirklich nicht durch die theoretische Lektüre eines Karl Marx zur
kommunistischen Revolution begeistert worden, sondern nur durch den gleißenden Himmel, den
Tausende von Agitatoren, allerdings alle im Dienste einer Idee, dem Volke vorredeten.
{533 Bethmann und Lloyd George als Redner}
Und das war auch immer so und wird ewig so bleiben.
Es entspricht ganz der verbohrten Weltfremdheit unserer deutschen Intelligenz, zu glauben, daß
zwangsläufig der Schriftsteller dem Redner an Geist überlegen sein müsse. Diese Auffassung wird in
köstlichster Weise durch eine Kritik der schon einmal erwähnten nationalen Zeitung illustriert, in
welcher festgestellt wird, daß man so oft enttäuscht sei, die Rede eines anerkannt großen Redners
plötzlich im Druck zu sehen. Mich erinnert das an eine andere Kritik, die ich im Laufe des Krieges unter
die Hände bekam; sie nahm die Reden Lloyd Georges, der damals noch Munitionsminister war,
peinlichst unter die Lupe, um zur geistreichen Feststellung zu kommen, daß es sich bei diesen Reden um
geistig und wissenschaftlich minderwertige, im übrigen banale und selbstverständliche Produkte handle.
Ich bekam dann in Gestalt eines kleinen Bändleins einige dieser Reden selbst in die Hand und mußte
hellauf darüber lachen, daß für diese psychologischen Meisterstücke seelischer Massenbeeinflussung ein
normaler deutscher Tintenritter kein Verständnis besaß. Dieser Mann beurteilte diese Reden eben
ausschließlich nach dem Eindruck, den sie auf seine eigene Blasiertheit hinterließen, während der große
englische Demagoge sich einzig darauf eingestellt hatte, auf die Masse seiner Zuhörer und im weitesten
Sinne auf das gesamte untere englische Volk eine möglichst große Wirkung auszuüben. Von diesem
Standpunkt aus betrachtet, waren die Reden dieses Engländers aber wunderbarste Leistungen, da sie von
einer geradezu staunenswerten Kenntnis der Seele der breiten Volksschichten zeugten. Ihre Wirkung ist
denn auch eine wahrhaft durchschlagende gewesen.
Man vergleiche damit das hilflose Gestammel eines Bethmann Hollweg. Scheinbar waren diese Reden
freilich geistreicher, in Wirklichkeit aber zeigten sie nur die Unfähigkeit dieses Mannes, zu seinem
Volke zu sprechen, das er eben nicht kannte. Trotzdem bringt es das durchschnittliche Spatzenhirn einer
deutschen, wissenschaftlich natürlich höchst gebildeten Schreiberseele fertig, die Geistigkeit des
englischen Ministers nach dem Eindruck abzu-
{534 Bethmann und Lloyd George als Redner}
schätzen, den eine auf Massenwirkung abzielende Rede auf sein vor lauter Wissenschaft verkalktes
Innere hinterläßt und in Vergleich zu bringen zu der eines deutschen Staatsmannes, dessen geistreiches
Geschwätz bei ihm natürlich auf einen empfänglicheren Boden trifft. Daß Lloyd George an Genialität
einem Bethmann Hollweg nicht nur ebenbürtig, sondern tausendmal überlegen war, bewies er eben
dadurch, daß er in seinen Reden jene Form und jenen Ausdruck fand, die ihm das Herz seines Volkes
öffneten und dieses Volk endlich restlos seinem Willen dienen ließen. Gerade in der Primitivität dieser
Sache, der Ursprünglichkeit ihrer Ausdrucksformen und der Anwendung leicht verständlicher,
einfachster Beispiele liegt der Beweis für die überragende politische Fähigkeit dieses Engländers. Denn
die Rede eines Staatsmannes zu seinem Volk habe ich nicht zu messen nach dem Eindruck, den sie bei
einem Universitätsprofessor hinterläßt, sondern an der Wirkung, die sie auf das Volk ausübt. Und dies
allein gibt auch den Maßstab für die Genialität des Redners.
Die staunenswerte Entwicklung unserer Bewegung, die erst vor wenigen Jahren aus einem Nichts heraus
gegründet wurde und heute schon für wert gehalten wird, von allen inneren und äußeren Feinden unseres
Volkes auf das schärfste verfolgt zu werden, ist der steten Berücksichtigung und Anwendung dieser
Erkenntnisse zuzuschreiben.
So wichtig auch das Schrifttum der Bewegung sein mag, so wird es doch in unserer heutigen Lage
größere Bedeutung für die gleiche und einheitliche Erziehung der oberen und unteren Führer haben als
für die Gewinnung gegnerisch eingestellter Massen. Nur in den seltensten Fällen wird ein überzeugter
Sozialdemokrat oder ein fanatischer Kommunist sich herbeilassen, eine nationalsozialistische Broschüre
oder gar ein Buch zu erwerben, dieses zu lesen und
{535 Notwendigkeit der Massenversammlung}
daraus einen Einblick in unsere Weltauffassung zu gewinnen oder die Kritik der seinen zu studieren.
Selbst eine Zeitung wird nur ganz selten gelesen werden, wenn sie nicht von vornherein den Stempel der
Parteizugehörigkeit trägt. Übrigens würde dies auch wenig nutzen, denn das Gesamtbild einer einzigen
Zeitungsnummer ist ein so zerrissenes und in seiner Wirkung so zersplittertes, daß man von einmaliger
Kenntnisnahme keinen Einfluß auf den Leser erwarten dürfte. Man darf und soll aber niemandem, für
den schon Pfennige eine Rolle spielen, zumuten, daß er, nur aus dem Drang nach objektiver Aufklärung,
dauernd eine gegnerische Zeitung abonniert. Es wird dies unter Zehntausenden kaum einer tun. Erst wer
der Bewegung bereits gewonnen ist, wird das Organ der Partei, und zwar als laufenden
Nachrichtendienst seiner Bewegung, dauernd lesen.
Ganz anders ist es schon mit dem "geredeten" Flugblatt! Das wird der eine oder andere, besonders wenn
er es unentgeltlich bekommt, viel eher in die Hand nehmen, um so mehr, wenn schon in der Überschrift
ein Thema, das augenblicklich in aller Leute Mund ist, plastisch behandelt ist. Nach mehr oder weniger
gründlicher Durchsicht wird er vielleicht durch ein solches Flugblatt auf neue Gesichtspunkte und
Einstellungen, ja auch auf eine neue Bewegung aufmerksam gemacht werden können. Allein auch
dadurch wird, selbst im günstigsten Fall, nur ein leiser Anstoß gegeben, niemals jedoch eine vollendete
Tatsache geschaffen. Denn auch das Flugblatt kann nur zu etwas anregen oder auf etwas hinweisen, und
seine Wirkung wird nur eintreten in Verbindung mit einer nachfolgenden gründlichen Belehrung und
Aufklärung seiner Leser. Diese ist und bleibt aber immer die Massenversammlung.
Die Massenversammlung ist auch schon deshalb notwendig, weil in ihr der einzelne, der sich zunächst
als werdender Anhänger einer jungen Bewegung vereinsamt fühlt und leicht der Angst verfällt, allein zu
sein, zum erstenmal das Bild einer
{536 Notwendigkeit der Massenversammlung}
größeren Gemeinschaft erhält, was bei den meisten Menschen kräftigend und ermutigend wirkt. Der
gleiche Mann wird im Rahmen einer Kompanie oder eines Bataillons, umgeben von allen seinen
Kameraden, leichteren Herzens zum Sturm antreten, als er dies, ganz auf sich allein angewiesen, täte. Im
Rudel fühlt er sich immer noch etwas geborgen, und wenn auch in der Wirklichkeit tausend Gründe
dagegen sprächen.
Die Gemeinsamkeit der großen Kundgebung aber stärkt nicht nur den einzelnen, sondern sie verbindet
auch und hilft mit, Korpsgeist zu erzeugen. Der Mann, der als erster Vertreter einer neuen Lehre in
seinem Unternehmen oder in seiner Werkstätte schweren Bedrängnissen ausgesetzt ist, bedarf
notwendig jener Stärkung, die in der Überzeugung liegt, ein Glied und Kämpfer einer großen
umfassenden Körperschaft zu sein. Den Eindruck dieser Körperschaft erhält er jedoch erstmalig nur in
der gemeinsamen Massenkundgebung. Wenn er aus seiner kleinen Arbeitsstätte oder aus dem großen
Betrieb, in dem er sich recht klein fühlt, zum ersten Male in die Massenversammlung hineintritt und nun
Tausende und Tausende von Menschen gleicher Gesinnung um sich hat, wenn er als Suchender in die
gewaltige Wirkung des suggestiven Rausches und der Begeisterung von drei- bis viertausend anderen
mitgerissen wird, wenn der sichtbare Erfolg und die Zustimmung von Tausenden ihm die Richtigkeit der
neuen Lehre bestätigen und zum erstenmal den Zweifel an der Wahrheit seiner bisherigen Überzeugung
erwecken — dann unterliegt er selbst dem zauberhaften Einfluß dessen, was wir mit dem Wort
Massensuggestion bezeichnen. Das Wollen, die Sehnsucht, aber auch die Kraft von Tausenden
akkumuliert sich in jedem einzelnen. Der Mann, der zweifelnd und schwankend eine solche
Versammlung betritt, verläßt sie innerlich gefestigt: er ist zum Glied einer Gemeinschaft geworden.
Die nationalsozialistische Bewegung darf das nie vergessen und sie darf sich insbesondere nie von jenen
bürgerlichen Gimpeln beeinflussen lassen, die alles besser wissen, aber nichtsdestoweniger einen großen
Staat samt ihrer
{537 Notwendigkeit der Massenversammlung}
eigenen Existenz und der Herrschaft ihrer Klasse verspielt haben. Ja, sie sind ungeheuer gescheit,
können alles, verstehen jedes — nur eines allein haben sie nicht verstanden, nämlich zu verhindern, daß
das deutsche Volk in die Arme des Marxismus falle. Da haben sie erbärmlichst und jämmerlichst
versagt, so daß ihre jetzige Eingebildetheit nur Dünkel ist, der als Stolz bekanntlich immer neben der
Dummheit an einem Holz gedeiht.
Wenn diese Menschen heute dem gesprochenen Wort keinen besonderen Wert zubilligen, tun sie dies
übrigens nur, weil sie von der Wirkungslosigkeit ihrer eigenen Redereien sich, Gott sei Lob und Dank,
schon selbst gründlichst überzeugt haben.
{538}
7. Kapitel:
Das Ringen mit der roten Front
Ich habe 1919/20 und auch 1921 persönlich sogenannte bürgerliche Versammlungen besucht. Sie übten
auf mich immer denselben Eindruck aus wie in meiner Jugend der befohlene Löffel Lebertran. Man soll
ihn nehmen, und er soll sehr gut sein, aber er schmeckt scheußlich! Würde man das deutsche Volk mit
Stricken zusammenbinden und es mit Gewalt in diese bürgerlichen "Kundgebungen" hineinziehenund
bis nach Schluß jeder Vorstellung die Türen absperren und keinen herauslassen, so könnte das vielleicht
in einigen Jahrhunderten auch zum Erfolge führen. Allerdings muß ich offen gestehen, daß mich dann
wahrscheinlich das Leben nicht mehr freuen würde und ich dann lieber auch gar kein Deutscher mehr
sein wollte. Nachdem man aber das, Gott sei Lob und Dank, nicht kann, soll man sich nur nicht
wundern, wenn das gesunde unverdorbene Volk "bürgerliche Massenversammlungen" meidet wie der
Teufel das Weihwasser.
Ich habe sie kennengelernt, diese Propheten einer bürgerlichen Weltanschauung, und wundere mich
wirklich nicht, sondern verstehe, warum sie dem gesprochenen Wort keinerlei Bedeutung beimessen.
Ich besuchte damals Versammlungen der Demokraten der Deutschnationalen, der Deutsch-
Volksparteiler und auch der Bayerischen Volksparteiler (bayer. Zentrum). Was einem dabei sofort
auffiel, war die homogene Geschlossenheit der Zuhörer. Es waren fast immer nur Parteiangehörige, die
an einer solchen Kundgebung teilnahmen. Das Ganze, ohne jede Disziplin, glich mehr einem gähnenden
Kartenspielklub als einer Versammlung des Volkes, das soeben seine größte Revolution durchgemacht.
{539 Bürgerliche "Massenversammlungen"}
Um diese friedliche Stimmung zu erhalten, geschah denn auch von seiten der Referenten alles, was nur
geschehen konnte. Sie redeten, oder besser, sie lasen meist Reden vor im Stil eines geistreichen
Zeitungsartikels oder einer wissenschaftlichen Abhandlung, mieden alle Kraftwörter und brachten bis
und da einen schwächlichen professoralen Witz dazwischen, bei dem der ehrenwerte Vorstandstisch
pflichtgemäß zu lachen begann; wenn auch nicht laut, also aufreizend zu lachen, so doch vornehm
gedämpft und zurückhaltend.
Und überhaupt schon dieser Vorstandstisch!Ich sah einmal eine Versammlung im Wagnersaal zu
München; es war eine Kundgebung anläßlich der Wiederkehr des Tages der Völkerschlacht bei Leipzig.
Die Rede hielt oder las ein würdiger alter Herr, Professor an irgendeiner Universität. Auf dem Podium
saß der Vorstand. Links ein Monokel, rechts ein Monokel und zwischendrin einer ohne Monokel. Alle
drei im Gehrock, so daß man den Eindruck erhielt entweder eines Gerichtshofes, der soeben eine
Hinrichtung vorhat, oder einer feierlichen Kindstaufe, jedenfalls also eines mehr religiösen Weiheaktes.
Die sogenannte Rede, die sich gedruckt vielleicht ganz schön ausgenommen hätte, war in ihrer Wirkung
einfach fürchterlich. Schon nach dreiviertel Stunden döste die ganze Versammlung in einem
Trancezustand dahin, der nur unterbrochen wurde von dem Hinausgehen einzelner Männlein und
Weiblein, dem Geklapper der Kellnerinnen und dem Gähnen immer zahlreicherer Zuhörer. Drei
Arbeiter, die, sei es aus Neugierde oder als beauftragte Posten, in der Versammlung anwesend waren,
und hinter denen ich mich postierte, blickten sich von Zeit zu Zeit mit schlecht verhehltem Grinsen an
und stießen sich endlich gegenseitig mit dem Ellbogen, worauf sie ganz leise den Saal verließen. Man
sah es ihnen an, daß sie um keinen Preis stören wollten. Es war dies bei dieser Gesellschaft auch
wirklich nicht notwendig. Endlich schien sich die Versammlung dem Ende zuzuneigen. Nachdem der
Professor, dessen Stimme unterdessen immer leiser und leiser geworden war, seinen Vortrag
beschlossen hatte, erhob sich der zwischen beiden Monokel-
{540 Bürgerliche "Massenversammlungen"}
trägern sitzende Versammlungsleiter und schmetterte die anwesenden "deutschen Schwestern" und
"Brüder" an, wie groß sein Dankgefühl sei und ihre Empfindung in dieser Richtung sein müsse für den
einzigartigen und herrlichen Vortrag, den ihnen Herr Professor X. in ebenso genußreicher wie
gründlicher und tiefschürfender Art hier gegeben habe, und der im wahrsten Sinne des Wortes ein
"inneres Erleben", ja eine "Tat" gewesen sei. Es würde eine Profanierung dieser weihevollen Stunde
bedeuten, wollte man an diese lichten Ausführungen noch eine Diskussion anfügen, so daß er deshalb
im Sinne aller Anwesenden von einer solchen Aussprache absehe und statt dessen alle ersuche, sich von
den Sitzen zu erheben, um einzustimmen in den Ruf: "Wir sind ein einig Volk von Brüdern" usw.
Endlich forderte er als Abschluß zum Gesange des Deutschlandliedes auf.
Und dann sangen sie, und mir kam es vor, als ob schon bei der zweiten Strophe die Stimmen etwas
weniger würden und nur beim Refrain wieder mächtig anschwollen, und bei der dritten verstärkte sich
diese Empfindung, so daß ich glaubte, daß nicht alle ganz sicher im Text gewesen sein mögen.
Allein was tut dies zur Sache, wenn ein solches Lied in voller Inbrunst aus dem Herzen einer
deutschnationalen Seele zum Himmel tönt!Daraufhin verlor sich die Versammlung, d. h. es eilte jeder,
daß er schnell hinauskam, die einen zum Bier, die anderen in ein Café und wieder andere in die frische
Luft.
Jawohl, hinaus in die frische Luft, nur hinaus! Das war auch meine einzige Empfindung. Und das soll
zur Verherrlichung eines heldenmütigen Ringens von Hunderttausenden von Preußen und Deutschen
dienen? Pfui Teufel und wieder Pfui Teufel!So etwas mag die Regierung freilich lieben. Das ist
natürlich eine "friedliche" Versammlung. Da braucht der Minister für Ruhe und Ordnung wirklich keine
Angst zu haben, daß die Wogen der Begeisterung plötzlich das behördliche Maß bürgerlicher
Anständigkeit sprengen könnten; daß plötzlich im Rausche der Begeisterung die Menschen aus
{541 Nationalsozialistische Massenversammlungen}
dem Saale strömen, nicht um ins Café oder Wirtshaus zu eilen, sondern um in Viererreihen in gleichem
Schritt und Tritt mit "Deutschland hoch in Ehren" durch die Straßen der Stadt zu marschieren und einer
ruhebedürftigen Polizei dadurch Unannehmlichkeiten zu bereiten.
Nein, mit solchen Staatsbürgern kann man zufrieden sein.
×
Dagegen waren die nationalsozialistischen Versammlungen allerdings keine "friedlichen"
Versammlungen. Da prallten ja die Wogen zweier Weltanschauungen gegeneinander, und sie schlossen
nicht mit dem faden Herunterleiern irgendeines patriotischen Liedes, sondern mit dem fanatischen
Ausbruch völkischer und nationaler Leidenschaft.
Es war gleich von Beginn an wichtig, in unseren Versammlungen blinde Disziplin einzuführen und die
Autorität der Versammlungsleitung unbedingt sicherzustellen. Denn was wir redeten, war nicht das
kraftlose Gewäsch eines bürgerlichen "Referenten", sondern war durch Inhalt und Form immer geeignet,
den Gegner zur Entgegnung zu reizen! Und Gegner waren in unseren Versammlungen! Wie oft kamen
sie herein in dicken Mengen, einzelne Hetzer zwischen ihnen und auf allen Gesichtern die Überzeugung
widerspiegelnd: Heute machen wir Schluß mit euch!Ja, wie oft sind sie damals buchstäblich in
Kolonnen hereingeführt worden, unsere Freunde von der roten Farbe, mit der vorher genau
eingetrichterten Aufgabe, heute abend den ganzen Kram auseinanderzuhauen und der Geschichte ein
Ende zu machen! Und wie oft stand dann alles auf Spitz und Knopf, und nur die rücksichtslose Energie
unserer Versammlungsleitung und das brutale Draufgängertum unseres Saalschutzes konnte immer
wieder die gegnerische Absicht vereiteln.
Und sie hatten allen Grund, gereizt zu sein.
Schon die rote Farbe unserer Plakate zog sie in unsere Versammlungssäle. Das normale Bürgertum war
ja ganz
{542 Die verdächtig roten Plakate}
entsetzt darüber, daß auch wir zum Rot der Bolschewiken gegriffen hatten, und man sah darin eine sehr
zweideutige Sache. Die deutschnationalen Geister flüsterten sich im stillen immer wieder den Verdacht
zu, daß wir im Grunde genommen auch nur eine Spielart des Marxismus wären, vielleicht überhaupt nur
verkappte Marxisten oder besser Sozialisten. Denn den Unterschied zwischen Sozialismus und
Marxismus haben diese Köpfe bis heute noch nicht begriffen. Besonders als man auch noch entdeckte,
daß wir in unseren Versammlungen grundsätzlich keine "Damen und Herren", sondern nur
"Volksgenossen und -genossinnen" begrüßten und unter uns nur von Parteigenossen sprachen, da schien
das marxistische Gespenst für viele unserer Gegner erwiesen. Wie oft haben wir uns geschüttelt vor
Lachen über diese einfältigen bürgerlichen Angsthasen angesichts des geistvollen Rätselratens über
unsere Herkunft, unsere Absichten und unser Ziel.
Wir haben die rote Farbe unserer Plakate nach genauem und gründlichem Überlegen gewählt, um
dadurch die linke Seite zu reizen, zur Empörung zu bringen und sie zu verleiten, in unsere
Versammlungen zu kommen, wenn auch nur, um sie zu sprengen, damit wir auf diese Weise überhaupt
mit den Leuten reden konnten.
Es war nun köstlich, in diesen Jahren die Ratlosigkeit und auch Hilflosigkeit unserer Gegner an ihrer
ewig schwankenden Taktik zu verfolgen. Erst forderten sie ihre Anhänger auf, von uns keine Notiz zu
nehmen und unsere Versammlungen zu meiden.
Dies wurde auch im allgemeinen befolgt.
Da aber im Laufe der Zeit einzelne dennoch kamen und diese Zahl sich langsam, aber immer mehr
vermehrte und der Eindruck unserer Lehre ersichtlich war, wurden die Führer allmählich nervös und
unruhig und verbohrten sich in die Überzeugung, daß man dieser Entwicklung nicht ewig zusehen dürfe,
sondern mit Terror ein Ende bereiten müsse.
Daraufhin kamen nun die Aufforderungen an die "klassenbewußten Proletarier", in Massen in unsere
Versammlungen zu gehen, um die "monarchistische, reaktionäre
{543 Schwankende Taktik der Marxisten}
Hetze" in ihren Vertretern mit den Fäusten des Proletariats zu treffen.
Da waren auf einmal unsere Versammlungen schon drei viertel Stunden vor der Zeit gefüllt mit
Arbeitern. Sie glichen einem Pulverfaß, das jeden Augenblick in die Luft gehen konnte und an dem
schon die brennende Lunte lag. Doch kam es immer anders. Die Menschen kamen herein als unsere
Feinde und gingen hinaus, wenn schon nicht als unsere Anhänger, so doch als nachdenklich, ja kritisch
gewordene Prüfer der Richtigkeit ihrer eigenen Lehre. Allmählich aber wurde es so, daß nach meinem
dreistündigen Vortrag Anhänger und Gegner in eine einzige begeisterte Masse zusammenschmolzen. Da
war dann jedes Signal zum Sprengen vergeblich. Und da bekamen es die Führer erst recht mit der Angst
zu tun, und man wendete sich wieder denen zu, die gegen diese Taktik schon früher Stellung genommen
hatten und die jetzt mit einem gewissen Schein von Recht auf ihre Ansicht hinwiesen, das allein
Richtige sei es, dem Arbeiter grundsätzlich den Besuch unserer Versammlungen zu verbieten.
Da kamen sie nicht mehr oder doch weniger. Allein schon nach kurzer Zeit begann das ganze Spiel
erneut von vorne.
Das Verbot wurde doch nicht gehalten, die Genossen kamen immer mehr, und endlich siegten wieder
die Anhänger der radikalen Taktik. Wir sollten gesprengt werden.
Wenn sich dann nach zwei, drei, oft auch acht und zehn Versammlungen herausstellte, daß das Sprengen
leichter gesagt als getan war und das Ergebnis jeder einzelnen Versammlung ein Abbröckeln der roten
Kampftruppen bedeutete, dann kam plötzlich wieder die andere Parole: "Proletarier, Genossen und
Genossinnen! Meidet die Versammlungen der nationalsozialistischen Hetzer!"Die gleiche, ewig
schwankende Taktik fand man übrigens auch in der roten Presse. Bald versuchte man uns
totzuschweigen, um sich dann von der Zwecklosigkeit dieses Versuchs zu überzeugen und wieder zum
Gegenteil zu greifen. Wir wurden jeden Tag irgendwie "erwähnt", und zwar meistens, um dem Arbeiter
die unbedingte Lächerlichkeit
{544 Die Gegner machen uns bekannt}
unserer ganzen Existenz klarzumachen. Nach einiger Zeit mußten die Herren aber doch fühlen, daß uns
das nicht nur nicht schadete, sondern im Gegenteil insofern nützte, als natürlich viele einzelne sich doch
die Frage vorlegen mußten, warum man denn einer Erscheinung soviel Worte widme, wenn sie eine so
lächerliche war. Die Leute wurden neugierig. Darauf schwenkte man plötzlich und begann, uns eine
Zeitlang als wahre Generalverbrecher der Menschheit zu behandeln. Artikel über Artikel, in denen unser
Verbrechertum erläutert und immer wieder aufs neue bewiesen wurde, Skandalgeschichten, wenn auch
von A bis Z aus den Fingern gesogen, sollten dann noch ein übriges tun. Allein von der
Wirkungslosigkeit auch dieser Angriffe schien man sich nach kurzer Zeit überzeugt zu haben; im
Grunde genommen half dies alles ja nur mit, die allgemeine Aufmerksamkeit erst recht auf uns zu
konzentrieren.
Ich habe damals den Standpunkt eingenommen: Ganz gleich, oh sie über uns lachen oder schimpfen, ob
sie uns als Hanswurste oder als Verbrecher hinstellen; die Hauptsache ist, daß sie uns erwähnen, daß sie
sich immer wieder mit uns beschäftigen, und daß wir allmählich in den Augen der Arbeiter selber
wirklich als die Macht erscheinen, mit der zur Zeit allein noch eine Auseinandersetzung stattfindet. Was
wir wirklich sind und was wir wirklich wollen, das werden wir eines schönen Tages der jüdischen
Pressemeute schon zeigen.
Ein Grund, warum es damals meist nicht zu direkten Sprengungen unserer Versammlungen kam, war
allerdings auch die ganz unglaubliche Feigheit der Führer unserer Gegner. In allen kritischen Fällen
haben sie kleine Hänschen vorgeschickt, höchstens außerhalb der Säle auf das Resultat der Sprengung
gewartet.
Wir waren über die Absichten der Herrschaften fast immer sehr gut unterrichtet. Nicht nur, weil wir aus
Zweckmäßigkeitsgründen selbst viele Parteigenossen innerhalb der roten Formationen stecken ließen,
sondern weil die roten Drahtzieher selbst von einer, in diesem Falle uns sehr nützlichen Geschwätzigkeit
ergriffen waren, wie man sie in un-
{545 Rechtswidrige Polizeipraxis}
serem deutschen Volke leider überhaupt sehr häufig findet. Sie konnten nicht dichthalten, wenn sie so
etwas ausgebrütet hatten, und zwar pflegten sie meistens schon zu gackern, ehe noch das Ei gelegt war.
So hatten wir oft und oft die umfassendsten Vorbereitungen getroffen, ohne daß die roten
Sprengkommandos selbst auch nur eine Ahnung besaßen, wie nahe ihnen der Hinauswurf bevorstand.
Diese Zeit zwang uns, den Schutz unserer Versammlungen selbst in die Hand zu nehmen; auf den
behördlichen Schutz kann man nie rechnen; im Gegenteil, er kommt erfahrungsgemäß immer nur den
Störern zugute. Denn der einzige tatsächliche Erfolg eines behördlichen Eingreifens, und zwar durch
Polizei, war höchstens die Auflösung der Versammlung, also ihre Schließung. Und das war ja auch
einzig das Ziel und die Absicht der gegnerischen Störer.
Überhaupt hat sich hier bei der Polizei eine Praxis herausgebildet, die das Ungeheuerlichste an
Rechtswidrigkeit darstellt, das man sich vorstellen kann. Wenn nämlich durch irgendwelche Drohungen
der Behörde bekannt wird, daß die Gefahr einer Versammlungssprengung besteht, dann verhaftet diese
nicht die Droher, sondern verbietet den anderen, Unschuldigen, die Versammlung, auf welche Weisheit
sich ein normaler Polizeigeist noch kolossal viel einbildet. Sie nennen es eine "vorbeugende Maßnahme
zur Verhinderung einer Gesetzwidrigkeit".
Der entschlossene Bandit hat es also jederzeit in der Hand, dem anständigen Menschen seine politische
Tätigkeit und Betätigung unmöglich zu machen. Im Namen der Ruhe und Ordnung beugt sich die
Staatsautorität vor dem Banditen und ersucht den anderen, diesen gefälligst nicht zu provozieren. Wenn
also Nationalsozialisten an gewissen Stellen Versammlungen abhalten wollten und die Gewerkschaften
erklärten, daß dies zu einem Widerstand seitens ihrer Mitglieder führen würde, dann setzte die Polizei
beileibe nicht die erpresserischen Burschen hinter Schloß und Riegel, sondern verbot uns die
Versammlung. Ja, diese Organe des Gesetzes besaßen sogar die unglaubliche Schamlosigkeit, uns dies
unzählige Male schriftlich mitzuteilen.
{546 Psychologisch richtige Versammlungsleitung}
Wollte man sich vor solchen Eventualitäten schützen, mußte man also dafür sorgen, daß jeder Versuch
einer Störung schon im Keim unmöglich wurde.
Hierbei kam aber noch folgendes in Betracht: Jede Versammlung, die ihren Schutz ausschließlich durch
die Polizei erhält, diskreditiert die Veranstalter in den Augen der breiten Masse. Versammlungen, deren
Abhaltung nur durch die Abstellung eines großen Polizeiaufgebotes garantiert werden, wirken nicht
werbend, insofern die Voraussetzung zum Gewinnen der unteren Schichten eines Volkes immer eine
ersichtlich vorhandene Kraft ist.
So wie ein mutiger Mann Frauenherzen leichter erobern wird als ein Feigling, so gewinnt eine
heldenhafte Bewegung auch eher das Herz eines Volkes als eine feige, die nur durch polizeilichen
Schutz am Leben erhalten wird.
Besonders aus diesem letzteren Grunde mußte die junge Partei dafür sorgen, ihre Existenz selbst zu
vertreten, sich selbst zu schützen und den gegnerischen Terror selbst zu brechen.
Der Versammlungsschutz wurde aufgebaut: 1. auf einer energischen und psychologisch richtigen
Leitung der Versammlung;2. auf einem organisierten Ordnertrupp.
Wenn wir Nationalsozialisten damals eine Versammlung abhielten, waren wir Herren derselben und
nicht ein anderer. Und wir haben dieses Herrenrecht ununterbrochen in jeder Minute schärfstens betont.
Unsere Gegner wußten ganz genau, daß, wer damals provozierte, unnachsichtlich hinausflog, und wären
wir selbst nur ein Dutzend gewesen unter einem halben Tausend. In den damaligen Versammlungen,
besonders außerhalb Münchens, trafen auf fünfzehn, sechzehn Nationalsozialisten fünf-, sechs-, siebenund
achthundert Gegner. Allein wir hätten dennoch keine Provokation geduldet, und unsere
Versammlungsbesucher wußten sehr gut, daß wir uns lieber hätten totschlagen lassen, als zu
kapitulieren. Es war auch öfter als einmal, daß
{547 Marxistische Versammlungstechnik}
sich eine Handvoll Parteigenossen gegen eine brüllende und schlagende rote Übermacht heldenmütig
durchgesetzt hat.
Sicherlich wären in solchen Fällen diese fünfzehn oder zwanzig Mann zum Schlusse überwältigt
worden. Allein die anderen wußten, daß vorher mindestens der doppelten oder dreifachen Zahl von
ihnen der Schädel eingeschlagen worden wäre, und das riskierten sie nicht gerne.
Wir haben hier aus dem Studium marxistischer und bürgerlicher Versammlungstechnik zu lernen
versucht und haben auch gelernt.
Die Marxisten hatten von jeher eine blinde Disziplin, so daß der Gedanke der Sprengung einer
marxistischen Versammlung wenigstens von bürgerlicher Seite gar nicht kommen konnte. Um so mehr
beschäftigten sich immer die Roten selbst mit derlei Absichten. Sie hatten es allmählich nicht nur zu
einer bestimmten Virtuosität auf diesem Gebiet gebracht, sondern gingen endlich so weit, in großen
Gebieten des Reiches eine nichtmarxistische Versammlung an sich schon als Provokation des
Proletariats zu bezeichnen; besonders dann, wenn die Drahtzieher witterten, daß bei der Versammlung
ihr eigenes Sündenregister vielleicht aufgezählt werden könnte, um die Niedertracht ihrer
volksbelügenden und volksbetrügerischen Tätigkeit zu enthüllen. Sowie dann auch eine solche
Versammlung angekündigt wurde, erhob die gesamte rote Presse ein wütendes Geschrei, wobei sich
diese prinzipiellen Gesetzesverächter nicht selten als erste an die Behörden wandten mit der ebenso
dringenden als drohenden Bitte, diese "Provokation des Proletariats", "auf daß Ärgeres verhütet werde",
sofort zu verhindern. Je nach der Größe des beamteten Kalbskopfes wählten sie ihre Sprache und
erzielten ihren Erfolg. Befand sich aber auf einem solchen Posten ausnahmsweise wirklich ein deutscher
Beamter, nicht eine beamtete Kreatur, und lehnte die unverschämte Zumutung ab, dann folgte die
bekannte Aufforderung, eine solche "Provokation des Proletariats" nicht zu dulden, sondern sich am
Soundsovielten in Massen in der Versammlung einzufinden, um "den bürger-
{548 Bürgerliche Versammlungstechnik}
lichen Kreaturen mit Hilfe der schwieligen Faust des Proletariats das schandvolle Handwerk zu legen".
Nun muß man so eine bürgerliche Versammlung gesehen, muß ihre Versammlungsleitung in ihrem
ganzen Jammer und in ihrer Angst einmal miterlebt haben! Gar oft wurde ja auf solche Drohungen hin
eine Versammlung glatt abgesagt. Immer war aber die Furcht so groß, daß man statt um acht Uhr selten
vor drei Viertel neun Uhr oder neun Uhr zur Eröffnung kam. Der Vorsitzende bemühte sich dann durch
neunundneunzig Komplimente, den anwesenden "Herren der Opposition" klarzumachen, wie sehr er
und auch alle anderen Anwesenden sich innerlich freuten (glatte Lüge!) über den Besuch von Männern,
die noch nicht auf ihrem Boden stünden, weil ja nur durch gegenseitige Aussprache (die er damit gleich
von vornherein feierlichst zusagte) die Auffassungen einander nähergebracht, das gegenseitige
Verständnis geweckt und eine Brücke geschlagen werden könnte. Wobei er nebenbei noch versicherte,
daß es keineswegs die Absicht der Versammlung wäre, Leute ihrer bisherigen Auffassung etwa
abspenstig zu machen. Beileibe nein, es solle nur jeder nach seiner Fasson selig werden, aber auch den
anderen selig werden lassen, und darum bitte er, daß man den Referenten seine Ausführungen, die
ohnedies nicht sehr lang sein würden, zu Ende führen lasse und der Welt nicht auch in dieser
Versammlung das beschämende Schauspiel des inneren deutschen Bruderhasses biete.. Brrr.
Das Brudervolk von links hatte dafür allerdings meist kein Verständnis; sondern ehe der Referent noch
begonnen hatte, mußte er unter den wüstesten Beschimpfungen auch schon zusammenpacken, und man
erhielt nicht selten den Eindruck, als ob er dem Schicksal noch dankbar wäre für die schnelle Abkürzung
der martervollen Prozedur. Unter ungeheurem Spektakel verließen solche bürgerlichen
Versammlungstoreadore die Arena, sofern sie nicht mit zerbeulten Köpfen die Treppen hinunterflogen,
was sogar oft der Fall war.
So bedeutete es für die Marxisten allerdings etwas Neues,
{549 Nationalsozialistische Ordnertruppe}
als wir Nationalsozialisten unsere ersten Versammlungen aufzogen, und besonders wie wir sie aufzogen.
Sie kamen herein in der Überzeugung, das Spielchen, das sie so oft gespielt, selbstverständlich auch bei
uns wiederholen zu können. "Heute machen wir Schluß!" Wie so mancher hat nicht diesen Satz beim
Hereingehen in unsere Versammlung großmäulig einem anderen zugerufen, um blitzschnell, ehe er noch
zum zweiten Zwischenruf kam, schon vor dem Saaleingang zu sitzen.
Erstens war schon die Leitung der Versammlung bei uns eine andere. Es wurde nicht darum gebettelt,
unseren Vortrag gnädigst zu gestatten, auch nicht von vornherein jedem eine endlose Aussprache
zugesichert, sondern kurzerhand festgestellt, daß die Herren der Versammlung wir seien, daß wir
infolgedessen das Hausrecht besäßen, und daß jeder, der es wagen sollte, auch nur einen Zwischenruf zu
machen, unbarmherzig dort hinausflöge, von wo er hereingekommen sei. Daß wir weiter jede
Verantwortung für einen solchen Burschen ablehnen müßten; wenn Zeit bleibe und es uns paßte, so
würden wir eine Diskussion stattfinden lassen, wenn nicht, dann keine, und der Herr Referent, Pg.
Soundso, habe jetzt das Wort.
Schon darüber staunten sie.
Zweitens verfügten wir über einen straff organisierten Saalschutz. Bei den bürgerlichen Parteien pflegte
dieser Saalschutz oder besser Ordnerdienst meistens aus Herren zu bestehen, die in der Würde ihres
Alters ein gewisses Anrecht auf Autorität und Respekt zu besitzen glaubten. Da sich nun die marxistisch
verhetzten Massen um Alter, Autorität und Respekt nicht im geringsten kümmerten, war die Existenz
dieses bürgerlichen Saalschutzes praktisch sozusagen aufgehoben.
Ich habe gleich zu Beginn unserer großen Versammlungstätigkeit die Organisation eines Saalschutzes
eingeleitet als einen Ordnerdienst, der grundsätzlich lauter junge Burschen umfaßte. Es waren zum Teil
Kameraden, die ich vom Militärdienst her kannte, andere erst gewonnene junge Parteigenossen, die von
allem Anbeginn darüber belehrt
{550 Nationalsozialistische Ordnertruppe}
und daraufhin erzogen wurden, daß Terror nur durch Terror zu brechen sei, daß auf dieser Erde der
Mutige und Entschlossene noch stets den Erfolg für sich gehabt habe; daß wir für eine gewaltige Idee
fechten, so groß und erhaben, daß sie sehr wohl verdiene, mit dem letzten Tropfen Blut beschirmt und
beschützt zu werden. Sie waren durchdrungen von der Lehre, daß, wenn einmal die Vernunft schweige
und die Gewalt die letzte Entscheidung habe, die beste Waffe der Verteidigung im Angriff liege, und
daß unserer Ordnertruppe der Ruf schon vorangehen müsse, kein Debattierklub, sondern eine zum
äußersten entschlossene Kampfgemeinschaft zu sein.
Und wie hatte sich diese Jugend nicht nach einer solchen Parole gesehnt!Wie ist diese
Feldzugsgeneration enttäuscht und entrüstet gewesen, voll Ekel und Abscheu über die bürgerliche
Schlappschwänzigkeit!Da wurde es einem so recht klar, wie die Revolution wirklich nur dank der
verheerenden bürgerlichen Führung unseres Volkes möglich war. Die Fäuste, das deutsche Volk zu
beschützen, sie wären selbst damals noch dagewesen, nur die Schädel für den Einsatz hatten gefehlt.
Wie haben mich die Augen meiner Jungens damals oft angeleuchtet, wenn ich ihnen die Notwendigkeit
ihrer Mission auseinandersetzte, ihnen immer und immer wieder versicherte, daß alle Weisheit auf
dieser Erde erfolglos bleibt, wenn nicht die Kraft in ihre Dienste tritt, sie beschirmt und schützt, daß die
milde Göttin des Friedens nur an der Seite des Kriegsgottes wandeln kann, und daß jegliche große Tat
dieses Friedens des Schutzes und der Hilfe der Kraft bedarf! Wie ist ihnen der Gedanke der Wehrpflicht
nun in einer viel lebendigeren Form aufgegangen! Nicht in dem verkalkten Sinn alter, verknöcherter
Beamtenseelen, im Dienste der toten Autorität eines toten Staates, sondern in der lebendigen Erkenntnis
der Pflicht, durch Hingabe des Lebens des einzelnen für das Dasein seines Volkes im gesamten
einzutreten, immer und jederzeit, an jeder Stelle und an jedem Orte.
Und wie sind diese Jungen dann eingetreten!
{551 Bedeutung des einheitlichen Systems}
Gleich einem Schwarm von Hornissen flogen sie auf die Störer unserer Versammlungen los, ohne
Rücksicht auf deren Übermacht, und mochte sie eine noch so große sein, ohne Rücksicht auf Wunden
und blutige Opfer, ganz erfüllt von dem großen Gedanken, der heiligen Mission unserer Bewegung freie
Bahn zu schaffen.
Schon im Hochsommer 1920 nahm die Organisation der Ordnertruppe allmählich bestimmte Formen an,
um sich im Frühjahr 1921 nach und nach in Hundertschaften zu gliedern, die sich selbst wieder in
Gruppen teilten.
Und dies war dringend notwendig, denn unterdessen war die Versammlungstätigkeit dauernd gestiegen.
Wohl kamen wir auch jetzt noch oft im Münchener Hofbräuhausfestsaal zusammen, allein noch öfter in
den größeren Sälen der Stadt. Der Bürgerbräufestsaal und der Münchner-Kindl-Keller erlebten im
Herbst und Winter 1920/21 immer gewaltigere Massenversammlungen, und das Bild war immer
dasselbe: Kundgebungen der NSDAP. mußten schon damals meist vor Beginn wegen Überfüllung
polizeilich gesperrt werden.
×
Die Organisation unserer Ordnertruppe brachte eine sehr wichtige Frage zur Klärung. Die Bewegung
besaß bis dorthin kein Parteizeichen und auch keine Parteiflagge. Das Fehlen solcher Symbole hatte
nicht nur augenblicklich Nachteile, sondern war für die Zukunft unerträglich. Die Nachteile bestanden
vor allem darin, daß den Parteigenossen jedes äußere Kennzeichen ihrer Zusammengehörigkeit fehlte,
während es für die Zukunft nicht zu ertragen war, eines Zeichens entbehren zu müssen, das den
Charakter eines Symbols der Bewegung besaß und als solches der Internationale entgegengesetzt
werden konnte.
Welche Bedeutung aber einem solchen Symbol psychologisch zukommt, hatte ich schon in meiner
Jugend öfter als einmal Gelegenheit zu erkennen und auch gefühlsmäßig zu
{552 Altes und neues Schwarz-Rot-Gold}
verstehen. Nach dem Krieg erlebte ich dann in Berlin eine Massenkundgebung des Marxismus vor dem
Kgl. Schloß und Lustgarten. Ein Meer von roten Fahnen, roten Binden und roten Blumen gab dieser
Kundgebung, an der schätzungsweise hundertzwanzigtausend Personen teilnahmen, ein schon rein
äußerlich gewaltiges Ansehen. Ich konnte selbst fühlen und verstehen, wie leicht der Mann aus dem
Volke dem suggestiven Zauber eines solchen grandios wirkenden Schauspiels unterliegt.
Das Bürgertum, das parteipolitisch überhaupt keine Weltanschauung vorstellt oder vertritt, hatte darum
auch keine eigene Fahne. Es bestand aus "Patrioten" und lief demnach in den Farben des Reiches herum.
Wären diese selbst das Symbol einer bestimmten Weltanschauung gewesen, dann hätte man es verstehen
können, daß die Inhaber des Staates in dessen Flagge auch die Repräsentantin ihrer Weltanschauung
erblickten, da ja das Symbol ihrer Weltanschauung durch ihre eigene Tätigkeit Staats- und Reichsflagge
geworden war.
So verhielten sich die Dinge aber nicht.
Das Reich war ohne Zutun des deutschen Bürgertums gezimmert und die Flagge selbst aus dem Schoße
des Krieges geboren worden. Somit war sie aber wirklich nur eine Staatsflagge und besaß keinerlei
Bedeutung im Sinne einer besonderen weltanschaulichen Mission.
Nur an einer Stelle des deutschen Sprachgebietes war so etwas wie eine bürgerliche Parteifahne
vorhanden, in Deutschösterreich. Indem ein Teil des dortigen nationalen Bürgertums die Farben der
achtundvierziger Jahre, Schwarz-Rot-Gold, zu seiner Parteifahne erkoren hatte, schuf es ein Symbol,
das, wenn auch weltanschaulich ohne jede Bedeutung, staatspolitisch dennoch revolutionären Charakter
trug. Die schärfsten Feinde dieser Fahne Schwarz-Rot-Gold waren damals — dies soll man heute nie
vergessen — Sozialdemokraten und Christlich-Soziale bzw. Klerikale. Gerade sie haben damals diese
Farben beschimpft und besudelt und beschmutzt, genau so wie sie spä-
{553 Alte und neue Reichsflagge}
ter, 1918, Schwarz-Weiß-Rot in die Gosse zogen. Allerdings war das Schwarz-Rot-Gold der deutschen
Parteien des alten Österreichs die Farbe des Jahres 48, also einer Zeit, die phantastisch gewesen sein
mochte, allein im einzelnen die ehrlichsten deutschen Seelen als Vertreter besaß, wenn auch unsichtbar
im Hintergrunde der Jude als Drahtzieher stand. Mithin haben erst der Vaterlandsverrat und die
schamlose Verschacherung von deutschem Volke und deutschem Gute die Fahne dem Marxismus und
dem Zentrum so sympathisch gemacht, daß sie sie heute als höchstes Heiligtum verehren und eigene
Banner zum Schutze der von ihnen einst bespienen Flagge gründen.
So stand bis zum Jahre 1920 tatsächlich dem Marxismus keine Fahne gegenüber, die weltanschaulich
den polaren Gegensatz zu ihm verkörpert hätte. Denn wenn sich auch das deutsche Bürgertum in seinen
besseren Parteien nach dem Jahre 1918 nicht mehr dazu bequemen wollte, die jetzt auf einmal entdeckte
schwarzrotgoldene Reichsflagge als sein eigenes Symbol zu übernehmen, so hatte man selbst doch der
neuen Entwicklung kein eigenes Programm für die Zukunft entgegenzusetzen, im besten Fall den
Gedanken einer Rekonstruktion des vergangenen Reiches.
Und diesem Gedanken verdankt die schwarzweißrote Fahne des alten Reiches ihre Wiederauferstehung
als Flagge unserer sogenannten nationalen bürgerlichen Parteien.
Daß nun das Symbol eines Zustandes, der vom Marxismus unter wenig rühmlichen Umständen und
Begleiterscheinungen überwunden werden konnte, schlecht zum Zeichen taugt, unter welchem dieser
gleiche Marxismus wieder vernichtet werden soll, liegt auf der Hand. So heilig und teuer diese alten
einzigschönen Farben in ihrer jugendfrischen Zusammenstellung jedem anständigen Deutschen sein
müssen, der unter ihnen gekämpft und das Opfer von so vielen gesehen hat, so wenig gilt diese
{554 Alte und neue Reichsflagge}
Fahne als Symbol für einen Kampf der Zukunft.
Ich habe immer, zum Unterschied von bürgerlichen Politikern, in unserer Bewegung den Standpunkt
vertreten, daß es für die deutsche Nation ein wahres Glück sei, die alte Fahne verloren zu haben. Was
die Republik unter ihrer Flagge macht, kann uns gleichbleiben. Aus tiefstem Herzen aber sollten wir
dem Schicksal danken, daß es gnädig genug die ruhmvollste Kriegsflagge aller Zeiten davor bewahrt
hat, als Bettuch der schmachvollsten Prostitution verwendet zu werden. Das heutige Reich, das sich und
seine Bürger verkauft, dürfte niemals die schwarzweißrote Ehren- und Heldenfahne führen.
Solange die Novemberschande währt, mag sie auch ihre äußere Hülle tragen und nicht auch diese noch
einer redlicheren Vergangenheit zu stehlen versuchen. Unsere bürgerlichen Politiker sollten es sich in
das Gewissen rufen, daß, wer für den Staat die schwarzweißrote Flagge wünscht, einen Diebstahl an
unserer Vergangenheit begebt. Die einstige Flagge paßte wirklich auch nur für das einstige Reich genau
so wie, Gott sei Lob und Dank, die Republik sich die für sie passende wählte.
Das war auch der Grund, weshalb wir Nationalsozialisten im Aufziehen der alten Fahne kein
ausdrucksvolles Symbol unserer eigenen Tätigkeit hätten erblicken können. Denn wir wollen ja nicht
das alte, an seinen eigenen Fehlern zugrunde gegangene Reich wieder vom Tode erwecken, sondern
einen neuen Staat erbauen.
Die Bewegung, die heute in diesem Sinne mit dem Marxismus kämpft, muß damit auch in ihrer Fahne
schon das Symbol des neuen Staates tragen.
Die Frage der neuen Flagge, d. h. ihr Aussehen, beschäftigte uns damals sehr stark. Es kamen von allen
Seiten Vorschläge, die allerdings meist besser gemeint als gut gelungen waren. Denn die neue Fahne
mußte ebensosehr ein Symbol unseres eigenen Kampfes sein, wie sie andererseits auch von großer
plakatmäßiger Wirkung sein sollte. Wer sich selbst viel mit der Masse zu beschäftigen hat, wird in all
{555 Die nationalsozialistische Flagge}
diesen scheinbaren Kleinigkeiten doch sehr wichtige Angelegenheiten erkennen. Ein wirkungsvolles
Abzeichen kann in Hunderttausenden von Fällen den ersten Anstoß zum Interesse an einer Bewegung
geben.
Aus diesem Grunde mußten wir alle Vorschläge zurückweisen, unsere Bewegung durch eine weiße
Fahne, wie dies von vielen Seiten vorgeschlagen wurde, mit dem alten Staat oder, richtiger, mit jenen
schwächlichen Parteien zu identifizieren, deren einziges politisches Ziel die Wiederherstellung
vergangener Zustände ist. Außerdem ist Weiß keine mitreißende Farbe. Sie paßt für keusche
Jungfrauenvereinigungen, aber nicht für umwälzende Bewegungen einer revolutionären Zeit.
Auch Schwarz kam in Vorschlag: An sich passend für die heutige Zeit, war in ihr aber keine irgendwie
zu deutende Darstellung des Wollens unserer Bewegung gegeben. Endlich wirkt diese Farbe auch nicht
mitreißend genug.
Weiß-Blau schied aus, trotz der ästhetisch wundervollen Wirkung, als Farbe eines deutschen
Einzelstaates und einer leider nicht im besten Rufe stehenden politischen Einstellung auf
partikularistische Engherzigkeit. Im übrigen hätte man auch hier nur sehr schwer einen Hinweis auf
unsere Bewegung finden können. Das gleiche galt für Schwarz-Weiß.
Schwarz-Rot-Gold kam an sich nicht in Frage.
Auch Schwarz-Weiß-Rot nicht, aus bereits erwähnten Gründen, jedenfalls nicht in der bisherigen
Fassung. In der Wirkung steht diese Farbenzusammenstellung allerdings hoch über allen anderen
erhaben. Es ist der strahlendste Akkord, den es gibt.
Ich selbst trat immer für die Beibehaltung der alten Farben ein, nicht nur weil sie mir als Soldat das
Heiligste sind, das ich kenne, sondern weil sie auch in ihrer ästhetischen Wirkung meinem Gefühl
weitaus am meisten entsprechen. Dennoch mußte ich die zahllosen Entwürfe, die damals aus den
Kreisen der jungen Bewegung einliefen, und die meistens das Hakenkreuz in die alte Fahne
hineingezeichnet hatten, ausnahmslos ablehnen. Ich selbst — als Führer — wollte nicht sofort mit
meinem eigenen
{556 Die nationalsozialistische Flagge}
Entwurf an die Öffentlichkeit treten, da es ja möglich war, daß ein anderer einen ebenso guten oder
vielleicht auch besseren bringen würde. Tatsächlich hat ein Zahnarzt aus Starnberg auch einen gar nicht
schlechten Entwurf geliefert, der übrigens dem meinen ziemlich nahekam, nur den einen Fehler hatte,
daß das Hakenkreuz mit gebogenen Haken in eine weiße Scheibe hineinkomponiert war.
Ich selbst hatte unterdes nach unzähligen Versuchen eine endgültige Form niedergelegt: eine Fahne aus
rotem Grundtuch mit einer weißen Scheibe und in deren Mitte ein schwarzes Hakenkreuz. Nach langen
Versuchen fand ich auch ein bestimmtes Verhältnis zwischen der Größe der Fahne und der Größe der
weißen Scheibe sowie der Form und Stärke des Hakenkreuzes.
Und dabei ist es dann geblieben.
In gleichem Sinne wurden nun sofort Armbinden für die Ordnungsmannschaften in Auftrag gegeben,
und zwar eine rote Binde, auf der sich ebenfalls die weiße Scheibe mit schwarzem Hakenkreuz befindet.
Auch das Parteiabzeichen wurde nach gleichen Richtlinien entworfen: eine weiße Scheibe auf rotem
Felde und in der Mitte das Hakenkreuz. Ein Münchner Goldschmied, Füß, lieferte den ersten
verwendbaren und dann auch beibehaltenen Entwurf.
Im Hochsommer 1920 kam zum ersten Male die neue Flagge vor die Öffentlichkeit. Sie paßte
vorzüglich zu unserer jungen Bewegung. So wie diese jung und neu war, war sie es auch. Kein Mensch
hatte sie vorher je gesehen; sie wirkte damals wie eine Brandfackel. Wir selber empfanden alle eine fast
kindliche Freude, als eine treue Parteigenossin den Entwurf zum ersten Male ausgeführt und die Fahne
abgeliefert hatte. Schon einige Monate später besaßen wir in München ein halbes Dutzend davon, und
die immer mehr und mehr um sich greifende Ordnertruppe besonders trug dazu bei, das neue Symbol
der Bewegung zu verbreiten.
Und ein Symbol ist dies wahrlich! Nicht nur, daß durch die einzigen, von uns allen heißgeliebten
Farben,
{557 Deutung des nationalsozialistischen Symbols}
die einst dem deutschen Volke soviel Ehre errungen hatten, unsere Ehrfurcht vor der Vergangenheit
bezeugt wird, sie war auch die beste Verkörperung des Wollens der Bewegung. Als nationale Sozialisten
sehen wir in unserer Flagge unser Programm. Im Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung,
im Weiß den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen
Menschen und zugleich mit ihm auch den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig
antisemitisch war und antisemitisch sein wird.
Zwei Jahre später, als aus der Ordnertruppe schon längst eine viel tausend Mann umfassende
Sturmabteilung geworden war, schien es nötig, dieser Wehrorganisation der jungen Weltanschauung
noch ein besonderes Symbol des Sieges zu geben: die Standarte. Auch sie habe ich selbst entworfen und
dann einem alten, treuen Parteigenossen, dem Goldschmiedmeister Gahr, zur Ausführung übergeben.
Seitdem gehört die Standarte zu den Wahr- und Feldzeichen des nationalsozialistischen Kampfes.
Die Versammlungstätigkeit, die im Jahre 1920 sich immer mehr steigerte, führte endlich dazu, daß wir
manche Woche sogar zwei Versammlungen abhielten. Vor unseren Plakaten stauten sich die Menschen,
die größten Säle der Stadt waren immer gefüllt, und Zehntausende verführter Marxisten fanden den Weg
zurück zu ihrer Volksgemeinschaft, um Kämpfer für ein kommendes, freies Deutsches Reich zu werden.
Die Öffentlichkeit in München hatte uns kennengelernt. Man sprach von uns, und das Wort
"Nationalsozialist" wurde vielen geläufig und bedeutete schon ein Programm. Auch die Schar der
Anhänger, ja selbst der Mitglieder begann ununterbrochen zu wachsen, so daß wir im Winter 1920/21
schon als starke Partei in München auftreten konnten.
Es gab damals außer den marxistischen Parteien keine Partei, vor allem keine nationale, die auf solche
Massenkundgebungen hätte hinweisen können wie wir. Der
{558 Die erste Zirkusversammlung}
fünftausend Menschen fassende Münchner-Kindl-Keller war öfter als einmal zum Brechen voll
gewesen, und nur einen einzigen Raum gab es, an den wir uns noch nicht herangewagt hatten, und dies
war der Zirkus Krone.
Ende Januar 1921 stiegen für Deutschland wieder schwere Sorgen auf. Das Pariser Abkommen, auf
Grund dessen sich Deutschland zur Zahlung der wahnwitzigen Summe von hundert Milliarden
Goldmark verpflichtete, sollte in der Form des Londoner Diktats Wirklichkeit werden.
Eine in München seit langem bestehende Arbeitsgemeinschaft sogenannter völkischer Verbände wollte
aus diesem Anlaß zu einem größeren gemeinsamen Protest einladen. Die Zeit drängte sehr, und ich
selbst war angesichts des ewigen Zauderns und Zögerns, gefaßte Beschlüsse auch zur Durchführung zu
bringen, nervös. Man redete zuerst von einer Kundgebung am Königsplatz, unterließ dies aber wieder,
da man Angst davor hatte, von den Roten auseinandergehauen zu werden, und projektierte eine
Protestkundgebung vor der Feldherrnhalle. Allein auch davon kam man wieder ab und schlug endlich
eine gemeinsame Versammlung im Münchner-Kindl-Keller vor. Unterdes war Tag für Tag vergangen,
die großen Parteien hatten von dem furchtbaren Ereignis überhaupt keine Notiz genommen, und die
Arbeitsgemeinschaft selber konnte sich nicht entschließen, endlich einen festen Termin für die
beabsichtigte Kundgebung zu bestimmen.
Dienstag, den 1. Februar 1921, forderte ich dringlichst einen endgültigen Entscheid. Ich wurde vertröstet
auf Mittwoch. Mittwoch verlangte ich nun unbedingt klare Auskunft, ob und wann die Versammlung
stattfinden sollte. Die Auskunft war wieder unbestimmt und ausweichend; es hieß, man "beabsichtige",
die Arbeitsgemeinschaft für den Mittwoch in acht Tagen zu einer Kundgebung aufzubieten.
Damit war mir der Geduldsfaden gerissen, und ich beschloß, die Protestkundgebung nun allein
durchzuführen. Mittwoch mittags diktierte ich in zehn Minuten das Plakat in die Schreibmaschine und
ließ gleichzeitig den Zirkus
{559 Die erste Zirkusversammlung}
Krone für den nächsten Tag, Donnerstag, den 3. Februar, mieten.
Damals war dies ein unendlich großes Wagnis. Nicht nur, daß es fraglich schien, den riesenhaften Raum
füllen zu können, lief man auch Gefahr, gesprengt zu werden.
Unsere Ordnertruppe war für diesen kolossalen Raum noch lange nicht ausreichend. Ich hatte auch keine
richtige Vorstellung über die Art des möglichen Vorgehens im Falle einer Sprengung. Ich hielt es
damals für viel schwieriger im Zirkusgebäude als in einem normalen Saal. Doch war dies, wie es sich
dann herausstellte, gerade umgekehrt. In dem Riesenraum konnte man tatsächlich leichter einer
Sprengtruppe Herr werden als in enggepferchten Sälen.
Sicher war nur eines: jeder Mißerfolg konnte uns auf sehr lange Zeit zurückwerfen. Denn eine einzige
erfolgreiche Sprengung hätte unseren Nimbus mit einem Schlage zerstört und die Gegner ermutigt, das
einmal Gelungene immer wieder zu versuchen. Das hätte zu einer Sabotage unserer ganzen weiteren
Versammlungstätigkeit führen können, was erst nach vielen Monaten und nach schwersten Kämpfen zu
überwinden gewesen wäre.
Wir hatten nur einen Tag Zeit zu plakatieren, nämlich den Donnerstag selbst. Leider regnete es schon
morgens, und die Befürchtung schien begründet, ob unter solchen Umständen nicht viele Leute lieber zu
Hause bleiben würden, statt bei Regen und Schnee in eine Versammlung zu eilen, bei der es
möglicherweise Mord und Totschlag geben konnte.
Überhaupt bekam ich Donnerstag vormittag auf einmal Angst, der Raum könnte doch nicht voll werden
(ich wäre damit ja auch vor der Arbeitsgemeinschaft der Blamierte gewesen), so daß ich nun schleunigst
einige Flugblätter diktierte und in Druck gab, um sie nachmittags verbreiten zu lassen. Die enthielten
natürlich die Aufforderung zum Besuch der Versammlung.
Zwei Lastkraftwagen, die ich mieten ließ, wurden in möglichst viel Rot eingehüllt, darauf ein paar
unserer Fahnen gepflanzt und jeder mit fünfzehn bis zwanzig
{560 Die erste Zirkusversammlung}
Parteigenossen besetzt; sie erhielten den Befehl, fleißig durch die Straßen der Stadt zu fahren,
Flugblätter abzuwerfen, kurz, Propaganda für die Massenkundgebung am Abend zu machen. Es war das
erstemal, daß Lastkraftwagen mit Fahnen durch die Stadt fuhren, auf denen sich keine Marxisten
befanden. Das Bürgertum starrte daher den rot dekorierten und mit flatternden Hakenkreuzfahnen
geschmückten Wagen mit offenen Mäulern nach, während in den äußeren Vierteln sich auch zahllose
geballte Fäuste erhoben, deren Besitzer ersichtlich wutentbrannt schienen über die neueste "Provokation
des Proletariats". Denn Versammlungen abzuhalten, hatte nur der Marxismus das Recht, genau so wie
auf Lastkraftwagen herumzufahren.
Um sieben Uhr abends war der Zirkus noch nicht gut besetzt. Ich wurde alle zehn Minuten telephonisch
verständigt und war selbst ziemlich unruhig; denn um sieben Uhr oder ein Viertel nach sieben Uhr
waren die anderen Säle meistens schon halb, ja oft schon fast voll gewesen. Allerdings klärte sich dies
bald auf. Ich hatte nicht mit den riesigen Dimensionen des neuen Raumes gerechnet: tausend Personen
ließen den Hofbräuhausfestsaal schon sehr schön besetzt erscheinen, während sie vom Zirkus Krone
einfach verschluckt wurden. Man sah sie kaum. Kurze Zeit darauf kamen jedoch günstigere Meldungen,
und um drei Viertel acht Uhr hieß es, daß der Raum zu drei Vierteln gefüllt sei und sehr große Massen
vor den Kassenschaltern stünden. Daraufhin fuhr ich los.
Zwei Minuten nach acht Uhr kam ich vor dem Zirkus an. Es war noch immer eine Menschenmenge vor
ihm zu sehen, zum Teil bloß Neugierige, auch viele Gegner darunter, die die Ereignisse außen abwarten
wollten.
Als ich die mächtige Halle betrat, erfaßte mich die gleiche Freude wie ein Jahr vordem in der ersten
Versammlung im Münchener Hofbräuhausfestsaal. Aber erst nachdem ich mich durch die
Menschenmauern hindurchgedrückt und das hochgelegene Podium erreicht hatte, sah ich den Erfolg in
seiner ganzen Größe. Wie eine Riesenmuschel lag dieser Saal vor mir, angefüllt mit Tausenden und
Tausenden
{561 Die erste Zirkusversammlung}
von Menschen. Selbst die Manege war schwarz besetzt. Über fünftausendsechshundert Karten waren
ausgegeben worden, und rechnete man die gesamte Zahl der Arbeitslosen, der armen Studenten und
unsere Ordnungsmannschaften mit ein, so dürften etwa sechseinhalbtausend Personen dagewesen sein.
Zukunft oder Untergang" lautete das Thema, und mir jubelte das Herz auf angesichts der Überzeugung,
daß die Zukunft da unten vor mir lag.
Ich begann zu sprechen und redete gegen zweieinhalb Stunden, und das Gefühl sagte mir schon nach der
ersten halben Stunde, daß die Versammlung ein großer Erfolg werden würde. Die Verbindung zu all
diesen tausend einzelnen war hergestellt. Schon nach der ersten Stunde begann der Beifall in immer
größeren spontanen Ausbrüchen mich zu unterbrechen, um nach zwei Stunden wieder abzuebben und in
jene weihevolle Stille überzugehen, die ich später in diesem Raume so oft und oft erlebt habe und die
jedem einzelnen wohl unvergeßlich bleiben wird. Man hörte dann kaum mehr als den Atemzug dieser
Riesenmenge, und erst als ich das letzte Wort gesprochen, brandete es plötzlich auf, um in dem in
höchster Inbrunst gesungenen "Deutschland"-Lied seinen erlösenden Abschluß zu finden.
Ich verfolgte es noch, wie sich langsam der Riesenraum zu leeren begann und ein ungeheures
Menschenmeer durch den gewaltigen mittleren Ausgang fast zwanzig Minuten lang hinausdrängte. Erst
dann verließ ich selbst, überglücklich, meinen Platz, um mich nach Hause zu begeben.
Von dieser ersten Versammlung im Zirkus Krone zu München wurden Aufnahmen gemacht. Sie zeigen
besser als Worte die Größe der Kundgebung. Bürgerliche Blätter brachten Abbildungen und Notizen,
erwähnten jedoch nur, daß es sich um eine "nationale" Kundgebung gehandelt hätte, verschwiegen aber
in üblich bescheidener Weise die Veranstalter.
Damit waren wir zum ersten Male aus dem Rahmen einer gewöhnlichen Tagespartei weit
hinausgetreten. Man konnte
{562 Versammlung folgt auf Versammlung}
jetzt nicht mehr an uns vorbeigehen. Um nun ja nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, als handle es
sich bei diesem Versammlungserfolg nur um eine Eintagsfliege, setzte ich augenblicklich für die
kommende Woche zum zweiten Male eine Kundgebung im Zirkus an, und der Erfolg war derselbe.
Wieder war der Riesenraum zum Brechen mit Menschenmassen gefüllt, so daß ich mich entschloß, in
der kommenden Woche zum drittenmal eine Versammlung im gleichen Stil abzuhalten. Und zum
drittenmal war der Riesenzirkus von unten bis oben gepreßt voll von Menschen.
Nach dieser Einleitung des Jahres 1921 steigerte ich die Versammlungstätigkeit in München noch mehr.
Ich ging nun dazu über, nicht nur jede Woche eine, sondern manche Wochen zwei
Massenversammlungen abzuhalten, ja, im Hochsommer und im Spätherbst wurden es manchmal drei.
Wir versammelten uns nun immer im Zirkus und konnten zu unserer Genugtuung feststellen, daß alle
unsere Abende den gleichen Erfolg brachten.
Das Ergebnis war eine immer steigende Anhängerzahl der Bewegung und eine große Zunahme der
Mitglieder.
×
Solche Erfolge ließen natürlich auch unsere Gegner nicht ruhen. Nachdem sie in ihrer Taktik immer
schwankend sich bald zum Terror und bald zum Totschweigen bekannten, konnten sie die Entwicklung
der Bewegung, wie sie selbst erkennen mußten, weder mit dem einen noch mit dem anderen irgendwie
hemmen. So entschlossen sie sich in einer letzten Anstrengung zu einem Terrorakt, um unserer weiteren
Versammlungstätigkeit damit endgültig einen Riegel vorzuschieben.
Als äußeren Anlaß zu der Aktion benützte man ein höchst geheimnisvolles Attentat auf einen
Landtagsabgeordneten namens Erhard Auer. Besagter Erhard Auer sollte abends von irgend jemand
angeschossen worden sein. Das heißt, er war es nicht tatsächlich, aber es sei versucht worden, auf ihn zu
schießen. Fabelhafte Geistesgegenwart sowie der
{563 Der vergebliche Sprengungsversuch}
sprichwörtliche Mut des sozialdemokratischen Parteiführers hätten aber den frevelhaften Angriff nicht
nur vereitelt, sondern die verruchten Täter selbst in schmählichste Flucht geschlagen. Sie waren so eilig
und so weit geflohen, daß die Polizei auch später von ihnen nicht mehr die leiseste Spur erwischen
konnte. Dieser geheimnisvolle Vorgang wurde von dem Organ der sozialdemokratischen Partei in
München nun benützt, um in maßlosester Weise gegen die Bewegung zu hegen und darunter auch in
altgewohnter Geschwätzigkeit anzudeuten, was demnächst kommen müsse. Es sei dafür gesorgt, daß
unsere Bäume nicht in den Himmel wüchsen, sondern daß von proletarischen Fäusten nun rechtzeitig
eingegriffen würde.
Und wenige Tage später war schon der Tag des Eingriffs da.
Eine Versammlung im Münchener Hofbräuhausfestsaal, in der ich selber sprechen sollte, war zur
endgültigen Auseinandersetzung gewählt worden.
Am 4. November 1921 erhielt ich nachmittags zwischen sechs und sieben Uhr die ersten positiven
Nachrichten, daß die Versammlung unbedingt gesprengt werden würde, und daß man zu diesem Zweck
besonders aus einigen roten Betrieben große Arbeitermassen in die Versammlung zu schicken
beabsichtige.
Einem unglücklichen Zufall war es zuzuschreiben, daß wir diese Verständigung nicht schon früher
bekamen. Wir hatten am selben Tage unsere alte ehrwürdige Geschäftsstelle in der Sterneckergasse in
München aufgegeben und waren in eine neue übergesiedelt, das heißt, wir waren aus der alten fort,
konnten aber in die neue nicht hinein, weil in ihr noch gearbeitet wurde. Da auch das Telephon in der
einen abgerissen und in der zweiten noch nicht eingebaut war, sind an diesem Tage eine ganze Anzahl
telephonischer Versuche, die beabsichtigte Sprengung uns mitzuteilen, vergeblich gewesen.
Dies hatte zur Folge, daß die Versammlung selbst nur durch sehr schwache Ordnertruppen geschürt war.
Nur eine zahlenmäßig wenig starke Hundertschaft von sechs-
{564 Der vergebliche Sprengungsversuch}
undvierzig Köpfen war anwesend, der Alarmapparat aber noch nicht so ausgebaut, um abends im
Verlauf von einer Stunde eine ausgiebige Verstärkung herbeizuholen. Dazu kam noch, daß ja derartige
alarmierende Gerüchte schon unzählige Male uns zu Ohren gekommen waren, ohne daß dann irgend
etwas Besonderes geschehen war. Der alte Spruch, daß angekündigte Revolutionen meist ausbleiben,
hatte sich auch bei uns bis dahin noch immer als richtig erwiesen.
So geschah auch aus diesem Grunde vielleicht nicht alles, was an dem Tage hätte geschehen können, um
mit brutalster Entschlossenheit einer Sprengung entgegenzutreten.
Endlich hielten wir den Münchener Hofbräuhausfestsaal für eine Sprengung als denkbar ungeeignet.
Wir hatten sie mehr für die größten Säle befürchtet, besonders für den Zirkus. Insofern hat uns dieser
Tag eine wertvolle Lehre gegeben. Wir haben später die ganzen Fragen, ich darf schon sagen, mit
wissenschaftlicher Methodik studiert und sind zu Resultaten gekommen, die zum Teil ebenso
unglaublich wie interessant waren und in der Folgezeit für die organisatorische und taktische Leitung
unserer Sturmabteilungen von grundlegender Bedeutung waren.
Als ich um drei Viertel acht Uhr in die Vorhalle des Hofbräuhauses kam, konnte allerdings ein Zweifel
über die vorhandene Absicht nicht mehr bestehen. Der Saal war übervoll und deshalb polizeilich
gesperrt worden. Die Gegner, die sehr früh erschienen waren, befanden sich im Saal und unsere
Anhänger zum größten Teil draußen. Die kleine SA. erwartete mich in der Vorhalle. Ich ließ die Türen
zum großen Saal schließen und hieß dann die fünfundvierzig oder sechsundvierzig Mann antreten. Ich
habe den Jungen vorgestellt, daß sie wahrscheinlich heute der Bewegung zum ersten Male auf Biegen
und Brechen die Treue halten müßten, und daß keiner von uns den Saal verlassen dürfe, außer sie trügen
uns als Tote hinaus; ich würde selbst im Saale bleiben, glaubte nicht, daß mich auch nur einer von ihnen
verlassen würde; erblickte ich aber selber einen, der sich als Feigling erweise, so würde ich ihm
{565 Der vergebliche Sprengungsversuch}
persönlich die Binde herunterreißen und das Abzeichen fortnehmen. Dann forderte ich sie auf, beim
geringsten Versuch zur Sprengung augenblicklich vorzugehen und dessen eingedenk zu sein, daß man
sich am besten verteidigt, indem man selbst angreift.
Ein dreifaches Heil, das dieses Mal rauher und heiserer klang als sonst, war die Antwort.
Dann ging ich in den Saal hinein und konnte nun mit eigenen Augen die Lage überblicken. Sie saßen
dick herinnen und suchten mich schon mit Augen zu durchbohren. Zahllose Gesichter waren mit
verbissenem Haß mir zugewandt, während andere wieder, unter höhnischen Grimassen, sehr eindeutige
Zurufe losließen. Man würde heute "Schluß machen mit uns", wir sollten auf unsere Gedärme
achtgeben, man würde uns das Maul endgültig verstopfen, und was es solcher schönen Redensarten
sonst noch gab. Sie waren sich ihrer Übermacht bewußt und fühlten sich danach.
Dennoch konnte die Versammlung eröffnet werden, und ich begann zu sprechen. Ich stand im
Hofbräuhausfestsaal immer an einer der Längsfronten des Saales, und mein Podium war ein Biertisch.
Ich befand mich also eigentlich mitten unter den Leuten. Vielleicht trug dieser Umstand dazu bei, um
gerade in diesem Saale immer eine Stimmung entstehen zu lassen, wie ich sie sonst an keiner Stelle
ähnlich wieder gefunden habe.
Vor mir, besonders links vor mir, saßen und standen lauter Gegner. Es waren durchaus robuste Männer
und Burschen, zu einem großem Teil aus der Maffei-Fabrik, von Kustermann, aus den
Isariazählerwerken usw. Die linke Saalwand entlang hatten sie sich bereits ganz dicht bis an meinen
Tisch vorgeschoben und begannen nun Maßkrüge zu sammeln, d. h. sie bestellten immer wieder Bier
und stellten die ausgetrunkenen Krüge unter den Tisch. Ganze Batterien entstanden so, und es hätte
mich wundergenommen, wenn die Sache heute wieder gut ausgegangen wäre.
Nach ungefähr eineinhalb Stunden — so lange konnte ich trotz aller Zwischenrufe sprechen — war es
fast so, als ob ich Herr der Lage würde. Die Führer der Sprengtrupps
{566 Der vergebliche Sprengungsversuch}
schienen dies selbst auch zu fühlen; denn sie wurden immer unruhiger, gingen öfters hinaus, kamen
wieder herein und redeten sichtlich nervös auf ihre Leute ein.
Ein psychologischer kleiner Fehler, den ich in der Abwehr eines Zwischenrufes beging und der mir,
kaum, daß ich das Wort aus dem Munde hatte, selbst zum Bewußtsein kam, gab das Signal zum
Losschlagen.
Ein paar zornige Zwischenrufe, und ein Mann sprang plötzlich auf einen Stuhl und brüllte in den Saal
hinein: "Freiheit!" Auf welches Signal hin die Freiheitskämpfer mit ihrer Arbeit begannen.
In wenigen Sekunden war der ganze Raum erfüllt von einer brüllenden und schreienden
Menschenmenge, über die, Haubitzenschüssen ähnlich, unzählige Maßkrüge flogen; dazwischen das
Krachen von Stuhlbeinen, das Zerplatschen der Krüge, Grölen und Johlen und Aufschreien.
Es war ein blödsinniger Spektakel.
Ich blieb auf meinem Platz stehen und konnte beobachten, wie restlos meine Jungen ihre Pflicht
erfüllten.
Da hätte ich eine bürgerliche Versammlung sehen mögen!Der Tanz hatte noch nicht begonnen, als auch
schon meine Sturmtruppler, denn so hießen sie von diesem Tage an, angriffen. Wie Wölfe stürzten sie in
Rudeln von acht oder zehn immer wieder auf ihre Gegner los und begannen sie nach und nach
tatsächlich aus dem Saale zu dreschen. Schon nach fünf Minuten sah ich kaum mehr einen von ihnen,
der nicht schon blutüberströmt gewesen wäre. Wie viele habe ich damals erst so recht kennengelernt; an
der Spitze meinen braven Maurice, meinen heutigen Privatsekretär Heß und viele andere, die, selbst
schon schwer verletzt, immer wieder angriffen, solange sie sich nur auf den Beinen halten konnten.
Zwanzig Minuten lang dauerte der Höllenlärm, dann aber waren die Gegner, die vielleicht sieben- und
achthundert Mann zählen mochten, von meinen nicht einmal fünfzig Mann zum größten Teil aus dem
Saale geschlagen und die Treppen hinuntergejagt. Nur in der linken rückwärtigen Saalecke hielt sich
noch ein großer Haufen und leistete erbittertsten Widerstand. Da fielen plötzlich vom Saaleingang
{567 "Die Versammlung geht weiter"}
zum Podium her zwei Pistolenschüsse, und nun ging eine wilde Knallerei los. Fast jubelte einem doch
wieder das Herz angesichts solcher Auffrischung alter Kriegserlebnisse.
Wer schoß, ließ sich von da ab nicht mehr unterscheiden; nur das eine konnte man feststellen, daß von
dem Augenblick an sich die Wut meiner blutenden Jungen noch mächtig gesteigert hatte und endlich die
letzten Störer, überwältigt, aus dem Saal hinausgetrieben wurden.
Es waren ungefähr fünfundzwanzig Minuten vergangen; der Saal selbst sah aus, als ob eine Granate
eingeschlagen hätte. Viele meiner Anhänger wurden gerade verbunden, andere mußten weggefahren
werden, allein wir waren die Herren der Lage geblieben. Hermann Esser, der an diesem Abend die
Versammlungsleitung übernommen hatte, erklärte: "Die Versammlung geht weiter. Das Wort hat der
Referent", und ich sprach dann wieder.
Nachdem wir die Versammlung selbst schon geschlossen hatten, kam plötzlich ein aufgeregter
Polizeileutnant hereingestürzt und krähte mit wildfuchtelnden Armen in den Saal hinein: "Die
Versammlung ist aufgelöst."Unwillkürlich mußte ich über diesen Nachzügler der Ereignisse lachen; echt
polizeiliche Wichtigtuerei. Je kleiner sie sind, um so größer müssen sie wenigstens scheinen.
Wir hatten an dem Abend wirklich viel gelernt, und auch unsere Gegner haben die Lehre, die sie
ihrerseits empfangen hatten, nicht mehr vergessen.
Bis zum Herbst 1923 hat uns seitdem die "Münchener Post" keine Fäuste des Proletariats mehr
angekündigt.
{568}
8. Kapitel:
Der Starke ist am mächtigsten allein
Ich habe im vorhergehenden das Bestehen einer Arbeitsgemeinschaft deutschvölkischer Verbände
erwähnt und möchte an dieser Stelle das Problem dieser Arbeitsgemeinschaften ganz kurz erörtern.
Im allgemeinen versteht man unter einer Arbeitsgemeinschaft eine Gruppe von Verbänden, die zur
Erleichterung ihrer Arbeit in ein gewisses gegenseitiges Verhältnis treten, eine gemeinsame Führung
von mehr oder minder großer Kompetenz wählen und nun gemeinsame Aktionen gemeinsam
durchführen. Schon daraus geht hervor, daß es sich hierbei um Vereine, Verbände oder Parteien handeln
muß, deren Ziele und Wege nicht zu weit auseinanderliegen. Es wird behauptet, dies sei auch immer der
Fall. Es wirkt nun für den normalen Durchschnittsbürger ebenso erfreulich wie beruhigend, zu hören,
daß solche Verbände endlich, indem sie sich in solcher "Arbeitsgemeinschaft" zusammenfinden, das
"Gemeinsam-Verbindende" entdeckt haben und das "Trennende zurückstellen". Dabei herrscht die
allgemeine Überzeugung, daß einer solchen Vereinigung dann eine enorme Kraftsteigerung zukomme,
und daß die ansonst schwachen Grüppchen dadurch plötzlich zu einer Macht geworden seien.
Dies ist jedoch meistens falsch!Es ist interessant und in meinen Augen zum besseren Verständnis dieser
Frage wichtig, sich Klarheit darüber zu verschaffen, wieso es denn überhaupt zur Bildung von
Verbänden, Vereinen oder dergleichen kommen kann, die alle behaupten, das gleiche Ziel verfolgen zu
wollen. An und für sich wäre es doch logisch, daß ein Ziel auch nur von
{569 Prioritätsrecht einer Bewegung}
einem Verband verfochten wird und dafür vernünftigerweise nicht mehrere Verbände das gleiche Ziel
verfechten. Ohne Zweifel war jenes Ziel zuerst nur von einem Verband ins Auge gefaßt worden. Ein
Mann verkündet an irgendeiner Stelle eine Wahrheit, ruft zur Lösung einer bestimmten Frage auf, setzt
sein Ziel und bildet eine Bewegung, die der Verwirklichung seiner Absicht dienen soll.
Es wird somit ein Verein oder eine Partei gegründet, die, je nach ihrem Programm, entweder die
Beseitigung bestehender Mißstände oder die Erreichung eines besonderen Zustandes in der Zukunft
herbeiführen soll.
Sowie einmal eine solche Bewegung ins Leben getreten ist, besitzt sie damit praktisch ein gewisses
Prioritätsrecht. Es wäre nun eigentlich selbstverständlich, daß alle Menschen, die das gleiche Ziel wie
sie zu verfechten gedenken, sich in eine solche Bewegung einfügen und deren Kraft dadurch stärken, um
so der gemeinsamen Arbeit besser dienen zu können. Besonders jeder geistig regsame Kopf müßte
gerade in einer solchen Eingliederung die Voraussetzung zum wirklichen Erfolg gemeinsamen Ringens
empfinden. Mithin müßte es vernünftigerweise und bei einer gewissen Redlichkeit (auf diese kommt,
wie ich später nachweisen will, sehr viel an) für ein Ziel auch nur eine Bewegung gehen.
Daß dem nicht so ist, kann zwei Ursachen zugeschrieben werden. Die eine davon möchte ich fast als
eine tragische bezeichnen, während die zweite erbärmlich und in der menschlichen Schwäche selbst zu
suchen ist. Im tiefsten Grunde sehe ich aber in beiden nur Tatsachen, die geeignet sind, das Wollen an
sich, die Energie und Intensität desselben zu steigern und durch diese Höherzüchtung menschlicher
Tatkraft die Lösung des in Frage stehenden Problems endlich zu ermöglichen.
Die tragische Ursache, warum es bei der Lösung einer bestimmten Aufgabe meist nicht bei einem
einzigen Verbande bleibt, ist folgende: Jede Tat großen Stils auf dieser Erde wird im allgemeinen die
Erfüllung eines in Millionen Menschen schon längst vorhanden gewesenen Wunsches,
{570 Das Ringen um die Führung}
einer im stillen von vielen gehegten Sehnsucht sein. Ja, es kann vorkommen, daß Jahrhunderte
sehnsuchtsvoll die Lösung einer bestimmten Frage herbeiwünschen, weil sie unter der Unerträglichkeit
eines bestehenden Zustandes seufzen, ohne daß die Erfüllung dieses allgemeinen Sehnens in
Erscheinung träte. Völker, die aus einer solchen Not überhaupt keine heroische Lösung mehr finden,
kann man als impotent bezeichnen, während wir die Lebenskraft eines Volkes und die durch sie noch
verbürgte Bestimmung zum Leben am schlagendsten dann bewiesen sehen, wenn ihm für die Befreiung
aus einem großen Zwange oder zur Beseitigung einer bitteren Not oder zur Befriedigung seiner ruhelos,
weil unsicher gewordenen Seele vom Schicksal eines Tages der dafür begnadete Mann geschenkt wird,
der endlich die lang ersehnte Erfüllung bringt.
Es liegt nun ganz im Wesen sogenannter großer Zeitfragen, daß sich an ihrer Lösung Tausende
betätigen, daß viele sich berufen glauben, ja, daß das Schicksal selbst verschiedene zur Wahl vorschlägt,
um nun im freien Spiel der Kräfte dem Stärkeren, Tüchtigeren endgültig den Sieg zu geben und ihm die
Lösung des Problems anzuvertrauen.
So mag es sein, daß Jahrhunderte, unzufrieden mit der Gestaltung ihres religiösen Lebens, sich nach
einer Erneuerung sehnen, und daß aus diesem seelischen Drange heraus Dutzende und mehr Männer
erstehen, die sich auf Grund ihrer Einsicht und ihres Wissens zur Lösung dieser religiösen Not berufen
glauben, um als Propheten einer neuen Lehre oder wenigstens als Kämpfer gegen eine bestehende in
Erscheinung zu treten.
Sicher wird auch hier, kraft natürlicher Ordnung, der Stärkste dazu bestimmt sein, die große Mission zu
erfüllen; allein die Erkenntnis, daß eben dieser eine der ausschließlich Berufene sei, pflegt den anderen
meistens erst sehr spät zu kommen. Sie sehen sich im Gegenteil alle als gleichberechtigt und berufen zur
Lösung der Aufgabe an, und die Mitwelt vermag gewöhnlich am allerwenigsten zu unterscheiden, wer
von ihnen — weil allein zum Höchsten befähigt — einzig ihre Unterstützung verdient.
{571 Das Ringen um die Führung}
So treten im Laufe von Jahrhunderten, ja oft innerhalb eines gleichen Zeitabschnittes verschiedene
Männer auf, gründen Bewegungen, um Ziele zu verfechten, die, wenigstens behauptungsweise, die
gleichen sind oder doch von der großen Masse als gleich empfunden werden. Das Volk selbst hegt wohl
unbestimmte Wünsche und hat allgemeine Überzeugungen, ohne sich indes über das eigentliche Wesen
des Zieles oder des eigenen Wunsches oder gar der Möglichkeit ihrer Erfüllung genau klar werden zu
können. Die Tragik liegt darin, daß jene Männer auf ganz verschiedenen Wegen einem gleichen Ziele
zustreben, ohne sich zu kennen, und daher, im reinsten Glauben an ihre eigene Mission, sich für
verpflichtet halten, ohne Rücksicht auf andere ihre eigenen Wege zu gehen.
Daß solche Bewegungen, Parteien, religiöse Gruppen vollkommen unabhängig voneinander, allein aus
dem allgemeinen Zeitwollen heraus, entstehen, um sich nach einer gleichen Richtung zu betätigen, ist
das, was wenigstens auf den ersten Blick als tragisch erscheint, weil man allzusehr zu der Meinung
neigt, die auf verschiedene Wege zerstreute Kraft könnte, auf einen einzigen zusammengefaßt, schneller
und sicherer zum Erfolge führen. Dies ist aber nicht der Fall. Sondern die Natur selbst trifft in ihrer
unerbittlichen Logik den Entscheid, indem sie die verschiedenen Gruppen miteinander in den
Wettbewerb treten und um die Siegespalme ringen läßt und die Bewegung ans Ziel führt, die den
klarsten, nächsten und sichersten Weg gewählt hat.
Wie aber sollte die Richtigkeit oder Unrichtigkeit eines Weges von außen her bestimmt werden, wenn
nicht dem Spiel der Kräfte freie Bahn gegeben, die legte Bestimmung dem doktrinären Entscheid
menschlicher Besserwisser entzogen und der untrügerischen Beweisführung des sichtbaren Erfolges
überantwortet worden wäre, der schließlich der Richtigkeit einer Handlung immer die legte Bestätigung
geben wird!Marschieren also verschiedene Gruppen auf getrennten
{572 Österreich und Preußen}
Wegen dem gleichen Ziele zu, so werden sie, soweit sie von dem Vorhandensein ähnlicher
Bestrebungen Kenntnis genommen haben, die Art ihres Weges gründlicher überprüfen, denselben
womöglich abkürzen und unter Anspannung ihrer äußersten Energie versuchen, das Ziel schneller zu
erreichen.
So ergibt sich aus diesem Wettkampf eine Höherzüchtung des einzelnen Kämpfers, und die Menschheit
hat ihre Erfolge nicht selten mit den Lehren zu verdanken, die aus dem Mißgeschick gescheiterter
früherer Versuche gezogen wurden.
So können wir in der auf den ersten Blick tragisch erscheinenden Tatsache anfänglicher, ohne bewußtes
Verschulden einzelner entstandener Zersplitterung das Mittel erkennen, durch welches schließlich das
beste Verfahren erzielt wurde.
Wir sehen in der Geschichte, daß nach Anschauung der meisten die beiden Wege, welche dereinst zur
Lösung der deutschen Frage einzuschlagen möglich waren und deren hauptsächlichste Repräsentanten
und Verfechter Österreich und Preußen, Habsburg und Hohenzollern gewesen sind, von vornherein
hätten zusammengelegt werden müssen; man hätte sich nach ihrer Ansicht dem einen oder dem anderen
Weg in vereinigter Kraft anvertrauen sollen. Dann aber würde damals der Weg des zulegt
bedeutenderen, Vertreters beschritten worden sein; die österreichische Absicht hätte jedoch niemals zu
einem Deutschen Reich geführt.
Und nun erstand das Reich stärkster deutscher Einigkeit gerade aus dem, was Millionen Deutsche
blutenden Herzens als letztes und furchtbarstes Zeichen unseres Bruderzwistes empfanden: die deutsche
Kaiserkrone wurde in Wahrheit auf dem Schlachtfelde von Königgrätz geholt und nicht in den Kämpfen
vor Paris, wie man nachträglich meinte.
So war die Gründung des Deutschen Reiches an sich
{573 Ursachen der völkischen Zersplitterung}
nicht das Ergebnis irgendeines gemeinsamen Wollens auf gemeinsamen Wegen, sondern vielmehr das
Ergebnis bewußten, manchmal auch unbewußten Ringens nach der Hegemonie, aus welchem Ringen
Preußen endlich als Sieger hervorging. Und wer nicht in parteipolitischer Verblendung der Wahrheit
entsagt, der wird bestätigen müssen, daß die sogenannte Weisheit der Menschen niemals den gleichen
weisen Entschluß gefaßt haben würde, wie ihn die Weisheit des Lehens, d. h. des freien Spiels der
Kräfte, endlich Wirklichkeit hat werden lassen. Denn wer hätte in deutschen Landen vor zweihundert
Jahren wohl ernstlich geglaubt, daß das Hohenzollernsche Preußen dereinst Keimzelle, Gründer und
Lehrer des neuen Reiches sein würde und nicht Habsburg?! Wer wollte dagegen heute noch leugnen,
daß das Schicksal so besser gehandelt hat; ja, wer könnte sich heute überhaupt noch ein Deutsches Reich
vorstellen, getragen von den Grundsätzen einer fauligen und verkommenen Dynastie?
Nein, die natürliche Entwicklung hat, wenn auch nach jahrhundertelangem Kampf, endlich doch den
Besten auf die Stelle gebracht, auf die er gehörte.
Das wird immer so sein, wird ewig bleiben, wie es bisher immer so war.
Deshalb ist es nicht zu beklagen, wenn sich verschiedene Leute auf den Weg begehen, um ans gleiche
Ziel zu gelangen: Der Kräftigste und Schnellste wird auf solche Weise erkannt und wird Sieger werden.
Es gibt nun noch eine zweite Ursache dafür, warum im Völkerleben häufig Bewegungen scheinbar
gleicher Art das scheinbar gleiche Ziel dennoch auf verschiedenen Wegen zu erreichen suchen. Diese
Ursache ist nicht nur nicht tragisch, sondern sogar recht erbärmlich. Sie liegt in der traurigen Mischung
von Neid, Eifersucht, Ehrgeiz und diebischer Gesinnung, die man leider in einzelnen Subjekten der
Menschheit manches Mal vereinigt findet.
Sowie nämlich ein Mann auftritt, der die Not seines Volkes tief erkennt und nun, nachdem er sich über
das Wesen der Krankheit letzte Klarheit verschafft hat, ernstlich
{574 Ursachen der völkischen Zersplitterung}
versucht, sie zu beheben, wenn er ein Ziel fixiert und den Weg gewählt hat, der zu diesem Ziele führen
kann — dann werden sofort kleine und kleinste Geister aufmerksam und verfolgen nun eifrig das Tun
dieses Mannes, der die Augen der Öffentlichkeit auf sich gezogen hat. Genau wie Sperlinge, die,
scheinbar gänzlich uninteressiert, in Wirklichkeit aber dennoch aufs äußerste gespannt, einen
glücklicheren Genossen, der ein Stückchen Brot gefunden hat, dauernd beobachten, um plötzlich in
einem unbedachten Augenblick zu räubern, so auch diese Menschen. Es braucht einer nur sich auf einen
neuen Weg zu begeben, so werden schon viele faule Herumlungerer stutzig und wittern irgendeinen
lohnenden Bissen, der vielleicht am Ende dieses Weges liegen könnte. Sowie sie dann herausgebracht,
wo er etwa zu finden ist, machen sie sich eifrig auf die Beine, um auf einem anderen, womöglich
schnelleren Weg zum Ziele zu kommen.
Ist nun die neue Bewegung gegründet und hat sie ihr bestimmtes Programm empfangen, dann kommen
jene Menschen und behaupten, dieses gleiche Ziel zu verfechten; doch beileibe nicht, indem sie sich
redlich in die Reihen einer solchen Bewegung stellen und so die Priorität derselben anerkennen, sondern
sie bestehlen das Programm und gründen darauf eine eigene Partei. Sie sind dabei unverschämt genug,
der gedankenlosen Mitwelt zu versichern, daß sie schon lange vorher genau dasselbe gewollt hätten wie
der andere, und nicht selten gelingt es ihnen, sich damit in günstiges Licht zu setzen, anstatt
berechtigterweise der allgemeinen Verachtung zu verfallen. Denn ist es nicht eine große
Unverfrorenheit, vorzugeben, die Aufgabe, die ein anderer auf seine Fahne geschrieben hat, auf die
eigene zu schreiben, dessen programmatische Richtpunkte zu entlehnen, dann aber, als hätte man selbst
dies alles geschaffen, seine eigenen Wege zu gehen? Diese Unverfrorenheit zeigt sich aber besonders
darin, daß dieselben Elemente, die zuerst durch ihre Neugründungen die Zersplitterung verursacht
haben, erfahrungsgemäß am allermeisten von der Notwendigkeit der Einigkeit und Einheit reden, sobald
sie
{575 Ursachen der völkischen Zersplitterung}
zu bemerken glauben, daß der Vorsprung des Gegners doch nicht mehr eingeholt werden kann.
Solchem Vorgang ist die sogenannte "völkische Zersplitterung" zu verdanken.
Allerdings war die Bildung einer ganzen Reihe als völkisch bezeichneter Gruppen, Parteien usw. im
Jahre 1918/1919 von den Gründern gänzlich unverschuldet aus der natürlichen Entwicklung der Dinge
heraus erfolgt. Aus ihnen allen hatte sich schon im Jahre 1920 die NSDAP. als Siegerin langsam
herauskristallisiert. Die grundsätzliche Redlichkeit jener einzelnen Gründer konnte nun durch nichts
glänzender bewiesen werden als durch den bei vielen wahrhaft bewunderswerten Entschluß, der
stärkeren Bewegung die eigene, ersichtlich weniger erfolgreiche zum Opfer zu bringen, d. h. sie
aufzulösen oder bedingungslos einzugliedern.
Dies gilt besonders für den Hauptkämpfer der damaligen Deutschsozialistischen Partei in Nürnberg,
Julius Streicher. Die NSDAP. und die DSP. waren mit gleichen Schlußzielen, jedoch gänzlich
unabhängig voneinander, entstanden. Hauptsächlichster Vorkämpfer der DSP. war, wie gesagt, der
damalige Lehrer Julius Streicher in Nürnberg. Zunächst war auch er von der Mission und der Zukunft
seiner Bewegung heilig überzeugt. Sowie er aber die größere Kraft und das stärkere Wachstum der
NSDAP. klar und zweifelsfrei erkennen konnte, stellte er seine Tätigkeit für die DSP. und die
Werkgemeinschaft ein und forderte seine Anhänger auf, sich der aus dem gegenseitigen Ringen
siegreich hervorgegangenen NSDAP. einzuordnen und nun in ihren Reihen für das gemeinsame Ziel
weiterzufechten. Ein persönlich ebenso schwerer als grundanständiger Entschluß.
Aus dieser ersten Zeit der Bewegung ist denn auch keinerlei Zersplitterung übriggeblieben, sondern fast
durchwegs hat das ehrliche Wollen der damaligen Männer auch zum ehrlichen, geraden und richtigen
Ende geführt. Das, was wir heute mit dem Wort "völkische Zersplitterung" belegen, verdankt seine
Existenz, wie schon betont, ausnahms-
{576 "Arbeitsgemeinschaften"}
los der zweiten der von mir angeführten Ursachen: Ehrgeizige Männer, die vordem nie eigene
Gedanken, noch viel weniger eigene Ziele gehabt hatten, fühlten sich genau in dem Moment "berufen",
in welchem sie den Erfolg der NSDAP. unleugbar reifen sahen.
Plötzlich entstanden Programme, die restlos von dem unseren abgeschrieben waren, Ideen wurden
verfochten, die man von uns entlehnt, Ziele aufgestellt, für die wir schon seit Jahren gekämpft, Wege
gewählt, welche die NSDAP. schon längst beschritten hatte. Man versuchte mit allen Mitteln zu
begründen, warum man diese neuen Parteien, trotz der längst bestehenden NSDAP., zu bilden
gezwungen gewesen sei; allein, je edlere Motive man unterschob, um so unwahrer waren jene Phrasen.
In Wahrheit war ein einziger Grund maßgebend gewesen: der persönliche Ehrgeiz der Begründer, eine
Rolle spielen zu wollen, zu der die eigene zwergenhafte Erscheinung von sich aus wirklich nichts
mitbrachte als eine große Kühnheit, fremde Gedanken zu übernehmen, eine Kühnheit, die man im
sonstigen bürgerlichen Leben als diebisch zu bezeichnen pflegt.
Es gab damals nichts an Vorstellungen und Ideen anderer, was ein solcher politischer Kleptomane nicht
in kürzester Zeit für sein neues Geschäft angesammelt hätte. Die solches taten, waren aber dieselben
Leute, die dann später tränenden Auges die "völkische Zersplitterung" tief beklagten und unausgesetzt
von der "Notwendigkeit der Einheit" redeten, in der stillen Hoffnung, die anderen endlich doch so weit
übertölpeln zu können, daß sie, des ewigen anklagenden Geschreies müde, zu den bisher gestohlenen
Ideen auch noch die für deren Durchführung geschaffenen Bewegungen den Dieben hinwerfen würden.
Gelang ihnen dies jedoch nicht und hielt die Rentabilität der neuen Unternehmungen, dank der geringen
geistigen Ausmaße ihrer Besitzer, nicht das, was man sich von ihr
{577 "Arbeitsgemeinschaften"}
versprochen hatte, dann pflegte man es allerdings billiger zu geben und war schon glücklich, wenn man
in einer der sogenannten Arbeitsgemeinschaften landen konnte.
Alles, was damals nicht auf eigenen Beinen zu stehen vermochte, schloß sich zu solchen
Arbeitsgemeinschaften zusammen; wohl von dem Glauben ausgehend, daß acht Lahme, ineinander
eingehängt, sicherlich einen Gladiator ergeben.
Befand sich aber unter den Lahmen wirklich ein Gesunder, dann brauchte er schon seine ganze Kraft,
nur um die anderen auf den Beinen zu halten, und wurde dadurch endlich selbst gelähmt.
Das Zusammengehen in sogenannten Arbeitsgemeinschaften haben wir immer als eine Frage der Taktik
anzusehen; doch dürfen wir uns dabei von folgender grundsätzlichen Erkenntnis niemals trennen: Durch
die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft werden schwache Verbände niemals in kräftige verwandelt, wohl
aber kann und wird ein kräftiger Verband durch sie nicht selten eine Schwächung erleiden. Die
Meinung, daß aus der Zusammenstellung schwacher Gruppen sich ein Kraftfaktor ergeben müsse, ist
unrichtig, da die Majorität in jeglicher Form und unter allen Voraussetzungen erfahrungsgemäß die
Repräsentantin der Dummheit und der Feigheit sein wird und mithin jede Vielheit von Verbänden,
sowie sie durch eine selbstgewählte mehrköpfige Leitung dirigiert wird, der Feigheit und Schwäche
ausgeliefert ist. Auch wird durch solchen Zusammenschluß das freie Spiel der Kräfte unterbunden, der
Kampf zur Auslese der Besten abgestellt und somit der notwendige und endgültige Sieg des Gesünderen
und Stärkeren für immer verhindert. Es sind also derartige Zusammenschlüsse Feinde
{578 "Arbeitsgemeinschaften"}
der natürlichen Entwicklung, denn meist hindern sie die Lösung des Problems, für das gekämpft wird,
weit mehr, als sie sie fördern.
Es kann vorkommen, daß aus rein taktischen Erwägungen heraus die oberste Leitung einer Bewegung,
die in die Zukunft sieht, dennoch mit ähnlichen Verbänden über die Behandlung bestimmter Fragen auf
ganz kurze Zeit eine Einigung eingeht und vielleicht auch gemeinsame Schritte unternimmt. Allein dies
darf nie zur Verewigung solchen Zustandes führen, will nicht die Bewegung selbst damit auf ihre
erlösende Mission Verzicht leisten. Denn hat sie sich erst endgültig in einer solchen Vereinigung
verstrickt, verliert sie die Möglichkeit und auch das Recht, im Sinne einer natürlichen Entwicklung ihre
eigene Kraft sich voll auswirken zu lassen, so die Rivalen zu überwinden und als Siegerin das gesteckte
Ziel zu erreichen.
Man vergesse niemals, daß alles wirklich Große auf dieser Welt nicht erkämpft wurde von Koalitionen,
sondern daß es stets der Erfolg eines einzelnen Siegers war. Koalitionserfolge tragen schon durch die
Art ihrer Herkunft den Keim zu künftigem Abbröckeln, ja zum Verlust des schon Erreichten. Große,
wahrhaft weltumwälzende Revolutionen geistiger Art sind überhaupt nur denkbar und zu verwirklichen
als Titanenkämpfe von Einzelgebilden, niemals aber als Unternehmen von Koalitionen.
So wird auch vor allem der völkische Staat niemals geschaffen werden durch das kompromißhafte
Wollen einer völkischen Arbeitsgemeinschaft, sondern nur durch den stahlharten Willen einer einzigen
Bewegung, die sich durchgerungen hat gegen alle.
Weiter zu 9 & 10
{579}
9. Kapitel:
Grundgedanken über Sinn und Organisation der SA.
Die Stärke des alten Staates ruhte auf drei Säulen: der monarchischen Staatsform, dem
Verwaltungskörper und dem Heer. Die Revolution des Jahres 1918 hat die Staatsform beseitigt, das
Heer zersetzt und den Verwaltungskörper der Parteikorruption ausgeliefert. Damit sind aber die
wesentlichsten Stützen einer sogenannten Staatsautorität zerschlagen worden. Diese beruht an sich fast
immer auf den drei Elementen, die grundsätzlich jeder Autorität zugrunde liegen.
Das erste Fundament zur Bildung von Autorität bietet stets die Popularität. Eine Autorität jedoch, die
allein auf diesem Fundamente ruht, ist noch äußerlich schwach, unsicher und schwankend. Jeder Träger
einer solchen rein auf Popularität fußenden Autorität muß deshalb trachten, die Grundlage dieser
Autorität zu verbessern und zu sichern durch Bildung von Macht. In der Macht also, in der Gewalt,
sehen wir die zweite Grundlage jeder Autorität. Sie ist bereits wesentlich stabiler, sicherer, durchaus
aber nicht immer kraftvoller als die erste. Vereinen sich Popularität und Gewalt und vermögen sie
gemeinsam eine gewisse Zeit zu überdauern, dann kann eine Autorität auf noch festerer Grundlage
erstehen, die Autorität der Tradition. Wenn endlich Popularität, Kraft und Tradition sich verbinden, darf
eine Autorität als unerschütterlich betrachtet werden.
{580 Die drei Grundlagen der Autorität}
Durch die Revolution ist dieser letzte Fall vollständig ausgeschaltet worden. Ja, es gab nicht einmal
mehr eine Autorität der Tradition. Mit dem Zusammenbruch des alten Reiches, der Beseitigung der alten
Staatsform, der Vernichtung der ehemaligen Hoheitszeichen und Reichssymbole ist die Tradition jäh
abgerissen worden. Die Folge davon war die schwerste Erschütterung der Staatsautorität.
Selbst die zweite Säule der Staatsautorität, die Gewalt, war nicht mehr vorhanden. Um überhaupt die
Revolution durchführen zu können, war man gezwungen gewesen, die Verkörperung der organisierten
Kraft und Gewalt des Staates, nämlich das Heer, zu zersetzen; ja, man mußte die zerfressenen Teile der
Armee selbst als revolutionäre Kampfelemente verwenden. Wenn auch die Frontarmeen dieser
Zersetzung in nicht einheitlichem Maße anheimgefallen waren, so wurden sie doch, je mehr sie die
ruhmvollen Stätten ihres viereinhalbjährigen heldenhaften Ringens hinter sich ließen, von der Säure der
Desorganisation der Heimat angefressen und endeten, in den Demobilmachungsorganisationen
angekommen, ebenfalls im Durcheinander des sogenannten freiwilligen Gehorsams der
Soldatenratsepoche.
Auf diese meuternden, den Heeresdienst im Sinne einer achtstündigen Arbeitszeit auf fassenden
Soldatenhaufen konnte man allerdings keine Autorität mehr stützen. Damit war das zweite Element,
dasjenige, das die Festigkeit der Autorität erst verbürgt, auch beseitigt, und die Revolution besaß
eigentlich nur mehr das ursprünglichste, die Popularität, um ihre Autorität darauf aufzubauen. Gerade
diese Grundlage war aber eine außerordentlich unsichere. Wohl gelang der Revolution mit einem
einzigen gewaltigen Anhieb die Zerschmetterung des alten Staatsgebäudes, allein im tiefsten Grunde
doch nur, weil das normale Gleichgewicht innerhalb der Struktur unseres Volkes durch den Krieg schon
beseitigt worden war.
Jeder Volkskörper kann in drei große Klassen gegliedert werden: in ein Extrem des besten
Menschentums auf der einen Seite, gut im Sinne aller Tugenden, besonders aus-
{581 Die drei Klassen des Volkskörpers}
gezeichnet durch Mut und Opferfreudigkeit, andererseits ein Extrem des schlechtesten
Menschenauswurfs, schlecht im Sinne des Vorhandenseins aller egoistischen Triebe und Laster.
Zwischen beiden Extremen liegt als dritte Klasse die große, breite mittlere Schicht, in der sich weder
strahlendes Heldentum noch gemeinste Verbrechergesinnung verkörpert.
Zeiten des Emporstiegs eines Volkskörpers zeichnen sich aus, ja existieren nur durch die absolute
Führung des extrembesten Teiles.
Zeiten einer normalen, gleichmäßigen Entwicklung oder eines stabilen Zustandes zeichnen sich aus und
bestehen durch das ersichtliche Dominieren der Elemente der Mitte, wobei die beiden Extreme sich
gegenseitig die Waage halten, beziehungsweise sich aufheben.
Zeiten des Zusammenbruchs eines Volkskörpers werden bestimmt durch das vorherrschende Wirken der
schlechtesten Elemente.
Bemerkenswert ist aber dabei, daß die breite Masse, als die Klasse der Mitte, wie ich sie bezeichnen
will, nur dann fühlbar in Erscheinung tritt, wenn die beiden Extreme selbst sich in gegenseitigem Ringen
binden, daß sie aber im Falle des Sieges eines der Extreme sich stets dem Sieger willfährig unterordnet.
Im Falle des Dominierens der Besten wird die breite Masse diesen folgen, im Falle des Emporkommens
der Schlechtesten wird sie ihnen mindestens keinen Widerstand entgegensetzen; denn kämpfen wird die
Masse der Mitte selber niemals.
Der Krieg hat nun in seinem viereinhalbjährigen blutigen Geschehen das innere Gleichgewicht dieser
drei Klassen insofern gestört, als man — bei Anerkennung aller Opfer der Mitte — dennoch feststellen
muß, daß er zu einer fast vollständigen Ausblutung des Extrems des besten Menschentums führte. Denn
was in diesen viereinhalb Jahren
{582 Das Opfer der Besten}
an unersetzlichem deutschem Heldenblut vergossen wurde, ist wirklich ungeheuer. Man summiere alle
die Hunderttausende von Einzelfällen zusammen, in denen es immer wieder hieß: Freiwillige vor die
Front, freiwillige Patrouillengänger, freiwillige Meldegänger, Freiwillige für Telephontrupps,
Freiwillige für Brückenübergänge, Freiwillige für U-Boote, Freiwillige für Flugzeuge, Freiwillige für
Sturmbataillone usw. — immer und immer wieder durch viereinhalb Jahre hindurch bei tausend
Anlässen Freiwillige und wieder Freiwillige —, und man sieht stets das gleiche Ergebnis: Der bartlose
Jüngling oder der reife Mann, beide von glühender Vaterlandsliebe, von großem persönlichem Mut oder
höchstem Pflichtbewußtsein erfüllt, sie meldeten sich. Zehntausend, ja hunderttausend solcher Fälle
kamen vor, und allmählich wurde dieses Menschentum immer dünner und dünner. Was nicht fiel, war
entweder zu Krüppeln zerschossen oder verkrümelte sich allmählich infolge der Kleinheit der
übriggebliebenen Zahl. Man bedenke aber vor allem, daß das Jahr 1914 ganze Armeen aus sogenannten
Freiwilligen aufstellte, die, dank der verbrecherischen Gewissenlosigkeit unserer parlamentarischen
Taugenichtse, keine gültige Friedensausbildung erhalten hatten und so nun als wehrloses Kanonenfutter
dem Feinde preisgegeben waren. Die vierhunderttausend, die damals in den Kämpfen von Flandern
fielen oder zu Krüppeln wurden, konnten nicht mehr ersetzt werden. Ihr Verlust war mehr als das
Ausscheiden einer bloßen Zahl. Durch ihren Tod schnellte die Waage, auf der guten Seite zu wenig
beschwert, in die Höhe, und schwerer wogen nun als früher die Elemente der Gemeinheit, der
Niedertracht und der Feigheit, kurz die Masse des Extrems des Schlechten.
Denn noch eins kam dazu: Nicht nur, daß auf den Schlachtfeldern das Extrem des Besten in der
ungeheuerlichsten Weise durch die viereinhalb Jahre hindurch gelichtet worden war, das Extrem des
Schlechten hatte sich in der wundervollsten Art unterdessen konserviert. Sicherlich traf auf jeden sich
freiwillig
{583 Das Überwuchern der Schlechten}
meldenden Helden, der nach heiligem Opfertod dann die Stufen nach Walhall emporstieg, ein
Drückeberger, der sehr vorsichtig dem Tode den Rücken kehrte, um sich statt dessen mehr oder weniger
nützlich in der Heimat zu betätigen.
So ergibt das Ende des Krieges folgendes Bild: Die mittlere breite Schicht der Nation hat ihren Zoll an
pflichtgemäßen Blutopfern gebracht; das Extrem der Besten hat sich in vorbildlichem Heldentum fest
restlos aufgeopfert; das Extrem der Schlechten, unterstützt durch unsinnigste Gesetze einerseits und
durch die Nichtanwendung der Kriegsartikel andererseits, ist leider ebenso restlos erhalten geblieben.
Dieser wohlkonservierte Abschaum unseres Volkskörpers hat dann die Revolution gemacht, und er
konnte sie nur machen, weil das Extrem bester Elemente ihm nicht mehr gegenüberstand: — es war
nicht mehr am Leben.
Damit aber war die deutsche Revolution von vornherein nur eine bedingt populäre Sache. Nicht das
deutsche Volk an sich hat diese Kainstat verbrochen, sondern das lichtscheue Gesindel seiner
Deserteure, Zuhälter usw.
Der Mann an der Front, er begrüßte das Ende des blutigen Ringens, war glücklich, die Heimat wieder
betreten zu können, Weib und Kind wieder sehen zu dürfen. Allein mit der Revolution selbst hatte er
innerlich nichts zu tun; er liebte sie nicht, und noch viel weniger liebte er ihre Erreger und
Organisatoren. In den viereinhalb Jahren schwersten Kampfes hatte er die Parteihyänen vergessen, und
ihr ganzer Hader war ihm fremd geworden.
Nur bei einem kleinen Teil des deutschen Volkes war die Revolution wirklich populär geworden:
nämlich bei jener Klasse ihrer Helfer, die den Rucksack als Erkennungszeichen aller Ehrenbürger dieses
neuen Staates gewählt hatten. Sie liebten Revolutionen nicht um ihrer selbst willen, wie so manche
irrtümlich heute noch glauben, sondern wegen ihrer Folgen.

Allein auf die Popularität bei diesen marxistischen Freibeutern ließ sich wahrlich nur schwer eine
Autorität dauernd
{584 Desorganisation als Folge}
stützen. Und doch brauchte gerade die junge Republik Autorität um jeden Preis, wollte sie nicht nach
einem kurzen Chaos von einer sich aus den letzten Elementen der guten Seite unseres Volkes
zusammenschließenden Vergeltungsmacht plötzlich wieder verschlungen werden.
Sie fürchteten damals nichts mehr, jene Träger des Umsturzes, als im Strudel ihrer eigenen Wirrnis
selber jeden Boden zu verlieren und plötzlich von einer ehernen Faust, wie sie in solchen Zeitläuften
öfter als einmal aus dem Leben der Völker herauswächst, gefaßt und auf einen anderen Boden gestellt
zu werden. Die Republik mußte sich um jeden Preis konsolidieren.
So war sie fast augenblicklich gezwungen, neben der schwankenden Säule ihrer schwachen Popularität
sich wieder eine Organisation der Gewalt zu schaffen, um auf ihr eine festere Autorität begründen zu
können.
Als die Matadoren der Revolution in den Tagen des Dezember, Januar, Februar 1918/1919 den Boden
unter den Füßen wanken fühlten, hielten sie Umschau nach Menschen, die bereit sein würden, die
schwache Position, die ihnen die Liebe ihres Volkes bot; durch die Gewalt der Waffe zu stärken. Die
"antimilitaristische" Republik brauchte Soldaten. Da aber die erste und einzige Stütze ihrer
Staatsautorität — nämlich ihre Popularität — nur in einer Gesellschaft von Zuhältern, Dieben,
Einbrechern, Deserteuren, Drückebergern usw. wurzelte, also in jenem Teil des Volkes, den wir als das
Extrem des Schlechten bezeichnen müssen, war alles Werben nach Menschen, die das eigene Leben im
Dienste des neuen Ideals zu opfern bereit waren, in diesen Kreisen vergebliche Liebesmühe gewesen.
Die tragende Schicht des revolutionären Gedankens und der Durchführung der Revolution war weder
fähig noch bereit, die Soldaten zum Schutze derselben zu stellen. Denn diese Schicht wollte keineswegs
die Organisation eines republikanischen Staatskörpers, sondern die Desorganisation des vor-
{585 Entstehung der Freikorps}
handenen zur besseren Befriedigung ihrer Instinkte. Ihre Parole hieß nicht: Ordnung und Ausbau der
deutschen Republik, als vielmehr: Ausplünderung derselben.
So mußte der Schrei nach Hilfe, den die Volksbeauftragten damals in tausend Ängsten ausstießen, in
dieser Schicht ungehört verhallen, ja im Gegenteil Abwehr und Verbitterung auslösen. Denn man
empfand in einem solchen Beginnen einen Bruch von Treu und Glauben, witterte man doch in der
Bildung einer nicht mehr allein auf ihrer Popularität fußenden, sondern durch Macht gestützten Autorität
den Beginn des Kampfes gegen das für diese Elemente allein Maßgebliche der Revolution: gegen das
Recht auf Diebstahl und zuchtlose Herrschaft einer aus den Mauern der Zuchthäuser ausgebrochenen
und von ihren Ketten befreiten Horde von Dieben und Plünderern, kurz schlechtem Gesindel.
Die Volksbeauftragten mochten rufen soviel sie wollten, es kam niemand aus ihren Reihen, und nur der
Gegenruf "Verräter" gab ihnen die Auffassung jener Träger ihrer Popularität kund.
Damals fanden sich zum ersten Male zahlreiche junge Deutsche bereit, im Dienste der "Ruhe und
Ordnung", wie sie meinten, noch einmal den Soldatenrock zuzuknöpfen, Karabiner und Gewehr über die
Schulter zu nehmen, um mit angezogenem Stahlhelm den Destrukteuren der Heimat entgegenzutreten.
Als freiwillige Soldaten schlossen sie sich in freie Korps zusammen und begannen, während sie die
Revolution grimmig haßten, dieselbe Revolution zu beschützen und dadurch praktisch zu festigen.
Im besten Glauben handelten sie so.
Der wirkliche Organisator der Revolution und ihr tatsächlicher Drahtzieher, der internationale Jude,
hatte damals die Situation richtig abgeschätzt. Das deutsche Volk
{586 Unangebrachte Milde gegen Deserteure}
war noch nicht reif, um in den bolschewistischen Blutsumpf hineingezerrt werden zu können, wie dies
in Rußland gelang. Es lag dies zum großen Teil an der rassisch immer noch größeren Einheit zwischen
deutscher Intelligenz und deutschem Handarbeiter. Weiter in der großen Durchdringung selbst breitester
Volksschichten mit Bildungselementen, wie dies ähnlich nur in den anderen westeuropäischen Staaten
der Fall ist, in Rußland jedoch vollkommen fehlte. Dort war schon die Intelligenz selbst größtenteils
nichtrussischer Nationalität oder wenigstens nichtslawischen Rassecharakters. Die dünne intellektuelle
Oberschicht des damaligen Rußlands konnte jederzeit abgehoben werden infolge des vollkommenen
Fehlens verbindender Zwischenbestandteile zur Masse des großen Volkes. Das geistige und auch das
moralische Niveau dieser letzteren aber war dort entsetzlich tief.
Sowie es in Rußland gelang, den ungebildeten, nicht lesen- und nicht schreibenkönnenden Haufen in der
breiten Masse gegen die mit ihm in keinerlei Beziehung und Verbindung stehende dünne intellektuelle
Oberschicht zu hetzen, war das Schicksal dieses Landes entschieden, die Revolution gelungen; der
russische Analphabet war damit zum wehrlosen Sklaven seiner jüdischen Diktatoren gemacht, die
ihrerseits allerdings klug genug waren, diese Diktatur von der Phrase der "Volksdiktatur" tragen zu
lassen.
In Deutschland kam noch folgendes dazu: So sicher die Revolution nur infolge der allmählichen
Zersetzung des Heeres gelingen konnte, so sicher war der wirkliche Träger der Revolution und Zersetzer
des Heeres nicht der Soldat der Front gewesen, sondern das mehr oder weniger lichtscheue Gesindel,
das sich entweder in den Heimatgarnisonen herumtrieb oder als "unabkömmlich" irgendwo in der
Wirtschaft Dienste verrichtete. Verstärkt wurde diese Armee noch durch Zehntausende von Deserteuren,
die ohne besonderes Risiko der Front den Rücken kehren konnten. Der wirkliche Feigling scheut zu
allen Zeiten natürlich nichts mehr als den Tod. Den Tod aber hatte er an der Front Tag für Tag in
tausendfältigen Erscheinungen vor
{587 Deserteure und Revolution}
Augen. Will man schwache, schwankende oder gar feige Burschen nichtsdestoweniger zu ihrer Pflicht
anhalten, dann gibt es von jeher nur eine Möglichkeit: Es muß der Deserteur wissen, daß seine Desertion
gerade das mit sich bringt, was er fliehen will. An der Front kann man sterben, als Deserteur muß man
sterben. Nur durch solch eine drakonische Bedrohung jedes Versuches zur Fahnenflucht kann eine
abschreckende Wirkung nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Gesamtheit erzielt werden.
Und hier lagen Sinn und Zweck der Kriegsartikel.
Es war ein schöner Glaube, den großen Kampf um das Dasein eines Volkes durchfechten zu können,
lediglich gestützt auf die aus der Erkenntnis der Notwendigkeit heraus geborene und erhaltene
freiwillige Treue. Die freiwillige Pflichterfüllung hat immer die Besten in ihrem Handeln bestimmt,
nicht aber den Durchschnitt. Darum sind derartige Gesetze notwendig, wie zum Beispiel die gegen
Diebstahl, die ja nicht für die grundsätzlich Ehrlichen geschaffen wurden, sondern für die
wankelmütigen, schwachen Elemente. Solche Gesetze sollen durch die Abschreckung der Schlechten
verhindern, daß sich ein Zustand entwickle, in dem endlich der Ehrliche als der Dümmere betrachtet
würde und mithin immer mehr zu der Anschauung käme, daß es zweckmäßiger sei, sich ebenfalls am
Diebstahl zu beteiligen, als mit leeren Händen zuzusehen oder gar sich bestehlen zu lassen.
So war es falsch, zu glauben, daß man in einem Kampf, der aller menschlichen Voraussicht nach
jahrelang toben konnte, der Hilfsmittel würde entbehren können, die die Erfahrung vieler Jahrhunderte,
ja Jahrtausende als diejenigen erscheinen ließ, die in ernsten Zeiten und Augenblicken schwerster
Nervenbeanspruchung schwache und unsichere Menschen zur Erfüllung ihrer Pflicht zu zwingen
vermögen.
Für den kriegsfreiwilligen Helden brauchte man selbstverständlich keinen Kriegsartikel, wohl aber für
den feigen
{588 Die Furcht vor dem Frontsoldaten}
Egoisten, der in der Stunde der Not seines Volkes sein Leben höher schätzt als das der Gesamtheit.
Solch ein charakterloser Schwächling aber kann nur durch Anwendung der härtesten Strafe abgehalten
werden, seiner Feigheit nachzugeben. Wenn Männer dauernd mit dem Tode ringen und durch Wochen
ruhelos in schlammgefüllten Trichtern, bei manches Mal schlechtester Verpflegung, auszuharren haben,
kann der unsicher werdende Kantonist nicht durch Drohung mit Gefängnis oder selbst Zuchthaus bei der
Stange gehalten werden, sondern allein durch rücksichtslose Anwendung der Todesstrafe. Denn er sieht
erfahrungsgemäß in solcher Zeit das Gefängnis als einen immer noch tausendmal angenehmeren Ort an
als das Schlachtfeld, sintemalen im Gefängnis doch wenigstens sein unschätzbares Leben nicht bedroht
wird. Daß man im Kriege aber praktisch die Todesstrafe ausschaltete, die Kriegsartikel also in
Wirklichkeit außer Kurs setzte, hat sich entsetzlich gerächt. Eine Armee von Deserteuren ergoß sich,
besonders im Jahre 1918, in Etappe und Heimat und half mit, jene große, verbrecherische Organisation
zu bilden, die wir dann als die Macherin der Revolution nach dem 7. November 1918 plötzlich vor uns
sahen.
Die Front selbst hatte damit eigentlich nichts zu tun. Nur Sehnsucht nach Frieden haben ihre
Angehörigen natürlich alle empfunden. Allein gerade in dieser Tatsache lag eine außerordentliche
Gefahr für die Revolution. Denn als sich nach dem Waffenstillstand die deutschen Armeen der Heimat
zu nähern begannen, da war die bange Frage der damaligen Revolutionäre immer nur die gleiche: Was
werden die Fronttruppen machen? Werden die Feldgrauen das dulden?In diesen Wochen mußte die
Revolution in Deutschland wenigstens äußerlich gemäßigt erscheinen, wenn sie nicht Gefahr laufen
wollte, von einigen deutschen Divisionen plötzlich blitzschnell zusammengehauen zu werden. Denn
wenn damals auch nur ein einziger Divisionär den Entschluß gefaßt hätte, mit seiner ihm treu ergebenen
Division die
{589 Die Furcht vor dem Frontsoldaten}
roten Fetzen herunterzuholen und die "Räte" an die Wand stellen zu lassen, etwaigen Widerstand aber
mit Minenwerfern und Handgranaten zu brechen, so würde diese Division in noch nicht einmal vier
Wochen zu einer Armee von sechzig Divisionen angeschwollen sein. Davor zitterten die jüdischen
Drahtzieher mehr als vor irgend etwas anderem. Und gerade um dies zu verhindern, mußte man der
Revolution eine gewisse Mäßigung auferlegen, sie durfte nicht in Bolschewismus ausarten, sondern
mußte, wie die Dinge nun einmal lagen, "Ruhe und Ordnung" heucheln. Daher die zahlreichen großen
Konzessionen, der Appell an den alten Beamtenkörper, an die alten Armeeführer. Man brauchte sie
wenigstens noch eine gewisse Zeit, und erst als die Mohren ihre Schuldigkeit getan hatten, konnte man
wagen, ihnen die gebührenden Fußtritte zu versetzen und die Republik aus den Händen der alten
Staatsdiener zu nehmen und den Klauen der Revolutionsgeier auszuliefern.
Nur so durfte man hoffen, alte Generale und alte Staatsbeamte zu düpieren, um einen eventuellen
Widerstand derselben durch die anscheinende Harmlosigkeit und Milde des neuen Zustandes von
vornherein zu entwaffnen.
Wie sehr dies gelungen ist, hat die Praxis gezeigt.
Allein die Revolution war nicht gemacht worden von Elementen der Ruhe und Ordnung, als vielmehr
von solchen des Aufruhrs, des Diebstahls und der Plünderung. Und diesen war weder die Entwicklung
der Revolution dem eigenen Wollen entsprechend, noch konnte ihnen aus taktischen Gründen der
Verlauf erläutert und mundgerecht gemacht werden.
Mit der allmählichen Zunahme der Sozialdemokratie hatte diese immer mehr den Charakter einer
brutalen Revolutionspartei verloren. Nicht, als ob sie gedanklich je einem anderen Ziele als dem der
Revolution gehuldigt, oder ihre Führer je andere Absichten gehabt hätten; durchaus nicht. Allein, was
endlich übrigblieb, war nur noch die Absicht
{590 Zusammenspiel der Linksparteien}
und ein zur Ausführung derselben nicht mehr passender Körper. Mit einer Zehnmillionenpartei kann
man keine Revolution mehr machen. In einer solchen Bewegung hat man nicht länger ein Extrem der
Aktivität vor sich, sondern die breite Masse der Mitte, also die Trägheit.
In dieser Erkenntnis fand noch während des Krieges die berühmte Spaltung der Sozialdemokratie durch
den Juden statt, d. h.: Während sich die sozialdemokratische Partei, entsprechend der Trägheit ihrer
Masse, wie ein Bleigewicht an die nationale Verteidigung hing, zog man aus ihr die radikalaktivistischen
Elemente heraus und formierte sie zu besonders schlagkräftigen neuen Angriffskolonnen.
Unabhängige Partei und Spartakusbund waren die Sturmbataillone des revolutionären Marxismus. Sie
hatten die vollendete Tatsache zu schaffen, auf deren Boden dann die jahrzehntelang darauf vorbereitete
Masse der sozialdemokratischen Partei treten konnte. Das feige Bürgertum wurde dabei vom Marxismus
richtig eingeschätzt und einfach "en canaille" behandelt. Man nahm von ihm überhaupt keine Notiz,
wissend, daß die hündische Unterwürfigkeit der politischen Gebilde einer alten ausgedienten Generation
zu ernstlichem Widerstand niemals fähig sein würde.
Sowie die Revolution gelungen war und die Hauptstützen des alten Staates als gebrochen gelten
konnten, die zurückmarschierende Frontarmee aber als unheimliche Sphinx aufzutauchen begann, mußte
in der natürlichen Entwicklung der Revolution gebremst werden; das Gros der sozialdemokratischen
Armee besetzte die eroberte Stellung, und die unabhängigen und spartakistischen Sturmbataillone
wurden beiseitegeschoben.
Dies ging jedoch nicht ohne Kampf.
Nicht nur, daß sich die aktivistischen Angriffsformationen der Revolution, weil nicht befriedigt, nun
betrogen fühlten und von sich aus weiterschlagen wollten, war ihr unbändiges Randalieren den
Drahtziehern der Revolution selber nur erwünscht. Denn kaum, daß der Umsturz vorbei
{591 Das Einfangen der Bürgerlichen}
war, gab es in ihm selber bereits scheinbar zwei Lager, nämlich: die Partei der Ruhe und Ordnung und
die Gruppe des blutigen Terrors. Was aber war nun natürlicher, als daß unser Bürgertum sofort mit
fliegenden Fahnen in das Lager der Ruhe und Ordnung einrückte? Jetzt war auf einmal für diese
erbärmlichsten politischen Organisationen die Möglichkeit einer Betätigung gegeben, bei der sie, ohne
es sagen zu müssen, dennoch im stillen bereits wieder einen Boden unter den Füßen gefunden hatten
und in eine gewisse Solidarität mit der Macht kamen, die sie haßten, aber noch inständiger fürchteten.
Das politische deutsche Bürgertum hatte die hohe Ehre erhalten, sich mit den dreimal verfluchten
Marxistenführern zur Bekämpfung der Bolschewisten an einen Tisch setzen zu dürfen.
So bildete sich bereits im Dezember 1918 und Januar 1919 folgender Zustand heraus: Von einer
Minderheit schlechtester Elemente ist eine Revolution gemacht worden, hinter die sofort die gesamten
marxistischen Parteien traten. Die Revolution selbst hat ein scheinbar gemäßigtes Gepräge, was ihr die
Feindschaft der fanatischen Extremisten zuzieht. Diese beginnen mit Handgranaten und
Maschinengewehren herumzuknallen, Staatsbauten zu besetzen, kurz, die gemäßigte Revolution zu
bedrohen. Um den Schrecken einer solchen weiteren Entwicklung zu bannen, wird ein Waffenstillstand
geschlossen zwischen den Trägern des neuen Zustandes und den Anhängern des alten, um nun
gemeinsam gegen die Extremisten den Kampf führen zu können. Das Ergebnis ist, daß die Feinde der
Republik damit ihren Kampf gegen die Republik als solche eingestellt haben und mithelfen, diejenigen
niederzuzwingen, die selbst, wenn auch aus ganz anderen Gesichtspunkten heraus, ebenfalls Feinde
dieser Republik sind. Das weitere Ergebnis aber ist, daß dadurch endgültig die Gefahr eines Kampfes
der Anhänger des alten Staates gegen die des neuen abgebogen erscheint.
Man kann sich diese Tatsache gar nicht oft und scharf genug vor Augen halten. Nur wer sie begreift,
versteht, wie es möglich war, daß einem Volk, das zu neun Zehnteln
{592 Kapitulation der Bürgerlichen}
eine Revolution nicht gemacht hat, zu sieben Zehnteln sie ablehnt, zu sechs Zehnteln sie haßt, endlich
von einem Zehntel dennoch diese Revolution aufgezwungen werden konnte.
Allmählich verbluteten die spartakistischen Barrikadenkämpfer auf der einen Seite und die
nationalistischen Fanatiker und Idealisten auf der anderen, und in eben dem Maße, in dem diese beiden
Extreme sich gegenseitig aufrieben, siegte, wie immer, die Masse der Mitte. Bürgertum und Marxismus
fanden sich auf dem Boden der gegebenen Tatsachen, und die Republik begann sich zu "konsolidieren".
Was allerdings die bürgerlichen Parteien zunächst nicht hinderte, besonders vor den Wahlen, noch eine
Zeitlang den monarchischen Gedanken zu zitieren, um mit den Geistern der vergangenen Welt die
kleineren Geister ihrer Anhänger zu beschwören und erneut einfangen zu können.
Ehrlich war dies nicht. Sie hatten innerlich alle schon längst mit der Monarchie gebrochen, und die
Unsauberkeit des neuen Zustandes begann ihre verführerischen Wirkungen auch im bürgerlichen
Parteilager geltend zu machen. Der gewöhnliche bürgerliche Politiker fühlt sich heute wohler im
Korruptionsschlamm der Republik als in der reinlichen Härte, die ihm vom vergangenen Staat her noch
in Erinnerung ist.
×
Wie schon gesagt, war die Revolution nach der Zertrümmerung des alten Heeres gezwungen, sich zur
Stärkung ihrer Staatsautorität einen neuen Machtfaktor zu schaffen. Wie die Dinge lagen, konnte sie
diesen nur aus Anhängern einer ihr eigentlich entgegengesetzten Weltanschauung gewinnen. Aus ihnen
allein konnte dann auch langsam ein neuer Heereskörper entstehen, der, äußerlich begrenzt durch die
Friedensverträge, in seiner Gesinnung im Laufe der Zeit zu einem Instrument der neuen
Staatsauffassung umgeformt werden mußte.
Legt man sich die Frage vor, wieso — abgesehen von allen wirklichen Fehlern des alten Staates, welche
zur Ursache
{593 Warum gelang der Umsturz?}
wurden — die Revolution als Aktion gelingen konnte, so kommt man zu dem Ergebnis: 1. infolge der
Erstarrung unserer Begriffe von Pflichterfüllung und Gehorsam und2. infolge der feigen Passivität
unserer sogenannten staatserhaltenden Parteien.
Hierzu sei noch folgendes gesagt: Die Erstarrung unserer Begriffe von Pflichterfüllung und Gehorsam
hat ihren letzten Grund in unserer gänzlich anationalen und immer nur rein staatlichen Erziehung.
Daraus resultiert auch hier die Verkennung von Mittel und Zweck. Pflichtbewußtsein, Pflichterfüllung
und Gehorsam sind nicht Zwecke an sich, genau so wenig, wie der Staat ein Zweck an sich ist, sondern
sie sollen alle die Mittel sein, einer Gemeinschaft seelisch und physisch gleichartiger Lebewesen die
Existenz auf dieser Erde zu ermöglichen und zu sichern. In einer Stunde, da ein Volkskörper sichtlich
zusammenbricht und allem Augenscheine nach der schwersten Bedrückung ausgeliefert wird, dank des
Handelns einiger Lumpen, bedeuten Gehorsam und Pflichterfüllung diesen gegenüber doktrinären
Formalismus, ja reinen Wahnwitz, wenn andererseits durch Verweigerung von Gehorsam und
"Pflichterfüllung" die Errettung eines Volkes vor seinem Untergang ermöglicht würde. Nach unserer
heutigen bürgerlichen Staatsauffassung hat der Divisionär, der seinerzeit von oben den Befehl erhielt,
nicht zu schießen, pflichtgemäß und damit recht gehandelt, indem er nicht schoß, da der bürgerlichen
Welt der gedankenlose formale Gehorsam wertvoller ist als das Leben des eigenen Volkes. Nach
nationalsozialistischer Auffassung tritt aber in solchen Augenblicken nicht der Gehorsam gegenüber
schwachen Vorgesetzten in Kraft, sondern der Gehorsam gegenüber der Volksgemeinschaft. Es tritt in
einer solchen
{594 Passivität der "Staatserhaltenden"}
Stunde die Pflicht der persönlichen Verantwortung einer ganzen Nation gegenüber in Erscheinung.
Daß eine lebendige Auffassung dieser Begriffe in unserem Volk oder, besser, in unseren Regierungen
verlorengegangen war, um dort einer rein doktrinären und formalen zu weichen, war die Ursache des
Gelingens der Revolution.
Zum zweiten Punkt wäre folgendes zu bemerken: Der tiefere Grund für die Feigheit der
"staatserhaltenden" Parteien ist vor allem das Ausscheiden des aktivistischen, gut gesinnten Teiles
unseres Volkes aus ihren Reihen, der im Felde verblutete. Davon abgesehen, waren unsere bürgerlichen
Parteien, die wir als die einzigen politischen Gebilde bezeichnen können, die auf dem Boden des alten
Staates standen, überzeugt, ihre Anschauungen ausschließlich auf geistigem Wege und mit geistigen
Mitteln vertreten zu dürfen, da die Anwendung von physischen allein dem Staate zukäme. Nicht nur,
daß man in einer solchen Auffassung das Zeichen einer allmählich sich herausbildenden dekadenten
Schwäche zu erblicken hat, war sie auch unsinnig in einer Zeit, in der ein politischer Gegner diesen
Standpunkt bereits längst verlassen hatte und statt dessen in aller Offenheit betonte, wenn möglich seine
politischen Ziele auch durch Gewalt verfechten zu wollen. In dem Augenblick, in dem in der Welt der
bürgerlichen Demokratie, als Folgeerscheinung derselben, der Marxismus auftauchte, war ihr Appell,
den Kampf mit "geistigen Waffen" zu führen, ein Unsinn, der sich eines Tages furchtbar rächen mußte.
Denn der Marxismus selbst vertrat von jeher die Auffassung, daß die Anwendung einer Waffe nur nach
Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten zu erfolgen hat und das Recht hierzu immer im Gelingen liegt.
Wie richtig diese Auffassung ist, wurde in den Tagen vom 7.–11. November 1918 bewiesen. Damals
kümmerte sich der Marxismus nicht im geringsten um Parlamentarismus und Demokratie, sondern gab
beiden durch brüllende und schießende Verbrecherhaufen den Todesstoß. Daß die bürgerlichen
Schwätzerorganisationen im selben Augenblick wehrlos waren, ist selbstverständlich.
{595 Kapitulation vor dem Marxismus}
Nach der Revolution, da die bürgerlichen Parteien, wenn auch unter Änderung ihrer Firmenschilder,
plötzlich wieder auftauchten und ihre tapferen Führer aus der Verborgenheit finsterer Keller und luftiger
Speicher hervorkrochen, da hatten sie, wie alle Vertreter derartiger alter Gebilde, ihre Fehler nicht
vergessen und ebenso nichts hinzugelernt. Ihr politisches Programm lag in der Vergangenheit, sofern sie
sich nicht mit dem neuen Zustand innerlich bereits ausgesöhnt hatten, ihr Ziel war jedoch, sich am neuen
Zustand wenn möglich beteiligen zu dürfen, und ihre einzigen Waffen blieben dabei nach wie vor ihre
Worte.
Auch nach der Revolution haben die bürgerlichen Parteien in jämmerlicher Weise jederzeit vor der
Straße kapituliert.
Als das Republikschutzgesetz zur Annahme kommen sollte, war eine Majorität dafür zunächst nicht
vorhanden. Allein vor den zweihunderttausend demonstrierenden Marxisten packte die bürgerlichen
"Staatsmänner" eine derartige Angst, daß sie gegen ihre Überzeugung das Gesetz annahmen, in der
erbaulichen Furcht, andernfalls beim Verlassen des Reichstages von der wütenden Masse windelweich
geprügelt zu werden. Was dann leider zufolge der Annahme ausblieb. —So ging denn auch die
Entwicklung des neuen Staates ihre Bahnen, als ob es eine nationale Opposition überhaupt nicht
gegeben hätte.
Die einzigen Organisationen, die in dieser Zeit Mut und Kraft besessen hätten, dem Marxismus und
seinen verhetzten Massen entgegenzutreten, waren zunächst die Freikorps, später die
Selbstschutzorganisationen, Einwohnerwehren usw. und endlich die Traditionsverbände.
Warum aber auch ihr Dasein in der Entwicklung der deutschen Geschichte keinerlei nur irgendwie
wahrnehmbare Umstellung herbeiführte, lag an folgendem: So wie die sogenannten nationalen Parteien
keinerlei Einfluß auszuüben vermochten, mangels irgendwelcher bedrohlichen Macht auf der Straße, so
konnten
{596 Versagen der nationalen Parteien}
hinwieder die sogenannten Wehrverbände keinerlei Einfluß ausüben mangels irgendwelcher politischen
Idee und vor allem jedes wirklichen politischen Zieles.
Was dem Marxismus einst den Erfolg gegeben hatte, war das vollendete Zusammenspiel von
politischem Wollen und aktivistischer Brutalität. Was das nationale Deutschland von jeder praktischen
Gestaltung der deutschen Entwicklung ausschaltete, war das Fehlen einer geschlossenen
Zusammenarbeit brutaler Macht mit genialem politischem Wollen.
Welcher Art das Wollen der "nationalen" Parteien auch sein mochte, sie hatten nicht die geringste
Macht, dieses Wollen zu verfechten, am wenigsten auf der Straße.
Die Wehrverbände hatten alle Macht, waren die Herren der Straße und des Staates und besaßen keine
politische Idee und kein politisches Ziel, für die ihre Macht zum Nutzen des nationalen Deutschlands
eingesetzt worden wäre oder auch nur hätte eingesetzt werden können. In beiden Fällen war es die
Schlauheit des Juden, die es fertigbrachte, durch kluges Zureden und Bestärken eine förmliche
Verewigung, auf alle Fälle aber zunehmende Vertiefung dieses unseligen Verhängnisses herbeizuführen.
Der Jude war es, der durch seine Presse unendlich geschickt den Gedanken des "unpolitischen
Charakters" der Wehrverbände zu lancieren verstand, wie er wiederum im politischen Leben ebenso
schlau stets die "reine Geistigkeit" des Kampfes pries und forderte. Millionen deutscher Dummköpfe
plapperten dann diesen Unsinn nach, ohne auch nur eine blasse Ahnung zu haben, wie sie sich selbst
damit praktisch entwaffneten und dem Juden wehrlos auslieferten.
Aber auch hierfür gibt es freilich wieder eine natürliche Erklärung. Der Mangel einer großen
neugestaltenden Idee bedeutet zu allen Zeiten eine Beschränkung der Kampfkraft.
{597 Ohne Idee keine Kampfkraft}
Die Überzeugung vom Recht der Anwendung selbst brutalster Waffen ist stets gebunden an das
Vorhandensein eines fanatischen Glaubens an die Notwendigkeit des Sieges einer umwälzenden neuen
Ordnung dieser Erde.
Eine Bewegung, die nicht für solche höchste Ziele und Ideale ficht, wird daher nie zur letzten Waffe
greifen.
Das Aufzeigen einer neuen großen Idee ist das Geheimnis des Erfolges der Französischen Revolution
gewesen; der Idee verdankt die russische den Sieg, und der Faschismus hat nur durch die Idee die Kraft
erhalten, ein Volk in segensreichster Weise einer umfassendsten Neugestaltung zu unterwerfen.
Bürgerliche Parteien sind hierzu nicht befähigt.
Allein nicht nur die bürgerlichen Parteien sahen ihr politisches Ziel in einer Restauration der
Vergangenheit, sondern auch die Wehrverbände, soweit sie sich überhaupt mit politischen Zielen
befaßten. Alte Kriegervereins- und Kyffhäusertendenzen wurden in ihnen lebendig und halfen mit, die
schärfste Waffe, die das nationale Deutschland damals hatte, politisch abzustumpfen und im
Landsknechtsdienst der Republik verkommen zu lassen. Daß sie dabei selbst in bester Gesinnung, vor
allem aber im besten Glauben handelten, ändert nicht das geringste am unseligen Wahnwitz dieser
damaligen Vorgänge.
Allmählich erhielt der Marxismus in der sich konsolidierenden Reichswehr die erforderliche
Machtstütze seiner Autorität und begann daraufhin konsequent und logisch, die gefährlich
erscheinenden nationalen Wehrverbände, als nunmehr überflüssig, abzubauen. Einzelne besonders
verwegene Führer, denen man mit Mißtrauen gegenüberstand, wurden vor die Schranken der Gerichte
zitiert und hinter schwedische Gardinen gesteckt. An allen aber hat sich das Los erfüllt, das sie selbst
verschuldet hatten.
×
{598 Vertretung der völkischen Idee}
Mit der Gründung der NSDAP war zum ersten Male eine Bewegung in Erscheinung getreten, deren
Ziel nicht, ähnlich dem der bürgerlichen Parteien, in einer mechanischen Restauration der
Vergangenheit lag, sondern in dem Bestreben, an Stelle des heutigen widersinnigen Staatsmechanismus
einen organischen völkischen Staat zu errichten.
Die junge Bewegung stand dabei vom ersten Tage an auf dem Standpunkt, daß ihre Idee geistig zu
vertreten ist, daß aber der Schutz dieser Vertretung, wenn notwendig, auch durch brachiale Mittel
gesichert werden muß. Getreu ihrer Überzeugung von der ungeheuren Bedeutung der neuen Lehre
erscheint es ihr selbstverständlich, daß für die Erreichung des Zieles kein Opfer zu groß sein darf.
Ich habe schon auf die Momente hingewiesen, die eine Bewegung, sofern sie das Herz eines Volkes
gewinnen will, verpflichten, aus eigenen Reihen die Verteidigung gegen terroristische Versuche der
Gegner zu übernehmen. Auch ist es eine ewige Erfahrung der Weltgeschichte, daß ein von einer
Weltanschauung vertretener Terror nie durch eine formale Staatsgewalt gebrochen werden kann,
sondern stets nur einer neuen, ebenso kühn und entschlossen vorgehenden anderen Weltanschauung zu
unterliegen vermag. Dies wird dem Empfinden der beamteten Staatshüter zu allen Zeiten unangenehm
sein, ohne daß aber dadurch die Tatsache aus der Welt geschafft wird. Die Staatsgewalt kann nur dann
für Ruhe und Ordnung garantieren, wenn sich der Staat inhaltlich deckt mit der jeweils herrschenden
Weltanschauung, so daß gewalttätige Elemente nur den Charakter einzelner verbrecherischer Naturen
besitzen und nicht als Vertreter eines den staatlichen Anschauungen extrem gegenüberstehenden
Gedankens angesehen werden. In einem solchen Falle kann der Staat jahrhundertelang die größten
Gewaltmaßnahmen gegen einen ihn bedrohenden Terror anwenden, am Ende wird er dennoch nichts
gegen ihn vermögen, sondern unterliegen.
{599 Notwendigkeit der Schutztruppe}
Der deutsche Staat wird auf das schwerste berannt vom Marxismus. Er hat in seinem siebzigjährigen
Kampf den Sieg dieser Weltanschauung nicht zu verhindern vermocht, sondern wurde trotz insgesamt
Tausenden von Jahren an Zuchthaus- und Gefängnisstrafen und blutigster Maßnahmen, die er in
zahllosen Fällen über die Kämpfer der ihn bedrohenden marxistischen Weltanschauung verhängte,
dennoch zu einer fast vollständigen Kapitulation gezwungen. (Auch dies wird der normale bürgerliche
Staatsleiter ableugnen wollen, selbstverständlich ohne daß er zu überzeugen vermag.)Der Staat aber, der
am 9. November 1918 vor dem Marxismus bedingungslos zu Kreuze kroch, wird nicht plötzlich morgen
als dessen Bezwinger auferstehen, im Gegenteil: bürgerliche Schwachköpfe auf Ministerstühlen faseln
heute bereits von der Notwendigkeit, nicht gegen die Arbeiter zu regieren, wobei ihnen unter dem
Begriff "Arbeiter" der Marxismus vorschwebt. Indem sie aber den deutschen Arbeiter mit dem
Marxismus identifizieren, begehen sie nicht nur eine ebenso feige wie verlogene Fälschung an der
Wahrheit, sondern sie versuchen, durch ihre Motivierung ihr eigenes Zusammenbrechen vor der
marxistischen Idee und Organisation zu verbergen.
Angesichts dieser Tatsache aber, nämlich der restlosen Unterwerfung des heutigen Staates unter den
Marxismus, erwächst der nationalsozialistischen Bewegung erst recht die Pflicht, nicht nur geistig den
Sieg ihrer Ideen vorzubereiten, sondern auch deren Verteidigung gegenüber dem Terror der
siegestrunkenen Internationale selbst zu übernehmen.
Ich habe bereits geschildert, wie aus dem praktischen Leben heraus sich langsam in unserer jungen
Bewegung ein Versammlungsschutz bildete, wie dieser allmählich den Charakter einer bestimmten
Ordnertruppe annahm und nach einer organisatorischen Formung strebte.
So sehr das dann allmählich entstehende Gebilde äußerlich einem sogenannten Wehrverbande gleichen
mochte, so wenig war es damit zu vergleichen.
{600 Aufgabe der Schutztruppe}
Wie schon erwähnt, hatten die deutschen Wehrorganisationen keinen eigenen bestimmten politischen
Gedanken. Sie waren wirklich nur Selbstschutzverbände von mehr oder minder zweckmäßiger
Ausbildung und Organisation, so daß sie eigentlich eine illegale Ergänzung der jeweiligen legalen
Machtmittel des Staates darstellten. Ihr freikorpsartiger Charakter war nur begründet durch die Art ihrer
Bildung und durch den Zustand des damaligen Staates, keineswegs aber kommt ihnen ein solcher Titel
etwa zu als freie Formationen des Kampfes für eine freie, eigene Überzeugung. Diese besaßen sie trotz
aller oppositionellen Haltung einzelner Führer und ganzer Verbände gegen die Republik dennoch nicht.
Denn es genügt nicht, von der Minderwertigkeit eines bestehenden Zustandes überzeugt zu sein, um von
einer Überzeugung im höheren Sinne sprechen zu können, sondern diese wurzelt nur in dem Wissen von
einem neuen Zustand und im inneren Erschauen eines Zustandes, den zu erreichen man als
Notwendigkeit empfindet und für dessen Verwirklichung sich einzusetzen man als höchste
Lebensaufgabe ansieht.
Das unterscheidet die Ordnertruppe der damaligen nationalsozialistischen Bewegung grundsätzlich von
allen Wehrverbänden, daß sie nicht im geringsten eine Dienerin der durch die Revolution geschaffenen
Zustände war oder sein wollte, sondern daß sie vielmehr ausschließlich für ein neues Deutschland rang.
Diese Ordnertruppe besaß allerdings anfangs nur den Charakter eines Saalschutzes. Ihre erste Aufgabe
war eine beschränkte: sie bestand in der Ermöglichung der Abhaltung von Versammlungen, die ohne sie
glatt vom Gegner verhindert worden wären. Sie war schon damals erzogen worden zum blindlings
auszuführenden Angriff, aber nicht etwa, weil sie, wie man in dummen deutschvölkischen Kreisen
daherredete, den Gummiknüppel als höchsten Geist verehrte, sondern weil sie begriff, daß der größte
Geist aus-
{601 Schutz der Nation, nicht des Staates}
geschaltet werden kann, wenn sein Träger von einem Gummiknüppel erschlagen wird, wie tatsächlich in
der Geschichte nicht selten die bedeutendsten Köpfe unter den Hieben kleinster Heloten endeten. Sie
wollte nicht die Gewalt als das Ziel hinstellen, sondern die Verkünder des geistigen Ziels vor der
Bedrängung durch Gewalt schützen. Und sie hat dabei begriffen, daß sie nicht verpflichtet ist, den
Schutz eines Staates zu übernehmen, der der Nation keinen Schutz gewährt, sondern daß sie im
Gegenteil den Schutz der Nation zu übernehmen hat gegen diejenigen, die Volk und Staat zu vernichten
drohten.
Nach der Versammlungsschlacht im Münchener Hofbräuhaus erhielt die Ordnertruppe einmal für
immer, zur dauernden Erinnerung an die heldenhaften Sturmangriffe der kleinen Zahl von damals, den
Namen Sturmabteilung. Wie schon diese Bezeichnung sagt, stellt sie damit nur eine Abteilung der
Bewegung dar. Sie ist ein Glied in ihr, genau so wie die Propaganda, die Presse, die wissenschaftlichen
Institute und anderes lediglich Glieder der Partei bilden.
Wie notwendig ihr Ausbau war, konnten wir nicht nur in dieser denkwürdigen Versammlung sehen,
sondern auch bei unserem Versuch, die Bewegung aus München allmählich in das übrige Deutschland
hinauszutreiben. Sowie wir dem Marxismus gefährlich erschienen waren, ließ dieser keine Gelegenheit
unbenutzt, um jeden Versuch einer nationalsozialistischen Versammlung schon im Keime zu ersticken,
beziehungsweise deren Abhaltung durch Sprengung zu verhindern. Dabei war es ganz
selbstverständlich, daß die Parteiorganisationen des Marxismus aller Schattierungen jede solche Absicht
und jeden solchen Vorfall in den Vertretungskörpern blind deckten. Was sollte man aber zu bürgerlichen
Parteien sagen, die, selbst vom Marxismus niedergedroschen, es in vielen Orten gar nicht wagen durften,
ihre Redner öffentlich auftreten zu lassen, und die trotzdem mit einer ganz unverständlichen, blöden
Befriedigung für uns irgendwie ungünstig verlaufende Kämpfe gegen den Marxismus verfolgten! Sie
waren glücklich, daß der, der von
{602 Versagen der Staatsorgane}
ihnen selbst nicht bezwungen werden konnte, der sie vielmehr selbst bezwang, auch von uns nicht zu
brechen war. Was sollte man sagen zu Staatsbeamten, Polizeipräsidenten, ja selbst Ministern, die mit
wirklich unanständiger Gesinnungslosigkeit sich nach außen als "nationale" Männer hinzustellen
beliebten, bei allen Auseinandersetzungen aber, die wir Nationalsozialisten mit dem Marxismus hatten,
diesem die schmählichsten Handlangerdienste leisteten! Was sollte man zu Menschen sagen, die in ihrer
Selbsterniedrigung so weit gingen, daß sie für ein erbärmliches Lob jüdischer Zeitungen ohne weiteres
die Männer verfolgten, deren heldenmütigem Einsatz des eigenen Lebens sie es zum Teil zu verdanken
hatten, wenn sie nicht wenige Jahre vorher von der roten Meute als zerfetzte Kadaver an Laternenpfähle
gehängt worden waren!Es waren dies so traurige Erscheinungen, daß sie einmal den unvergeßlichen
verstorbenen Präsidenten Pöhner, der in seiner harten Geradlinigkeit alle Kriecher haßte, wie nur ein
Mensch mit ehrlichem Herzen zu hassen vermag, zu dem derben Ausspruch hinrissen: "Ich wollte in
meinem ganzen Leben nichts anderes sein als erst ein Deutscher und dann ein Beamter, und ich möchte
niemals mit jenen Kreaturen verwechselt werden, die sich als Beamtenhuren jedem prostituieren, der
augenblicklich den Herrn zu spielen vermag." —Es war dabei besonders traurig, daß diese Sorte von
Menschen allmählich Zehntausende der ehrlichsten und bravsten deutschen Staatsdiener nicht nur unter
ihre Gewalt bekam, sondern auch noch mit ihrer eigenen Gesinnungslosigkeit langsam ansteckte, die
redlichen dagegen mit grimmigem Haß verfolgte und endlich aus Amt und Stellung hinausbiß, während
sie dabei sich selbst immer noch in heuchlerischer Verlogenheit als "nationale" Männer präsentierte.
Von solchen Menschen durften wir irgendeine Unterstützung niemals erhoffen, und wir haben sie auch
nur in ganz seltenen Fällen erhalten. Lediglich der Ausbau eigenen Schutzes konnte die Tätigkeit der
Bewegung sicherstellen und ihr zugleich jene öffentliche Aufmerksamkeit und allge-
{603 Selbstschutz, nicht "Wehrverband"}
meine Achtung erringen, die man dem zollt, der sich, wenn angegriffen, selber zur Wehr setzt.
Als Leitgedanke für die innere Ausbildung dieser Sturmabteilung war immer die Absicht vorherrschend,
sie, neben aller körperlichen Ertüchtigung, zu einer unerschütterlich überzeugten Vertreterin der
nationalsozialistischen Idee auszubilden und endlich ihre Disziplin im höchsten Ausmaß zu festigen. Sie
sollte nichts zu tun haben mit einer Wehrorganisation bürgerlicher Auffassung, ebenso aber auch gar
nichts mit einer Geheimorganisation.
Warum ich schon zu jener Zeit mich auf das schärfste dagegen verwahrte, die SA. der NSDAP. als
sogenannten Wehrverband aufziehen zu lassen, hatte seinen Grund in folgender Erwägung: Rein
sachlich kann eine Wehrausbildung eines Volkes nicht durch private Verbände durchgeführt werden,
außer unter Beihilfe ungeheuerster staatlicher Mittel. Jeder andere Glaube fußt auf großer
Überschätzung eigenen Könnens. Es ist nun einmal ausgeschlossen, daß man mit sogenannter
"freiwilliger Disziplin" über einen bestimmten Umfang hinaus Organisationen aufbauen kann, die
militärischen Wert besitzen. Es fehlt hier die wichtigste Stütze der Befehlsgewalt, nämlich die
Strafgewalt. Wohl war es im Herbst oder besser noch im Frühjahr 1919 möglich, sogenannte
"Freikorps" aufzustellen, allein nicht nur, daß sie damals zum größten Teil durch die Schule des alten
Heeres gegangene Frontkämpfer besaßen, sondern die Art der Verpflichtung, die sie den einzelnen
auferlegten, unterwarf diese wenigstens auf befristete Zeit ebenso unbedingt dem militärischen
Gehorsam.
Dies fehlt einer freiwilligen "Wehrorganisation" von heute vollständig. Je größer ihr Verband wird, um
so schwächer wird die Disziplin, um so geringer dürfen die Anforderungen sein, die man im einzelnen
an die Leute stellt, und um so mehr wird das Ganze den Charakter der alten unpolitischen Krieger- und
Veteranenvereine annehmen.
Eine freiwillige Erziehung zum Heeresdienst ohne sichergestellte unbedingte Befehlsgewalt wird in
großen Massen
{604 Warum keine Wehrverbände?}
nie durchzuführen sein. Es werden immer nur wenige die Bereitwilligkeit besitzen, sich aus freien
Stücken einem Zwang zum Gehorsam zu unterwerfen, wie er beim Heere als selbstverständlich und
natürlich galt.
Weiter läßt sich eine wirkliche Ausbildung nicht durchführen infolge der lächerlich geringen Mittel, die
für einen solchen Zweck einem sogenannten Wehrverbande zur Verfügung stehen. Die beste,
zuverlässigste Ausbildung müßte aber gerade die Hauptaufgabe einer solchen Institution sein. Seit dem
Kriege sind nun acht Jahre verflossen, und seit dieser Zeit ist kein Jahrgang unserer deutschen Jugend
mehr planmäßig ausgebildet worden. Es kann aber doch nicht die Aufgabe eines Wehrverbandes sein,
die bereits ausgebildeten Jahrgänge von einst zu erfassen, da man ihm sonst sofort mathematisch
vorrechnen kann, wann das letzte Mitglied diese Korporation verlassen wird. Selbst der jüngste Soldat
von 1918 wird in zwanzig Jahren kampfunfähig sein, und wir nähern uns in bedenklicher Schnelle
diesem Zeitpunkte. Damit wird jeder sogenannte Wehrverband zwangsläufig immer mehr den Charakter
einer alten Kriegervereinigung annehmen. Dies kann aber nicht der Sinn einer Einrichtung sein, die sich
eben nicht als Krieger-, sondern als Wehrverein bezeichnet, und die schon durch ihren Namen
auszudrücken bestrebt ist, daß sie nicht nur in der Erhaltung der Tradition und der
Zusammengehörigkeit ehemaliger Soldaten ihre Mission erblickt, sondern in der Ausbildung des
Wehrgedankens und in der praktischen Vertretung dieses Gedankens, also in der Schaffung eines
wehrhaften Körpers.
Diese Aufgabe jedoch erfordert dann unbedingt die Ausbildung der bisher noch nicht militärisch
gedrillten Elemente, und dies ist in der Praxis tatsächlich unmöglich. Mit einer wöchentlich ein- oder
zweistündigen Ausbildung kann man wirklich keinen Soldaten schaffen. Bei den heutigen enorm
gesteigerten Anforderungen, die der Kriegsdienst an den einzelnen Mann stellt, ist eine zweijährige
Dienstzeit vielleicht gerade noch ausreichend, um den unausgebildeten jungen Mann in einen gelernten
Soldaten zu ver-
{605 Warum keine Wehrverbände?}
wandeln. Wir haben ja alle im Felde die fürchterlichen Folgen vor Augen gehabt, die sich für junge, im
Kriegshandwerk nicht gründlich ausgebildete Soldaten ergaben. Freiwilligenformationen, die fünfzehn
und zwanzig Wochen lang mit eiserner Entschlossenheit bei grenzenloser Hingabe gedrillt worden
waren, stellten an der Front nichtsdestoweniger nur Kanonenfutter dar. Nur in die Reihen erfahrener
alter Soldaten eingeteilt, konnten jüngere, vier bis sechs Monate lang ausgebildete Rekruten nützliche
Glieder eines Regiments abgeben; sie wurden hierbei von den "Alten" geleitet und wuchsen sich dann
allmählich in ihre Aufgaben hinein.
Wie aussichtslos aber wirkt demgegenüber der Versuch, ohne klare Befehlsgewalt und ohne umfassende
Mittel durch eine wöchentlich ein- bis zweistündige sogenannte Ausbildung eine Truppe heranziehen zu
wollen! Damit kann man vielleicht alte Soldaten wieder auffrischen, junge Menschen aber niemals zu
Soldaten machen.
Wie gleichgültig und vollständig wertlos ein solches Vorgehen in seinen Ergebnissen sein würde, kann
noch besonders belegt werden durch die Tatsache, daß in derselben Zeit, in der ein sogenannter
freiwilliger Wehrverband mit Ach und Krach und Mühe und Nöten ein paar tausend an sich gutwillige
Menschen (an andere kommt er überhaupt nicht heran) im Wehrgedanken ausbildet oder auszubilden
versucht, der Staat selber durch die pazifistisch-demokratische Art seiner Erziehung Millionen und
Millionen junger Leute konsequent ihrer natürlichen Instinkte beraubt, ihr logisches vaterländisches
Denken vergiftet und sie so allmählich zu einer jeglicher Willkür gegenüber geduldigen Hammelherde
verwandelt.
Wie lächerlich sind doch im Vergleich hierzu alle Anstrengungen der Wehrverbände, ihre Gedanken der
deutschen Jugend vermitteln zu wollen!Aber fast noch wichtiger ist folgender Gesichtspunkt, der mich
schon immer gegen jeden Versuch einer sogenannten militärischen Wehrhaftmachung auf freiwilliger
Verbandsgrundlage Stellung nehmen ließ:
{606 Warum keine Wehrverbände?}
Angenommen, es würde trotz der vorher erwähnten Schwierigkeiten dennoch einem Verbande gelingen,
eine bestimmte Anzahl Deutscher Jahr für Jahr zu wehrhaften Männern auszubilden, und zwar sowohl
im Hinblick auf ihre Gesinnung als auch auf ihre körperliche Tüchtigkeit und waffenmäßige Schulung,
so müßte das Ergebnis dennoch gleich Null sein in einem Staat, der seiner ganzen Tendenz nach eine
solche Wehrhaftmachung gar nicht wünscht, ja direkt haßt, da sie dem innersten Ziele seiner Leiter —
der Verderber dieses Staates — vollständig widerspricht.
Auf alle Fälle aber würde ein solches Ergebnis wertlos sein unter Regierungen, die nicht nur durch die
bewiesen haben, daß ihnen an der militärischen Kraft der Nation nichts liegt, sondern die vor allem auch
gar nie gewillt sein würden, einen Appell an diese Kraft zu erlassen, außer höchstens zur Stützung ihres
eigenen verderblichen Daseins.
Und heute ist das doch so. Oder ist es nicht lächerlich, für ein Regiment einige zehntausend Mann im
Zwielicht der Dämmerung militärisch ausbilden zu wollen, wenn der Staat wenige Jahre vorher
achteinhalb Millionen bestausgebildeter Soldaten schmählich preisgab, nicht nur sich ihrer nicht mehr
bediente, sondern als Dank für ihre Opfer sogar noch der allgemeinen Beschimpfung aussetzte! Man
will also Soldaten heranbilden für ein Staatsregiment, das die ruhmvollsten Soldaten von einst
beschmutzte und bespuckte, ihnen die Ehrenzeichen von der Brust reißen ließ, die Kokarden wegnahm,
die Fahnen zertrat und ihre Leistungen herabwürdigte? Oder hat dieses heutige Staatsregiment jemals
auch nur einen Schritt unternommen, die Ehre der alten Armee wiederherzustellen, ihre Zersetzer und
Beschimpfer zur Verantwortung zu ziehen? Nicht das geringste. Im Gegenteil: wir können letztere in
höchsten Staatsämtern thronen sehen. — Wie sagte man doch zu Leipzig: "Das Recht geht mit der
Macht." Da jedoch heute in unserer Republik die Macht in den Händen der gleichen Männer liegt, die
einst die Revolution anzettelten, diese
{607 Warum keine Wehrverbände?}
Revolution aber den gemeinsten Landesverrat, ja, die erbärmlichste Schurkentat der deutschen
Geschichte überhaupt darstellt, so läßt sich wirklich gar kein Grund dafür finden, daß die Macht gerade
dieser Charaktere durch Bildung einer neuen jungen Armee erhöht werden sollte. Alle Gründe der
Vernunft sprechen jedenfalls dagegen.
Was aber dieser Staat, auch nach der Revolution von 1918, der militärischen Stärkung seiner Position
für einen Wert beimaß, ging noch einmal klar und eindeutig hervor aus seiner Stellungnahme zu den
damals bestehenden großen Selbstschutzorganisationen. Solange sie zum Schutz persönlich feiger
Revolutionskreaturen einzutreten hatten, waren sie nicht unwillkommen. Sowie aber, dank der
allmählichen Verlumpung unseres Volkes, die Gefahr für diese beseitigt schien und der Bestand der
Verbände nunmehr eine nationalpolitische Stärkung bedeutete, waren sie überflüssig, und man tat alles,
sie zu entwaffnen, ja, wenn möglich, auseinanderzujagen.
Die Geschichte weist Dankbarkeit von Fürsten nur in seltenen Beispielen nach. Aber gar auf
Dankbarkeit revolutionärer Mordbrenner, Volksausplünderer und Nationalverräter zu rechnen, bringt
nur ein neubürgerlicher Patriot fertig. Ich könnte mich jedenfalls bei einer Prüfung des Problems, ob
freiwillige Wehrverbände zu schaffen seien, niemals der Frage enthalten: Für wen bilde ich die jungen
Leute aus. Zu welchem Zweck werden sie verwendet, und wann sollen sie aufgerufen werden? Die
Antwort darauf gibt zugleich die besten Richtlinien für das eigene Verhalten.
Wenn dem heutige Staat auf ausgebildete Bestände dieser Art je zurückgreifen würde, dann geschähe
dies niemals zu einer Vertretung nationaler Interessen nach außen, sondern immer nur zum Schutze der
Vergewaltiger der Nation im Innern vor der vielleicht eines Tages aufflammenden allgemeinen Wut des
betrogenen, verratenen und verkauften Volkes.
Die SA. der NSDAP. durfte schon aus diesem Grunde mit einer militärischen Organisation gar nichts zu
tun
{608 Keine Geheimorganisationen}
haben. Sie war ein Schutz- und Erziehungsmittel der nationalsozialistischen Bewegung, und ihre
Aufgaben lagen auf einem ganz anderen Gebiet als auf dem sogenannter Wehrverbände.
Sie sollte aber auch keine Geheimorganisation darstellen. Der Zweck von Geheimorganisationen kann
nur ein gesetzwidriger sein. Damit aber beschränkt sich der Umfang einer solchen Organisation von
selbst. Es ist nicht möglich, besonders angesichts der Schwatzhaftigkeit des deutschen Volkes, eine
Organisation von einiger Größe aufzubauen und sie gleichzeitig nach außen geheimzuhalten oder auch
nur ihre Ziele zu verschleiern. Jede solche Absicht wird tausendfältig vereitelt werden. Nicht nur, daß
unseren Polizeibehörden heute ein Stab von Zuhältern und ähnlichem Gesindel zur Verfügung steht, die
für den Judaslohn von dreißig Silberlingen verraten, was sie finden können, und erfinden, was zu
verraten wäre, sind die eigenen Anhänger selbst niemals zu einem in solchem Fall notwendigen
Schweigen zu bringen. Nur ganz kleine Gruppen können durch jahrelanges Aussieben den Charakter
wirklicher Geheimorganisationen annehmen. Doch schon die Kleinheit solcher Gebilde würde ihren
Wert für die nationalsozialistische Bewegung aufheben. Was wir brauchten und brauchen, waren und
sind nicht hundert oder zweihundert verwegene Verschwörer, sondern hunderttausend und aber
hunderttausend fanatische Kämpfer für unsere Weltanschauung. Nicht in geheimen Konventikeln soll
gearbeitet werden, sondern in gewaltigen Massenaufzügen, und nicht durch Dolch und Gift oder Pistole
kann der Bewegung die Bahn freigemacht werden, sondern durch die Eroberung der Straße. Wir haben
dem Marxismus beizubringen, daß der künftige Herr der Straße der Nationalsozialismus ist, genau so,
wie er einst der Herr des Staates sein wird.
{609 Keine Geheimorganisationen}
Die Gefahr von Geheimorganisationen liegt heute weiter noch darin, daß bei den Mitgliedern häufig die
Größe der Aufgabe vollständig verkannt wird und sich statt dessen die Meinung bildet, es könnte das
Schicksal eines Volkes wirklich durch eine einzelne Mordtat plötzlich im günstigen Sinne entschieden
werden. Solch eine Meinung kann ihre geschichtliche Berechtigung haben, nämlich dann, wenn ein
Volk unter der Tyrannei irgendeines genialen Unterdrückers schmachtet, von dem man weiß, daß nur
seine überragende Persönlichkeit allein die innere Festigkeit und Furchtbarkeit des feindlichen Druckes
gewährleistet. In solch einem Fall mag aus einem Volk ein opferwilliger Mann plötzlich hervorspringen,
um den Todesstahl in die Brust des verhaßten Einzigen zu stoßen. Und nur das republikanische Gemüt
schuldbewußter kleiner Lumpen wird eine solche Tat als das Verabscheuungswürdigste ansehen,
während der größte Freiheitssänger unseres Volkes sich unterstanden hat, in seinem "Teil" eine
Verherrlichung solchen Handelns zu geben.
In den Jahren 1919 und 1920 bestand die Gefahr, daß der Angehörige von Geheimorganisationen,
mitgerissen von großen Vorbildern der Geschichte und durchschauert vom grenzenlosen Unglück des
Vaterlandes, versuchte, sich an den Verderbern der Heimat zu rächen, in dem Glauben, dadurch der Not
seines Volkes ein Ende zu bereiten. Jeder solche Versuch war aber ein Unsinn, deshalb, weil der
Marxismus ja gar nicht dank der überlegenen Genialität und persönlichen Bedeutung eines einzelnen
gesiegt hatte, sondern vielmehr durch die grenzenlose Jämmerlichkeit, das feige Versagen der
bürgerlichen Welt. Die grausamste Kritik, die man an unserem Bürgertum üben kann, ist die
Feststellung, daß die Revolution selbst ja nicht einen einzigen Kopf von einiger Größe hervorgebracht
und es sich ihr dennoch unterworfen hat. Es ist immer noch verständlich, vor einem Robespierre, einem
Danton oder Marat zu kapitulieren, aber es ist vernichtend, vor dem dürren Scheidemann, dem feisten
Herrn Erzberger und einem Friedrich Ebert und all den zahllosen anderen politischen Knirpsen zu Kreuz
{610 Sind Landesverräter zu "beseitigen"?}
gekrochen zu sein. Es war ja wirklich auch nicht ein Kopf da, in dem man etwa den genialen Mann der
Revolution und damit das Unglück des Vaterlandes hätte sehen können, sondern da waren lauter
Revolutionswanzen, Rucksackspartakisten en gros und en detail. Irgendeinen davon aus dem Wege zu
schaffen, war vollkommen belanglos und hatte höchstens den einen Erfolg, daß ein paar andere ebenso
große und ebenso durstige Blutsauger um so eher an seine Stelle kamen.
Man konnte in jenen Jahren gar nicht scharf genug gegen eine Auffassung einschreiten, die in wirklich
großen Erscheinungen der Geschichte ihre Ursache und Begründung hatte, aber nicht im geringsten auf
das augenblickliche Zwergenzeitalter paßte.
Auch bei der Frage der Beseitigung sogenannter Landesverräter ist die gleiche Betrachtung anzustellen.
Es ist lächerlich unlogisch, einen Burschen umzubringen, der eine Kanone verraten hat, während
nebenan in höchsten Würdenstellen Kanaillen sitzen, die ein ganzes Reich verkauften, das vergebliche
Opfer von zwei Millionen Toten auf dem Gewissen haben, Millionen Krüppel verantworten müssen,
dabei aber seelenruhig ihre republikanischen Geschäfte machen. Kleine Landesverräter beseitigen ist
sinnlos in einem Staat, dessen Regierung selbst die Landesverräter von jeder Strafe befreit. Denn so
kann es passieren, daß eines Tages der redliche Idealist, der für sein Volk einen schuftigen
Waffenverräter beseitigt, von kapitalen Landesverrätern zur Verantwortung gezogen wird. Und da ist es
doch eine wichtige Frage: Soll man solch eine verräterische kleine Kreatur wieder durch eine Kreatur
beseitigen lassen oder durch einen Idealisten? In einem Fall ist der Erfolg zweifelhaft und der Verrat für
später fast sicher; im anderen Fall wird ein kleiner Schuft beseitigt und dabei das Leben eines vielleicht
nicht zu ersehenden Idealisten aufs Spiel gesetzt.
Im übrigen ist in dieser Frage meine Stellungnahme die, daß man nicht kleine Diebe hängen soll, um
große laufen zu lassen, sondern daß einst ein deutscher Nationalgerichts-
{611 Sportliche Ausbildung der SA.}
hof etliche Zehntausend der organisierenden und damit verantwortlichen Verbrecher des
Novemberverrats und alles dessen, was dazugehört, abzuurteilen und hinzurichten hat. Ein solches
Exempel wird dann auch dem kleinsten Waffenverräter einmal für immer die notwendige Lehre sein.
Das alles sind Erwägungen, die mich veranlaßten, immer wieder die Teilnahme an
Geheimorganisationen zu verbieten und die SA. selbst vor dem Charakter solcher Organisationen zu
bewahren. Ich habe in jenen Jahren die nationalsozialistische Bewegung von Experimenten
ferngehalten, deren Vollführer meistens herrliche idealistisch gesinnte junge Deutsche waren, deren Tat
aber nur sie selbst zum Opfer werden ließ, indes sie das Schicksal des Vaterlandes nicht im geringsten
zu bessern vermochten.
×
Wenn aber die SA. weder eine militärische Wehrorganisation noch ein Geheimverband sein durfte, dann
mußten sich daraus folgende Konsequenzen ergeben: 1. Ihre Ausbildung hat nicht nach militärischen
Gesichtspunkten, sondern nach parteizweckmäßigen zu erfolgen.
Soweit die Mitglieder dabei körperlich zu ertüchtigen sind, darf der Hauptwert nicht auf militärisches
Exerzieren, sondern vielmehr auf sportliche Betätigung gelegt werden. Boxen und Jiu-Jitsu sind mir
immer wichtiger erschienen als irgendeine schlechte, weil doch nur halbe Schießausbildung. Man gebe
der deutschen Nation sechs Millionen sportlich tadellos trainierte Körper, alle von fanatischer
Vaterlandsliebe durchglüht und zu höchstem Angriffsgeist erzogen, und ein nationaler Staat wird aus
ihnen, wenn, notwendig, in nicht einmal zwei Jahren, eine Armee geschaffen haben, wenigstens insofern
ein gewisser Grundstock für sie vorhanden ist. Dieser kann aber, wie heute die Verhältnisse liegen, nur
die Reichswehr sein und nicht ein in Halbheiten steckengebliebener Wehrverband. Die körperliche
Ertüchtigung soll dem einzelnen die Überzeugung seiner Überlegenheit einimpfen und ihm jene
Zuversicht
{612 Kennzeichnung der Öffentlichkeit}
gehen, die ewig nur im Bewußtsein der eigenen Kraft liegt; zudem soll sie ihm jene sportlichen
Fertigkeiten beibringen, die zur Verteidigung der Bewegung als Waffe dienen.2. Um von vornherein
jeden geheimen Charakter der SA. zu verhüten, muß, abgesehen von ihrer sofort jedermann kenntlichen
Bekleidung, schon die Größe ihres Bestandes ihr selbst den Weg weisen, welcher der Bewegung nützt
und aller Öffentlichkeit bekannt ist. Sie darf nicht im Verborgenen tagen, sondern soll unter freiem
Himmel marschieren und damit eindeutig einer Betätigung zugeführt werden, die alle Legenden von
"Geheimorganisation" endgültig zerstört. Um sie auch geistig von allen Versuchen, durch kleine
Verschwörungen ihren Aktivismus zu befriedigen, abzuziehen, mußte sie, von allem Anfang an, in die
große Idee der Bewegung vollständig eingeweiht und in der Aufgabe, diese Idee zu vertreten, so restlos
ausgebildet werden, daß von vornherein der Horizont sich weitete und der einzelne Mann seine Mission
nicht in der Beseitigung irgendeines kleineren oder größeren Gauners sah, sondern in dem Sicheinsetzen
für die Errichtung eines neuen nationalsozialistischen völkischen Staates. Dadurch aber wurde der
Kampf gegen den heutigen Staat aus der Atmosphäre kleiner Rache- und Verschwörungsaktionen
herausgehoben zur Größe eines weltanschaulichen Vernichtungskrieges gegen den Marxismus und sein
Gebilde.3. Die organisatorische Formung der SA. sowie ihrer Bekleidung und Ausrüstung ist sinngemäß
nicht nach den Vorbildern der alten Armee, sondern nach einer durch ihre Aufgabe bestimmten
Zweckmäßigkeit vorzunehmen.
Diese Anschauungen, die mich im Jahre 1920 und 1921 leiteten, und die ich allmählich der jungen
Organisation einzuimpfen versuchte, hatten den Erfolg, daß wir bis zum Hochsommer 1922 schon über
eine stattliche Anzahl von
{613 Erster Aufmarsch in München}
Hundertschaften verfügten, die im Spätherbst 1922 nach und nach ihre besondere kennzeichnende
Bekleidung erhielten. Unendlich wichtig für die weitere Ausgestaltung der SA. waren drei Ereignisse.1.
Die große allgemeine Demonstration aller vaterländischen Verbände gegen das Republikschutzgesetz im
Spätsommer 1922 auf dem Königsplatz zu München.
Die vaterländischen Verbände Münchens hatten damals den Aufruf erlassen, der als Protest gegen die
Einführung des Republikschutzgesetzes zu einer riesenhaften Kundgebung in München aufforderte.
Auch die nationalsozialistische Bewegung sollte sich an ihr beteiligen. Der geschlossene Aufmarsch der
Partei wurde eingeleitet durch sechs Münchener Hundertschaften, denen dann die Sektionen der
politischen Partei folgten. Im Zuge selbst marschierten zwei Musikkapellen, und ungefähr fünfzehn
Fahnen wurden mitgetragen. Das Eintreffen der Nationalsozialisten auf dem bereits zur Hälfte gefüllten
großen Platz, der sonst fahnenleer war, erregte eine unermeßliche Begeisterung. Ich selbst hatte die
Ehre, vor der nun sechzigtausend Köpfe zählenden Menschenmenge als einer der Redner sprechen zu
dürfen.
Der Erfolg der Veranstaltung war überwältigend, besonders deshalb, weil, allen roten Drohungen zum
Trotz, zum erstenmal bewiesen wurde, daß auch das nationale München auf der Straße marschieren
konnte. Rote republikanische Schutzbündler, die gegen anmarschierende Kolonnen mit Terror
vorzugehen versuchten, wurden binnen wenigen Minuten von SA.-Hundertschaften mit blutigen
Schädeln auseinandergetrieben. Die nationalsozialistische Bewegung hat damals zum ersten Male ihre
Entschlossenheit gezeigt, künftighin auch für sich das Recht auf die Straße in Anspruch zu nehmen und
damit dieses Monopol den internationalen Volksverrätern und Vaterlandsfeinden aus der Hand zu
winden.
Das Ergebnis dieses Tages war der nicht mehr anzufechtende Beweis für die psychologische und auch
organisatorische: Richtigkeit unserer Auffassungen über den Ausbau der SA.
Sie wurde nun auf der so erfolgreich bewährten Grund-
{614 Zug nach Koburg}
lage energisch erweitert, so daß schon wenige Wochen später die doppelte Zahl an Hundertschaften in
München aufgestellt war.2. Der Zug nach Koburg im Oktober 1922. Völkische" Verbände
beabsichtigten, in Koburg einen sogenannten "Deutschen Tag" abzuhalten. Ich selbst erhielt eine
Einladung hierzu mit dem Vermerk, daß es erwünscht wäre, wenn ich noch einige Begleitung
mitbrächte. Dieses Ersuchen, das ich vormittags um elf Uhr in die Hand erhielt, kam mir sehr gelegen.
Schon eine Stunde später waren die Anordnungen zu einem Besuch dieses "Deutschen Tages"
hinausgegeben. Als "Begleitung" bestimmte ich achthundert Mann der SA., die in ungefähr vierzehn
Hundertschaften von München aus durch Sonderzug nach dem bayerisch gewordenen Städtchen
befördert werden sollten. Entsprechende Befehle gingen an nationalsozialistische SA.-Gruppen, die
unterdes an anderen Orten gebildet worden waren, hinaus.
Es war das erstemal, daß in Deutschland ein derartiger Sonderzug fuhr. An allen Orten, an denen neue
SA.-Leute einstiegen, erregte der Transport größtes Aufsehen. Viele hatten unsere Fahnen noch nie
vorher gesehen; der Eindruck derselben war ein sehr großer.
Als wir in Koburg auf dem Bahnhof eintrafen, empfing uns eine Deputation der Festleitung des
"Deutschen Tages", die uns einen als "Vereinbarung" bezeichneten Befehl der dortigen Gewerkschaften
beziehungsweise der Unabhängigen und Kommunistischen Partei übermittelte, des Inhalts, daß wir die
Stadt nicht mit entrollten Fahnen, nicht mit Musik (wir hatten eine eigene zweiundvierzig Mann starke
Kapelle mitgenommen) und nicht in geschlossenem Zuge betreten dürften.
Ich lehnte diese schmählichen Bedingungen sofort glatt ab, versäumte aber nicht, den anwesenden
Herren der Leitung dieser Tagung mein Befremden darüber auszudrücken, daß mit diesen Menschen
Verhandlungen gepflogen und Abkommen getroffen würden, und erklärte, daß die SA. augenblicklich in
Hundertschaften antreten und mit klingen-
{615 Zug nach Koburg}
der Musik und wehenden Fahnen in die Stadt marschieren werde.
So geschah es dann auch.
Schon auf dem Bahnhofsplatz empfing uns eine nach vielen Tausenden zählende, grölende und johlende
Menschenmenge. "Mörder", "Banditen", "Räuber", "Verbrecher" waren die Kosenamen, mit denen uns
die vorbildlichen Begründer der deutschen Republik liebreich überschütteten. Die junge SA. hielt
mustergültige Ordnung, die Hundertschaften formierten sich auf dem Platz vor dem Bahnhof und
nahmen zunächst von den Anpöbelungen keine Notiz. Durch ängstliche Polizeiorgane wurde der
abmarschierende Zug in der für uns alle ganz fremden Stadt nicht, wie bestimmt, in unser Quartier, eine
an der Peripherie Koburgs liegende Schützenhalle, sondern in den Hofbräuhauskeller, nahe dem
Zentrum der Stadt, geleitet. Links und rechts vom Zuge nahm das Toben der begleitenden Volksmassen
immer mehr zu. Kaum daß die letzte Hundertschaft in den Hof des Kellers eingebogen war, versuchten
auch schon große Massen, unter ohrenbetäubendem Geschrei nachzudrücken. Um dies zu verhüten,
schloß die Polizei den Keller ab. Da dieser Zustand ein unerträglicher war, ließ ich nun die SA. noch
einmal antreten, ermahnte sie kurz und forderte von der Polizei die augenblickliche Öffnung der Tore.
Nach längerem Zögern kam sie dem auch nach.
Wir marschierten nun den Weg, den wir gekommen waren, wieder zurück, um zu unserem Quartier zu
gelangen, und da mußte nun allerdings endlich Front gemacht werden. Nachdem man durch Schreien
und beleidigende Zurufe die Hundertschaften nicht aus der Ruhe hatte bringen können, griffen die
Vertreter des wahren Sozialismus, der Gleichheit und Brüderlichkeit, zu Steinen. Damit war unsere
Geduld zu Ende, und so hagelte es zehn Minuten lang links und rechts vernichtend nieder, und eine
Viertelstunde später war nichts Rotes mehr auf den Straßen zu sehen.
Nachts kam es noch zu schweren Zusammenstößen. Patrouillen der SA. hatten Nationalsozialisten, die
einzeln
{616 Zug nach Koburg}
überfallen worden waren, in gräßlichem Zustande aufgefunden. Daraufhin wurde mit den Gegnern
kurzer Prozeß gemacht. Schon am nächsten Morgen war der rote Terror, unter dem Koburg schon seit
Jahren gelitten hatte, niedergebrochen.
Mit echt marxistisch-jüdischer Verlogenheit versuchte man nun durch Handzettel die "Genossen und
Genossinnen des internationalen Proletariats" noch einmal auf die Straße zu hetzen, indem man, unter
vollständiger Verdrehung der Tatsachen, behauptete, daß unsere "Mordbanden" den "Ausrottungskrieg
gegen friedliche Arbeiter" in Koburg begonnen hätten. Um halb zwei Uhr sollte die große
"Volksdemonstration", zu der man Zehntausende von Arbeitern aus der ganzen Umgebung erhoffte,
stattfinden. Ich ließ deshalb, fest entschlossen, den roten Terror endgültig zu erledigen, um zwölf Uhr
die SA. antreten, die unterdes auf fast eineinhalbtausend Mann angeschwollen war, und setzte mich mit
ihr in Marsch zur Feste Koburg, über den großen Platz, auf dem die rote Demonstration stattfinden
sollte. Ich wollte sehen, ob sie es noch einmal wagen würden, uns zu belästigen. Als wir den Platz
betraten, waren anstatt der angekündigten Zehntausend nur wenige Hundert anwesend, die bei unserem
Nahen sich im allgemeinen still verhielten, teilweise ausrissen. Nur an einigen Stellen versuchten rote
Trupps, die unterdessen von auswärts gekommen waren und uns noch nicht kannten, uns wieder
anzustänkern; aber im Handumdrehen wurde ihnen gründlich die Lust dazu genommen. Und nun konnte
man sehen, wie die bisher ängstlich eingeschüchterte Bevölkerung langsam aufwachte, Mut bekam,
durch Zurufe uns zu begrüßen wagte und abends bei unserem Abzug an vielen Stellen in spontanen
Jubel ausbrach.
Plötzlich erklärte uns am Bahnhof das Eisenbahnpersonal, daß es den Zug nicht fahren würde. Ich ließ
darauf einigen Rädelsführern mitteilen, daß ich in diesem Falle zusammenzufangen gedächte, was mir
an roten Bonzen in die Hände fiele, und daß wir dann eben selbst fahren würden, allerdings auf
Lokomotive und Tender und
{617 Bewährung der SA. als Kampforganisation}
in jedem Wagen ein paar Dutzend von Brüdern der internationalen Solidarität mitzunehmen vorhätten.
Ich versäumte auch nicht, die Herren darauf aufmerksam zu machen, daß die Fahrt mit unseren eigenen
Kräften selbstverständlich ein unendlich riskantes Unternehmen sein würde und es nicht ausgeschlossen
wäre, daß wir uns alle zusammen Genick und Knochen brächen. Freuen würde uns aber, dann
wenigstens nicht allein, sondern in Gleichheit und Brüderlichkeit mit den roten Herrschaften ins Jenseits
zu wandern.
Daraufhin fuhr der Zug sehr pünktlich ab, und wir kamen am nächsten Morgen wieder heil in München
an.
In Koburg wurde damit zum ersten Male seit dem Jahre 1914 die Gleichheit der Staatsbürger vor dem
Gesetz wiederhergestellt. Denn wenn heute irgendein gimpelhafter höherer Beamter sich zu der
Behauptung versteigt, daß der Staat das Leben seiner Bürger beschütze, dann traf dies für damals
jedenfalls nicht zu; denn die Bürger mußten sich in jener Zeit vor den Repräsentanten des heutigen
Staates verteidigen.
Die Bedeutung dieses Tages konnte in ihren Folgen zunächst gar nicht voll eingeschätzt werden. Nicht
nur, daß die sieghafte SA. in ihrem Selbstvertrauen und im Glauben an die Richtigkeit ihrer Führung
außerordentlich gehoben wurde, begann auch die Umwelt, sich mit uns eingehender zu beschäftigen,
und viele erkannten zum ersten Male in der nationalsozialistischen Bewegung die Institution, die aller
Wahrscheinlichkeit nach dereinst berufen sein würde, dem marxistischen Wahnsinn ein entsprechendes
Ende zu bereiten.
Nur die Demokratie stöhnte, daß man es wagen konnte, sich nicht friedlich den Schädel einschlagen zu
lassen, sondern daß wir uns in einer demokratischen Republik unterstanden hatten, einem brutalen
Angriff mit Fäusten und Stöcken statt mit pazifistischen Gesängen entgegenzutreten.
Die bürgerliche Presse im allgemeinen war teils jämmerlich, teils gemein, wie immer, und nur wenige
aufrichtige Zeitungen begrüßten es, daß man wenigstens an einer
{618 Bewährung der SA. als Kampforganisation}
Stelle den marxistischen Wegelagerern endlich das Handwerk gelegt hatte.
In Koburg selbst aber hat immerhin ein Teil der marxistischen Arbeiterschaft, der übrigens selbst nur als
verführt angesehen werden mußte, durch die Fäuste nationalsozialistischer Arbeiter belehrt, einsehen
gelernt, daß auch diese Arbeiter für Ideale kämpfen, da man sich erfahrungsgemäß nur für etwas, an das
man glaubt und das man liebt, auch schlägt.
Den größten Nutzen hatte allerdings die SA. selbst. Sie wuchs nun sehr schnell an, so daß beim Parteitag
am 27. Januar 1923 bereits gegen sechstausend Mann an der Fahnenweihe teilnehmen konnten und
dabei die ersten Hundertschaften in ihrer neuen Tracht vollkommen eingekleidet waren.
Die Erfahrungen in Koburg hatten eben gezeigt, wie notwendig es ist, und zwar nicht nur um den
Korpsgeist zu stärken, sondern auch, um Verwechslungen zu vermeiden und dem gegenseitigen
Nichterkennen vorzubeugen, eine einheitliche Bekleidung der SA. einzuführen. Bis dahin trug sie nur
die Armbinde, nun kamen die Windjacke und die bekannte Mütze dazu.
Die Erfahrungen von Koburg hatten aber noch weiter die Bedeutung, daß wir nun darangingen,
planmäßig in allen Orten, in denen der rote Terror seit vielen Jahren jede Versammlung
Andersdenkender verhindert hatte, diesen zu brechen und die Versammlungsfreiheit herzustellen. Ab
jetzt wurden immer wieder nationalsozialistische Bataillone in solchen Orten zusammengezogen, und
allmählich fiel in Bayern eine rote Hochburg nach der anderen der nationalsozialistischen Propaganda
zum Opfer. Die SA. hatte sich immer mehr in ihre Aufgabe hineingewachsen, und sie war damit von
dem Charakter einer sinnlosen und lebensunwichtigen Wehrbewegung immer weiter weggerückt und zu
einer lebendigen Kampforganisation für die Errichtung eines neuen deutschen Staates emporgestiegen.
Bis zum März 1923 währte diese logische Entwicklung.
{619 Der Abschluß 1923}
Dann trat ein Ereignis ein, das mich zwang, die Bewegung aus ihrer bisherigen Bahn zu nehmen und
einer Umgestaltung zuzuführen.3. Die in den ersten Monaten des Jahres 1923 erfolgte Besetzung des
Ruhrgebietes durch die Franzosen hatte in der Folgezeit eine große Bedeutung für die Entwicklung der
SA.
Es ist auch heute noch nicht möglich und besonders aus nationalem Interesse nicht zweckmäßig, in aller
Öffentlichkeit darüber zu reden oder zu schreiben. Ich kann mich nur so weit äußern, als in öffentlichen
Verhandlungen dieses Thema schon berührt und der Öffentlichkeit dadurch zur Kenntnis gebracht ist.
Die Besetzung des Ruhrgebietes, die uns nicht überraschend kam, ließ die begründete Hoffnung
erstehen, daß nunmehr endgültig mit der feigen Politik des Zurückweichens gebrochen und damit den
Wehrverbänden eine ganz bestimmte Aufgabe zufallen würde. Auch die SA., die damals schon viele
Tausende junger, kraftvoller Männer umfaßte, durfte dann diesem nationalen Dienst nicht entzogen
werden. Im Frühjahr und im Hochsommer des Jahres 1923 erfolgte ihre Umstellung zu einer
militärischen Kampforganisation. Ihr war zum großen Teil die spätere Entwicklung des Jahres 1923
zuzuschreiben, soweit sie unsere Bewegung betraf.
Da ich an anderer Stelle in großen Zügen die Entwicklung des Jahres 1923 behandle, will ich hier nur
feststellen, daß die Umgestaltung der damaligen SA., wenn die Voraussetzungen, die zu ihrer
Umgestaltung geführt hatten, also die Aufnahme des aktiven Widerstandes gegen Frankreich, nicht
zutrafen, vom Gesichtspunkt der Bewegung aus eine schädliche war.
Der Abschluß des Jahres 1923 war, so entsetzlich er im ersten Augenblick erscheinen mag, von einer
höheren Warte aus betrachtet, insofern ein nahezu notwendiger, als er die durch die Haltung der
deutschen Reichsregierung gegenstandslos gemachte, für die Bewegung aber nun schädliche Umstellung
der SA. mit einem Schlage beendete und damit
{620 Die neue SA. von 1925}
die Möglichkeit schuf, eines Tages dort wieder aufzubauen, wo man einst den richtigen Weg verlassen
mußte.
Die im Jahre 1925 neugegründete NSDAP. hat ihre SA. nun wieder nach den eingangs erwähnten
Grundsätzen aufzustellen, auszubilden und zu organisieren. Sie muß damit wieder zurückkehren zu den
ursprünglich gesunden Anschauungen und hat es nun wieder als ihre höchste Aufgabe anzusehen, in
ihrer SA. ein Instrument zur Vertretung und Stärkung des Weltanschauungskampfes der Bewegung zu
schaffen.
Sie darf weder dulden, daß die SA. zu einer Art Wehrverband noch zu einer Geheimorganisation
herabsinkt; sie muß sich vielmehr bemühen, in ihr eine Hunderttausendmanngarde der
nationalsozialistischen und damit zutiefst völkischen Idee heranzubilden.
{621}
10. Kapitel:
Der Föderalismus als Maske
Im Winter des Jahres 1919 und noch mehr im Frühjahr und Sommer 1920 wurde die junge Partei
gezwungen, zu einer Frage Stellung zu nehmen, die schon im Kriege zu außerordentlicher Bedeutung
emporstieg. Ich habe im ersten Band in der kurzen Schilderung der mir persönlich sichtbar gewordenen
Merkmale des drohenden deutschen Zusammenbruchs auf die besondere Art der Propaganda
hingewiesen, die sowohl von seiten der Engländer als auch der Franzosen zur Aufreißung der alten Kluft
zwischen Nord und Süd stattfand. Im Frühjahr 1915 erschienen die ersten systematischen Hetzblätter
gegen Preußen, als den Alleinschuldigen am Kriege. Bis zum Jahre 1916 war dieses System zu einem
vollständigen, ebenso geschickten wie niederträchtigen Ausbau gekommen. Die auf die niedersten
Instinkte berechnete Verhetzung des Süddeutschen gegen den Norddeutschen begann auch schon nach
kurzer Zeit Früchte zu tragen. Es ist ein Vorwurf, den man gegen die damaligen maßgebenden Stellen
sowohl in der Regierung wie auch in der Heeresleitung — besser, in den bayerischen Kommandostellen
— erheben muß, und den diese nicht von sich abschütteln können, daß sie in gottverblendeter
Pflichtvergessenheit nicht mit der notwendigen Entschlossenheit dagegen eingeschritten sind. Man tat
nichts! Im Gegenteil, an verschiedenen Stellen schien man es gar nicht so ungern zu sehen und war
vielleicht borniert genug, zu denken, daß durch eine solche Propaganda nicht nur der
Einheitsentwicklung des deutschen Volkes ein Riegel vorgeschoben werden würde, sondern daß damit
auch automatisch eine Stärkung der föderativen Kräfte eintreten
{622 Kriegsgesellschaften und antipreußische Stimmung}
müßte. Kaum jemals in der Geschichte ist eine böswillige Unterlassung böser gerächt worden. Die
Schwächung, die man Preußen zuzufügen glaubte, hat ganz Deutschland betrogen. Ihre Folge aber war
die Beschleunigung des Zusammenbruchs, der jedoch nicht etwa nur Deutschland zertrümmerte,
sondern in erster Linie gerade die Einzelstaaten selbst.
In der Stadt, in welcher der künstlich geschürte Haß gegen Preußen am heftigsten tobte, brach als erster
die Revolution gegen das angestammte Königshaus aus.
Nun wäre es allerdings falsch, zu glauben, daß der feindlichen Kriegspropaganda allein die Fabrikation
dieser antipreußischen Stimmung zuzuschreiben gewesen sei, und daß Entschuldigungsgründe für das
von ihr ergriffene Volk nicht vorhanden gewesen wären. Die unglaubliche Art der Organisation unserer
Kriegswirtschaft, die in einer geradezu wahnwitzigen Zentralisation das gesamte Reichsgebiet
bevormundete und — ausgaunerte, war ein Hauptgrund für das Entstehen jener antipreußischen
Gesinnung. Denn für den normalen kleinen Mann waren die Kriegsgesellschaften, die nun einmal ihre
Zentrale in Berlin besaßen, identisch mit Berlin, und Berlin selbst gleichbedeutend mit Preußen. Daß die
Organisatoren dieses Raubinstituts, Kriegsgesellschaften genannt, weder Berliner noch Preußen, ja
überhaupt nicht Deutsche waren, kam dem einzelnen damals kaum zum Bewußtsein. Er sah nur die
grobe Fehlerhaftigkeit und die dauernden Übergriffe dieser verhaßten Einrichtung in der
Reichshauptstadt und übertrug nun seinen ganzen Haß selbstverständlich auf diese Reichshauptstadt und
Preußen zugleich, um so mehr, als von bestimmter Seite nicht nur nichts dagegen unternommen,
sondern im stillen eine solche Deutung sogar schmunzelnd begrüßt wurde.
Der Jude war viel zu klug, um nicht schon damals zu verstehen, daß der infame Beutezug, den er unter
dem Deckmantel der Kriegsgesellschaften gegen das deutsche Volk organisierte, Widerstand
hervorrufen würde, ja mußte.
{623 Preußenhetze als Ablenkungsmanöver}
Solange dieser ihm nicht selbst an die Gurgel sprang, brauchte er ihn nicht zu fürchten. Um aber eine
Explosion der zur Verzweiflung und Empörung getriebenen Massen nach dieser Richtung zu
verhindern, konnte es gar kein besseres Rezept geben als das, ihre Wut anderweitig aufflammen zu
lassen und so zu verbrauchen.
Mochte ruhig Bayern gegen Preußen und Preußen gegen Bayern streiten, je mehr, desto besser! Der
heißeste Kampf der beiden bedeutete für den Juden den sichersten Frieden. Die allgemeine
Aufmerksamkeit war damit vollständig abgelenkt von der internationalen Völkermade, man schien sie
vergessen zu haben. Und wenn die Gefahr aufzutauchen schien, daß besonnene Elemente, die es auch in
Bayern zahlreich gab, zur Einsicht und Einkehr und zur Zurückhaltung mahnten und dadurch der
erbitterte Kampf abzuflauen drohte, so brauchte der Jude in Berlin nur eine neue Provokation in Szene
zu setzen und den Erfolg abzuwarten. Augenblicklich stürzten sich alle Nutznießer des Streites zwischen
Nord und Süd auf jeden solchen Vorfall und bliesen so lange, bis die Glut der Empörung wieder zu
hellem Feuer emporgestiegen war.
Es war ein geschicktes, raffiniertes Spiel, das der Jude damals zur steten Beschäftigung und Ablenkung
der einzelnen deutschen Stämme trieb, um sie unterdessen desto gründlicher ausplündern zu können.
Dann kam die Revolution.
Wenn nun bis zum Jahre 1918, oder, besser gesagt, bis zum November dieses Jahres der
Durchschnittsmensch, besonders aber der wenig gebildete Spießer und Arbeiter, den wirklichen
Hergang und die unausbleiblichen Folgen des Streites der deutschen Stämme untereinander, vor allem in
Bayern, noch nicht richtig erkennen konnte, dann hätte es wenigstens der sich "national" nennende Teil
am Tage des Ausbruchs der Revolution begreifen müssen. Denn kaum war die Aktion gelungen, als in
Bayern auch schon der Führer und Organisator der Revolution zum Vertreter "bayerischer" Interessen
wurde. Der internationale Jude Kurt Eisner begann Bayern gegen
{624 Kurt Eisner, "bayerischer Partikularist"}
Preußen auszuspielen. Es war aber doch selbstverständlich, daß ausgerechnet dieser Orientale, der als
Zeitungsjournaille sich unausgesetzt hier und dort im übrigen Deutschland herumtrieb, wohl als letzter
berufen gewesen wäre, bayerische Interessen zu wahren, und daß gerade ihm Bayern das Gleichgültigste
sein konnte, das es auf Gottes weiter Welt gab.
Indem Kurt Eisner der revolutionären Erhebung in Bayern eine ganz bewußte Spitze gegen das übrige
Reich gab, handelte er nicht im geringsten aus bayerischen Gesichtspunkten heraus, sondern nur als
Beauftragter des Judentums. Er benützte die vorhandenen Instinkte und Abneigungen des bayerischen
Volkes, um mittels ihrer Deutschland leichter zerschlagen zu können. Das zertrümmerte Reich aber
wäre spielend eine Beute des Bolschewismus geworden.
Die von ihm angewandte Taktik wurde auch nach seinem Tod zunächst fortgeführt. Der Marxismus, der
gerade die Einzelstaaten und ihre Fürsten in Deutschland immer mit blutigstem Hohn übergossen hatte,
appellierte als "Unabhängige Partei" nun plötzlich eben an diejenigen Gefühle und Instinkte, die in
Fürstenhäusern und Einzelstaaten ihre stärkste Wurzel hatten.
Der Kampf der Räterepublik gegen die anrückenden Befreiungskontingente war in erster Linie als
"Kampf bayerischer Arbeiter" gegen den "preußischen Militarismus" propagandistisch aufgezogen
worden. Nur daraus kann man auch verstehen, warum in München, ganz zum Unterschied von anderen
deutschen Gebieten, das Niederwerfen der Räterepublik nicht zur Besinnung der breiten Massen,
sondern vielmehr zu einer noch größeren Verbitterung und Verbissenheit gegen Preußen führte.
Die Kunst, mit der die bolschewistischen Agitatoren die Beseitigung der Räterepublik als "preußischmilitaristischen"
Sieg gegen das "antimilitaristisch" und "antipreußisch" gesinnte bayerische Volk
hinzustellen verstanden, trug reiche Früchte. Während Kurt Eisner noch anläßlich der Wahlen
{625 Mein Kampf gegen die Preußenhetze}
in den gesetzgebenden Bayerischen Landtag in München keine zehntausend Anhänger aufbrachte, die
Kommunistische Partei sogar unter dreitausend blieb, waren nach dem Zusammenbruch der Republik
beide Parteien zusammen auf nahezu hunderttausend Wähler gestiegen.
Schon in dieser Zeit setzte mein persönlicher Kampf gegen die wahnwitzige Verhetzung der deutschen
Stämme untereinander ein.
Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch keine unpopulärere Sache begonnen als meinen damaligen
Widerstand gegen die Preußenhetze. In München hatten schon während der Räterepublik die ersten
Massenversammlungen stattgefunden, in denen der Haß gegen das übrige Deutschland, insbesondere
aber gegen Preußen, zu solcher Siedehitze aufgepeitscht wurde, daß es nicht nur für einen
Norddeutschen mit Todesgefahr verbunden war, einer solchen Versammlung beizuwohnen, sondern daß
der Abschluß derartiger Kundgebungen meist ganz offen mit dem wahnsinnigen Geschrei endigte: "Los
von Preußen!" — "Nieder mit Preußen!" — "Krieg gegen Preußen!", eine Stimmung, die ein besonders
glänzender Vertreter bayerischer Hoheitsinteressen im Deutschen Reichstag in den Schlachtruf
zusammenfaßte: "Lieber bayerisch sterben als preußisch verderben."Man muß die damaligen
Versammlungen miterlebt haben, um zu verstehen, was es für mich selbst bedeutete, als ich mich zum
ersten Male, umringt von einer Handvoll Freunde, in einer Versammlung im Löwenbräukeller zu
München gegen diesen Wahnsinn zur Wehr setzte. Es waren Kriegskameraden, die mir damals Beistand
leisteten, und man kann sich vielleicht in unser Gefühl hineinversetzen, wenn eine vernunftlos
gewordene Masse gegen uns brüllte und uns niederzuschlagen drohte, die während der Zeit, da wir das
Vaterland verteidigt hatten, zum weitaus größten Teil als Deserteure und Drückeberger sich in Etappen
oder in der Heimat herumgetrieben hatte. Für mich freilich hatten diese Auftritte das Glück, daß sich die
Schar meiner Getreuen erst recht mit mir verbunden
{626 Mein Kampf gegen die Preußenhetze}
fühlte und bald auf Leben und Tod auf mich eingeschworen war.
Diese Kämpfe, die sich immer wiederholten und durch das ganze Jahr 1919 hinzogen, schienen sich
gleich zu Beginn des Jahres 1920 noch zu verstärken. Es gab Versammlungen — ich erinnere mich
besonders an eine im Wagnersaal an der Sonnenstraße in München —, in denen meine unterdes größer
gewordene Gruppe schwerste Kämpfe zu bestehen hatte, die nicht selten damit endeten, daß man
Dutzende meiner Anhänger mißhandelte, niederschlug, mit Füßen trat, um sie endlich, mehr
Leichnamen als Lebenden gleich, aus den Sälen zu werfen.
Der Kampf, den ich erst als Einzelperson, nur unterstützt von meinen Kriegsgefährten, aufgenommen
hatte, wurde nun als eine, ich möchte fast sagen, heilige Aufgabe von der jungen Bewegung
weitergeführt.
Es ist noch heute mein Stolz, sagen zu können, daß wir damals — fast ausschließlich angewiesen auf
unsere bayerischen Anhänger — dennoch dieser Mischung von Dummheit und Verrat langsam, aber
sicher das Ende bereitet haben. Ich sage Dummheit und Verrat deshalb, weil ich. bei aller Überzeugung
von der an sich wirklich gutmütig-dummen Masse der Mitläufer, den Organisatoren und Anstiftern
solche Einfalt nicht zugute rechnen kann. Ich hielt sie und halte sie auch heute noch für von Frankreich
besoldete und bezahlte Verräter. In einem Falle, im Falle Dorten, hat ja unterdes die Geschichte bereits
ihr Urteil gesprochen.
Was die Sache damals besonders gefährlich werden ließ, war die Geschicklichkeit, mit der man die
wahren Tendenzen zu verhüllen verstand, indem man föderalistische Absichten als die einzige
Veranlassung zu diesem Treiben in den Vordergrund schob. Daß die Schürung von Preußenhaß mit
Föderalismus nichts zu tun hat, liegt allerdings auf der Hand. Merkwürdig berührt auch eine "föderative
Tätigkeit", die es versucht, einen anderen Bundesstaat aufzulösen oder aufzuteilen. Denn ein ehrlicher
Föderalist, bei dem die Zitierung des Bismarckschen Reichsgedankens
{627 "Föderative Tätigkeit"}
keine verlogene Phrase darstellt, dürfte nicht im selben Atemzug dem von Bismarck geschaffenen oder
doch vollendeten preußischen Staat Teile abzutrennen wünschen oder sogar solche
Separationsbestrebungen öffentlich unterstützen. Wie würde man in München geschrien haben, wenn
eine konservative preußische Partei die Loslösung Frankens von Bayern begünstigt oder gar in
öffentlicher Aktion verlangt und gefördert hätte! Leid tun konnten einem bei all dem wirklich nur die
ehrlich föderalistisch gesinnten Naturen, die dieses verruchte Gaunerspiel nicht durchschaut hatten; denn
sie waren in erster Linie die Betrogenen. Indem der föderative Gedanke solcherart belastet wurde,
schaufelten ihm seine eigenen Anhänger das Grab. Man kann keine föderalistische Gestaltung des
Reiches propagieren, wenn man das wesentlichste Glied eines solchen Staatsbaues, nämlich Preußen,
selbst heruntersetzt, beschimpft und beschmutzt, kurz als Bundesstaat, wenn möglich, unmöglich macht.
Es war dies um so unglaublicher, als sich dabei der Kampf dieser sogenannten Föderalisten gerade
gegen das Preußen wendete, das am wenigsten mit der Novemberdemokratie in Verbindung gebracht
werden kann. Denn nicht gegen die Väter der Weimarer Verfassung, die übrigens selbst zum größtem
Teil Süddeutsche oder Juden waren, richteten sich Schmähungen und Angriffe dieser sogenannten
"Föderalisten", sondern gegen die Vertreter des alten konservativen Preußens, also die Antipoden der
Weimarer Verfassung. Daß man sich dabei besonders hütete, den Juden anzutasten, darf nicht
wundernehmen, liefert aber vielleicht den Schlüssel zur Lösung des ganzen Rätsels.
So wie vor der Revolution der Jude die Aufmerksamkeit von seinen Kriegsgesellschaften oder, besser,
von sich selbst abzulenken verstand und die Masse, besonders des bayerischen Volkes, gegen Preußen
umzustellen wußte, so mußte er nach der Revolution auch den neuen und nun zehnmal größeren
Raubzug irgendwie decken. Und wieder gelang es ihm, in diesem Fall die sogenannten "nationalen
Elemente" Deutschlands gegeneinander zu hetzen: konser-
{628 Jüdische Verhetzungstaktik}
vativ eingestellte Bayern gegen ebenso konservativ denkende Preußen. Und wieder betrieb er es in
gerissenster Weise, indem er, der allein die Geschicke des Reiches an seinen Fäden hielt, so grobe und
taktlose Übergriffe provozierte, daß das Blut der jeweils Betrogenen dadurch immer aufs neue in
Wallung geraten mußte. Nie aber gegen den Juden, sondern immer gegen den deutschen Bruder. Nicht
das Berlin von vier Millionen emsig arbeitenden, fleißigen, schaffenden Menschen sah der Bayer,
sondern das faule, zersetzte Berlin des übelsten Westens! Doch nicht gegen diesen Westen kehrte sich
sein Haß, sondern gegen die "preußische" Stadt.
Es war wirklich oft zum Verzweifeln.
Diese Geschicklichkeit des Juden, die öffentliche Aufmerksamkeit von sich abzulenken und anderweitig
zu beschäftigen, kann man auch heute wieder studieren.
Im Jahre 1918 konnte von einem planmäßigen Antisemitismus gar keine Rede sein. Noch erinnere ich
mich der Schwierigkeiten, auf die man stieß, sowie man nur das Wort Jude in den Mund nahm. Man
wurde entweder dumm angeglotzt, oder man erlebte heftigsten Widerstand. Unsere ersten Versuche, der
Öffentlichkeit den wahren Feind zu zeigen, schienen damals fast aussichtslos zu sein, und nur ganz
langsam begannen sich die Dinge zum Besseren zu wenden. So verfehlt der "Schutz- und Trutzbund" in
seiner organisatorischen Anlage war, so groß war nichtsdestoweniger sein Verdienst, die Judenfrage als
solche wieder aufgerollt zu haben. Jedenfalls begann im Winter 1918/19 so etwas wie Antisemitismus
langsam Wurzel zu fassen. Später hat dann allerdings die nationalsozialistische Bewegung die
Judenfrage ganz anders vorwärtsgetrieben. Sie hat es vor allem fertiggebracht, dieses Problem aus dem
engbegrenzten Kreise oberer und kleinbürgerlicher Schichten herauszuheben und zum treibenden Motiv
einer großen Volksbewegung umzuwandeln. Kaum aber, daß es gelungen war, dem deutschen Volk in
{629 Konfessionelle Zwietracht}
dieser Frage den großen, einigenden Kampfgedanken zu schenken, als der Jude auch schon zur
Gegenwehr schritt. Er griff zu seinem alten Mittel. Mit fabelhafter Schnelligkeit hat er in die völkische
Bewegung selbst die Brandfackel des Zankes hineingeworfen und den Zwiespalt gesät. Am Aufwerfen
der ultramontanen Frage und in der daraus erwachsen den gegenseitigen Bekämpfung von
Katholizismus und Protestantismus stak, wie die Verhältnisse nun einmal lagen, die einzige
Möglichkeit, die öffentliche Aufmerksamkeit mit anderen Problemen zu beschäftigen, um den
konzentrierten Ansturm vom Judentum abzuhalten. Wie die Männer, die gerade diese Frage in unser
Volk hineinschleuderten, sich an ihm versündigten, das können sie niemals wieder gutmachen. Der Jude
hat jedenfalls das gewollte Ziel erreicht: Katholiken und Protestanten führen miteinander einen
fröhlichen Krieg, und der Todfeind der arischen Menschheit und des gesamten Christentums lacht sich
ins Fäustchen.
So wie man es einst verstanden hatte, Jahre hindurch die öffentliche Meinung mit dem Kampf zwischen
Föderalismus und Unitarismus zu beschäftigen und sie darin aufzureiben, indes der Jude die Freiheit der
Nation verschacherte und unser Vaterland der internationalen Hochfinanz verriet, so gelingt es ihm jetzt
wieder, die zwei deutschen Konfessionen gegeneinander Sturm laufen zu lassen, während beider
Grundlagen vom Gift des internationalen Weltjuden zerfressen und unterhöhlt werden.
Man halte sich die Verwüstungen vor Augen, welche die jüdische Bastardierung jeden Tag an unserem
Volke anrichtet, und man bedenke, daß diese Blutvergiftung nur nach Jahrhunderten oder überhaupt
nicht mehr aus unserem Volkskörper entfernt werden kann; man bedenke weiter, wie die rassische
Zersetzung die letzten arischen Werte unseres deutschen Volkes herunterzieht, ja oft vernichtet, so daß
unsere Kraft als kulturtragende Nation ersichtlich mehr und mehr im Rückzug begriffen ist, und wir der
Gefahr anheimfallen, wenigstens in unseren Großstädten dorthin zu kommen, wo Süditalien heute
bereits ist. Diese
{630 Konfessionelle Zwietracht}
Verpestung unseres Blutes, an der Hunderttausende unseres Volkes wie blind vorübergehen, wird aber
vom Juden heute planmäßig betrieben. Planmäßig schänden diese schwarzen Völkerparasiten unsere
unerfahrenen, jungen blonden Mädchen und zerstören dadurch etwas, was auf dieser Welt nicht mehr
ersetzt werden kann. Beide, jawohl, beide christlichen Konfessionen sehen dieser Entweihung und
Zerstörung eines durch Gottes Gnade der Erde gegebenen edlen und einzigartigen Lebewesens
gleichgültig zu. Für die Zukunft der Erde liegt aber die Bedeutung nicht darin, ob die Protestanten die
Katholiken oder die Katholiken die Protestanten besiegen, sondern darin, ob der arische Mensch ihr
erhalten bleibt oder ausstirbt. Dennoch kämpfen die beiden Konfessionen heute nicht etwa gegen den
Vernichter dieser Menschen, sondern suchen sich selbst gegenseitig zu vernichten. Gerade der völkisch
Eingestellte hätte die heiligste Verpflichtung, jeder in seiner eigenen Konfession dafür zu sorgen, daß
man nicht nur immer äußerlich von Gottes Willen redet, sondern auch tatsächlich Gottes Willen erfülle
und Gottes Werk nicht schänden lasse. Denn Gottes Wille gab den Menschen einst ihre Gestalt, ihr
Wesen und ihre Fähigkeiten. Wer sein Werk zerstört, sagt damit der Schöpfung des Herrn, dem
göttlichen Wollen, den Kampf an. Darum sei jeder tätig, und zwar jeder gefälligst in seiner Konfession,
und jeder empfinde es als seine erste und heiligste Pflicht, Stellung gegen den zu nehmen, der in seinem
Wirken durch Reden oder Handeln aus dem Rahmen seiner eigenen Glaubensgemeinschaft heraustritt
und in die andere hineinzustänkern versucht. Denn das Bekämpfen von Wesenseigenheiten einer
Konfession innerhalb unserer einmal vorhandenen religiösen Spaltung führt in Deutschland
zwangsläufig zu einem Vernichtungskrieg zwischen beiden Konfessionen. Unsere Verhältnisse gestatten
hier gar keinen Vergleich etwa mit Frankreich oder Spanien oder gar Italien. Man kann zum Beispiel in
allen drei Ländern einen Kampf gegen den Klerikalismus oder
{631 Konfessionelle Zwietracht}
Ultramontanismus propagieren, ohne Gefahr zu laufen, daß bei diesem Versuch das französische,
spanische oder italienische Volk als solches auseinanderfalle. Man darf dies aber nicht in Deutschland,
da sich hier sicher auch die Protestanten an einem solchen Beginnen beteiligen würden. Damit erhält
jedoch die Abwehr, die anderswo nur von Katholiken gegen Übergriffe politischer Art ihrer eigenen
Oberhirten stattfinden würde, sofort den Charakter eines Angriffs von Protestantismus gegen
Katholizismus. Was von Angehörigen der eigenen Konfession, selbst wenn es ungerecht ist, immer noch
ertragen wird, findet augenblicklich schärfste Ablehnung von vornherein, sowie der Bekämpfer einer
anderen Glaubensgemeinschaft entstammt. Dies geht so weit, daß selbst Menschen, die an sich ohne
weiteres bereit wären, einen ersichtlichen Mißstand innerhalb ihrer eigenen religiösen
Glaubensgemeinschaft abzustellen, sofort davon abgehen und ihren Widerstand nach außen kehren,
sowie von einer nicht zu ihrer Gemeinschaft gehörigen Stelle eine solche Korrektur empfohlen oder gar
gefordert wird. Sie empfinden dies als einen ebenso unberechtigten wie unzulässigen, ja unanständigen
Versuch, sich in Dinge einzumischen, die den Betreffenden nichts angehen. Derartige Versuche werden
auch dann nicht entschuldigt, wenn sie mit dem höheren Recht der Interessen der nationalen
Gemeinschaft begründet werden, da heute religiöse Gefühle immer noch tiefer sitzen als alle nationalen
und politischen Zweckmäßigkeiten. Und dies wird auch gar nicht anders dadurch, daß man nun die
beiden Konfessionen in einen gegenseitigen erbitterten Krieg hineintreibt, sondern vermöchte nur anders
zu werden, indem man durch beiderseitige Verträglichkeit der Nation eine Zukunft schenkte, die in ihrer
Größe allmählich auch auf diesem Gebiet versöhnend wirken würde.
Ich stehe nicht an, zu erklären, daß ich in den Männern, die heute die völkische Bewegung in die Krise
religiöser Streitigkeiten hineinziehen, schlimmere Feinde meines Volkes sehe als im nächstbesten
international eingestellten Kommunisten. Denn diesen zu bekehren, ist die national-
{632 Konfessionelle Zwietracht}
sozialistische Bewegung berufen. Wer aber diese aus ihren eigenen Reihen heraus von ihrer wirklichen
Mission entfernt, handelt am verwerflichsten. Er ist, ob bewußt oder unbewußt spielt gar keine Rolle,
ein Streiter für jüdische Interessen. Denn jüdisches Interesse ist es heute, die völkische Bewegung in
dem Augenblick in einem religiösen Kampf verbluten zu lassen, in dem sie beginnt, für den Juden eine
Gefahr zu werden. Und ich betone ausdrücklich das Wort verbluten lassen; denn nur ein geschichtlich
ganz ungebildeter Mann kann sich vorstellen, mit dieser Bewegung heute eine Frage lösen zu können,
an der Jahrhunderte und große Staatsmänner zerschellt sind.
Im übrigen sprechen die Tatsachen für sich. Die Herren, die im Jahre 1924 plötzlich entdeckten, daß die
oberste Mission der völkischen Bewegung der Kampf gegen den "Ultramontanismus" sei, haben nicht
den Ultramontanismus zerbrochen, aber die völkische Bewegung zerrissen. Ich muß mich auch dagegen
verwahren, daß in den Reihen der völkischen Bewegung irgendein unreifer Kopf vermeint, das zu
können, was selbst ein Bismarck nicht konnte. Es wird immer die oberste Pflicht der Leitung der
nationalsozialistischen Bewegung sein, gegen jeden Versuch, die nationalsozialistische Bewegung in
den Dienst solcher Kämpfe zu stellen, schärfstens Front zu machen und die Propagandisten einer
solchen Absicht augenblicklich aus den Reihen der Bewegung zu entfernen. Tatsächlich war es auch bis
Herbst 1923 restlos gelungen. Es konnte in den Reihen unserer Bewegung der gläubigste Protestant
neben dem gläubigsten Katholiken sitzen, ohne je in den geringsten Gewissenskonflikt mit seiner
religiösen Überzeugung geraten zu müssen. Der gemeinsame gewaltige Kampf, den die beiden gegen
den Zerstörer der arischen Menschheit führten, hat sie im Gegenteil gelehrt, sich gegenseitig zu achten
und zu schätzen. Und dabei hat gerade in diesen Jahren die Bewegung den schärfsten Kampf gegen das
Zentrum ausgefochten, allerdings nie aus religiösen, sondern ausschließlich aus national-, rasse- und
{633 Bundes- oder Einheitsstaat?}
wirtschaftspolitischen Gründen. Der Erfolg sprach damals genau so für uns, wie er heute gegen die
Besserwisser zeugt.
Es ist in den letzten Jahren manchmal so weit gekommen, daß völkische Kreise in der gottverlassenen
Blindheit ihrer konfessionellen Auseinandersetzungen den Wahnsinn ihres Handelns nicht einmal
erkannten, daß atheistische Marxistenzeitungen nach Bedarf plötzlich Anwälte religiöser
Glaubensgemeinschaften wurden, um durch Hin- und Hertragen von manchmal wirklich zu dummen
Äußerungen die eine oder die andere Seite zu belasten und das Feuer dadurch zum äußersten zu schüren.
Gerade bei einem Volk aber, das, wie das deutsche, in seiner Geschichte schon so oft bewiesen hat, daß
es imstande ist, für Phantome Kriege bis zum Weißbluten zu führen, wird jeder solche Kampfruf
todgefährlich sein. Immer wurde dadurch unser Volk von den wirklich realen Fragen seines Daseins
abgelenkt. Während wir in religiösen Streitigkeiten uns verzehrten, wurde die andere Welt verteilt. Und
während die völkische Bewegung überlegt, ob die ultramontane Gefahr größer ist als die jüdische oder
umgekehrt, zerstört der Jude die rassischen Grundlagen unseres Daseins und vernichtet dadurch unser
Volk für immer. Ich kann, was diese Art von "völkischen" Kämpfern betrifft, der nationalsozialistischen
Bewegung und damit auch dem deutschen Volk aus aufrichtigstem Herzen nur wünschen: Herr, bewahre
sie vor solchen Freunden, auch sie wird mit ihren Feinden dann schon fertig werden.
×
Der in den Jahren 1919/20/21 und weiterhin von den Juden in so schlauer Weise propagierte Kampf
zwischen Föderalismus und Unitarismus zwang, bei aller Ablehnung desselben, doch auch die
nationalsozialistische Bewegung, zu seinen wesentlichen Problemen Stellung zu nehmen. Soll
Deutschland Bundes- oder Einheitsstaat sein, und was hat man praktisch unter beiden zu verstehen? Mir
scheint die wichtigere Frage die zweite zu
{634 Bundes- oder Einheitsstaat?}
sein, weil sie nicht nur zum Verständnis des ganzen Problems grundlegend ist, sondern auch weil sie
klärend ist und versöhnenden Charakter besitzt.
Was ist ein Bundesstaat? Unter Bundesstaat verstehen wir einen Verband von souveränen Staaten, die
aus freiem Willen kraft ihrer Souveränität sich zusammenschließen und dabei jenen Teil der
Hoheitsrechte im einzelnen an die Gesamtheit abtreten, der die Existenz des gemeinsamen Bundes
ermöglicht und gewährleistet.
Diese theoretische Formulierung trifft in der Praxis bei keinem der heute auf Erden bestehenden
Bundesstaaten restlos zu. Am wenigsten bei der amerikanischen Union, in welcher beim weitaus größten
Teil der Einzelstaaten von irgendeiner ursprünglichen Souveränität überhaupt nicht geredet werden
kann, sondern viele derselben erst im Laufe der Zeit gewissermaßen hineingezeichnet wurden in die
Gesamtfläche des Bundes. Daher handelt es sich bei den Einzelstaaten der amerikanischen Union auch
in den meisten Fällen mehr um kleinere und größere, aus verwaltungstechnischen Gründen gebildete,
vielfach mit dem Lineal abgegrenzte Territorien, die vordem eigene staatliche Souveränität nicht
besessen hatten und auch gar nicht besitzen konnten. Denn nicht diese Staaten hatten die Union gebildet,
sondern die Union gestaltete erst einen großen Teil solcher sogenannter Staaten. Die dabei den einzelnen
Territorien überlassenen, oder besser zugesprochenen, höchst umfangreichen Selbstrechte entsprechen
nicht nur dem ganzen Wesen dieses Staatenbundes, sondern vor allem auch der Größe seiner
Grundfläche, seinen räumlichen Dimensionen, die ja fast dem Ausmaß eines Kontinents gleichkommen.
Man kann somit bei den Staaten der amerikanischen Union nicht von deren staatlicher Souveränität
sprechen, sondern nur von deren verfassungsmäßig festgelegten und garantierten Rechten, besser
vielleicht Befugnissen.
Auch für Deutschland ist die obige Formulierung nicht voll und ganz zutreffend, obwohl in
Deutschland ohne Zweifel zuerst die Einzelstaaten, und zwar als Staaten, be-
{635 Bundes- oder Einheitsstaat?}
standen hatten und aus ihnen das Reich gebildet wurde. Allein schon die Bildung des Reiches ist nicht
erfolgt auf Grund des freien Willens oder gleichen Zutuns der Einzelstaaten, sondern durch die
Auswirkung der Hegemonie eines Staates unter ihnen, Preußens. Schon die rein territorial große
Verschiedenheit der deutschen Staaten gestattet keinen Vergleich mit der Gestaltung zum Beispiel der
amerikanischen Union. Der Größenunterschied zwischen den einstigen kleinsten deutschen
Bundesstaaten und den größeren oder gar dem größten erweist die Nichtgleichartigkeit der Leistungen,
aber auch das Ungleichmäßige des Anteils an der Begründung des Reiches, an der Forderung des
Bundesstaates. Tatsächlich konnte man aber auch bei den meisten dieser Staaten von einer wirklichen
Souveränität nicht sprechen, außer das Wort Staatssouveränität hätte keine andere Bedeutung als die
einer amtlichen Phrase. In Wirklichkeit hatte nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart
mit zahlreichen dieser sogenannten "souveränen Staaten" aufgeräumt und damit am klarsten die
Schwäche dieser "souveränen" Gebilde bewiesen.
Es soll hier nicht festgestellt werden, wie im einzelnen diese Staaten sich geschichtlich bildeten, wohl
aber, daß sie fast in keinem Falle sich mit stammesmäßigen Grenzen decken. Sie sind rein politische
Erscheinungen und reichen mit ihren Wurzeln meist in die traurigste Zeit der Ohnmacht des Deutschen
Reiches und der sie bedingenden, wie auch umgekehrt dadurch selbst wieder bedingten Zersplitterung
unseres deutschen Vaterlandes.
Dem allem trug, wenigstens teilweise, die Verfassung des alten Reiches auch Rechnung, insofern sie im
Bundesrat den einzelnen Staaten nicht die gleiche Vertretung einräumte, sondern entsprechend der
Größe und tatsächlichen Bedeutung sowie der Leistung der Einzelstaaten bei der Bildung des Reiches
Abstufungen vornahm.
Die von den Einzelstaaten zur Ermöglichung der Reichsbildung abgetretenen Hoheitsrechte wurden nur
zum kleinsten Teil aus eigenem Willen aufgegeben, zum größten Teil waren sie praktisch entweder
ohnehin nicht vorhanden,
{636 Bundes- oder Einheitsstaat?}
oder sie waren unter dem Druck der preußischen Übermacht einfach genommen worden. Allerdings
ging Bismarck dabei nicht von dem Grundsatz aus, dem Reiche zu geben, was den einzelnen Staaten nur
irgend genommen werden konnte, sondern von den Einzelstaaten nur abzuverlangen, was das Reich
unbedingt brauchte. Ein ebenso gemäßigter wie weiser Grundsatz, der auf der einen Seite auf
Gewohnheit und Tradition die höchste Rücksicht nahm und auf der anderen dadurch von vornherein
dem neuen Reich ein großes Maß von Liebe und freudiger Mitarbeit sicherte. Es ist aber grundfalsch,
diesen Entschluß Bismarcks etwa seiner Überzeugung zuzuschreiben, daß damit das Reich für alle Zeit
genügend an Hoheitsrechten besäße. Diese Überzeugung hatte Bismarck keineswegs; im Gegenteil, er
wollte nur der Zukunft überlassen, was im Augenblick schwer durchzuführen und zu ertragen gewesen
wäre. Er hoffte auf die langsam ausgleichende Wirkung der Zeit und auf den Druck der Entwicklung an
sich, der er auf die Dauer mehr Kraft zutraute als einem Versuch, die augenblicklichen Widerstände der
einzelnen Staaten sofort zu brechen. Er hat damit die Größe seiner staatsmännischen Kunst gezeigt und
am besten bewiesen. Denn in Wirklichkeit ist die Souveränität des Reiches dauernd auf Kosten der
Souveränität der einzelnen Staaten gestiegen. Die Zeit hat erfüllt, was Bismarck sich von ihr erhoffte.
Mit dem deutschen Zusammenbruch und der Vernichtung der monarchischen Staatsform ist diese
Entwicklung zwangsläufig beschleunigt worden. Denn da die einzelnen deutschen Staaten ihr Dasein
weniger stammesmäßigen Unterlagen als rein politischen Ursachen zuzuschreiben hatten, mußte die
Bedeutung dieser Einzelstaaten in dem Augenblick in ein Nichts zusammensinken, in dem die
wesentlichste Verkörperung der politischen Entwicklung dieser Staaten, die monarchische Staatsform
und ihre Dynastien, ausgeschaltet wurden. Eine ganze Anzahl dieser "Staatsgebilde" verlor dadurch so
sehr jeglichen inneren Halt, daß sie damit von selbst auf ein weiteres Dasein Verzicht leisteten und sich
aus reinen Zweckmäßig-
{637 Bundes- oder Einheitsstaat?}
keitsgründen mit anderen zusammenschlossen oder aus freiem Willen in größeren aufgingen; der
schlagendste Beweis für die außerordentliche Schwäche der tatsächlichen Souveränität dieser kleinen
Gebilde und der geringen Einschätzung, die sie selbst bei ihren eigenen Bürgern fanden.
Hat also die Beseitigung der monarchischen Staatsform und ihrer Träger dem bundesstaatlichen
Charakter des Reiches schon einen starken Stoß versetzt, so noch mehr die Übernahme der aus dem
"Friedens"-Vertrag resultierenden Verpflichtungen.
Daß die bisher bei den Ländern liegende Finanzhoheit an das Reich verlorenging, war im selben
Augenblick natürlich und selbstverständlich, in welchem das Reich durch den verlorenen Krieg einer
finanziellen Verpflichtung unterworfen wurde, die durch Einzelbeiträge der Länder niemals mehr ihre
Deckung gefunden hätte. Auch die weiteren Schritte, die zur Übernahme von Post und Eisenbahn durch
das Reich führten, waren zwangsläufige Auswirkungen der durch die Friedensverträge allmählich in die
Wege geleiteten Versklavung unseres Volkes. Das Reich war gezwungen, sich in den geschlossenen
Besitz immer neuer Werte zu setzen, um den Verpflichtungen, die infolge weiterer Auspressungen
eintraten, genügen zu können.
So wahnwitzig häufig die Formen waren, unter denen sich die Verreichlichung vollzog, so logisch und
selbstverständlich war der Vorgang an sich. Schuld daran trugen die Parteien und Männer, die einst
nicht alles getan hatten, um den Krieg siegreich zu beenden. Schuld daran hatten, besonders in Bayern,
die Parteien, die in Verfolgung egoistischer Selbstziele dem Reichsgedanken während des Krieges
entzogen hatten, was sie nach dem Verlust desselben zehnfach ersetzen mußten. Rächende Geschichte!
Nur kam die Strafe des Himmels selten so jäh nach der Versündigung als in diesem Falle. Dieselben
Parteien, die noch wenige Jahre vordem die Interessen ihrer Einzelstaaten — und dies besonders in
Bayern — über das Interesse des Reiches gestellt hatten, mußten es nun erleben, wie unter dem Druck
der Geschehnisse das Interesse des
{638 Bundes- oder Einheitsstaat?}
Reiches die Existenz der Einzelstaaten abwürgte. Alles durch ihr eigenes Mitverschulden.
Es ist eine Heuchelei sondergleichen, den Wählermassen gegenüber (denn nur an diese richtet sich die
Agitation unserer heutigen Parteien) über den Verlust von Hoheitsrechten der einzelnen Länder zu
klagen, während sich alle diese Parteien ausnahmslos gegenseitig überboten haben in einer
Erfüllungspolitik, die in ihren letzten Konsequenzen natürlich auch zu tiefgreifenden Veränderungen im
inneren Deutschland führen mußte. Das Bismarcksche Reich war nach außen frei und ungebunden.
Finanzielle Verpflichtungen so schwerwiegender und dabei völlig unproduktiver Art, wie sie das heutige
Dawes-Deutschland zu tragen hat, besaß dieses Reich nicht. Allein auch im Innern war es in seiner
Kompetenz auf wenige und unbedingt notwendige Belange beschränkt. Somit konnte es sehr wohl einer
eigenen Finanzhoheit entbehren und von den Beiträgen der Länder leben; und es ist selbstverständlich,
daß einerseits die Wahrung des Besitzes eigener Hoheitsrechte und andererseits verhältnismäßig geringe
finanzielle Abgaben an das Reich der Reichsfreudigkeit der Länder sehr zustatten kamen. Es ist aber
unrichtig, ja unaufrichtig, heute mit der Behauptung Propaganda machen zu wollen, daß die derzeit
mangelnde Reichsfreudigkeit bloß der finanziellen Hörigkeit der Länder dem Reiche gegenüber
zuzuschreiben wäre. Nein, so liegen die Dinge wirklich nicht. Die mindere Freude am Reichsgedanken
ist nicht dem Verluste von Hoheitsrechten seitens der Länder zuzuschreiben, sondern ist vielmehr das
Resultat der jammervollen Repräsentation, die das deutsche Volk derzeit durch seinen Staat erfährt.
Trotz aller Reichsbanner- und Verfassungsfeiern ist das heutige Reich dem Herzen des Volkes in allen
Schichten fremd geblieben, und republikanische Schutzgesetze können wohl von einer Verletzung
republikanischer Einrichtungen abschrecken, sich aber niemals die Liebe auch nur eines einzigen
Deutschen erwerben. In
{639 Bundes- oder Einheitsstaat?}
der übergroßen Sorge, die Republik vor ihren eigenen Bürgern durch Paragraphen und Zuchthaus zu
schützen, liegt die vernichtendste Kritik und Herabsetzung der gesamten Institution selbst.
Allein auch aus einem anderen Grunde ist die von gewissen Parteien heute aufgestellte Behauptung, daß
das Schwinden der Reichsfreudigkeit den Übergriffen des Reiches auf bestimmte Hoheitsrechte der
Länder zuzuschreiben wäre, unwahr. Angenommen, das Reich hätte die Erweiterung seiner
Kompetenzen nicht vorgenommen, so glaube man doch ja nicht, daß dann die Liebe der einzelnen
Länder zum Reich eine größere wäre, wenn nichtsdestoweniger die Gesamtausgaben dieselben sein
müßten wie jetzt. Im Gegenteil: Würden die einzelnen Länder heute Abgaben in der Höhe zu tragen
haben, wie sie das Reich zur Erfüllung der Versklavungsdiktate braucht, so würde die
Reichsfeindlichkeit noch unendlich viel größer sein. Die Beiträge der Länder an das Reich wären nicht
nur sehr schwer hereinzubringen, sondern müßten geradezu auf dem Wege der Zwangsexekution
eingetrieben werden. Denn da die Republik nun einmal auf dem Boden der Friedensverträge steht und
weder den Mut noch irgendwie die Absicht besitzt, sie zu brechen, muß sie mit ihren Verpflichtungen
rechnen. Schuld daran sind jedoch wieder nur die Parteien, die ununterbrochen den geduldigen
Wählermassen von der notwendigen Selbständigkeit der Länder vorreden, dabei aber eine Reichspolitik
fördern und unterstützen, die ganz zwangsläufig zur Beseitigung auch der letzten dieser sogenannten
"Hoheitsrechte" führen muß.
Ich sage zwangsläufig deshalb, weil dem heutigen Reich gar keine andere Möglichkeit bleibt, seinen
durch eine verruchte Innen- und Außenpolitik aufgebürdeten Lasten gerecht zu werden. Auch hier treibt
ein Keil den anderen, und jede neue Schuld, die das Reich durch seine
{640 Nationalstaat oder Sklavenkolonie?}
verbrecherische Vertretung deutscher Interessen nach außen auf sich lädt, muß im Innern durch einen
stärkeren Druck nach unten ausgeglichen werden, der seinerseits wieder die allmähliche Beseitigung
sämtlicher Hoheitsrechte der einzelnen Staaten erfordert, um nicht in ihnen Keimzellen des
Widerstandes erstehen oder auch nur bestehen zu lassen.
Überhaupt muß als charakteristischer Unterschied der heutigen Reichspolitik gegenüber der von einst
festgestellt werden: Das alte Reich gab im Innern Freiheit und bewies nach außen Stärke, während die
Republik nach außen Schwäche zeigt und im Innern die Bürger unterdrückt. In beiden Fällen bedingt
das eine das andere: Der kraftvolle Nationalstaat braucht nach innen weniger Gesetze infolge der
größeren Liebe und Anhänglichkeit seiner Bürger, der internationale Sklavenstaat kann nur durch
Gewalt seine Untertanen zum Frondienst anhalten. Denn es ist eine der unverschämtesten Frechheiten
des heutigen Regiments, von "freien Bürgern" zu reden. Solche besaß nur das alte Deutschland. Die
Republik als Sklavenkolonie des Auslandes hat keine Bürger, sondern bestenfalls Untertanen. Sie besitzt
deshalb auch keine Nationalflagge, sondern nur eine durch behördliche Verfügungen und gesetzliche
Bestimmungen eingeführte und bewachte Musterschutzmarke. Dieses als Geßlerhut der deutschen
Demokratie empfundene Symbol wird daher auch unserem Volke immer innerlich fremd bleiben. Die
Republik, die seinerzeit ohne jedes Gefühl für Tradition und ohne jede Ehrfurcht vor der Größe der
Vergangenheit deren Symbole in den Kot trat, wird einst staunen, wie oberflächlich die Untertanen an
ihren eigenen Symbolen hängen. Sie hat sich selbst den Charakter eines Intermezzos der deutschen
Geschichte gegeben.
So ist dieser Staat heute um seines eigenen Bestandes willen gezwungen, die Hoheitsrechte der
einzelnen Länder
{641 Vereinheitlichungstendenzen}
mehr und mehr zu beschneiden, nicht nur aus allgemein materiellen Gesichtspunkten, sondern auch aus
ideellen. Denn indem er seinen Bürgern das letzte Blut durch seine finanzielle Erpresserpolitik entzieht,
muß er ihnen zwangsläufig auch die letzten Rechte nehmen, wenn er nicht will, daß die allgemeine
Unzufriedenheit eines Tages zur hellen Rebellion ausschlägt.
In Umkehrung obenstehenden Satzes ergibt sich für uns Nationalsozialisten folgende grundlegende
Regel: Ein kraftvolles, nationales Reich, das die Interessen seiner Bürger nach außen im höchsten
Umfange wahrnimmt und beschirmt, vermag nach innen Freiheit zu bieten, ohne für die Festigkeit des
Staates bangen zu müssen. Andererseits kann aber eine kraftvolle nationale Regierung selbst große
Eingriffe in die Freiheit des einzelnen sowohl als der Länder ohne Schaden für den Reichsgedanken
vornehmen und verantworten, wenn der einzelne Bürger in solchen Maßnahmen ein Mittel zur Größe
seines Volkstums erkennt.
Sicherlich gehen alle Staaten der Welt in ihrer inneren Organisation einer gewissen Vereinheitlichung
entgegen. Auch Deutschland wird hierin keine Ausnahme machen. Es ist heute schon ein Unsinn, von
einer "Staatssouveränität" einzelner Länder zu sprechen, die in Wirklichkeit schon durch die lächerliche
Größe dieser Gebilde nicht gegeben ist. Sowohl auf verkehrs- als auch auf verwaltungstechnischem
Gebiete wird die Bedeutung der Einzelstaaten immer mehr heruntergedrückt. Der moderne Verkehr, die
moderne Technik läßt Entfernung und Raum immer mehr zusammenschrumpfen. Ein Staat von einst
stellt heute nur mehr eine Provinz dar, und Staaten der Gegenwart galten früher Kontinenten gleich. Die
Schwierigkeit, rein technisch gemessen, einen Staat wie Deutschland zu verwalten, ist nicht größer als
die Schwierigkeit der Leitung einer Provinz wie Brandenburg vor hundertzwanzig Jahren. Die
Überwindung der
{642 Mißbrauch der Zentralisierung}
Entfernung von München nach Berlin ist heute leichter als die von München nach Starnberg vor hundert
Jahren. Und das ganze Reichsgebiet von heute ist im Verhältnis zur derzeitigen Verkehrstechnik kleiner
als irgendein mittlerer deutscher Bundesstaat zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Wer sich den aus
einmal gegebenen Tatsachen resultierenden Folgen verschließt, bleibt eben in der Zeit zurück.
Menschen, welche dies tun, gab es zu allen Zeiten und wird es auch in der Zukunft immer geben. Sie
können jedoch das Rad der Geschichte kaum hemmen, niemals zum Stillstand bringen.
Wir Nationalsozialisten dürfen an den Konsequenzen dieser Wahrheiten nicht blind vorübergehen. Auch
hier dürfen wir uns nicht einfangen lassen von den Phrasen unserer sogenannten nationalen bürgerlichen
Parteien. Ich gebrauche die Bezeichnung Phrasen deshalb, weil diese Parteien selber gar nicht ernstlich
an die Möglichkeit einer Durchführung ihrer Absichten glauben, und weil sie zweitens selber mit- und
hauptschuldig sind an der heutigen Entwicklung. Besonders in Bayern ist der Schrei nach dem Abbau
der Zentralisation wirklich nur mehr eine Parteimache ohne jeden ernsten Hintergedanken. In allen
Augenblicken, da diese Parteien aus ihren Phrasen wirklich Ernst hätten machen müssen, versagten sie
ausnahmslos jämmerlich. Jeder sogenannte "Raub an Hoheitsrechten" des bayerischen Staates durch das
Reich wurde, abgesehen von einem widerlichen Gekläff, praktisch widerstandslos hingenommen. Ja,
wenn wirklich es einer wagte, gegen dieses irrsinnige System ernstlich Front zu machen, dann wurde
der, "als nicht auf dem Boden des heutigen Staates stehend", von denselben Parteien verfemt und
verdammt und so lange verfolgt, bis man ihn entweder durch das Gefängnis oder ein gesetzwidriges
Redeverbot mundtot gemacht hatte. Gerade daraus müssen unsere Anhänger am meisten die innere
Verlogenheit dieser sogenannten föderalistischen Kreise erkennen. So wie zum Teil
{643 Unterdrückung der Einzelstaaten}
die Religion, ist ihnen auch der föderative Staatsgedanke nur ein Mittel für ihre oft schmutzigen
Parteiinteressen.
So sehr also eine gewisse Vereinheitlichung besonders auf dem Gebiete des Verkehrswesens natürlich
erscheint, so sehr kann doch für uns Nationalsozialisten die Verpflichtung bestehen, gegen eine solche
Entwicklung im heutigen Staat schärfstens Stellung zu nehmen, nämlich dann, wenn die Maßnahmen
nur den Zweck haben, eine verhängnisvolle Außenpolitik zu decken und zu ermöglichen. Gerade weil
das heutige Reich die sogenannte Verreichlichung von Eisenbahn, Post, Finanzen usw. nicht aus
höheren nationalpolitischen Gesichtspunkten vorgenommen hat, sondern nur, um damit die Mittel und
Pfänder in die Hand zu bekommen für eine uferlose Erfüllungspolitik, müssen wir Nationalsozialisten
alles tun, was irgend geeignet erscheint, die Durchführung einer solchen Politik zu erschweren,
womöglich zu verhindern. Dazu gehört aber der Kampf gegen die heutige Zentralisierung
lebenswichtiger Einrichtungen unseres Volkes, die nur vorgenommen wird, um dadurch die
Milliardenbeträge und Pfandobjekte für unsere Nachkriegspolitik dem Auslande gegenüber flüssig zu
machen.
Aus diesem Grunde hat auch die nationalsozialistische Bewegung gegen solche Versuche Stellung
genommen.
Der zweite Grund, der uns veranlassen kann, einer derartigen Zentralisierung Widerstand zu leisten, ist
der, daß dadurch die Macht eines Regierungssystems im Innern gefestigt werden könnte, das in seinen
gesamten Auswirkungen das schwerste Unglück über die deutsche Nation gebracht hat. Das heutige
jüdisch-demokratische Reich, das für die deutsche Nation zum wahren Fluch geworden ist, sucht die
Kritik der Einzelstaaten, die noch nicht
{644 Zentralisation begünstigt Parteiwirtschaft}
sämtlich von diesem Zeitgeist erfüllt sind, unwirksam zu machen durch deren Herabdrücken zu
vollständiger Bedeutungslosigkeit. Demgegenüber haben wir Nationalsozialisten allen Anlaß, zu
versuchen, der Opposition dieser Einzelstaaten nicht nur die Grundlage einer erfolgverheißenden
staatlichen Kraft zu geben, sondern ihren Kampf gegen die Zentralisation überhaupt zum Ausdruck
eines höheren nationalen allgemeinen deutschen Interesses zu machen. Während also die Bayerische
Volkspartei aus kleinherzig-partikularistischen Gesichtspunkten "Sonderrechte" für den bayerischen
Staat zu erhalten bestrebt ist, haben wir diese Sonderstellung zu verwenden im Dienste eines gegen die
heutige Novemberdemokratie stehenden höheren Nationalinteresses.
Der dritte Grund, der uns weiter bestimmen kann, gegen die derzeitige Zentralisation zu kämpfen, ist die
Überzeugung, daß ein großer Teil der sogenannten Verreichlichung in Wirklichkeit keine
Vereinheitlichung, auf keinen Fall aber eine Vereinfachung ist, sondern daß es sich im vielen Fällen nur
darum handelt, den Hoheitsrechten der Länder Institutionen zu entziehen, um deren Tore dann den
Interessen der Revolutionsparteien zu öffnen. Noch niemals wurde in der deutschen Geschichte
schamlosere Günstlingswirtschaft getrieben als in der demokratischen Republik. Ein großer Teil der
heutigen Zentralisationswut fällt auf das Konto jener Parteien, die einst die Bahn dem Tüchtigen
freizumachen versprachen, dabei aber bei Besetzung von Ämtern und Posten ausschließlich die
Parteizugehörigkeit im Auge hatten. Insbesondere Juden ergossen sich seit Bestehen der Republik in
unglaublichen Mengen in die durch das Reich zusammengerafften Wirtschaftsbetriebe und
Verwaltungsapparate, so daß beide heute zu einer Domäne jüdischer Betätigung geworden sind.
{645 Staatshoheit des Reiches}
Vor allem diese dritte Erwägung muß uns aus taktischen Gründen verpflichten, jede weitere Maßnahme
auf dem Wege der Zentralisation schärfstens zu überprüfen und, wenn notwendig, gegen sie Stellung zu
nehmen. Immer aber haben unsere Gesichtspunkte dabei höhere nationalpolitische und niemals
kleinliche partikularistische zu sein.
Diese letztere Bemerkung ist notwendig, um nicht bei unseren Anhängern die Meinuug entstellen zu
lassen, als ob wir Nationalsozialisten dem Reiche an sich nicht das Recht zusprechen würden, eine
höhere Souveränität zu verkörpern als die der einzelnen Staaten. Über dieses Recht soll und kann es bei
uns gar keinen Zweifel geben. Da für uns der Staat an sich nur eine Form ist, das Wesentliche jedoch
sein Inhalt, die Nation, das Volk, ist es klar, daß ihren souveränen Interessen alles andere sich
unterzuordnen hat. Insbesondere können wir keinem einzelnen Staat innerhalb der Nation und des diese
vertretenden Reiches eine machtpolitische Souveränität und Staatshoheit zubilligen. Der Unfug
einzelner Bundesstaaten, sogenannte Vertretungen im Ausland und untereinander zu unterhalten, muß
aufhören und wird einmal aufhören. Solange derartiges möglich ist, dürfen wir uns nicht wundern, wenn
das Ausland immer noch Zweifel in die Festigkeit unseres Reichsgefüges setzt und demgemäß sich
benimmt. Der Unfug dieser Vertretungen ist um so größer, als ihnen neben den Schäden nicht der
geringste Nutzen zugeschrieben werden kann. Interessen eines Deutschen im Auslande, die durch den
Gesandten des Reiches nicht gewahrt werden können, vermögen noch viel weniger durch den Gesandten
eines im Rahmen der heutigen Weltordnung lächerlich erscheinenden Kleinstaates wahrgenommen zu
werden. In diesen kleinen Bundesstaaten kann man wirklich nur Angriffspunkte erblicken für besonders
von einem Staat immer noch gern gesehene Auflösungsbestrebungen innerhalb und außerhalb des Deut-
{646 Kulturelle Aufgaben der Länder}
schen Reiches. Auch dafür dürfen wir Nationalsozialisten kein Verständnis haben, daß irgendein
altersschwach gewordener Adelsstamm seinem meist schon sehr dürr gewordenen Reis durch
Bekleidung des Gesandtenpostens neuen Nährboden gibt. Unsere diplomatischen Vertretungen im
Ausland waren schon zur Zeit des alten Reiches so jämmerlich, daß weitere Ergänzungen der damals
gemachten Erfahrungen höchst überflüssig sind.
Die Bedeutung der einzelnen Länder wird in Zukunft unbedingt mehr auf kulturpolitisches Gebiet zu
verlegen sein. Der Monarch, der für die Bedeutung Bayerns das meiste tat, war nicht irgendein
störrischer, antideutsch eingestellter Partikularist, sondern vielmehr der ebenso großdeutsch gesonnene
wie kunstsinnig empfindende Ludwig I. Indem er die Kräfte des Staates in erster Linie für den Ausbau
der kulturellen Position Bayerns verwendete und nicht für die Stärkung der machtpolitischen, hat er
Besseres und Dauerhafteres geleistet, als dies sonst je möglich gewesen wäre. Indem er München
damals aus dem Rahmen einer wenig bedeutenden provinziellen Residenz in das Format einer großen
deutschen Kunstmetropole hineinhob, schuf er einen geistigen Mittelpunkt, der selbst heute noch die
wesensverschiedenen Franken an diesen Staat zu fesseln vermag. Angenommen, München wäre
geblieben, was es einst war, so hätte sich in Bayern ein gleicher Vorgang wie in Sachsen wiederholt, nur
mit dem Unterschied, daß das bayerische Leipzig, Nürnberg, keine bayerische, sondern eine fränkische
Stadt geworden wäre. Nicht die "Nieder-mit-Preußen"-Schreier haben München groß gemacht, sondern
Bedeutung gab dieser Stadt der König, der in ihr der deutschen Nation ein Kunst-Kleinod schenken
wollte, das gesehen und beachtet werden mußte und gesehen und beachtet wurde. Und darin liegt auch
für die Zukunft eine Lehre. Die Bedeutung der Einzelstaaten wird künftig überhaupt nicht mehr auf
staats- und machtpolitischem Gebiet liegen; ich erblicke sie entweder auf stammesmäßigem oder auf
kulturpolitischem Gebiet. Allein selbst hier wird
{647 Heer und Einzelstaaten}
die Zeit nivellierend wirken. Die Leichtigkeit des modernen Verkehrs schüttelt die Menschen derart
durcheinander, daß langsam und stetig die Stammesgrenzen verwischt werden und so selbst das
kulturelle Bild sich allmählich auszugleichen beginnt.
Das Heer ist ganz besonders scharf von allen einzelstaatlichen Einflüssen fernzuhalten. Der kommende
nationalsozialistische Staat soll nicht in den Fehler der Vergangenheit verfallen und dem Heer eine
Aufgabe unterschieben, die es nicht hat und gar nicht haben darf. Das deutsche Heer ist nicht dazu da,
eine Schule für die Erhaltung von Stammeseigentümlichkeiten zu sein, sondern vielmehr eine Schule
des gegenseitigen Verstehens und Anpassens aller Deutschen. Was sonst immer im Leben der Nation
trennend sein mag, soll durch das Heer zu einender Wirkung gebracht werden. Es soll weiter den
einzelnen jungen Mann aus dem engen Horizont seines Ländchens herausheben und ihn hineinstellen in
die deutsche Nation. Nicht die Grenzen seiner Heimat, sondern die seines Vaterlandes muß er sehen
lernen; denn diese hat er einst auch zu beschützen. Es ist deshalb unsinnig, den jungen Deutschen in
seiner Heimat zu belassen, sondern zweckmäßig ist, ihm in seiner Heereszeit Deutschland zu zeigen.
Dies ist heute um so notwendiger, als der junge Deutsche nicht mehr so wie einst auf Wanderschaft geht
und dadurch seinen Horizont erweitert. Ist es in dieser Erkenntnis nicht widersinnig, den jungen Bayern
wenn möglich wieder in München zu belassen, den Franken in Nürnberg, den Badener in Karlsruhe, den
Württemberger in Stuttgart usw., und ist es nicht vernünftiger, dem jungen Bayern einmal den Rhein
und einmal die Nordsee zu zeigen, dem Hamburger die Alpen, dem Ostpreußen das deutsche
Mittelgebirge und so fort? Der landsmannschaftliche Charakter soll in der Truppe bleiben, aber nicht in
der Garnison. Jeder Versuch einer Zentralisation mag unsere Mißbilligung finden, die des Heeres aber
niemals! Im Gegenteil, wollten wir keinen derartigen Versuch begrüßen, über diesen einen müßten
{648 Ein Volk — ein Staat}
wir uns freuen. Ganz abgesehen davon, daß bei der Größe des heutigen Reichsheeres die
Aufrechterhaltuug einzelstaatlicher Truppenteile absurd wäre, sehen wir in der erfolgten
Vereinheitlichung des Reichsheeres einen Schritt, den wir auch in der Zukunft, bei der
Wiedereinführung eines Volksheeres, niemals mehr aufgeben dürfen.
Im übrigen wird eine junge sieghafte Idee jede Fessel ablehnen müssen, die ihre Aktivität im
Vorwärtstreiben ihrer Gedanken lähmen könnte. Der Nationalsozialismus muß grundsätzlich das Recht
in Anspruch nehmen, der gesamten deutschen Nation ohne Rücksicht auf bisherige bundesstaatliche
Grenzen seine Prinzipien aufzuzwingen und sie in seinen Ideen und Gedanken zu erziehen. So wie sich
die Kirchen nicht gebunden und begrenzt fühlen durch politische Grenzen, ebensowenig die
nationalsozialistische Idee durch einzelstaatliche Gebiete unseres Vaterlandes.
Die nationalsozialistische Lehre ist nicht die Dienerin der politischen Interessen einzelner
Bundesstaaten, sondern soll dereinst die Herrin der deutschen Nation werden. Sie hat das Leben eines
Volkes zu bestimmen und neuzuordnen und muß deshalb für sich gebieterisch das Recht in Anspruch
nehmen, über Grenzen, die eine von uns abgelehnte Entwicklung zog, hinwegzugehen.
Je vollständiger der Sieg ihrer Ideen wird, um so größer mag dann die Freiheit im einzelnen sein, die sie
im Innern bietet.
{649}
11. Kapitel:
Propaganda und Organisation
Das Jahr 1921 hatte in mehrfacher Hinsicht für mich und die Bewegung eine besondere Bedeutung
erhalten.
Nach meinem Eintritt in die Deutsche Arbeiterpartei übernahm ich sofort die Leitung der Propaganda.
Ich hielt dieses Fach für das augenblicklich weitaus wichtigste. Es galt ja zunächst weniger, sich den
Kopf über organisatorische Fragen zu zerbrechen, als die Idee selbst einer größeren Zahl von Menschen
zu vermitteln. Die Propaganda mußte der Organisation weit voraneilen und dieser erst das zu
bearbeitende Menschenmaterial gewinnen. Auch bin ich ein Feind von zu schnellem und zu
pedantischem Organisieren. Es kommt dabei meist nur ein toter Mechanismus heraus, aber selten eine
lebendige Organisation. Denn Organisation ist etwas, das dem organischen Leben, der organischen
Entwicklung sein Bestehen zu verdanken hat. Ideen, die eine bestimmte Anzahl von Menschen erfaßt
haben, werden immer nach einer gewissen Ordnung streben, und diesem inneren Ausgestalten kommt
sehr großer Wert zu. Man hat aber auch hier mit der Schwäche der Menschen zu rechnen, die den
einzelnen verleitet, sich wenigstens anfangs instinktiv gegen einen überlegenen Kopf zu stemmen.
Sowie eine Organisation von oben herab mechanisch aufgezogen wird, besteht die große Gefahr, daß ein
einmal eingesetzter, selbst noch nicht genau erkannter und vielleicht wenig fähiger Kopf aus Eifersucht
das Emporkommen tüchtigerer Elemente innerhalb der Bewegung zu hindern suchen wird. Der Schaden,
der in einem solchem Falle entsteht, kann, besonders bei einer jungen Bewegung, von verhängnisvoller
Bedeutung sein.
{650 Theoretiker — Organisator — Agitator}
Aus diesem Grundsatze ist es zweckmäßiger, eine Idee erst eine Zeitlang von einer Zentrale aus
propagandistisch zu verbreiten und das sich allmählich ansammelnde Menschenmaterial dann sorgfältig
nach Führerköpfen durchzusuchen und zu prüfen. Es wird sich dabei manches Mal herausstellen, daß an
sich unscheinbare Menschen nichtsdestoweniger als geborene Führer anzusehen sind.
Ganz falsch wäre es allerdings, im Reichtum an theoretischen Erkenntnissen charakteristische Beweise
für Führereigenschaft und Führertüchtigkeit erblicken zu wollen.
Das Gegenteil trifft häufig zu.
Die großen Theoretiker sind nur in den seltensten Fällen auch große Organisatoren, da die Größe des
Theoretikers und Programmatikers in erster Linie in der Erkenntnis und Festlegung abstrakt richtiger
Gesetze liegt, während der Organisator in erster Linie Psychologe sein muß. Er hat den Menschen zu
nehmen, wie er ist, und muß ihn deshalb kennen. Er darf ihn ebensowenig überschätzen wie in seiner
Masse zu gering achten. Er muß im Gegenteil versuchen, der Schwäche und der Bestialität
gleichermaßen Rechnung zu tragen, um unter Berücksichtigung aller Faktoren ein Gebilde zu schaffen,
das als lebendiger Organismus von stärkster und stetiger Kraft erfüllt und so geeignet ist, eine Idee zu
tragen und ihr den Weg zum Erfolg freizumachen.
Noch seltener aber ist ein großer Theoretiker ein großer Führer. Viel eher wird das der Agitator sein,
was viele, die nur wissenschaftlich über eine Frage arbeiten, nicht gerne hören wollen; und doch ist das
verständlich. Ein Agitator, der die Fähigkeit aufweist, eine Idee der breiten Masse zu vermitteln, muß
immer Psychologe sein, sogar wenn er nur Demagoge wäre. Er wird dann immer noch besser zum
Führer geeignet sein als der menschenfremde, weltferne Theoretiker. Denn Führen heißt: Massen
bewegen können. Die Gabe, Ideen zu gestalten, hat mit Führerfähigkeit gar nichts zu schaffen. Es ist
dabei
{651 Anhänger und Mitglieder}
ganz müßig, darüber zu streiten, was von größerer Bedeutung ist, Menschheitsideale und
Menschheitsziele aufzustellen oder sie zu verwirklichen. Es geht hier wie so oft im Leben: das eine wäre
vollkommen sinnlos ohne das andere. Die schönste theoretische Einsicht bleibt ohne Zweck und Wert,
wenn nicht der Führer die Massen zu ihr hin in Bewegung setzt. Und umgekehrt, was sollte alle
Führergenialität und aller Führerschwung, wenn nicht der geistvolle Theoretiker die Ziele für das
menschliche Ringen aufstellen würde? Die Vereinigung aber von Theoretiker, Organisator und Führer in
einer Person ist das Seltenste, was man auf dieser Erde finden kann; diese Vereinigung schafft den
großen Mann.
Ich habe mich in der ersten Zeit meiner Tätigkeit in der Bewegung, wie schon bemerkt, der Propaganda
gewidmet. Ihr mußte es gelingen, allmählich einen kleinen Kern von Menschen mit der neuen Lehre zu
erfüllen, um so das Material heranzubilden, das später die ersten Elemente einer Organisation abgeben
konnte. Dabei ging das Ziel der Propaganda meist über das der Organisation hinaus.
Wenn eine Bewegung die Absicht hegt, eine Welt einzureißen und eine neue an ihrer Stelle zu erbauen,
dann muß in den Reihen ihrer eigenen Führerschaft über folgende Grundsätze vollkommene Klarheit
herrschen: Jede Bewegung wird das von ihr gewonnene Menschenmaterial zunächst in zwei große
Gruppen zu sichten haben: in Anhänger und Mitglieder.
Aufgabe der Propaganda ist es, Anhänger zu werben, Aufgabe der Organisation, Mitglieder zu
gewinnen.
Anhänger einer Bewegung ist, wer sich mit ihren Zielen einverstanden erklärt, Mitglied ist, wer für sie
kämpft.
Der Anhänger wird einer Bewegung durch die Propaganda geneigt gemacht. Das Mitglied wird durch
die Organisation veranlaßt, selbst mitzuwirken zur
{652 Anhänger und Mitglieder}
Werbung neuer Anhänger, aus denen sich dann wieder Mitglieder herausbilden können.
Da die Anhängerschaft nur eine passive Anerkennung einer Idee bedingt, während die Mitgliedschaft
die aktive Vertretung und Verteidigung fordert, werden auf zehn Anhänger immer höchstens ein bis
zwei Mitglieder treffen.
Die Anhängerschaft wurzelt nur in der Erkenntnis, die Mitgliedschaft in dem Mute, das Erkannte selbst
zu vertreten und weiter zu verbreiten.
Die Erkenntnis in ihrer passiven Form entspricht der Majorität der Menschheit, die träge und feige ist.
Die Mitgliedschaft bedingt aktivistische Gesinnung und entspricht damit nur der Minorität der
Menschen.
Die Propaganda wird demgemäß unermüdlich dafür zu sorgen haben, daß eine Idee Anänger gewinnt,
während die Organisation schärfstens darauf bedacht sein muß, aus der Anhängerschaft selbst nur das
Wertvollste zum Mitglied zu machen. Die Propaganda braucht sich deshalb nicht den Kopf zu
zerbrechen über die Bedeutung jedes einzelnen der von ihr Belehrten, über Fähigkeit, Können und
Verständnis oder den Charakter derselben, während die Organisation aus der Masse dieser Elemente
sorgfältigst zu sammeln hat, was den Sieg der Bewegung wirklich ermöglicht.
×
Die Propaganda versucht eine Lehre dem ganzen Volke aufzuzwingen, die Or-
{653 Propaganda und Organisation}
ganisation erfaßt in ihrem Rahmen nur diejenigen, die nicht aus psychologischen Gründen zum
Hemmschuh für eine weitere Verbreitung der Idee zu werden drohen.
×
Die Propaganda bearbeitet die Gesamtheit im Sinne einer Idee und macht sie reif für die Zeit des Sieges
dieser Idee, während die Organisation den Sieg erficht durch den dauernden, organischen und
kampffähigen Zusammenschluß derjenigen Anhänger, die fähig und gewillt erscheinen, den Kampf für
den Sieg zu führen.
×
Der Sieg einer Idee wird um so eher möglich sein, je umfassender die Propaganda die Menschen in ihrer
Gesamtheit bearbeitet hat und je ausschließlicher, straffer und fester die Organisation ist, die den Kampf
praktisch durchführt.
Daraus ergibt sich, daß die Zahl der Anhänger nicht groß genug sein kann, die Zahl der Mitglieder aber
leichter zu groß als zu klein wird.
×
Wenn die Propaganda ein ganzes Volk mit einer Idee erfüllt hat, kann die Organisation mit einer
Handvoll Menschen die Konsequenzen ziehen. Propaganda und Organisation, also Anhänger und
Mitglieder, stehen damit in einem bestimmten gegenseitigen Verhältnis. Je besser die Propaganda
gearbeitet hat, um so kleiner kann die Organisation sein, und je grö-
{654 Propaganda und Organisation}
ßer die Zahl der Anhänger ist, um so bescheidener kann die Zahl der Mitglieder sein und umgekehrt: Je
schlechter die Propaganda ist, um so größer muß die Organisation sein, und je kleiner die
Anhängerschar einer Bewegung bleibt, um so umfangreicher muß deren Mitgliederzahl sein, wenn sie
überhaupt noch auf einen Erfolg rechnen will.
×
Die erste Aufgabe der Propaganda ist die Gewinnung von Menschen für die spätere Organisation; die
erste Aufgabe der Organisation ist die Gewinnung von Menschen zur Fortführung der Propaganda. Die
zweite Aufgabe der Propaganda ist die Zersetzung des bestehenden Zustandes und die Durchsetzung
dieses Zustandes mit der neuen Lehre, während die zweite Aufgabe der Organisation der Kampf um die
Macht sein muß, um durch sie den endgültigen Erfolg der Lehre zu erreichen.
×
Der durchschlagendste Erfolg einer weltanschaulichen Revolution wird immer dann erfochten werden,
wenn die neue Weltanschauung möglichst allen Menschen gelehrt und, wenn notwendig, später
aufgezwungen wird, während die Organisation der Idee, also die Bewegung, nur so viele erfassen soll,
als zur Besetzung der Nervenzentren des in Frage kommenden Staates unbedingt erforderlich sind.
Das heißt mit anderen Worten folgendes: In jeder wirklich großen weltumwälzenden Bewegung
{655 Propaganda und Organisation}
wird die Propaganda zunächst die Idee dieser Bewegung zu verbreiten haben. Sie wird also unermüdlich
versuchen, die neuen Gedankengänge den andern klarzumachen, diese mithin auf ihren Boden
herüberzuziehen oder doch in ihrer eigenen bisherigen Überzeugung unsicher zu machen. Da nun die
Verbreitung einer Lehre, also die Propaganda, ein Rückgrat besitzen muß, so wird die Lehre sich eine
feste Organisation gehen müssen. Die Organisation erhält ihre Mitglieder aus der von der Propaganda
gewonnenen allgemeinen Anhängerschaft. Diese wird um so schneller wachsen, je intensiver die
Propaganda betrieben wird, und diese wieder vermag um so besser zu arbeiten, je stärker und kraftvoller
die Organisation ist, die hinter ihr steht.
Höchste Aufgabe der Organisation ist es daher, dafür zu sorgen, daß nicht irgendwelche innere
Uneinigkeiten innerhalb der Mitgliederschaft der Bewegung zu einer Spaltung und damit zur
Schwächung der Arbeit in der Bewegung führen; weiter, daß der Geist des entschlossenen Angriffs nicht
ausstirbt, sondern sich dauernd erneuert und festigt. Die Zahl der Mitglieder braucht damit nicht ins
Uferlose zu wachsen, im Gegenteil: da nur ein Bruchteil der Menschheit energisch und kühn veranlagt
ist, würde eine Bewegung, die ihre Organisation endlos vergrößert, dadurch zwangsläufig eines Tages
geschwächt werden. Organisationen, also Mitgliederzahlen, die über eine gewisse Höhe hinauswachsen,
verlieren allmählich ihre Kampfkraft und sind nicht mehr fähig, die Propaganda einer Idee entschlossen
und angriffsweise zu unterstützen, beziehungsweise auszuwerten.
Je größer und innerlich revolutionärer nun eine Idee ist, um so aktivistischer wird deren Mitgliederstand
werden, da mit der umstürzenden Kraft der Lehre eine Gefahr für deren Träger verbunden ist, die
geeignet erscheint, kleine, feige Spießer von ihr fernzuhalten. Sie werden sich im stillen als Anhänger
fühlen, aber ablehnen, dies durch die Mit-
{656 Beschränkung der Mitgliederaufnahme}
gliedschaft in aller Öffentlichkeit zu bekennen. Dadurch aber erhält die Organisation einer wirklich
umwälzenden Idee nur die aktivsten der von der Propaganda gewonnenen Anhänger als Mitglieder.
Gerade in dieser durch natürliche Auslese verbürgten Aktivität der Mitgliedschaft einer Bewegung liegt
aber die Voraussetzung zu einer ebenso aktiven weiteren Propagierung derselben wie auch zum
erfolgreichen Kampf um die Verwirklichung der Idee.
Die größte Gefahr, die einer Bewegung drohen kann, ist ein durch zu schnelle Erfolge abnorm
angewachsener Mitgliederstand. Denn so sehr auch eine Bewegung, solange sie bitter zu kämpfen hat,
von allen feigen und egoistisch veranlagten Menschen gemieden wird, so schnell pflegen diese die
Mitgliedschaft zu erwerben, wenn durch die Entwicklung ein großer Erfolg der Partei wahrscheinlich
geworden ist oder sich bereits eingestellt hat.
Dem ist es zuzuschreiben, warum viele siegreiche Bewegungen vor dem Erfolg oder besser vor der
letzten Vollendung ihres Wollens aus unerklärlicher innerer Schwäche plötzlich zurückbleiben, den
Kampf einstellen und endlich absterben. Infolge ihres ersten Sieges sind so viele schlechte, unwürdige,
besonders aber feige Elemente in ihre Organisation gekommen, daß diese Minderwertigen über die
Kampfkräftigen schließlich das Übergewicht erlangen und die Bewegung nun in den Dienst ihrer
eigenen Interessen zwingen, sie auf das Niveau ihrer eigenen geringen Heldenhaftigkeit herunterdrücken
und nichts tun, den Sieg der ursprünglichen Idee zu vollenden. Das fanatische Ziel ist damit verwischt,
die Kampfkraft gelähmt worden oder, wie die bürgerliche Welt in solchem Falle sehr richtig zu sagen
pflegt: "In den Wein ist nun auch Wasser gekommen." Und dann können allerdings die Bäume nicht
mehr in den Himmel wachsen.
Es ist deshalb sehr notwendig, daß eine Bewegung aus reinem Selbsterhaltungstrieb heraus, sowie sich
der Erfolg auf ihre Seite stellt, sofort die Mitglieder-
{657 Beschränkung der Mitgliederaufnahme}
aufnahme sperrt und weiterhin nur mehr mit äußerster Vorsicht und nach gründlichster Prüfung eine
Vergrößerung ihrer Organisation vornimmt. Sie wird nur dadurch den Kern der Bewegung unverfälscht
frisch und gesund zu erhalten vermögen. Sie muß dafür sorgen, daß dann ausschließlich dieser Kern
allein die Bewegung weiterleitet, d. h. die Propaganda bestimmt, die zu ihrer allgemeinen Anerkennung
führen soll und als Inhaberin der Macht die Handlungen vornimmt, die zur praktischen Verwirklichung
ihrer Ideen notwendig sind.
Aus dem Grundstamm der alten Bewegung hat sie nicht nur alle wichtigen Positionen des eroberten
Gebietes zu besetzen, sondern auch die gesamte Leitung zu bilden. Und das so lange, bis die bisherigen
Grundsätze und Lehren der Partei zum Fundament und Inhalt des neuen Staates geworden sind. Erst
dann kann der aus ihrem Geiste geborenen besonderen Verfassung dieses Staates langsam der Zügel in
die Hand gegeben werden. Das vollzieht sich meistens aber wieder nur in gegenseitigem Ringen, da es
weniger eine Frage menschlicher Einsicht als des Spiels und Wirkens von Kräften ist, die im vornherein
wohl erkannt, aber nicht für ewig gelenkt werden können.
Alle großen Bewegungen, mochten sie religiöser oder politischer Natur sein, haben ihre gewaltigen
Erfolge nur der Erkenntnis und Anwendung dieser Grundsätze zuzuschreiben, besonders aber alle
dauerhaften Erfolge sind ohne Berücksichtigung dieser Gesetze gar nicht denkbar.
×
Ich habe mich als Propagandaleiter der Partei sehr bemüht, nicht nur für die Größe der späteren
Bewegung den Boden vorzubereiten, sondern durch eine sehr radikale Auffassung in dieser Arbeit auch
dahin gewirkt, daß die Or{
658 Abschreckung der Lauen}
ganisation nur bestes Material erhalte. Denn je radikaler und aufpeitschender meine Propaganda war, um
so mehr schreckte dies Schwächlinge und zaghafte Naturen zurück und verhinderte deren Eindringen in
den ersten Kern unserer Organisation. Sie sind vielleicht Anhänger geblieben, aber gewiß nicht mit
lauter Betonung, sondern unter ängstlichem Verschweigen dieser Tatsache. Wieviel Tausende haben mir
nicht damals versichert, daß sie ja an sich ganz einverstanden mit allem wären, aber nichtsdestoweniger
unter keinen Umständen Mitglied sein könnten. Die Bewegung wäre so radikal, daß eine Mitgliedschaft
bei ihr den einzelnen wohl schwersten Beanstandungen, ja Gefahren aussetze, so daß man es dem
ehrsamen, friedlichen Bürger nicht verdenken dürfe, wenigstens zunächst beiseitezustehen, wenn er
auch mit dem Herzen vollkommen zur Sache gehöre.
Und das war gut so.
Wenn diese Menschen, die mit der Revolution innerlich nicht einverstanden waren, damals alle in
unsere Partei gekommen wären, und zwar als Mitglieder, so könnten wir uns heute als fromme
Bruderschaft, aber nicht mehr als junge kampfesfreudige Bewegung betrachten.
Die lebendige und draufgängerische Form, die ich damals unserer Propaganda gab, hat die radikale
Tendenz unserer Bewegung gefestigt und garantiert, da nunmehr wirklich nur radikale Menschen — von
Ausnahmen abgesehen — zur Mitgliedschaft bereit waren.
Dabei hat diese Propaganda doch so gewirkt, daß uns schon nach kurzer Zeit Hunderttausende innerlich
nicht nur recht gaben, sondern unseren Sieg wünschten, wenn sie auch persönlich zu feige waren, dafür
Opfer zu bringen oder gar einzutreten.
Bis Mitte 1921 konnte diese bloß werbende Tätigkeit noch genügen und der Bewegung von Nutzen sein.
Besondere Ereignisse im Hochsommer dieses Jahres ließen es aber angezeigt erscheinen, daß nun nach
dem langsam sichtbaren Erfolg der Propaganda die Organisation dem angepaßt und gleichgestellt werde.
Der Versuch einer Gruppe völkischer Phantasten, unter
{659 Reorganisation der Bewegung}
fördernder Unterstützung des damaligen Vorsitzenden der Partei, sich die Leitung derselben zu
verschaffen, führte zum Zusammenbruch dieser kleinen Intrige und übergab mir in einer
Generalmitgliederversammlung einstimmig die gesamte Leitung der Bewegung. Zugleich erfolgte die
Annahme einer neuen Satzung, die dem ersten Vorsitzenden der Bewegung die volle Verantwortung
überträgt, Ausschußbeschlüsse grundsätzlich aufhebt und an Stelle dessen ein System von
einführt, das sich seitdem in der segensreichsten Weise bewährt hat.
Ich habe vom l. August 1921 ab diese innere Reorganisation der Bewegung übernommen und dabei die
Unterstützung einer Reihe ausgezeichneter Kräfte gefunden, die ich in einem besonderen Anhang noch
zu nennen für nötig halte.
Bei dem Versuch, die Ergebnisse der Propaganda nun organisatorisch zu verwerten und damit
festzulegen, mußte ich mit einer Reihe von bisherigen Gewohnheiten aufräumen und Grundsätze zur
Einführung bringen, die keine der bestehenden Parteien besaß oder auch nur anerkannt hätte.
In den Jahren 1919 bis 1920 hatte die Bewegung zu ihrer Leitung einen Ausschuß, der durch
Mitgliederversammlungen, die selber wieder durch das Gesetz vorgeschrieben wurden, gewählt war.
Der Ausschuß bestand aus einem ersten und zweiten Kassierer, einem ersten und zweiten Schriftführer
und als Kopf einem ersten und zweiten Vorsitzenden. Dazu kamen noch ein Mitgliederwart, der Chef
der Propaganda und verschiedene Beisitzer.
Dieser Ausschuß verkörperte, so komisch es war, eigentlich das, was die Bewegung selbst am schärfsten
bekämpfen wollte, nämlich den Parlamentarismus. Denn es war selbstverständlich, daß es sich dabei um
ein Prinzip handelte, das von der kleinsten Ortsgruppe über die späteren Bezirke, Gaue, Länder hinweg
bis zur Reichsleitung ganz dasselbe System verkörperte, unter dem wir alle litten und auch heute noch
leiden.
Es war dringend notwendig, eines Tages hier Wandel zu schaffen, wenn nicht die Bewegung infolge der
schlechten
{660 Aufhebung des "Parlamentarismus"}
Grundlage ihrer inneren Organisation für dauernd verdorben und dadurch unfähig werden sollte, einst
ihrer hohen Mission zu genügen.
Die Ausschußsitzungen, über die ein Protokoll geführt wurde und in denen mit Majorität abgestimmt
und Entscheidungen getroffen worden waren, stellten in Wirklichkeit ein Parlament im kleinen dar.
Auch hier fehlte jede persönliche Verantwortung und Verantwortlichkeit. Auch hier regierten der
gleiche Widersinn und dieselbe Unvernunft wie in unseren großen staatlichen Vertretungskörpern. Man
ernannte für diesen Ausschuß Schriftführer, Männer für das Kassenwesen, Männer für die
Mitgliedschaft der Organisation, Männer für die Propaganda und für weiß Gott sonst noch was, ließ sie
dann aber doch zu jeder einzelnen Frage alle gemeinsam Stellung nehmen und durch Abstimmung
entscheiden. Also der Mann, der für Propaganda da war, stimmte ab über eine Angelegenheit, die den
Mann der Finanzen betraf, und dieser wieder stimmte ab über eine Angelegenheit, die die Organisation
anging, und dieser wieder über eine Sache, die nur die Schriftführer hätte bekümmern sollen usw.
Warum man dann aber erst einen besonderen Mann für Propaganda bestimmte, wenn Kassierer,
Schriftwarte, Mitgliederwarte usw. über diese angehende Fragen zu urteilen hatten, erscheint einem
gesunden Gehirn genau so unverständlich, wie es unverständlich wäre, wenn in einem großen
Fabrikunternehmen immer die Vorstände oder Konstrukteure anderer Abteilungen und anderer Zweige
die Fragen entscheiden müßten, die mit ihren Angelegenheiten gar nichts zu tun haben.
Ich habe mich diesem Wahnsinn nicht gefügt, sondern bin schon nach ganz kurzer Zeit den Sitzungen
ferngeblieben. Ich machte meine Propaganda und damit basta, und verbat es mir im übrigen, daß der
nächstbeste Nichtskönner auf diesem Gebiet etwa versuchte, mir dreinzureden. Genau so wie ich
umgekehrt auch den anderen nicht in den Kram hineinfuhr.
Als die Annahme der neuen Statuten und meine Be-
{661 Verantwortlichkeit des Führers}
rufung auf den Posten des ersten Vorsitzenden mir unterdes die notwendige Autorität und das
entsprechende Recht gegeben hatten, fand dieser Unsinn auch sofort ein Ende. An Stelle von
Ausschußbeschlüssen wurde das Prinzip der absoluten Verantwortlichkeit eingeführt.
Der erste Vorsitzende ist verantwortlich für die gesamte Leitung der Bewegung. Er teilt die unter ihm
stehenden Kräfte des Ausschusses sowohl als die sonst noch notwendigen Mitarbeiter in die zu leistende
Arbeit ein. Jeder dieser Herren ist damit für die ihm übertragenen Aufgaben restlos verantwortlich. Er
untersteht nur dem ersten Vorsitzenden, der für das Zusammenwirken aller zu sorgen hat,
beziehungsweise durch die Auswahl der Personen und die Ausgabe allgemeiner Richtlinien diese
Zusammenarbeit selbst herbeiführen muß.
Dieses Gesetz der prinzipiellen Verantwortlichkeit ist allmählich zur Selbstverständlichkeit innerhalb
der Bewegung geworden, wenigstens soweit dies die Parteileitung betrifft. In den kleinen Ortsgruppen
und vielleicht auch noch in Gauen und Bezirken wird es jahrelang dauern, bis man diese Grundsätze
durchdrücken wird, da natürlich Angsthasen und Nichtskönner sich immer dagegen wehren werden;
ihnen wird die alleinige Verantwortlichkeit für ein Unternehmen stets unangenehm sein; sie fühlen sich
freier und wohler, wenn sie bei jeder schweren Entscheidung die Rückendeckung durch die Majorität
eines sogenannten Ausschusses haben. Es scheint mir aber notwendig, gegen solche Gesinnung mit
äußerster Schärfe Stellung zu nehmen, der Feigheit vor der Verantwortlichkeit keine Konzession zu
machen und dadurch, wenn auch erst nach langer Zeit, eine Auffassung von Führerpflicht und
Führerkönnen zu erzielen, die ausschließlich diejenigen zur Führung bringen wird, die wirklich dazu
berufen und auserwählt sind.
Jedenfalls muß aber eine Bewegung, die den parlamentarischen Wahnsinn bekämpfen will, selbst vom
ihm frei sein. Sie kann auch nur auf solcher Grundlage die Kraft zu ihrem Kampfe gewinnen.
Eine Bewegung, die in einer Zeit der
{662 Der Embryo-Zustand der Bewegung}
Herrschaft der Majorität in allem und jedem sich selbst grundsätzlich auf das Prinzip des
Führergedankens und der daraus bedingten Verantwortlichkeit einstellt, wird eines Tages mit
mathematischer Sicherheit den bisherigen Zustand überwinden und als Siegerin hervorgehen.
Dieser Gedanke führte innerhalb der Bewegung zu einer vollständigen Neuorganisation derselben. Und
in seiner logischen Auswirkung auch zu einer sehr scharfen Trennung der geschäftlichen Betriebe der
Bewegung von der allgemein politischen Leitung. Grundsätzlich wurde der Gedanke der
Verantwortlichkeit auch auf die gesamten Parteibetriebe ausgedehnt und führte nun zwangsläufig in
eben dem Maße zu einer Gesundung derselben, in dem sie, von politischen Einflüssen befreit, auf rein
wirtschaftliche Gesichtspunkte eingestellt wurden.
Als ich im Herbst 1919 zur damaligen Sechsmännerpartei kam, hatte diese weder eine Geschäftsstelle
noch einen Angestellten, ja nicht einmal Formulare oder Stempel, nichts Gedrucktes war vorhanden.
Ausschußlokal war erst ein Gasthof in der Herrnstraße und später ein Café am Gasteig. Das war ein
unmöglicher Zustand. Ich setzt mich denn auch kurze Zeit danach in Bewegung und suchte eine ganze
Anzahl Münchener Restaurants und Gastwirtschaften ab, in der Absicht, ein Extrazimmer oder einen
sonstigen Raum für die Partei mieten zu können. Im ehemaligen Sterneckerbräu im Tal befand sich ein
kleiner gewölbeartiger Raum, der früher einmal den Reichsräten von Bayern als eine Art Kneipzimmer
gedient hatte. Er war finster und dunkel und paßte dadurch ebensogut für seine frühere Bestimmung, als
er wenig der ihm zugedachten neuen Verwendung entsprach. Das Gäßchen, in das sein einziges Fenster
mündete, war so schmal, daß selbst am hellsten Sommertage das Zimmer düster und finster blieb. Dies
wurde unsere erste Geschäftsstelle. Da die Miete monatlich nur fünfzig Mark betrug (für uns damals
eine Riesensumme!), konnten wir aber
{663 Aufbau der Bewegung}
keine großen Anforderungen stellen und durften uns nicht einmal beklagen, als man vor unserem Einzug
noch schnell die einst für die Reichsräte bestimmte Täfelung der Wände herausriß, so daß der Raum nun
wirklich mehr den Eindruck einer Gruft als den eines Büros hinterließ.
Und doch war dies schon ein ungeheurer Fortschritt. Langsam erhielten wir elektrisches Licht, noch
langsamer ein Telephon; ein Tisch mit einigen geliehenen Stühlen kam hinein, endlich eine offene
Stellage, noch etwas später ein Schrank; zwei Kredenzen, die dem Wirt gehörten, sollten zur
Aufbewahrung von Flugblättern, Plakaten usw. dienen.
Der bisherige Betrieb, das heißt die Leitung der Bewegung durch eine in der Woche einmal
stattfindende Sitzung des Ausschusses, war auf die Dauer unhaltbar. Nur ein von der Bewegung
besoldeter Beamter konnte einen laufenden Geschäftsbetrieb garantieren.
Das war damals sehr schwer. Die Bewegung hatte noch so wenig Mitglieder, daß es eine Kunst war,
unter ihnen einen geeigneten Mann ausfindig zu machen, der bei geringsten Ansprüchen für seine eigene
Person die vielfältigsten Ansprüche der Bewegung befriedigen konnte.
In einem Soldaten, einem ehemaligen Kameraden von mir, Schüßler, wurde nach langem Suchen der
erste Geschäftsführer der Partei gefunden. Er kam erst täglich zwischen sechs und acht Uhr in unser
neues Büro, später zwischen fünf und acht Uhr, endlich jeden Nachmittag, und kurze Zeit darauf wurde
er voll übernommen und verrichtete nun vom Morgen bis in die späte Nacht hinein seinen Dienst. Er
war ein ebenso fleißiger wie redlicher, grundehrlicher Mensch, der sich persönlich alle Mühe gab, und
der besonders der Bewegung selbst treu anhing. Schüßler brachte eine kleine Adler-Schreibmaschine
mit, die sein Eigentum war. Es war das erste derartige Instrument im Dienste unserer Bewegung. Sie
wurde später durch Ratenzahlungen von der Partei erworben. Ein kleiner Kassenschrank schien
notwendig zu sein, um die Kartothek und die Mitgliedsbücher vor Diebesfingern zu sichern. Die
Anschaffung erfolgte also nicht, um die großen Gelder zu deponieren,
{664 Aufbau der Bewegung}
die wir damals etwa besessen hätten. Im Gegenteil, es war alles unendlich ärmlich, und ich habe oft von
meinen kleinen Ersparnissen zugesetzt.
Eineinhalb Jahre später war die Geschäftsstelle zu klein, und es erfolgte der Umzug in das neue Lokal an
der Corneliusstraße. Wieder war es eine Wirtschaft, in die wir zogen, allein wir besaßen nun nicht mehr
bloß einen Raum, sondern bereits drei Räume und einen großen Schalterraum dazu. Damals kam uns das
schon als viel vor. Hier blieben wir bis November 1923.
Im Dezember 1920 erfolgte die Erwerbung des "Völkischen Beobachter". Dieser, der schon seinem
Namen entsprechend im allgemeinen für völkische Belange eintrat, sollte nun zum Organ der NSDAP.
umgestellt werden. Er erschien erst wöchentlich zweimal, wurde Anfang 1923 Tageszeitung und erhielt
Ende August 1923 sein später bekanntes großes Format.
Ich habe damals als vollständiger Neuling auf dem Gebiete des Zeitungswesens auch manches schlimme
Lehrgeld bezahlen müssen.
An sich mußte einem die Tatsache, daß gegenüber der ungeheuren jüdischen Presse kaum eine einzige
wirklich bedeutende völkische Zeitung bestand, zu denken geben. Es lag dies, wie ich dann in der Praxis
unzählige Male selber feststellen konnte, zu einem sehr großen Teil an der wenig geschäftstüchtigen
Aufmachung der sogenannten völkischen Unternehmungen überhaupt. Sie wurden viel zu sehr nach
dem Gesichtspunkt geführt, daß Gesinnung vor die Leistung zu treten hätte. Ein ganz falscher
Standpunkt, insofern die Gesinnung ja nichts äußerliches sein darf, sondern geradezu ihren schönsten
Ausdruck in der Leistung findet. Wer für sein Volk wirklich Wertvolles schafft, bekundet damit eine
ebenso wertvolle Gesinnung, während ein anderer, der bloß Gesinnung heuchelt, ohne in Wirklichkeit
seinem Volke nützliche Dienste zu verrichten, ein Schädling jeder wirklichen Gesinnung ist. Er belastet
auch die Gemeinschaft mit seiner Gesinnung.
Auch der "Völkische Beobachter" war, wie schon
{665 Aufbau der Bewegung}
der Name sagt, ein sogenanntes "völkisches" Organ mit all den Vorzügen und noch mehr Fehlern und
Schwächen, die den völkischen Einrichtungen anhafteten. So ehrenhaft sein Inhalt war, so kaufmännisch
unmöglich war die Verwaltung des Unternehmens. Auch bei ihm lag die Meinung zugrunde, daß
völkische Zeitungen durch völkische Spenden erhalten werden müßten, anstatt der, daß sie sich im
Konkurrenzkampf mit den anderen eben durchzusetzen haben, und daß es eine Unanständigkeit ist, die
Nachlässigkeiten oder Fehler der geschäftlichen Führung des Unternehmens durch Spenden gutgesinnter
Patrioten decken zu wollen.
Ich habe mich jedenfalls bemüht, diesen Zustand, den ich in seiner Bedenklichkeit bald erkannt hatte, zu
beseitigen, und das Glück half mir dabei insofern, als es mich den Mann kennenlernen ließ, der seitdem
nicht nur als geschäftlicher Leiter der Zeitung, sondern auch als Geschäftsführer der Partei für die
Bewegung unendlich Verdienstvolles geleistet hat. Im Jahre 1914, also im Felde, lernte ich (damals
noch als meinen Vorgesetzten) den heutigen Generalgeschäftsführer der Partei, Max Amann, kennen. In
den vier Jahren Kriegszeit hatte ich Gelegenheit, fast dauernd die außerordentliche Fähigkeit, den Fleiß
und die peinliche Gewissenhaftigkeit meines späteren Mitarbeiters zu beobachten.
Im Hochsommer 1921, als die Bewegung sich in einer schweren Krise befand und ich mit einer Anzahl
von Angestellten nicht mehr zufrieden sein konnte, ja mit einem einzelnen die bitterste Erfahrung
gemacht hatte, wandte ich mich an meinen einstigen Regimentskameraden, den mir der Zufall eines
Tages zuführte, mit der Bitte, er möge nun der Geschäftsführer der Bewegung werden. Nach langem
Zögern — Amann befand sich in einer aussichtsreichen Stellung — willigte er endlich ein, allerdings
unter der ausdrücklichen Bedingung, daß er niemals einen Büttel für irgendwelche nichtskönnende
Ausschüsse abzugeben haben würde, sondern ausschließlich nur einen einzigen Herrn anerkenne.
Es ist das unauslöschliche Verdienst dieses kaufmännisch
{666 Aufbau der Bewegung}
wirklich umfassend gebildeten ersten Geschäftsführers der Bewegung, in die Parteibetriebe Ordnung
und Sauberkeit hineingebracht zu haben. Sie sind seitdem vorbildlich geblieben und konnten von keiner
der Untergliederungen der Bewegung erreicht, geschweige denn übertroffen werden. Wie immer im
Leben ist aber überragende Tüchtigkeit nicht selten der Anlaß zu Neid und Mißgunst. Das mußte man
natürlich auch in diesem Fall erwarten und geduldig in Kauf nehmen.
Schon im Jahre 1922 waren im allgemeinen feste Richtlinien sowohl für den geschäftlichen als auch rein
organisatorischen Ausbau der Bewegung vorhanden. Es bestand bereits eine vollständige
Zentralkartothek, die sämtliche zur Bewegung gehörenden Mitglieder umfaßte. Ebenso war die
Finanzierung der Bewegung in gesunde Bahnen gebracht worden. Laufende Ausgaben mußten durch
laufende Einnahmen gedeckt werden, außerordentliche Einnahmen wurden nur für außerordentliche
Ausgaben verwendet. Trotz der Schwere der Zeit blieb die Bewegung dadurch, abgesehen von kleineren
laufenden Rechnungen, fast schuldenfrei, ja es gelang ihr sogar, eine dauernde Vermehrung ihrer Werte
vorzunehmen. Es wurde gearbeitet wie in einem Privatbetrieb: das angestellte Personal hatte sich durch
Leistung auszuzeichnen und konnte sich keineswegs nur auf die berühmte "Gesinnung" berufen. Die
Gesinnung jedes Nationalsozialisten beweist sich zuerst in seiner Bereitwilligkeit, in seinem Fleiß und
Können zur Leistung der ihm von der Volksgemeinschaft übertragenen Arbeit. Wer seine Pflicht hier
nicht erfüllt, soll sich nicht einer Gesinnung rühmen, gegen die er selbst in Wahrheit sündigt. Von dem
neuen Geschäftsführer der Partei wurde, entgegen allen möglichen Einflüssen, mit äußerster Energie der
Standpunkt vertreten, daß Parteibetriebe keine Sinekure für wenig arbeitsfreudige Anhänger oder
Mitglieder sein dürfen. Eine Bewegung, die in so scharfer Form gegen die parteimäßige Korruption
unseres heutigen Verwaltungsapparates kämpft, muß ihren eigenen Apparat von solchen Lastern rein
halten. Es kam der Fall vor, daß in die Verwal-
{667 Aufbau der Bewegung}
tung der Zeitung Angestellte aufgenommen wurden, die ihrer früheren Gesinnung nach zur Bayerischen
Volkspartei gehörten, allein, an ihren Leistungen gemessen, sich als ausgezeichnet qualifiziert erwiesen.
Das Ergebnis dieses Versuches war im allgemeinen hervorragend. Gerade durch diese ehrliche und
offene Anerkennung der wirklichen Leistung des einzelnen hat sich die Bewegung die Herzen dieser
Angestellten schneller und gründlicher erobert, als dies sonst je der Fall gewesen wäre. Sie wurden
später gute Nationalsozialisten und blieben dies, nicht nur dem Munde nach, sondern bezeugten es durch
die gewissenhafte, ordentliche und redliche Arbeit, die sie im Dienste der neuen Bewegung
vollbrachten. Es ist selbstverständlich, daß der gutqualifizierte Parteigenosse dem ebensogut
angeschriebenen Nichtparteigenossen vorgezogen wurde. Allein niemand erhielt eine Anstellung auf
Grund seiner Parteizugehörigkeit allein. Die Entschiedenheit, mit welcher der neue Geschäftsführer
diese Grundsätze vertrat und allmählich, allen Widerständen zum Trotz, durchsetzte, war später für die
Bewegung von größtem Nutzen. Nur dadurch war es möglich, daß in der schwierigen Inflationszeit, da
Zehntausende von Unternehmen zugrunde gingen und Tausende von Zeitungen schließen mußten, die
Geschäftsleitung der Bewegung nicht nur stehenblieb und ihren Aufgaben genügen konnte, sondern daß
der "Völkische Beobachter" einen immer größeren Ausbau erfuhr. Er war damals in die Reihe der
großen Zeitungen eingetreten.
Das Jahr 1921 hatte weiter die Bedeutung, daß es mir durch meine Stellung als Vorsitzender der Partei
langsam gelang, auch die einzelnen Parteibetriebe der Kritik und dem Hineinreden von soundso viel
Ausschußmitgliedern zu entziehen. Es war dies wichtig, weil man einen wirklich fähigen Kopf für eine
Aufgabe nicht gewinnen konnte, wenn ihm dauernd Nichtskönner dazwischenschwätzten, die alles
besser verstanden, um in Wirklichkeit einen heillosen Wirrwarr zurückzulassen. Worauf sich dann
allerdings diese Alleskönner meistens ganz bescheiden zurückzogen, um ein anderes Feld für ihre
kontrollierende und inspirierende
{668 Aufbau der Bewegung}
Tätigkeit auszuspionieren. Es gab Menschen, die von einer förmlichen Krankheit besessen waren, hinter
allem und jedem etwas zu finden, und die sich in einer Art Dauerschwangerschaft von ausgezeichneten
Plänen, Gedanken, Projekten, Methoden befanden. Ihr idealstes und höchstes Ziel war dann meist die
Bildung eines Ausschusses, der als Kontrollorgan die ordentliche Arbeit der anderen fachmännisch zu
beschnüffeln hatte. Wie beleidigend und wie unnationalsozialistisch es aber ist, wenn Menschen, die
eine Sache nicht verstehen, den wirklichen Fachleuten ununterbrochen dreinreden, kam manchem dieser
Ausschüßler wohl nicht zum Bewußtsein. Ich habe es jedenfalls als meine Pflicht angesehen, in diesen
Jahren alle ordentlich arbeitenden und mit Verantwortung belasteten Kräfte der Bewegung vor solchen
Elementen in Schutz zu nehmen, ihnen die notwendige Rückendeckung und das freie Arbeitsfeld nach
vorne zu verschaffen.
Das beste Mittel, solche Ausschüsse, die nichts taten oder nur praktisch undurchführbare Beschlüsse
zusammenbrauten, unschädlich zu machen, war allerdings das, ihnen irgendeine wirkliche Arbeit
zuzuweisen. Es war zum Lachen, wie lautlos sich dann solch ein Verein verflüchtigte und plötzlich ganz
unauffindbar wurde. Ich gedachte dabei unserer größten derartigen Institution, des Reichstages. Wie
würden da plötzlich alle verduften, wenn man ihnen nur statt des Geredes eine wirkliche Arbeit zuwiese,
und zwar eine Arbeit, die jeder einzelne dieser Schwadroneure unter persönlichster Verantwortlichkeit
zu leisten hätte.

Ich habe schon damals immer die Forderung gestellt, daß wie überall im privaten Leben auch in der
Bewegung für die einzelnen Betriebe so lange gesucht werden müßte, bis der ersichtlich fähige und
ehrliche Beamte, Verwalter oder Leiter sich gefunden hätte. Diesem war dann aber unbedingte Autorität
und Handlungsfreiheit nach unten zu geben bei Aufbürdung restloser Verantwortlichkeit nach oben,
wobei niemand Autorität Untergebenen gegenüber erhält, der nicht selbst Besserkönner der betreffenden
Arbeit ist. Im Verlaufe von zwei Jahren habe ich mich mit meiner
{669 Aufbau der Bewegung}
Ansicht immer mehr durchgesetzt, und heute ist sie in der Bewegung, wenigstens soweit die oberste
Leitung in Frage kommt, bereits selbstverständlich.
Der sichtbare Erfolg dieser Haltung aber zeigte sich am 9. November 1923: Als ich vier Jahre vorher zur
Bewegung kam, war nicht einmal ein Stempel vorhanden. Am 9. November 1923 fand die Auflösung
der Partei, die Beschlagnahme ihres Vermögens statt. Dieses bezifferte sich einschließlich aller
Wertobjekte und der Zeitung bereits auf über hundertsiebzigtausend Goldmark.
{670}
12. Kapitel:
Die Gewerkschaftsfrage
Das schnelle Wachstum der Bewegung zwang uns, im Jahre 1922 zu einer Frage Stellung zu nehmen,
die auch heute nicht restlos gelöst ist.
Bei unseren Versuchen, diejenigen Methoden zu studieren, die am ehesten und leichtesten der
Bewegung den Weg zum Herzen der breiten Masse bahnen konnten, stießen wir immer auf den
Einwand, daß der Arbeiter uns nie vollständig gehören könne, solange seine Interessenvertretung auf
rein beruflichem und wirtschaftlichem Gebiet in den Händen Andersgesinnter und deren politischen
Organisationen ruhe.
Dieser Einwand hatte natürlich viel für sich. Der Arbeiter, der in einem Betrieb tätig war, konnte der
allgemeinen Überzeugung nach gar nicht existieren, wenn er nicht Mitglied einer Gewerkschaft wurde.
Nicht nur, daß seine beruflichen Belange dadurch allein geschützt erschienen, war auch seine Stellung
im Betriebe auf die Dauer lediglich als Gewerkschaftsangehöriger denkbar. Die Majorität der Arbeiter
befand sich in gewerkschaftlichen Verbänden. Diese hatten im allgemeinen die Lohnkämpfe
durchgefochten und die tariflichen Verträge abgeschlossen, die dem Arbeiter nun ein bestimmtes
Einkommen sicherstellten. Ohne Zweifel kamen die Ergebnisse dieser Kämpfe allen Arbeitern des
Betriebes zugute, und es mußten sich besonders für den anständigen Menschen Gewissenskonflikte
ergeben, wenn er dem von den Gewerkschaften erkämpften Lohn wohl einsteckte, aber sich selbst vom
Kampf ausschloß.
Mit den normalen bürgerlichen Unternehmern konnte man über diese Probleme schwer sprechen. Sie
hatten weder
{671 Sind Gewerkschaften notwendig?}
Verständnis (oder wollten keines haben) für die materielle Seite der Frage noch für die moralische.
Endlich sprechen ja ihre vermeintlichen eigenen wirtschaftlichen Interessen von vornherein gegen jede
organisatorische Zusammenfassung der ihnen unterstellten Arbeitskräfte, so daß sich schon aus diesem
Grunde bei den meisten ein unbefangenes Urteil schwer bilden kann. Es ist also hier, wie so oft,
notwendig, daß man sich an die Außenstehenden wendet, die nicht der Versuchung unterliegen, vor
lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen. Diese werden dann bei gutem Willen viel leichter Verständnis
für eine Angelegenheit bekommen, die so oder so zu den wichtigsten unseres heutigen und künftigen
Lebens gehört.
Ich habe mich schon im ersten Band über Wesen und Zweck und über die Notwendigkeit von
Gewerkschaften geäußert. Ich habe dort den Standpunkt eingenommen, daß, solange nicht entweder
durch staatliche Maßnahmen (die jedoch meistens unfruchtbar sind) oder durch eine allgemeine neue
Erziehung eine Änderung der Stellungnahme des Arbeitgebers zum Arbeitnehmer eintritt, diesem gar
nichts anderes übrigbleibt, als unter Berufung auf sein Recht als gleichwertiger Kontrahent im
Wirtschaftsleben seine Interessen selbst zu wahren. Ich betonte weiter, daß eine solche Wahrnehmung
durchaus im Sinne einer ganzen Volksgemeinschaft läge, wenn durch sie soziale Ungerechtigkeiten, die
in der Folge zu schweren Schädigungen des ganzen Gemeinschaftswesens eines Volkes führen müssen,
verhindert werden können. Ich erklärte weiterhin, daß die Notwendigkeit so lange als gegeben erachtet
werden muß, solange es unter den Unternehmern Menschen gibt, die von sich aus nicht nur kein Gefühl
für soziale Pflichten, sondern nicht einmal für primitivste menschliche Rechte besitzen; und ich zog
daraus den Schluß, daß, wenn eine solche Selbstwehr einmal als notwendig angesehen wird, ihre Form
sinngemäß nur in einer Zusammenfassung der Arbeitnehmer auf gewerkschaftlicher Grundlage bestehen
kann.
An dieser allgemeinen Auffassung hat sich bei mir auch im Jahre 1922 nichts geändert. Wohl aber
mußte nun eine
{672 Sind Gewerkschaften notwendig?}
klare und bestimmte Formulierung für die Einstellung zu diesen Problemen gesucht werden. Es ging
nicht an, sich weiterhin einfach mit Erkenntnissen zufrieden zu geben, sondern es war nötig, aus diesen
praktische Folgerungen zu ziehen.
Es handelte sich um die Beantwortung folgender Fragen: 1. Sind Gewerkschaften notwendig?2. Soll die
NSDAP. selbst sich gewerkschaftlich betätigen oder ihre Mitglieder in irgendeiner Form einer solchen
Betätigung zu führen?3. Welcher Art muß eine nationalsozialistische Gewerkschaft sein? Was sind
unsere Aufgaben und ihre Ziele?4. Wie kommen wir zu solchen Gewerkschaften.
Ich glaube, die erste Frage eigentlich zur Genüge beantwortet zu haben. Wie die Dinge heute liegen,
können meiner Überzeugung nach die Gewerkschaften gar nicht entbehrt werden. Im Gegenteil, sie
gehören zu den wichtigsten Einrichtungen des wirtschaftlichen Lebens der Nation. Ihre Bedeutung liegt
aber nicht nur auf sozialpolitischem Gebiet, sondern noch viel mehr auf einem allgemeinen nationalpolitischen.
Denn ein Volk, dessen breite Masse durch eine richtige Gewerkschaftsbewegung die
Befriedigung ihrer Lebensbedürfnisse, zugleich aber auch eine Erziehung erhält, wird dadurch eine
außerordentliche Stärkung seiner gesamten Widerstandskraft im Daseinskampf erlangen.
Die Gewerkschaften sind vor allem notwendig als Bausteine des künftigen Wirtschaftsparlaments
beziehungsweise der Ständekammern.
Die zweite Frage ist ebenfalls noch leicht zu beantworten. Wenn die Gewerkschaftsbewegung wichtig
ist, dann ist es klar, daß der Nationalsozialismus nicht nur rein theoretisch, sondern auch praktisch zu ihr
Stellung nehmen muß. Allerdings ist dann das Wie schon schwerer zu erklären.
Die nationalsozialistische Bewegung, die als Ziel ihres
{673 Nationalsozialistische Gewerkschaften?}
Wirkens den nationalsozialistischen völkischen Staat vor Augen hat, darf nicht im Zweifel darüber sein,
daß alle künftigen Institutionen dieses Staates von einst aus der Bewegung selbst herauswachsen
müssen. Es ist der größte Fehler, zu glauben, daß man plötzlich aus dem Nichts, nur im Besitze der
Macht, eine bestimmte Reorganisation vornehmen kann, ohne schon vorher einen gewissen Grundstock
an Menschen, die vor allem gesinnungsmäßig vorgebildet sind, zu besitzen. Auch hier gilt der
Grundsatz, daß wichtiger als die äußere Form, die mechanisch sehr schnell zu schaffen ist, immer der
Geist bleibt, der eine solche Form erfüllt. Befehlsmäßig kann man zum Beispiel sehr wohl das
Führerprinzip diktatorisch einem Staatsorganismus aufpfropfen. Lebendig wird dieses aber nur dann
sein, wenn es in eigener Entwicklung aus kleinstem heraus sich selbst allmählich gebildet hat und durch
die dauernde Auswahl, die die harte Wirklichkeit des Lebens ununterbrochen vornimmt, im Laufe von
vielen Jahren das für die Durchführung dieses Prinzips notwendige Führermaterial erhielt.
Man darf sich also nicht vorstellen, plötzlich aus einer Aktentasche die Entwürfe zu einer neuen
Staatsverfassung ans Tageslicht zu ziehen und diese nun durch einen Machtspruch von oben "einführen"
zu können. Versuchen kann man so etwas, allein das Ergebnis wird sicher nicht lebensfähig, meist ein
schon totgeborenes Kind sein. Das erinnert mich ganz an die Entstehung der Weimarer Verfassung und
an den Versuch, dem deutschen Volk mit einer neuen Verfassung auch eine neue Fahne zu spendieren,
die in keinem innere. Zusammenhang mit dem Erleben unseres Volkes im letzten halben Jahrhundert
stand.
Auch der nationalsozialistische Staat muß sich vor solchen Experimenten hüten. Er kann dereinst nur
aus einer schon längst vorhandenen Organisation herauswachsen. Diese Organisation muß das
nationalsozialistische Leben ursprünglich in sich besitzen, um endlich einen lebendigen
nationalsozialistischen Staat zu schaffen.
Wie schon betont, werden die Keimzellen zu den Wirtschaftskammern in den verschiedenen
Berufsvertretungen,
{674 Nationalsozialistische Gewerkschaften?}
also vor allem in den Gewerkschaften, zu liegen haben. Sollen aber diese spätere Ständevertretung und
das zentrale Wirtschaftsparlament eine nationalsozialistische Institution darstellen, dann müssen auch
diese wichtigen Keimzellen Träger einer nationalsozialistischen Gesinnung und Auffassung sein. Die
Institutionen der Bewegung sind in den Staat überzuführen, aber der Staat kann nicht plötzlich
entsprechende Einrichtungen aus dem Nichts hervorzaubern, wenn sie nicht vollkommen leblose
Gebilde bleiben sollen.
Schon aus diesem höchsten Gesichtspunkte heraus muß die nationalsozialistische Bewegung die
Notwendigkeit eigener gewerkschaftlicher Betätigung anerkennen.
Sie muß dies weiter noch deshalb, weil eine wirklich nationalsozialistische Erziehung sowohl der
Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer im Sinne eines beiderseitigen Eingliederns in den gemeinsamen
Rahmen der Volksgemeinschaft nicht erfolgt durch theoretische Belehrungen, Aufrufe oder
Ermahnungen, sondern durch den Kampf des täglichen Lebens. An ihnen und durch ihn hat die
Bewegung die einzelnen großen wirtschaftlichen Gruppen zu erziehen und sie in den großen
Gesichtspunkten einander näherzubringen. Ohne eine solche Vorarbeit bleibt jede Hoffnung auf das
Erstehen einer einstigen wahrhaften Volksgemeinschaft blanke Illusion. Nur das große weltanschauliche
Ideal, das die Bewegung verficht, kann langsam jenen allgemeinen Stil bilden, der dann einst die neue
Zeit als eine wirklich innerlich festfundierte erscheinen läßt und nicht als eine nur äußerlich gemachte.
So muß sich die Bewegung nicht nur zu dem Gedanken der Gewerkschaft als solchem bejahend
einstellen, sondern sie muß der Unsumme ihrer Mitglieder und Anhänger in der praktischen Betätigung
die erforderliche Erziehung für den kommenden nationalsozialistischen Staat zuteil werden lassen.
Die Beantwortung der dritten Frage ergibt sich aus dem Vorhergesagten.
Die nationalsozialistische Gewerkschaft ist kein Organ des Klassenkampfes, son-
{675 Nationalsozialistische Gewerkschaften?}
dern ein Organ der Berufsvertretung. Der nationalsozialistische Staat kennt keine "Klassen", sondern in
politischer Hinsicht nur Bürger mit vollständig gleichen Rechten und demgemäß auch gleichen
allgemeinen Pflichten und daneben Staatsangehörige, die in staatspolitischer Hinsicht aber vollständig
rechtlos sind.
Die Gewerkschaft im nationalsozialistischen Sinne hat nicht die Aufgabe, durch Zusammenfassung
bestimmter Menschen innerhalb eines Volkskörpers diese allmählich in eine Klasse umzuwandeln, um
mit ihr dann den Kampf gegen andere, ähnlich organisierte Gebilde innerhalb der Volksgemeinschaft
aufzunehmen. Diese Aufgabe können wir der Gewerkschaft an sich überhaupt nicht zuschreiben,
sondern sie wurde ihr erst verliehen in dem Augenblick, in dem sie zum Kampfinstrument des
Marxismus wurde. Nicht die Gewerkschaft ist "klassenkämpferisch", sondern der Marxismus hat aus ihr
ein Instrument für seinen Klassenkampf gemacht. Er schuf die wirtschaftliche Waffe, die der
internationale Weltjude anwendet zur Zertrümmerung der wirtschaftlichen Basis der freien,
unabhängigen Nationalstaaten, zur Vernichtung ihrer nationalen Industrie und ihres nationalen Handels
und damit zur Versklavung freier Völker im Dienste des überstaatlichen Weltfinanz-Judentums.
Die nationalsozialistische Gewerkschaft hat demgegenüber durch die organisatorische
Zusammenfassung bestimmter Gruppen von Teilnehmern am nationalen Wirtschaftsprozeß die
Sicherheit der nationalen Wirtschaft selbst zu erhöhen und deren Kraft zu stärken durch korrigierende
Beseitigung all jener Mißstände, die in ihren letzten Folgeerscheinungen auf den nationalen Volkskörper
destruktiv einwirken, die lebendige Kraft
{676 Erkenntnisse nat.-soz. Arbeitgeber und Arbeitnehmer}
der Volksgemeinschaft, damit aber auch die des Staates schädigen und nicht zuletzt der Wirtschaft selbst
zum Unheil und Verderben gereichen.
Für die nationalsozialistische Gewerkschaft ist damit der Streik nicht ein Mittel zur Zertrümmerung und
Erschütterung der nationalen Produktion, sondern zu ihrer Steigerung und Flüssigmachung durch die
Bekämpfung all jener Mißstände, die infolge ihres unsozialen Charakters die Leistungsfähigkeit der
Wirtschaft und damit die Existenz der Gesamtheit behindern. Denn die Leistungsfähigkeit des einzelnen
steht stets in ursächlichem Zusammenhange mit der allgemeinen rechtlichen und sozialen Stellung, die
er im Wirtschaftsprozeß einnimmt und der nur daraus allein resultierenden Erkenntnis über die
Notwendigkeit des Gedeihens dieses Prozesses zu seinem eigenen Vorteil.
Der nationalsozialistische Arbeitnehmer muß wissen, daß die Blüte der nationalen Wirtschaft sein
eigenes materielles Glück bedeutet.
Der nationalsozialistische Arbeitgeber muß wissen, daß das Glück und die Zufriedenheit seiner
Arbeitnehmer die Voraussetzung für die Existenz und Entwicklung seiner eigenen wirtschaftlichen
Größe ist.
Nationalsozialistische Arbeitnehmer und nationalsozialistische Arbeitgeber sind beide Beauftragte und
Sachwalter der gesamten Volksgemeinschaft. Das hohe Maß persönlicher Freiheit, das ihnen in ihrem
Wirken dabei zugebilligt wird, ist durch die Tatsache zu erklären, daß erfahrungsgemäß die
Leistungsfähigkeit des einzelnen durch weitgehende Freiheitsgewährung mehr gesteigert wird als durch
Zwang von oben, und es weiter geeignet ist, zu verhindern, daß der natürliche Ausleseprozeß, der den
Tüchtigsten, Fähigsten und Fleißigsten befördern soll, etwa unterbunden wird.
{677 Ständekammern und Wirtschaftsparlament}
Für die nationalsozialistische Gewerkschaft ist deshalb der Streik ein Mittel, das nur so lange
angewendet werden darf und wohl auch muß, als nicht ein nationalsozialistischer völkischer Staat
besteht. Dieser freilich soll an Stelle des Massenkampfes der beiden großen Gruppen — Arbeitgeberund
Arbeitnehmertum — (der in seinen Folgen als Produktionsverminderung stets die
Volksgemeinschaft insgesamt schädigt!) die Rechtssorge und den Rechtsschutz aller übernehmen. Den
Wirtschaftskammern selbst wird die Verpflichtung zur Inbetriebhaltung der nationalen Wirtschaft und
zur Beseitigung von den diese schädigenden Mängeln und Fehlern obliegen. Was heute durch die
Kämpfe von Millionen ausgefochten wird, muß dereinst in Ständekammern und im zentralen
Wirtschaftsparlament seine Erledigung finden. Damit toben nicht mehr Unternehmertum und Arbeiter
im Lohn- und Tarifkampf gegeneinander, die wirtschaftliche Existenz beider schädigend, sondern lösen
diese Probleme gemeinsam an höherer Stelle, der über allem stets das Wohl der Volksgesamtheit und
des Staates in leuchtenden Lettern vorschweben muß.
Auch hier hat, wie durchweg, der eherne Grundsatz zu gelten, daß erst das Vaterland und dann die Partei
kommt.
Die Aufgabe der nationalsozialistischen Gewerkschaft ist die Erziehung und Vorbereitung zu diesem
Ziele selbst, das dann heißt: Gemeinsame Arbeit aller an der Erhaltung und Sicherung unseres Volkes
und seines Staates, entsprechend der dem einzelnen angeborenen und durch die Volksgemeinschaft zur
Ausbildung gebrachten Fähigkeiten und Kräfte.
Die vierte Frage: Wie kommen wir zu solchen Gewerkschaften? schien seinerzeit am weitaus
schwersten zu beantworten.
Es ist im allgemeinen leichter, eine Gründung in einem Neuland vorzunehmen als auf altem Gebiet, das
bereits eine ähnliche Gründung besitzt. In einem Ort, in dem noch kein Geschäft einer bestimmten Art
am Platze ist, kann
{678 Keine doppelten Gewerkschaften}
man leicht ein solches errichten. Schwerer ist es, wenn sich schon ein ähnliches Unternehmen vorfindet,
und am schwersten, wenn dabei Bedingungen gegeben sind, unter denen nur eines allein zu gedeihen
vermag. Denn hier stehen die Gründer vor der Aufgabe, nicht nur ihr eigenes neues Geschäft
einzuführen, sondern sie müssen, um bestehen zu können, das bisher am Orte befindliche vernichten.
Eine nationalsozialistische Gewerkschaft neben anderen Gewerkschaften ist sinnlos. Denn auch sie muß
sich durchdrungen fühlen von ihrer weltanschaulichen Aufgabe und der aus dieser geborenen
Verpflichtung zur Unduldsamkeit gegen andere ähnliche oder gar feindliche Gebilde und zur Betonung
der ausschließlichen Notwendigkeit des eigenen Ich. Es gibt auch hier kein Sich-Verständigen und
keinen Kompromiß mit verwandten Bestrebungen, sondern nur die Aufrechterhaltung des absoluten
alleinigen Rechtes.
Es gab nun zwei Wege, zu einer solchen Entwicklung zu kommen: 1. Man konnte eine eigene
Gewerkschaft gründen und dann allmählich den Kampf gegen die internationalen marxistischen
Gewerkschaften aufnehmen, oder man konnte2. in die marxistischen Gewerkschaften eindringen und
diese selbst mit dem neuen Geiste zu erfüllen trachten, beziehungsweise zu Instrumenten der neuen
Gedankenwelt umformen.
Gegen den ersten Weg sprachen folgende Bedenken: Unsere finanziellen Schwierigkeiten waren zu
jener Zeit immer noch sehr erheblich, die Mittel, die uns zur Verfügung standen, ganz unbedeutend. Die
allmählich immer mehr um sich greifende Inflation erschwerte die Lage noch dadurch, daß in diesen
Jahren von einem greifbaren materiellen Nutzen der Gewerkschaft für das Mitglied kaum hätte
gesprochen werden können. Der einzelne Arbeiter hatte, von solchem Gesichtspunkt aus betrachtet,
damals gar keinen Grund, in die Gewerkschaft einzubezahlen. Selbst die schon bestehenden
marxistischen waren fast am Zusammenbruch,
{679 Gewerkschaft und Führerfrage}
bis ihnen durch die geniale Ruhraktion des Herrn Cuno die Millionen plötzlich in den Schoß fielen.
Dieser sogenannte "nationale" Reichskanzler darf als der Retter der marxistischen Gewerkschaften
bezeichnet werden.
Mit solchen finanziellen Möglichkeiten durften wir damals nicht rechnen; und es konnte niemanden
verlocken, in eine neue Gewerkschaft einzutreten, die ihm infolge ihrer finanziellen Ohnmacht nicht das
geringste zu bieten vermocht hätte. Anderseits mußte ich mich unbedingt dagegen wehren, in einer
solchen neuen Organisation nur ein Druckpöstchen für mehr oder minder große Geister zu schaffen.
Überhaupt spielte die Personenfrage mit die allergrößte Rolle. Ich hatte damals nicht einen einzigen
Kopf, dem ich die Lösung dieser gewaltigen Aufgabe zugetraut hätte. Wer in jener Zeit die
marxistischen Gewerkschaften wirklich zertrümmert hätte, um an Stelle dieser Institution des
vernichtenden Klassenkampfes der nationalsozialistischen Gewerkschaftsidee zum Siege zu verhelfen,
der gehörte mit zu den ganz großen Männern unseres Volkes, und seine Büste hätte dereinst in der
Walhalla zu Regensburg der Nachwelt gewidmet werden müssen.
Ich habe aber keinen Schädel gekannt, der auf ein solches Postament gepaßt hätte.
Es ist ganz falsch, sich in dieser Ansicht durch die Tatsache beirren zu lassen, daß die internationalen
Gewerkschaften selbst ja nur über lauter Durchschnittsköpfe verfügen. Dies besagt in Wirklichkeit gar
nichts; denn als jene einst gegründet worden waren, gab es sonst nichts. Heute muß die
nationalsozialistische Bewegung gegen eine längst bestehende gigantische und bis ins kleinste
ausgebaute Riesenorganisation ankämpfen. Der Eroberer muß aber stets genialer sein als der
Verteidiger, will er diesen bezwingen. Die marxistische Gewerkschaftsburg kann heute wohl von
gewöhnlichen Bonzen verwaltet werden, gestürmt wird sie aber nur von der wilden Energie und
genialen
{680 Erst Weltanschauungskampf}
Fähigkeit eines überragenden Großen auf der anderen Seite. Wenn sich ein solcher nicht findet, ist es
zwecklos, mit dem Schicksal zu hadern, und noch viel unsinniger, mit unzulänglichem Ersatz die Sache
zwingen zu wollen.
Hier gilt es, die Erkenntnis zu verwerten, daß es im Leben manches Mal besser ist, eine Sache zunächst
liegen zu lassen, als sie mangels geeigneter Kräfte nur halb oder schlecht zu beginnen.
Eine andere Erwägung, die man ja nicht als demagogisch bezeichnen sollte, kam noch hinzu. Ich hatte
damals und besitze auch heute noch die unverrückbare Überzeugung, daß es gefährlich ist, einen großen
politisch-weltanschaulichen Kampf zu frühzeitig mit wirtschaftlichen Dingen zu verknüpfen. Besonders
bei unserem deutschen Volk gilt dies. Denn hier wird in einem solchen Falle das wirtschaftliche Ringen
sofort die Energie vom politischen Kampf abziehen. Sowie die Leute erst die Überzeugung gewonnen
haben, daß sie durch Sparsamkeit auch zu einem Häuschen gelangen könnten, werden sie sich bloß
dieser Aufgabe widmen und keine Zeit mehr erübrigen zum politischen Kampf gegen diejenigen, die
ihnen so oder so eines Tages die ersparten Groschen wieder abzunehmen gedenken. Statt im politischen
Kampf zu ringen für die gewonnene Einsicht und Überzeugung, gehen sie dann nur mehr in ihren
"Siedlungs"-Gedanken auf und sitzen am Ende meistens zwischen allen Stühlen.
Die nationalsozialistische Bewegung steht heute am Beginn ihres Ringens. Zum großen Teil muß sie
erst ihr weltanschauliches Bild formen und vollenden. Sie hat mit allen Fasern ihrer Energie für die
Durchsetzung ihrer großen Ideale zu streiten, und ein Erfolg ist nur denkbar, wenn die gesamte Kraft
restlos in den Dienst dieses Kampfes tritt.
Wie sehr aber die Beschäftigung mit nur wirtschaftlichen Problemen die aktive Kampfkraft lähmen
kann, sehen wir gerade heute in einem klassischen Beispiel vor uns: Die Revolution des November 1918
wurde nicht von Gewerkschaften gemacht, sondern setzte sich gegen diese durch. Und das deutsche
{681 Erst Weltanschauungskampf}
Bürgertum führt um die deutsche Zukunft keinen politischen Kampf, weil es diese Zukunft in der
aufbauenden Arbeit der Wirtschaft genügend gesichert vermeint.
Wir sollten aus solchen Erfahrungen lernen; denn auch bei uns würde es nicht anders gehen. Je mehr wir
die gesamte Kraft unserer Bewegung zum politischen Kampf zusammenballen, um so eher werden wir
auf Erfolg auf der ganzen Linie rechnen dürfen; je mehr wir uns aber vorzeitig mit Gewerkschafts-,
Siedlungs- und ähnlichen Problemen belasten, um so geringer wird der Nutzen für unsere Sache, als
Ganzes genommen, sein. Denn so wichtig diese Belange sein mögen, ihre Erfüllung wird doch nur dann
in großem Umfange eintreten, wenn wir bereits in der Lage sind, die öffentliche Macht in den Dienst
dieser Gedanken zu stellen. Bis dahin würden diese Probleme die Bewegung um so mehr lähmen, je
früher sie sich damit beschäftigen und je stärker dadurch ihr weltanschaulicher Wille beeinträchtigt
würde. Es könnte dann leicht dahin kommen, daß gewerkschaftliche Momente die politische Bewegung
lenkten, statt daß die Weltanschauung die Gewerkschaft in ihre Bahnen zwingt.
Wirklicher Nutzen für die Bewegung sowohl als für unser Volk überhaupt kann aber aus einer
nationalsozialistischen Gewerkschaftsbewegung nur dann erwachsen, wenn diese weltanschaulich schon
so stark von unseren nationalsozialistischen Ideen erfüllt ist, daß sie nicht mehr Gefahr läuft, in
marxistische Spuren zu geraten. Denn eine nationalsozialistische Gewerkschaft, die ihre Mission nur in
der Konkurrenz zu der marxistischen sieht, wäre schlimmer als keine. Sie hat ihren Kampf der
marxistischen Gewerkschaft nicht nur als Organisation, sondern vor allem als Idee anzusagen. Sie muß
in ihr die Verkünderin des Klassenkampfes und Klassengedankens treffen und soll
{682 Besser keine Gründung als Fehlgründung}
an Stelle dessen zur Wahrerin der beruflichen Interessen deutscher Bürger werden.
Alle diese Gesichtspunkte sprachen damals und sprechen auch heute noch gegen die Gründung eigener
Gewerkschaften, es wäre denn, daß plötzlich ein Kopf erschiene, der vom Schicksal ersichtlich zur
Lösung gerade dieser Frage berufen ist.
Es gab also nur zwei andere Möglichkeiten: entweder den eigenen Parteigenossen zu empfehlen, aus den
Gewerkschaften herauszugehen oder in den bisherigen zu bleiben, um dort möglichst destruktiv zu
wirken.
Ich habe im allgemeinen diesen letzteren Weg empfohlen.
Besonders im Jahre 1922/23 konnte man dies ohne weiteres tun: denn der finanzielle Nutzen, den
während der Inflationszeit die Gewerkschaft von den infolge der Jugend unserer Bewegung doch noch
nicht sehr zahlreichen Mitgliedern aus ihren Reihen einstrich, war gleich Null. Der Schaden für sie aber
war ein sehr großer, denn die nationalsozialistischen Anhänger waren ihre schärfsten Kritiker und
dadurch ihre inneren Zersetzer.
Ganz abgelehnt habe ich damals alle Experimente, die schon von vornherein den Mißerfolg in sich
trugen. Ich hätte es als ein Verbrechen angesehen, einem Arbeiter von seinem kärglichen Verdienst
soundso viel abzunehmen für eine Institution, von deren Nutzen für ihre Mitglieder ich nicht die innere
Überzeugung besaß.
Wenn eine neue politische Partei eines Tages wieder verschwindet, so ist dies kaum jemals ein Schaden,
sondern fast immer ein Nutzen, und es hat niemand irgendein Recht, darüber zu jammern; denn was der
einzelne einer politischen Bewegung gibt, gibt er à fonds perdu. Wer aber in eine Gewerkschaft
einbezahlt, hat ein Recht auf Erfüllung der ihm zugesicherten Gegenleistungen. Wird diesem nicht
Rechnung getragen, dann sind die Macher einer solchen Gewerkschaft Betrüger, zumindest aber
leichtfertige Menschen, die zur Verantwortung gezogen werden müssen.
Nach dieser Anschauung wurde im Jahre 1922 denn auch von uns gehandelt. Andere verstanden es
scheinbar besser
{683 Besser keine Gründung als Fehlgründung}
und gründeten Gewerkschaften. Sie warfen uns den Mangel einer solchen als das sichtbarste Zeichen
unserer fehlerhaften und beschränkten Einsicht vor. Allein es dauerte nicht lange, bis diese Gründungen
selbst wieder verschwanden, so daß das Schlußergebnis dasselbe wie bei uns war. Nur mit dem einen
Unterschied, daß wir weder uns selbst noch andere betrogen hatten.
{684}
13. Kapitel:
Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege
Die Zerfahrenheit der außenpolitischen Leitung des Reiches in der Aufstellung grundsätzlicher
Richtlinien für eine zweckmäßige Bündnispolitik setzte sich nach der Revolution nicht nur fort, sondern
wurde noch übertroffen. Denn wenn vor dem Kriege in erster Linie allgemeine politische
Begriffsverwirrungen als Ursache unserer verfehlten Staatsleitung nach außen gelten durften, dann war
es nach dem Krieg ein Mangel an ehrlichem Wollen. Es war natürlich, daß die Kreise, die durch die
Revolution endlich ihre destruktiven Ziele erreicht sahen, kein Interesse an einer Bündnispolitik besitzen
konnten, deren Endergebnis die Wiederaufrichtung eines freien deutschen Staates sein mußte. Nicht nur,
daß eine solche Entwicklung dem inneren Sinne des Novemberverbrechens widersprochen, nicht nur,
daß sie die Internationalisierung der deutschen Wirtschaft und Arbeitskraft unterbrochen oder gar
beendet hätte: es wäre auch die politische Auswirkung im Innern als Folgeerscheinung einer
außenpolitischen Freiheitserkämpfung für die Träger der heutigen Reichsgewalten in der Zukunft
verhängnisvoll gewesen. Man kann sie eben die Erhebung einer Nation nicht denken ohne eine
vorhergegangene Nationalisierung derselben, so wie umgekehrt jeder gewaltige außenpolitische Erfolg
zwangsläufig Rückwirkungen im gleichen Sinne ergibt. Jeder Freiheitskampf führt erfahrungsgemäß zu
einer Steigerung des Nationalgefühls, des Selbstbewußtseins und damit aber auch zu einer schärferen
Empfindlichkeit antinationalen Elementen und ebensolchen Bestrebungen gegenüber. Zustände und
Personen, die in friedsamen Zeiten geduldet, ja oft nicht einmal beachtet werden,
{685 Gründe des Versagens}
finden in Perioden aufwühlender nationaler Begeisterung nicht nur Ablehnung, sondern einen
Widerstand, der ihnen nicht selten zum Verhängnis wird. Man erinnere sich nur z. B. an die allgemeine
Spionenfurcht, die bei Ausbruch von Kriegen in der Siedehitze menschlicher Leidenschaften plötzlich
hervorbricht und zu brutalsten, manchmal sogar ungerechten Verfolgungen führt, obwohl sich jeder
sagen kann, daß die Spionengefahr in den langen Jahren einer Friedenszeit größer sein wird, auch wenn
sie aus natürlichen Gründen die allgemeine Beachtung nicht im gleichen Umfang findet.
Der feine Instinkt der durch die Novemberereignisse an die Oberfläche gespülten Staatsparasiten ahnt
schon aus diesem Grunde in einer durch kluge Bündnispolitik unterstützten Freiheitsbewegung unseres
Volkes und der dadurch bedingten Entflammung nationaler Leidenschaften die mögliche Vernichtung
des eigenen verbrecherischen Daseins.
So wird es verständlich, warum die seit dem Jahre 1918 maßgebenden Regierungsstellen in
außenpolitischer Hinsicht versagten und die Leitung des Staates den wirklichen Interessen der deutschen
Nation fast immer planmäßig entgegenarbeitete. Denn was auf den ersten Blick als planlos erscheinen
könnte, entlarvt sich bei näherem Hinsehen nur als die konsequente Weiterverfolgung des Weges, den
die Novemberrevolution 1918 zum ersten Male in aller Öffentlichkeit beschritt.
Freilich muß man hier unterscheiden zwischen den verantwortlichen oder besser
"verantwortlichseinsollenden" Führern unserer Staatsgeschäfte, dem Durchschnitt unserer
parlamentarischen Politikaster und der großen stupiden Hammelherde unseres schafsgeduldigen Volkes.
Die einen wissen, was sie wollen. Die anderen machen mit, entweder weil sie es wissen oder doch zu
feige sind, dem Erkannten und als schädlich Empfundenen rücksichtslos entgegenzutreten. Die übrigen
aber fügen sich aus Unverständnis und Dummheit.
Solange die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei nur den Umfang eines kleinen und wenig
bekannten
{686 Ziel der Außenpolitik Freiheit für morgen}
Vereines besaß, konnten außenpolitische Probleme in den Augen mancher Anhänger untergeordnete
Bedeutung besitzen. Dies besonders deshalb, weil ja gerade unsere Bewegung immer grundsätzlich die
Auffassung vertrat und vertreten muß, daß die äußere Freiheit weder vom Himmel noch durch irdische
Gewalten als Geschenk gegeben wird, sondern vielmehr nur die Frucht einer inneren Kraftentfaltung zu
sein vermag. Nur die Beseitigung der Ursachen unseres Zusammenbruchs sowie die Vernichtung der
Nutznießer desselben kann die Voraussetzung zum äußeren Freiheitskampf schaffen.
Man kann also schon verstehen, wenn aus solchen Gesichtspunkten heraus in der ersten Zeit der jungen
Bewegung der Wert der außenpolitischen Fragen gegenüber der Bedeutung ihrer inneren
reformatorischen Absichten zurückgesetzt wurde.
Sowie jedoch der Rahmen des kleinen, unbedeutenden Vereins geweitet und endlich gesprengt wurde
und das junge Gebilde die Bedeutung eines großen Verbandes bekam, ergab sich auch bereits die
Notwendigkeit, zu den Fragen der außenpolitischen Entwicklung Stellung zu nehmen. Es galt,
Richtlinien festzulegen, die den fundamentalen Anschauungen unserer Weltauffassung nicht nur nicht
widersprechen, sondern sogar einen Ausfluß dieser Betrachtungsweise darstellen.
Gerade aus dem Mangel an außenpolitischer Schulung unseres Volkes ergibt sich eine Verpflichtung für
die junge Bewegung, den einzelnen Führern sowohl als der breiten Masse durch großzügige Richtlinien
eine Form des außenpolitischen Denkens zu vermitteln, die die Voraussetzung ist für jede einst
stattfindende praktische Durchführung der außenpolitischen Vorbereitungen zur
Wiedergewinnungsarbeit der Freiheit unseres Volkes sowie einer wirklichen Souveränität des Reiches.
Der wesentliche Grund- und Leitsatz, der bei der Beurteilung dieser Frage uns immer vorschweben muß,
ist der, daß auch die Außenpolitik nur ein Mittel zum Zweck,
{687 Ziel der Außenpolitik Freiheit für morgen}
der Zweck aber ausschließlich die Förderung unseres eigenen Volkstums ist. Es kann keine
außenpolitische Erwägung von einem anderen Gesichtspunkt aus geleitet werden als dem: Nützt es
unserem Volk jetzt oder in der Zukunft, oder wird es ihm von Schaden sein?Es ist dies die einzig
vorgefaßte Meinung, die bei der Behandlung dieser Frage gelten darf. Parteipolitische, religiöse,
humane, überhaupt alle übrigen Gesichtspunkte scheiden restlos aus.
War vor dem Kriege die Aufgabe einer deutschen Außenpolitik die Sicherstellung der Ernährung
unseres Volkes und seiner Kinder auf diesem Erdball durch die Vorbereitung der Wege, die zu diesem
Ziele führen konnten, sowie die Gewinnung der dabei benötigten Hilfskräfte in der Form zweckmäßiger
Bundesgenossen, so ist sie heute die gleiche, nur mit dem Unterschiede: Vor dem Kriege galt es, der
Erhaltung des deutschen Volkstums zu dienen unter Berücksichtigung der vorhandenen Kraft des
unabhängigen Machtstaates, heute gilt es, dem Volke erst die Kraft in der Form des freien Machtstaates
wiederzugeben, die die Voraussetzung für die spätere Durchführung einer praktischen Außenpolitik im
Sinne der Erhaltung, Förderung und Ernährung unseres Volkes für die Zukunft ist.
Mit anderen Worten: Das Ziel einer deutschen Außenpolitik von heute hat die Vorbereitung zur
Wiedererringung der Freiheit von morgen zu sein.
Dabei muß gleich ein fundamentaler Grundsatz immer im Auge behalten werden: Die Möglichkeit, für
ein Volkstum die Unabhängigkeit wieder zu erringen, ist nicht absolut gebunden an die Geschlossenheit
eines Staatsgebietes, sondern vielmehr an das Vorhandensein eines
{688 Voraussetzung für die Befreiung verlorener Gebiete}
wenn auch noch so kleinen Restes dieses Volkes und Staates, der, im Besitz der nötigen Freiheit, nicht
nur der Träger der geistigen Gemeinschaft des gesamten Volkstums, sondern auch der Vorbereiter des
militärischen Freiheitskampfes zu sein vermag.
Wenn ein Volk von hundert Millionen Menschen, um die staatliche Geschlossenheit zu wahren,
gemeinsam das Joch der Sklaverei erduldet, so ist dies schlimmer, als wenn ein solcher Staat und ein
solches Volk zertrümmert worden wären und nur ein Teil davon im Besitze der vollen Freiheit bliebe.
Freilich unter der Voraussetzung, daß dieser letzte Rest erfüllt wäre von der heiligen Mission, nicht nur
die geistige und kulturelle Unzertrennbarkeit dauernd zu proklamieren, sondern auch die waffenmäßige
Vorbereitung zu treffen für die endliche Befreiung und die Wiedervereinigung der unglücklichen
unterdrückten Teile.
Weiter ist zu bedenken, daß die Frage der Wiedergewinnung verlorener Gebietsteile eines Volkes und
Staates immer in erster Linie die Frage der Wiedergewinnung der politischen Macht und
Unabhängigkeit des Mutterlandes ist, daß mithin in einem solchen Falle die Interessen verlorener
Gebiete rücksichtslos zurückgestellt werden müssen gegenüber dem einzigen Interesse der
Wiedergewinnung der Freiheit des Hauptgebietes. Denn die Befreiung unterdrückter, abgetrennter
Splitter eines Volkstums oder von Provinzen eines Reiches findet nicht statt auf Grund eines Wunsches
der Unterdrückten oder eines Protestes der Zurückgebliebenen, sondern durch die Machtmittel der mehr
oder weniger souverän gebliebenen Reste des ehemaligen gemeinsamen Vaterlandes.
Mithin ist die Voraussetzung für die Gewinnung verlorener Gebiete die intensivste Förderung und
Stärkung
{689 Falsche Kontinentalpolitik vor dem Kriege}
des übriggebliebenen Reststaates sowie der im Herzen schlummernde unerschütterliche Entschluß, die
dadurch sich bildende neue Kraft in gegebener Stunde dem Dienste der Befreiung und Einigung des
gesamten Volkstums zu weihen: also Zurückstellung der Interessen der abgetrennten Gebiete gegenüber
dem einzigen Interesse, dem verbliebenen Rest jenes Maß an politischer Macht und Kraft zu erringen,
das die Voraussetzung für eine Korrektur des Willens feindlicher Sieger ist. Denn unterdrückte Länder
werden nicht durch flammende Proteste in den Schoß eines gemeinsamen Reiches zurückgeführt,
sondern durch ein schlagkräftiges Schwert.
Dieses Schwert zu schmieden, ist die Aufgabe der innerpolitischen Leitung eines Volkes; die
Schmiedearbeit zu sichern und Waffengenossen zu suchen, die Aufgabe der außenpolitischen.
×
Im ersten Band des Werkes habe ich mich mit der Halbheit unserer Bündnispolitik vor dem Kriege
auseinandergesetzt. Von den vier Wegen für eine künftige Erhaltung unseres Volkstums und die
Ernährung desselben hatte man den vierten und ungünstigsten gewählt. An Stelle einer gesunden
europäischen Bodenpolitik griff man zur Kolonial- und Handelspolitik. Dies war um so fehlerhafter, als
man nun vermeinte, dadurch einer waffenmäßigen Auseinandersetzung entschlüpfen zu können. Das
Ergebnis dieses Versuches, sich auf alle Stühle setzen zu wollen, war der bekannte Fall zwischen
dieselben, und der Weltkrieg bildete nur die letzte dem Reiche vorgelegte Quittung über seine verfehlte
Leitung nach außen.
Der richtige Weg wäre schon damals der dritte gewesen: Stärkung der Kontinentalmacht durch
Gewinnung neuen Bodens in Europa, wobei gerade dadurch eine Ergänzung durch spätere koloniale
{690 Falsche Kontinentalpolitik vor dem Kriege}
Gebiete in den Bereich des natürlich Möglichen gerückt erschien. Diese Politik wäre allerdings nur
durchführbar gewesen im Bunde mit England oder unter einer so abnormen Förderung der militärischen
Machtmittel, daß auf vierzig oder fünfzig Jahre kulturelle Aufgaben vollständig in den Hintergrund
gedrängt worden wären. Dies hätte sich sehr wohl verantworten lassen. Die kulturelle Bedeutung einer
Nation ist fast immer gebunden an die politische Freiheit und Unabhängigkeit derselben, mithin ist diese
die Voraussetzung für das Vorhandensein oder besser Entstehen der ersteren. Daher kann kein Opfer für
die Sicherung der politischen Freiheit zu groß sein. Was den allgemeinen kulturellen Belangen durch
eine übermäßige Förderung der militärischen Machtmittel des Staates entzogen wird, wird später auf das
reichlichste wieder hereingebracht werden können. Ja, man darf sagen, daß nach einer solchen
komprimierten Anstrengung nur in der Richtung der Erhaltung der staatlichen Unabhängigkeit eine
gewisse Entspannung oder ein Ausgleich zu erfolgen pflegt durch ein oft geradezu überraschendes
Aufblühen der bisher vernachlässigten kulturellen Kräfte eines Volkstums. Aus der Not der Perserkriege
erwuchs die Blüte des perikleischen Zeitalters, und über den Sorgen der Punischen Kriege begann das
römische Staatswesen sich dem Dienste einer höheren Kultur zu widmen.
Allerdings kann man eine solche restlose Unterordnung aller sonstigen Belange eines Volkstums unter
die einzige Aufgabe der Vorbereitung eines kommenden Waffenganges zur späteren Sicherung des
Staates nicht der Entschlußkraft einer Majorität von parlamentarischen Dummköpfen oder
Taugenichtsen anvertrauen. Den Waffengang unter Hintansetzung alles sonstigen vorzubereiten
vermochte der Vater eines Friedrich des Großen, aber die Väter unseres demokratischen
Parlamentunsinns jüdischer Prägung vermögen es nicht.
Schon aus diesem Grunde konnte also in der Vorkriegszeit die waffenmäßige Vorbereitung für eine
Erwerbung von Grund und Boden in Europa nur eine mäßige sein, so
{691 Heutige europäische Machtverhältnisse}
daß der Unterstützung durch zweckmäßige Bundesgenossen nur schwer zu entraten war.
Da man aber überhaupt von einer planmäßigen Vorbereitung des Krieges nichts wissen wollte,
verzichtete man auf Grunderwerb in Europa und opferte, indem man sich statt dessen der Kolonial- und
Handelspolitik zuwandte, das sonst mögliche Bündnis mit England, ohne aber nun logischerweise sich
auf Rußland zu stützen, und stolperte endlich, von allen, außer dem habsburgischen Erbübel, verlassen,
in den Weltkrieg hinein.
×
Zur Charakteristik unserer heutigen Außenpolitik muß gesagt werden, daß eine irgendwie sichtbare oder
gar verständliche Richtlinie überhaupt nicht vorliegt. Wenn man vor dem Kriege in verfehlter Weise den
vierten Weg betrat, um ihn allerdings ebenfalls nur halb und halb zu gehen, dann ist seit der Revolution
überhaupt ein Weg auch dem schärfsten Auge nicht mehr erkennbar. Mehr noch als vor dem Kriege
fehlt jede planmäßige Überlegung, es wäre denn die des Versuches, selbst die letzte Möglichkeit einer
Wiedererhebung unseres Volkes zu zerschlagen.
Eine kühle Überprüfung der heutigen europäischen Machtverhältnisse führt zu folgendem Ergebnis: Seit
dreihundert Jahren wurde die Geschichte unseres Kontinents maßgebend bestimmt durch den Versuch
Englands, über dem Umwege ausgeglichener, sich gegenseitig bindender Machtverhältnisse der
europäischen Staaten sich die notwendige Rückendeckung für große, weltpolitische britische Ziele zu
sichern.
Die traditionelle Tendenz der britischen Diplomatie, der in Deutschland nur die Überlieferung des
preußischen Heeres gegenübergestellt zu werden vermag, lief seit dem Wirken der Königin Elisabeth
planmäßig darauf hinaus, jedes Emporsteigen einer europäischen Großmacht über den Rahmen der
allgemeinen Größenordnung hinaus mit allen Mitteln zu verhindern und, wenn nötig, durch militärische
Eingriffe zu brechen. Die Machtmittel, die England in
{692 England und Deutschland}
diesem Falle anzuwenden pflegte, waren verschiedene, je nach der vorhandenen Lage oder der gestellten
Aufgabe; die Entschlossenheit und Willenskraft zu ihrem Einsatz jedoch immer die gleiche. Ja, je
schwieriger im Laufe der Zeit Englands Lage wurde, um so nötiger schien der britischen Reichsleitung
die Aufrechterhaltung des Zustandes einer, infolge gegenseitig rivalisierender Größe stattfindenden
allgemeinen Lähmung der einzelstaatlichen Kräfte Europas. Die politische Loslösung des ehemaligen
nordamerikanischen Kolonialgebietes führte in der Folgezeit erst recht zu den größten Anstrengungen
der Erhaltung einer unbedingt europäischen Rückendeckung. So konzentrierte sich — nach der
Vernichtung Spaniens und der Niederlande als großer Seemächte — die Kraft des englischen Staates so
lange gegen das emporstrebende Frankreich, bis endlich mit dem Sturze Napoleons I. die Hegemonie-
Gefahr dieser gefährlichsten Militärmacht für England als gebrochen angesehen werden konnte.
Die Umstellung der britischen Staatskunst gegen Deutschland wurde nur langsam vorgenommen, nicht
nur, weil zunächst infolge des Mangels einer nationalen Einigung der deutschen Nation eine ersichtliche
Gefahr für England nicht bestand, sondern auch weil die propagandistisch für einen bestimmten
staatlichen Zweck aufgezogene öffentliche Meinung nur langsam neuen Zielen zu folgen vermag. Die
nüchterne Erkenntnis des Staatsmannes erscheint hier in gefühlsmäßige Werte umgesetzt, die nicht nur
tragfähiger sind in der jeweiligen Wirksamkeit, sondern auch stabiler in bezug auf ihre Dauer. Es mag
mithin der Staatsmann nach dem Erreichen einer Absicht seine Gedankengänge ohne weiteres neuen
Zielen zuwenden, die Masse jedoch wird nur in langsamer, propagandistischer Arbeit gefühlsmäßig zum
Instrument der neuen Ansicht ihres Lebens umgeformt werden können.
Schon mit dem Jahre 1870/71 hatte England indes seine neue Stellung festgelegt. Schwankungen, die
infolge der weltwirtschaftlichen Bedeutung Amerikas sowie der machtpolitischen Entwicklung
Rußlands einige Male eintraten,
{693 England und Deutschland}
wurden leider von Deutschland nicht benützt, so daß immer mehr eine Festigung der ursprünglichen
Tendenz der britischen Staatskunst erfolgen mußte.
England sah in Deutschland die Macht, deren handels- und damit weltpolitische Bedeutung, nicht zuletzt
infolge seiner enormen Industrialisierung, in so bedrohlichem Umfange zunahm, daß man bereits ein
Abwägen der Stärke der beiden Staaten auf gleichen Gebieten vornehmen konnte. Die
"wirtschaftsfriedliche" Eroberung der Welt, die unseren Staatslenkern als der letzten Weisheit höchster
Schluß erschien, wurde für den englischen Politiker der Grund zur Organisation des Widerstandes
dagegen. Daß sich dieser Widerstand in die Form eines umfassend organisierten Angriffs kleidete,
entsprach dann vollständig dem Wesen einer Staatskunst, deren Ziele eben nicht in der Erhaltung eines
fragwürdigen Weltfriedens lagen, sondern in der Festigung der britischen Weltherrschaft. Daß sich dabei
England aller Staaten als Bundesgenossen bediente, die militärisch überhaupt in Frage kommen
entsprach ebensosehr seiner traditionellen Vorsicht in der Abschätzung der Kraft des Gegners als der
Einsicht in die augenblickliche eigene Schwäche. Mit "Skrupellosigkeit" kann man dies deshalb nicht
bezeichnen, weil eine solche umfassende Organisation eines Krieges nicht zu beurteilen ist nach
heroischen Gesichtspunkten, sondern nach zweckmäßigen. Eine Diplomatie hat dafür zu sorgen, daß ein
Volk nicht heroisch zugrunde geht, sondern praktisch erhalten wird. Jeder Weg, der hierzu führt, ist
dann zweckmäßig, und sein Nichtbegehen muß als pflichtvergessenes Verbrechen bezeichnet werden.
Mit der Revolutionierung Deutschlands fand die britische Sorge einer drohenden germanischen
Welthegemonie ihre für die englische Staatskunst erlösende Beendigung.
Ein Interesse an der vollständigen Auslöschung Deutschlands von der europäischen Landkarte liegt
seitdem auch für England nicht mehr vor. Im Gegenteil, gerade der entsetzliche Niederbruch, der in den
Novembertagen 1918
{694 Verschiebung des "Gleichgewichts"}
stattfand, stellte die britische Diplomatie vor eine neue, zunächst gar nicht für möglich gehaltene Lage:
Viereinhalb Jahre lang hatte das britische Weltreich gefochten, um das vermeintliche Übergewicht einer
kontinentalen Macht zu brechen. Nun trat plötzlich ein Sturz ein, der diese Macht überhaupt von der
Bildfläche zu entfernen schien. Es zeigte sich ein derartiger Mangel selbst an primitivstem
Selbsterhaltungstrieb, daß das europäische Gleichgewicht durch eine Tat von kaum achtundvierzig
Stunden aus den Angeln gehoben schien: Deutschland vernichtet, und Frankreich die erste kontinentalpolitische
Macht Europas.
Die enorme Propaganda, die in diesem Kriege das britische Volk zum Durchhalten bei der Stange hielt,
maßlos verhetzte, in allen Urinstinkten und Leidenschaften aufwühlte, mußte nun wie ein Bleigewicht
auf den Entschlüssen der britischen Staatsmänner lasten. Mit der kolonial-, wirtschafts- und
handelspolitischen Vernichtung Deutschlands war das britische Kriegsziel erreicht, was darüber
hinausging, war eine Schmälerung englischer Interessen. Durch die Auslöschung eines deutschen
Machtstaates im kontinentalen Europa konnten nur die Feinde Englands gewinnen. Dennoch war in den
Novembertagen 1918 und bis zum Hochsommer 1919 hinein eine Umstellung der englischen
Diplomatie, die ja in diesem langen Kriege mehr als je zuvor die gefühlsmäßigen Kräfte der breiten
Masse gebraucht hatte, nicht mehr möglich. Sie war nicht möglich vom Gesichtspunkt der nun einmal
gegebenen Einstellung des eigenen Volkes aus und war nicht möglich angesichts der Lagerung der
militärischen Machtverhältnisse. Frankreich hatte das Gesetz des Handelns an sich gerissen und konnte
den anderen diktieren. Die einzige Macht jedoch, die in diesen Monaten des Feilschens und Handelns
eine Änderung hätte herbeizuführen vermocht, Deutschland selbst, lag in den Zuckungen des inneren
Bürgerkrieges und verkündete durch den Mund seiner sogenannten Staatsmänner immer wieder die
Bereitwilligkeit zur Annahme eines jeden Diktates.
{695 Englands Kriegsziel nicht erreicht}
Wenn nun im Völkerleben eine Nation, infolge des restlosen Mangels eines eigenen
Selbsterhaltungstriebes, aufhört, ein möglicher "aktiver" Bundesgenosse zu sein, pflegt sie zum
Sklavenvolk herunterzusinken und ihr Land dem Schicksal einer Kolonie zu verfallen.
Gerade um Frankreichs Macht nicht übergroß anwachsen zu lassen, war eine Beteiligung Englands an
seinen Raubgelüsten die einzig mögliche Form des eigenen Handelns.
Tatsächlich hat England sein Kriegsziel nicht erreicht. Das Emporsteigen einer europäischen Macht über
die Stärkeverhältnisse des kontinentalen Staatssystems Europas hinaus wurde nicht nur nicht verhindert,
sondern in erhöhtem Maße begründet.
Deutschland als Militärstaat war im Jahre 1914 eingekeilt zwischen zwei Länder, von denen das eine
über die gleiche Macht und das andere über eine größere verfügte. Dazu kam die überlegene Seegeltung
Englands. Frankreich und Rußland allein boten jeder übermäßigen Entwicklung deutscher Größe
Hindernisse und Widerstand. Die außerordentlich ungünstige militärgeographische Lage des Reiches
konnte als weiterer Sicherheitskoeffizient gegen eine zu große Machtzunahme dieses Landes gelten.
Besonders die Küstenfläche war, militärisch betrachtet, für einen Kampf mit England ungünstig, klein
und beengt, die Landfront demgegenüber übermäßig weit und offen.
Anders die Stellung Frankreichs von heute: Militärisch die erste Macht, ohne einen ernstlichen Rivalen
auf dem Kontinent; in seinen Grenzen nach dem Süden gegen Spanien und Italien so gut wie geschützt;
gegen Deutschland gesichert durch die Ohnmacht unseres Vaterlandes; in seiner Küste in langer Front
vor den Lebensnerven des britischen Reiches hingelagert. Nicht nur für Flugzeuge und Fernbatterien
bilden die englischen Lebenszentren lohnende Ziele, sondern auch der Wirkung des U-Bootes
gegenüber
{696 Politische Ziele Frankreichs und Englands}
wären die Verkehrsstränge des britischen Handels bloßgelegt. Ein U-Boot-Krieg, gestützt auf die lange
atlantische Küste sowohl als auf die nicht minder großen Strecken der französischen Randgebiete des
Mittelländischen Meeres in Europa oder Nord-Afrika, würde zu verheerenden Wirkungen führen.
So war die Frucht des Kampfes gegen die Machtentwicklung Deutschlands politisch die Herbeiführung
der französischen Hegemonie auf dem Kontinent. Das militärische Ergebnis: die Festigung Frankreichs
als erste Vormacht zu Lande und die Anerkennung der Union als gleichstarke Seemacht.
Wirtschaftspolitisch: die Auslieferung größter britischer Interessengebiete an die ehemaligen
Verbündeten.
So wie nun Englands traditionelle politische Ziele eine gewisse Balkanisierung Europas wünschen und
benötigen, genau so diejenigen Frankreichs eine Balkanisierung Deutschlands.
Englands Wunsch ist und bleibt die Verhütung des übermäßigen Emporsteigens einer kontinentalen
Macht zu weltpolitischer Bedeutung, d. h. also die Aufrechterhaltung einer bestimmten
Ausgeglichenheit der Machtverhältnisse der europäischen Staaten untereinander; denn dies erscheint als
Voraussetzung einer britischen Welthegemonie.
Frankreichs Wunsch ist und bleibt die Verhütung der Bildung einer geschlossenen Macht Deutschlands,
die Aufrechterhaltung eines Systems deutscher, in ihren Kräfteverhältnissen ausgeglichener Kleinstaaten
ohne einheitliche Führung unter Besetzung des linken Ufers des Rheins als Voraussetzung für die
Schaffung und Sicherung seiner Hegemoniestellung in Europa.
{697 Bündnismöglichkeiten für Deutschland}
Das letzte Ziel französischer Diplomatie wird ewig im Gegensatze stehen zur letzten Tendenz der
britischen Staatskunst.
×
Wer von dem obigen Gesichtspunkt aus eine Prüfung der heutigen Bündnismöglichkeiten für
Deutschland vornimmt, muß zu der Überzeugung gelangen, daß als legte durchführbare Bindung nur
eine Anlehnung an England übrigbleibt. So entsetzlich auch die Folgen der englischen Kriegspolitik für
Deutschland waren und sind, 80 darf man sich doch nicht der Einsicht verschließen, daß ein
zwangsläufiges Interesse Englands an einer Vernichtung Deutschlands heute nicht mehr besteht, ja, daß
im Gegenteil Englands Politik von Jahr zu Jahr mehr auf eine Hemmung des maßlosen französischen
Hegemonietriebes hinauslaufen muß. Nun wird aber Bündnispolitik nicht getrieben vom Gesichtspunkt
rückblickender Verstimmungen aus, sondern vielmehr befruchtet von der Erkenntnis zurückblickender
Erfahrungen. Die Erfahrung aber sollte uns nun belehrt haben, daß Bündnisse zur Durchführung
negativer Ziele an innerer Schwäche kranken. Völkerschicksale werden fest aneinandergeschmiedet nur
durch die Aussicht eines gemeinsamen Erfolges im Sinne gemeinsamer Erwerbungen, Eroberungen,
kurz einer beiderseitigen Machterweiterung.
Wie wenig außenpolitisch denkend unser Volk ist, kann man am klarsten ersehen aus den laufenden
Pressemeldungen über die mehr oder minder große "Deutschfreundlichkeit" des einen oder anderen
fremden Staatsmannes, wobei dann in dieser vermuteten Einstellung solcher Persönlichkeiten zu
unserem Volkstum eine besondere Garantie für eine hilfreiche Politik uns gegenüber erblickt wird. Es ist
dies ein ganz unglaublicher Unsinn, eine Spekulation auf die beispiellose Einfalt des normalen
politisierenden deutschen Spießbürgers. Es gibt weder einen englischen
{698 Bündnismöglichkeiten für Deutschland}
noch amerikanischen oder italienischen Staatsmann, der jemals "pro-deutsch" eingestellt wäre. Es wird
jeder Engländer als Staatsmann natürlich erst recht Engländer sein, jeder Amerikaner Amerikaner, und
es wird sich kein Italiener bereitfinden, eine andere Politik zu machen als eine pro-italienische. Wer also
Bündnisse mit fremden Nationen aufbauen zu können glaubt auf einer pro-deutschen Gesinnung der dort
leitenden Staatsmänner, ist entweder ein Esel oder ein unwahrer Mensch. Die Voraussetzung zur
Aneinanderkettung von Völkerschicksalen liegt niemals in einer gegenseitigen Hochachtung oder gar
Zuneigung begründet, sondern in der Voraussicht einer Zweckmäßigkeit für beide Kontrahenten. D. h.
also: So sehr, sagen wir, ein englischer Staatsmann immer pro-englische Politik betreiben wird und
niemals pro-deutsche, so sehr können aber ganz bestimmte Interessen dieser pro-englischen Politik aus
den verschiedensten Gründen heraus pro-deutschen Interessen gleichen. Dies braucht natürlich nur bis
zu einem gewissen Grad der Fall zu sein und kann eines Tages in das reine Gegenteil umschlagen; allein
die Kunst eines leitenden Staatsmannes zeigt sich eben gerade darin, für die Durchführung eigener
Notwendigkeiten in bestimmten Zeiträumen immer diejenigen Partner zu finden, die für die Vertretung
ihrer Interessen den gleichen Weg gehen müssen.
Die praktische Nutzanwendung für die Gegenwart kann sich aber damit nur aus der Beantwortung
folgender Fragen ergeben: Welche Staaten besitzen zur Zeit kein Lebensinteresse daran, daß durch eine
vollständige Ausschaltung eines deutschen Mittel-Europas die französische Wirtschafts- und
Militärmacht zur unbedingten, herrschenden Hegemonie-Stellung gelangt? Ja, welche Staaten werden
auf Grund ihrer eigenen Daseinsbedingungen und ihrer bisherigen traditionellen
{699 Bündnismöglichkeiten für Deutschland}
politischen Leitung in einer solchen Entwicklung eine Bedrohung der eigenen Zukunft erblicken?Denn
darüber muß man sich endlich vollständig klar werden: Der unerbittliche Todfeind des deutschen Volkes
ist und bleibt Frankreich. Ganz gleich, wer in Frankreich regierte oder regieren wird, ob Bourbonen oder
Jakobiner, Napoleoniden oder bürgerliche Demokraten, klerikale Republikaner oder rote Bolschewisten:
das Schlußziel ihrer außenpolitischen Tätigkeit wird immer der Versuch einer Besitzergreifung der
Rheingrenze sein und einer Sicherung dieses Stromes für Frankreich durch ein aufgelöstes und
zertrümmertes Deutschland.
England wünscht kein Deutschland als Weltmacht, Frankreich aber keine Macht, die Deutschland heißt:
ein denn doch sehr wesentlicher Unterschied! Heute aber kämpfen wir nicht für eine Weltmachtstellung,
sondern haben zu ringen um den Bestand unseres Vaterlandes, um die Einheit unserer Nation und um
das tägliche Brot für unsere Kinder. Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus Ausschau halten wollen
nach europäischen Bundesgenossen, so bleiben nur zwei Staaten übrig: England und Italien.
England wünscht nicht ein Frankreich, dessen militärische Faust, vom übrigen Europa ungehemmt, den
Schutz einer Politik zu übernehmen vermag, die sich so oder so eines Tages mit englischen Interessen
kreuzen muß. England kann niemals ein Frankreich wünschen, das, im Besitz der ungeheuren
westeuropäischen Eisen- und Kohlengruben, die Voraussetzungen zu einer gefahrdrohenden
wirtschaftlichen Weltstellung erhält. Und England kann weiter niemals ein Frankreich wünschen, dessen
kontinental-politische Lage dank der Zertrümmerung des übrigen Europas als so gesichert erscheint, daß
die Wiederaufnahme der größeren Linie einer französischen Weltpolitik nicht nur ermöglicht, sondern
geradezu erzwungen wird. Die Zeppelinbom-
{700 Ist Deutschland heute bündnisfähig?}
ben von einst könnten sich jede Nacht vertausendfachen; die militärische Übermacht Frankreichs drückt
schwer auf das Herz des großbritannischen Weltreichs.
Aber auch Italien kann und wird eine weitere Festigung der französischen Vormachtstellung in Europa
nicht wünschen. Italiens Zukunft wird immer durch eine Entwicklung bedingt sein, die gebietsmäßig
sich um das Mittelländische Meerbecken gruppiert. Was Italien in den Krieg trieb, war wirklich nicht
die Sucht, Frankreich zu vergrößern, sondern vielmehr die Absicht, dem verhaßten adriatischen Rivalen
den Todesstoß zu geben. Jede weitere kontinentale Stärkung Frankreichs bedeutet jedoch für die
Zukunft eine Hemmung Italiens, wobei man sich nie darüber täuschen soll, daß verwandtschaftliche
Verhältnisse unter den Völkern in keinerlei Weise Rivalitäten auszuschalten vermögen.
Bei nüchternster und kältester Überlegung sind es heute in erster Linie diese beiden Staaten England und
Italien, deren natürlichste eigene Interessen den Existenzvoraussetzungen der deutschen Nation
wenigstens im allerwesentlichsten nicht entgegenstehen, ja in einem bestimmten Maße sich mit ihnen
identifizieren.
×
Allerdings dürfen wir bei der Beurteilung einer solchen Bündnismöglichkeit drei Faktoren nicht
übersehen. Der erste liegt bei uns, die beiden anderen bei den in Frage kommenden Staaten selber.
Kann man sich mit dem heutigen Deutschland überhaupt verbünden? Kann eine Macht, die in einem
Bündnis eine Hilfe für die Durchführung eigener offensiver Ziele sehen will, sich mit einem Staate
verbünden, dessen Leitungen seit Jahren ein Bild jämmerlichster Unfähigkeit, pazifistischer Feigheit
bieten und dessen größerer Volksteil in demokratisch-marxistischer Verblendung die Interessen des
eigenen Volkes und Landes in himmelschreiender Weise verrät? Kann irgendeine Macht heute denn
hoffen, ein wertvolles Verhältnis zu einem Staate herstellen zu können, im Glauben, dereinst
{701 Ist Deutschland heute bündnisfähig?}
gemeinsame Interessen auch gemeinsam zu verfechten, wenn dieser Staat ersichtlich weder Mut noch
Lust besitzt, auch nur einen Finger zur Verteidigung des eigenen nackten Lebens zu rühren? Wird
irgendeine Macht, für die ein Bündnis mehr ist und mehr sein soll als ein Garantievertrag zur
Aufrechterhaltung eines Zustandes langsamen Dahinfaulens, ähnlich dem Sinne des verheerenden alten
Dreibundes, sich einem Staate auf Gedeih und Verderb verpflichten, dessen charakteristische
Lebensäußerungen nur in kriechender Unterwürfigkeit nach außen und schandvoller Unterdrückung
nationaler Tugenden nach innen bestehen; einem Staate, der keine Größe mehr besitzt, da er sie auf
Grund seines ganzen Verhaltens nicht mehr verdient; mit Regierungen, die sich keinerlei Achtung
seitens ihrer Staatsbürger zu rühmen vermögen, so daß das Ausland unmöglich größere Bewunderung
für sie hegen kann?Nein, eine Macht, die selbst auf Ansehen hält und die von Bündnissen sich mehr
erhofft als Provisionen für beutehungrige Parlamentarier, wird sich mit dem derzeitigen Deutschland
nicht verbünden, ja, sie kann es nicht. In unserer heutigen Bündnisunfähigkeit liegt ja auch der tiefste
und letzte Grund für die Solidarität der feindlichen Räuber. Da Deutschland sich niemals wehrt, außer
durch ein paar flammende "Proteste" unserer parlamentarischen Auslese, die übrige Welt aber keinen
Grund hat, zu unserem Schutze zu kämpfen, und der liebe Gott feige Völker prinzipiell nicht frei macht
— entgegen dem dahin zielenden Geflenne unserer vaterländischen Verbände —, so bleibt selbst den
Staaten, die kein direktes Interesse an unserer vollständigen Vernichtung besitzen, gar nichts anderes
übrig, als an den Raubzügen Frankreichs teilzunehmen, und wäre es nur aus dem Grunde, durch ein
solches Mitgehen und Teilnehmen am Raube wenigstens die ausschließliche Stärkung Frankreichs allein
zu verhindern.
Zum zweiten darf die Schwierigkeit nicht übersehen werden, in den uns bisher feindlichen Ländern eine
Umstellung der durch Massenpropaganda in einer bestimmten
{702 Auseinandergehen britischer und jüdischer Interessen}
Richtung beeinflußten großen Volksschichten vorzunehmen. Man kann eben nicht jahrelang ein
Volkstum als "hunnisch", "räuberhaft", "vandalisch" usw. hinstellen, um plötzlich über Nacht das
Gegenteil zu entdecken und den ehemaligen Feind als Bundesgenossen von morgen zu empfehlen.
Noch mehr Aufmerksamkeit muß jedoch einer dritten Tatsache zugewendet werden, die von
wesentlicher Bedeutung für die Ausgestaltung der kommenden europäischen Bündnisverhältnisse sein
wird: So gering von britisch-staatlichen Gesichtspunkten aus gesehen das Interesse Englands an einer
weiteren Vernichtung Deutschlands ist, so groß aber ist dasjenige des internationalen Börsenjudentums
an einer solchen Entwicklung. Der Zwiespalt zwischen der offiziellen oder, besser gesagt, traditionellen
britischen Staatskunst und den maßgebenden jüdischen Börsenkräften zeigt sich nirgends besser als in
der verschiedenen Stellungnahme zu den Fragen der englischen Außenpolitik. Das Finanzjudentum
wünscht, entgegen den Interessen des britischen Staatswohls, nicht nur die restlose wirtschaftliche
Vernichtung Deutschlands, sondern auch die vollkommene politische Versklavung. Die
Internationalisierung unserer deutschen Wirtschaft, d. h. die Übernahme der deutschen Arbeitskraft in
den Besitz der jüdischen Weltfinanz, läßt sich restlos nur durchführen in einem politisch
bolschewistischen Staat. Soll die marxistische Kampftruppe des internationalen jüdischen
Börsenkapitals aber dem deutschen Nationalstaat endgültig das Rückgrat brechen, so kann dies nur
geschehen unter freundlicher Nachhilfe von außen. Frankreichs Armeen müssen deshalb das deutsche
Staatsgebilde so lange berennen, bis das innen mürbe gewordene Reich der bolschewistischen
Kampftruppe des internationalen Weltfinanzjudentums erliegt.
So ist der Jude heute der große Hetzer zur restlosen Zerstörung Deutschlands. Wo immer wir in der Welt
Angriffe gegen
{703 Jüdische Welthetze gegen Deutschland}
Deutschland lesen, sind Juden ihre Fabrikanten, gleichwie ja auch im Frieden und während des Krieges
die jüdische Börsen- und Marxistenpresse den Haß gegen Deutschland planmäßig schürte, so lange, bis
Staat um Staat die Neutralität aufgab und unter Verzicht auf die wahren Interessen der Völker in den
Dienst der Weltkriegskoalition eintrat.
Die Gedankengänge des Judentums dabei sind klar. Die Bolschewisierung Deutschlands, d. h. die
Ausrottung der nationalen völkischen deutschen Intelligenz und die dadurch ermöglichte Auspressung
der deutschen Arbeitskraft im Joche der jüdischen Weltfinanz, ist nur als Vorspiel gedacht für die
Weiterverbreitung dieser jüdischen Welteroberungstendenz. Wie so oft in der Geschichte, ist in dem
gewaltigen Ringen Deutschland der große Drehpunkt. Werden unser Volk und unser Staat das Opfer
dieser blut- und geldgierigen jüdischen Völkertyrannen, so sinkt die ganze Erde in die Umstrickung
dieses Polypen; befreit sich Deutschland aus dieser Umklammerung, so darf diese größte Völkergefahr
als für die gesamte Welt gebrochen gelten.
So sicher also das Judentum seine ganze Wühlarbeit einsetzen wird, um die Feindschaft der Nationen
gegen Deutschland nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern wenn möglich noch weiter zu steigern, so
sicher deckt sich diese Tätigkeit nur zu einem Bruchteil mit den wirklichen Interessen der dadurch
vergifteten Völker. Im allgemeinen wird nun das Judentum in den einzelnen Volkskörpern immer mit
denjenigen Waffen kämpfen, die auf Grund der erkannten Mentalität dieser Nationen am wirksamsten
erscheinen und den meisten Erfolgversprechen. In unserem blutsmäßig außerordentlich zerrissenen
Volkskörper sind es deshalb die diesem entsprossenen, mehr oder minder "weltbürgerlichen",
pazifistisch-ideologischen Gedanken, kurz, die internationalen Tendenzen, deren es sich bei seinem
Kampfe um die
{704 Übereinstimmung französischer und jüdischer Interessen}
Macht bedient; in Frankreich arbeitet es mit dem erkannten und richtig eingeschätzten Chauvinismus, in
England mit wirtschaftlichen und weltpolitischen Gesichtspunkten; kurz, es bedient sich immer der
wesentlichsten Eigenschaften, die die Mentalität eines Volkes darstellen. Erst wenn es auf solchem
Wege einen bestimmten überwuchernden Einfluß wirtschaftlicher und politischer Machtfülle errungen
hat, streift es die Fesseln dieser übernommenen Waffen ab und kehrt nun in eben diesem Maße die
wirklichen inneren Absichten seines Wollens und seines Kampfes hervor. Es zerstört nun immer
rascher, bis es so einen Staat nach dem anderen in ein Trümmerfeld verwandelt, auf dem dann die
Souveränität des ewigen Judenreiches aufgerichtet werden soll.
In England sowohl als in Italien ist der Zwiespalt in den Anschauungen der besseren bodenständigen
Staatskunst und dem Wollen des jüdischen Weltbörsentums klar, ja manchmal kraß in die Augen
springend.
Nur in Frankreich besteht heute mehr denn je eine innere Übereinstimmung zwischen den Absichten der
Börse, der sie tragenden Juden und den Wünschen einer chauvinistisch eingestellten nationalen
Staatskunst. Allein gerade in dieser Identität liegt eine immense Gefahr für Deutschland. Gerade aus
diesem Grunde ist und bleibt Frankreich der weitaus furchtbarste Feind. Dieses an sich immer mehr der
Vernegerung anheimfallende Volk bedeutet in seiner Bindung an die Ziele der jüdischen
Weltbeherrschung eine lauernde Gefahr für den Bestand der weißen Rasse Europas. Denn die
Verpestung durch Negerblut am Rhein im Herzen Europas entspricht ebensosehr der sadistischperversen
Rachsucht dieses chauvinistischen Erbfeindes unseres Volkes wie der eisig kalten Überlegung
des Juden, auf diesem Wege die Bastardierung des europäischen Kontinents im Mittelpunkte zu
beginnen
{705 Zwei Verbündete möglich England — Italien}
und der weißen Rasse durch die Infizierung mit niederem Menschentum die Grundlagen zu einer
selbstherrlichen Existenz zu entziehen.
Was Frankreich, angespornt durch eigene Rachsucht, planmäßig geführt durch den Juden, heute in
Europa betreibt, ist eine Sünde wider den Bestand der weißen Menschheit und wird auf dieses Volk
dereinst alle Rachegeister eines Geschlechts hetzen, das in der Rassenschande die Erbsünde der
Menschheit erkannt hat.
Für Deutschland jedoch bedeutet die französische Gefahr die Verpflichtung, unter Zurückstellung aller
Gefühlsmomente, dem die Hand zu reichen, der, ebenso bedroht wie wir, Frankreichs Herrschgelüste
nicht erdulden und ertragen will.
In Europa wird es für Deutschland in absehbarer Zukunft nur zwei Verbündete geben können: England
und Italien.
×
Wer sich die Mühe nimmt, heute rückblickend die außenpolitische Leitung Deutschlands seit der
Revolution zu verfolgen, der wird nicht anders können, als sich angesichts des fortwährenden
unfaßbaren Versagens unserer Regierungen an den Kopf zu greifen, um entweder einfach zu verzagen
oder in flammender Empörung einem solchen Regiment den Kampf anzusagen. Mit Unverstand haben
diese Handlungen nichts mehr zu tun: Denn was jedem denkenden Gehirn eben als undenkbar
erschienen wäre, haben die geistigen Zyklopen unserer Novemberparteien fertiggebracht: sie buhlten um
Frankreichs Gunst. Jawohl, in diesen ganzen Jahren hat man mit der rührenden Einfalt eines
unverbesserlichen Phantasten immer wieder versucht, sich bei den Franzosen anzubiedern,
scharwenzelte immer wieder vor der "großen Nation" und glaubte, in jedem gerissenen Trick des
französischen Henkers sofort
{706 Anbiederung an Frankreich}
das erste Anzeichen einer sichtbaren Gesinnungsänderung erblicken zu dürfen. Die tatsächlichen
Drahtzieher unserer Politik haben natürlich diesem irrsinnigen Glauben niemals gehuldigt. Für sie war
das Anbiedern an Frankreich nur das selbstverständliche Mittel, auf solche Weise jede praktische
Bündnispolitik zu sabotieren. Sie waren sich über Frankreichs und seiner Hintermänner Ziele nie im
unklaren. Was sie zwang, so zu tun, als ob sie dennoch ehrlich an die Möglichkeit einer Änderung des
deutschen Schicksals glaubten, war die nüchterne Erkenntnis, daß im anderen Fall ja wahrscheinlich
unser Volk selbst einen anderen Weg gegangen wäre.
Es ist natürlich auch für uns schwer, in den Reihen der eigenen Bewegung England als möglichen
Bundesgenossen für die Zukunft hinzustellen. Unsere jüdische Presse verstand es ja immer wieder, den
Haß besonders auf England zu konzentrieren, wobei so mancher gute deutsche Gimpel dem Juden
bereitwilligst auf die hingehaltene Leimrute flog, vom "Wiedererstarken" einer deutschen Seemacht
schwätzte, gegen den Raub unserer Kolonien protestierte, ihre Wiedergewinnung empfahl und somit
half, das Material zu liefern, das der jüdische Lump dann seinen Stammesgenossen in. England zur
praktischen propagandistischen Verwertung überweisen konnte. Denn daß wir heute nicht um
"Seegeltung" usw. zu kämpfen haben, das sollte allmählich auch in den Köpfen unserer politisierenden
bürgerlichen Einfaltspinsel aufdämmern. Die Einstellung der deutschen Nationalkraft auf diese Ziele,
ohne die gründlichste vorherige Sicherung unserer Stellung in Europa, war schon vor dem Kriege ein
Unsinn. Heute gehört eine solche Hoffnung zu jenen Dummheiten, die man im Reiche der Politik mit
dem Wort Verbrechen belegt.
Es war wirklich manchmal zum Verzweifeln, wenn man zusehen mußte, wie die jüdischen Drahtzieher
es fertigbrachten, unser Volk mit heute höchst nebensächlichen Dingen zu beschäftigen, zu
Kundgebungen und Protesten auf-
{707 Die Südtiroler Frage}
zuputschen, während in denselben Stunden Frankreich sich Stück für Stück aus dem Leibe unseres
Volkskörpers riß, und uns die Grundlagen unserer Unabhängigkeit planmäßig entzogen wurden.
Ich muß dabei eines besonderen Steckenpferdes gedenken, das in diesen Jahren der Jude mit
außerordentlicher Geschicklichkeit ritt: Südtirol.
Jawohl, Südtirol. Wenn ich mich hier an dieser Stelle gerade mit dieser Frage beschäftige, dann nicht
zum letzten, um eine Abrechnung zu halten mit jenem allerverlogensten Pack, das, auf die
Vergeßlichkeit und Dummheit unserer breiteren Schichten bauend, sich hier anmaßt, eine nationale
Empörung zu mimen, die besonders den parlamentarischen Betrügern ferner liegt als einer Elster
redliche Eigentumsbegriffe.
Ich möchte betonen, daß ich persönlich zu den Leuten gehörte, die, als über das Schicksal Südtirols
mitentschieden wurde — also angefangen vom August 1914 bis zum November 1918 — sich dorthin
stellten, wo die praktische Verteidigung auch dieses Gebietes stattfand, nämlich in das Heer. Ich habe in
diesen Jahren meinen Teil mitgekämpft, nicht damit Südtirol verlorengeht, sondern damit es genau so
wie jedes andere deutsche Land dem Vaterland erhalten bleibt.
Wer damals nicht mitkämpfte, das waren die parlamentarischen Strauchdiebe, dieses gesamte
politisierende Parteigesindel. Im Gegenteil, während wir in der Überzeugung kämpften, daß nur ein
siegreicher Ausgang des Krieges allein auch dieses Südtirol dem deutschen Volkstum erhalten würde,
haben die Mäuler dieser Ephialtesse gegen diesen Sieg so lange gehetzt und gewühlt, bis endlich der
kämpfende Siegfried dem hinterhältigen Dolchstoß erlag. Denn die Erhaltung Südtirols in deutschem
Besitz war natürlich nicht garantiert durch die verlogenen Brandreden schneidiger Parlamentarier am
Wiener Ballhausplatz oder vor der Münchener Feldherrnhalle, sondern nur durch die Bataillone der
{708 Die Südtiroler Frage}
kämpfenden Front. Wer diese zerbrach, hat Südtirol verraten, genau so wie auch alle anderen deutschen
Gebiete.
Wer aber heute glaubt, durch Proteste, Erklärungen, vereinsmeierliche Umzüge usw. die Südtiroler
Frage lösen zu können, der ist entweder ein ganz besonderer Lump oder aber ein deutscher Spießbürger.
Darüber muß man sich doch wohl klar Bein, daß die Wiedergewinnung der verlorenen Gebiete nicht
durch feierliche Anrufungen des lieben Herrgotts erfolgt oder durch fromme Hoffnungen auf einen
Völkerbund, sondern nur durch Waffengewalt.
Es fragt sich also nur, wer bereit ist, mit Waffengewalt die Wiedergewinnung dieser verlorenen Gebiete
zu ertrotzen.
Was meine Person betrifft, könnte ich hier bei gutem Gewissen versichern, daß ich soviel Mut noch
aufbrächte, um an der Spitze eines zu bildenden parlamentarischen Sturmbataillons, bestehend aus
Parlamentsschwätzern und sonstigen Parteiführern sowie verschiedenen Hofräten, an der siegreichen
Eroberung Südtirols teilzunehmen. Weiß der Teufel, es sollte mich freuen, wenn einmal über den
Häuptern einer derartig "flammenden" Protestkundgebung plötzlich ein paar Schrapnelle
auseinandergingen. Ich glaube, wenn ein Fuchs in einen Hühnerstall einbräche, könnte das Gegacker
kaum ärger sein und das In-Sicherheit-Bringen des einzelnen Federviehs nicht beschleunigter erfolgen
als das Ausreißen einer solchen prachtvollen "Protestvereinigung".
Aber das Niederträchtigste an der Sache ist ja, daß die Herren selber gar nicht glauben, auf diesem Wege
irgend etwas erreichen zu können. Sie kennen die Unmöglichkeit und Harmlosigkeit ihres ganzen
Getues persönlich am allerbesten. Allein, sie tun eben so, weil es natürlich heute etwas leichter ist, für
die Wiedergewinnung Südtirols zu schwätzen, als es einst war, für seine Erhaltung zu kämpfen. Jeder
leistet eben seinen Teil; damals opfer-
{709 Hintertreibung deutsch-italienischer Verständigung}
ten wir unser Blut, und heute wetzt diese Gesellschaft ihre Schnäbel.
Besonders köstlich ist es noch, dabei zu sehen, wie den Wiener Legitimistenkreisen bei ihrer heutigen
Wiedereroberungsarbeit von Südtirol der Kamm förmlich anschwillt. Vor sieben Jahren hat ihr
erhabenes und erlauchtes Herrscherhaus allerdings durch die Schurkentat eines meineidigen Verrates
mitgeholfen, daß die Weltkoalition als Siegerin auch Südtirol zu gewinnen vermochte. Damals haben
diese Kreise die Politik ihrer verräterischen Dynastie unterstützt und sich einen Pfifferling um Südtirol
noch um sonst etwas gekümmert. Natürlich, heute ist es einfacher, den Kampf für diese Gebiete
aufzunehmen, wird doch dieser jetzt nur mit "geistigen" Waffen ausgefochten, und es ist doch immerhin
leichter, sich in einer "Protestversammlung" die Kehle heiser zu reden — aus innerer erhabener
Entrüstung heraus — und in einem Zeitungsartikel die Finger wund zu schmieren, als etwa während der
Besetzung des Ruhrgebietes, sagen wir, Brücken in die Luft zu jagen.
Der Grund, warum man in den letzten Jahren von ganz bestimmten Kreisen aus die Frage "Südtirol"
zum Angelpunkt des deutsch-italienischen Verhältnisses machte, liegt ja klar auf der Hand. Juden und
habsburgische Legitimisten haben das größte Interesse daran, eine Bündnispolitik Deutschlands zu
verhindern, die eines Tages zur Wiederauferstehung eines deutschen freien Vaterlandes führen könnte.
Nicht aus Liebe zu Südtirol macht man heute dieses Getue — denn dem wird dadurch nicht geholfen,
sondern nur geschadet —, sondern aus Angst vor einer etwa möglichen deutsch-italienischen
Verständigung.
Es liegt dabei nur in der Linie der allgemeinen Verlogenheit und Verleumdungstendenz dieser Kreise,
wenn sie mit eisig kalter und frecher Stirne versuchen, die Dinge so darzustellen, als ob etwa wir
Südtirol "verraten" hätten.
{710 Wer Südtirol verriet}
Das muß diesen Herren mit aller Deutlichkeit gesagt werden: Südtirol hat "verraten" erstens jeder
Deutsche, der in den Jahren 1914–1918 bei geraden Gliedern nicht irgendwo an der Front stand und
seine Dienste seinem Vaterlande zur Verfügung stellte;zweitens jeder, der in diesen Jahren nicht
mitgeholfen hat, die Widerstandsfähigkeit unseres Volkskörpers für die Durchführung des Krieges zu
stärken und die Ausdauer unseres Volkes zum Durchhalten dieses Kampfes zu festigen;drittens Südtirol
hat verraten jeder, der am Ausbruch der Novemberrevolution — sei es direkt durch die Tat oder indirekt
durch die feige Duldung derselben — mitwirkte und dadurch die Waffe, die allein Südtirol hätte retten
können, zerschlagen hat;und viertens, Südtirol haben verraten alle die Parteien und ihre Anhänger, die
ihre Unterschriften unter die Schandverträge von Versailles und St. Germain setzten.
Jawohl, so liegen die Dinge, meine tapferen Herren Wortprotestler!Heute werde ich nur von der
nüchternen Erkenntnis geleitet, daß man verlorene Gebiete nicht durch die Zungenfertigkeit
geschliffener parlamentarischer Mäuler zurückgewinnt, sondern durch ein geschliffenes Schwert zu
erobern hat, also durch einen blutigen Kampf.
Da allerdings stehe ich nicht an zu erklären, daß ich nun, da die Würfel gefallen sind, eine
Wiedergewinnung Südtirols durch Krieg nicht nur für unmöglich halte, sondern auch persönlich in der
Überzeu-
{711 Nicht Waffengewalt, sondern Bündnispolitik}
gung ablehnen würde, daß für diese Frage nicht die flammende Nationalbegeisterung des gesamten
deutschen Volkes in einem Maße zu erreichen wäre, die die Voraussetzung zu einem Siege böte. Ich
glaube im Gegenteil, daß, wenn dieses Blut dereinst eingesetzt würde, es ein Verbrechen wäre, den
Einsatz für zweihunderttausend Deutsche zu vollziehen, während nebenan über sieben Millionen unter
der Fremdherrschaft schmachten und die Lebensader des deutschen Volkes den Tummelplatz
afrikanischer Negerhorden durchläuft.
Wenn die deutsche Nation den Zustand ihrer drohenden Ausrottung in Europa beenden will, dann hat sie
nicht in den Fehler der Vorkriegszeit zu verfallen und sich Gott und die Welt zum Feind zu machen,
sondern dann wird sie den gefährlichsten Gegner erkennen müssen, um mit der gesamten konzentrierten
Kraft auf ihn einzuschlagen. Und wenn dieser Sieg erfochten wird durch Opfer an anderer Stelle, dann
werden die kommenden Geschlechter unseres Volkes uns dennoch nicht verurteilen. Sie werden die
schwere Not und die tiefen Sorgen und den dadurch geborenen bitteren Entschluß um so mehr zu
würdigen wissen, je strahlender der daraus entsprossene Erfolg sein wird.
Was uns heute leiten muß, ist immer wieder die grundlegende Einsicht, daß die Wiedergewinnung
verlorener Gebiete eines Reiches in erster Linie die Frage der Wiedergewinnung der politischen
Unabhängigkeit und Macht des Mutterlandes ist.
Diese durch eine kluge Bündnispolitik zu ermöglichen und zu sichern, ist die erste Aufgabe einer
kraftvollen Leitung unseres Staatswesens nach außen.
{712 Drei Fragen zur Bündnispolitik}
Gerade wir Nationalsozialisten aber haben uns zu hüten, in das Schlepptau unserer vom Juden geführten
bürgerlichen Wortpatrioten zu kommen. Wehe, wenn auch unsere Bewegung, statt das Fechten
vorzubereiten, sich in Protesten üben würde!An der phantastischen Auffassung des
Nibelungenbündnisses mit dem habsburgischen Staatskadaver ist Deutschland mit zugrunde gegangen.
Phantastische Sentimentalität in der Behandlung der außenpolitischen Möglichkeiten von heute ist das
beste Mittel, unseren Wiederaufstieg für immer zu verhindern.
×
Es ist notwendig, daß ich mich hier auch noch ganz kurz mit jenen Einwänden beschäftige, die sich auf
die vorhergehend bereits gestellten drei Fragen beziehen werden, nämlich auf die Fragen, ob man
sicherstens mit dem heutigen Deutschland in seiner vor aller Augen liegenden sichtbaren Schwäche
überhaupt verbünden wird;zweitens, ob die feindlichen Nationen zu einer solchen Umstellung fähig
erscheinen, unddrittens, ob nicht der nun einmal gegebene Einfluß des Judentums stärker als alle
Erkenntnis und aller gute Wille ist und so sämtliche Pläne durchkreuzen und zunichte machen wird.
Die erste Frage denke ich zur einen Hälfte genügend erörtert zu haben. Selbstverständlich wird sich mit
dem heutigen Deutschland niemand verbünden. Es wird keine Macht der Welt ihr Schicksal an einen
Staat zu ketten wagen, dessen Regierungen jegliches Vertrauen zerstören müssen. Was aber nun den
Versuch vieler unserer Volksgenossen betrifft, der Regierung für ihr Handeln die der-
{713 Erste Anzeichen deutscher Wiedergeburt}
zeitige jämmerliche Mentalität unseres Volkes zugute zu halten oder gar als Entschuldigung gelten zu
lassen, 80 muß man hiergegen schärfstens Stellung nehmen.
Sicherlich ist die Charakterlosigkeit unseres Volkes seit sechs Jahren eine tieftraurige, die
Gleichgültigkeit den wichtigsten Belangen des Volkstums gegenüber eine wahrhaft niederdrückende,
die Feigheit aber manches Mal himmelschreiend. Allein man soll doch nie vergessen, daß es sich dabei
dennoch um ein Volk handelt, das wenige Jahre vorher der Welt das bewunderungswürdigste Beispiel
höchster menschlicher Tugenden geboten hat. Angefangen von den Augusttagen 1914 bis zum Ende des
gewaltigen Völkerringens hat kein Volk der Erde mehr an männlichem Mut, zäher Ausdauer und
geduldigem Ertragen offenbart als unser heute so armselig gewordenes deutsches Volk. Niemand wird
behaupten wollen, daß die Schmach unserer jetzigen Zeit der charakteristische Wesensausdruck unseres
Volkstums sei. Was wir heute um uns und in ans erleben müssen, ist nur der grauenvolle, sinn- und
vernunftzerstörende Einfluß der Meineidstat des 9. November 1918. Mehr als je gilt hier das
Dichterwort vom Bösen, das fortzeugend Böses muß gebären. Allein auch in dieser Zeit sind die guten
Grundelemente unserem Volke nicht ganz verlorengegangen, sie schlummern nur unerweckt in der
Tiefe, und manches Mal konnte man wie Wetterleuchten am schwarzbehangenen Firmament Tugenden
aufstrahlen sehen, deren sich das spätere Deutschland als erste Anzeichen einer beginnenden Genesung
einst erinnern wird. Öfter als einmal haben sich Tausende und Tausende junge Deutsche gefunden mit
dem opferbereiten Entschluß, das jugendliche Leben so wie 1914 wieder freiwillig und freudig auf dem
Altar des geliebten Vaterlandes zum Opfer zu bringen. Wieder schaffen Millionen von Menschen emsig
und fleißig, als hätte es nie die Zerstörungen durch eine Revolution gegeben. Der Schmied steht wieder
am Amboß, hinter dem Pfluge wandelt der Bauer, und in der Studierstube sitzt der Gelehrte, alle mit der
gleichen Mühe und gleichen Ergebenheit gegenüber ihrer Pflicht.
{714 Versäumte Auswertung des Versailler Vertrages}
Die Unterdrückungen von seiten unserer Feinde finden nicht mehr das rechtsprechende Lachen von
einst, sondern verbitterte und vergrämte Gesichter. Ein großer Wechsel in der Gesinnung hat sich ohne
Zweifel vollzogen.
Wenn sich dieses alles auch heute noch nicht in einer Wiedergeburt des politischen Machtgedankens
und Selbsterhaltungstriebes unseres Volkes äußert, dann tragen die Schuld daran diejenigen, die weniger
durch des Himmels als ihre eigene Berufung seit 1918 unser Volk zu Tode regieren.
Jawohl, wenn man heute unsere Nation beklagt, so darf man doch die Frage stellen: Was tat man, um sie
zu bessern? Ist die geringe Unterstützung von Entschlüssen unserer Regierungen — die ja in
Wirklichkeit kaum da waren — durch das Volk nur das Zeichen für die geringe Lebenskraft unseres
Volkstums oder nicht noch mehr das Zeichen für das vollkommene Versagen der Behandlung dieses
kostbaren Gutes? Was haben unsere Regierungen getan, um in dieses Volk wieder den Geist stolzer
Selbstbehauptung, männlichen Trotzes und zornigen Hasses hineinzupflanzen?Als im Jahre 1919 der
Friedensvertrag dem deutschen Volk aufgebürdet wurde, da wäre man berechtigt gewesen, zu hoffen,
daß gerade durch dieses Instrument maßloser Unterdrückung der Schrei nach deutscher Freiheit mächtig
gefördert werden würde. Friedensverträge, deren Forderungen wie Geißelhiebe Völker treffen, schlagen
nicht selten den ersten Trommelwirbel für die spätere Erhebung.
Was konnte man aus diesem Friedensvertrag von Versailles machen!Wie konnte dieses Instrument einer
maßlosen Erpressung und schmachvollsten Erniedrigung in den Händen einer wollenden Regierung zum
Mittel werden, die nationalen Leidenschaften bis zur Siedehitze aufzupeitschen! Wie konnte bei einer
genialen propagandistischen Verwertung
{715 "Herr, segne unseren Kampf"}
dieser sadistischen Grausamkeiten die Gleichgültigkeit eines Volkes zur Empörung und die Empörung
zur hellsten Wut gesteigert werden!Wie konnte man jeden einzelnen dieser Punkte dem Gehirn und der
Empfindung dieses Volkes so lange einbrennen, bis endlich in sechzig Millionen Köpfen, bei Männern
und Weibern, die gemeinsam empfundene Scham und der gemeinsame Haß zu jenem einzigen feurigen
Flammenmeer geworden wäre, aus dessen Gluten dann stahlhart ein Wille emporsteigt und ein Schrei
sich herauspreßt: Wir wollen wieder Waffen!Jawohl, dazu kann ein solcher Friedensvertrag dienen. In
der Maßlosigkeit seiner Unterdrückung, in der Schamlosigkeit seiner Forderungen liegt die größte
Propagandawaffe zur Wiederaufrüttelung der eingeschlafenen Lebensgeister einer Nation.
Dann muß allerdings, von der Fibel des Kindes angefangen bis zur letzten Zeitung, jedes Theater und
jedes Kino, jede Plakatsäule und jede freie Bretterwand in den Dienst dieser einzigen großen Mission
gestellt werden, bis daß das Angstgebet unserer heutigen Vereinspatrioten "Herr, mach uns frei!" sich in
dem Gehirn des kleinsten Jungen verwandelt zur glühenden Bitte: "Allmächtiger Gott, segne dereinst
unsere Waffen; sei so gerecht, wie du es immer warst; urteile jetzt, ob wir die Freiheit nun verdienen;
Herr, segne unseren Kampf!"Man hat alles versäumt und nichts getan.
Wer will sich nun wundern, wenn unser Volk nicht so ist, wie es sein sollte und sein könnte? Wenn die
andere Welt in uns nur den Büttel sieht, den willfährigen Hund, der dankbar nach den Händen leckt, die
ihm vorher geschlagen haben?Sicherlich wird unsere Bündnisfähigkeit heute belastet durch unser Volk,
am schwersten aber durch unsere Regierungen. Sie sind in ihrer Verderbtheit die Schuldigen, daß nach
acht Jahren maßlosester Unterdrückung so wenig Wille zur Freiheit vorhanden ist.
{716 Die Umstellung antideuscher Psychose}
So sehr also eine aktive Bündnispolitik gebunden ist an die nötige Werteinschätzung unseres Volkes, so
sehr ist diese wieder bedingt durch das Bestehen einer Regierungsgewalt, die nicht Handlanger sein will
für fremde Staaten, nicht Fronvogt über die eigene Kraft, sondern vielmehr Herold des nationalen
Gewissens.
Besitzt unser Volk aber eine Staatsleitung, die darin ihre Mission sieht, so werden keine sechs Jahre
vergehen und der kühnen außenpolitischen Leitung des Reiches wird ein ebenso kühner Wille eines
freiheitsdurstigen Volkes zur Verfügung stehen.
×
Der zweite Einwand, die große Schwierigkeit der Umstellung der feindlichen Völker zu freundschaftlich
Verbündeten, kann wohl so beantwortet werden: Die in den übrigen Ländern durch die
Kriegspropaganda herangezüchtete allgemeine antideutsche Psychose bleibt zwangsläufig so lange
bestehen, als nicht durch die allen sichtbare Wiedererstehung eines deutschen Selbsterhaltungswillens
das Deutsche Reich wieder die Charaktermerkmale eines Staates erhalten hat, der auf dem allgemeinen
europäischen Schachbrett spielt und mit dem man spielen kann. Erst wenn in Regierung und Volk die
unbedingte Sicherung für eine mögliche Bündnisfähigkeit gegeben erscheint, kann die eine oder andere
Macht aus gleichlaufenden Interessen heraus daran denken, durch propagandistische Einwirkungen die
öffentliche Meinung umzubilden. Auch dies erfordert naturgemäß Jahre andauernder geschickter Arbeit.
Gerade in der Notwendigkeit dieser langen Zeitdauer für die Umstimmung eines Volkes liegt die
Vorsicht bei ihrer Vornahme begründet, d. h. man wird nicht an eine solche Tätigkeit herantreten, wenn
man nicht die unbedingte Überzeugung vom Werte einer solchen Arbeit und ihren Früchten in der
Zukunft besitzt. Man wird nicht auf das
{717 Sichtbarer Wille zum Freiheitskampf}
leere Geflunker eines mehr oder weniger geistreichen Außenministers hin die seelische Einstellung einer
Nation ändern wollen, ohne die Garantie für den realen Wert einer neuen greifbar zu besitzen. Es würde
dies sonst zur vollkommenen Zersplitterung der öffentlichen Meinung führen. Die zuverlässigste
Sicherheit für die Möglichkeit einer späteren Verbindung mit einem Staate liegt aber eben nicht
begründet in schwulstigen Redensarten einzelner Regierungsmitglieder, sondern vielmehr in der
ersichtlichen Stabilität einer bestimmten, zweckmäßig erscheinenden Regierungstendenz sowie in einer
analog eingestellten öffentlichen Meinung. Der Glaube hieran wird um so fester sein, je größer die
sichtbare Tätigkeit einer Regierungsgewalt auf dem Gebiet der propagandistischen Vorbereitung und
Unterstützung ihrer Arbeit ist und je unzweideutiger umgekehrt der Wille der öffentlichen Meinung sich
in der Regierungstendenz widerspiegelt.
Man wird also ein Volk — in unserer Lage — dann für bündnisfähig halten, wenn Regierung und
öffentliche Meinung gleichmäßig fanatisch den Willen zum Freiheitskampf verkünden und vertreten.
Dies ist die Voraussetzung einer dann erst in Angriff zu nehmenden Umstellung der öffentlichen
Meinung anderer Staaten, die auf Grund ihrer Erkenntnis gewillt sind, zur Vertretung ihrer ureigensten
Interessen einen Weg an der Seite des ihnen hierfür passend erscheinenden Partners zu gehen, also ein
Bündnis abzuschließen.
Nun gehört dazu aber noch eines: Da die Umstellung einer bestimmten geistigen Verfassung eines
Volkes an sich schwere Arbeit erfordert und von vielen zunächst nicht verstanden werden wird, ist es
ein Verbrechen und eine Dummheit zugleich, durch eigene Fehler diesen anderswollenden Elementen
Waffen für ihre Gegenarbeit zu liefern.
Man muß begreifen, daß es notwendigerweise eine Zeitlang dauern wird, bis ein Volk restlos die inneren
Ab-
{718 Konzentration auf einen Gegner}
sichten einer Regierung erfaßt hat, da Erklärungen über die letzten Schlußziele einer bestimmten
politischen Vorarbeit nicht gegeben werden können, sondern nur entweder mit dem blinden Glauben der
Masse oder der intuitiven Einsicht der geistig höherstehenden Führerschichten gerechnet werden kann.
Da bei vielen Menschen jedoch dieses hellseherische politische Tastgefühl und Ahnungsvermögen nicht
vorhanden ist, Erläuterungen aber aus politischen Gründen nicht gegeben werden können, wird sich
immer ein Teil der intellektuellen Führerschicht gegen neue Tendenzen wenden, die infolge ihrer
Undurchsehbarkeit leicht als bloße Experimente gedeutet werden können. So wird der Widerstand der
besorgten konservativen Staatselemente wachgerufen.
Es ist jedoch aus diesem Grunde erst recht höchste Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß solchen Störern
einer Anbahnung von gegenseitigem Verstehen alle verwertbaren Waffen nach Möglichkeit aus der
Hand gewunden werden, besonders dann, wenn es sich, wie in unseren Fällen, ohnehin nur um ganz
unrealisierbare, rein phantastische Schwärmereien aufgeblasener Vereinspatrioten und spießbürgerlicher
Kaffeehauspolitiker handelt. Denn daß das Schreien nach einer neuen Kriegsflotte, der
Wiedergewinnung unserer Kolonien usw. wirklich bloß ein albernes Geschwätz ist, ohne auch nur einen
Gedanken praktischer Ausführbarkeit zu besitzen, wird man bei ruhigem Überlegen wohl kaum zu
bestreiten vermögen. Wie man aber in England diese unsinnigsten Ergüsse teils harmloser, teils
verrückter, immer aber im stillen Dienste unserer Todfeinde stehender Protestkämpen politisch ausnützt,
kann nicht als günstig für Deutschland bezeichnet werden. So erschöpft man sich in schädlichen
Demonstratiönchen gegen Gott und alle Welt und vergißt den ersten Grundsatz, der die Voraussetzung
für jeden Erfolg ist, nämlich: Was du tust, tue ganz! Indem man gegen fünf oder zehn Staaten mault,
unterläßt man die Konzentration der gesamten willensmäßigen und physischen Kräfte zum Stoß ins
Herz unseres verruchtesten Gegners und opfert die Mög-
{719 Abrechnung mit den Verrätern}
lichkeit einer bündnismäßigen Stärkung für diese Auseinandersetzung.
Auch hier liegt eine Mission der nationalsozialistischen Bewegung. Sie muß unser Volk lehren, über
Kleinigkeiten hinweg aufs Größte zu sehen, sich nicht in Nebensächlichkeiten zu zersplittern, sondern
nie zu vergessen, daß das Ziel, für das wir heute zu fechten haben, die nackte Existenz unseres Volkes
ist, und der einzige Feind, den wir treffen müssen, die Macht ist und bleibt, die diese Existenz uns raubt.
Es mag uns manches bitter schmerzen. Aber dies ist noch lange kein Grund, der Vernunft zu entsagen
und in unsinnigem Geschrei mit aller Welt zu hadern, statt in konzentrierter Kraft sich gegen den
tödlichsten Feind zu stellen.
Im übrigen hat das deutsche Volk so lange kein moralisches Recht, die andere Welt ob ihres Gebarens
anzuklagen, solange es nicht die Verbrecher zur Rechenschaft gezogen hat, die das eigene Land
verkauften und verrieten. Das ist kein heiliger Ernst, wenn man wohl gegen England, Italien usw. aus
der Ferne schimpft und protestiert, aber die Lumpen unter sich wandeln läßt, die im Sold der feindlichen
Kriegspropaganda uns die Waffen entwanden, das moralische Rückgrat zerbrachen und das gelähmte
Reich um dreißig Silberlinge verjobberten.
Der Feind tut nur, was vorauszusehen war. Aus seinem Verhalten und Handeln sollten wir lernen.
Wer sich aber durchaus nicht zur Höhe einer solchen Auffassung bekennen will, der mag als letztes
noch bedenken, daß dann eben nur Verzicht übrigbleibt, weil dann jede
{720 Siegen die nationalsozialistischen Interessen?}
Bündnispolitik für alle Zukunft ausscheidet. Denn wenn wir mit England uns nicht zu verbünden
vermögen, weil es uns die Kolonien raubte, mit Italien nicht, weil es Südtirol besitzt, mit Polen und der
Tschechoslowakei an sich nicht, dann bliebe außer Frankreich — das uns nebenbei aber doch Elsaß-
Lothringen stahl — in Europa niemand übrig.
Ob damit dem deutschen Volke gedient ist, kann kaum zweifelhaft sein. Zweifelhaft ist es nur immer, ob
eine solche Meinung von einem einfältigen Tropf vertreten wird oder von einem gerissenen Gauner.
Soweit es sich dabei um Führer handelt, glaube ich immer an das letztere.
So kann nach menschlichem Ermessen eine Umstellung der Psyche einzelner, bisher feindlicher Völker,
deren wahre Interessen in der Zukunft ähnlich den unseren gelagert sind, sehr wohl erfolgen, wenn die
innere Stärke unseres Staates sowie der ersichtliche Wille zur Wahrung unseres Daseins uns als
Bundesgenossen wieder wert erscheinen lassen und weiter den Gegnern einer solchen kommenden
Verbindung mit vordem uns feindlichen Völkern nicht wieder durch eigene Ungeschicklichkeiten oder
gar verbrecherische Handlungen der Nährstoff zu ihrem Treiben gegeben wird.
×
Am schwersten zu beantworten ist der dritte Einwand.
Ist es denkbar, daß die Vertreter der wirklichen Interessen der bündnismöglichen Nationen ihre
Ansichten durchzusetzen vermögen gegenüber dem Wollen des jüdischen Todfeindes freier Volks- und
Nationalstaaten?Können die Kräfte z. B. der traditionellen britischen Staatskunst den verheerenden
jüdischen Einfluß noch brechen oder nicht?Diese Frage ist, wie schon gesagt, sehr schwer zu
beantworten. Sie hängt von zu vielen Faktoren ab, als daß ein bündiges Urteil gesprochen werden
könnte. Sicher ist jedenfalls eines: In einem Staate kann die derzeitige Staatsgewalt als so fest stabilisiert
angesehen werden und so unbedingt den
{721 Faschistisches Italien und Judentum}
Interessen des Landes dienend, daß von einer wirklich wirksamen Verhinderung politischer
Notwendigkeiten durch internationale jüdische Kräfte nicht mehr gesprochen werden kann.
Der Kampf, den das faschistische Italien gegen die drei Hauptwaffen des Judentums, wenn auch
vielleicht im tiefsten Grunde unbewußt (was ich persönlich nicht glaube) durchführt, ist das beste
Anzeichen dafür, daß, wenn auch auf indirektem Wege, dieser überstaatlichen Macht die Giftzähne
ausgebrochen werden. Das Verbot der freimaurerischen Geheimgesellschaften, die Verfolgung der
übernationalen Presse sowie der dauernde Abbruch des internationalen Marxismus und umgekehrt die
stete Festigung der faschistischen Staatsauffassung werden im Laufe der Jahre die italienische
Regierung immer mehr den Interessen des italienischen Volkes dienen lassen können, ohne Rücksicht
auf das Gezische der jüdischen Welthydra.
Schwieriger liegen die Dinge in England. In diesem Lande der "freiesten Demokratie" diktiert der Jude
auf dem Umweg der öffentlichen Meinung heute noch fast unbeschränkt. Und dennoch findet auch dort
ein ununterbrochenes Ringen statt zwischen den Vertretern britischer Staatsinteressen und den
Verfechtern einer jüdischen Weltdiktatur.
Wie hart diese Gegensätze häufig aufeinanderprallen, konnte man nach dem Kriege zum ersten Male am
klarsten erkennen in der verschiedenen Einstellung der britischen Staatsleitung einerseits und der Presse
andererseits zum japanischen Problem.
Sofort nach Beendigung des Krieges begann die alte gegenseitige Gereiztheit zwischen Amerika und
Japan wieder in Erscheinung zu treten. Natürlich konnten auch die
{722 England und das Judentum}
großen europäischen Weltmächte dieser neuen drohenden Kriegsgefahr gegenüber nicht in
Gleichgültigkeit verharren. Alle verwandtschaftlichen Bindungen vermögen in England dennoch nicht
ein gewisses Gefühl neidischer Besorgtheit gegenüber dem Anwachsen der amerikanischen Union auf
allen Gebieten internationaler Wirtschafts- und Machtpolitik zu verhindern. Aus dem einstigen
Kolonialland, dem Kinde der großen Mutter, scheint eine neue Herrin der Welt zu erstehen. Man
versteht, wenn England heute in sorgenvoller Unruhe seine alten Bündnisse überprüft und die britische
Staatskunst mit Bangen einem Zeitpunkt entgegenstarrt, an dem es nicht mehr heißen wird: "Enland
über den Meeren!", sondern "Die Meere der Union!"Dem gigantischen amerikanischen Staatenkoloß mit
seinen enormen Reichtümern einer jungfräulichen Erde ist schwerer beizukommen als einem
eingezwängten Deutschen Reich. Wenn jemals auch hier die Würfel um die letzte Entscheidung rollen
würden, wäre England, wenn auf sich allein gestellt, dem Verhängnis geweiht. So greift man begierig
nach der gelben Faust und klammert sich an einen Bund, der, rassisch gedacht, vielleicht
unverantwortlich, staatspolitisch jedoch die einzige Möglichkeit einer Stärkung der britischen
Weltstellung gegenüber dem emporstrebenden amerikanischen Kontinent darstellt.
Während sich also die englische Staatsleitung trotz des gemeinsamen Kampfes auf den europäischen
Schlachtfeldern nicht entschließen wollte, den Bund mit dem asiatischen Partner zu lockern, fiel die
gesamte jüdische Presse diesem Bunde in den Rücken.
Wie ist es möglich, daß die jüdischen Organe, bis 1918 die getreuen Schi1dträger des britischen
Kampfes gegen das Deutsche Reich, nun auf einmal Treubruch üben und eigene Wege gehen?Die
Vernichtung Deutschlands war nicht englisches, sondern in erster Linie jüdisches Interesse, genau so
wie auch heute eine Vernichtung Japans weniger britisch-staatlichen Interessen dient, als den weit
ausgreifenden Wünschen der
{723 England und das Judentum}
Leiter des erhofften jüdischen Weltreichs. Während sich England um die Erhaltung seiner Stellung auf
dieser Welt abmüht, organisiert der Jude seinen Angriff zur Eroberung derselben.
Er sieht die heutigen europäischen Staaten bereits als willenlose Werkzeuge in seiner Faust, sei es auf
dem Umweg einer sogenannten westlichen Demokratie oder in der Form der direkten Beherrschung
durch russischen Bolschewismus. Aber nicht nur die Alte Welt hätte er so umgarnt, sondern auch der
Neuen droht das gleiche Schicksal. Juden sind die Regenten der Börsenkräfte der amerikanischen
Union. Jedes Jahr läßt sie mehr zum Kontrollherrn der Arbeitskraft eines Einhundertzwanzig-Millionen-
Volkes aufsteigen; nur ganz wenige stehen auch heute noch, zu ihrem Zorne, ganz unabhängig da.
In gerissener Geschicklichkeit kneten sie die öffentliche Meinung und formen aus ihr das Instrument
eines Kampfes für die eigene Zukunft.
Schon glauben die größten Köpfe der Judenheit die Erfüllung ihres testamentarischen Wahlspruches des
großen Völkerfraßes herannahen zu sehen.
Innerhalb dieser großen Herde entnationalisierter Kolonialgebiete könnte ein einziger unabhängiger
Staat das ganze Werk in letzter Stunde noch zu Fall bringen. Denn eine bolschewisierte Welt vermag
nur zu bestehen, wenn sie alles umfaßt.
Bleibt auch nur ein Staat in seiner nationalen Kraft und Größe erhalten, wird und muß das jüdische
Weltsatrapenreich, wie jede Tyrannei auf dieser Welt, der Kraft des nationalen Gedankens erliegen.
Nun weiß der Jude zu genau, daß er in seiner tausendjährigen Anpassung wohl europäische Völker zu
unterhöhlen und zu geschlechtslosen Bastarden zu erziehen vermag, allein einem asiatischen
Nationalstaat von der Art Japans dieses Schicksal kaum zuzufügen in der Lage wäre. Er vermag heute
den Deutschen und den Engländer, Amerikaner und Franzosen zu mimen, zum gelben Asiaten fehlen
ihm die Brücken. So sucht er den japanischen Nationalstaat
{724 Japan und das Judentum}
noch mit der Kraft ähnlicher Gebilde von heute zu brechen, um sich des gefährlichen Widersachers zu
entledigen, ehe in seiner Faust die letzte staatliche Macht zu einer Despotie über wehrlose Wesen
verwandelt wird.
Er scheut in seinem tausendjährigen Judenreich einen japanischen Nationalstaat und wünscht deshalb
dessen Vernichtung noch vor Begründung seiner eigenen Diktatur.
So hetzt er heute die Völker gegen Japan wie einst gegen Deutschland, und so kann es kommen, daß,
während die britische Staatskunst noch auf das Bündnis mit Japan zu bauen versucht, die britisch
jüdische Presse bereits den Kampf gegen den Bundesgenossen fordert und unter der Proklamation der
Demokratie und unter dem Schlachtruf: "Nieder mit dem japanischen Militarismus und Kaiserismus!"
den Vernichtungskrieg vorbereitet.
So ist der Jude heute in England unbotmäßig geworden.
Der Kampf gegen die jüdische Weltgefahr wird damit auch dort beginnen.
Und wieder hat gerade die nationalsozialistische Bewegung ihre gewaltigste Aufgabe zu erfüllen: Sie
muß dem Volk die Augen öffnen über die fremden Nationen und muß den wahren Feind unserer
heutigen Welt immer und immer wieder in Erinnerung bringen. An Stelle des Hasses gegen Arier, von
denen uns fast alles trennen kann, mit denen uns jedoch gemeinsames Blut oder die große Linie einer
zusammengehörigen Kultur verbindet, muß sie den bösen Feind der Menschheit, als den wirklichen
Urheber allen Leides, dem allgemeinen Zorne weihen.
Sorgen aber muß sie dafür, daß wenigstens in unserem Lande der tödlichste Gegner erkannt und der
Kampf gegen ihn als leuchtendes Zeichen einer lichteren Zeit auch den anderen Völkern den Weg
{725 Unser Kampf gegen den Weltfeind}
weisen möge zum Heil einer ringenden arischen Menschheit.
Im übrigen mag dann die Vernunft unsere Leiterin sein, der Wille unsere Kraft. Die heilige Pflicht, so zu
handeln, gebe uns Beharrlichkeit, und höchster Schirmherr bleibe unser Glaube.
{726}
14. Kapitel:
Ostorientierung oder Ostpolitik
Es sind zwei Gründe, die mich veranlassen, das Verhältnis Deutschlands zu Rußland einer besonderen
Prüfung zu unterziehen: 1. handelt es sich in diesem Falle um die vielleicht entscheidendste
Angelegenheit der deutschen Außenpolitik überhaupt, und2. ist diese Frage auch der Prüfstein für die
politische Fähigkeit der jungen nationalsozialistischen Bewegung, klar zu denken und richtig zu
handeln.
Ich muß gestehen, daß mich besonders der zweite Punkt manches Mal mit banger Sorge erfüllt. Da
unsere junge Bewegung das Material ihrer Anhänger nicht aus dem Lager der Indifferenten holt,
sondern aus meist sehr extremen Weltanschauungen, ist es nur zu natürlich, wenn diese Menschen auch
auf dem Gebiete des außenpolitischen Verständnisses zunächst belastet sind mit den
Voreingenommenheiten oder dem geringen Verständnis der Kreise, denen sie vorher politisch und
weltanschaulich zugerechnet werden mußten. Dabei gilt dies keineswegs nur für den Mann, der von
links zu uns kommt. Im Gegenteil. So schädlich dessen bisherige Belehrung über solche Probleme sein
mochte, so wurde sie in nicht seltenen Fällen, wenigstens teilweise, wieder ausgeglichen durch einen
vorhandenen Rest natürlichen und gesunden Instinktes. Es war dann nur notwendige die frühere
aufgedrungene Beeinflussung durch eine bessere Einstellung zu ersetzen, und man konnte sehr häufig
als besten Verbündeten den noch vorhandenen an sich gesunden Instinkt und Selbsterhaltungstrieb
erkennen.
{727 Voreingenommenheit in außenpolitischen Fragen}
Viel schwerer ist es dagegen, einen Menschen zum klaren politischen Denken zu bestimmen, dessen
bisherige Erziehung auf dem Gebiete nicht minder bar jeder Vernunft und Logik war, der aber zu allem
auch den legten Rest natürlichen Instinktes auf dem Altar der Objektivität geopfert hatte. Gerade die
Angehörigen unserer sogenannten Intelligenz sind am schwersten zu einer wirklich klaren und logischen
Vertretung ihrer Interessen und, der Interessen ihres Volkes nach außen zu bewegen. Sie sind nicht nur
belastet mit einem förmlichen Bleigewicht unsinnigster Vorstellungen und Voreingenommenheiten,
sondern haben zu allem Überfluß außerdem noch jeden gesunden Trieb zur Selbsterhaltung verloren und
aufgegeben. Auch die nationalsozialistische Bewegung hat mit diesen Menschen schwere Kämpfe zu
bestehen, schwer deshalb, weil sie leider trotz vollkommenen Unvermögens nicht selten von einer
außerordentlichen Einbildung besessen sind, die sie auf andere, meistens sogar gesündere Menschen
ohne jede innere Berechtigung von oben herabblicken läßt. Hochnäsig-arrogante Besserwisser ohne alle
Fähigkeit kühlen Prüfens und Wägens, die aber als Voraussetzung jedes außenpolitischen Wollens und
Tuns angesehen werden muß.
Da gerade diese Kreise heute beginnen, die Zielrichtung unserer Außenpolitik in der unseligsten Weise
von einer wirklichen Vertretung völkischer Interessen unseres Volkes abzudrehen, um sie statt dessen in
den Dienst ihrer phantastischen Ideologie zu stellen, fühle ich mich verpflichtet, vor meinen Anhängern
die wichtigste außenpolitische Frage, nämlich das Verhältnis zu Rußland, besonders und so gründlich zu
behandeln, als dies zum allgemeinen Verständnis nötig und im Rahmen eines solchen Werkes möglich
ist.
Ich will dabei im allgemeinen noch folgendes vorausschicken: Wenn wir unter Außenpolitik die
Regelung des Verhältnisses eines Volkes zur übrigen Welt zu verstehen haben, so wird die Art der
Regelung durch ganz bestimmte Tatsachen bedingt werden. Als Nationalsozialisten können
{728 Bedeutung der Grundfläche des Staates}
wir weiter über das Wesen der Außenpolitik eines völkischen Staates folgenden Satz aufstellen: Die
Außenpolitik des völkischen Staates hat die Existenz der durch den Staat zusammengefaßten Rasse auf
diesem Planeten sicherzustellen, indem sie zwischen der Zahl und dem Wachstum des Volkes einerseits
und der Größe und Güte des Grund und Bodens andererseits ein gesundes, lebensfähiges, natürliches
Verhältnis schafft.
Als gesundes Verhältnis darf dabei immer nur jener Zustand angesehen werden, der die Ernährung eines
Volkes auf eigenem Grund und Boden sichert. Jeder andere Zustand, mag er auch Jahrhunderte, ja selbst
Jahrtausende andauern, ist nichtsdestoweniger ein ungesunder und wird früher oder später zu einer
Schädigung, wenn nicht zur Vernichtung des betreffenden Volkes führen.
Nur ein genügend großer Raum auf dieser Erde sichert einem Volke die Freiheit des Daseins.
Dabei kann man die notwendige Größe des Siedlungsgebietes nicht ausschließlich von den
Erfordernissen der Gegenwart aus beurteilen, ja nicht einmal von der Größe des Bodenertrages,
umgerechnet auf die Zahl des Volkes. Denn, wie ich schon im ersten Band unter "Deutsche
Bündnispolitik vor dem Kriege" ausführte, kommt der Grundfläche eines Staates außer ihrer Bedeutung
als direkter Nährquelle eines Volkes auch noch eine andere, die militärpolitische, zu. Wenn ein Volk in
der Größe seines Grund und Bodens seine Ernährung an sich gesichert hat, so ist es dennoch notwendig,
auch noch die Sicherstellung des vorhandenen Bodens selbst zu bedenken. Sie liegt in der allgemeinen
machtpolitischen Stärke des Staates, die wieder nicht wenig durch militärgengraphische Gesichtspunkte
bestimmt wird.
So wird das deutsche Volk seine Zukunft nur als Welt-
{729 Raumgröße und Weltmacht}
macht vertreten können. Durch fast zweitausend Jahre war die Interessenvertretung unseres Volkes, wie
wir unsere mehr oder minder glückliche außenpolitische Betätigung bezeichnen sollten, Weltgeschichte.
Wir selbst sind Zeugen dessen gewesen: denn das gigantische Völkerringen der Jahre 1914 bis 1918 war
nur das Ringen des deutschen Volkes um seine Existenz auf dem Erdball, die Art des Vorganges selbst
bezeichnen wir aber als Weltkrieg.
In diesen Kampf schritt das deutsche Volk als vermeintliche Weltmacht. Ich sage hier vermeintliche,
denn in Wirklichkeit war es keine. Würde das deutsche Volk im Jahre 1914 ein anderes Verhältnis
zwischen Bodenfläche und Volkszahl gehabt haben, so wäre Deutschland wirklich Weltmacht gewesen,
und der Krieg hätte, von allen anderen Faktoren abgesehen, günstig beendet werden können.
Es ist hier nicht meine Aufgabe oder auch nur meine Absicht, auf das "Wenn" hinzuweisen, falls das
"Aber" nicht gewesen wäre. Wohl empfinde ich es jedoch als unbedingte Notwendigkeit, den
bestehenden Zustand ungeschminkt und nüchtern darzulegen, auf seine beängstigenden Schwächen
hinzuweisen, um wenigstens in den Reihen der nationalsozialistischen Bewegung die Einsicht in das
Notwendige zu vertiefen.
Deutschland ist heute keine Weltmacht. Selbst wenn unsere augenblickliche militärische Ohnmacht
überwunden würde, hätten wir doch auf diesen Titel keinerlei Anspruch mehr. Was bedeutet heute auf
dem Planeten ein Gebilde, das in seinem Verhältnis von Volkszahl zur Grundfläche so jämmerlich
beschaffen ist wie das derzeitige Deutsche Reich? In einem Zeitalter, in dem allmählich die Erde in den
Besitz von Staaten aufgeteilt wird, von denen manche selbst nahezu Kontinente umspannen, kann man
nicht von Weltmacht bei einem Gebilde reden, dessen politisches Mutterland auf die lächerliche
Grundfläche von kaum fünfhunderttausend Quadratkilometer beschränkt ist.
Rein territorial angesehen, verschwindet der Flächeninhalt des Deutschen Reiches vollständig gegenüber
fremder sogenannten Weltmächte. Man führe ja nicht England als Gegenbeweis an, denn das englische
Mutterland ist wirk-
{730 Französische und deutsche Kolonialpolitik}
lich nur die große Hauptstadt des britischen Weltreiches, das fast ein Viertel der ganzen Erdoberfläche
sein eigen nennt. Weiter müssen wir als Riesenstaaten in erster Linie die amerikanische Union, sodann
Rußland und China ansehen. Lauter Raumgebilde von zum Teil mehr als zehnfach größerer Fläche als
das derzeitige Deutsche Reich. Und selbst Frankreich muß unter diese Staaten gerechnet werden. Nicht
nur, daß es in immer größerem Umfang aus den farbigen Menschenbeständen seines Riesenreiches das
Heer ergänzt, macht es auch rassisch in seiner Vernegerung so rapide Fortschritte, daß man tatsächlich
von einer Entstehung eines afrikanischen Staates auf europäischem Boden reden kann. Die
Kolonialpolitik des heutigen Frankreichs ist nicht zu vergleichen mit der des vergangenen Deutschlands.
Würde sich die Entwicklung Frankreichs im heutigen Stile noch dreihundert Jahre fortsetzen, so wären
die letzten fränkischen Blutsreste in dem sich bildenden europa-afrikanischen Mulattenstaat
untergegangen. Ein gewaltiges, geschlossenes Siedlungsgebiet vom Rhein bis zum Kongo, erfüllt von
einer aus dauernder Bastardierung langsam sich bildenden niederen Rasse.
Das unterscheidet die französische Kolonialpolitik von der alten deutschen.
Die einstige deutsche Kolonialpolitik war halb, wie alles, was wir taten. Sie hat weder das
Siedlungsgebiet der deutschen Rasse vergrößert, noch hat sie den — wenn auch verbrecherischen —
Versuch unternommen, durch den Einsatz von schwarzem Blut eine Machtstärkung des Reiches
herbeizuführen. Die Askari in Deutsch-Ostafrika waren ein kleiner, zögernder Schritt auf diesem Wege.
Tatsächlich dienten sie nur zur Verteidigung der Kolonie selbst. Der Gedanke, schwarze Truppen auf
einen europäischen Kriegsschauplatz zu bringen, war, ganz abgesehen von der tatsächlichen
Unmöglichkeit im Weltkrieg, auch als eine unter günstigeren Umständen zu verwirklichende Absicht
nie vorhanden gewesen, während er, umgekehrt, bei den Franzosen von jeher als innere Begründung
ihrer kolonialen Betätigung angesehen und empfunden wurde.
{731 Geschichtliche Mission des Nationalsozialismus}
So sehen wir heute auf der Erde eine Anzahl von Machtstaaten, die nicht nur in ihrer Volkszahl zum
Teil weit über die Stärke unseres deutschen Volkes hinausschießen, sondern die vor allem in ihrer
Grundfläche die größte Stütze ihrer politischen Machtstellung besitzen. Noch nie war, an Grundfläche
und Volkszahl gemessen, das Verhältnis des Deutschen Reiches zu anderen in die Erscheinung tretenden
Weltstaaten so ungünstig wie zu Beginn unserer Geschichte vor zweitausend Jahren und dann wieder
heute. Damals traten wir als junges Volk stürmend in eine Welt zerfallender großer Staatengebilde,
deren letzten Riesen, Rom, wir selbst mithalfen, zur Strecke zu bringen. Heute befinden wir uns in einer
Welt von sich bildenden großen Machtstaaten, in der unser eigenes Reich immer mehr zur
Bedeutungslosigkeit herabsinkt.
Es ist notwendig, daß wir uns diese bittere Wahrheit kühl und nüchtern vor Augen halten. Es ist
notwendig, daß wir das Deutsche Reich nach Volkszahl und Flächeninhalt in seinem Verhältnis zu
anderen Staaten durch die Jahrhunderte hindurch verfolgen und vergleichen. Ich weiß, daß dann jeder
mit Bestürzung zu dem Resultat kommen wird, welches ich eingangs dieser Betrachtung schon
aussprach: Deutschland ist keine Weltmacht mehr, gleichgültig, ob es militärisch stark oder schwach
dasteht.

Wir sind außer jedem Verhältnis zu den anderen großen Staaten der Erde geraten, und dies nur dank der
geradezu verhängnisvollen außenpolitischen Leitung unseres Volkes, dank völligen Fehlens einer, ich
möchte fast sagen testamentarischen Festlegung auf ein bestimmtes außenpolitisches Ziel und dank des
Verlustes jedes gesunden Instinktes und Triebes zur Selbsterhaltung.
Wenn die nationalsozialistische Bewegung wirklich die Weihe einer großen Mission für unser Volk vor
der Geschichte erhalten will, muß sie, durchdrungen von der Erkenntnis und erfüllt vom Schmerz über
seine wirkliche Lage auf dieser Erde,
{732 Geschichtliche Mission des Nationalsozialismus}
kühn und zielbewußt den Kampf aufnehmen gegen die Ziellosigkeit und Unfähigkeit, die bisher unser
deutsches Volk auf seinen außenpolitischen Wegen leiteten. Sie muß dann, ohne Rücksicht auf
"Traditionen" und Vorurteile, den Mut finden, unser Volk und seine Kraft zu sammeln zum Vormarsch
auf jener Straße, die aus der heutigen Beengtheit des Lebensraumes dieses Volk hinausführt zu neuem
Grund und Boden und damit auch für immer von der Gefahr befreit, auf dieser Erde zu vergehen oder
als Sklavenvolk die Dienste anderer besorgen zu müssen.
Die nationalsozialistische Bewegung muß versuchen, das Mißverhältnis zwischen unserer Volkszahl
und unserer Bodenfläche — diese als Nährquelle sowohl wie auch als machtpolitischer Stützpunkt
angesehen —, zwischen unserer historischen Vergangenheit und der Aussichtslosigkeit unserer
Ohnmacht in der Gegenwart zu beseitigen. Sie muß sich dabei bewußt bleiben, daß wir als Wahrer
höchsten Menschentums auf dieser Erde auch an eine höchste Verpflichtung gebunden sind, und sie
wird um so mehr dieser Verpflichtung zu genügen vermögen, je mehr sie dafür sorgt, daß das deutsche
Volk rassisch zur Besinnung gelangt und sich außer der Zucht von Hunden, Pferden und Katzen auch
des eigenen Blutes erbarmt.
×
Wenn ich die bisherige deutsche Außenpolitik als ziellos und unfähig bezeichne, so liegt der Beweis für
meine Behauptung im tatsächlichen Versagen dieser Politik. Wäre unser Volk geistig minderwertig oder
feige gewesen, so könnten die Ergebnisse seines Ringens auf der Erde nicht schlimmere sein, als wir sie
heute vor uns sehen. Auch die
{733 Die bleibenden Früchte tausendjähriger Politik}
Entwicklung der letzten Jahrzehnte vor dem Kriege darf uns darüber nicht hinwegtäuschen; denn man
kann nicht die Stärke eines Reiches an ihm selbst messen, sondern nur auf dem Wege des Vergleiches
mit anderen Staaten. Gerade ein solcher Vergleich liefert aber den Beweis, daß die Stärkezunahme
anderer Staaten nicht nur eine gleichmäßigere, sondern auch in der Endwirkung eine größere war; daß
also der Weg Deutschlands, trotz allem scheinbaren Aufstieg, in Wahrheit sich von dem der anderen
Staaten mehr und mehr entfernte und weit zurückblieb, kurz, der Größenunterschied zu unseren
Ungunsten sich erweiterte. Ja, selbst der Volkszahl nach blieben wir, je länger, desto mehr, zurück. Da
nun unser Volk an Heldentum bestimmt von keinem anderen der Erde übertroffen wird, ja, alles in allem
genommen, für die Erhaltung seines Daseins sicherlich den größten Bluteinsatz von allen Völkern der
Erde gab, kann der Mißerfolg nur in der verfehlten Art des Einsatzes liegen.
Wenn wir in diesem Zusammenhang die politischen Erlebnisse unseres Volkes seit über tausend Jahren
überprüfen, alle die zahllosen Kriege und Kämpfe vor unseren Augen vorüberziehen lassen, und das
durch sie geschaffene, heute vor uns liegende Endresultat untersuchen, so werden wir gestehen müssen,
daß aus diesem Blutmeer eigentlich nur drei Erscheinungen hervorgegangen sind, die wir als bleibende
Früchte klar bestimmter außenpolitischer und überhaupt politischer Vorgänge ansprechen dürfen: 1. die
hauptsächlich von Bajuwaren betätigte Kolonisation der Ostmark, 2. die Erwerbung und Durchdringung
des Gebietes östlich der Elbe, und 3. die von den Hohenzollern betätigte Organisation des
brandenburgisch-preußischen Staates als Vorbild und Kristallisationskern eines neuen Reiches.
Eine lehrreiche Warnung für die Zukunft! Jene beiden ersten großen Erfolge unserer Außenpolitik sind
die dauerhaftesten geblieben. Ohne sie würde unser Volk heute überhaupt keine Rolle mehr spielen. Sie
waren
{734 Die bleibenden Früchte tausendjähriger Politik}
der erste, leider aber auch der einzige gelungene Versuch, die steigende Volkszahl in Einklang zu
bringen mit der Größe an Grund und Boden. Und es muß als wahrhaft verhängnisvoll angesehen
werden, daß unsere deutsche Geschichtsschreibung diese beiden weitaus gewaltigsten und für die
Nachwelt bedeutungsvollsten Leistungen nie richtig zu würdigen verstand, demgegenüber aber alles
mögliche verherrlicht, phantastisches Heldentum, zahllose abenteuerliche Kämpfe und Kriege
bewundernd preist, anstatt endlich zu erkennen, wie bedeutungslos für die große Entwicklungslinie der
Nation die meisten dieser Ereignisse gewesen sind.
Der dritte große Erfolg unserer politischen Tätigkeit liegt in der Bildung des preußischen Staates und der
durch ihn herbeigeführten Züchtung eines besonderen Staatsgedankens sowie des der modernen Welt
angepaßten, in organisierte Form gebrachten Selbsterhaltungs- und Selbstverteidigungstriebes des
deutschen Heeres. Die Umstellung des Wehrgedankens des einzelnen zur Wehrpflicht der Nation ist
diesem Staatsgebilde und seiner neuen Staatsauffassung entsprossen. Die Bedeutung dieses Vorgangs
kann gar nicht überschätzt werden. Gerade das durch seine blutsmäßige Zerrissenheit
überindividualistisch zersetzte deutsche Volk erhielt auf dem Wege der Disziplinierung durch den
preußischen Heeresorganismus wenigstens einen Teil der ihm längst abhanden gekommenen
Organisationsfähigkeit zurück. Was bei den andern Völkern im Trieb ihrer Herdengemeinschaft noch
ursprünglich vorhanden ist, erhielten wir, wenigstens teilweise, durch den Prozeß der militärischen
Ausbildung künstlich für unsere Volksgemeinschaft wieder zurück. Daher ist auch die Beseitigung der
allgemeinen Wehrpflicht — die für Dutzende anderer Völker belanglos sein könnte — für uns von der
folgenschwersten Bedeutung. Zehn deutsche Generationen ohne korrigierende und erziehende
militärische Ausbildung, den üblen Wirkungen ihrer blutsmäßigen und dadurch weltanschaulichen
Zerrissenheit überlassen — und unser Volk hätte wirklich den letzten Rest einer selbständigen Existenz
auf diesem
{735 Keinen Hurra-Patriotismus!}
Planeten verloren. Der deutsche Geist könnte nur im Einzelmenschen im Schoße fremder Nationen
seinen Beitrag zur Kultur leisten, ohne auch nur in seinem Ursprung erkannt zu werden. Kulturdünger so
lange, bis der letzte Rest arisch-nordischen Blutes in uns verdorben oder ausgelöscht sein würde.
Es ist bemerkenswert, daß die Bedeutung dieser wirklichen politischen Erfolge, die unser Volk in seinen
mehr als tausendjährigen Kämpfen davontrug, von unseren Gegnern weit besser begriffen und
gewürdigt wird als von uns selbst. Wir schwärmen auch heute noch von einem Heroismus, der unserem
Volke Millionen seiner edelsten Blutträger raubte, im Endergebnis jedoch vollkommen unfruchtbar
blieb.
Die Auseinanderhaltung der wirklichen politischen Erfolge unseres Volkes und des für unfruchtbare
Zwecke eingesetzten nationalen Blutes ist von höchster Bedeutung für unser Verhalten in der Gegenwart
und in der Zukunft.
Wir Nationalsozialisten dürfen nie und nimmer in den üblichen Hurra-Patriotismus unserer heutigen
bürgerlichen Welt einstimmen. Insbesondere ist es todgefährlich, die letzte Entwicklung vor dem Kriege
als auch nur im geringsten bindend für unseren eigenen Weg anzusehen. Aus der ganzen geschichtlichen
Periode des neunzehnten Jahrhunderts kann für uns nicht eine einzige Verpflichtung gefolgert werden,
die in dieser Periode selbst begründet läge. Wir haben uns, im Gegensatz zum Verhalten der
Repräsentanten dieser Zeit, wieder zur Vertretung des obersten Gesichtspunktes jeder Außenpolitik zu
bekennen, nämlich: den Boden in Einklang zu bringen mit der Volkszahl. Ja, wir können aus der
Vergangenheit nur lernen, daß wir die Zielsetzung für unser politisches Handeln in doppelter Richtung
vorzunehmen haben: Grund und Boden als Ziel unserer Außenpolitik und ein neues,
{736 Der Ruf nach den alten Grenzen}
weltanschaulich gefestigtes, einheitliches Fundament als Ziel politischen Handelns im Innern.
×
Ich will noch kurz Stellung nehmen zur Frage, inwiefern die Forderung nach Grund und Boden sittlich
und moralisch berechtigt erscheint. Es ist dies notwendig, da leider selbst in den sogenannten völkischen
Kreisen alle möglichen salbungsvollen Schwätzer auftreten, die sich bemühen, dem deutschen Volk als
Ziel seines außenpolitischen Handelns die Wiedergutmachung des Unrechts von 1918 vorzuzeichnen,
darüber hinaus jedoch die ganze Welt der völkischen Brüderlichkeit und Sympathie zu versichern für
nötig halten.
Vorwegnehmen möchte ich dabei folgendes: Die Forderung nach Wiederherstellung der Grenzen des
Jahres 1914 ist ein politischer Unsinn von Ausmaßen und Folgen, die ihn als Verbrechen erscheinen
lassen. Ganz abgesehen davon, daß die Grenzen des Reiches im Jahre 1914 alles andere eher als
logische waren. Denn sie waren in Wirklichkeit weder vollständig in bezug auf die Zusammenfassuug
der Menschen deutscher Nationalität noch vernünftig in Hinsicht auf ihre militärgeographische
Zweckmäßigkeit. Sie waren nicht das Ergebnis eines überlegten politischen Handelns, sondern
Augenblicksgrenzen eines in keinerlei Weise abgeschlossenen politischen Ringens, ja zum Teil Folgen
eines Zufallsspieles. Man könnte mit demselben Recht und in vielen Fällen mit mehr Recht irgendein
anderes Stichjahr der deutschen Geschichte herausgreifen, um in der Wiederherstellung der damaligen
Verhältnisse das Ziel einer außenpolitischen Betätigung zu erklären. Obige Forderung entspricht aber
ganz unserer bürgerlichen Welt, die auch hier nicht
{737 Der Ruf nach den alten Grenzen}
einen einzigen tragenden politischen Gedanken für die Zukunft besitzt, vielmehr nur in der
Vergangenheit lebt, und zwar in der allernächsten; denn selbst der Blick nach rückwärts reicht nicht über
ihre eigene Zeit hinaus. Das Gesetz der Trägheit bindet sie an einen gegebenen Zustand, läßt sie
Widerstand leisten gegen jegliche Veränderung desselben, ohne jedoch die Aktivität dieser Gegenwehr
jemals über das nackte Beharrungsvermögen zu steigern. So ist es selbstverständlich, daß der politische
Horizont dieser Leute über die Grenze des Jahres 1914 nicht hinausreicht. Indem sie aber die
Wiederherstellung jener Grenzen als das politische Ziel ihres Handelns proklamieren, verbinden sie stets
aufs neue den zerfallenden Bund unserer Gegner. Nur so ist es erklärlich, daß acht Jahre nach einem
Weltringen, an dem Staaten mit teilweise heterogensten Wünschen und Zielen teilnahmen, noch immer
die Koalition der damaligen Sieger sich in mehr oder weniger geschlossener Form zu halten vermag.
Alle diese Staaten waren seinerzeit Nutznießer am deutschen Zusammenbruch. Die Furcht vor unserer
Stärke ließ damals den Geiz und Neid der einzelnen Großen untereinander zurücktreten. Sie sahen in
einer möglichst allgemein durchgeführten Beerbung unseres Reiches den besten Schutz gegen eine
kommende Erhebung. Das schlechte Gewissen und die Angst vor der Kraft unseres Volkes ist der
dauerhafteste Kitt, die einzelnen Glieder dieses Bundes auch heute noch zusammenzuhalten.
Und wir täuschen sie nicht. Indem unsere bürgerliche Welt die Wiederherstellung der Grenzen vom
Jahre 1914 als politisches Programm für Deutschland aufstellt, scheucht sie jeden etwa aus dem Bunde
unserer Feinde springen wollenden Partner wieder zurück, da dieser Angst haben muß, isoliert
angegriffen zu werden und dadurch des Schutzes der einzelnen Mitverbündeten verlustig zu gehen.
Jeder einzelne Staat fühlt sich durch jene Parole betrogen und bedroht.
Dabei ist sie in zweifacher Hinsicht unsinnig: 1. weil die Machtmittel fehlen, um sie aus dem Dunst der
Vereinsabende in die Wirklichkeit umzusetzen, und
{738 Der Ruf nach den alten Grenzen}
2. weil, wenn sie sich auch verwirklichen ließe, das Ergebnis doch wieder so erbärmlich wäre, daß es
sich, wahrhaftiger Gott, nicht lohnen würde, dafür erneut das Blut unseres Volkes einzusetzen.
Denn daß auch die Wiederherstellung der Grenzen des Jahres 1914 nur mit Blut zu erreichen wäre,
dürfte kaum für irgend jemand fraglich erscheinen. Nur kindlich-naive Geister mögen sich in dem
Gedanken wiegen, auf Schleich- und Bettelwegen eine Korrektur von Versailles herbeiführen zu
können. Ganz abgesehen davon, daß ein solcher Versuch eine Talleyrand-Natur voraussehen würde, die
wir nicht besitzen. Die eine Hälfte unserer politischen Existenzen besteht aus sehr geriebenen, aber
ebenso charakterlosen und überhaupt unserem Volke feindlich gesinnten Elementen, während die andere
sich aus gutmütigen, harmlosen und willfährigen Schwachköpfen zusammensetzt. Zudem haben sich die
Zeiten seit dem Wiener Kongresse geändert: Nicht Fürsten und fürstliche Mätressen schachern und
feilschen um Staatsgrenzen, sondern der unerbittliche Weltjude kämpft für seine Herrschaft über die
Völker. Kein Volk entfernt diese Faust anders von seiner Gurgel als durch das Schwert. Nur die
gesammelte konzentrierte Stärke einer kraftvoll sich aufbäumenden nationalen Leidenschaft vermag der
internationalen Völkerversklavung zu trotzen. Ein solcher Vorgang ist und bleibt aber ein blutiger.
Wenn man jedoch der Überzeugung huldigt, daß die deutsche Zukunft, so oder so, den höchsten Einsatz
erfordert, muß man, ganz abgesehen von allen Erwägungen politischer Klugheit an sich, schon um
dieses Einsatzes willen ein dessen würdiges Ziel aufstellen und verfechten. Die Grenzen des Jahres 1914
bedeuten für die Zukunft der deutschen Nation gar nichts. In ihnen lag weder ein Schutz der
Vergangenheit, noch läge in ihnen eine Stärke für die Zukunft. Das deutsche Volk wird durch sie weder
seine innere Geschlossenheit erhalten, noch wird seine Ernährung durch sie sichergestellt, noch
erscheinen diese
{739 Außenpolitisches Ziel des Nationalsozialismus}
Grenzen, vom militärischen Gesichtspunkt aus betrachtet, als zweckmäßig oder auch nur befriedigend,
noch können sie endlich das Verhältnis bessern, in dem wir uns zur Zeit den anderen Weltmächten oder,
besser gesagt, den wirklichen Weltmächten gegenüber befinden. Der Abstand von England wird nicht
verkürzt, die Größe der Union nicht erreicht; ja, nicht einmal Frankreich würde eine wesentliche
Schmälerung seiner weltpolitischen Bedeutung erfahren.
Nur eines wäre sicher: Selbst bei günstigem Erfolge würde ein solcher Versuch der Wiederherstellung
der Grenzen von 1914 zu einer weiteren Ausblutung unseres Volkskörpers führen in einem Umfange,
daß für die das Leben und die Zukunft der Nation wirklich sichernden Entschlüsse und Taten kein
wertvoller Bluteinsatz mehr vorhanden wäre. Im Gegenteil, im Rausche eines solchen seichten Erfolges
würde man auf jede weitere Zielsetzung um so lieber verzichten, als die "nationale Ehre" ja repariert und
der kommerziellen Entwicklung, wenigstens bis auf weiteres, wieder einige Tore geöffnet wären.
Demgegenüber müssen wir Nationalsozialisten unverrückbar an unserem außenpolitischen Ziele
festhalten, nämlich dem deutschen Volk den ihm gebührenden Grund und Boden auf dieser Erde zu
sichern. Und diese Aktion ist die einzige, die vor Gott und unserer deutschen Nachwelt einen
Bluteinsatz gerechtfertigt erscheinen läßt: Vor Gott, insofern wir auf diese Welt gesetzt sind mit der
Bestimmung des ewigen Kampfes um das tägliche Brot, als Wesen, denen nichts geschenkt wird, und
die ihre Stellung als Herren der Erde nur der Genialität und dem Mute verdanken, mit dem sie sich diese
zu erkämpfen und zu wahren wissen; vor unserer deutschen Nachwelt aber, insofern wir keines Bürgers
Blut vergossen, aus dem nicht tausend andere der Nachwelt geschenkt werden. Der Grund und Boden,
auf dem dereinst deutsche Bauerngeschlechter kraftvolle Söhne zeugen können, wird die Billigung des
Einsatzes der Söhne von heute zulassen, die verantwortlichen Staatsmänner aber, wenn
{740 Keine Sentimentalität in der Außenpolitik}
auch von der Gegenwart verfolgt, dereinst freisprechen von Blutschuld und Volksopferung.
Ich muß mich dabei schärfstens gegen jene völkischen Schreiberseelen wenden, die in einem solchen
Bodenerwerb eine "Verletzung heiliger Menschenrechte" zu erblicken vorgeben und demgemäß ihr
Geschreibsel dagegen ansetzen. Man weiß ja nie, wer hinter einem solchen Burschen steckt. Sicher ist
nur, daß die Verwirrung, die sie anzurichten vermögen, den Feinden unseres Volkes erwünscht und
gelegen kommt. Durch eine solche Haltung helfen sie frevelhaft mit, unserem Volke von innen heraus
den Willen für die einzig richtige Art der Vertretung seiner Lebensnotwendigkeiten zu schwächen und
zu beseitigen. Denn kein Volk besitzt auf dieser Erde auch nur einen Quadratmeter Grund und Boden
auf höheren Wunsch und laut höherem Recht. So wie Deutschlands Grenzen Grenzen des Zufalls sind
und Augenblicksgrenzen im jeweiligen politischen Ringen der Zeit, so auch die Grenzen der
Lebensräume der anderen Völker. Und so, wie die Gestaltung unserer Erdoberfläche nur dem
gedankenlosen Schwachkopf als graniten unveränderlich erscheinen mag, in Wahrheit aber nur für jede
Zeit einen scheinbaren Ruhepunkt in einer laufenden Entwicklung darstellt, geschaffen in dauerndem
Werden durch die gewaltigen Kräfte der Natur, um vielleicht schon morgen durch größere Kräfte
Zerstörung oder Umbildung zu erfahren, so auch im Völkerleben die Grenzen der Lebensräume.
Staatsgrenzen werden durch Menschen geschaffen und durch Menschen geändert.
Die Tatsache des Gelingens eines unmäßigen Bodenerwerbs durch ein Volk ist keine höhere
Verpflichtung zur ewigen Anerkennung desselben. Sie beweist höchstens die Kraft der Eroberer und die
Schwäche der Dulder. Und nur in dieser Kraft allein liegt dann das Recht. Wenn das deutsche Volk
heute, auf unmöglicher Grundfläche zusammengepfercht, einer jämmerlichen Zukunft entgegengeht, so
ist dies ebensowenig ein Gebot des Schicksals, wie ein Auflehnen dagegen eine Brüskierung desselben
darstellt.
{741 Keine Sentimentalität in der Außenpolitik}
Genau so wenig wie etwa eine höhere Macht einem anderen Volke mehr Grund und Boden als dem
deutschen zugesprochen hat oder durch die Tatsache dieser ungerechten Bodenverteilung beleidigt wird.
So wie unsere Vorfahren den Boden, auf dem wir heute leben, nicht vom Himmel geschenkt erhielten,
sondern durch Lebenseinsatz erkämpfen mußten, so wird auch uns in Zukunft den Boden und damit das
Leben für unser Volk keine göttliche Gnade zuweisen, sondern nur die Gewalt eines siegreichen
Schwertes.
So sehr wir heute auch alle die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit Frankreich erkennen, so
wirkungslos bliebe sie in der großen Linie, wenn sich in ihr unser außenpolitisches Ziel erschöpfen
würde. Sie kann und wird nur Sinn erhalten, wenn sie die Rückendeckung bietet für eine Vergrößerung
des Lebensraumes unseres Volkes in Europa. Denn nicht in einer kolonialen Erwerbung haben wir die
Lösung dieser Frage zu erblicken, sondern ausschließlich im Gewinn eines Siedlungsgebietes, das die
Grundfläche des Mutterlandes selbst erhöht und dadurch nicht nur die neuen Siedler in innigster
Gemeinschaft mit dem Stammland erhält, sondern der gesamten Raummenge jene Vorteile sichert, die
in ihrer vereinten Größe liegen.
Die völkische Bewegung hat nicht der Anwalt anderer Völker, sondern der Vorkämpfer des eigenen
Volkes zu sein. Andernfalls ist sie überflüssig und hat vor allem gar kein Recht, über die Vergangenheit
zu maulen. Denn dann handelt sie wie diese. So wie die alte deutsche Politik zu Unrecht von
dynastischen Gesichtspunkten bestimmt wurde, so wenig darf die künftige von völkischen
Allerweltsgefühlsduseleien geleitet werden. Insbesondere aber sind wir nicht der Schutzpolizist der
bekannten "armen, kleinen Völker", sondern Soldaten unseres eigenen.
Wir Nationalsozialisten haben jedoch noch weiter zu gehen: Das Recht auf Grund und Boden kann zur
Pflicht werden, wenn ohne Bodenerweiterung ein großes Volk dem Untergang geweiht erscheint. Noch
ganz besonders dann, wenn es sich dabei nicht um ein x-beliebiges Neger-
{742 Wiederaufnahme der Ostland-Politik }
völkchen handelt, sondern um die germanische Mutter all des Lebens, das der heutigen Welt ihr
kulturelles Bild gegeben hat. Deutschland wird entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein. Zur
Weltmacht aber braucht es jene Größe, die ihm in der heutigen Zeit die notwendige Bedeutung und
seinen Bürgern das Leben gibt.
×
Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer
Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen
Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten.
Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur
Bodenpolitik der Zukunft.
Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an
Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken.
Das Schicksal selbst scheint uns hier einen Fingerzeig geben zu wollen. Indem es Rußland dem
Bolschewismus überantwortete, raubte es dem russischen Volke jene Intelligenz, die bisher dessen
staatlichen Bestand herbeiführte und garantierte. Denn die Organisation eines russischen Staatsgebildes
war nicht das Ergebnis der staatspolitischen Fähigkeiten des Slawentums in Rußland, sondern vielmehr
nur ein wundervolles Beispiel für die staatenbildende Wirksamkeit des germanischen Elementes in einer
minderwertigen Rasse. So sind zahlreiche mächtige Reiche der Erde geschaffen worden. Niedere Völker
mit germanischen Organisatoren und Herren als Leiter derselben sind öfter als einmal zu gewaltigen
Staatengebilden angeschwollen und blieben bestehen, solange der rassische Kern der bildenden
Staatsrasse sich erhielt. Seit Jahrhunderten zehrte
743 Wiederaufnahme der Ostland-Politik
Rußland von diesem germanischen Kern seiner oberen leitenden Schichten. Er kann heute als fast restlos
ausgerottet und ausgelöscht angesehen werden. An seine Stelle ist der Jude getreten. So unmöglich es
dem Russen an sich ist, aus eigener Kraft das Joch der Juden abzuschütteln, so unmöglich ist es dem
Juden, das mächtige Reich auf die Dauer zu erhalten. Er selbst ist kein Element der Organisation,
sondern ein Ferment der Dekomposition. Das Riesenreich im Osten ist reif zum Zusammenbruch. Und
das Ende der Judenherrschaft in Rußland wird auch das Ende Rußlands als Staat sein. Wir sind vom
Schicksal ausersehen, Zeugen einer Katastrophe zu werden, die die gewaltigste Bestätigung für die
Richtigkeit der völkischen Rassentheorie sein wird.
Unsere Aufgabe, die Mission der nationalsozialistischen Bewegung, aber ist, unser eigenes Volk zu
jener politischen Einsicht zu bringen, daß es sein Zukunftsziel nicht im berauschenden Eindruck eines
neuen Alexanderzuges erfüllt sieht, sondern vielmehr in der emsigen Arbeit des deutschen Pfluges, dem
das Schwert nur den Boden zu geben hat.
Daß das Judentum einer solchen Politik gegenüber die schärfsten Widerstände ankündigt, ist
selbstverständlich. Es fühlt besser als irgend jemand anders die Bedeutung dieses Handelns für seine
eigene Zukunft. Gerade diese Tatsache sollte alle wirklich national gesinnten Männer über die
Richtigkeit einer solchen Neuorientierung belehren. Leider aber ist das Gegenteil der Fall. Nicht nur in
deutsch-nationalen, sondern sogar in "völkischen" Kreisen sagt man dem Gedanken solcher Ostpolitik
heftigste Fehde an, wobei man sich, wie fast immer bei ähnlichen Gelegenheiten, auf einen Größeren
beruft. Bismarcks Geist wird zitiert, um eine Politik zu decken, die ebenso unsinnig wie unmöglich und
für das deutsche Volk im höchsten Grade schädlich ist.
{744 Bismarcks Rußlandpolitik }
Bismarck habe einst selbst immer Wert auf gute Beziehungen zu Rußland gelegt. Das ist unbedingt
richtig. Allein man vergißt dabei ganz, zu erwähnen, daß er ebenso großen Wert auf gute Beziehungen
zum Beispiel zu Italien legte, ja, daß derselbe Herr von Bismarck sich einst mit Italien verband, um
Österreich besser erledigen zu können. Warum setzt man denn nicht diese Politik ebenfalls fort? "Weil
das Italien von heute nicht das Italien von damals ist", wird man sagen. Gut. Aber dann, verehrte
Herrschaften, erlauben Sie den Einwand, daß das heutige Rußland auch nicht mehr das Rußland von
damals ist. Es ist Bismarck niemals eingefallen, einen politischen Weg taktisch prinzipiell für immer
festlegen zu wollen. Er war hier viel zu sehr der Meister des Augenblicks, als daß er sich selbst eine
solche Bindung auferlegt hätte. Die Frage darf also nicht heißen: Was hat Bismarck damals getan?,
sondern vielmehr: Was würde er heute tun? Und diese Frage ist leichter zu beantworten. Er würde sich
bei seiner politischen Klugheit nie mit einem Staate verbünden, der dem Untergange geweiht ist. Im
übrigen hat Bismarck schon seinerzeit die deutsche Kolonial- und Handelspolitik mit gemischten
Gefühlen betrachtet, da ihm zunächst nur daran lag, die Konsolidierung und innere Festigung des von
ihm geschaffenen Staatengebildes auf sicherstem Wege zu ermöglichen. Dies war auch der einzige
Grund, weshalb er damals die russische Rückendeckung begrüßte, der ihm den Arm nach dem Westen
freigab. Allein, was damals für Deutschland Nutzen brachte, würde heute Schaden bringen.
Schon in den Jahren 1920/21, als die junge nationalsozialistische Bewegung sich langsam vorn
politischen Horizont abzuheben begann und da und dort als Freiheitsbewegung der deutschen Nation
angesprochen wurde, trat man von verschiedenen Seiten an die Partei mit dem Versuch heran, zwischen
ihr und den Freiheitsbewegungen anderer Länder eine gewisse Verbindung herzustellen. Es lag dies auf
der Linie des von
{745 Der "Bund der unterdrückten Nationen" }
vielen propagierten "Bundes der unterdrückten Nationen". Hauptsächlich handelte es sich dabei um
Vertreter einzelner Balkanstaaten, weiter um solche Ägyptens und Indiens, die auf mich im einzelnen
immer den Eindruck schwatzhafter Wichtigtuer, bar jedes realen Hintergrundes, machten. Es gab aber
nicht wenige Deutsche, besonders im nationalen Lager, die sich von solchen aufgeblasenen Orientalen
blenden ließen und in irgendeinem hergelaufenen indischen oder ägyptischen Studenten nun ohne
weiteres einen "Vertreter" Indiens oder Ägyptens vor sich zu haben glaubten. Die Leute wurden sich gar
nicht klar, daß es sich dabei meistens um Personen handelte, hinter denen überhaupt nichts stand, die vor
allem von niemand autorisiert waren, irgendeinen Vertrag mit irgend jemandem abzuschließen, so daß
das praktische Ergebnis jeder Beziehung zu solchen Elementen Null war, sofern man nicht die verlorene
Zeit noch besonders als Verlust buchen wollte. Ich habe mich gegen solche Versuche immer gewehrt.
Nicht nur, daß ich Besseres zu tun hatte, als in so unfruchtbaren "Besprechungen" Wochen zu
vertrödeln, hielt ich auch, selbst wenn es sich dabei um autorisierte Vertreter solcher Nationen gehandelt
hätte, das Ganze für untauglich, ja schädlich.
Es war schon im Frieden schlimm genug, daß die deutsche Bündnispolitik infolge des Fehlens eigener
aktiver Angriffsabsichten in einem Defensivverein alter, weltgeschichtlich pensionierter Staaten endete.
Sowohl der Bund mit Österreich als auch der mit der Türkei hatte wenig Erfreuliches für sich. Während
sich die größten Militär- und Industriestaaten der Erde zu einem aktiven Angriffsverband
zusammenschlossen, sammelte man ein paar alte, impotent gewordene Staatsgebilde und versuchte mit
diesem dem Untergang bestimmten Gerümpel einer aktiven Weltkoalition die Stirne. zu bieten.
Deutschland hat die bittere Quittung für diesen außenpolitischen Irrtum erhalten. Allein diese Quittung
scheint noch immer nicht bitter genug gewesen zu sein, um unsere ewigen Phantasten davor zu
bewahren, flugs in den gleichen Fehler zu verfallen. Denn der Versuch, durch einen "Bund der
unterdrückten Nationen"
{746 Wankt Englands Indien-Herrschaft?}
die allgewaltigen Sieger entwaffnen zu können, ist nicht nur lächerlich, sondern auch unheilvoll. Er ist
unheilvoll" weil dadurch immer wieder unser Volk von den realen Möglichkeiten abgelenkt wird, so daß
es sich statt dessen phantasievollen, jedoch unfruchtbaren Hoffnungen und Illusionen hingibt. Der
Deutsche von jetzt gleicht wirklich dem Ertrinkende der nach jedem Strohhalm greift. Dabei kann es
sich um sonst sehr gebildete Menschen handeln. Sowie nur irgendwo das Irrlicht einer noch so
unwirklichen Hoffnung sichtbar wird, setzen sich diese Menschen schleunigst in Trab und jagen dem
Phantom nach. Mag dies ein Bund der unterdrückten Nationen, ein Völkerbund oder sonst eine neue
phantastische Erfindung sein, sie wird nichtsdestoweniger Tausende gläubiger Seelen finden.
Ich erinnere mich noch der ebenso kindlichen wie unverständlichen Hoffnungen, die in den Jahren
1920/21 plötzlich in völkischen Kreisen auftauchten, England stände in Indien vor einem
Zusammenbruch. Irgendwelche asiatische Gaukler, vielleicht meinetwegen auch wirkliche indische
"Freiheitskämpfer", die sich damals in Europa herumtrieben, hatten es fertiggebracht, selbst sonst ganz
vernünftige Menschen mit der fixen Idee zu erfüllen, daß das britische Weltreich, das seinen Angelpunkt
in Indien besitze, gerade dort vor dem Zusammenbruch stehe. Daß dabei auch in diesem Falle nur ihr
eigener Wunsch der Vater aller Gedanken war, kam ihnen natürlich nicht zum Bewußtsein.
Ebensowenig das Widersinnige ihrer eigenen Hoffnungen. Denn indem sie von einem Zusammenbruch
der englischen Herrschaft in Indien das Ende des britischen Weltreichs und der englischen Macht
erwarten, geben sie doch selber zu, daß eben Indien für England von eminentester Bedeutung ist.
Diese lebenswichtigste Frage dürfte aber wahrscheinlich doch nicht nur einem deutschvölkischen
Propheten als tiefstes Geheimnis bekannt sein, sondern vermutlich auch den Lenkern der englischen
Geschicke selber. Es ist schon wirklich kindlich, anzunehmen, daß man in England die Bedeutung des
indischen Kaiserreiches für die britische Welt-
{747 Wankt Englands Indien-Herrschaft?}
union nicht richtig abzuschätzen wisse. Und es ist nur ein böses Zeichen für das unbedingte Nichtlernen
aus dem Weltkrieg und für das vollständige Mißverstehen und Nichterkennen angelsächsischer
Entschlossenheit, wenn man sich einbildet, daß England, ohne das Legte einzusehen, Indien fahren
lassen würde. Es ist weiter der Beweis für die Ahnungslosigkeit, die der Deutsche von der ganzen Art
der britischen Durchdringung und Verwaltung dieses Reiches besitzt. England wird Indien nur verlieren,
wenn es entweder selbst in seiner Verwaltungsmaschinerie der rassischen Zersetzung anheimfällt
(etwas, das augenblicklich in Indien vollkommen ausscheidet), oder wenn es durch das Schwert eines
machtvollen Feindes bezwungen wird. Indischen Aufrührern wird dies aber nie gelingen. Wie schwer es
ist, England zu bezwingen, haben wir Deutsche zur Genüge erfahren. Ganz abgesehen davon, daß ich als
Germane Indien trotz allem immer noch lieber unter englischer Herrschaft sehe als unter einer anderen.
Genau so kümmerlich sind die Hoffnungen auf den sagenhaften Aufstand in Ägypten. Der "Heilige
Krieg" kann unseren deutschen Schafkopfspielern das angenehme Gruseln beibringen, daß jetzt andere
für uns zu verbluten bereit sind — denn diese feige Spekulation ist, ehrlich gesprochen, schon immer der
stille Vater solcher Hoffnungen gewesen —, in der Wirklichkeit würde er unter dem Strichfeuer
englischer Maschinengewehrkompanien und dem Hagel von Brisanzbomben ein höllisches Ende
nehmen.
Es ist eben eine Unmöglichkeit, einen machtvollen Staat, der entschlossen ist, für seine Existenz, wenn
nötig, den letzten Blutstropfen einzusetzen, durch eine Koalition von Krüppeln zu berennen. Als
völkischer Mann, der den Wert des Menschentums nach rassischen Grundlagen abschätzt, darf ich schon
aus der Erkenntnis der rassischen Minderwertigkeit dieser sogenannten "unterdrückten Nationen" nicht
das Schicksal des eigenen Volkes mit dem ihren verketten. Ganz die gleiche Stellung aber haben wir
heute auch
{748 Deutsches Bündnis mit Rußland?}
Rußland gegenüber einzunehmen. Das derzeitige, seiner germanischen Oberschicht entkleidete Rußland
ist, ganz abgesehen von den inneren Absichten seiner neuen Herren, kein Verbündeter für einen
Freiheitskampf der deutschen Nation. Rein militärisch betrachtet, wären die Verhältnisse im Falle eines
Krieges Deutschland-Rußland gegen den Westen Europas, wahrscheinlich aber gegen die ganze übrige
Welt, geradezu katastrophal. Der Kampf würde sich nicht auf russischem, sondern auf deutschem Boden
abspielen, ohne daß Deutschland von Rußland auch nur die geringste wirksame Unterstützung erfahren
könnte. Die Machtmittel des heutigen Deutschen Reiches sind so jämmerlich und für einen Kampf nach
außen so unmöglich, daß irgendein Grenzschutz gegen den Westen Europas, einschließlich Englands,
nicht durchgeführt werden könnte und gerade das deutsche Industriegebiet den konzentrierten
Angriffswaffen unserer Gegner wehrlos preisgegeben läge. Dazu kommt, daß zwischen Deutschland
und Rußland der ganz in französischen Händen ruhende polnische Staat liegt. Im Falle eines Krieges
Deutschland-Rußlands gegen den Westen Europas müßte Rußland erst Polen niederwerfen, um den
ersten Soldaten an die deutsche Front zu bringen. Dabei handelt es sich aber gar nicht so sehr um
Soldaten als um die technische Rüstung. In dieser Hinsicht würde sich, nur noch viel entsetzlicher, der
Zustand im Weltkrieg wiederholen. So wie damals die deutsche Industrie für unsere ruhmvollen
Verbündeten angezapft wurde und Deutschland den technischen Krieg fast ganz allein bestreiten mußte,
so würde in diesem Kampf Rußland als technischer Faktor überhaupt völlig ausscheiden. Der
allgemeinen Motorisierung der Welt, die im nächsten Kriege schon in überwältigender Weise
kampfbestimmend in Erscheinung treten wird, könnte von uns fast nichts entgegengestellt werden. Denn
nicht nur, daß Deutschland selbst auf diesem wichtigsten Gebiete beschämend weit zurückgeblieben ist,
müßte es von dem wenigen, das es besitzt, noch Rußland erhalten, das
{749 Deutsches Bündnis mit Rußland?}
selbst heute noch nicht eine einzige Fabrik sein eigen nennt, in der ein wirklich laufender Kraftwagen
erzeugt werden kann. Damit aber würde solch ein Kampf nur den Charakter eines Abschlachtens
erhalten. Deutschlands Jugend würde noch mehr verbluten als einst, denn wie immer läge die Last des
Kampfes nur auf uns, und das Ergebnis wäre die unabwendbare Niederlage.
Aber selbst den Fall angenommen, daß ein Wunder geschähe und ein solcher Kampf nicht mit der
restlosen Vernichtung Deutschlands endigte, wäre der letzte Erfolg doch nur der, daß das ausgeblutete
deutsche Volk nach wie vor umgrenzt bliebe von großen Militärstaaten, seine wirkliche Lage mithin
sich in keiner Weise geändert hätte.
Man wende nun nicht ein, bei einem Bund mit Rußland müsse nicht gleich an einen Krieg gedacht
werden, oder wenn, könne man sich auf einen solchen gründlich vorbereiten. Nein. Ein Bündnis, dessen
Ziel nicht die Absicht zu einem Kriege umfaßt, ist sinn- und wertlos. Bündnisse schließt man nur zum
Kampf. Und mag die Auseinandersetzung im Augenblick des Abschlusses eines Bündnisvertrages in
noch so weiter Ferne liegen, die Aussicht auf eine kriegerische Verwicklung ist nichtsdestoweniger die
innere Veranlassung zu ihm. Und man glaube ja nicht, daß etwa irgendeine Macht den Sinn solch eines
Bundes anders auffassen würde. Entweder eine deutsch-russische Koalition bliebe auf dem Papier allein
stehen, dann wäre sie für uns zweck- und wertlos, oder sie würde aus den Buchstaben des Vertrages in
die sichtbare Wirklichkeit umgesetzt — und die andere Welt wäre gewarnt. Wie naiv, zu denken, daß
England und Frankreich in einem solchen Falle ein Jahrzehnt warten würden, bis der deutsch-russische
Bund seine technischen Vorbereitungen zum Kampf beendet haben würde. Nein, das Unwetter bräche
blitzschnell über Deutschland herein.
So liegt schon in der Tatsache des Abschlusses eines Bündnisses mit Rußland die Anweisung für den
nächsten Krieg. Sein Ausgang wäre das Ende Deutschlands.
{750 Deutsches Bündnis mit Rußland?}
Dazu kommt aber noch folgendes:
1. Die heutigen Machthaber Rußlands denken gar nicht daran, in ehrlicher Weise einen Bund
einzugehen oder ihn gar zu halten.
Man vergesse doch nie, daß die Regenten des heutigen Rußlands blutbefleckte gemeine Verbrecher sind,
daß es sich hier um einen Abschaum der Menschheit handelt, der, begünstigt durch die Verhältnisse in
einer tragischen Stunde, einen großen Staat überrannte, Millionen seiner führenden Intelligenz in wilder
Blutgier abwürgte und ausrottete und nun seit bald zehn Jahren das grausamste Tyrannenregiment aller
Zeiten ausübt. Man vergesse weiter nicht, daß diese Machthaber einem Volk angehören, das in seltener
Mischung bestialische Grausamkeit mit unfaßlicher Lügenkunst verbindet und sich heute mehr denn je
berufen glaubt, seine blutige Unterdrückung der ganzen Welt aufbürden zu müssen. Man vergesse nicht,
daß der internationale Jude, der Rußland heute restlos beherrscht, in Deutschland nicht einen
Verbündeten, sondern einen zu gleichem Schicksal bestimmten Staat sieht. Man schließt aber keinen
Vertrag mit einem Partner, dessen einziges Interesse die Vernichtung des anderen ist. Man schließt ihn
vor allem nicht mit Subjekten, denen kein Vertrag heilig sein würde, da sie nicht als Vertreter von Ehre
und Wahrhaftigkeit auf dieser Welt leben, sondern als Repräsentanten der Lüge, des Betrugs, des
Diebstahls, der Plünderung, des Raubes. Wenn der Mensch glaubt, mit Parasiten vertragliche Bindungen
eingehen zu können, so ähnelt dies dem Versuche eines Baumes, zum eigenen Vorteil mit einer Mistel
ein Abkommen zu schließen.
2. Die Gefahr, der Rußland einst unterlag, ist für Deutschland dauernd vorhanden. Nur der bürgerliche
Einfaltspinsel ist fähig, sich einzubilden, daß der Bolschewismus gebannt ist. Er hat in seinem
oberflächlichen Denken keine Ahnung davon, daß es sich hier um einen triebhaften Vorgang, d. h. den
des Stre-
{751 Deutsches Bündnis mit Rußland?}
bens nach der Weltherrschaft des jüdischen Volkes, handelt, um einen Vorgang, der genau so natürlich
ist wie der Trieb des Angelsachsen, sich seinerseits in den Besitz der Herrschaft dieser Erde zu setzen.
Und so, wie der Angelsachse diesen Weg auf seine Art verfolgt und den Kampf mit seinen Waffen
kämpft, so eben auch der Jude. Er geht seinen Weg, den Weg des Einschleichens in die Völker und des
inneren Aushöhlens derselben, und er kämpft mit seinen Waffen, mit Lüge und Verleumdung,
Vergiftung und Zersetzung, den Kampf steigernd bis zur blutigen Ausrottung der ihm verhaßten Gegner.
Im russischen Bolschewismus haben wir den im zwanzigsten Jahrhundert unternommenen Versuch des
Judentums zu erblicken, sich die Weltherrschaft an zueignen, genau so, wie es in anderen Zeitperioden
durch andere, wenn auch innerlich verwandte Vorgänge dem gleichen Ziele zuzustreben suchte. Sein
Streben liegt zutiefst begründet in der Art seines Wesens. So wenig ein anderes Volk von sich aus darauf
verzichtet, dem Triebe nach Ausbreitung seiner Art und Macht nachzugehen, sondern durch äußere
Verhältnisse dazu gezwungen wird oder durch Alterserscheinungen der Impotenz verfällt, so wenig
bricht auch der Jude seinen Weg zur Weltdiktatur aus selbstgewollter Entsagung ab oder weil er seinen
ewigen Drang unterdrückt. Auch er wird entweder durch außerhalb seiner selbst liegende Kräfte in
seiner Bahn zurückgeworfen, oder all sein Weltherrschaftsstreben wird durch das eigene Absterben
erledigt. Die Impotenz der Völker, ihr eigener Alterstod, liegt aber begründet in der Aufgabe ihrer
Blutsreinheit. Und diese wahrt der Jude besser als irgendein anderes Volk der Erde. Somit geht er seinen
verhängnisvollen Weg weiter, so lange, bis ihm eine andere Kraft entgegentritt und in gewaltigem
Ringen den Himmelsstürmer wieder zum Luzifer zurückwirft.
Deutschland ist heute das nächste große Kampfziel des Bolschewismus. Es bedarf aller Kraft einer
jungen missionshaften Idee, um unser Volk noch einmal emporzureißen, aus der Umstrickung dieser
internationalen Schlange
{752 Deutsches Bündnis mit Rußland?}
zu lösen und der Verpestung unseres Blutes im Innern Einhalt zu tun, auf daß die damit frei werdenden
Kräfte der Nation für eine Sicherung unseres Volkstums eingesetzt werden können, welche bis in fernste
Zeiten eine Wiederholung der letzten Katastrophen zu verhindern vermag. Verfolgt man aber dieses
Ziel, so ist es ein Wahnsinn, sich mit einer Macht zu verbünden, die den Todfeind unserer eigenen
Zukunft zum Herrn hat. Wie will man unser eigenes Volk aus den Fesseln dieser giftigen Umarmung
erlösen, wenn man sich selbst in sie begibt? Wie dem deutschen Arbeiter den Bolschewismus als
fluchwürdiges Menschheitsverbrechen klarmachen, wenn man sich selbst mit den Organisatoren dieser
Ausgeburt der Hölle verbündet, sie also im großen anerkennt? Mit welchem Rechte verurteilt man dann
den Angehörigen der breiten Masse ob seiner Sympathie für eine Weltanschauung, wenn die Führer des
Staates selbst die Vertreter dieser Weltanschauung zum Verbündeten wählen?
Der Kampf gegen die jüdische Weltbolschewisierung erfordert eine klare Einstellung zu Sowjet-
Rußland. Man kann nicht den Teufel mit Beelzebub austreiben.
Wenn selbst völkische Kreise heute von einem Bündnis mit Rußland schwärmen, dann sollen diese nur
in Deutschland Umschau halten und sich zum Bewußtsein bringen, wessen Unterstützung sie bei ihrem
Beginnen finden. Oder sehen neuerdings Völkische eine Handlung als segensreich für das deutsche Volk
an, die von der internationalen Marxistenpresse empfohlen und gefördert wird? Seit wann kämpfen
Völkische mit einer Rüstung, die uns der Jude als Schildknappe hinhält?
Man konnte dem alten Deutschen Reich einen Hauptvorwurf in bezug auf seine Bündnispolitik machen:
daß es sein Verhältnis zu allen verdarb, infolge dauernden Hinundherpendelns, in der krankhaften
Schwäche, den Weltfrieden um jeden Preis zu wahren. Allein, eines konnte
{753 Deutschland — Rußland vor dem Kriege}
man ihm nicht vorwerfen, daß es das gute Verhältnis zu Rußland nicht mehr aufrechterhielt.
Ich gestehe offen, daß ich schon in der Vorkriegszeit es für richtiger gehalten hätte, wenn sich
Deutschland, unter Verzicht auf die unsinnige Kolonialpolitik und unter Verzicht auf Handels- und
Kriegsflotte, mit England im Bunde gegen Rußland gestellt hätte und damit von der schwachen
Allerweltspolitik zu einer entschlossenen europäischen Politik kontinentalen Bodenerwerbs
übergegangen wäre.
Ich vergesse nicht die dauernde freche Bedrohung, die das damalige panslawistische Rußland
Deutschland zu bieten wagte; ich vergesse nicht die dauernden Probemobilmachungen, deren einziger
Sinn eine Brüskierung Deutschlands war; ich kann nicht vergessen die Stimmung der öffentlichen
Meinung in Rußland, die schon vor dem Kriege sich an haßerfüllten Ausfällen gegen unser Volk und
Reich überbot, kann nicht vergessen die große russische Presse, die immer mehr für Frankreich
schwärmte als für uns.
Allein, trotz alledem hätte es vor dem Kriege auch noch den zweiten Weg gegeben, man hätte sich auf
Rußland zu stützen vermocht, um sich gegen England zu wenden.
Heute liegen die Verhältnisse anders. Wenn man vor dem Kriege noch unter Hinabwürgen aller
möglichen Gefühle mit Rußland hätte gehen können, so kann man dies heute nicht mehr. Der Zeiger der
Weltuhr ist seitdem weiter vorgerückt, und in gewaltigen Schlägen kündigt sie uns jene Stunde an, in
unseres Volkes Schicksal so oder so entschieden sein muß. Die Konsolidierung, in der sich
augenblicklich die großen Staaten der Erde befinden, ist für uns das letzte Warnungssignal, Einkehr zu
halten und unser Volk aus der Traumwelt wieder in die harte Wirklichkeit zurückzubringen und ihm den
Weg in die Zukunft zu weisen, der allein das alte Reich zu neuer Blüte führt.
Wenn die nationalsozialistische Bewegung im Hinblick auf die große und wichtigste Aufgabe sich von
allen Illusionen freimacht und die Vernunft als alleinige Führerin
{754 Künftiges politisches Testament}
gelten läßt, kann dereinst die Katastrophe des Jahres 1918 noch von unendlichem Segen für die Zukunft
unseres Volkes werden. Aus diesem Zusammenbruch heraus kann dann unser Volk zu einer
vollständigen Neuorientierung seines außenpolitischen Handelns gelangen und weiter, gefestigt durch
seine neue Weltanschauung im Innern, auch nach außen zu einer endgültigen Stabilisierung seiner
Außenpolitik kommen. Es kann dann endlich das erhalten, was England besiegt und selbst Rußland
besaß und was Frankreich immer wieder gleiche und für seine Interessen im letzten Grunde richtige
Entschlüsse treffen ließ, nämlich: ein politisches Testament.
Das politische Testament der deutschen Nation für ihr Handeln nach außen aber soll und muß für immer
sinngemäß lauten:
Duldet niemals das Entstehen zweier Kontinentalmächte in Europa! Seht in jeglichem
Versuch, an den deutschen Grenzen eine zweite Militärmacht zu organisieren, und sei es
auch nur in Form der Bildung eines zur Militärmacht fähigen Staates, einen Angriff gegen
Deutschland und erblickt darin nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, mit allen Mitteln,
bis zur Anwendung von Waffengewalt, die Entstehung eines solchen Staates zu verhindern,
beziehungsweise einen solchen, wenn er schon entstanden, wieder zu zerschlagen. — Sorgt
dafür, daß die Stärke unseres Volkes ihre Grundlagen nicht in Kolonien, sondern im Boden
der Heimat in Europa erhält! Haltet das Reich nie für gesichert, wenn es nicht auf
Jahrhunderte hinaus jedem Sprossen unseres Volkes sein eigenes Stück Grund und Boden
zu geben vermag! Vergeßt nie, daß das hei-
{755 Das deutsch-englisch-italienische Bündnis}
ligste Recht auf dieser Welt das Recht auf Erde ist, die man selbst bebauen will, und das
heiligste Opfer das Blut, das man für diese Erde vergießt!
×
Ich möchte diese Betrachtungen nicht beenden, ohne nochmals auf die alleinige Bündnismöglichkeit
hinzuweisen, die es für uns augenblicklich in Europa gibt. Ich habe schon im vorhergehenden Kapitel
über das deutsche Bündnisproblem England und Italien als die beiden einzigen Staaten in Europa
bezeichnet, mit denen in ein engeres Verhältnis zu gelangen für uns erstrebenswert und erfolgverheißend
wäre. Ich will an dieser Stelle noch kurz die militärische Bedeutung eines solchen Bundes streifen.
Die militärischen Folgen des Abschlusses dieses Bündnisses würden in allem und jedem die
entgegengesetzten wie die eines Bündnisses mit Rußland sein. Das wichtigste ist zunächst die Tatsache,
daß eine Annäherung an England und Italien in keiner Weise eine Kriegsgefahr an sich
heraufbeschwört. Die einzige Macht, die für eine Stellungnahme gegen den Bund in Betracht käme,
Frankreich, wäre hierzu nicht in der Lage. Damit aber würde der Bund Deutschland die Möglichkeit
geben, in aller Ruhe diejenigen Vorbereitungen zu treffen, die im Rahmen einer solchen Koalition für
eine Abrechnung mit Frankreich so oder so getroffen werden müßten. Denn das Bedeutungsvolle eines
derartigen Bundes liegt ja eben darin, daß Deutschland mit dem Abschluß nicht plötzlich einer
feindlichen Invasion preisgegeben wird, sondern daß die gegnerische Allianz selbst zerbricht, die
Entente, der wir so unendlich viel Unglück zu verdanken haben, sich selbst auflöst und damit der
Todfeind unseres Volkes, Frankreich, der Isolierung anheimfällt. Auch wenn dieser Erfolg zunächst nur
von moralischer Wir-
{756 Das deutsch-englisch-italienische Bündnis}
kung wäre, er würde genügen, Deutschland ein heute kaum zu ahnendes Maß von Bewegungsfreiheit zu
geben. Denn das Gesetz des Handelns läge in der Hand des neuen europäischen anglo-deutschitalienischen
Bundes und nicht mehr bei Frankreich.
Der weitere Erfolg wäre, daß mit einem Schlage Deutschland aus seiner ungünstigen strategischen Lage
befreit würde. Der mächtigste Flankenschutz einerseits, die volle Sicherung unserer Versorgung mit
Lebensmitteln und Rohstoffen andererseits wäre die segensreiche Wirkung der neuen Staatenordnung.
Fast noch wichtiger aber würde die Tatsache sein, daß der neue Verband Staaten umschließt von einer
sich in mancher Hinsicht fast ergänzenden technischen Leistungsfähigkeit. Zum ersten Male bekäme
Deutschland Verbündete, die nicht als Blutegel an unserer eigenen Wirtschaft saugen, sondern sogar zur
reichsten Vervollständigung unserer technischen Rüstung ihren Teil beitragen könnten und auch
würden.
Nicht übersehen möge man noch die letzte Tatsache, daß es sich in beiden Fällen um Verbündete
handeln würde, die man nicht mit der Türkei oder dem heutigen Rußland vergleichen kann. Die größte
Weltmacht der Erde und ein jugendlicher Nationalstaat würden für einen Kampf in Europa andere
Voraussetzungen bieten als die fauligen staatlichen Leichname, mit denen sich Deutschland im letzten
Krieg verbunden hatte.
Sicherlich sind, wie ich schon im vorhergehenden Kapitel betonte, die Schwierigkeiten groß, die einem
solchen Bunde entgegenstehen. Allein, war etwa die Bildung der Entente ein weniger schweres Werk?
Was einem König Eduard VII. gelang, zum Teil fast wider natürliche Interessen gelang, muß und
{757 Die Voraussetzung für Ostpolitik}
wird auch uns gelingen, wenn die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer solchen Entwicklung uns so
beseelt, daß wir unser eigenes Handeln in kluger Selbstüberwindung demgemäß bestimmen. Und dies ist
eben in dem Augenblick möglich, in welchem man, erfüllt von der mahnenden Not, statt der
außenpolitischen Ziellosigkeit der letzten Jahrzehnte einen einzigen zielbewußten Weg beschreitet und
auf diesem durchhält. Nicht West- und nicht Ostorientierung darf das künftige Ziel unserer Außenpolitik
sein, sondern Ostpolitik im Sinne der Erwerbung der notwendigen Scholle für unser deutsches Volk. Da
man dazu Kraft benötigt, der Todfeind unseres Volkes aber, Frankreich, uns unerbittlich würgt und die
Kraft raubt, haben wir jedes Opfer auf uns zu nehmen, das in seinen Folgen geeignet ist, zu einer
Vernichtung der französischen Hegemoniebestrebung in Europa beizutragen. Jede Macht ist heute unser
natürlicher Verbündeter, die gleich uns Frankreichs Herrschsucht auf dem Kontinent als unerträglich
empfindet. Kein Gang zu einer solchen Macht darf uns zu schwer sein und kein Verzicht als
unaussprechbar erscheinen, wenn das Endergebnis nur die Möglichkeit einer Niederwerfung unseres
grimmigsten Hassers bietet. Überlassen wir dann ruhig die Heilung unserer kleineren Wunden den
mildernden Wirkungen der Zeit, wenn wir die größte auszubrennen und zu schließen vermögen.
Natürlich verfallen wir heute dem haßerfüllten Gebell der Feinde unseres Volkes im Innern. Lassen wir
Nationalsozialisten uns durch dieses aber nie beirren, das zu verkünden, was unserer innersten
Überzeugung nach unbedingt notwendig ist. Wohl müssen wir uns heute gegen den
{758 Außenpolitische Abstempelung des Nationalsozialismus}
Strom der in Ausnutzung deutscher Gedankenlosigkeit von jüdischer Hinterlist betörten öffentlichen
Meinung stemmen, wohl branden manches Mal die Wogen arg und böse um uns, allein, wer im Strome
schwimmt, wird leichter übersehen, als wer sich gegen die Gewässer stemmt. Heute sind wir eine
Klippe; in wenigen Jahren schon kann das Schicksal uns zum Damm erheben, an dem der allgemeine
Strom sich bricht, um in ein neues Bett zu fließen.
Es ist daher notwendig, daß gerade die nationalsozialistische Bewegung in den Augen der übrigen Welt
als Trägerin einer bestimmten politischen Absicht erkannt und festgestellt wird. Was der Himmel auch
mit uns vorhaben mag, schon am Visier soll man uns erkennen.
Sowie wir selbst die große Notwendigkeit erkennen, die unser außenpolitisches Handeln zu bestimmen
hat, wird aus diesem Erkennen die Kraft der Beharrlichkeit strömen, die wir manches Mal nötig
brauchen, wenn unter dem Trommelfeuer unserer gegnerischen Pressemeute dem einen oder anderen
bänglich zumute wird und ihn die leise Neigung beschleicht, um nicht alles gegen sich zu haben,
wenigstens auf diesem oder jenem Gebiet eine Konzession zu gewähren und mit den Wölfen zu heulen.
{759}
15. Kapitel:
Notwehr als Recht
Mit der Waffenniederlegung im November 1918 wurde eine Politik eingeleitet, die nach menschlicher
Voraussicht langsam zur vollständigen Unterwerfung führen mußte. Geschichtliche Beispiele ähnlicher
Art zeigen, daß Völker, die erst ohne zwingende Gründe die Waffen strecken, in der Folgezeit lieber die
größten Demütigungen und Erpressungen hinnehmen, als durch einen erneuten Appell an die Gewalt
eine Änderung ihres Schicksals zu versuchen.
Dies ist menschlich erklärlich. Ein kluger Sieger wird seine Forderungen, wenn möglich, immer in
Teilen dem Besiegten auferlegen. Er darf dann bei einem charakterlos gewordenen Volk — und dies ist
ein jedes sich freiwillig unterwerfende — damit rechnen, daß es in jeder dieser Einzelunterdrückungen
keinen genügenden Grund mehr empfindet, um noch einmal zur Waffe zu greifen. Je mehr Erpressungen
aber auf solche Art willig angenommen werden, um so ungerechtfertigter erscheint es dann den
Menschen, wegen einer neuen, scheinbar einzelnen, aber allerdings immer wiederkehrenden
Bedrückung sich endlich doch zur Wehr zu setzen, besonders wenn man, alles zusammengerechnet,
ohnehin schon so viel mehr und größeres Unglück schweigend und duldend ertrug.
Karthagos Untergang ist die schrecklichste Darstellung einer solchen langsamen selbstverschuldeten
Hinrichtung eines Volkes.
In seinen "Drei Bekenntnissen" greift deshalb auch Clausewitz in unvergleichlicher Weise diesen
Gedanken heraus und nagelt ihn fest für alle Zeiten, indem er spricht: "daß der Schandfleck einer feigen
Unterwerfung nie zu
{760 Feige Unterwerfung brachte keine Gnade}
verwischen ist; daß dieser Gifttropfen in dem Blute eines Volkes in die Nachkommenschaft übergeht
und die Kraft später Geschlechter lähmen und untergraben wird"; daß demgegenüber "selbst der
Untergang dieser Freiheit nach einem blutigen und ehrenvollen Kampf die Wiedergeburt des Volkes
sichert und der Kern des Lebens ist, aus dem einst ein neuer Baum die sichere Wurzel schlägt".
Natürlich wird sich eine ehr- und charakterlos gewordene Nation um solche Lehre nicht kümmern. Denn
wer sie beherzigt, kann ja gar nicht so tief sinken, sondern es bricht nur zusammen, wer sie vergißt oder
nicht mehr wissen will. Daher darf man bei den Trägern einer charakterlosen Unterwerfung nicht
erwarten, daß sie plötzlich in sich gehen, um auf Grund der Vernunft und aller menschlichen Erfahrung
anders zu handeln als bisher. Im Gegenteil, gerade diese werden jede solche Lehre weit von sich weisen,
so lange, bis entweder das Volk sein Sklavenjoch endgültig gewohnt ist oder bis bessere Kräfte an die
Oberfläche drängen, um dem verruchten Verderber die Gewalt aus den Händen zu schlagen. Im ersten
Falle pflegen sich diese Menschen gar nicht so schlecht zu fühlen, da sie von den klugen Siegern nicht
selten das Amt der Sklavenaufseher übertragen erhalten, das diese charakterlosen Naturen dann über ihr
eigenes Volk auch meist unbarmherziger ausüben als irgendeine vom Feinde selbst hineingesetzte
fremde Bestie.
Die Entwicklung seit dem Jahre 1918 zeigt uns an, daß in Deutschland die Hoffnung, durch freiwillige
Unterwerfung die Gnade der Sieger gewinnen zu können, leider in verhängnisvoller Weise die politische
Einsicht und das Handeln der breiten Masse bestimmt. Ich möchte deshalb den Wert auf die Betonung
der breiten Masse legen, weil ich mich nicht zur Überzeugung zu bekennen vermag, daß das Tun und
Lassen der Führer unseres Volkes etwa dem gleichen verderblichen Irrwahn zuzuschreiben sei. Da die
Leitung unserer Geschicke seit Kriegsende, nunmehr ganz unverhüllt, durch Juden besorgt wird, kann
man wirklich nicht annehmen, daß nur fehlerhafte Erkenntnis die Ursache unseres Unglücks sei, sondern
man muß im
{761 7 Jahre bis 1813 — 7 Jahre bis Locarno}
Gegenteil der Überzeugung sein, daß bewußte Absicht unser Volk zugrunde richtet. Und sowie man erst
von diesem Gesichtspunkt aus den scheinbaren Wahnsinn der außenpolitischen Leitung unseres Volkes
überprüft, enthüllt er sich als höchst raffinierte, eisig kalte Logik im Dienste des jüdischen
Welteroberungsgedankens und -kampfes.
So erscheint es auch begreiflich, daß dieselbe Zeitspanne, die 1806 bis 1813 genügt hatte, um das
gänzlich zusammengebrochene Preußen mit neuer Lebensenergie und Kampfentschlossenheit zu
erfüllen, heute nicht nur ungenützt verstrichen ist, sondern im Gegenteil zu einer immer größeren
Schwächung unseres Staates geführt hat.
Sieben Jahre nach dem November 1918 wurde der Vertrag von Locarno unterzeichnet!Der Hergang war
dabei der oben schon angedeutete: Sowie man einmal den schandbaren Waffenstillstand unterschrieben
hatte, brachte man weder die Tatkraft noch den Mut auf, den sich später immer wiederholenden
Unterdrückungsmaßnahmen der Gegner nun plötzlich Widerstand entgegenzusetzen. Diese aber waren
zu klug, auf einmal zuviel zu fordern. Sie beschränkten ihre Erpressungen stets auf jenen Umfang, der
ihrer eigenen Meinung nach — und der unserer deutschen Führung — augenblicklich noch so weit
erträglich sein würde, daß eine Explosion der Volksstimmung dadurch nicht befürchtet zu werden
brauchte. Je mehr aber an solchen einzelnen Diktaten unterschrieben und hinuntergewürgt worden war,
um so weniger schien es gerechtfertigt, wegen einer einzelnen weiteren Erpressung oder verlangten
Entwürdigung nun plötzlich das zu tun, was man wegen so vieler anderer nicht tat: Widerstand zu
leisten. Dies ist eben jener "Gifttropfen", von dem Clausewitz spricht: die zuerst begangene
Charakterlosigkeit, die sich selbst immer weiter steigern muß und die allmählich als schlimmstes Erbe
jeden künftigen Entschluß belastet. Sie kann zum furchtbaren Bleigewicht werden, das ein Volk dann
kaum mehr abzuschütteln vermag, sondern von dem es endgültig hinuntergezogen wird in das Dasein
einer Sklavenrasse.
{762 Verfolgung unliebsamer Warner}
So wechselten auch in Deutschland Entwaffnungs- und Versklavungsedikte, politische
und wirtschaftliche Ausplünderung miteinander ab, um endlich moralisch jenen Geist zu erzeugen, der
im Dawesgutachten ein Glück und im Vertrag von Locarno einen Erfolg zu sehen vermag. Man kann
dann freilich, von einer höheren Warte aus betrachtet, von einem einzigen Glück in diesem Jammer
reden, dem Glück, daß man wohl Menschen betören, den Himmel aber nicht bestechen konnte. Denn
dessen Segen blieb aus: Not und Sorge sind seitdem die ständigen Begleiter unseres Volkes geworden,
und unser einziger treuer Verbündeter ist das Elend. Das Schicksal hat auch in diesem Falle keine
Ausnahme gemacht, sondern uns gegeben, was wir verdienten. Da wir die Ehre nicht mehr zu schätzen
wissen, lehrt es uns wenigstens die Freiheit am Brote zu würdigen. Nach Brot haben die Menschen nun
schon zu rufen gelernt, um Freiheit aber werden sie eines Tages noch beten.
So bitter und so ersichtlich der Zusammenbruch unseres Volkes in den Jahren nach 1918 auch war, so
entschlossen hatte man gerade in dieser Zeit jeden auf das heftigste verfolgt, der sich unterstand, das,
was später immer eingetroffen ist, schon damals zu prophezeien. So erbärmlich schlecht die Leitung
unseres Volkes gewesen ist, ebenso eingebildet war sie auch, und besonders dann, wenn es sich um das
Abtun unliebsamer, weil unangenehmer Warner handelte. Da konnte man es (und man kann es auch
heute noch!) erleben, daß sich die größten parlamentarischen Strohköpfe, wirkliche Gevatter
Sattlermeister und Handschuhmacher — nicht bloß dem Beruf nach, was gar nichts sagen würde —
plötzlich auf das Piedestal des Staatsmannes emporhoben, um von dort herunter dann die kleinen
Sterblichen abzukanzeln. Es tat und tut dabei gar nichts zur Sache, daß ein solcher "Staatsmann" zumeist
schon im sechsten Monat seiner Kunst als der windigste Murkser, vom Spott und Hohn der ganzen
übrigen Welt umhallt, entlarvt ist, weder ein noch aus weiß und den untrüglichen Beweis für seine
vollständige Unfähigkeit schlagend erbracht hat! Nein, das tut gar nichts
{763 Frankreichs unverrückbares Kriegsziel}
zur Sache, im Gegenteil: je mehr es den parlamentarischen Staatsmännern dieser Republik an wirklichen
Leistungen gebricht, um so wütender verfolgen sie dafür diejenigen, die Leistungen von ihnen erwarten,
die das Versagen ihrer bisherigen Tätigkeit festzustellen sich erfrechen und den Mißerfolg ihrer
zukünftigen voraussagen. Nagelt man. aber einen solchen parlamentarischen Ehrenmann einmal
endgültig fest, und kann der Staatskünstler dann wirklich den Zusammenbruch seiner ganzen Tätigkeit
und ihrer Ergebnisse nicht mehr wegleugnen, dann finden sie tausend und aber tausend Gründe der
Entschuldigung für ihre Nichterfolge und wollen nur einen einzigen nicht zugeben, daß sie selbst der
Hauptgrund alles Übels sind.
×
Spätestens im Winter 1922/23 hätte man allgemein verstehen müssen, daß sich Frankreich auch nach
dem Friedensschluß mit eiserner Konsequenz bemühe, sein ihm ursprünglich vorschwebendes
Kriegsziel doch noch zu erreichen. Denn niemand wird wohl glauben, daß Frankreich im
entscheidendsten Ringen seiner Geschichte viereinhalb Jahre lang das an sich nicht zu reiche Blut seines
Volkes einsetzte, nur um später die vorher angerichteten Schäden durch Reparationen wieder vergütet zu
erhalten. Selbst Elsaß-Lothringen allein würde noch nicht die Energie der französischen Kriegsführung
erklären, wenn es sich nicht dabei schon um einen Teil des wirklich großen politischen
Zukunftsprogrammes der französischen Außenpolitik gehandelt hätte. Dieses Ziel aber heißt: Auflösung
Deutschlands in ein Gemengsel von Kleinstaaten. Dafür hat das chauvinistische Frankreich gekämpft,
wobei es allerdings sein Volk in Wahrheit als Landsknechte dem internationalen Weltjuden verkaufte.
Dieses französische Kriegsziel wäre schon durch den Krieg an sich zu erreichen gewesen, wenn, wie
man anfangs zu Paris hoffte, der Kampf sich auf deutschem Boden abgespielt hätte. Man stelle sich vor,
daß die blutigen Schlachten des Weltkrieges nicht an der Somme, in Flandern, im Artois, vor Warschau,
Iwangorod, Kowno, Riga
{764 Frankreichs unverrückbares politisches Ziel}
und wo sonst überall noch stattgefunden hätten, sondern in Deutschland, an der Ruhr und am Main, an
der Elbe, vor Hannover, Leipzig, Nürnberg usw., und man wird wohl zustimmen müssen, daß die
Möglichkeit einer Zertrümmerung Deutschlands gegeben gewesen wäre. Es ist sehr fraglich, ob unser
junger föderativer Staat viereinhalb Jahre lang die gleiche Belastungsprobe ausgehalten hätte wie das
seit Jahrhunderten stramm zentralisierte und nur nach dem unumstrittenen Mittelpunkt Paris sehende
Frankreich. Daß dieses gewaltigste Völkerringen sich außerhalb der Grenzen unseres Vaterlandes
abrollte, war nicht nur das unsterbliche Verdienst des einzigen alten Heeres, sondern auch das größte
Glück für die deutsche Zukunft. Es ist meine felsenfeste, mich manches Mal fast beklemmende innere
Überzeugung, daß es im anderen Falle heute schon längst kein Deutsches Reich, sondern nur mehr
"deutsche Staaten" gäbe. Dies ist auch der einzige Grund, warum das Blut unserer gefallenen Freunde
und Brüder wenigstens nicht ganz umsonst geflossen ist.
So kam alles anders! Wohl brach Deutschland im November 1918 blitzschnell zusammen. Allein, als die
Katastrophe in der Heimat eintrat, standen die Armeen des Feldheeres noch tief in feindlichen Landen.
Die erste Sorge Frankreichs war damals nicht Deutschlands Auflösung, sondern vielmehr die: Wie
bringt man die deutschen Armeen möglichst schnell aus Frankreich und Belgien hinaus? Und so war für
die Pariser Staatsleitung die erste Aufgabe zur Beendigung des Weltkrieges, die deutschen Armeen zu
entwaffnen und, wenn möglich, zunächst nach Deutschland zurückzudrängen; und erst in zweiter Linie
konnte man sich der Erfüllung des ursprünglichen und eigentlichen Kriegszieles widmen. Allerdings
war Frankreich darin bereits gelähmt. In England war mit der Vernichtung Deutschlands als Kolonialund
Handelsmacht und dessen Herunterdrückung in den Rang eines Staates zweiter Klasse der Krieg
wirklich siegreich beendet. Ein Interesse an der restlosen Ausmerzung des deutschen Staates besaß man
nicht nur nicht, sondern hatte sogar allen Grund, einen
{765 Frankreichs unverrückbares politisches Ziel}
Rivalen gegen Frankreich in Europa für die Zukunft zu wünschen. So mußte die französische Politik erst
in entschlossener Friedensarbeit fortsetzen, was der Krieg angebahnt hatte, und Clemenceaus
Ausspruch, daß für ihn auch der Friede nur die Fortsetzung des Krieges sei, bekam erhöhte Bedeutung.
Dauernd, bei jedem möglichen Anlaß, mußte man das Reichsgefüge erschüttern. Durch die Auferlegung
immer neuer Entwaffnungsnoten einerseits und durch die hierdurch ermöglichte wirtschaftliche
Auspressung andererseits hoffte man in Paris, das Reichsgefüge langsam lockern zu können. Je mehr die
nationale Ehre in Deutschland abstarb, um so eher konnten der wirtschaftliche Druck und die ewige Not
zu politisch destruktiven Wirkungen führen. Eine solche Politik politischer Unterdrückung und
wirtschaftlicher Ausplünderung, zehn und zwanzig Jahre durchgeführt, muß allmählich selbst den besten
Staatskörper ruinieren und unter Umständen auflösen. Damit ist aber das französische Kriegsziel dann
endgültig erreicht.
Dies mußte man im Winter 1922/23 doch schon längst als Frankreichs Absicht erkannt haben. Damit
blieben aber nur zwei Möglichkeiten übrig: Man durfte hoffen, entweder den französischen Willen an
der Zähigkeit des deutschen Volkskörpers allmählich stumpf zu machen oder einmal endlich zu tun, was
doch nicht ausbleiben kann, nämlich bei irgendeinem besonders krassen Fall das Steuer des
Reichsschiffes herumzureißen und die Ramme gegen den Feind zu kehren. Dies bedeutete dann
allerdings einen Kampf auf Leben und Tod, und Aussicht zum Leben war nur vorhanden, wenn es
vorher gelang, Frankreich so weit zu isolieren, daß dieser zweite Kampf nicht mehr ein Ringen
Deutschlands gegen die Welt sein mußte, sondern eine Verteidigung Deutschlands gegen das die Welt
und ihren Frieden dauernd störende Frankreich darstellte.
Ich betone es und bin fest davon überzeugt, daß dieser zweite Fall einmal so oder so kommen muß und
kommen wird. Ich glaube niemals daran, daß sich Frankreichs Absichten uns gegenüber je ändern
könnten, denn sie liegen
{766 Endgültige Auseinandersetzung mit Frankreich}
im tiefsten Grunde nur im Sinne der Selbsterhaltung der französischen Nation. Wäre ich selbst Franzose
und wäre mir somit Frankreichs Größe so lieb, wie mir die Deutschlands heilig ist, so könnte und wollte
auch ich nicht anders handeln, als es am Ende ein Clemenceau tut. Das nicht nur in seiner Volkszahl,
sondern besonders in seinen rassisch besten Elementen langsam absterbende Franzosentum kann sich
seine Bedeutung in der Welt auf die Dauer nur erhalten bei Zertrümmerung Deutschlands. Die
französische Politik mag tausend Umwege machen, irgendwo am Ende wird immer dieses Ziel als
Erfüllung letzter Wünsche und tiefster Sehnsucht vorhanden sein. Es ist aber unrichtig, zu glauben, daß
ein rein passiver, nur sich selbst erhalten wollender Wille einem nicht minder kraftvollen, aber aktiv
vorgehenden auf die Dauer Widerstand leisten könne. Solange der ewige Konflikt zwischen
Deutschland und Frankreich nur in der Form einer deutschen Abwehr gegenüber französischem Angriff
ausgetragen wird, wird er niemals entschieden werden, wohl aber wird Deutschland von Jahrhundert zu
Jahrhundert eine Position nach der anderen verlieren. Man verfolge das Wandern der deutschen
Sprachgrenze vom zwölften Jahrhundert angefangen bis heute, und man wird wohl schwerlich mehr auf
den Erfolg einer Einstellung und Entwicklung bauen, die uns bisher schon so viel Schaden gebracht hat.
Erst wenn dies in Deutschland vollständig begriffen sein wird, daß man den Lebenswillen der deutschen
Nation nicht mehr bloß in passiver Abwehr verkümmern läßt, sondern zu einer endgültigen aktiven
Auseinandersetzung mit Frankreich zusammenrafft und in einen letzten Entscheidungskampf mit
deutscherseits größten Schlußzielen hineinwirft: erst dann wird man imstande sein, das ewige und an
sich so unfruchtbare Ringen zwischen uns und Frankreich zum Abschluß zu bringen; allerdings unter
der Voraussetzung, daß Deutschland in der Vernichtung Frankreichs wirklich nur ein Mittel sieht, um
danach unserem Volke
{767 Die Besetzung des Ruhrgebietes}
endlich an anderer Stelle die mögliche Ausdehnung geben zu können. Heute zählen wir achtzig
Millionen Deutsche in Europa! Erst dann aber wird jene Außenpolitik als richtig anerkannt werden,
wenn nach kaum hundert Jahren zweihundertfünfzig Millionen Deutsche auf diesem Kontinent leben
werden, und zwar nicht zusammengepreßt als Fabrikkulis der anderen Welt, sondern: als Bauern und
Arbeiter, die sich durch ihr Schaffen gegenseitig das Leben gewähren.
Im Dezember 1922 schien die Situation zwischen Deutschland und Frankreich wieder zu bedrohlicher
Schärfe zugespitzt. Frankreich hatte neue ungeheure Erpressungen im Auge und brauchte dazu Pfänder.
Der wirtschaftlichen Ausplünderung mußte ein politischer Druck vorangehen, und nur ein gewaltsamer
Griff in die Nervenzentrale unseres gesamten deutschen Lebens schien den Franzosen als genügend, um
unser "widerspenstiges" Volk unter schärferes Joch nehmen zu können. Mit der Besetzung des
Ruhrgebietes hoffte man in Frankreich nicht nur das moralische Rückgrat Deutschlands endgültig zu
durchbrechen, sondern uns auch wirtschaftlich in eine Zwangslage zu versetzen, in der wir jede, auch
die schwerste Verpflichtung wohl oder übel würden übernehmen müssen.
Es ging auf Biegen und Brechen. Und Deutschland bog sich gleich zu Beginn, um später dann beim
vollständigen Bruch zu enden.
Mit der Besetzung des Ruhrgebietes hat das Schicksal noch einmal dem deutschen Volk die Hand zum
Wiederaufstieg geboten. Denn was im ersten Augenblick als schweres Unglück erscheinen mußte,
umschloß bei näherer Betrachtung die unendlich verheißende Möglichkeit zur Beendigung des
deutschen Leidens überhaupt.
Außenpolitisch hat die Ruhrbesetzung Frankreich zum erstenmal England wirklich innerlich entfremdet,
und zwar nicht nur den Kreisen der britischen Diplomatie, die das französische Bündnis an sich nur mit
dem nüchternen Auge kalter Rechner geschlossen, angesehen und aufrechterhalten hatten, sondern auch
weitesten Kreisen des englischen Volkes.
{768 Die Besetzung des Ruhrgebietes}
Besonders die englische Wirtschaft empfand mit schlecht verhehltem Unbehagen diese weitere
unglaubliche Stärkung der kontinentalen französischen Macht. Denn nicht nur, daß Frankreich, rein
militärpolitisch betrachtet, nun eine Stellung in Europa einnahm, wie sie vordem selbst Deutschland
nicht besessen hatte, erhielt es nun auch wirtschaftlich Unterlagen, die seine politische
Konkurrenzfähigkeit wirtschaftlich fast mit einer Monopolstellung verbanden. Die größeren
Eisengruben und Kohlenfelder Europas waren damit vereint in den Händen einer Nation, die ihre
Lebensinteressen, sehr zum Unterschied von Deutschland, bisher ebenso entschlossen wie aktivistisch
wahrgenommen hatte, und die ihre militärische Zuverlässigkeit in dem großen Krieg aller Welt in
frische Erinnerung brachte. Mit der Besetzung der Ruhrkohlenfelder durch Frankreich wurde England
sein ganzer Erfolg des Krieges wieder aus der Hand gewunden, und Sieger war nun nicht mehr die
emsige und rührige britische Diplomatie, sondern Marschall Foch und sein durch ihn vertretenes
Frankreich.
Auch in Italien schlug die Stimmung gegen Frankreich, die ohnehin seit Kriegsende nicht mehr gerade
rosig war, nun in einen förmlichen Haß um. Es war der große geschichtliche Augenblick, in dem die
Verbündeten von einst Feinde von morgen sein konnten. Wenn es doch anders kam und die
Verbündeten nicht, wie im zweiten Balkankrieg, nun plötzlich untereinander in Fehde gerieten, dann
war dies nur dem Umstand zuzuschreiben, daß Deutschland eben keinen Enver Pascha besaß, sondern
einen Reichskanzler Cuno.
Allein nicht nur außenpolitisch, sondern auch innerpolitisch war für Deutschland der Ruhreinfall der
Franzosen von größter Zukunftsmöglichkeit. Ein beträchtlicher Teil unseres Volkes, der, dank
unausgesetzten Einflusses seiner lügenhaften Presse, Frankreich noch immer als den Kämpfer für
Fortschritt und Liberalität ansah, wurde von diesem Irrwahn jäh geheilt. So wie das Jahr 1914 die
Träume internationaler Völkersolidarität aus den Köpfen unserer deutschen Arbeiter verscheucht hatte
und sie plötz-
{769 Was war nach der Ruhrbesetzung zu tun?}
lich zurückführte in die Welt des ewigen Ringens, da sich allüberall ein Wesen vom anderen nährt und
der Tod des Schwächeren das Leben des Stärkeren bedeutet, so auch das Frühjahr 1923.
Als der Franzose seine Drohungen wahr machte und endlich im niederdeutschen Kohlengebiet, erst noch
sehr vorsichtig und zaghaft, einzurücken begann, da hatte für Deutschland eine große, entscheidende
Schicksalsstunde geschlagen. Wenn in diesem Augenblick unser Volk einen Wandel seiner Gesinnung
verband mit einer Änderung der bisherigen Haltung, dann konnte das deutsche Ruhrgebiet für
Frankreich zum napoleonischen Moskau werden. Es gab ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder man ließ
sich auch das noch gefallen und tat nichts, oder man schuf dem deutschen Volk, mit dem Blick auf das
Gebiet der glühenden Essen und qualmenden Öfen, zugleich den glühenden Willen, diese ewige
Schande zu beenden und lieber den Schrecken des Augenblicks auf sich zu nehmen, als den endlosen
Schrecken weiter zu ertragen.
Einen dritten Weg entdeckt zu haben, war das "unsterbliche Verdienst" des damaligen Reichskanzlers
Cuno, und ihn bewundert und mitgemacht zu haben, das noch "ruhmvollere" unserer bürgerlichen
Parteienwelt.
Ich will hier zuerst den zweiten Weg, so kurz als nur möglich, einer Betrachtung unterziehen: Mit der
Besetzung des Ruhrgebietes hatte Frankreich einen eklatanten Bruch des Versailler Vertrages vollzogen.
Es hatte sich damit auch in Gegensatz gestellt zu einer Reihe von Garantiemächten, besonders aber zu
England und Italien. Irgendwelche Unterstützung von diesen Staaten für seinen egoistischen eigenen
Raubzug konnte Frankreich nicht mehr erhoffen. Das Abenteuer, und ein solches war es zunächst,
mußte es also selbst zu irgendeinem glücklichen Ende bringen. Für eine nationale deutsche Regierung
konnte es nur einen einzigen Weg geben, nämlich den, den die Ehre vorschrieb. Es war sicher, daß man
zunächst nicht mit aktiver
{770 Was war nach der Ruhrbesetzung zu tun?}
Waffengewalt Frankreich entgegentreten konnte; allein es war notwendig, sich klarzumachen, daß alles
Verhandeln ohne Macht hinter sich lächerlich und unfruchtbar sein würde. Es war unsinnig, sich ohne
Möglichkeit eines aktiven Widerstandes auf den Standpunkt zu stellen: "Wir gehen zu keiner
Verhandlung"; aber es war noch viel unsinniger, dann endlich doch zur Verhandlung zu gehen, ohne
sich unterdes eine Macht geschaffen zu haben.
Nicht als ob man die Ruhrbesetzung durch militärische Maßnahmen hätte verhindern können. Nur ein
Wahnsinniger konnte zu einem solchen Entschlusse raten. Allein, unter dem Eindrucke dieser Aktion
Frankreichs und während der Zeit ihrer Ausführung konnte und mußte man darauf bedacht sein, ohne
Rücksicht auf den von Frankreich selbst zerfetzten Vertrag von Versailles, sich derjenigen militärischen
Hilfsmittel zu versichern, die man später den Unterhändlern auf ihren Weg mitgeben konnte. Denn das
war von Anfang an klar, daß eines Tages über dieses von Frankreich besetzte Gebiet an irgendeinem
Konferenztisch entschieden werden würde. Aber ebenso klar mußte man sich darüber sein, daß selbst
die besten Unterhändler wenig Erfolge zu erringen vermögen, solange der Boden, auf dem sie stehen,
und der Stuhl, auf dem sie sitzen, nicht der Schildarm ihres Volkes ist. Ein schwaches Schneiderlein
kann nicht mit Athleten disputieren, und ein wehrloser Unterhändler mußte noch immer das Schwert des
Brennus auf der feindlichen Waagschale dulden, wenn er nicht sein eigenes zum Ausgleich
hineinzuwerfen hatte. Oder war es nicht wirklich ein Jammer, die Verhandlungskomödien ansehen zu
müssen, die seit dem Jahre 1918 immer den jeweiligen Diktaten vorangegangen waren? Dieses
entwürdigende Schauspiel, das man der ganzen Welt bot, indem man uns, wie zum Hohne, zuerst an den
Konferenztisch lud, um uns dann längst fertige Entschlüsse und Programme vorzulegen, über die wohl
geredet werden durfte, die aber von vornherein als unabänderlich angesehen werden mußten. Freilich,
unsere Unterhändler standen kaum in einem einzigen Falle über dem
{771 Was war nach der Ruhrbesetzung zu tun?}
bescheidensten Durchschnitt und rechtfertigten meist nur zu sehr die freche Äußerung Lloyd Georges,
der angesichts des ehemaligen Reichsministers Simon höhnisch bemerkte, "daß die Deutschen nicht
verstünden, sich Männer von Geist als Führer und Vertreter zu wählen". Allein selbst Genies hätten
angesichts des entschlossenen Machtwillens des feindlichen und der jammervollen Wehrlosigkeit des
eigenen Volkes in jeder Beziehung nur wenig erreichen können.
Wer aber im Frühjahr 1923 die Ruhrbesetzung Frankreichs zum Anlaß einer Wiederherstellung
militärischer Machtmittel nehmen wollte, der mußte zunächst der Nation die geistigen Waffen geben,
die Willenskraft stärken und die Zersetzer dieser wertvollsten nationalen Stärke vernichten.
So wie es sich im Jahre 1918 blutig gerächt hat, daß man 1914 und 1915 nicht dazu überging, der
marxistischen Schlange einmal für immer den Kopf zu zertreten, so mußte es sich auch auf das
unseligste rächen, wenn man im Frühjahr 1923 nicht den Anlaß wahrnahm, den marxistischen
Landesverrätern und Volksmördern endgültig das Handwerk zu legen.
Jeder Gedanke eines wirklichen Widerstandes gegen Frankreich war blanker Unsinn, wenn man nicht
denjenigen Kräften den Kampf ansagte, die fünf Jahre vorher den deutschen Widerstand auf den
Schlachtfeldern von innen her gebrochen hatten. Nur bürgerliche Gemüter konnten sich zur
unglaublichen Meinung durchringen, daß der Marxismus jetzt vielleicht ein anderer geworden wäre, und
daß die kanaillösen Führerkreaturen des Jahres 1918, die damals zwei Millionen Tote eiskalt mit Füßen
traten, um besser in die verschiedenen Regierungsstühle hineinklettern zu können, jetzt im Jahre 1923
plötzlich dem nationalen Gewissen ihren Tribut zu leisten bereit seien. Ein unglaublicher und wirklich
sinnloser Gedanke, die Hoffnung, daß die Landesverräter von einst plötzlich zu Kämpfern für eine
deutsche Freiheit werden würden! Sie dachten gar nicht daran! So wenig eine Hyäne vom Aase läßt, so
wenig ein Marxist vom Vaterlandsverrat.
{772 Die versäumte Abrechnung mit dem Marxismus}
Man bleibe mit dem dümmsten Einwand gefälligst weg, daß doch so viele Arbeiter einst auch für
Deutschland geblutet hätten. Deutsche Arbeiter, jawohl, aber dann waren es eben keine internationalen
Marxisten mehr. Hätte im Jahre 1914 die deutsche Arbeiterschaft ihrer inneren Einstellung nach noch
aus Marxisten bestanden, so wäre der Krieg nach drei Wochen zu Ende gewesen. Deutschland wäre
zusammengebrochen, ehe der erste Soldat seinen Fuß nur über die Grenze gesetzt hätte. Nein, daß
damals das deutsche Volk noch kämpfte, bewies daß der marxistische Irrwahn sich noch nicht bis zur
letzten Tiefe einzufressen vermocht hatte. In eben dem Maße aber, in dem im Laufe des Krieges der
deutsche Arbeiter und deutsche Soldat wieder in die Hand der marxistischen Führer zurückkehrte, in
eben dem Maße ging er dem Vaterland verloren. Hätte man zu Kriegsbeginn und während des Krieges
einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie
Hunderttausende unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus allen Schichten und Berufen es im Felde
erdulden mußten, dann wäre das Millionenopfer der Front nicht vergeblich gewesen. Im Gegenteil:
Zwölftausend Schurken zur rechten Zeit beseitigt, hätten vielleicht einer Million ordentlicher, für die
Zukunft wertvoller Deutschen das Leben gerettet. Doch gehörte es eben auch zur bürgerlichen
"Staatskunst", ohne mit der Wimper zu zucken, Millionen auf dem Schlachtfeld dem blutigen Ende
auszuliefern, aber zehn- oder zwölftausend Volksverräter, Schieber, Wucherer und Betrüger als
kostbares nationales Heiligtum anzusehen und damit deren Unantastbarkeit offen zu proklamieren. Man
weiß ja nicht, was in dieser bürgerlichen Welt größer ist, die Trottelhaftigkeit, die Schwäche und
Feigheit oder die durch und durch verlumpte Gesinnung. Es ist wirklich eine vom Schicksal zum
Untergang bestimmte Klasse, die nur leider ein ganzes Volk mit sich in den Abgrund reißt.
Vor der ganz gleichen Situation wie 1918 stand man aber im Jahre 1923. Ganz gleich zu welcher Art
von Widerstand man sich entschloß, immer war die erste Voraussetzung die
{773 Die versäumte Abrechnung mit dem Marxismus}
Ausscheidung des marxistischen Giftes aus unserem Volkskörper. Und es war, meiner Überzeugung
nach, damals die allererste Aufgabe einer wirklich nationalen Regierung, die Kräfte zu suchen und zu
finden, die entschlossen waren, dem Marxismus den Vernichtungskrieg anzusagen und diesen Kräften
dann freie Bahn zu geben; es war ihre Pflicht, nicht den Blödsinn von "Ruhe und Ordnung" anzubeten in
einem Augenblick, da der äußere Feind dem Vaterlande den vernichtendsten Hieb zufügte und im
Innern der Verrat an jeder Straßenecke lauerte. Nein, eine wirklich nationale Regierung mußte damals
die Unordnung und die Unruhe wünschen, wenn nur unter ihrem Wirren endlich eine prinzipielle
Abrechnung mit den marxistischen Todfeinden unseres Volkes möglich wurde und stattfand. Unterließ
man dies, dann war jeder Gedanke an einen Widerstand, ganz gleich welcher Art, purer Wahnsinn.
Solch eine Abrechnung von wirklicher, weltgeschichtlicher Größe findet allerdings nicht statt nach dem
Schema irgendeines Geheimrates oder einer alten, ausgetrockneten Ministerseele, sondern nach den
ewigen Gesetzen des Lebens auf dieser Erde, die Kampf um dieses Leben sind und Kampf bleiben. Man
mußte sich vergegenwärtigen, daß aus den blutigsten Bürgerkriegen häufig ein stahlharter, gesunder
Volkskörper erwuchs, während aus künstlich gehegten Friedenszuständen öfter als einmal die Fäulnis
zum Himmel emporstank. Völkersckicksale wendet man nicht mit Glacéhandschuhen. So mußte man im
Jahre 1923 mit brutalstem Griffe zufassen, um der Nattern habhaft zu werden, die an unserem
Volkskörper fraßen. Gelang dies, dann erst hatte die Vorbereitung eines aktiven Widerstandes Sinn.
Ich habe mir damals oft und oft die Kehle heiser geredet und habe versucht, wenigstens den sogenannten
nationalen Kreisen klarzumachen, was dieses Mal auf dem Spiele stehe, und daß, bei gleichen Fehlern
wie im Jahre 1914 und den folgenden Jahren, zwangsläufig auch wieder ein Ende kommen würde wie
1918. Ich habe sie immer wieder gebeten, dem Schicksal freien Lauf zu lassen und unserer Bewegung
die Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit dem
{774 Die versäumte Abrechnung mit dem Marxismus}
Marxismus zu geben; aber ich predigte tauben Ohren. Sie verstanden es alle besser, einschließlich des
Chefs der Wehrmacht, bis sie endlich vor der erbärmlichsten Kapitulation aller Zeiten standen.
Damals wurde ich mir bis ins Innerste bewußt, daß das deutsche Bürgertum an Ende seiner Mission
steht und zu keiner weiteren Aufgabe mehr berufen ist. Damals sah ich, wie alle diese Parteien nur mehr
aus Konkurrenzneid sich mit dem Marxismus zankten, ohne ihn überhaupt noch ernstlich vernichten zu
wollen; sie hatten sich innerlich alle mit der Zerstörung des Vaterlandes längst abgefunden, und was sie
bewegte, war einzig die große Sorge, selbst am Leichenschmaus teilnehmen zu dürfen. Nur dafür
"kämpften" sie noch.
In dieser Zeit — ich gestehe es offen — faßte ich die tiefste Bewunderung für den großen Mann südlich
der Alpen, der in heißer Liebe zu seinem Volke mit den inneren Feinden Italiens nicht paktierte, sondern
ihre Vernichtung auf allen Wegen und mit allen Mitteln erstrebte. Was Mussolini unter die Großen
dieser Erde einreihen wird, ist die Entschlossenheit, Italien nicht mit dem Marxismus zu teilen, sondern,
indem er den Internationalismus der Vernichtung preisgab, das Vaterland vor ihm zu retten.
Wie jämmerlich zwergenhaft erscheinen dagegen unsere deutschen Auch-Staatsmänner, und wie muß
einen der Ekel würgen, wenn diese Nullen mit ungezogenster Eingebildetheit sich unterstehen, den
tausendmal Größeren zu kritisieren; und wie schmerzhaft ist es, zu denken, daß dies in einem Lande
geschieht, das vor kaum einem halben Jahrhundert noch einen Bismarck seinen Führer nennen durfte!
—Mit dieser Einstellung des Bürgertums und Schonung des Marxismus war aber 1923 das Schicksal
jedes aktiven Ruhrwiderstandes von vornherein entschieden. Gegen Frankreich kämpfen zu wollen mit
dem Todfeind in den eigenen Reihen, war heller Blödsinn. Was man dann noch machte, konnte
höchstens Spiegelfechterei sein, aufgeführt, um das nationalistische Element in Deutschland etwas zu
befriedigen, die "kochende Volksseele" zu beruhigen oder
{775 Nicht Waffen, sondern der Wille entscheidend}
in Wirklichkeit zu düpieren. Hätten sie ernstlich an das geglaubt, was sie taten, so hätten sie doch
erkennen müssen, daß die Stärke eines Volkes in erster Linie nicht in seinen Waffen, sondern in seinem
Willen liegt, und daß, ehe man äußere Feinde besiegt, erst der Feind im eigenen Innern vernichtet
werden muß; sonst wehe, wenn nicht der Sieg schon am ersten Tage den Kampf belohnt! Sowie auch
nur der Schatten einer Niederlage über ein im Innern nicht von Feinden freies Volk streicht, wird dessen
Widerstandskraft zerbrechen und der Gegner endgültig Sieger werden.
Das konnte man damals schon im Frühjahr 1923 voraussagen. Man rede durchaus nicht von der
Fraglichkeit eines militärischen Erfolges gegen Frankreich! Denn wenn das Ergebnis des deutschen
Handelns gegenüber dem Ruhreinfall der Franzosen nur die Vernichtung des Marxismus im Innern
gewesen wäre, so würde schon damit der Erfolg auf unserer Seite gewesen sein. Ein Deutschland, von
diesen Todfeinden seines Daseins und seiner Zukunft erlöst, besäße Kräfte, die keine Welt mehr
abzuwürgen vermöchte. An dem Tage, da in Deutschland der Marxismus zerbrochen wird, brechen in
Wahrheit für ewig unsere Fesseln. Denn niemals sind wir in unserer Geschichte durch die Kraft unserer
Gegner besiegt worden, sondern immer nur durch unsere eigenen Laster und durch die Feinde in
unserem eigenen Lager.
Da die deutsche Staatsleitung sich damals zu einer solchen heroischen Tat nicht aufzuraffen vermochte,
hätte sie sinngemäß eigentlich nur mehr den ersten Weg gehen können, nämlich den, nun überhaupt
nichts zu tun, sondern die Dinge laufen zu lassen, wie sie eben liefen.
Allein in großer Stunde hat der Himmel dem deutschen Volk auch einen großen Mann geschenkt, Herrn
Cuno. Er war nicht eigentlich Staatsmann und Politiker von Beruf und noch viel weniger natürlich von
Geburt, sondern er stellte so eine Art politischer Zugeher dar, den man bloß für die Erledigung
bestimmter Aufgaben brauchte; sonst war er eigentlich mehr in Geschäften bewandert. Ein Fluch für
Deutschland deshalb, weil dieser politisierende Kauf-
{776 Cunos Weg}
mann nun auch die Politik als wirtschaftliches Unternehmen ansah und demgemäß sein Handeln
einrichtete. Frankreich besetzt das Ruhrgebiet; was ist im Ruhrgebiet? Kohle. Also besetzt Frankreich
das Ruhrgehiet wegen der Kohle? Was war für Herrn Cuno da natürlicher als der Gedanke, nun zu
streiken, damit die Franzosen keine Kohle bekommen, worauf sie dann, nach der Meinung des Herrn
Cuno, sicher eines Tages das Ruhrgebiet infolge der Unrentabilität des Unternehmens wieder räumen
würden. So ungefähr verlief der Gedankengang dieses "bedeutenden", "nationalen" "Staatsmannes", den
man zu Stuttgart und an anderen Orten zu "seinem Volk" reden ließ und den dieses Volk ganz glückselig
bestaunte.
Zum Streik brauchte man aber natürlich auch die Marxisten, denn in erster Linie mußten ja die Arbeiter
streiken. Also war es notwendig, den Arbeiter (und der ist in dem Gehirn eines solchen bürgerlichen
Staatsmannes immer gleichbedeutend mit dem Marxisten) in eine Einheitsfront mit all den anderen
Deutschen zu bringen. Man muß damals wirklich das Leuchten dieser bürgerlichen parteipolitischen
Schimmelkulturen angesichts einer solchen genialen Parole gesehen haben! National und genial
zugleich — da hatten sie ja nun endlich das, was sie innerlich doch die ganze Zeit suchten! Die Brücke
zum Marxismus war gefunden, und dem nationalen Schwindler war es jetzt ermöglicht, mit "teutscher"
Miene und nationalen Phrasen dem internationalen Landesverräter die biedere Hand hinzustrecken. Und
dieser schlug schleunigst ein. Denn so wie Cuno zu seiner "Einheitsfront" die marxistischen Führer
brauchte, so notwendig brauchten aber die marxistischen Führer das Cunosche Geld. Damit war dann
beiden Teilen geholfen. Cuno erhielt seine Einheitsfront, gebildet aus nationalen Schwätzern und
antinationalen Gaunern, und die internationalen Betrüger konnten bei staatlicher Bezahlung ihrer
erhabensten Kampfesmission dienen, d. h. die nationale Wirtschaft zerstören, und zwar dieses Mal sogar
auf Staatskosten. Ein unsterblicher Gedanke, durch einen bezahlten Generalstreik eine Nation zu
erretten, auf jeden
{777 Die "Einheitsfront"}
Fall aber die Parole, in die selbst der gleichgültigste Taugenichts doch mit voller Begeisterung
einstimmen kann.
Daß man ein Volk nicht durch Beten frei macht, weiß man im allgemeinen. Ob man es aber nicht doch
vielleicht frei zu faulenzen vermag, das mußte erst noch geschichtlich erprobt werden. Hätte Herr Cuno
damals, statt zum bezahlten Generalstreik aufzufordern und diesen damit als die Grundlage der
"Einheitsfront" aufzustellen, von jedem Deutschen nur zwei Stunden mehr Arbeit verlangt, dann würde
der Schwindel dieser "Einheitsfront" sich am dritten Tage von selbst erledigt haben. Völker befreit man
nicht durch Nichtstun, sondern durch Opfer.
Allerdings ließ sich dieser sogenannte passive Widerstand an sich nicht lange halten. Denn nur ein
vollkommen kriegsfremder Mensch konnte sich einbilden, okkupierende Armeen mit so lächerlichen
Mitteln verscheuchen zu können. Das allein hätte aber doch der Sinn einer Aktion sein können, deren
Kosten in die Milliarden gingen, und die wesentlich mithalf, die nationale Währung bis in den Grund
hinein zu zerstören.
Natürlich konnten sich die Franzosen mit einer gewissen inneren Beruhigung in dem Augenblick im
Ruhrgebiet häuslich einrichten, in dem sie den Widerstand sich solcher Mittel bedienen sahen. Sie hatten
ja gerade durch uns selbst die besten Rezepte in der Hand, wie man eine störrische Zivilbevölkerung zur
Raison bringt, wenn in ihrem Benehmen eine ernstliche Gefährdung der Okkupationsbehörden liegt.
Wie blitzschnell hatten wir doch neun Jahre vorher die belgischen Franktireurbanden zu Paaren
getrieben und der Zivilbevölkerung den Ernst der Lage klargemacht, als unter ihrer Tätigkeit die
deutschen Armeen Gefahr liefen, ernstlich Schaden zu leiden. Sowie der passive Ruhrwiderstand
Frankreich wirklich gefährlich geworden wäre, hätte die Besatzungstruppe im Verlaufe von noch
{778 Der passive Widerstand}
nicht einmal acht Tagen in spielender Leichtigkeit diesem ganzen kindlichen Unfug ein grausames Ende
bereitet. Denn das ist immer die letzte Frage: Was will man tun, wenn einem Gegner der passive
Widerstand zum Schluß wirklich auf die Nerven geht und er nun den Kampf dagegen mit blutiger
Brachialgewalt aufnimmt? Ist man dann entschlossen, weiter Widerstand zu leisten? Wenn ja, muß man
wohl oder übel die schwersten, blutigsten Verfolgungen auf sich nehmen. Damit aber steht man dort, wo
man auch heim aktiven Widerstand steht — nämlich vor dem Kampf. Daher hat jeder sogenannte
passive Widerstand nur dann einen inneren Sinn, wenn hinter ihm die Entschlossenheit wartet,
nötigenfalls im offenen Kampf oder im verdeckten Kleinkrieg diesen Widerstand fortzusetzen. Im
allgemeinen wird jedes solche Ringen an die Überzeugung eines möglichen Erfolges gebunden sein.
Sobald eine belagerte Festung, die vom Feinde hart berannt wird, die letzte Hoffnung auf Entsatz
aufzugeben gezwungen ist, gibt sie sich praktisch damit selbst auf, besonders dann, wenn in einem
solchen Fall den Verteidiger statt des wahrscheinlichen Todes noch das sichere Leben lockt. Man raube
der Besatzung einer umschlossenen Burg den Glauben an die mögliche Befreiung, und alle Kräfte der
Verteidigung werden damit jäh zusammenbrechen.
Deshalb hatte auch ein passiver Widerstand an der Ruhr unter Hinblick auf die letzten Konsequenzen,
die er mit sich bringen konnte und mußte, wenn er wirklich erfolgreich sein sollte, nur dann einen Sinn,
wenn sich hinter ihm eine aktive Front aufbaute. Dann allerdings hätte man Unermeßliches aus unserem
Volke zu holen vermocht. Würde jeder dieser Westfalen gewußt haben, daß die Heimat eine Armee von
achtzig oder hundert Divisionen aufstellt, die Franzosen wären auf Dornen getreten. Für den Erfolg aber
sind immer mehr mutige Männer bereit, sich zu opfern, als für eine ersichtliche Zwecklosigkeit.
Es war ein klassischer Fall, der uns Nationalsozialisten zwang, gegen eine sogenannte nationale Parole
schärfstens Stellung zu nehmen. Und wir taten dies auch. Ich wurde
{779 Stellungnahme der Nationalsozialisten}
in diesen Monaten nicht wenig angegriffen von Menschen, deren ganze nationale Gesinnung nur eine
Mischung von Dummheit und äußerem Schein war, die alle nur mitschrien, weil sie dem angenehmen
Kitzel erlagen, nun plötzlich ohne Gefahr auch national tun zu können. Ich habe diese jammervollste
aller Einheitsfronten als eine der lächerlichsten Erscheinungen angesehen, und die Geschichte gab mir
recht.
Sowie die Gewerkschaften ihre Kassen mit den Cunoschen Geldern annähernd aufgefüllt hatten und der
passive Widerstand vor die Entscheidung kam, aus faulenzender Abwehr zum aktiven Angriff
überzugehen, brachen die roten Hyänen augenblicklich aus der nationalen Schafherde aus und wurden
wieder zu dem, was sie immer waren. Sang- und klanglos zog Herr Cuno zurück zu seinen Schiffen,
Deutschland aber war um eine Erfahrung reicher und um eine große Hoffnung ärmer geworden.
Bis zum späten Hochsommer hatten viele Offiziere, und es waren sicher nicht die schlechtesten,
innerlich an eine solch schmähliche Entwicklung nicht geglaubt. Sie alle hatten gehofft, daß, wenn auch
nicht offen, so doch im stillen, die Vorbereitungen getroffen würden, um diesen frechsten Einfall
Frankreichs zu einem Wendepunkt der deutschen Geschichte werden zu lassen. Auch in unseren Reihen
gab es viele, die wenigstens auf das Reichsheer ihr Vertrauen setzten. Und diese Überzeugung war so
lebendig, daß sie das Handeln und besonders aber die Ausbildung der zahllosen jungen Leute
maßgebendst bestimmte.
Als aber der schmähliche Zusammenbruch eintrat und man nach Hinopferung von Milliarden an
Vermögen und von vielen Tausenden von jungen Deutschen — die dumm genug gewesen waren, die
Versprechungen der Führer des Reiches ernst zu nehmen — in so niederschmetternd schmachvoller
Weise kapitulierte, da brannte die Empörung gegen eine solche Art des Verrates unseres unglücklichen
Volkes lichterloh auf. In Millionen von Köpfen stand damals plötzlich hell und klar die Überzeugung,
daß nur eine
{780 Der November 1923}
radikale Beseitigung des ganzen herrschenden Systems Deutschland würde retten können.
Nie war die Zeit reifer, ja schrie sie gebieterischer nach einer solchen Lösung als in dem Augenblick, da
auf der einen Seite sich der nackte Vaterlandsverrat schamlos offenbarte, während auf der anderen ein
Volk wirtschaftlich dem langsamen Hungertode ausgeliefert war. Da der Staat selbst alle Gesetze von
Treu und Glauben mit den Füßen trat, die Rechte seiner Bürger verhöhnte, Millionen seiner treuesten
Söhne um ihre Opfer betrog und Millionen andere um ihre letzten Groschen bestahl, hatte er kein Recht
mehr, von seinen Angehörigen anderes als Haß zu erwarten. Und dieser Haß gegen die Verderber von
Volk und Vaterland drängte so oder so zu einer Entladung. Ich kann an dieser Stelle nur hinweisen auf
den Schlußsatz meiner letzten Rede im großen Prozeß im Frühjahr 1924: "Die Richter dieses Staates
mögen uns ruhig ob unseres damaligen Handelns verurteilen, die Geschichte als Göttin einer höheren
Wahrheit und eines besseren Rechtes, sie wird dennoch dereinst dieses Urteil lächelnd zerreißen, um uns
alle freizusprechen von Schuld und Fehle." Sie wird aber dann auch diejenigen vor ihren Richterstuhl
fordern, die heute, im Besitze der Macht, Recht und Gesetz mit Füßen treten, die unser Volk in Not und
Verderben führten und die im Unglücke des Vaterlandes ihr eigenes Ich höher schätzten als das Leben
der Gesamtheit.
Ich will an dieser Stelle nicht eine Schilderung jener Ereignisse folgen lassen, die zum 8. November
1923 führten und die ihn beschlossen. Ich will es deshalb nicht, weil ich mir für die Zukunft nichts
Nützliches davon verspreche, und weil es vor allem zwecklos ist, Wunden aufzureißen, die heute kaum
vernarbt erscheinen; weil es überdies zwecklos ist, über Schuld zu reden bei Menschen, die vielleicht im
tiefsten Grunde ihres Herzens doch alle mit gleicher Liebe an ihrem Volke hingen, und die nur den
gemeinsamen Weg verfehlten oder sich nicht auf ihn verstanden.
Angesichts des großen gemeinsamen Unglücks unseres Vaterlandes möchte ich heute auch nicht mehr
diejenigen
{781 Unsere Toten als Mahner zur Pflicht}
kränken und dadurch vielleicht trennen, die eines Tages in der Zukunft doch die große Einheitsfront der
im Herzen wirklich treuen Deutschen zu bilden haben werden gegenüber der gemeinsamen Front der
Feinde unseres Volkes. Denn ich weiß, daß einst die Zeit kommen wird, da selbst die, die uns damals
feindlich gegenüberstanden, in Ehrfurcht derer gedenken werden, die für ihr deutsches Volk den bitteren
Weg des Todes gegangen sind.
Diese sechzehn Helden, denen ich den ersten Band meines Werkes geweiht habe, will ich am Ende des
zweiten den Anhängern und Verfechtern unserer Lehre als jene Helden vor Augen führen, die in
klarstem Bewußtsein sich für uns alle geopfert haben, Sie müssen den Wankelmütigwerdenden und
den Schwachen immer wieder zur Erfüllung seiner Pflicht zurückrufen, zu einer Pflicht, der sie selbst im
besten Glauben und bis zur letzten Konsequenz genügten. Und unter sie will ich auch jenen Mann
rechnen, der als der Besten einer sein Leben dem Erwachen seines, unseres Volkes gewidmet hat im
Dichten und im Denken und am Ende in der Tat:
Dietrich Eckart.
Schlußwort
Am 9. November 1923, im vierten Jahre ihres Bestehens, wurde die Nationalsozialistische deutsche
Arbeiterpartei für das ganze Reichsgebiet aufgelöst und verboten. Heute, im November 1926, steht sie
wieder im gesamten Reiche frei vor uns, stärker und innerlich fester als jemals zuvor.
Alle Verfolgungen der Bewegung und ihrer einzelnen Führer, alle Lästerungen und Verleumdungen
vermochten ihr nichts anzuhaben. Die Richtigkeit ihrer Ideen, die Reinheit ihres Wollens, die
Opferwilligkeit ihrer Anhänger haben sie bisher aus allen Unterdrückungen kräftiger denn je
hervorgehen lassen.
Wenn sie in der Welt unserer heutigen parlamentarischen Korruption sich immer mehr auf das tiefste
Wesen ihres Kampfes besinnt und als reine Verkörperung des Wertes von Rasse und Person sich fühlt
und demgemäß ordnet, wird sie auf Grund einer fast mathematischen Gesetzmäßigkeit dereinst in ihrem
Kampfe den Sieg davontragen. Genau so wie Deutschland notwendigerweise die ihm gebührende
Stellung auf dieser Erde gewinnen muß, wenn es nach gleichen Grundsätzen geführt und organisiert
wird.
Ein Staat, der im Zeitalter der Rassenvergiftung sich der Pflege seiner besten rassischen Elemente
widmet, muß eines Tages zum Herrn der Erde werden.
Das mögen die Anhänger unserer Bewegung vergessen, wenn je die Größe der Opfer zum bangen
Vergleich mit dem möglichen Erfolg verleiten sollte.

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